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Jüdische Rundschau · 1923-08-08 · Heft 64 (8.8.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 64 (8.8.1923)
Date
1923-08-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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'—■O der den f.V>0 *rein f) har*- “ f p bHgnn K ei־ K >Hun^ U :,r •״D nr. 41. ei.crcn tja-urinn r Toebtnr, ln» StMl* iöuiif'hon 'ir.'ncbBffc F,intritt ir l. 80p• l־>bM.on Vorort, \1ח#וה,י1ז( trnÜolOÖ. )1 Eit, Mirans 4 « 1 dsn 4371 Es ist mir eine Krosse Ehre, diese Tagung, die dreizehnte unseres Parlamentes, eröffnen zu können, das vor nunmehr 26 Jahren aus dem Willen unseres Volkes ffcschaffen wurde. Ich kann Sie, die leKitimierten Vertreter des Zionismus aus allen Teilen der Welt, nicht besser bewillkommnen, als mit unserem unvcrKlcichlich;clilichten und reinen Gruss: Sclialom, der Berriissung ist und ziiKlcich Symbol für die schönste Annäherung von Mensch zu Mensch, für ein Sich- Begegnen im Zeichen des Friedens und der Brüderliclikeit. In diesem Geiste wollen wir uns jetzt die Hand reichen, in diesem Willen verbunden rniteinander und zugleich mit den Millionen unseres Volkes, für deren Geschick wir die selbstKewählte Verantwortunc trasen, wollen wir die ernste und schwere Aufgabe vollbringen, die vor uns stellt. Und in dieser Gesinnung wollen wir, nachdem unsere Beschlüsse uns die Wege der Arbeit gewiesen haben, von einander scheiden und doch zusammen zu bleiben in einer Gemeinsamkeit des Ideals und des Wirkens über alle Länder und Meere hinweg. Geehrter Kongress! Seif unserer letzten Kongresstagung ist das Mandat des Völkerbundes an Großbritannien, das die Errichtung des jüdischen nationalen Heimes in Ercz Israel zum Hauptinhalt hat, zur geschichtlichen Tatsache geworden. Die Erteilung des Mandates erfolgte unmittelbar vor der letzten Zionistischen Jahreskonferenz, die das Ercignis voll gewürdigt und in einer Reihe von Resolutioncii unsere grundsätzliche politische Stellungnähme kund gegeben hat. ־ ׳ Es ziemt sich, in einer Sache von so Schicksalsschwerer Bedeutung für die Zukunft unseres Volkes mit aller Offenheit zu reden. Vielleicht gegen unsere Wünsche hat es sich erwiesen, dass die-Mandatscrteilung, obwohl sie das politische Fundament rechtsverbindlich gelegt, doch nicht alle politischen Schwierigkeiten beseitigt hat. Sie wissen alle, dass eine Opposition gegen Geist und Inhalt des Mandats von Anbeginn im Lande sich geltend machte, die sogar zu schweren Ausschreitungen geführt hat. Diese schlimmsten Ausaitungcn haben sich glücklicherweise nicht mehr wiederholt, aber die politische Gegnerschaft der Ex- Leinen ist darum nicht minder heftig geworden. Im vergangenen Jahre ist die Regierung der Ballour- Deklaration zurückgetreten. Die neue Regicrung hat die Politik ihrer Vorgängerin 01111c tigern aufgenommen und bestätigt. Aber dieser Akt der Regierung hatte nicht die Wirkung, die man von Tun hätte erhoffen können — nämlich in Palästina das Gefühl einer dauernden Sicherung der Verhältnisse zu schaffen — wohl hauptsächlich darum, weil die britische Regierung an die Bekräftigung der Politik ihrer Vorgängerin die Bemerkung fügte: ״dass sie an die Prüfung der Gesamtsituation in Palästina ohne Vorurteil herantreten wolle.“ Eine, bald darauf erfolgte Erklärung des britischen Ministers für Kolodalaugelcgcnheitcn, des Duke of Devonshire, war «ei von jeder Einschränkung dieser Art- Sie lautete ®sdrücklich, dass die britische Regierung die dem jüdischen Volke gegenüber cingegangcncn Vcrpflichtagen aufrecht erhalte. In dieser Hinsicht ist es von nfercsse. dass auf einem erst vor einigen Tagen in London abgchaltcncn öffentlichen Meeting Sir Herfcft Samuel in bestimmter Form erklärte, dass die tausche Regierung volles Verständnis habe für die jtarecliterbaltung einer kontinuierlichen Politik in : ™.ästina. . Die Stellungnahme der neuen britischen Retarung hat ihre Wirkung auf die Dinge in Palästina taht verfehlt Sie hat die positive Haltung derjenigen tc>lc der arabischen Bevölkerung, die geneigt sind, fördert, und man darf hoffen, dass diese Linie der Entwicklung sich fortsetzen wird in dem Masse, wie die politischen Verhältnisse sich stabilisieren. Auf der anderen Seile allerdings hat gerade die Tatsache der Wicdcrbcstätigung der Mandatspolitik durch eine neue Regierung die Leidenschaften der extremen Elemente in gesteigertem Masse entfacht, etwas, was unvermeidlich war und womit wir politisch fertig zu werden haben. Soweit die öffentliche britische Meinung in Presse und Parlament von diesen mandatsgegnerischen Aktionen beeinflusst wird, ist unsere stete Bemühung gewesen, aufklärend zu wirken und mit Entschiedenheit für unser Recht einzutreten. Mit Dankbarkeit dürfen wir hierbei der Unterstützung gedenken, die wir von einer Reihe von Staatsmännern und Persönlichkeiten des öffentliehen Lebens gefunden haben. Die bäuerliche Bevölkerung der Fellachen ht Palästina hat uns im allgemeinen die freundliche Gesinnung bewahrt, die sie uns stets gezeigt hat, und cs bestellen ausgezeichnete Beziehungen zwischen den jüdischen Kolonien und den benachbarten arabischen Dörfern. Das gilt ebenso für die neuen Siedlungen im Emek, wie von den älteren Kolonien. Als ein Symp tom dieser freundnachbarlichen Beziehungen darf man daran erinnern, dass vor kurzem ln einer feierliehen Weise der Friede besiegelt wurde zwischen Petacli Tikwali und den benachbarten Arabern, mit denen die Beziehungen seit den unglücklichen Zu• sainmcnstössen vor zwei Jahren abgebrochen wor• den waren. Die Friedenszerernonie fand in Petacli Tikwa selbst statt, gemäss dem alten Brauch in Palästina, und war mit der Hcrgabc einer Busszahlung an Petacli Tikwa begleitet, als ein Zeichen dafür, dass die Schuld nicht auf seiten der Juden gelegen hatte. Es ist unnötig zu sagen, dass die politische Lage auf alle unserer Tätigkeitszweige in Palästina Einfluss hat und nicht zum wenigsten auf die Ein- Wanderung, die die Grundlage unseres ganzen Werkes, die Voraussetzung unseres Erfolges in allen anderen Tätigkeitszweigen ist. Die Mandatsrcgicrung ist verpflichtet, uns in der Sache der Immigration fördernd zur Seite zu stehen Die Judenheit rechnet darauf, dass die Regierung in Loyalität diese Verpflichtung ausführen wird wie alle anderen. Zu gleicher Zeit' sind wir uns voll bewusst unscrcr eigenen Verpflichtung, die wirtschaftliche Auf iiahmefühigkcit Palästinas in einem solchen Masse zu entwickeln, dass sie geeignet ist, Immigranten in immer wachsendem Umfang zu absorbieren. Der wirtschaftliche Faktor bildet die natürliche Begrenzung der Einwanderungsmöglichkeit. Er ist bedingt durch unabänderliche Gesetze des Gemein sciiaftslcbcns, ohne Rücksicht darauf, was sonst dar über in dem White Paper oder in anderen Doku menten gesagt ist. Wir haben uns deswegen zu bcmühen, zu einem Wirtschaftsystem vorzudringen das gesund und erfolgversprechend zugleich die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes immer weiter entwickelt. Dieser Aufgabe haben wir alle uns zur Verfügung stehenden Mittel zu widmen. Trotz einer beinahe allgemeinen ökonomischen Krise wäll rend des letzten Jahres sind wir doch in der Lage ge wesen, die Einwanderung während der letzten zwei Jahre auf der stetigen Höhe von etwa 1000 Personen monatlich zu halten. Dass dies möglich war, ist nicht zuletzt der selbstaufopfcrndcn Hingabe unserer Ar beiter in Palästina zu danken. Man darf hoffen, dass die Bemühungen, die jetzt angestcllt werden, um industrielle und Landwirtschaftiiciic Aktivitäten in Palästina anzuregen, es uns ermöglichen werden, einer gesteigerten Immi gration die Wege zu ebnen und zu gleicher Zeit die normale Arbeitslosigkeit, die bisher bestanden hat, beträchtlich herabzudrücken. Was über die industrielle Entwicklung gesagt wird, gilt gleicherweise für die Kolonisation. Der Bericht über die landwirtschaftliche Kolonisation, der ln Ihren Händen ist, zeigt, welch ausgezeichnete Er• gebnisse in unseren neuen Siedlungen hn Emek Jesree erzielt wurden, wo das Werk, das vor kaum zwei Mandat als .eia Rui, accomaü aaziuicluucn. gs-ijahrea uö&e gfilurifitigsUft Bßdc׳ä¥C1MUaiss.ea gönnen wurde, jetzt .vorgeschritten ist bis zur Ein- )ringung einer vorzüglichen Ernte. Was liier erreicht wurde, werden wir in Zukunft zu vervielfachen haben. Während wir an unserem wirtschaftlichen Aufbau arbeiten, haben wir nicht vergessen, dass Wirt- Schaft nur der Grund ist, auf dem sich die neue Kulur unseres Volkes in Erez Israel aufzubauen hat Manchem scheint es unangemessen, dass wir, im Anäng unserer Siedlung stellend, schon an eine Universität denken. Sie verkennen die ungeheure geistige, moralische, aber auch politische Bedeutung, die das Bestehen einer jüdischen Stätte höchster Geisteswissenschaft für uns und die Gesamtjudenheit besitzt Es war ein Ereignis von symbolischer Bedetitung, dass der grösste Gelehrte unseres Volkes, ,rof. Albert Einstein, zwei Vorlesungen über Relativitätstheorie in Jerusalem im Namen der künftigen jüdischen Universität hielt. Dieses Ereignis eröffnet weite Perspektiven für die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Entwicklung, die aus dem Herzen .Palästinas ausstralilcn wird in die Welt. Seit kurzem sind unter der Leitung von Professor odor Vorbereitungen für die Eröffnung des Mikrobiologischen Institutes im Gange, während die Bemühungen amerikanischer jüdischer Aerzte um die Eröffnung eines medizinischen Forschungsinstitutes m Fortschrcitcn begriffen sind. So wie unser wirtschaftlicher Fortschritt in engem Zusammenhang steht mit unserer politischen Lage, so wird andererseits unsere politische Geltung — cs wäre verhängnisvoll, es nur für einen Augenblick zu vergessen — bewirkt und bedingt nicht nur von der, Kraft, die wir in der direkten Form von politischen und diplomatischen Aktionen einsetzen — mindestens ebensoviel wiegt das Argument der Tatsache, das Mass, die Qualität und das Tempo unserer aufbauenden Arbeit in Palästina. So, indem wir das Werk unserer Bestimmung vollziehen, die Wicdcraufrichtung unseres Ercz Israei, wirken wir zugleich am besten für die Erstarkung unseres politischen Rechtstitels. Jede neue Kolonie, jede kulturelle, jede soziale Ncuschöpfung, gewirkt in friedvoller Hingabe, in unbeirrtem Glauben an die Gerechtigkeit unseres Sache, ja, jeder einzelne Immigrant, der die Kelle, den Spaten oder die Pflugschar führt, ist uns ein Eideshelfer, hundertmal beredter als das geschriebene Wort, vor der Mandatarmacht, vor dem Bund der Völker, vor unseren arabischen Nachbarn, ein Zeuge für unseren Willen, jedes Recht aus dem Mandat mit der Bürgschaft unserer ehrlichen Leistung zu verstärken, ein Beweis für unsere produktive Kraft, für unser Vermögen, das Land zu neuer Blüte zu bringen, zum Nutzen aller seiner Bewohner, eine Antwort auf das Vertrauen der uns Wohlgesinnten wie auf das Misstrauen und die Entstellungen der uns nicht Wohlwollenden. Darum ist nichts so gefahrvoll für uns, wie ein Stocken unseres Wirtschaftswerkes, nichts so fördernd nach innen und aussen wie ein stetiges, systematischcs Fortschreiten unserer friedlichen Niederlassung im Lande. Und darum bedeutet Geld so viel für uns. Nicht weil wir eine Kolonisationsgcsellschaft sein wollen, vereinigen wir so viel Arbeit um den Keren Hajessod. sind wir so eifrig bedacht auf unscre finanzielle Ausrüstung. Geld ist für uns nicht das gewöhnliche Mittel, Güter zu erwerben, es ist ein edelstes Lösegeld, hingegeben, um unseren Boden zu erlösen, ein Wertmesser für die Fälligkeit unseres Volkes zum letzten Opfer und zugleich ein Massstab für seine schöpferische Kraft. Nie konnten wir das so deutlich sehen, wie im vergangenen Jahr. Viel zu wenig, gemessen an den Notwendigkeiten, aber doch manch Wertvolles ist im letzten Jahre geschaffen worden. Neue Siedlungen sind entwickelt Hunderte von Häusern in den Städten gebaut, das Werk der kulturcilen und sozialen Wohlfahrt weiter gepflegt worden. Aber es geschah unter, ausserordentlichen Schwierigkeiten und für eine Zeitlang sogar unter den Aengsten einer schweren Krise. Sie ist glücklich überstanden worden dank der wundervollen Entfaltung von Energie durch unsere amerikanischen Gesinnungsgenossen, dank der .ßfiferwUliglKtt .der 8MsriltaBisct1ea.J1id«u dank auch , •T■1; *,,V # ׳;■׳ 1 ‘ff 1’/•• י: irT'־'־: L , I ' . ■ 11 ‘Lj '"■>; fi. t 1 V׳T;!.,‘T 1! 1:׳T •I ״ t! y י:

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