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Jüdische Rundschau · 1923-08-03 · Heft 62 (3.8.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 62 (3.8.1923)
Date
1923-08-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Viel wichtiger aber als die Tätigkeit des Staates sei die irnw wachsende Zahl der privaten Unternc 11־ jiiingen, die in Palästina gegründet werden. Es entsieben neue Siedlungen in den verschiedenen Teilen des Landes und Tausende von Häusern werden gebaut. Das seien Anzeichen eines wirtschaftlichen Fortschrittes. Audi der Zustand der öffentlichen Sicherheit sei gut und Paläslina sei im allgemeinen ruhig. Die Verwaltung deckte Üiit Ausgaben im Lande selbst und die Kosten der Garnifon seien von 4 Millionen Pfund auf 2 Millionen und zuletzt auf eine Million reduziert worden. Im nächsten Jahre sollen die Kosten nur eine Million und später noch weniger betragen. Sir Herbert Samuel bemerkte, daß die Zionistisehe Organisation zum Wöhle des Landes viel beigetragen habe. Durch die von ihr und dem Keren Hajessod zur Verfügung gestellten Mitiel kennten viele nötige Arbeiten durchgclührt werden. Der mächtigen u»d überzeugenden Persönlichkeit I>r. V« i 1 in a n n s sei es gelungen, mehr als eine halbe Million Pfund für palästinensische Zwecke atifzubringcn. Sir Herbert Samuel stellt fest, daß die Entwicklung Pa- Ihtinas von einer Bedingung abhängc, und das sei die Sicherheit Es müsse eine stabile Po-!itik betrieben werden. Er habe sich bestrebt, ein Einvernehmen zwischen den Arabern und Juden herbeizu führen. Während die Araber viele Länder haben, findt* das jüdische, Gefühl nur in Palästina seinen Ausdruck. Den Ambern sei wiederholt feierlich versichert worden, daß die Befriedigung der jüdischen Gefühle nicht zu ihrem Schaden gereichen werde. Die Leistungen der jüdischen Kolonisten und der Chaluzim nötigen jeden zur Bewunderung. Sir Herbert Samuel sagte zum Schluß, er sei überzeugt, daß die Korn- Mnation England, Palästina und das jüdische Volk ein geistiges Produkt von höchstem Werte für die Menschheit hervorbringen werde. In der Antwort auf den Toast Sir Israel Ooll,mecs erklärte Sir Wyndhmw De cd es, Palästina sei nicht nur palästinensisches und kein britisches Problem, sondern ein W e 1 (p r 0 b I c m. Palästina sei unvolistäudig gewesen ohne den Zionismus. Der antizionistische Lord Raglan sagte, er sei zwar nicht mit allem, was gesagt wurde, einverstanden, er müsse aber seiner Bewunderung für Sir Herbert S a m 11 e I, mit dem er zusammen gearbeitet habe, Ausdruck geben. In seinem Toast auf den Vorsitzenden, Lord Rothsehild, sagte Mr. Philip Guadalla, kein Zionist könne bei der Nennung, des Namens Rothschild gleichgültig bleiben, wenn auch manche Rothschilds bei der Nennung des Zionismus gleichgültig blieben. In seiner Antwort sagte Lord Rothschild, der erste Mann, der Palästina als das jüdische Nationalheim anerkannt hat, sei sein Vetter Baron Edmond Rothschild. Er selbst aber könne das ihm zugcdachtc Lob nicht annehmen. Er sei nie in dem, unglücklicherweise ■zögenannten, politischen Zionismus tätig gewesen, er habe sich nur bestrebt, daß Palästina, wenn nicht das wirkliche Heim für die Juden, so doch das Zentrum einer jü disehen großen Zivilisation und wenigstens das geistige Heim der Juden werde. Die Kolonlal-Deballc Im englischen Unterhaus Während der Debatte über das Budget des Kolonialamtes im ciiglisrbcu Unterhaus verlangte Captain Foxeroft, daß ein Fngländer ohne zionistische Aspirationen zum Oberkotnmissar für Palästina bestellt werde. Er bcwundere Sir Herbert Samuel, dieser versuche aber etwas Unmögliches. Er sei ein zionistischer Jude mit zionistischen Aspirationen und müßte zugleich mit seinem Oberst,־lalsan״ walt (Mr. Norman!)entwich) auf einen anderen Posten bc■ rufen werden. Es •ollen an deren Stelle gewöhnliche Eng* Linder treten, die keine Privat Interessen haben, Captain Foxeroft sagt, Sir Herbert Satnuel habe einem revolutioniircn russischen Juden große wirtschaftliche Vorteile verschafft. Die Einwanderer seien von schlechtestem Charakter. Captain Foxeroft verlangt, daß die Kontrolle der Immigration den Arabern übertragen werde. Abgesehen von diesem Angriff, der mir die altbekannten Argumente der Antizionisten wicdcrlioUe und oft durch heftige Zwischenrufe aus allen Lagern unterbrochen wurde, ist die Paläst i;1 a f rage im Rahmen der Kokmialdcbattc überhauptnicht berührt worden. Der Unfers'aatssekrcür Ormsby Oore begründete / in seinen Ausführungen nochmals die englische Politik im Middlc-East, die vom Hause durch Oenchmlgtmg des Budgets approbiert wurde: Der Präsident der arabischen Delegation Musa Karin! Pascha hat vor seiner Abreise aus Palästina dem paläst inen•• ückji J. C. B.-Vertreter ein Interview gewährt Auf die Lage des J. C. B.-Vertreters, was die Delegation in London unternehmen werde, da es mm feststcht, daß Großbritannien fe zionistische Politik nicht fallen lassen will, antwortete Musa «aziin Pascha: ״Wir werden uns nicht durch die Anhdit der britischen Regierung bccinfiirsscti lassen. Wir sind *י der Gerechtigkeit unserer Forderungen überzeugt, und *״ verden unsere Anstrengungen forlsctzcn, eine Ein- »isclmiii» in unsere Rechte zu verhindern. Wir werden zu ferm Zwecke alle gesetzlichen Mittel an wenden. Ich perfelich glaube nicht, daß die britische Regierung an ihrer Dkliviirtigen Politik kstliahcn wmt, da diese iltren luter• und den Prinzipien der Gerechtigkeit widerspricht. Die ׳,%״ition wird das Fallcnlassen der gegenwärtigen ziomstifett! Politik und die Einrichtung einer unabhängigen ״,Lenalen Regierung in Palästina, bestehend aus ״rtfctcm der inohametlatikchen, christlichen und jüdischen fetieinden im Verhältnisse zu deren Mitgliedcmhl vor dem k"Tc, verlangen.“ Auf die Frage des J, C. B.-Vertreters, ob Musa Knztin fech,1 angesichts der Balfour-Dcklaration, des Mandates und *f im Unterhause von Mr. Ormsby Gore abgegebenen Er- W'iuiijren an die Möglichkeit des Fallailassena der z.ionistL fett! Politik glaube, antwortete dieser: ״Ich glaube an den ״nüsciicn Gerechtigkeitssinn, und da die Balfour-Dcklaration ״fern wkterfcprkht, wird sie fallen gelassen werden. Jedenw1! «t die Balfour-Dcklaration nicht bindend, da sic nur in! %l'patI1kkundgehung in einem privaten Briefe des Lord «ifour an Lord RotlrsdiUd war,“ (!1 Und San Remo? Und Mandat? - Red. ״J. K״) Auf die Frage, ob eine Kooperation mit der Mandatar* 1״*t möglich ist, falls die Balfour-Dcklaration In Kraft, bleibt, 1״"oitete Musa Kazim Pascha: ״Wir ignorieren die zio- »1*die Politik vollkonuncn. Warn England mit uns m Verständigung gelangen will, muß es sofort eine uatiofe! f ^Kieruiw in Palästina eiuriclücn. Diese Tat wird uns ,5ם> überzeugen, daß die Beherrschung des Landes duwii * ckht hi der Absicht England» Legt,“ lieber die Möglichkeit einer direkte« VereEindtgimg zwischen den Juden und Arabern nagte der arabische Führer, er anerkenne nicht das Recht der zionictbchcn Exekutive oder irgendeines Juden, der nicht schon vor dem Kriege in Palästina ansässig war, über irgendeine Angelegenheit des Landes zu verhandeln. FaHs die palästinensischen Juden eine derartige Verständigung auf der Basis der arabischen Forderungen wünschen, werden ihre Wünsche berücksichtigt werden, und sic werden die gleichen bürgeriiclieji, politischen und religiösen Rechte haben, wie die Araber.“ { lieber den Hcdschaa sagte Musa Kazim Pascha, König Hussein werde diesen Vertrag nicht unterzeichnen. Er werde nie einen Vertrag, der den arabischen Forderungen entgegensteht, unterschreiben. Alle arabischen Fürsten und die ganze arabische Rasse stimme den Forderungen der Delegatfan zu. Auf die Frage des J. C. B.-Vertreters wegen der frcimd. liehen Stellungnahme König Feisula zu den Zionisten im Jahre 1919 antwortete Kazim Pascha, daß König Feis ul ge״ leugnet habe, derartige Briefe, wie sie von der Zionii tifichcn Org.vnisation veröffentlicht wurden, geschrieben! zu ha I >eu. Leber den Advkxary Counri! sagte Mitsn Kazim Pascha, er glaube nicht, daß eines der Mitglieder, die demissioniert haben, den Posten anncJvmcn werden. Auch die beschlossene Verweigerung der Steuern werde durcligeführt werden, so* bald der Beden genügend vorbereitet sein wird. Zum Schluß erklärte Musa Kazim Pascha: ״Sollte diese Delegation keinen Erfolg haben, werden weitere Delegationen gesandt weixlen, bis sielt die Araber Ochör verschafft haben," Die arallselic Delegation an die britische Kablneltskommlislon London (J. C. B.), Der Präs id ׳,nt der arabischen Dole* gatfon Atusa Kazim Pasclia hat sich an den Vorsitzenden der britischen Kahlnettskommlssfan mit einem Briefe gewendet, in dem er ausführt, die Araber hätten die Einsetzung der KabmctLkommis'ii»):! als einen Schritt zur Lösung des Palästina* Problems betrachtet. Die Delegation bittet, von der Kom* nüseioa möglichst bald aagehfirt m werdta ׳:׳1: ' ־' Der XIII. Kongreß tritt kommenden Montag nU Summen.! Der ZloniHcnkongreß ist — dies! sich bewußt ml machen, ist vielleicht heute wieder angezeigt — das hodeulendsfe rxizi.ilc Erei;;־׳.!״• im׳ jüdischen Leben. Die Linbenifimg des ersten Kongresses durch lfet/1 war die stärkste Revolution in» jüdischen Leben der Diaspora, vielleicht seit den Tagen Sabattai Zwis. Es kommt jetzt nicht daran( an, festzustellen, was primäre und was sekundäre Erscheinung war, ob die Befreiung der Volksenergie, die sich in dem Erwachen der jüdischen Sprache und Literatur, in der Organisierung der sozial unterdrückten jüdischen Massen, in dein Aufbruch der Jugend nach Palästina manifestierte, den Kongreß henorgerufen hat oder von ihm bewirkt worden ist. Der Kongreß selbst war der stärkste und sichtbarste Ausdruck! dieser Umwälzung, dieses im jüdischen Leben durchaus( Neuen, und er ist seit damals stärkster Erreger, die Quelle der gesammelten Kraft des zum Leben drängenden Judentums geblieben. Heute leben wir in einer nüchternen Zeit Leider ist unmittelbar nach dem Kriege, wo die Wellen der Begeisterung hoch gingen tind die neue gerechte Welt- Ordnung sicli aiizukiindigen sciiien, kein Kongreß zusannncngctretni. Er hätte damals vielleicht wieder ein elementares Ereignis werden können. Heute tritt er zusammen, in einer Zeit der Erschlaffung, der Müdigkeit und der Desillusionierung. Er darf nicht von dem Geiste dieser Zeit ergriffen werden. Ueber ihm steht der Stern der zionistischen Idee, der Erneuerung des jüdischen Volkes zum Aufbau seiner Gemeinschaft in Zion, der Wiederaufnahme uralter, nie vergessener Kontinuität. Aua allen Kämpfen, aus allen oft kleinlichen und beschränkten Kontroversen, aus all der schrillen Disharmonie zwischen der Größe der Sache und der Unzulänglichkeit der Ln allerlei Zw׳cckc verstrickten, von allerlei Trieben bcherrschten Menschen, strahlt der Glaube an die sich verwirklichende Idee. Die Zeiten haben sich geändert Die Aufgaben des Zionistenkongresses wären heute, wollte er wirklich alles bewältigen, was vor dem Zionismus steht, unlösbar. Der Kongreß muß sich damit begnügen, prinzipielle Richtlinien aufzustcilcn titttl Männer zu wählen, denen er die Führung der Arbeit und die Führung der Bewegung übertragen will. Seine praktische Bedeutung muß sich auf diese Handlungen beschränken, seine moralische Bedeutung bleibt jedoch uiigcsclunhlcrt. Die Situation, vor die der XIII. Kongreß tritt, ist wesentlich geklärter, als die des XII. Kongresses, des ersten nach dem Kriege. Heute stehen wir in einem Stadium reifender Erkenntnis auf allen Gebieten. Die zionistische Bewegung mußte durch eine harte Schule gehen, ehe sie gelernt hat, den Realitäten ins Auge zu sehen und ihnen stand zu halten. Aber nicht in der, AugcnblicksbegeKirrung über irgendeinen äußeren Er« folg, sondern in dem Glauben an die Richtigkeit den Idee, trotz widerstrebenden Wirklichkeit, liegt Zionismus. Und im Stadium der Verwirklichung muß die Idee an der Realität bewährt werden, nicht im luftleeren Räume der Abstraktion. Zwischen dem1 XII. und XIII. Kongreß liegt die Bestätigung des Mandates und das englische Weißbuch. Per prinzipielle Teil dieses Weißbuches charakterisiert vollständig richtig das Ziel der praktischen Politik dcsl Zionismus. Die zionistische Politik muß in voller Loyalität dieses Ziel verfolgen. Die Tatsache, daß es ein arabisches Volk in Palästina gibt, das keineswegs eine quanütö iicgligable ist, ist heute allen Zionisten heiclts aufgeg,ingen. Der Zionismus steht vor der groß* artigen Aufgabe, gleichzeitig mit seiner nationalen Heimstiittc die Form eines gerechten und brüdetliehen Zusammcnlebcns zweier Völker auf gemeinsamem, beiden teueren Boden nt verwirklichen. Es wäre verhängnisvoll, wenn wir uns dabei von den Stimmen unserer arabischen Gegner irre midien lasen wollten. Wir betonen unseren Willen zu einem Ausgleich nicht aus Opportunismus, sondern weil dieses Ziel unserer Ueberzeugung und unserer Geistigkeit entspricht. Darum ist es verkehrt, w׳cnn immer wieder zionistische Politiker und Publizisten, in der letzten Zeit besonders palästinensische Schriftsteiler, diese!*olitik verhöhnen und eine andere fordern, ohne allerdings klar zu sagen, weiche. Sie sagen, wir hätten schon zu viele Konzessionen gemacht und unsere Geduld sei zu Ende. Eine solche Auffassung ist — wie jede nationalistische Rhetorik — sehr geeignet, populär zu werden. Und gerade darum muß der Kongreß ihr entgegentreten und nicht nur für die fremde Welt, sondern für unsere eigene Welt klar machen, daß der Zionismus die in tkr Dekiaratkm des XII. Kongresses und in dem cuglr-chm Weißbuch nicdcrgelegte Politik un- ן bedingt ItstliälL , ii 1 1 ־■י 1V iJr

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