Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 59 (24.7.1923)
- Date
- 1923-07-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Für Tschechoslowakei: Postjparkasscnamt Prag, Konto Nr.59410. — Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. — h-3ac־:ar־z'i3־aE י״א אב>׳ תרפ״ג VSOSGSSgaKXKSSZaEZZZZZ XXVIII. Jahrg. per Zionismus erstrebt für das jadisthe Welk clla SchsKung einer öffentlich-rechtlich gesicherten HcimsUlUa In ,Pslä stlna. ״Baseler Programm.1 Dsilh ESomgreizj e׳ ßundscfMii 5 I>1 einem Leitartikel ״Stürmende Wogen“, eine j politische Betrachtung zum 9. Aw, veröffentlicht E. j ßotscli ko int ״Israelit“ Betrachtungen zur gegenwarugcu politischen Lage. Der bemerkenswerte Artikel bcklagt das mangelnde ״nationale Bewußtsein“ des jüdi- | sehen Volkes, das auf den Ruf ״Ercz Israel“ nicht ge- I nügend reagiert habe und zeichnet die politische Situation | besonders durch die Entwicklung der arabischen Ver- 1 hältnissc als bedrohlich. Der Verfasser kommt daraufhin;i 01 ׳ folgender Forderung: ״Die beiden Kongresse (gemeint ist der Zionistenkongreß und die bevorstehende Tagung | der Kencssioh Ccdauloh der Agudas jisrocl. Anmerkung j J. Red) und die großen englischen jüdischen Verbände, Jic kürzlich ihre Mitarbeit für Palästina zügesagt haben, I nässen ein gemeinschaftliches politisches Programm auf-; steilen;, 1»1d hernach neben der Jewish Agency eine f Delegation nach London, Palästina und Genf entsenden,!' welche den Standpunkt der Judcnhcit klarlegt und anderer- I seits die weiteren Ereignisse auf das peinlichste überf wacht. I Wenn 'dann freilich in dieser letzten Stunde die ן Agudalileitting es ableliut, sich mit den Zionisten an einen Tisch zu setzen, wenn die Zionisten ihrerseits in ihrem Stolz und Egoismus verharren und die Agudah!; nicht brüderlich und mit vollen Ehren und Würden empfangen, werden sie die schwere Verantwortung für alle weiteren Folgen auf sich nehmen müssen.“ ' Zu 'diesem Artikel nimmt die Redaktion des ״Israelit“ unter der Ueberschrift ״Die Politik der Illusion״ Stellung. Ein Zusammenwirken der Zionistenorganisation!und der Agudah auf wirtschaftlichem Gebiet hält der ״Israelit“ auf die Dauer nicht für aussichtslos. Aber politisch sei eine Zusammenarbeit von Zionisten und Orthodoxen abmlehncn. Die gegenwärtige Situation i sei darauf zurückzuführen, daß cs die Zionisten völlig I übersehen hätten, bei ihrem politischen Kalkül die ara- | bische Macht zu berücksichtigen, daß England von vorn- 1׳ herein eine Reduzierung der Balfourerklärung im Sinne •1 der arabischen Wünsche ins Auge gefaßt habe, so- 1 mit könne das politisch verlorene Terrain auch durch ein ן Zusammenwirken Von Zionisten und Orthodoxen nicht wiedergewonnen werden. Im Gegenteil glaubt der ״ls- | acht“, 'daß die arabische Erbitterung nur dadurch be- 1 schwichtigt werden könne, daß nicht alle Juden Zionisten sind und diesen nichtzionistischen Juden gegenüber die 5j traditionelle Freundschaft der Araber für die orthodoxen jj jüdischen Massen fortbcsteht. Deshalb empfehle es sich, ן nicht nur keinen zionistisch-orthodoxen Block zu bilden, | sondern im Gegenteil die Selbständigkeit der Orthodoxie I besonders stark zu betonen, was nicht nur der ehrlichste, f sondern ״zufällig auch der klügste“ Weg sei. I Wir verzeichnen mit Befriedigung den verständigen!Artikel von Botschko und würden nur wünschen, daß eine so ernste und verantwortungsvolle Auffassung der ע gegenwärtigen Situation in weiten Kreisen der nichtäonistischen Orthodoxie zu finden sei. Vielleicht muß ij nan sogar die verklausulierte Erklärung der Redaktion J les ״Israelit“, die wenigstens doch eine wirtschattliche < Zusammenarbeit der Agudah und der Zionistischen Or- I pinisation für nicht unmöglich erklärt, als einen gewissen; 7ortschritt bezeichnen. Was aber der ״Israelit“ im übri-!;en zu dem Aufsatz seines Mitarbeiters erklärt, muß! :ntschicden zurückgewiesen werden. Während sonst seij ens der Agudah .die gemeinsame Arbeit mit den Zio-! «isten aus grundsätzlichen Erwägungen abgelehnt wird, I vas aus der verschiedenen Einstellung zu religiösen | üagen hergelcitet wird, tischt man uns hier eine Ar- 1 jumentation auf, die im Grunde rein taktisch ist und \ »ffcnsichtlich nur deshalb gewählt worden ist, weil man | * gegenüber den von einem wirklichen Vcrantwortungs- ■ j!Hühl getragenen Ausführungen des Herrn Botschko! ncht recht wagte, wie üblich, die Mitiibcrnnhme der •j ^crantwortung In und für Palästina als Chiliul Haschern I ״ diffamieren. Deshalb also müht sich die Redaktion \ ks ״Israelit“ ab, den Arabern cinzuredcn, daß sich I kre Politik nur gegen die zionistischen Juden, nicht I *her gegen die dein Zionismus fernstehenden orthodoxen 1־ Preise richtet und daß es im Interesse des jüdischen 1 Palästina gelegen sei, die Kluft zwischen Zionismus und 4 Orthodoxie nicht nur nicht zu übcrbrücken, sondern sie;;י «eh Möglichkeit zu vertiefen. So sicht der Klal Jisroel- : 'Jedanke in der Redaktion des ,״Israelit“ aus! ׳ Der Standpunkt des Zionismus zur Frage'der gc- 11 ןeinsamen 'Arbeit mit der Agudah ist von uns häufig i Rnug 'dargelegt worden. Wir wünschen die Zusammen- 1 •rbeit mit allen• den jüdischen Gruppen, die am Aufbau | jüdischen Palästina interessiert und mit uns zu- | '«nmen zu wirken bereit sind. Wir haben in den letzten j Monaten Mittel und Wege erörtert und vielleicht ge- SUzung des Acllonslioiiillccs Im Einvernehmen mit dem Präsidium des Äktionskomitecs hat die Exekutive die Sitzung des Aktionskomitces für den 3. August d. J. nach׳ Karlsbad einberufen. ' Die Stellung der französischen Zionisten Die französischen Schckelzahlcr haben die Herren Hillel Zlatopolsky und Ferdinand Cor cos als Dclegierte für den XIII. Kongreß gewählt. Es wurden vier Beschlüsse angenommen, und zwar 1. betreffend die schnelle Einberufung des jüdischen Weltko ng ress cs, 2. in der Zwischenzeit soll die J e wish Agency durch die Aufnahme von Vertretern solcher Organisationen gestärkt werden, die an der Errichtung des nationalen Heims in Palästina und am Keren Hajessod miigearbeitet haben, vorausgesetzt, daß die Zionistische Organisation fünfzig Prozent der Stimmen erhält, 3. der Keren Hajessod soll neutral bleiben, 4. es soll eine große Propaganda für den zionistischen Gedanken geführt werden. Diese Beschlüsse der französischen Zionisten bctonen also gleich den Beschlüssen des Dresdener Delcgieiientagcs gleichzeitig die Notwendigkeit einer Stärkung der Zionistischen Organisation und einer Erweiterung der Jewish Agency, Gemeinsame Sifzunjj der Landsmannschaffen In Karlsbad Auf Anregung der wcstgnlizischen Landsmannschaften hat der Landesvorstand der Zionistischen Vcreinigung für Deutschland beschlossen, die Laudesverbünde zu einer Konferenz einzuberufen, welche a!n 4. August in Karlsbad stattfinden soll. Jede der auf dem Kongreß vertretenen Landsmannschaften soll in diese Konferenz für die ersten zehn Kangrcßdclegiertem einen, für je weitere sechs wieder je einen Vertreter entsenden. Besonderer, Wert wird auf die. Anwesenheit der amerikanischen Delegierten gelegt, ebenso auf die eines bevollmächtigtcn Vertreters der Exekutive. Diese Konferenz wird nach dein von der Z. V. f. D. gemachten Vorschläge unmittel• bar nach den Referaten der Exekutive voraussichtlich also am 7, August, nachmittags, im Plenarsaal des Kongresses unter Ausschluß der Oeffcntlichkcit und in Abwesenheit der Sonderverbände ihre zweite Sitzung abhalten. fttnden, um den großen jüdischen Organisationen der westlichen Länder Mitarbeit und Mitverantwortung zu gewähren. Unser Wunsch ist besonders groß, mit jenen breiten Massen des Volkes zusammenzuarbeiten, die zionistischer Politik und zionistischer Organisation vielleicht fernstehen, aber den zionistischen Gedanken stets aufs tiefste empfunden haben und eine natürliche, niemals abgeschnittene Verbindung mit Erez Israel unterhalten. Unsere Bemühungen, nacli dem Kongreß mit Aufbietung aller Energie die Zionistische Organisation zu stärken und zu erweitern, werden sich vor allem darauf zu erstrecken haben, an jene breiten jüdischen Massen heranzukommen, Von denen wir nicht glauben, daß sie in der Frankfurter Orthodoxie ihre wirkliche Führung und legitimiertc Vertretung anerkennen wollen. Aber auch mit jenen organisierten Führern der Agudas Jisroel haben wir oft genug die Bereitwilligkeit zu gemeinsamer Atbcit nun Ausdruck gebracht. Wir haben mit Aufmerksamkeit die Entwicklung im agudistischcn Lager verfolgt und alle Anzeichen erwachender Palästina-Aktivität freudig verzeichnet, nachdem in den ersten Jahren nach der Öalfour-Erklärung nur Negatives und Ablehnendes aus den Reihen der Agudah zu hören war. Wir werden auch jetzt uns nicht abschrccken lassen, immer wieder mahnend zur Einheit aufzurufen, denn nicht für uns arbeiten wir, sondern für das jüdische Volk. ' *. ,״Stirbt der Zionismus bald?“. Das ist eine Frage, die von Gegnern schon häufiger gestellt worden ist. Wir erinnern uns eines bekannten jüdischen Jour• nalisten, der vor dem Kriege eine aufsehenerregende ״Grabrede auf den Zionismus“ veröffentlichte. Der Zio• nismus ist nicht daran gestorben, und cs war derselbe Journalist, der vor kurzer Zeit beim Erscheinen von Hcrzls ״Tgaebüchern“ ln Worten tiefer Ergriffenheit von diesem Dokument menschlicher Größe ׳ sprach, Audi jetzt wird diese Frage gestellt, und zwar von Herrn Leopold Weiss, der in der ״Frankfurter Zci• tung“ Reisefeuillctons veröffentlicht und darin auch poli• tische und andere Bemerkungen über die jüdische Ar• •beit■in Palästina und die Zukunft des Zionismus macht, Bemerkungen, für die die ״Frankfurter Zeitung,“ im übri• gen die Verantwortung au$<lriickü«U ablehnt* ׳ J Richard Lichiiielm über die Jewish Agency Das Mitglied der Exekutive Herr Richard Licht h eim hielt am 12. Juli in der West London Zionist As sociation einen Vortrag über die Frage der Jewish Agency. Es lagen der Exekutive verschiedene Resolutionen zionistischer Körperschaften vor, die sämtlich die Erweiterung der Jewish' Agency in der Weise Vorschlägen, daß nichtzkmistisdic Gruppen Mitglieder in die Jewish Agency entsenden sollten. Er, der Redner, sei gegen diese Vorschläge. IMe Jewish Agency werde dann niemandem verantantwortlich sein. Ebenso erklärte Herr Lichtheim die Vor« schlüge als unbefriedigend, wie sie z. B. vom Aktions-Comitt: gemacht worden seien, die einen Council von etwa 50 Mitgliedern einsetzen wollen, von denen die Hälfte aus Mitgliedern des Groden A. C., die andere Hälfte aus Mitgliedern anderer jü- ■dischcf Organisationen bestehen solle; denn ein solcher Gauneil werde nur eine beratende Rolle spielen können. Er, Lichtheim, sei nicht gegen eine Zusammenarbeit mit nichtzionistischen Gruppen, aber er trete für eine zionistische Jewish' Agency ein. Man könne Außenstehenden keine politische Verantwortung übergehen. Er sei nicht davon überzeugt, daß Nichtzionisten int Falle einer Krise die zionistische Sache mit derselben Energie vertreten würden wie die Zionisten, Nichtzionisten hätten midi nicht das Recht, diese Verantwortung zu übernehmen, im Hinblick auf ihre Leistungen in Palästina. Er sehe die Notwendigkeit nicht ein, daß orthodoxe Körperschäften in der Jewish Agency vertreten seien; denn hinter diesen Gruppen stände ebensowenig eine tatbercitc Jugend wie materielle Mittel. Es könne leicht dahin kommen, daß Juden nicht mehr Mitglieder der Zionistischen Organisation werden wollten, wenn sie Mitglieder der Jewish Agency werden könnten, ohne der Zionistischen Organisation beizutreten. Lichtheim schloß mit dem Gedanken, daß es vielleicht zu spät sei, zu warnen. Es folgte eine lange Diskussion, in der, nach dem Bericht des ״Jewish Guardian“, dem wir auch den Inhalt von Lichtheims Rede entnehmen, die Mehrheit sich für eine Er- Weiterung der Jewish Agency cinsclztc.' llcbernahtne der Palästina •Stb ulen durch die T3rbu;h• Organisation? Berlin (J.C, B.). Die Vollversammlung der Organisation TarbutH ist für den 10. August einberufen worden und soll gleichzeitig mit dem Kongreß in Karlsbad stattfinden. Die Versammlung soll u. a. auch die Uebcrnahme des hebräischen Sc 11 ul Werkes in Palästina durch diese Organisation Tarbuth beraten, sowie den Arbeitsplan für die Aufbringung des großen hebräischen Kulturfonds (,!Keren Ha Tarbuth") ausarbeiten. Der Verfasser spricht an einer Stelle seines Feuilletons verächtlich von jenen ״p׳.!b'irist;schen Drei-Wochen- Besuchern“ von Palästina und ihrer Begeisterung für die Kwuzoth (die ״Frankfurter Zeitung“ schreibt Ku* ruzoth). Es ist sicherlich nicht zu leugnen, daß der Wert vieler überschwänglicher Begeisterungsartikel über Palästina aus dem Munde von Durchreisenden nicht sehr hoch anzuschlagen ist, nicht höher jedenfalls als absprechende Artikel, auch wenn sie von einem deutschen Staatssekretär a. D. kommen oder von Herrn L. Weiss. Es Ist unvermeidlich, daß der Reisende, der wenige Wochen im Lande sich aufhält, dort bestenfalls nur einen Ausschnitt des Lebens erhalten kann. Freilich wird er diese Eindrücke besser kritisch beurteilen und darlegen können, wenn er eine solche Reise vorbereitet hat, indein er schon vorher versuchte, sich mit den Problemen des Landes zu beschäftigen, das er besuchen will. Wir haben schon seinerzeit, als wir von den Artikeln August Müllers ln der ״Vossischen Zeitung“ Notiz nahmen, darauf hinweisen müssen, daß er über viele Dinge, über die er in Palästina keine genauen Informationen hatte erhalten können, sogar in Berlin sich hätte orientieren können. So wollen wir uns denn nicht im einzelnen damit aufhalten, über die Defizite der Kolonien zu sprechen und die Ungerechtigkeit darzulegen, die Kwuzoth als im ״Bannkreis neurotischer Schwärmereien“ stehend zu bezeichnen. Uebcr diese Fragen freilich hätte der Verfasser im Lande sich besser informieren können, wenn er den Weg zu den Kreisen gefunden hätte, die ihm den notwendigen Einblick verschafft hätten. F.L', Mohamedanisehcr Protesl gegen König Rasseln Jerusalem, (J.C. B.) In Kairo fand eine Ver- Sammlung von Mekkapilgcru statt, die sich mit der durch den Hodschas-Vertrag geschaffenen Lage beschäftigte. Die Versammlung wählte ein sechsgliedriges Komitee, um die Ratifizierung des Vetrages zu verhindern, ln einer Resolution spricht sich die Versammlung dagegen aus, daß König Hussein auf Grund des Vertrages der alieinige B e 11c r r s c 11 e r d e r heiigen Stätten im Medschas werde. Die Resolution warnt Großbritannien, da der Vertrag britische Interessen gefährde und fordert die möhamnictlanischcn Priester aut, den Am bitionea König Husseins entgegen zu treten, I