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Jüdische Rundschau · 1923-07-17 · Heft 57 (17.7.1923) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 57 (17.7.1923)
Date
1923-07-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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RUNDSCHAU 05ו. Seite!י׳ der Berliner ״Deutschen Allgemeinen Zei• 111 ת g" vom 15. Juli erschien in der im genannten Blatt veröffentlichten Artikelserie Lloyd Georges als XXII. Ab• schnitt ein Artikel ״Palästina und die Zionisten“, in welchem sich der gewesene englische Premier nach einerentschiedenen Verurteilung des Antisemitismus eingehend mit der jüdischen Kolonisation Palästinas befaßt und energisch für den Zionismus eintritt. Die Redaktion der D.A.Z. aller• erklären, daß sie nicht in allen übereinstimnit. Wir werden auf noch ausführlich zurückkommen. dings hält es für nötig, zu Punkten mit •dem Verfasser diesen bedeutsamen Artikel füll' Jicn Be» pruppej! j beruht jjsiischen | sind in!■Mionen i Versuch | pen an |;Siehkeit | nlsation | ■en der | vordem I .'ongreß j ive zu etwas j ׳ einer } csclmli,; f vom *;ewählt 1 zu ge«; cd der i :r Gc-; *samt- ' nt men« ihnen; auch r!11. n dem! Vern der , 110 t« , die kipfen. erliche verden eitung enden ein zueinem . 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Hinter den Kulissen der bevorstehenden Kencssio Gcdaulo wird diese Frage aufs ernsteste zu erörtern sein, in w i r t - sch a f 11 i c!1 e r Hinsicht bleibt der jewisli Agency, wie die polnischen Verhältnisse sich auch gestalten mögen, ein weiter Wirkungsspielraum; allein es ist klar, daß die Orthodoxie neben den wirtschaftlichen Erwägungen vor allen Dingen an dem politischen Einfluß, soweit er gestaltend auf die kulturellen Verhältnisse ciinvirkt, Jnteresse hat und daß dieser Gesichtspunkt schließlich der maßgebende für die endgültige Richtung ihrer Entschließungen sein muß.“ ' Am S. Juli sprach Dr. S o 10 w c i t s eh i k in einer Ver- Sammlung von Londoner Zionisten über die Jcwish Agency. Er führte aus, daß, da das ganze jüdische Volk Palästina auf bauen solle, die Zionistische Organisation aber das ganze Volk nicht umfasse, cs notwendig sei, noch andere interessierte jüdische Elemente hinzuzichen. Dies könne erreicht werden durch einen Weltkongreß. Da dieser aber nicht sofort cinbcrufcii werden könne, müsse man diese Kreise durch die Schaffung eines jüdischen Councils gewinnen, mit welchem zusammen die Zionistische Organisation die Jewisli Agency begründen werde. Diese Agency werde aber mir beschränkte Aufgaben haben, da ein Teil der Funktionen dem Zionistenkongreß bleibt. Zu diesen Vorschlägen nimmt Morris Myer, der Herausgeber der Londoner ״Zeit“, in einem in dieser Zeitung erschienenen Leitartikel Stellung. Er meint, daß die jetzige kritische Situation eine weitere Verzögerung der Bildung der Jcwish Agency nicht zulasse. Es sei unbedingt notwendig, die einflußreichen jüdischen Kreise dafür zu gewinnen, daß sie, wenn sic auch verschiedener Ansichten seien, an der Verwirklichung der Bnlfour-Dcklaratlon mitarbeiten. Morris Myer glaubt nicht, daß es möglieh sei, zwei jüdische Agenturen zu schaffen, eine init beschränkten Vollmachten, die andere in der Zionistischen Or« ganisation, da die englische Regierung nicht mit zwei Körperschafteil verhandeln könne, deren Kompetenzen ineinander übergreifen. — Morris Myer verlangt vom Kongreß die Voll« macht für die zu wählende Exekutive, sich so rasch als möglich mit einflußreichen jüdischen Elementen und Körperschäften zu vereinigen und so die jüdische Agentur zu schaffen, welche in der Lage sein müsse, die eroberte politische Position zu verteidigen und zu sichern. 1 Unter der Ueberschrift ״De Profundis“ behandelt fabotinsky im ״Rasswjet“ (Nr. 27) den neuen Kurs in der zionistischen Bewegung, den er als Symptom eines tiefen Verfalls und einer Verflachung der nationalen Weltanschauung bezeichnet. ״Wenn man vor einfachen und präzisen Worten nicht zurückschreckt, so kann man die offizielle Tendenz in der Zionistischen Organisation kurz und deutlich definieren: es ist das Bestreben, Prinzipien aufrugeben in der Hoffnung auf materielle Vorteile der Bewegung.“ Die geplante Reform bedeute keine Heranziehung weiterer Kreise zum Palästinaaufbau, sondern vielmehr eine Verschmälerung der Rechte des Volkes zugunsten fremder und mit den Besonderheiten der zionistischen Arbeit nicht vertrauter Elemente. Die Reinheit und der idealistische Pathos des Zionismus gehe dabei verloren. ״Die Sehnsucht nach dem ,Gwir‘ geht von den Tiefen der Organisation aus“, stellt Jabotinsky fest und fuhrt als Ursachen dafür 11. a. an: die Verarmung des ostjüdischen Bürgertums und die Müdigkeit einzelner Parteiarbeitcr. Diese Stimmung der Massen mache es besonders schwer, auf dem XIII. Kongreß gegen die neue Tendenz an« zukämpfen, zumal die einzelnen Parteigrunpierungcn m diesem Punkt, wenn auch von verschiedenen Gesichtspunkten aus, so gut wie einig sind. Was den Jischuw anbetrifft, so glaube er zwar wenig an die heilende Kraft der Notabchi, seine Widerstandskraft sei aber gebrochen durch den täghehen Kampf ums Dasein und sein Einfluß in der Organisation klein. Von Dr. Emil Levy. Es gibt eine Religiosität, die mit Selbstgerechtigkeit und Unduldsamkeit eng vcrschwistcrt ist. Die christliche Welt pflegt dann von ״Pharisäertum“ zu reden. Die Bezeichnung ist ein historisches Unrecht, das leider auch viele Juden gefkuikenlos den frommen jüdischen (icscizeslchrcrn zufüge״, denen der Mucker und Heuchler nicht weniger verhaßt war wie nur je einem modernen Wcltkiml. — Nun■ lehrt die Erfahning, daß einer besonderen Gruppe deutscher evangelischer Theologen die Geistesrichtung, weiche sic selber als Pliarisäisimis kennzeichnet, durchaus nicht fremd ist; besonders dann nicht, wem! es gilt, Stellung zu Juden und jüdischen Problemen zu nehmen. Professor Da!man, Geheimer Konsistorl.ilrat in Greif”- wrdd, ist ein großer Gelehrter. Im besonderen hat er sich als langjähriger Vorsteher des deutschen evangelischen Instituts für Alienmi1;,\visscnscl1aft des Heiligen Landes zu Jerusalem Verdienste erworben und die archäologische Erforschung Palästinas mit Lust und Liebe gefördert. Wenn man die Jahrgange des von Dalman herausgegebenen ״Palästinajahrbuchcs“ durelißlättert, wird man aus den Reiseberichten des Instituts wertvolle Anregung schöpfen. Aber die Freude ist — wenigstens für jüdische Leser -~ nicht ganz ungetrübt. Daß die populär-wissenschaftlichen Ausfühningeii oft genug durch allerlei erbauliche Zwischensätze gewiir/t sind, darf nicht Gegenstand unserer Kritik sein. Ls ist selbstverständlich, daß ein evangelischer Theologe in Paiästina mit besonderer Vorliebe den Spuren Je.su nachwaudelt und an allen Auswirkungen des Evangeliums liebevollen Anteil nimmt. — Nur ist es ein Kummer für viele fromme Christen und auch für Dalman, daß es im heiligen Lande nicht mir das alte jüdische Lehen gab, das man historisch und theologisch auswmcn kann, sondern daß auch ein neues iüdischcs Leben pulsiert. Man redet nicht gerne davon. Was sich nicht ganz verschweigen läßt, darüber gleitet man mit möglichst wenig Worten hinweg, oder man rückt das Dargestellte in eine tendenziöse Beleuchtung. Nicht selten müssen wir evangelischen Theologen Deutschlands, auch wenn sic über Palästina schreiben, einen halbvcrsteekten oder ganz ofenbaren ״Rischus“ zum Vorwurf machen, eine Engherzigkeit, welche sich von der vorurteilsfreien und objektiven Bctrachtimgsweisc englischer und amerikanischer Bibelgelehrtcn un* vorteilhaft lind unrühmlich abhebt. Professor Dalman ist durch die Kricgscrcignissc jahrelang von Palästina fcrngclinltcn worden. Im Jahre 1921 war cs ihm vergönnt, wieder längere Zeit im heiligen Lande zu weilen. Er hat natürlich vieles verändert vorgdundeti. Und nicht alles hat seinen Beifall, was sich verändert hat. Im ncuerschicneuen ״Palüstin.ijahrbuch 1923“ schildert er seine Reisecmdnicke vom I!erbst 1921, auf der Fahrt durch Saron und Cialilän. — Wie zu erwarten,,gibt auch diese Arbeit eine Fidle von Wissenswertem, und wie zu erwarten, betrachtet der Verfasser das neue jüdische Leben durch die alte Brille. — Wir wollen ihm mehl vorwerfen, daß sein Gefühl nicht prozionistisch eingestellt ist, daß er dem jüdischen Aufbauwerk kein besonderes Interesse zuwendet. Aber der Herr Professor kann nicht umhin, hier und da seine hämischen Glossen zu machen. Und die sollen einmal niedriger, gehängt werden. S. 22, ״Wem! der Jude in die Heimat kam, war es vor allem das Land des Gesetzes, das er betrat. Daß diese Gedanken einer sterbenden Vergangenheit angehören, wurde mir freilich klar, als ich junge jüdische Einwanderer mit dem Prinzip der freien Liehe und völliger Gcsetzesfrciheit halbnackt an der Strallc unterhalb des Karmel arbeiten sah," Es lohnt nicht, sich aufzuregen. Vielleicht hat der Herr Professor etwas vom kommunistischen Gemeinschaftsleben der jüdischen Arbeiter läuten hören. Es hätte einem evangelischen Theologen nahclicgcn können, hier christliche Vorstellungen und Zustände zum Vergleiche hcranzuzichcn. Aber in seiner Wrllfrcnidhcit denkt Dalman offenbar an die europäische libitlo sexuaiis, und er läßt cs nicht nur an Wohlwollen, sondern auch an der notwendigen Aufklärung fehlen. Nehmen wir sogar an, daß in der Wildnis Galiläas fern von jedem Kulturleben junge Arbeiterpaarc notgedrungen ohne bürgerliehe Formalität sich zusammcngetimden haben, so müßte ein ernsthafter und objektiver Beschauer sich doch fragen: Wie geht das zu? Wie ist diese Erscheinung möglich oder ar notwendig? — Es fehlt Dalman nicht nur die Vertiefung Bssl-Mactac.30wes (Dr. J. tl! Vor fünfundzwanzig Jahren ist der jiddischen Literatur ihr erster Kritiker in der Per:,011 des unter dem Pseudonym Baal-Machschowes?!!bekannten Dr. Lljaschcw erstanden. Eä ist kein bloßer Zulall, daß der Beginn seiner schriltstellerischen Tätigkeit in die heroische Periode des Zionismus und des judischen Sozialismus (Bumlisinus) fallt. Um jene überdies Völkerlinmfral lind Minoritiitculrage Genf, (J. C. B.) Während der Verhandlungen des Völkerbundrates über die Minoritätenfrage erklärte der Vertretcr Lettlands, M. Walters, seine Regierung a n e r - kenne das Rechtdes Rates, die Lage der Minoritäten in Lettland zu untersuchen, falls diese den in den Verträgen fcstgeiegten Prinzipien nicht zu entsprechen scheint. Die lettische Regierung wird auch ihrerseits die Wiederaufnahme der Verhandlungen über diesen Punkt verlangen können. In seiner letzten Sitzung beschäftigte sich der Völkerbundrat auch mit einigen die Minoritäten betreffenden Fragen. Es wurde beschlossen die Unterzeichnung der von Lita ,11 c 11 abgegebenen Erklärung über den Schutz der Minoritäten a u f die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen. Der Völkerbund rat hat ferner beschlossen, die Interpretation des Artikeln 4 des Miuoritätcntraktates in dem zwischen den alliierten und assoziierten Mächten und der Republik Polen abgeschlossenen Vertrage dem internationalen Gerichtshof zu übertragen. 28 Millionen Dollar Kr Löter j Lodz (1 C B.) Der ״Haint“ bringt die folgende Nachrieht: Ein aus Lodz stammender New Yorker Millionär ist am 27. Juni nach Europa abgercist nut der Absicht, an Jüdische Wohltatigkcitsansiaiicn seiner Geburtsstadfc Mu* lionen Dollar ru verteilen. in das schwierige soziale Problem, welches der Aufbau unseren jungen Chaluzim stellt, es fehlt ihn! auch jeder Wille zum Verstehen wollen. Im flüchtigen Vorbeigehen spritzt er Gift: ״Freie Liebe“, ״Völlige Gesetzesfreiheit“. Daß die Burschen in der Hitze ihre schwere Arbeit mit entblößtem Oberkörper tun, scheint Prof. Dalman eine Bedrohung der öffentlichen Sittlichkeit! An anderer Stelle (S, 32) bekommt der Zionismus eins ausgcwisclit. Bei der Schilderung der deutschen Kolonie Waldheim in der Nähe von Haifa rühmt Dalman: ״In Häusern, Gärten, Tennen, Weinland und Feldern herrschte selbstverständlich musterhafte Ordnung, wie sonst in Palästina außerhalb der deutschen Koloniccn nirgends. Solche Siedlungen ohne Eroberuugspiänc und ohne politischen Hintergrund, wie ihn die Zionisten der von ihnen nicht geschaffenen jüdischen Kolonisation neuerdings gcgeben haben, sind genau das, was Palästina nötig hat, wenn es auf den ihm von 4er Natur vorgeschricbenen Bahnen vorwärts kommen soll.“ Wieder scheint uns Polemik überflüssig. Für den Herrn Professor gibt cs keine Balfour-Dcklaration; er ist ״de mauvaisc foi“. Und merkwürdig weltfremd. Er weiß nicht, daß all die neuen jüdischen Kolonien, die er widerstrebend in seinem Artikel nennen muß (Balfouria, Merchawja, Nuris, Kinereth, Migdal usw.J ihre Entstehung dem Zionismus verdanken. Aber das Kernstück steht am Schlüsse. Nachdem der Verfasser die Umgebungen des Sees von Tiberias geschildert, schließt er (S. 79): ״Den Bahnhof von Samach füllten indische Soldaten. Obwohl cs Versöhnt.׳!!־ (sic) ist, gibt es auf dem Zuge zahlreiche Juden, Auf den Uniformen des Zugpersonals entziffere ich, daß man den Zugführer hebräisch schomcr harekhebet, den Schaffner oseph kartesim, den Kontrolleur mebakker kartesim zu nennen hat. Die Gegenwart Palästinas umfängt mich. Auge und Herz suchen Sehnsucht!• voll den See und seine große Geschichte. Ich verstehe, daß der Mann von Kapcrnaum noch immer der Gekreuzigt? von Golgatha Ist.“ Ich muß gestehen, daß ich lange gegrübelt habe, was mit diesem letzten Satz eigentlich gemeint ist. Er ist ebenso fromm wie wirkungsvoll, nur vielleicht absichtlich etwas dunkel. Dem Zusammenhänge nach kann er wohl mir bedeuten, daß dem Verfasser die Mebraisicrung des Landes und das Umsichgreifen jüdischer Kultur wie eine neue Kreuzigung Jesu er« scheint. De gustibus non est disputandum. Wir aber ver« stehen, daß auch ein großer Gelehrter für das menschlich Große oft blind sein kann. Zeit, wo die jiddische Sprache als Jargon "011 Assimilairtet* 11״d Aufklärern verschrien und die Entwickhmgsausskhten der jiddischen Literatur noch so unsicher waren, gehörte s.d Mut dazu, sich der jiddischen Literatur, einer in weiteren Kreisen geradezu ״Littcritiire mccomiuc“ zu ergeben und in ihren ■Dienst die eigene schriftstellerische Begabung zu stellen. Baal-Machschowes hat diesen Mut aufgebracht, weil er vom Glauben an die Schaffenskraft des jüdischen Volkes beseelt war und seine schriftstellerische Tätigkeit ihm nur auf hterarisch-kritiscliein Gebiete als eine Nutzanwendung der von jener Epoche in die jüdischen Marsen geschlenderten Parole der Sclbsttätigkeit, der Autocmarwipation und der Auflehnung gegen die das Judentum bedrückenden Gewalten erschienen ist. Die Worte Dr. Chajim Sc h i 11 o w sk y s: ״Deutsch und Russisch sind meine Brotsprachen, aber Jiddisch ist meine Herzenssprache‘‘ hatten damals großen Eindruck aut den Berner Studenten Lijasclicw gemacht, und er hat in ostjüdisch-idealistischer Weise beschlossen, ״ins Volk‘‘ zu gehen, die Volksseele zu erforschen und wenigstens einen Teil seiner Pein mitznlchcn. Damals hat er der jiddischen Volksspräche die Treue geschworen, und dieser Treuglaubc ist 'nicht zuschanden geworden: Werden heute die größten Namen der jiddischen Literatur genannt, 80 wird auch der Name Baal-Machschowes genannt; der Siegeszug der jiddischen Literatur i11 unserer letzten Geschichtsperiode ist auch gleichzeitig eine Mühenilohming ihres ersten Kritikers, der seine Sache auf nichts gestellt zu haben schien und nun Zeuge der wertvollen Geistcsreiclitumcr geworden ist, die sich im Schatzkästchen der jiddischen Literatur auigcliäuft haben. Baal-Machschowcs ist nicht mit dem Maßstabe bloßer verstandesmäßiger Kritik an die damals noch so junge jiddische Literatur herangetreten: Die mütterlichen Gefühle des echten Liebhabers, der das Schicksal unserer Künstler und ihrer Schöpfungen mitcrlebt hat, sind ihm für seine Pionicrrolle zustatten gekommen und haben aufs Nachhaltigste unsere Literatur gefördert. Schalom Asch, Nomberg, Einhorn, Weißenberg und so viele andere sind, von seinem Segensspnich begleitet, in der literarischen Arena aufgetreten. Für die alteren Schriftsteller, wie Mcndeie (S. Abramowitsch), Scholcm Aleiclicm, Percz, Bjalik hat er durch seine kritischen Essays ein künstlerisch reiferes Verständnis in weiteren Kreisen geweckt. Auch die jüdischen Künstler — Maler, Musiker — haben ihm manche Aufmimterung zu verdanken. Für Baal-Machschowes ist die prinzipielle Einstellung auf eine jüdische literarische Substanz, die sich nur in zwei Sprachfornien, der jiddischen und hebräischen, offenbart, eigentümlich. Seine kritische Arbeit hat auch den Talenten der hebräischen Literatur gegolten, einem Bjalik, Tschcrnichoswky, Schncur, Feuerberg, Brenner, Sehotfman, Berditschewski usw., die ihm eine feine Einfühlung in ihr so individuell geprägtes Schalten verdanken. Der vom Berliner Komitee zu Ehren Dr. Eljaschews veranstaltete Jubeltag mit nachfolgendem Bankett ist feierlich verlaufen. Man kann nur dem Jubilar wünschen, daß er die Kräfte finde, um noch viele Jahre seine Tätigkeit zu Nutzen und Frommen der jiddischen Literatur und der jü* dischen Kultur überhaupt lortzusctzcn. W. Latzky-Bertoldi. Der Festabend zu Ehren Baal-Machschmves fand am 14. d. Mts. im Logenhaus statt. Der große Saal war dicht aufmerksamer Teilnahme den Ausführungen der Redner. Es sprach zunächst Herr W. Latzky, der in seinem ausführliehen Vortrag die großen Verdienste Baal Machschowcs’ um die Entwicklung der jiddischen Sprache und Literatur, als jüdischer Kiilturpimiicr par cxccllencc, als einer der Bahnbrecher der neuen jüdischen Literatur leierte. — Nach Laf/ky .xpradi׳•« die Herren Nomberg, Bcrgclson und Klein mann und schließlich erwiderte Baal Machschowes in einer kurzen Ansprache, in der er u. a. betonte, daß sein Streben stets darauf gerichtet war, den unbegründeten Gegensatz zwischen hebräischer und jiddischer Literatur zu liberhrückcn. Der Sprachcnkampf erschien ihm stets als etwas Widersinniges. Die beiden Literaturen sind Schwestern vom gleichen Stamme, die in miserm heutigen Kultur/ustand einander fruchtbar erganzen können. Am Schlüsse des Abends überreichte der Vorsitzende, Herr Latzky, dem Jubilar ein auf Veranlassung des Comitces von Marc Chagall gemaltes Porträt, das mit der Meisterschaft dieses beräumten Künstlers die charakteristisehe Note der geistigen Persönlichkeit Dr. Eljaschews wiedergibt. Nach dem offiziellen Abend vereinigte ein Bankett die näheren Freunde und Verehrer des Jubilars. Es wurden eine große Zahl von Reden gehalten und erst in den Morgenstunden fand die Feier ein Ende. Literarische Mitteilungen Zwischen Deutschland und Aegypten, Palästina,Syrien sowie einigen Ländern Afrikas ist der Funkenverkchr eröffnet worden. Die Tclcgrammgebührcn stellen sich niedriger als die entsprechenden Kabelgcbühren, In Berlin ist eine hebräische Verlagsgcsellsdiaft A. G. 1״Eschkol“ begründet worden, die es sich zu ihrer vornchmlichcn Aufgabe rn.icht, die klassischen Werke der hebräischen Rcligicmsplulosophic, Moralliteratur,• Kalibalah und andere Gebiete des hebräischen Schrifttums in Form einheitlieber Sammlungen, von Fachmännern ediert und eingelcitet, herausztigeben, außerdem auch eine Reihe von Monographien über die bedeutendsten jüdischen Dichter und Denker, sowie umfassende Eiuzclwerke, Für die nächste Zcil wird die Veröffentlichung folgender Werke vorbereitet: Emunoth wedeoth des Saadiah Gaon, ed. von Prof. Dr. Malter, Philadelphia, Morch Ne buch im des Maiinonidcs, ed. von Prof, Dr. A pto w i t ze r, Wien, Auswahl aus den Schriften des R. Mose Cordovero, ed. von Dr. Ho« rodet zk i, M i w c 11 a r h a p’ n i n i m , ed. von Prof. J. Davidson, New York, Gedichte des R. Israel Nagarab, ed. von Prof. J. Davidson, New York, Sammlung von mittelalterlich-jüdischen Sprichwörtern, von Prof. Dr. J. Davidson, New York, Sefer chasonim, cd. von Prof. Dr. J. David« son, New York, Machbaroth des Emanuel Haromi, ed. von Oberrabbiner Dr. Ch. Brody, Prag, Ben ha me« lech wchanosir, ed. von Dr. Benzion H alpe r, New York, Harne wakcsc 11, ed. von Dr. Benzion Halpe r, ,New York, Mcor Enaim, ed. von Dr. S. Bern feid, Berlin, Mckor Chain! des Oabirol. Olam Katan des K, Josef ibn Zadik, Sefer babahtr, Sefer hae*

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