Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 56 (13.7.1923)
- Date
- 1923-07-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nach- <11;£׳ der Redner fcstgcstellf, daß der deutsche Landesverband Unpoct 1 lazai'r ein integrierender Bestandteil des ffitaclnlul jCj und daß er, soweit dies nudt nicht zutreffe, noch inniger ״it der üesamtbewegung verwachsen müsse, wendet er sich den allgemeinen Fragen der llitachdut zu. Heute sei die Jiitaeluiut nicht mehr eine mechanische Vereinigung von Landesparteien, sondern eine einheitliche Bewegung mit bcsoliderer Art und besonderer Aufgabe. Was in letzter Zeit in der Bewegung geschahen wurde, hatte einen besonderen J-iitadidutcharaktcr. In der Entwicklung der Hitachdirt könne inan schon drei Perioden unterscheiden: von der Prager 1(011• ferenz bis Karlsbad, von Karlsbad bis zur Berliner Konferenz und den Zeitabschnitt seit dieser Tagung. Die eiste Periode stand unter dem Zeichen der A!ijah. Die llitachdut war Träger dieser Idee und Organisator ihrer Durchführung, js War «in Werk größter nationaler Bedeutung, verhindert aber die organisatorische und ideelle Koiisolidicuiiig der Bewegung. Während des zweiten Abschnitts vollzog sich mm die Festigung der Organisation, Dazu bedurfte es einer liingehungsvo'len Arbeit, hauptsächlich konzentriert in Polen simi Amciika. Obgleich die Arbeit noch unter dem Mangel programmatischer Richtlinien litt, gelang cs doch, uns der Bewegung eine lebendige Einheit zu gestalten. Die Berlitier Konferenz unterzog sich der Aufgabe, programmatische 'fliesen jmfzustclicn, und cs gelang, einen Entwurf hcrzustcllcn, den die Konferenz akzeptierte und der der Partei eine einheitliche Grundlage legte, heiklem konnte die liitachdut daran gehen, sich zu verbreitern und in neuen Ländern Fuß zu fifsscu; heute hat die Bewegung in fünfzehn Ländern ansgebaute Stützpunkte, es bestellen darunter starke Parteiorganisationen, in Polen, Litauen und Lettland mit eigenen Vertretern in den Landcsparlnmcnten. Die Zitkunftsaufgabc der liitachdut he* stellt neben der weiteren Verfolgung ihrer nationalen (ialuthpolitik darin, an der Ucbcrwiudtmg der allgemeinen Deprcssion, die gegenwärtig die Aufbauarbeiten in Palästina lähmt, .mitzuwirken. Sic kann der Arbciterkotonisation neue Methoden zeigen und Kräfte gehen, ln dieser Richtung kann insbesondere der deutsche Landesverband sehr .Wichtiges leisten. ln der Abeiulsitzirng findet das Referat von Chawer Eli A sc 11 er über ״Hapoel Hazai'r und Jugend• bewegung“ statt. Der Referent führte aus: Die Wirksnmkeit, vor allen Dingen die ideelle Bedeutung des Hapoel Hazai'r für die zionistische Jugendbewegung in Deutschland sei uiiverkemmbar und i!1 den wichtigsten Fragen der Er- Ziehung sei der herrschende Geist Geist des Ilapoüi Hazai'r. .Auf solche Methoden der i leellen Einflußnahme müsse auch die künftige Arbeit eingestellt sein. Redner spricht sich in längeren Ausführungen gegen die Bildung einer eigenen Parteijugcnd aus und begründet zum Schluß die These, daß der Hapoet Hazai'r in Deutschland sich darauf beschränken müsse, die geistige Führung mt|p1׳halb der zionistischen Jugend• bewegung zu übernehmen, An der folgenden Debatte beteiligten sich’ außer den Delegierten auch Mitglieder des ״Brith Hnolim“ und des ,״Blau-Weiß". Bhmiberg betont im Gegensatz zu dem •Rcfcreuten, daß die bisherigen Gruppierungen innerhalb der Jugendbewegung Stegs ittir. im. Gefolge, unter dem Einfluß und mit dcr'''!deb!ogie' bestimmter Parteiungen erfolgt sei. Auch diejenigen jugendgruppen, die solches von sich leugneten, entsprächen in ihren Bejahungen und Negationen gewi'sen Parteiste!iungcn. Auch der Hapoel Haz.a'ir müsse endlich dazu übergehen, eine selbständige Parteijugcnd zu imtieren. Diese Ansicht wird jedoch in der weiteren Debatte nicht geteilt. Als Ergebnis der Debatte kann zusammenfassend wieder״egeben werden, daß cs sich für den Hapoel Hazn'ir darum handeln müsse, durch Verstärkung seines ideellen Einflusses und durch engste Zusammenarbeit mit den einzelnen Teilen der Jugendbewegung allmählich einen organischen Zu-ammeiisdiluß' zwischen Hapoel Hazai'r und zionistischer Jugend herbeizuführen. Die Nachmittagssitzung am 24. Juni war durch die Debatte über die Koiigrcßfragcn aiisgdülit. Eingcleilct wurde die Debatte durch ein Reterat von Chawer Georg Landaucr: Das dringendste Bedürfnis der gegenwärtigen zionistischen Arbeit sei kolonisatorische Leistung und die Lösung unserer Finanzierungsproblcmc. Der Kongreß müsse eine konkrete, wennu auch begrenzte Kolonisntionsaufgahe feststeilen und seine Hauptaufmerksamkeit der Finanzpolitik zuwenden, die jetzt neben dem־ auszugestaltenden Keren Hajessod neue Wege der Kapitalbeschaffung für die öffentliche Kolonisation zu suchen habe. Wenn statt dieser Diskussion im Vordergründe des zionistischen Interesses und im Brennpunkte der zionistischen Arbeit gewisse politische Fragen ständen, so könne dies nur dadurch erklärt werden, daß man aus der Unfähigkeit, die drängenden Aufgaben zu bewältigen, politische Methoden cinschlagc, um sich einstweilen aus der Verlegenheit zu ziehen. Die politischen Fragen, uni die cs such hierbei handelt, seien Erweiterung der Jcwish Agency In Verbindung mit der Angelegenheit des _ Palästina-Weltkongresses mul einer Reorganisation der zionistischen Bewegiing, Redner legt in längeren Ausführungen die Stellung־ nähme der verschiedenen jüdischen Organisationen und zionistischen Parteien zur Einberufung des Palästina-Weltkongrosses dar und kommt zu dem Schluß, daß eine Verpflichtung, den Palästina-Weltkongreß bereits im nächsten Jahre einzuberufen, von der Zionistischen Organisation nicht übeniommni Werden kömine. Gleichwohl müsse die Propaganda für diesen wichtigen Gedanken weitergehen mit dem Ziel, den Kongreß durch demokratische Wahlen mdlich cinzubcrufcu, um aus ihm die dem Kongreß verantwortliche Jewisli Agency 11er- Vorgehen zu lassen. Der Referent bespricht ausführlich den Charakter der Jewisli Agencv, ihre Funktionen und die Gründe, die jetzt zur Parole der Erweiterung der jewisli Agency führe. Da wir keinen fördernden Weg unbcschrittcn lassen dürfen, erklärt der Referent es für erforderlich, die Erweiterung der Jewisli Agencv zu betreiben. Dies könne nur geschehen durch eine stufenweise Weiterentwicklung des gegenwärtigen Zustandes von der jetzigen Zionistischen Organisation als Jcwish Agencv durch Ergänzung um weitere jüdische Gruppen bis zum Ziele der Palästina-Weltorganisation. In jedem dieser Stadien seien die Organe demokratisch zu wählen und verantwortlich zu machen, jede andere Form der JetvirJ( Agencv müsse erst durch entsprcdiende Sicherungen tauglich gemacht werden. Der Redner wendet sich sodann dem zitr Losung aller dieser Fragen empfohlenen Projekte Hell man 11 zu, das eine Erweiterung der Zionistischen Organisation durch schekeltose Volkswaiilen, eine sachverständige Bearbeitung des zionistischen Budgets sowie Wahl und Kontrolle der 7.1 onistischen Exekutive durch einen permanenten Kongreßausschuß, der den verantwortlichen Präsidenten mit dem Rechte wählt, seine Exekutivliste, auch wenn dadurch die Erweiterung der Jcwish Agency erfolgt, vonwiegen, 11» Vorschlag bringt. Endlich besiinYht der Referent nodt unsere. Arabcrpohük und verlangt ein ausdrückliches Fortsciireiten m Sinne der Dtkkraüoa des Xll« Zionietcakongrcsaes, i»o Vs••1;'* it - י״ ח׳ j %«■) < Liial ו (י», mit v!«rU1JlhrlUh 10000- 20000 M. 35 000- «000 M. 10000-150000 M. I. Stafe: (Jugendliche um! Personen ganz kleinem Einkommen) .... II. Stufe: (Personen mit gering. Einkommen) III. Stufe: (Personen m. mittleren Einkommen) wln<5*»t0ni *her den Ciefemwert von S Goldmtrk IV. Stufe: 1 (Personen mit höherem Einkommen) 160000—300 G00 M. I «her den fl«j?911nert 4 «®ז öoldnurk V. Stufe: j (Personen mit höherem Einkommen) von 500000 M. an ) ulnd®1Un• •bei dtn Segtianait vaa lt tt«14atfk 1 Goidmnrk «*6 1 יh. Zionisten zahlt Zionistensteuer! Unterstützt die Arbeit Eurer Organisation! Postscheckkonto: Zion. Vereinigung f,Deutschland,Btrlln8091! Dankkonto: DarinstädUr-a.Nationalbaiik.Dep.-Rasse, KurfQrstendamm 52. In der Debatte setzt sich Chawer Welt sch für den so״. Wei/niaiinsclicn Irtan der Erweiterung der Jcwish Agency ein. Nai'hilciii sich die weiteren Redner in der Debatte fast ,lussclilii'ßlich mit «len Hellin,•!mischen Reform vorsclilägcn bcfaßt hallen,!viril die weitere Behandlung itcr Koiigrcßfragcn der Hnpoi'l-I lazai'r-Frnktion auf den Delegicrtent'ig übertragen, in der Fraktion sollen vom Zentralen Waad Richtlinien im Sinne der Debatte vorgclcgt werden. Bei den nun folgenden )Valilen wird zum Vorsitzemlcn des deutschen Landesverbandes Chawer Georg L a n d a 1» c r gewählt, als Mitglieder des Zentralen Waad: Gerda Arlosnroff, Albert Bacr, Ernst Bernhard, Josef BUtnibcrg, Mchdclsohn, Sandbank, Artur Sitberstein, Adolf Strauß. Das Plenum besteht aus den Chawerim: Chajim Arlosnroff, Fricdland (llitachdut), Weltsch (Berlin). Marcus (Breslau), Toeplitz (Hamburg)] Ascher (Magdeburg), Teichmann (Dresden), Klcinplatz (Frankfurt), Nathan (Köln), Samucl (Güttingen). Um 1 Uhr naclits wurde die Landeskonferenz geschlossen. Zu den Kongreßwahlen in Deutschland Vom Deutschen Landesverband Hapoet Hazai'r erhalten wir folgende Zuschrift: An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau׳', Berlin. Wir bitten!rötlichst, in der Angelegenheit der Kongreßwählen nachfolgende Erklärung des Zentralen Waad des Deutschen Landesverbandes Hapoel Hazai'r zu veröffentlichen: 1. Die •04111c jede erläuternde Bemerkung erfolgte Verötfcntlicliung der Wahlliste der deutschen Zionisten in Nr. 54 der ״Jüdischen Rundschau" läßt den Charakter dieser WahJliste völlig im unklaren und kann Anlaß zu Mißverständnissen über ein etwaiges Zusammengehen der Gruppen, deren Vertreter auf der Liste figurieren, geben. Demgegenüber stellt der Zentrale Waad fest, daß es sich bei dieser Liste weder um eine ״Koalition" noch um einenn Zusammenschluß auf einer gemeinsamen Wahlplatt• form handelt. Vielmehr stellt die Liste eine lediglich tech• n i s c h e Einheitsliste dar, auf der auch Vertreter des Deutschen Landesverbandes Hapotfl Hazair nominiert sind, nachdem unser Wunsch, mit einer eigenen Liste in den Wahlkampf einzutreten, an dem Widerstand der allgemeinen Zionisten, deren Zustimmung nach dem Statut hierzu erforderlich war, gescheitert ist. 2. Die gewählten Delegierten des Deutschen Landesverbandes Hapoel Hazair sind demnach: Chajim Ariosoroff und Georg Landauer, die Ersatzdclcgierten: Rudolf Samuel und Josef Blumberg. Die Delegierten werden auf dem Kongreß der Hitachdut-Fraktion anngehören. Hochachtungsvoll mit Zionsgruß Deutscher Landesverband Hapoel Hazair. gez,: Landauer. Sitzung des!iMJseka Natlonalratcs lür Ulanen Ko wno (J. C. B.). Am 3. Juli wurde die elfte Sitzung de* jüdischen Nationalrates für Litauen eröffnet. Der neue jüdische Minister Dr. Rosenbauni besprach die Aufgaben des jüdischen Ministerium«. Er wirft die Frage auf, ob der jüdische Minister im Kabinett verbleiben kann, falls dieses eine antisemitisehe Politik betreibt und beantwortet diese Frage mit Ja. Als Aufgaben auf dem Gebiete der nationalen Autonomie erwähnt Dr. Rosenbaum: Die Legalisierung des Nationalrates, Befestigung der Stellung der jüdischen Gemeinden und Ucbcrgäbe der jüdischen Schulden in jüdische Hände. Er versprach, sich den Schutz der wirtschaftlichen Interessen der jüdischen Bevölkerung besonders angelegen sein lassen. Zum Schluß erklärte Dr. Rosenbauni, daß er nicht nur die jüdische Minorität, sondern auch die Interessen aller anderen Minderheiten wahrnchmci« wird. In der politischen Kommission wurde vorgeschlagen, den Nationalist durch direkte Volksabstimmung wählen zu lassen. In ihren R c s o 1111 i 0 ne 11 spricht die elfte Tagung des jüdischen Nationalrates für Litauen ihre Zufriedenheit aus über das Ergebnis der letzten Scjmwalilen für die jüdische Bevölkerung, sowie die Bestimmung des Dr. Rosenbaum, der das Vertrauen der jüdischen organisierten Bevölkerung besitzt, zum Minister für jüdische Angelegenheiten. Es 'wurde auch bcschlossen, die Legalidcrung des Nationalrates anzustreben und möglichst bald eine Nationalversammlung auf Grund des geheimen, direkten und Proportion eilen W ah r c c 111 c sl cinzubcrufcu. In das Exekutivkomitee wurden gewählt: 4 Vertreter der Achduth, 2 Zionisten, 3 Zeirt^ 1 Zion, ein Handwerker, ein Misrachist •und ein Vertreter der Voikspartci. Eingesendet Au Ir n!! I Geschältllche Methoden In Palästina Wir veröffentlichten kürzlich einen Aufsatz von Professor Albert Einstein über seine Eindrücke in Palästina, worin Prof. Einstein u. a.' bemerkt, daß das einzige, was ihm die Freude au der regen Bautätigkeit einigermaßen beeinträchtigt habe, die Mitteilung war, daß für Gelder, die von amerikanischcn Juden leihweise zu Bauwecken zur Verfügung gestellt werden, zu hohe Zinsen genommen werden. Prof. Einstein stellt uns nun zur gefl. Veröffentlichung folgendes an ihn unter dem 12. Juni namens der Palestine Cooperative Co., New York, gerichtete Sdireiben Herrn Julius Simons zur Vertilgung: ״Da unsere Gesellschaft die einzige ist, welche Ocldcr ״amerikanischer Juden" für Bauzwecke ln Palästina austclht, dürfen wir wohl unterstellen, daß Sie auf unsere Tätigkeit abzielen. Wir beehren uns daher, folgendes festzustcllcn: 1. Wir haben eine palästinensische Gesellschaft ״The Paicstine Building Loan Association" begründet, welche ihre Kapitalien gegen erste Hypothek zu 8n/0 Zinsen ausleiht. Die Daileilier aber werden zugleich Anteitzcichner der Association, und der nach Deckung der Verwaltungsspcsen verbleibende Ucbcrschuß kommt der Association, das heißt also den palästinensischen A n teitzcich ne rn, nicht uns, zugute. Der Zinsfuß für unsere der Association geliehenen Fonds darf keinesfalls 6 »/# übersteigen. Da wir aber im Interesse eines gesunden Aufbaus der Organisation ihr die Gelder erst belasten, wenn sie sic tatsächlich benötigt, wahrend wir die Gelder natürlich flüssig halten müssen, so' werden die Zinsen, die uns in diesem Jahr 'tatsächlich zufließen, kaum 30/״ übersteigen. 2. Wir sind der Meinung, daß wir flem Aufbau Palästinas dienen, venu wir Gelder, die uns in der Form von Aktien- Zeichnungen zufließcn, nach gc s ch ä f tfichen Grundsätzen und nicht als Spenden behandeln. Wir haben aber die Höhen de: Dividenden, die uns aus allen unseren Unternelimimgcn zufließen, auf 60/0 für unsere Vorzugsaktien bcschränkt, während alte weiteren Gewinne, die zur Verteilung gelangen, dem Palästine Development Council als dem lnhaber der gewöhnlichen Aktien zufallen, der keinerlei Dividenden verteilt, sondern statutengemäß seine Einnahmen ausschließlich zum Wohl Palästina» verwendet." Morris Rothenberg, Emaimet Neumann und Rabbi Meier Berlin sind zum Kongreß au* New, York nach Europa abgereist, ' ' 1 Ucbcr alle Instanzen und Führer hinweg ergeht dieser Ruf zur Sammlung, an alle, die einer zionistischen Verbin• düng angchaiigcn; die Heimat, Freundschaft und Stärkung in ihr gefunden haben. Krieg und Wirtschaftsnot haben den Ring zersprengt, der uns zusammenschloß. Uns schienen es Ideen, um die wir auscinandcrgegangen. Jede Trennung schien tief und unvermcidbar begründet; — und war doch nur geboren aus irrender Nervosität. Erwacht und sehet Euch um! Die Seele der jüdischen Jugend von damals ist zerfiattert in alle Winde. Der ist gefallen und jener gestorben, im harten und nüchternen Berufe reibt sich der dritte auf. Führer von Konventikeln sind andere geworden. Die Besten nur haben ihre Spannkraft bewahrt und kämpfen — um schattenhafte Nuancen. Auch das letzte Erinnern stirbt allmählich In uns. Wir streben aneinander vorüber, fremd und immer fremder, in tausend Bindungen gehalten, die jeder nur für sich, keiner für alle verspürt. ,Wo ist die Plattform, die uns alle wieder eint? Der ungeheure Ernst de! Stunde vor dem Kongreß muß uns zusammenschmieden. Es darf nicht mehr um Prestigefragen gehen: aber auch keine letzte Einheit in altem ist not. Wir wollen ja keine Auslese sein und kein Freundschaftsbund, keine Armee uni keine Schute. Wir sehnen uns nur danach, das Gefühl des Zusammengchörcns wieder aufleben zu lassen, das Gefühl der Geborgenheit in einer Truppe, die zusammen marschiert. Wir wollen den Starken nicht einsam lassen und den Schwachen nicht schutzlos. Wir wollen wieder eine Stelle haben, die unsere Ideale verwaltet, die uns von der ungeheuren Verantwortung entlastet, einem Geschlecht des Uebcrgangs anzugehören, Einzelschicksalc zu durchkämpfen in einer Zeitdie alte Kräfte verbraucht, um nacktes Einzeileben zu retten. An alle ergeht der Ruf, mögen sic einer Gruppe, an gehören oder nicht. Das K. J.V. aber als älteste und stärkste Gruppierung unter uns hat die zionistische Pflicht, über alte Differenzen hinweg immer und immer wieder zu sammeln und zu halten. Seine Bezirksverb,inde und Altherren-Biindc müssen geöffnet sein für jeden Akademiker, der zionistisch erzogen ist. Um jeden Einzelnen gilt cs unablässig zu werben. Die Tätigen und die Untätigen muß es unter seiner Fahne sammeln zu einer umfassenden Organisation, die ohne Einzelttuancierung im Rahmen einer gcsinmtnfjsmäßigcn Einheit allj zionistischen Akademiker Deutschlands umfaßt. K. J.V., B. Z. K. und Hatikwah haben das Wort! 5י י Rudolf Bersch ak, Breslau. Martin Finkeistein, Dresden. Josef Freund, Breslau. Fritz Guttmann, Kattowitz. Martin Nothniann, Breslau. Arthur Pletrk 0 wsky, Leipzig. Rudolt'P ick , Berlin. Leo Sch we i tze r, Dresden. Gurt Weiß, Breslau. Wer eine schnelle Aktion unterstützen will, wende sich bis spätestens 5. August an Dr. Rudolf Rick, Berlin W, 35, Steglitzer Str. 19, ' ' Air die osljüdisclicn Studenten in Deutschland! Seit vier Jahren befindet sich die ostjüdische Studentenschaft auf der Wanderung von Land zu Land, um an den Hochschulen des Auslandes Aufnahme zu finden. Zu den Ländern, die eine verhältnismäßig bedeutende ostjüdische Studcntenschaft aufzuweisen haben, gehört auch Deutschland. Nach vielen Schwierigkeiten gelingt cs manchem hier und da ztttn Studium zugeiasscsi zu werden. Die Natur dcrSachc bringt cs mit sich, daß an manchen Universitäten größere ostjüdische Zentren entstellen, während an anderen die Zahl der ostjüdischen Studierenden sehr gering ist. Fern von der Heimat, bei unsicheren und unzulänglichen VerkchrsvcrhäUnissen hat der ostjüdische Student viel um sein Studium zu kämpfen. Oft wird dieser Kampf durch die Sorge um das tägliche Brot erschwert. Trotzdem haben nur wenige daran gedacht, sich zu organisicreit, eine Einheit zu bilden, utn wenigstens mit gemeinsamen Kräften der allgemeinen Not abzutielfen, um sich gegenseitig zu stärken, wie in materieller so auch in kultureller Hinsicht. Der ostjüdischc Studentenverein in Berlin e. V. hat sich zur Aufgabe gemacht, Anfang August einen ostjüdischen Studententag in Berlin cin/ubcrufcn. Wir wenden uns deshalb an alte ostjüdischen Studierenden an den verschiedenen Hochschulen Deutschlands mit der Aufforderung: Organisiert Euch, bildet überall Vereine und setzt Euch sofort mit uns in Verbindung, Wir sind fest überzeugt, daß Ihr Euch darüber im klaren seid, wie wichtig und notwendig solche Zusammenarbeit für uns ist. Nur durch Selbsthilfe ist cs möglich, unsere Lage zu bessern. Wollen wir, Kollegen, alles Mögliche daran setzen, um unser Ziel, die Herbeiführung von gesunden für das Studium erträglichen Bedingungen, zu erreichen. Die Initiativgruppe des ostjüdischen Studenten tags. Eliezer Bermann, Baruch Lewit, M, Goldmann,!. 1 ,׳ 'I•;1! •! ,i G־־ I tij§ )4