Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 51-52 (29.6.1923)
- Date
- 1923-06-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mm sagt uns, daß große ,Wissen in Polen und m anderen r־mier11 schon heute tür einen Weltkongreß zu gewinnen 11־,׳. Seihst wenn dies stimmen sollte, so liegt es auf u'r'11311(1, dal! die Teilnahme der jüdischen Massen in Polen 1. finan/iellc Krisis der Zionistischen Organisation im Moment 1o,( ihivemlcn würde. Als sicher kann angenommen werden, - kein Ted der jüdischen Arbeiterschaft in Europa und ‘ Amerika, der bisher nicht sdion sich zum Paliistinagedaiiken!.keimt, bereit sein würde, einen Kongreß mitzumadieii, Orser ׳Teil betrachtet den Palästinagedanken als eine re• »Mitiiäre Sache, die ihrer Ideologie durchaus konträr ist, die ,1״ im Interesse der in ihrem Sinne richtigen Erziehung d ■r Vossen unbedingt bekämpfen muß. Sie will mit Palästina ׳״clils gemein haben. Möglicherweise wäre die westliche Orthodoxie für eine Teilnahme am Kongreß ־zu haben. Hier 1,-mk-lt es sich tatsächlich um eine geschlossene, mächtige (־irnppe. deren Cicsinmmg aller Mühe wert wäre, zumal die westliche Orthodoxie sdion seit mehr, als einem Jahrzehnt, und zwar, wenn sie es auch nicht zugeben will, so doch ״:,hl mimlrr gewiß unter dem Einfluß der zionistischen Pc• uTi'iimf ihre Stellung zu Palästina einer starken keviriim luitcr/ngfii hat. Aber so weit cs sich um Gruppen handelt, jjC nicht zur organisierten Treimungsorthodoxic gehören, werden sie auch ohne Weltkongreß vom Misrachi crlangbar!cin Mit der Trcnmingsorthodoxic selbst aber gibt cs meiner Moiimig nach kein Paktieren. Sie ist die wahre Todfeimliu!;,-s nationalen Gedankens, die ihrem separatistischen Prinzip ,ries opfert, die vor keinen Mitteln zurückscl»rockt. _ Mit ilif ist keine Einigung möglich, so lange die Zionistische ()!״;misatiou nicht bereit ist,’ Opfer zu bringen, die sie bei Oircr (Icinokraiisclien Verfassung, bei ihrer nationalen Grundcinslciimigj bei ihrer Hochachtung vor aller persönlichen Freiheit errilaclt nicht bringen kam!. Und selbst, wenn theoretisch eine Einigung möglich schiene, so bin ich der tiefen Lieber• Tilgung, ’daß die praktische Zusammenarbeit in Palästina mm innerhalb von 14 Tagen wieder auseinamlcrbriiigeu würde. Entscheidend bleibt also die Haltung der liberalen, mehr oder minder assimilierten Oberschicht der Judcnhcit in Westcniopi und in Amerika, die bisher dem Gedanken der nationalen Heimstätte in Palästina 2um geringeren Teile apathisch, zum weitaus größten Teile gegnerisch und feindlich gegenüberstellt. Wie könnte mau glauben, daß gerade eine Kongreßbewegung diese an ihren Ansichten kalt fcstltaltcndc, in den weitaus meisten Füllen ihre assimilatorischen Ziele bewußt verfolgende Schicht auf einmal bekehren sollte? Wie könnte man glauben, daß dieser größere Teil der _ Westiudcnheit, der nicht gedankenlos und von ungefähr sein Leben lebt, der vielmehr seit mehr als einem Jahrhundert konsequent soiie Richtung der Entfernung vom Gcsamtjmlenlm11,_ der Trennung von dem östiiclicn Teile unseres Volkes, mit Erfolg erstrebt, der in hundert anderen fremden Interessen verstrickt;st, der ausschließlich fremder Politik, Geschäft, Literatur, Kunst v,5w. nachjagt, auf einmal seine Anschauungen vergessen, sozusagen den Sinn seines Lebens umkehren und sich dem Gedanken des Palästina-Aufbaus öffnen würde? ׳— Es scheint mir, daß für diese Gruppe der Gedanke des Weltkongresses sozusagen in sicli schon einen Widerspruch bedeutet. Mögea viele aus dieser Gruppe Palästina vielleicht als eine Zuflucht• srätle für die armen l'riidcr aus dem Osten anschen, mögen einzelne den Gedanken, daß Palästina etwas Besonderes iüt־ die Juden bedeutet, nicht ganz von der Hand weisen, die ganze Schicht als solche will Palästina nicht und will von Palästina nichts wissen. So muß denn unser Urteil über die Kongreßfrage fcststclicu. Die Organisierung eines Weltkongresses würde eine ungeheure Mühe bedeuten, die Ininspruchnahmc aller verfügbaren Arbeitskräfte für mindestens zwei bis drei Jahre, die Festlegung der Zionistischen Organisation auf diese eine wichtigste Aufgabe während der ganzen nächsten Zeit. Alles andere müßte und würde vernacl’.lässigt werden. Die Krisis in Palästina, die jetzt schon scharfe Formen .angenommen hat, würde während dieser Zeit mir noch steigen, denn an irgendwelche finanzielle 1 Erfolge wäre unter keinen Umständen zu denken, und da jim Ende nach meiner tiefen Ueberzeugung praktisch keine einzige Gruppe von Bedeutung da wäre, die außer uns zum Palästina-Kongreß erscheinen würde, so müßte dieser Kongreß mit einem vollen Mißerfolg enden. Dieser Mißerfolg würde eine Entmutigung sondergleichen unter den Zionisten der ganzen Welt zur Folge haben, die in vielen Jahren nicht zu überwinden wäre. Er würde aber dazu noch zu einer starken Verbitterung der zionistischen Welt gegen die anderen Teile der Judcnhcit führen müssen, und so'wäre das Ende nicht nur keine Heranziehung der Nicht- Zionisten, sondern voraussichtlich eine beträchtliche Ver- Schürfung der Gegensätze. Das Umgekehrte des Erstrebten würde erreicht sein. IV. Die Erkenntnis, daß der Weltkongreß aus allen diesen Gründen für die nächsten Jahre absolut undurchführbar ist, hat in den letzten Monaten zweifellos stark zugenommen. Sie hat den Gedanken der baldigen, kombinierten Zusammen- Atzung der Jcwish Agency ans Zionisten und Nichtzionisten in den Vordergrund der zionistischen Diskussion der letzten Monate gerückt. Die Berichte über die von der Exekutive cingeleitetcn Verhandlungen haben das ihre dazu beigetragen, uns mit dieser Frage eingehender befassen zu lassen. In der Tat scheint die Gefahr eines Mißgriffes hier viel leichter vorztiliegcn, als in der Kongreßfrage, denn auf den ersten Blick scheint eine kombinierte Agency ja einfach und mühelos zu konstruieren. Befallt man sich jedoch mit dem Problem näher, so treten die Schwierigkeiten bald zutage. Die Notwendigkeit einer kombinierten Zusammensetzung der Jcwish Agency aus Zionisten und Nichtz.ionistcu wird neben dem finanziellen Moment vorwiegend auch mit po-!!tischen Argumenten begründet, und es ist ein allgemeines Axiom geworden, daß, wie es z. B. auch in den Thesen von Herrn Dr. Kazuclsou heißt: ״Die Bclassung der Zio• uistischen Organisation als Agency schon formell auf Grund der im Mandat cm gegangenen Verpflichtung zur Heranziehung anderer Kreise des ’jüdischen Volkes nicht möglich ist.‘‘ ■Mauer Meinung nach ist diese Anschauung mit dem Wortlaut des Mandates nicht zu vereinbaren. Der Artikel 4 des Mandates sagt: ״Die Zionistische Organisation soll, solange ihre Organisatlcm und Verfassung nach der Meinung des Mandates, angemessen sind, als solche Vertretung anerkannt werden. Sie soll im Einvernehmen mit Seiner Britischen Majestät Regierung, Schritte unternehmen, um die Mitarbeit aller Juden zu sichern, die gewillt sind, bei der Errichtung der jüdischen, nationalen Heimstätte zu helfen.“ Daraus scheint mir klar hervorzugehen, daß auch die Mamlatarmaclit damit rechnen mußte, daß für sehr lange * /eit noch die Zionistische Organisation allem a's JewisJa Agency anerkannt bleiben sollte. Der ihr au!erlegten Verl'ilichtung, Schritte zu unternehmen, um die Mitarbeit al'er ),״len zu sichern, die gewillt sind, bei der Errichtung der!(Wischen, nationalen Heimstätte zu helfen, ist die Zionistisch.־ Organisation durch ihre wiederholten, an_ die Gesamtjudenheil!!enclitcien /Aufforderungen, durch die Errichtung des Keren liajcsMd und des Economic Board nachgekommen. Es ist nicht die Schuld der Zionistischen Organisation, daß andere- *iruppen nicht auf diese Aufforderungen reagiert und sicli laut tür die Teilnahme an den Arbeiten zur Errichtung dieser Heiwstätlc bereit erklärt haben. A;־lercrscits *cl:ei..t mir, aus dem ersten Teile des Artikels 4 des Mandates, der dieser Jcwislt Agency eine Reihe von bestimmten Kompetenzen ztispricht, hervor/ugehen, daß eine Teilung der Funktionen der Agency dergestalt, daß mail einige Kompetenzen einer kombinierten Agency überlassen, andere willkürlich der Ziouistischen Organisation reserviere« würde, auf die Dauer unhaltbar sein würde. Daraus ergibt sich zunächst, daß die Absicht derer, die der jcwish Agency mir eine ganz bestimmte, enge Aufgabe mir politischer Natur zuweiseu wollen, nicht zu realisieren ist, aber es ergibt sich auch gleichzeitig daraus, zu welcher Gefahr eine kombinierte Jcwish Agency werden kann. Obwohl wir mm noch niemals etwas darüber gehört haben, daß die Mandatarmacht irgcnilwächc Wünsche dahingellend ausgedrückt hat, daß eine Erweiterung der Jcwish Agency über den Rahmen der Zionistischen Organisation hinaus erfolgen soll, obwohl wir schwer glauben können, daß die Mamlatnrmaeht nicht von Anfang an sieh im klaren darüber war, daß die Hauptstütze der Zionistischen Organisation bei den jüdischon Massen des Ostens und Amerikas ruht, und daß die jüdische Obersdiidit die Balfour-Deklaration nicht mit ungeteilter Freude ,׳itifitchmen würde — mußte (lodi der Satz der Balfoiii'-Deklaiatiou, der von einer Wahrung der Rechte der Juden in ihren jetzigen Wohnländern spricht, Jeder Zionist spende zu Theodor Herzls Todestag 1 Baum der ist, des die eser 1111- 'itarbeit am palästincu- Setzungen haben, deren '•Dt, ja, deren Abwesenheit •ווי! Bruch führen muß. Ein ie ticfiimcrstc Verknüpfung Seile 323 der sich nicht zum Zionismus bekennt, aber ein gewisse* palästinensisches- Interesse halle, Mittel für eine koloaisatorische Tätigkeit 111 Palästina zu sammeln. Wir kennen das Fiasko dieses Planes, und cs ist eigentlich unverständlich, warum nicht auch die Ursachen dieses Fiaskos klar zutage liegen sollten. Wenn es einen Grundsatz gibt, den wir von Achad Ha,am gelernt haben, so ist cs der, daß ohne eine Wiederbelebung der ״I U rzcn“, ohne eine ״effektive Gcwinnung der ,Seelen׳‘ für eine bestimmte Sache, auch auf die Dauer materielle und praktische Erfolge bei den betreffenden Menschen nicht erzielt werdet! können. Diese Wiederhclcbnng der Herzen ist, wie schon mehrfach nusgeführt, bei der WestjiKlenhcit nicht da, und so kann der materielle Erfolg auch durch die Gewinnung einiger Persönlichkeiten ans dem Krc׳se dieser Wcstjudcnhcit in einem wesentlichen Maßstabe nicht erwartet werden. Die Erfahrung der letzten Jahre hat uns gezeigt, daß diejenigen Persönlichkeiten, (He ans den Kreisen der Wcstjudcnhcit den Rahmen ihrer bislicrigcn Anschauungen sprengen und sich für den Palästina- Gedanken eingesetzt haben, in den meisten Fällen bei ihren bisherigen Gesinnungsgenossen sozusagen als romantische Ucbcrlätifcr, als naive Ideologen betrachtet werden, die im WcSeiilÜclH'li ohne (iefolge bleiben. Gewiß werden sicli viele durch solche neuen Namen veranlaßt sehen, für das Palästina• werk zu spenden und beizustcucrn, für das sie ohne diese Namen sonst nichts erübrigt hätten. Zu Opfern wird es dabei nur i!1 den seltensten Fällen kommen. Große materielle Erfolge sind nicht zu erwarten. Die Zahl derjenigen Menschen, die aus irgendwelchen Gründen zwar nicht in die Zionistische Organisation eintreten wollen, tro.zdein aber ernstlich die Mitverantwortung für das palästinensisclic Werk tragen, also die zionistische Arbeit fördern wollen, ist relativ klein. Ein jeder von ihnen ist uns aufs höchste willkommen; Tempo und Schicksal des Aufbauwerkes werden sie nicht wesentlich beeinflussen. von vornherein als eine Konzession an diese an Palästina desinteressierte Schicht aufgcfal't werden — kann es doch keinem Zweifel unterliegen, daß unsere politische Position wesentlich gestärkt würde, wenn die Bildung einer Jcwish Agency möglich wäre, in der neben Vertretern der Ziouistischen Organisation auch Rcpräscnlanten dieser im po* litischen Leben der westeuropäischen Länder einflußreichen Schicht sitzen würden, ganz speziell auch Vertreter des englischen Judentums. Es ist des ferneren auch sicherlich nicht zu verkeimen, daß cs den zionistischen Sammlungen sicherlich förderlich sein würde, wenn sic nicht nur von der Zionistischen Organisation, sondern auch von Rcpriiscntauten dieser Gruppe mitinaugiiricrt würden. Diese Vorteile treten aller meines Erachtens zurück gegen die außerordentlich wichtigen Bedenken, die sich gegen eine derartig kombinierte Jcwish Agency bei näherer Betrachtung ergeben, und zwar nehmen diese Bedenken ihren Ausgang von der Fremdheit, mit der diejenigen Menschen, die voraussichtlich ln eine derartig kombinierte Jcwish Agency berufen oder entsandt würden, dem Aufgabenkreis des Palästina-Aufbaues gegenüberstellen, und werden stärker, wenn wir die Methode prüfen, auf Grund deren eine derartig kombinierte Jcwish Agency zusammengesetzt werden müßte. Betrachten wir zunächst einmal den ersten Punkt: Wir alle kennen die komplizierten Zusammenhänge der Aufbau frage in Palästina. Wir wissen aus unserer Kenntnis der Probleme heraus, von welcher Bedeutung für unser nationales Werk heute wirtschaftliche, morgen kulturelle, ein anderes Mal politische Fragen sind, die demjenigen, nicht genau in die Probleme des Landes eingeweiht demjenigen, der nickt iap.ädbli über den Fortschritt Werkes im Lande wacht, <h »njenigen, der nicht für Fülle von Impendc ab sei V.. ׳fä idnis hat, mit denen dieser Kampf um Positionen i1״ Laude geführt wird, absolut wicb.tig erscheinen müssen. Liuc siscbcu Werk muß eben innere Vc Fehlen sich keinesfalls ersetz:11 mir zu leicht eines Tages zu eil: allgemeines Palästina-Interesse, o! mit dem ganzen Problem, ohne letzte Anerkennung der Not- Wendigkeit Palästinas als Rcgencratinnszcntrum für das jüdische Volk, die hebräische Sprache und Kultur, kann nicht1 für die Dauer die harmonischen Voraussetzungen für ein gc- (leibliches Zusammenarbeiten mit der Zionistischen Organisation im Rahmen einer Jcwish Agency schaffen. Mehr, als bestenfalls ein allgemeines Palästina-Interesse ist aber — ich komme hier auf den Ausgangspunkt meiner Ausfiihrungcn zurück — bei der nichtzionistischen Judcnhcit im Westen und bei den nichtzionistischen׳ Organisationen, aus denen sich ja die anderen Teilnehmer der Jcwish Agency rekrutieren müßten, leider nicht vorhanden. Die Geschichte der Palästina-Arbeit der letzten Jahre kennt einen eklatanten Fall, wo objektiv beste Voraussetzungen, und selbst großzügige Verbundenheit mit dem Werk versagt haben, als sich eines Tages ein Konflikt ergab, hei dem uns allen sofort klar war, daß er das innerste des Palästina-Problems traf: — ich meine den Sprachenkampf. — Man muß objektiv gestehen, daß selten eine Organisation so großzügig und in gewissem Sinne auch so vorurteilslos an eine Aufgabe herangegangen ist, wie vor mehr, als einem Jahrzehnt die Männer des Ililfs- Vereins def deutschen Juden au ihre Palästina-Arbeit, lind doch mußten sie, von unserem Standpunkt aus, von der Blickrichtung Palästinas als jüdisch-nationalem Zentrum, scheitern. Die BehanpUing scheint mir nicht gewagt, daß wir auch heute noch in der gesamten Wrsjjivlcnhcit kaum Repräsentanten haben, die mit dieser Objektivität au das Palästinawerk herangehen, wie cs seinerzeit die Männer des Hilfsvereins der deutschen Juden getan haben, Ist die Befürchtung nicht gerechtfertigt, daß sich schon sehr früh ernste Mcinungs- Verschiedenheiten in einer Jcwish Agency cinstellen müssen, die tagtäglich mit den jetzigen, erhöhten Notwendigkeiten des palästincnsichcn Lebgus konfrontiert werden *muß, die in Politik und Wirtschaft Dinge erstreben und verwerfen muß, die von irgendeinem allgemeinen Standpunkt, ja vielleicht vom Standpunkt der allgemeinen Entwicklung des Landes gesehen, gefördert werden mit Ute, während sie von unserem Bctrnchtiuigspunkt aus zu verzögern oder zurückzustcllcn wäre? Und noch eins: Es ist seit langem schwierig, die verschiedenen Pole unserer eigenen Organisation zusammenzuhallen; cs bedarf fortwährender Verhandlungen und Rückslchtnahmc schon innerhalb unserer Organisation, um gleichzeitig mit Misrachi und mit Poalc-Zion zu regieren, und wenn uns dies gelingt, so nur dank der Tatsache, daß die zentripetalen, nationalen .Kräfte sieh glücklicherweise immer wieder stärker erweisen, als die zentrifugalen der anderen Anschauungen. Muß man nicht ernstlich befürchten, daß eine Jcwish Agency, in der neben den Vertretern der allgcmeinen zionistischen Richtung, dem Misrachi, der zionistischen Arbeiterschaft, z. B. 1CA., Alliance, I lil-fsvcrein, Anglo Jcwish Assoziation, ihre Repräsentanten haben werden, nicht Icbcnsfähig sein kann, weil für die Gesamtheit ihrer Mitglieder eben nicht jenes nationale Fluidum bestimmend sein wird» das heute trotz allem die zionistische Bewegung regiert? Und weiter: Man erwartet von einer derartigen Ausgestaltung der jcwish Agency eine wesentliche Erhöhung des Ertrages der zionistischen Sammlungen. Auch hier sprechen unsere Erfahriiiißcn meines Erachtens durchaus gegen diese Annahme. Wir wissen, daß schon früher sogenannte, neutrale Organisationen gegründet worden sind, sogar solche mit einem gewissen antizionistischen Beigeschmack, wie z. B, die A. J. K. O mit der alleinigen Aufgabe, '׳•c. dem Kreis derjenigen Juden, Eine Fülle von Schwierigkeiten bietet sich auch, wenn wir der Frage des Aufbaues der Jcwish Agency nähertreten. Die fast 30 Jahre Zionistische Organisation haben in uns tief die Ueberzeugung cingegraben, daß nur das Volk selbst für sich, nur eine wirkliche Volksbewegung, wahrhaft für das Volk arbeiten kann. Ohne einen Weltkongreß aber — und daß dieser nicht möglich ist, haben wir vorhin gesellen — ist eine Zusammensetzung der Jcwish Agency nach Volkslüinlichcu Prinzipien nicht möglich. So muß denn jede vorgeschlagcnc Kombination, die eine t Teil der Milgiicdcr der Jcwish Agency, einer demokratischen Körperschaft, verantwortlich machen will, wie z, B. die i\> nistischcn Mitglieder dem Zionislonkongrcß, während die anderen willkürlich von irgend welche 11 Instanzen berufen oder entsandt werden sollen, von vornherein als unmöglich ver• urteilt werden. Niemals können wir 1ms damit zufriedengeben, daß Männer für viele Jahre oder sogar auf Lebenszeit in ei ie Agency entsandt werden sollen, die für ihre Haltung keirer Instanz verantwortlich sein würden. Es hieße mit huclisirj• politischer Unreife, mit unglaublidier Fahrlässigkeit ein Wer!; Menschen anvertrauen, deren grundsätzliche Stellungnahme 71־. nationalen Heimstätte bi «her nichts weniger als bereister: und aktiv gewesen ist und die in ihrem praktischen wirke׳! bisher nicht gezeigt haben, daß sic mit den Problemen des Landes verknüpft und vertraut sind. Wer könnte mit ruhigem Gewissen einer derartig zusammengesetzten Agency das Budget über die zionistischen und zionistisch-neutralen Finanzinsl;• t־utc und damit die Sorge und die Pflicht für die Erhaltung und den Ausbau des Jisehuw anvertrauen? Ich gestehe, dal! ich alle in dieser Richtung vorgeschlagene Kombinationen für unmöglich halte. Ob nun der engere Council der Jewirii Agency gewählt werden soll am einem Gremium von 7J Vertrctern verschiedenster Organisationen, wie vorgeschlagen wurde, ob nur wenige Organisatinocn das Recht erhänget sollen, jeweils Vertreter in die Jcwish Agency zu entsenden, ohne irgendwelche praktischen Verpflichtungen übernommen zu haben, ob willkürlich irgendwelche hervorragenden Repräsentanten der Wcstju.lenhe.t, die bisher keinen Zusammennang mit dein Palästinawerk haben, in die Jcwish Agcn:;.• entsandt werden sollen — alle diese Vorschläge erscheinen nur unannehmbar und undurchführbar .aus dem einfachen Grunde, weil das i’aläslinaintcrcsse aller dieser Organisationen u־:i Persönlichkeiten nicht so erprobt ist, als daß wir ihnen die Last und Verantwortung für die Arbeit anvertrauen könnten. Jeder Vorschlag, der darauf hinausgeht, Rechte und Mittel, die bisher der Zionistischen Organisation allein oder in gesichertcr Kombination mit anderen Gruppen reserviert waren, abzutreten, bedeutet praktisch die Enthebung der Zirnisiisehen Organisation von ihrer bisherigen Position, bedeutet für die Zionistische Organisation eine Maclüberaubiing ohne Grund und ohne Anlaß, bedeutet aber vor allem einen ungcheuren Faktor der Unsicherheit für die Entwicklung des Landes in den nächsten Jahren, denn das Budgetrecht würde praktisch der Zionistischen Organisation vollkommen genommen sein, und der Organisation würde nur indirekt durch ihre Vertreter in der Agency die Ausübung eines Einflusses möglich sein. Was würde die Wirkung einer derartigen Züsatnmen- Setzung der Agency auf die zionistische Exekutive sein? — Bisher konnte die zionistische Exekutive ihren Elan und ihre Tatkraft aus der lebendigen Berührung mit den jiidisehen Massen und mit der palästinensischen Bevölkerung holen und sic, ungehindert durch hemmende Fesseln und durch die Notwendigkeit, Paricigruppicrungcn in einer anderen, höheren Instanz Rechnung zu tragen, in die praktische Tat umsotzen. Das würde bei einer derartigen Zusammensetzung der Jcwish Agency in Zukunft anders sein. Die Exekutive würde nicht mehr die leitende Instanz, des nationalen Palästina- Werkes sein; sie würde eine Gruppe in einer höheren, durchaus nicht homogenen Instanz, ausmachen. Ein ewiges Verhandeln und Paktieren würde nur zu leicht die Kräfte der Exekutive lähmen und abm'uzen, würde ihr auf die Dauer die Tatenfreude rauben, würde bewirken, daß sie nicht mehr wie bisher als Führerin des national fühlenden Teiles der Judcnhcit und als Anführerin seiner Wünsche sich betrachten könnte, sondern als eine von einer höheren und dabei unverantwortlichcn Instanz abhängigen Vertreterin einer Organisation im Judentum. Der Kontakt zwischen der Organisation und der palästinensischen Bevölkerung würde leiden, das Ansehen der Zionislischen Organisation empfindlich geschwächt werden, denn was würde im täglichen Leben des jisclmw״ eine Organisation bedeuten, die in ihren Entschlüssen unfrei und abhängig und dazu alter Mittel bar wäre und so nicht in der Lage sein würde, dort, wo es die Erfordernisse des Lebens notwendig machen sollten, auch wirklich cingrcifen zu können? Der Schwerpunkt des Palästinawerkes würde von der Zionistischen Organisation weggenickt werden und sich zu dieser Jcwish Agency hinüber bewegen. Und wer weiß, ob nicht angesichts einer derartigen Situation das Aufbringen größerer Miitcl durch die Niditzionisten sehr teuer erkauft würde durch das Nachlassen der Gebefreudigkeit der Zionisten selbst, die zu einer derartigen Instanz nicht den Kontakt haben könnten, den sic zu ihrer Exekutive, zu den von ihnen selbst geschaffenen Institutionen, zu ihren Mensehen haben. Es scheint mir, daß diejenigen Juden, die aus irgendwelchen Gründen nicht der Zionistischen Organisation angehören, aber für das Palästina werk Interesse haben, wenn sie objektiv urteilen, Verständnis haben müssen dafür, daß cs unserer Organisation angesichts der Haltung des Gesamt-