Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 50 (22.6.1923)
- Date
- 1923-06-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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!0? ■׳זי 1־י׳—־*,? iiir (,,;ן ן ."ו י| :«iur. < I Val,י .,״ j •1'1׳*fcclii; Nr 50 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 315 Kunst und Literatur b'U'C l!t!cn H m ״!••1, Kg, 1 1.׳<׳.noCr<>1 •tLUivik r»jt in Fiaai;. . «" iaclicn v,1t Nota ♦!•»innen;iinitc 1,11. f.׳׳miiglicj,, it Werden,;01; t r a 1 un.;,'«l in;; au4. 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V. v«,1m,falteten jüdischen Kimstnbcnds wurde durch die Auffiilinin-'T 1'er beiden let/ton Ahle des ״Dybuk“ unter der Rcj;ie!,וזי Morewsky ausgeiü'.lt. Morewslry spielte darin die Rode ia Wunden abbi Heb Asrielke. Der Leser des Programms!mißte sieb zweiidnd fragen, was soll dieses Torso eines Dramas zum Scblnr.se einer Veranstaltung, die sich sonst aus (;n/cliicii, in rieb geschlossenen Darbietungen zusamniensctzte? (ja[) cs denn im Publikum überhaupt noch viele, die den Dybuk ן.;! letzten Jahre nicht gesehen batten? Und doch tnitll all Jenen, die ucn Dy buk in der Darstellung durch die Wilnacr Truppe gesehen batten, die Vorführung dieser beiden letzten Ak.'c ei" neues Erlebnis gewesen sein. Morewskv lwt diese liciücr. letzten Akte durch seine Auffassung zu etwas völlig ji'derem luugcformt, das tms bisher nicht bekannt war. — jgin.ils erlebten wir schaudernd das Schicksal der Lea mit, j;c ״in ihr inneres Glück fingt und sieghaft in diesem Ringen lüitercclit; unter dem Gesichtswinkel nüchterner psycho■ p-,scher Betrachtung ein .inucs Menschenkind, das krank geworden, weil es sein Glück nicht fand, in dem Traumiand Jcr Mystik eine Besessene. Ihr allein gehört das Mitempfinden des Zuschauers; sie wehrt sich gegen die dunklen Mächte einer mystisch-religiösen Welt, in deren Baun auch iiir eigenes Selbst gcii. seit liegt. — Gigantisch ist der Wundeirabbi in der Ausübung seiner ihm von Gott bestimmten Pflicht. Er iuiilt sich als der blinde Bote einer höheren Macht, der mit Jen in den heiligen Büchern festgeleglcn Zeremonien rnil den teuflischen Künsten eines Magiers den bösen Geist ans der reinen Seele einer frommen Jungfrau zu vertreiben sucht. Len bleibt bis zum Schluß die Heldin des Dramas. Der Zaddik spielt lediglich eine dienende Rolle; groll mehr durch den Nimbus, mit dem iitn die Mystik seines gläubigen.Volkes umgibt als durch die Kraft seiner Seele. Zwar taucht ein leiser Zweifel in ihm aut, ob er die Wundertaten seiner grollen Almen wird vollbringen können, doch er macht sich stark in dem Glauben an seine heilige Sendung; er fühlt im U.'berschwang religiöser Mystik den Zusammenhang der ,,zwei Welten‘1 und geht mit ״Gottesfurcht und Angst‘‘ ans Werk. Nicht dies ist der Zaddik. Morcvvskys. Das Mystische ist ihm immer nur die äußere Folie, die Alltäglichkeit der Welt, in der er lebt. Uebcr diese wächst er hinaus durch die Verinnerlichung des Ucbcrweitlidicn. Seine Sendung wird ihm zum Problem. Er will die Seele der Unglücklichen erforschen; er spricht eindringlich mit Sender und hilft ihm die Erinnerungslücken ferner Vergangenheit suchen. Der Zweifel, ob er die innere Berufung zu seinem Amte hat, das Mitlcidcn mit den Gepeinigten sind die Grundmotive des Seelenkampfes, den Morewsky mit der Kunst eines grollen Schau- Spielers vor uns zur Darstellung bringt. Das Zeremonielle wird Nebensache gegenüber dem heiligen Erbeben, das die Handlung des Rabbi durebzittert. Das Leiden der Seele ist ihm heilig, er will sie von dem Fluche befreien, der ihr das Eigenleben geraubt bat. Und zu alledem gehört ein grober Mensch mit tiefem psychologischen Verständnis, dessen inneres leicht niitsclnvingt bei dem Leiden seiner Mitmenschen, ein gmtesfürchtigcr Mann von Wahrhaftigkeit und Scelcnstärke. So stellt Morewskvs Rd> Asrielke vor uns, der Held eines neuen, in sicii geschlossenen Dramas, der aus dem Kampfe mit der Sitliro Achro, der Negation des Lebens, siegreich hervor« geht. Cr ist der Träger einer neuen Handlung, für die die ersten Akte nur die Vorfabel bilden. Ihm und seinem Kample gehört das Interesse des Zuschauers. Wenn der Greis zusammenzubreehen droht, weil ihm, die Erlösung der gequälten SaTe nicht gelingen will, sind wir selbst mir erschüttert, die Furchtbarkeit seines Kampfes bebt in uns nach und verdrängt unsere Anteilnahme am Schicksal der eigentlichen Heidin des Dramas. Das hat Morewsky aus den beiden letzten Akten des ״Dyhuk“ gemacht: ein neues Drama, eine feine psychologische Studie mit dem Titel ,,der Wmukrrabbi׳‘. Der Drama turg mag diese Auffassung tadeln, weil sie die Einheit des Anskyschcn Dramas zerstört. Für uns war cs ein tiefes menschlich-jüdisches Erlebnis. Dr. Abraham S’te inert. ״Die Lehre und ihre GcsiaUar.g in der jüdischen ״äiyicsiiül" So hieß ein Vortrag, den Nachum G1 a t z c 1׳ am 1. Sehewuothtagc im ״Zeirc Alisrachi״ hielt. Der Leitgedanke war: daß letzter Sinn des jüdischen Daseins eine ewige Lehre sei (zu allen verschiedenen Zeiten immer die gleiche), die im Leben eines jeden Geschlechts zu immer neuer Gestalt kommt. Diese ewige Lehre seihst sei nur in ihrer Gestaltung. wahrnehnibar, nicht aber (wie wir wohl in seinem Sinn ergänzen dürfen) an sich zugänglich. Gleichwohl bestelle ein immerwährendes ״schöpferisches‘‘ Verhältnis z.t diesem letzten Sinn, und aus dieser Einstellung des Menschen auf diese ewige Lehre entstehen immer wieder neue lebendige religiöse [:’־sclieiaungsformell, ״Gestaltungen'‘, Jetzt werden die Grundbedingungen für die Möglichkeit solcher Gestaltungen untersucht; s'c werden. •1b ״CiehuiKleiilieit'‘, ״Freiheit‘* und ״Demut“ be/eiehnv,t. ״<!ekuiuluilicit*‘: das sei das bewuilte Sich-Bcgrcnzen au! die Arbali Amutli schel Haladia, mit Verzicht auf das selbstgewisse Sichaiiswirkcn in einem ungebundenen Leben. Aber aus Selbstbcgrcnzung weite sich die Persönlichkeit zur ״Freibeit“, indem erst jetzt die wahre Einstellung allen nir.nschliehen Daseins gegenüber ermöglicht werde. Denn der Mensch hat jetzt im kicinen gewissermaßen gleichnishaft das Grolle erblickt und lebt im Reich der ״Demut‘‘, weil er bcwußt-sichbegrenzend und ״frei“ zugleich weiß, daß erst durch Eiuordr׳m1g in eine höhere Gesetzlichkeit das menschliche Leben zur Reife kommen kann. ״Die Gestaltung der Lehre geschieht *wischen dem Mehr und dem Genug“. Am Schicksal Akibas wurde alles näher erklärt. Dies mehr rational gefaßt die hauptsächlichen Gedanken des Vortrags, während der Vortrag selbst alles mehr musika'isch Gleichsam, gefühlsmäßig, maggidiseh z-i.;te, was sich naturgemäß jeder Wiedergabe entzieht. Auch läßt sich abstrakt nicht wicdcrgcbcn, was aus der Fülle des Gefühls gesprochen *st, da Kritik und philosophische Beurteilung das eigentlich Persönliche vollständig auflösen würden. Was dem philo- '«plüschen Streben nach letzter Klarheit nicht genügen kann, 1®genaue Terminologie, das löste wiederum gefühlsmäßigunmittelbar innerste Wirkung aus, so daß ein tiefer Eindruck, eine Erschütterung, bei Allen zurückblieb. Dr. Hermann Weyl, Frankfurt a. M. Gasi&aricn zum Kongreß Wie uni das KonjjrcObüro *ntitellt, wurde der Termin für die Anmeldung von Trlbflnenkarten für G8* e «um Karlsbader Kon{<rc§ bis *um 3. Juli verlängert. Reflektanten aut Deutschland mätten daher Ihre Bestellungen bis tpllcsieni I. Juli an das Büro der Z, V. f. D., Berlin W 15* SdchiSidie Sir. 8, richten. B3ccasaa*r»,SHB5a8caE Biicherschau Die große Kautzsch-Bibel, die in letzter Zeit vcrgiflcn war, ist mm wieder im Verlag von J. C. B. Mohr, Tübingen, erschienen. Die Bearbeitung der zwei kolossalen Bände, die das Alte Testament umfassen, besorgte nach dem Tode Kautzsch Prof. A. Bcrtholet. Die vierte Auflage ist insofern umgearbeiiet, als der neue Herausgeber, bei aller Exaktheit und Objektivität der Ucbersctzung, mehr Gewicht auf kongenialen deutschen Ausdruck gelegt hat, cs wurden viele sprachliche Härten der früheren Kautzsch'schcn Ausgabe beseitigt, ferner hat der Herausgeber natürlich danach getrachtet, die neuen Forschungsergebnisse sich zunutze zu inaelieu und das Anmerkungsmatcrial in vieler Hinsicht zu erweitern, besonders in religionsgcschichtlkhcji Erklärungen. Er hat auch die Neuerung vorgenommen, die sachlichen Anmerkimgcn von dem textkritischcii zu sondern. Jedem Abschnitt ist eine kurze Einleitung vorangestcllt, im übrigen ist cs das Prinzip dieser Ausgabe, den Text selbst sprechen zu lassen. Die einzelnen Bücher sind von verschiedenen Gelehrten bearbeitet und erläutert, darunter sind die besten Namen der protestantischen alttestamentarischcn Wissenschaft. Die ״Heilige Schrift des Alten Testaments“ von Kautzsch ist heute zweifellos die wissenschaftlich beste deutsche Bibel- Ausgabe; dieses Standard work ist kaum entbehrlich für jeden, der sich in deutscher Sprache ernsthaft mit der Bibel beschäftigen ,will. Viertcljahrsschrift für Bibelkunde bedeutet, was MVAO, wa* Berliner VA ist? -- Die oben_ erwähnten 2 Briefe aus Elephantinc berücksichtigen die Forschungen seit oachans Erstausgabe 1911 nicht, sonst wäre wohl statt Bagoni Bigwai statt Waidereng Widarnag gelesen worden. Es waren beispielsweise die Bemerkungen von j. N. Epstein ZAW lviz lind 1913 und die von 11. Banelh O LZ 1919 hcranzuziehen gewesen. — D.e Sprache des Verfassers ist oft höchst zwei־ dcutig, so zwei Stellen auf Seite 165: ״Dann wird der Rumpf des ׳Schafbockes'von dem Besclnvcirnngspriestcr in den 11111» geworfen, während er selbst in die StupjK! binausgehen null), Das gleiche geschieht mit dem Kopfe des Bockes und dem, der An abgeschlagen hat.“ Oder: ״Damit ist zweifellos das akkadisehc Wort kuppuru zu vergleichen, womit 0!« Handlungen (alle?) bezeichnet werden, die der Siihnepricster an Menschen und an leblosen Dingen vornimmt.“ H. M. w, Schir Hasch Ir im. Pard es-Verlag, Berlin. Au*- liefcruiigsstellc Arcouautcitved.vg, Berlin W bl, Bulowstr. 8ü. Quartformat; 20 Bliilcr und Hamk-inband in japanischer Art Rohseide mit Goldprägung׳; Initialen und Vignetten mehrarbig handgcmalt; zwei auf Blattgold hamlgemaltc Miniaturen orientalischer Art; Schrift, Schmuck und Ausstattung sind vom Graphiker Sch. Rubin; die Klischees und der Druck sind aus der Offizin von Waller Griffzniaeher; nach der Originalhandsebrift des ganzen Textes;reproduziert. Diese Ausgabe, die nur in hundert numerierten Excmplareu erschienen ist, ist mir für bibliophile Feinschmecker bestimmt. Selten ist diesem ewigen Liede im Urtext — in fremdsprachlicher Uebersetzung sind viele Prachtausgaben erschienen — ein so würdiges Gewand gegeben worden. Das Buch erinnert au mittelalterliche Sofrim, die jahrelang liebevollste Mühe für die Ausschmückung eines Werkes verwendet haben. Der Graphiker Rubin bat im Schir Haschirim neuerlieh eine glänzende Probe seines bereits durch die Tätigkeit für andere hebräische Verlagsanstalten bekannten Talentes ab* gelegt. Es wäre zu wünschen, daß neben der numerierten Luxusausgabe eine volkstümliche erscheine, d!c unter Vcrzichtlcistung auf Prachtentfaltung, die sicii nur Bibliophile zur Zierde ihrer Bibliothek zu leisten gewillt sind, einem breiteren Kreise die Möglichkeit gebe, sich an dieser mustergültigen Graphik zu erfreuen. Der Verlag bereitet, seiner Ankündigung Pierre Loti. Pierre Loti, der kürzlich verstorbene französische Dichter, hat vor fast 30 Jahren eine Reise nach Palästina gemacht, die er in einer Reihe sehr anziehend! ״csäinebcficr Bücher beschreibt, die kürzlich auch in deutsdicr Sprache erschienen sind. (1. Im Lande der Pharaonen 11. Die Wüste -- III. Jerusalem — IV. Galiläa; sämtlich übersetzt von £. Philiparie, herausgegeben von F. v. Oppcln-Bronikowski mit zahlreichen Bildtafeln, in der ״Opal- Büclurei“, Carl Reißner, Dresden.) Diese Bücher sind nicht nur deswegen interessant, weil hier ein wirklicher Dichter mit zartestem Naturempfinden die Einzigartigkeit dieser unvcrglcichlichen Landschaft, die Ruhe und Weite des ewigen Orientes schildert, nicht «1ur weil er an der Hand der Bibel den Weg ־zieht, den die Kinder Israels vor Jahrtausenden auf ihrun Auszug aus Aegypten gingen, stets im Zauberkreis der biblischen Berichte, die inan erst in dieser fast unverändert gebliebenen Welt richtig verstehen und erleben kann; sondern vor allein tun des Kontrastes willen, den das damalige Palästina zu dem heutigen bildet. Damals zog man noch mit der Karawane, durchquerte in patriarchalischer Weise die Wüste viele Tage lang auf dein Kamel reitend — dabei allerdings alle Wunder solcher Fahrt voll genießend —, heute durchquert die Bahn die Wüste und bringt einen in neun Stunden von Kairo nach Jaffa. Loti hat noch nichts von jüdischer Arbeit gesehen. Die bloße Möglichkeit einer Widergehurt des jüdischen Volkes tritt nicht einmal in den Kreis seiner Gedanken; alles was er von Juden gesehen hat, ist der Mciiscltenkiiäuel an der Klagemauer, der seinen Abscheu erregt hat. Er schildert dies folgendermaßen: ״Als icli so in das Herz der Judenschaft gerate, erfaßt mich׳ ein Gefühl der Betroffenheit, des Unbehagens, fast des Schreckens. Nu׳• gc'iuis sah ich eine solche Uebertrcibuug des Typus unserer Kleider-, Lumpen- und Kaninchenfellhumller, nirgends solche s; i'.zen, langen und blassen Nasen, Jedesmal habe ich eine Idcinc Wallung von Ueberraschung und Ekel, wenn einer dieser alten gekrümmten Rücken sich unter dem Samt- und Pelz• kleid halb nmdreht und ein neues bebrilltes Augenpaar zwischen den lienibhängcntlen Haarlocken mich verstohlen von der Seite anhürkt . , .“ Konnte dem Mann, der solches schrieb, der Gedanke kommen, daß im ,Grunde dieselbe Kraft, die diese Menschen 1111 diese Mauer geführt hat, sich bereits aufrechte zu einer Manifestation ganz anderer Art, während er ahnungslos durch dieses Land zog, seine stärkste verhaltene Schöpferkraft nicht begreifend? Der Band ״Galiläa“ schildert die bezaubernde Landschaft zwischen Nablus und Nazareth und Tibiria, das Tal zwischen Gitboa und Tabor, diese traurige ,,unendliche Graswüstc“, ist jetzt der Ort jüdischer Aufbauarbeit, die die Wüste in einen Garten, in volkreiches Land verwandelt, wo ein Volk, das Loti in diesem Lande noch nicht sah, in schwerer Arbeit und unter großen Ent• behrungen sich ein glücklicheres Leben baut, Dieses Gabi, für das Loli mir das Epitheton ״traurig“ hat, das ״stumm unter einem endlosen Bahrtuch von Blumen“ schlummert, ist zum Leben erwacht, cs ist heute das Schnsuchtszicl tausender schlagender Herzen, der Nachkommen jener verachteten ״Kaniuchciifellhäiidlcr“, unter deren Brillengläsern der sonst so scharfsichtige Dichter so.schlecht zu lesen verstand. Jirku Anton, Altoricntalischcr Kommentar zum Alten Testament. l.dp/ig-Eriangi'ii 1923. A. Dciclverlsche Vcrlagsbudihaiulluiig Dr. Werner Scholl. VfII und 231 Seiten. Der Titel erinnert an Alfred Jeremias ״Das Alte Testament im lichte des Alten Orients“ und an Eberhard Schräders ,,Die Keilinsehriftcn und das Alte Testament“, Das vorliegende Werk.ist aber viel vorurteilsfreier als das von Jeremias und hat für 1111s vor Schräder den technischen Vorzug, daß es den flibeltcxt 7.U111 Leitfaden nimmt und zu jedem Vers möglichst altorientaüschc Parallelen in deutscher UebcrsctztuiR bringt, jirku beschränkt sich nicht wie Schräder auf baby- Ionisch-assyrische Quellen, sondern״ zieht die Urkunden des ganzen vorderen Orients einschließlich Aegyptens zum Vergleich heran, ohne dem Leser ein Urteil auizudrängen. Mit großem Fleiß ist das einschlägige kcilinsdiriftlichc und hicro• glypliiscbc Material verwertet, sind die Ausgrabungen von Bogiia/köj, T.ianak, Gezcr, El-Amarna usw. berücksichtigt, Manchmal findet sich die Erörterung eines ganzen Fragenkomplexes wie die kleine Ucbersiciit über die geschichtlichen Beziehungen zwischen Syrien-Palästina und Aegypten oder die Synopse von Mosaischem Gesetz, Codex Haminurabi, alt• assyrischem und hcthltischcm Gesetz. Eine aramäische Urkünde aus Elephantinc wird sogar im Urtext und in• Uebcr- Setzung gebracht. Dadurch, daß Anmerkungen über die wichtigsten Tatsachen altoricntalischcr Geschichte (iml altorientalischer Realien beigefiigt sind, ist Jirku* Buch yin Werk, das den! aütestamcntlichcn Studium des Nichtorientaüstcn sehr nützlich sein kann. Schwierigkeiten dürften dem Nichtfachmann, der weiter forschen will, die vielen ■nicht erklärten Abbreviaturen machet!, .Weiß denn jeder, daß V B die von Altschüler herausgegebene zufolge, ähnliche Ausgaben der übrigen vier Mcgiloth vor. R. L, Das Deuteronoinische C. Bertelsmann, 1923. Grund- 120 S. Theodor Gestreicher, gesetz. Gütersloh, Verlag Gz. 3 M. Die Hypothese von der Auffindung des Deuteronomiums im Jahre 621 ist bekanntlich eine der Grundfesten der ganzen heutigen Bibelwissenscha't. Die zum erstenmal von de Wette im Jahre 1S05 ausgesprochene Vermutung, daß das Gesetzbuch, von dem in Kon. 22 und 23 die Rede ist, mit dem Deuteronomium bzw. dem ״Ur-Dcutcronomium“ identisch ist, stützt sich vor allem auf den Bericht über die Kultusrcform des Josia, in der man die Auswirkung von Deut. 12 sehen will. Die vorliegende Schrift unterzieht diese ganze, heute schon als unbestritten geltende Theorie einer eingehenden Kritik. Ocstrcichcr sieht in der Reform des Josia nicht eine Zentral!- sierung des Kultus, sondern eine Herstellung der Kultusreinheit; zu dieser Auffassung gelangt er durch die Berücksichtigung des Verhältnisses zwischen Juda und Assur, das zur Einführung assyrischen Götzendienstes in Israel geführt hatte, den Jcsia beseitigte. Die gewichtigste Stelle im Deut, ist ihm gar nicht Kap. 12, sondern das Gesetz beginnt schon mit 0, 4, also mit dem ״Sch'ma“: Am Anfang steht die Forderungen der Gottes 11 ehe, dann erst kommen die Vorschriteu über den Gottesdienst, Der entscheidende Satz im sog. ״Zc'iitralisationsgcsjtz“, der den Gottesdienst auf die Stätte beschränkt, die ״Gott sich erwählen wird“, worunter man allgemein Jerusalem verstanden hat, ist zu verstehen als ״jeder Ort, den Gott s'clt erwählen wird“, in Uebcrcin- Stimmung zu Ex. 20, 24, Von einem Kultusmonopol Icrusalems ist also keine Rede. Dies? durch viele interessante Belege, die hier im einzelnen nicht wiedergegeben werden können, gestützte Auffassung würde, wenn s:c sielt durchsetzt, nicht weniger bedeuten, als daß das ganze Gebäude der Pentateuchkritik zusammcnbridit. Gestern-!eher erklärt gerade heraus, die Gelehrten eines ganzen Jahrhunderts hätten Gespenster gesehen, und hei unbefangener Betrachtung;;ehe cs für die ganze Theorie keinerlei wirklich durchschlagenden Anhaltspunkt. Das von Milkia gefundene Buch, das auch ״Bunde-'lv.itii“ genannt wird, war viel umfangreicher als das Deut. Das Deut, aber erstrebt seinem ganzen Inhalt nach keineswegs eine Reform des Gottesdienstes, sondern eine Verinnerlichung des religiösen Lebens. Cie Schrift Oesterreichs zeigt, wie selbst Ergebnisse,, die beinahe schon axioinatischc Geltung haben, noch keineswegs als wissenschaftlich feststehend angesehen werden können, . W, Juda, Gesänge von Börrics Freiherrn von Münchhausen, die zum ersten Mal im Jahre 1900 mit Bticlischmuck von E. M. Lilien erschienen sind, wurden jetzt neu von der Deutschen Verlags-Anstalt, Stuttgart, licratisgegcbcn. Die neue Ausgabe ist von Josef B u d k o geschmückt. Budko zeigte hier von neuem seine bekannten Talente ornamentaler Buchkunst, Titelblatt, Randleisten und Vignetten sind in freundliche Bewegtheit aufgelöst, wie feine oricntali;ehe Gewebe, die die Stimmung schaffen für die Weit des Dichters. Die Gedichte Münchhausens, der selbst deutreluiationalcr Junker ist, beweisen, wie gerade die Anerkennung des jüdischen Volkstums zur׳ Achtung und!Icw'iiuderuug iulueii kann, wenn überhaupt der Wille da ist, sich von dem jüdischen Phänomen innerlich ergreifen zu lassen. Sein ״Gcüchict Volk, ich zeige dir die Stege aus Haß und Hohn zu deiner Jugend Glück“ zeugt weit besser von eigenem Nationalismus als die übliche antisemitisdie Sudelei, die nur den eigenen Tiefstand verrät. Natürlich können die deutschen Nationalisten dem Dichter diese Jugendsünde nicht verzeihen. ״Der Jude“. Eine Monatsschrift. Heratisgcgeben von Dr, Martin Bub er im Jüdischen Verla״, Berlin NW 7, Dorotheenstraße 35. Das 5. Heft des VII. Jahrgangs ist soeben erschienen und hat folgenden Inhalt: Achad ffaam. Wahrheit aus Palästina. Abraham Schlesinger, Die Frage nach dem Sinn des Judjniums. Samuel Kappaport, Aus dem religiösen Lehen der Ostjuden. — Bemerkungen: Eugen Höflich, Zum Untergang der abendländischen Revolution. Oskar Karbach, Eine neue Phase zionistischer Erkenntnis. Oskar Baum, Der ewige Flagellant. — Umschau; Josef Aschermann, Der Sanitätsdienst beim Straßenbau Tiberias- Samach. Chaiin Tsch erno.wi tz, Die Stellung der Frau in der jüdischen Tradilion. Abraham Hurwitz, Die jüdische Literatur in schwedischer Sprache. Heinrich Berl, Zum Problem einer jüdischen Musik. Abonnementspreis für Deutschland 4303 M.