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Jüdische Rundschau · 1923-06-19 · Heft 49 (19.6.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 49 (19.6.1923)
Date
1923-06-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Anzeigenpreis für die ach (gespaltene Nonparcillczcilc BOOM 1'v.r hebr.An/ngrn 150% AuhchUjJ. l'ür Autlandtinier*!• tOQ^Viluitzuichlag Anzeigenschluß: Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uh 32MSCK ■‘I Telephon: Jjfalzburg6697u.6608. Postscheckkonto: BcrlinNr. 17392. Für Oesterreich: Postsparkassenamt Wien. Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei: Postsparkassen,amt Prag, Konto Nr.59410. — Rcdaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. — ה׳ חגזוז* הרס״ג § xxvm. Jahr*׳. per Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich « rechtlich Residierten Holmsfäito In Palästina. ״Baseler Programm.1 ' Per Uekrlal! ml Samuels Gefolge Keine poiitischen Motive j London. (J.C. D.) In einem offiziellen Bericht * teilt dar, Ko’oniaiamt mit, daß Sir Herbert Samuel bcrcit> 111 i iaita eingetroffen ist. In der ganzen Gegend herrscht vollkommene Rillte. Ci: e tg is he Mi itämaeht hat Aerop’nne ausgesandt, um die Vcifjlgung der entflohenen Baiuliten aufzunehmen. London. (j.C.B.) Das Re utc r• Bureau teilt mit;; Wie ans den aus Palästina eingetroffenen offiziellen Bcrichten hervorgeht, bestehen keinerlei Gründe für : die Annahme, clall die Uebc!fall auf die licglcitmann- * Schaft Sir Herbert Samuels irgendwelche politische s Hintergründe haben soll. Der Ucbcrfall wurde in 1 einer wilden Gegend in der Nähe der syrischen Grenze verübt, wo, wie seit langer Zeit bekannt ist, bcduinische J Räuberbanden ihr Unwesen treiben. Frau Etlicl Snowden Uber Palästina Wie wir bcrichictcn, hat Frau Ethcl SnowJen, die bekannte englische Sozialistin und Gattin des Arbeiterdeputierten Philipp Snowden, eine informative Reise durch Palästina unternommen, und sich dann sehr anerkennend über das von den Juden vollbrachte Werk ״cätificrt. Ausführlich begründe; Frau Snowden ihre Anschauungen in einem an die Wiener Schriftstellerin Frau Berta Zuckcrkandl gerichteten Brief, den das ״Neue Wiener Journal“ publiziert. Frau Snowden sclireibt: lei» kehre nach England zurück mit der tiefen Ueber- KuRimg, daß die von England vertretene Mandat.politik die einzig richtige und imlerstützcnswerte ist und mit Recht־ jui die Kolonisationsa rbeit der Juden in Palastina die größten Hoffnungen gesetzt wer- Iden müssen. Sic wissen ja, daß cs jn England Gegenvhöimmgcn gibt, die unsere auf die intensive Mitarbeit der jeden aufgebauta Kolonisicrungspolitik stürzen mochten, indem sic die Opposition der, Araber als bereditigt ad unüberbrückbar darsteUen. Das ist nun, wie ich es wohl autoritativ behaupten kann absolut falsch. Ich habe ganz Paastina bereist, habe alle Kolonien und alle Lager besucht; habe *Ile Gebräuche, alle heiligen Stätten kennen gclerr... Idv habe ,int Beduinen in ihren Zelten lange Gespräche geführt, unter diesen auch mit Emir Abdullah aus Transjordanien, dessen territoriale Unabhängigkeit anerkannt worden ist. Aus Pen gewonnenen Einsichten geht mit unwiderleglidtcr Ge- S'iälicit eines hervor: den Juden gebührt ihre Nalionalität in Palästina, denn ihre Leistungen dort jeben dafür ein glänzendes Zeugnis. Ich bin in Palästina eine tnthusiar tische Parteigängern! der dort angewendeten engbchfn Politik geworden und verstehe angesidits der in hiiulen und in der Landwirtschaft von den Juden vollbraditen Pistungen, daß man die größten Hoffnungen auf das Werk ״■kt, welches von ihnen geleistet wird. Damit fällt die 1::*sHiondlc und falsche Behauptung, daß man den Juden i'brogative auf kosten der anderen Rassen cinräumt, in :ä1ts zusammen. Ueberhaupt ist nur eine geringfügige Mi- «itat in Palästina vorhanden, die sidi dieser gegen die 11gäsche Mandatspolitik gerichtete Agitation anschlicßt. Die , bcptslichliclicn Führer, welche diese Agitation betreiben, aber j '•■"י! Christen und nicht Muselmanen. Es muß daran festgej Men werden, daß zwischen den Arabern und den Juden 1 "״c G1 c i eh g c wi c 111 s po 1 i t ik durchführbar ist. Wissen Sie, worin die eigentliche Gefahr besteht? 11 in einer Ucbcrschwcmmung des Landes dtirdi jüdische «ivantlcrung, durch jüdisches Kapital, durdt Einflußnahme die Administration des Landes. Nein! Gerade entgegengesetzter Art ist dort die Gefahr. Nämlich, daß die über jeWclt verbreiteten einflußreichen Männer Nd 1 sehen Glaubens n iclit genug Interesse dem Bl äs t i n c n s i s c 11 c n Problem entgegenbringen '^ es seinem Sc 11 i ck s a 1 gleichmütig über- USi*t־n. Denn was Palästina benötigt, ist: Kapital, Unter- '!l'׳mu11״sgcist und aufopfernden Gcmcinsinn. Wenn curo- F'rlic Repräsentanten des Judentums dem Kolonisierungs-;',״li in Palästina einige Aktivität widmen würden, so wird 5ין ן nicht mir für die Juden dort, sondern gleichfalls für die ׳1׳,«mmedaner und für die Christen von ungeheurem Vorteil , NV liegt die eigentliche Entscheidung über das Gelingen J,5tr weiten kulturellen, ökonomischen Und zivilisatorischen ,,11Gestaltung Palästinas nicht bei den Arabern, sondern *lS und allein bei der finanziellen und moralischen Förder dort mit intensivstem Fleiß und organisatorischer ^1'schaffender Juden. Liegt in den Händen des europäischen “׳'«dioij Kapitals. Die englische Politik aber (ich habe mich 4011 überzeugt) ' wird niemals Mohammedaner und Juden fs1״ einander ausspielen. Sie sucht einem ״Miteinander“ “* '*,'1Ec zu bereiten.: p111״ äer internationalen Ausstellung, die am •1. Juni in {‘!;‘j1 eröffnet wurde, existiert ein Pavillon, der der Pro• '‘Utm der jüdischen Kolonien in Palästina gewidmet ist. fhlfrn mm III. Zlonlstcnlcongreß in Deutschland. Bekanntmachung. Die Wahlen zum XUL Kongreß finden in Deutsch• land in der Zeit vom 12. Juli bis zum 20. Juli 1923 statt. Jedes Mitglied der Zionistischen Organisation ist wahlberechtigt mit erreichtem 18. Lebensjahr, wählbar mit erreichtem 24. Lebensjahr. Die Wahlen finden nach dem System der Proportionalwahl mit gebundenen Listen statt. Für die Durchführung der Wahlen ist die in der heutigen Nummer der Jüdischen Rundschau veröffentlichte Wahlordnung maßgebend. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland zerfällt in 2 Wahlkreise; 1. Wahlkreis: Die. preußischen Gebietsteile Groß- Berlin, Provinzen Hannover, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Pommern, Ostpreußen, Westpreußen, Schlesien, Sachsen, die Freistädte Hamburg, Bremen, Lübeck, die Länder Braunschweig, Oldenburg, Mecklenburg, Sachsen- Anhalt. 2. Wahlkreis: Reet des deutschen Reiches. Abänderung der Wahlkrciseinteilung unter Berücksichtigung des Endergebnisses der Schekel* Sammlung bleibt Vorbehalten. o Hauptwahlkommission ist der Lnndesvdrstand. Falls die Sonderverbände gesondert wählen, so scheiden die Sonderverbänden angehörenden Mitglieder des Bundesvorstandes aus der Hauptwahlkommission aus. Zu Wahlvorständcn sind ernannt: Für den ersten Wahlkreis der Vorstand der Berliner Zionistischen Vereinigung, für den zweiten Wahlkreis der Vorstand der Leipziger Zionistischen Vereinigung. Zu örtlichen Wahlleitern werden die Vorsitzenden der Ortsgruppen ernannt. Die Wahl Vorschläge sind spätestens bis zum 3. Juli 1923 im Bureau der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Sächsische Straße tf, einzurcichen. Bis zu dem gleichen Termin muß die Verbindung von Wahlvorschlägcn erklärt werden. Für jeden Bewerber kann ein Ersatzbewerber benannt werden, der an die Stelle des Bewerbers tritt, falls dieser ausscheidet. Kein Bewerber darf auf mehr als einem Wahlvorschlag an erster Steile stehen. Jeder Wahlvorschlag muß von mindestens 100 Wählern unterzeichnet sein. Kein Wähler darf mehr als einen Wahlvorschlag unterschreiben. Es wird hierdurch zur Einreichung von Wahl- Vorschlägen aufgefordert. Auf die in Nr. 44 der Jüdischen Rundschau veröffentlichte Wahlordnung wird verwiesen. Berlin, den 25. Mai 1923. Die llauplwalilkontmission der Zionistischen Vereinigung Sür Deutschland. I. A.i Rosen bl Uth. Die ״Friedcnsielcr“ in Pctach - Tikmh Bekanntlich herrschten seit dem im Jahre 1921 erfolgten arabischen Ueber[,all auf die Kolonie Pclach-Tikvvalt gespannte Verhältnisse zwischen dieser und den Arabern der umliegenden Dörfer. Nun ist es nach längeren Verhandlungen am 1. Juni zu einem feierlichen, den alten arabischen Traditionen gemäß abgchaltcnen Friedcnsschluß gekommen. Ueber die Friedensfeier seihst bringt ״Doar Hajom“ ausfiihrlidic Schilderungen. Es war eine Veranstaltung von großer Praditcntfaltung und orientalischem Gepriige. Für die Kolonie Pctach-Tikwah hielt der bekannte Abr. Schapira, der 1921 die Abwehr des Angriffs organisiert hat und später auch wegen Waffenbesitzes verurteilt worden war, eine arabische Ansprache. Die Araber verpflichteten sielt, an Schadenersatz 2000 £, Und zwar 500 in bar und 1500 in Wechseln reicher arabischer Scheichs zu bezahlen. An der Friedensfeier nahmen die hervorragenden Scheichs und von der jüdischen Seite außer der gesamten Kolonie auch Vertreter der Zionistischen Organisation, des Waad Lcumi, der lea usw., teil. Das Hauptverdienst an dieser die alten freundschaftlichen Beziehungen wieder herstellenden Versöhnung gebührt dem Jaffner Krcisgonverncur Mr. Cambel, Gleich nach dem Schlachten der sieben Friedenslämmcr wurde ein Telegramm an den High Commission(* abgeschickt,;worin die Begnadigung des im Kerker sitzenden Anstifters' der Unruhen, Scheidt Abu Kishk, erbeten wird. Zu denselben Zweck begab sidi auch eine jüdische Delegation zu Samuel. Der englisch ■* arabische?ertrag Die Veröffentlichung der Hauptpunkte des Vertragsentwurfes zwischen Eiiglind und Hcdschas, der in diesen Tagen endgültig unterzeichnet werden soll, hat einige Klarheit über die durch die verschiedensten Gerüchte verdunkelte Situation gebracht. Aus dem Wortlaut des § 2 ist ersichtlich, daß Palästina von dem Vertrag nicht direkt betroffen ist, vielmehr wird darin eine Formel für das Verhältnis Palästinas gefunden, die unmittelbar an den Text der Balfour-Dcklaration, allerdings nur an ihren zweiten Teil, erinnert: Es wird ausgesprochen, daß England bereits sieh verpflichtet hat, daß nichts geschehen soll, was die religiösen und bürgerlichen Rechte der Araber in Palästina beeinträchtigen könnte. Diese Verpflichtung Englands, auf die hier angcspiclt wird, ist im Zusammenhang mit dein Aufbau der jüdischnationalen Heimstätte in Palästina übernommen worden. Der König Hussein anerkennt durch den Vertrag ausdrücklich die ״besondere Steilung Englands in Palästina“ und verspricht, England bei der Durchführung der dort übernommenen internationalen Verpflichtungen zu helfen. Das kann natürlich nichts anderes bedeuten, als eine Anerkennung der im Mandat von England übernommenen Verpflichtungen, deren zentrale der Aufbau der jüdischen Heimstätte ist. Daraus geht schon logisch hervor, daß der Satz, der von der Schaffung einer arabischen Konföderation spricht, sich nicht auf Palästina bezieht. Es ist aber nicht zu verhehlen, daß aus dem Wortlaut selbst auch eine andere Interpellation möglich ist; denn der erste Satz des §2 spricht von der Unnbhängigkeit von Irak, Transjordntiien und Arabien, der zweite Satz spricht von der besonderen Situation in Palästina, und der dritte Satz enthält das Versprechen, falls alle oder einige der genannten Länder ihren Wunsch zu einer föderativen Verbindung äußern würden, würde England diese Verbindung fördern. Im Interesse der Deutlichkeit wäre cs wünschenswert gewesen, daß dieser dritte Satz anstatt des zweiten unmittelbar hinter dem eisten stünde und der jetzige zweite Satz, der von Palästina spricht, an dritter Stelle. Dann wäre ganz klar gewesen, daß unter den Ländern, die die Koniöderation anstreben können, nur die im ersten Satz genannten Länder gemeint sind, nicht aber Palästina. Durch die jetzige Formulierung könnte aber auch das Miß- Verständnis entstehen, daß der Hinweis auf die genannten Länder sich nicht nur auf die im ersten Satz genannten bezieht, sondern auch auf das im zweiten Satz genannte Palästina. So erklärt sich vielleicht die Interpretation, die König Hussein gegeben hat, als er sein Telegramm an Musa Kazim Pascha abscliicktc. Offenbar ist aber diese Auffassung falsch, und es ist nur zu verwundern, daß zumindest bei den mündlichen Verbandlungen nicht ein Grad der Deutlichkeit erreicht worden ist, der solche Iritümer ausschließt. Der § 2 bedeutet sonach eine Anerkennung des Mandats von arabischer Seife. Wir würden es begrüßt haben, wenn die Anerkennung der jiidisch-nntionalcn Heimstätte nicht nur implicitc in dieser verschleierten Form, sondern expressis verbis gegeben worden wäre. In dem Augenblick, in dem die wichstigstcn arabischen Länder zur Stufe eigener Staatlichkeiten übergehen, hätte das arabische Volk auch den Anspruch des jüdischen Brudervolkes auf eine nationale Heimstätte anerkennen sollen, die im Anschluß an das neue Araberreich errichtet werden soll. Ein solcher Akt im gegenwärtigen psychologischen Moment hätte außerordentliche Erfolge nicht nur für die politische Klärung, nicht nur für den wirtschaftlichen Aufbau des ganzen Orients, sondern vor allem für .die Sympathieannälicrung der beiden Völker haben können. Allerdings setzt er auf Seile der Juden den Entschluß voraus, in volle Interessengemeinschaft mit den verwandten und benachbarten Völkern zu treten. Vielleicht ist also der Moment dafür noch nicht reif. Aber es ist unsere Sache, die Entwicklung in den arabisehen Nachbarländern mit größter Aufmerksamkeit zu verfolgen, eine umfangreiche Aufklärungsarbeit zu leisten und das Vertrauen der Araber zu gewinnen, damit in einem nächsten Stadium der Entwicklung eine glücklichere Uebereinstimmung gefunden werden kann. Die Veröffentlichung des Vertrages zeigt, daß auch die übertriebenen Befürchtungen im palästinensischen Judentum nicht am Platze waren. Wer die Aeußerungen der Jischuw aus der kritischen Zeit verfolgt, muß den Eindruck gewinnen, daß der Jischuw durch die fortgesetzten Enttäuschungen der letzten Jalrc seelisch zermürbt ist und in seiner begreiflichen Nervosität zum Schwarzschcn neigt. Die Art, in der dort über Englands Verrat und über unsere Auslieferung an die Wilden gezetert wurde, beweist aber auch, daß gerade der exponierteste Teil unseres Volkes noch nicht die geringste Klarheit über die notwendige Entwicklung Palästinas und seine künftige Stellung hat. In der Actions-Comitd- Sitzung zitiere JHe« Sokolow: einen Artikel aus, dem

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