Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 47 (12.6.1923)
- Date
- 1923-06-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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* 1 H» Seite 282 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 47 Zn den Problemen des XIII. Zionlsfenkonflrcsscs Von Dr, med, Emanucl Kahn, Wilna. Wir vcröficnilicfien diesen Artikel als Beitrag zur Diskussion, Red. ״J. R.“ Es ist für Lünen, der nicht direkt im Zentrum der Arbeit, d. h. als Mitglied ,der Exekutive oder des Aktionskomitevs steht, eine schwere Aufgabe, sich zu einer Frage zu äußern, die 'für 1111׳: Zionisten von!*ödestem Interesse ist. Es mul» ihm bei der Beurteilung derselben ein gewisser Diictantismus anhaften, aber nicht desto weniger halten wir es für notwendig, unsere Gedanken in dieser Frage aiiszusprcchcn, sei es auch nur als Anregung, als Grundstock für weitere Erörterungen. Ist unsere Organisation in ihrer gegenwärtigen Konstruktion imstande, das jüdische Heim in Palästina aufzitlmucii und wenn ja, wie muß eine solche Organisation beschaffen sein? Um auf diese Frage eine deutliche Antwort geben zu können, müssen wir uns vergegenwärtigen, welche Aufgaben die Organisation gegenwärtig zu lösen hat. Die erste und wichtigste Aufgabe ist die Besiedlung von Palästina und Beschaffung der Mittel zu diesem Zweck und ferner zur Er- ' haltung und Ausbaimng der geschaffenen Positionen Stabilisieniug der laufenden Ausgaben. — Wir, die wir im Mittel- ]■milkt der Auswaiideningxbewcgung sichen und tagtäglich unsere Olmmacht fühlen aus Mangel an Zertifikaten, ausgezeichneten Elemcuien mit den nötigen Fnchkeiintuissen und and! Mitteln zur Reise und für die erste Zeit der Einrichtung, die Einreise nad» Palästina verwehren zu müssen, weil, ja weil mclir Geld verlangt wird, als die Betreffenden haben und auftreiben können und auch sicherlich mehr als nötig ist; wir ־— sage icli — fühlen vielleicht nietir als die Geldgeber mit guten Valuten den Mangel der notwendigen Mittel, um die Einwanderung zu verbreitern. ,,Erst das Geld, dann die Menschen“ 90 lautete die von Dr. Weizmann auf der Jahreskonferenz von Karlsbad ausgegebene Losung. — Da hellen keine Sophismen, daß ja auch Menschen an und für sich ein großes Kapital bedeuten. Olmtc Arbcitsmögiichkdt keine Arbeit, und daher müssen wir die Richtigkeit der Losung anerkennen. ׳ Das wichtigste Geldl>csd1nffu11gsinstnm1c־nt ist der Keren Hajcssod — lassen wir den Keren Kajcmeth, der fcstbestimmtc, begrenzte Aufgaben bat, bei Seite — fragen wir uns, ist der Keren Hajcssod geeignet und imstande die große Rolle der Aufbauarbeit auf sich zu nehmen. — Gegründet wurde der Keren Hajcssod in der Erkenntnis, daß die großen Mittel, die zu dieser Arbeit notwendig sind, neue Anstrengungen verlangen und daß die Zionistische Organisation allein nicht imstande ist, die ganze Palästina-Aufbauungsarbeit auf sich zu nehmen. — Das geschah vor 21/2 Jahren in London auf der Jahreskonferenz von Karlsbad ausgegebene Losung. — nach dem schrecklichen Kriege, Trotz politischer Erfolge war der Verfall der Organisation an allen Ecken und Kanten zu verspüren, es herrschte überall, ob mit Recht oder Unrecht, das Gefühl der eigenen Schwäche und Ohmnacht. Das Vcrtrauen auf räch selbst war schwach geworden. IXe; war vielleicht das Hauptmotiv der Gründung dieses Fonds, wenngleich der Gedanke, durch diesen Fonds auch Nichtzionisten zur י Arbeit heranzuziehen,, in den Vordergrund gestellt worden war. Man hoffte, wie seinerzeit l>r. Ilerzl bei der Gründung der Koiqmalbank, mit einem Schlage in den Besitz großer Summen zu gelangen. Wie damals, blieb auch heule die Enttäuschung nicht aus. Bloß ein kleiner Teil der angesdzten Summe ist gesammelt worden und ganz genau wie zu Zeiten Ilcrzls stellen!auch heute bei der Sammlung des Keren Hajcssod die üroßjuden mit ihren Kapitalien bei Seite. Nur ein kleiner Teil von kapitalkräftigen Nichlzionisicn reagiert auf den Paläsiina-Aul'baugedaniecn und trägt das Seinige bei, meist jedoch ohne mit dem Herzen ganz dabei zu sein, etwa um den armen ©stjiiclisdien Auswanderern helfen zu müssen. Wir haben es mit einer Masse indifferenter Elemente zu '•tim, die geweckt und zur Arbeit hinzugezogen werden müssen. Es bedarf der nötigen Kräfte, um diese Weckarbeit ständig zu machen; und schließlich finden sich diese Elemente fast ausschließlich nur im Volke und nicht bei den Großkapitalisten, auch äußern jene Elemente keine Prätentionen, mit Anteil nehmen zu wollen an der Verantwortung für die Aufbauarbeit selbst, wie gerne wir auch das Gegenteil davon sehen möchten. Wir steilen m»11 vor der Erfahrung einer zweieinhalb- •jährigen Arbeit des Keren llajessod und müssen nun troiz . der Opposition von verschiedenen Seilen gegen den Keren Hajcssod anerkennen, daß die Idee der Gründung des Keren ׳ Hajcssod als Steuer für die Aufbauarbeit von Palästina eine durchaus richtige ist und dürien uns nicht durch diy nicht genügenden Resultate dazu verführen lassen, den Schluß daraus zu zielten, die Idee hätte versagt. Nein, die Idee ist eine richtige, die Ausführung der Idee war eine verfehlte, nicht auf richtiger Basis aufgebaute. — ■Jeder Staat besitzt als Grundstock seines Aufbaues und seiner Exislcnzmöglichkcit einen großen Finanzapparat mit seinem Finanzminister und seinem S(cucrapparat,d. h. seinem Beamtensiaat, der die Verwirklichung der Projekte auszuführen hat. Ein Teil derselben studiert die Vcrmügensvcrhältnisse der Bürger, ein anderer bestimmt die Höhe der Stcucrpfliclvt und wilder ein anderer kassiert die Steuer mit verschiedenen Zwangsmitteln ein. — Es ist ein gutgehendes Uhrwerk, In dem jedes Rädchen zum andern paßt und gut vom Meister ■ aufgezogen, prompt funktioniert. — Was sehen wir bei uns? Lin bestimmter Apparat ist nidit vorhanden, selbst ein genau a iisgearheitcter Plan existiert nicht; alles wird sporadisch, zufällig, ruckweise gemacht. Großen Anstrengungen mit Aufbietung aller mir mobil zu machenden Kräfte mit nicht siblechten Eridgen folgen plötzlich Rückschläge, Sinken der Eingänge und natürlich damit verbunden Unzufriedenheit, Mangel an Mittel, Stillstand der Arbeit. Mit einem Worte: in der Maschine klappt etwas nidit, es ist eben kein gleichmäßig arbeitendes Uhrwerk. Wie aus dem1 Herzen gesprochen ist der verzweifelte. Ruf von Julius Berger nach einer gut organisierten fUamtcnsehait, nach einem gut arbeitenden Apparat, der die fertig aufgestellten Pläne auszuführcn lat. Lassen wir die Frage bei Seite, ob der Keren Hajcssod seine Rolle als G r U 11 d 11 n g s f ond s, wie sein Name besagt, erfüllt hat, und betrachten wir nur seine gegenwärtige Gestall als Fonds zur Beschaffung der Mittel in Palästina, so müssen wir sagen, daß dieser letzte Begriff dem jüdischen Volke durchaus verständlich ist und es ist nur notwendig, die Methoden auszuarbeiten, wie au die Arbeit heranzutreten ist. Und nun hat uns die Erfahrung vieles gelehrt. Man klopft nicht vergebens an jüdische Türen, es sei denn an solche von verbissenen Assimilantcn, denen das laut ausgesprochene Wort *Jude“ allein schon Schrecken venu sucht, man findet überall bei einen* mehr, bei einem weniger Vorständnis, aber leider findet man fast überall Völlige Unkenntnis über die gegenwärtige I.agc der Juden in Palästina und über die bevorstehenden großen Aufgaben. Ferner Beben wir, daß der Beschluß des Aktionskomitees sämtliche Kräfte desselben für den Keren Hajcssod zu mobilisieren, seine Früchte getragen hat. — Ziehen wir aus dem Gesagten den Schluß, so sind Aufklärung den Massen, Propaganda und meinetwegen auch Erziehung des Volkes, ferner richtige Organif.irrung der Eintreibung der nötigen Geldmittel das notwendigste* um 90 mehr als uns Zwangsmittel nicht zur Verfügung stellen. Nun noch ein paar Worte zu unserer Organisation seihst. Früher war Werbung und Propaganda die Hauptaufgabe; der Zionistischen Organisation gewesen und gewiß hat sie ihre Aufgabe erfüllt, gegenwärtig jedoch, wo unsere Organisation Rcgicrungsorgan geworden ist, ist sie viel zu schwerfällig j und unbeweglich, ungeschmeidig geworden! Zwei Exekutiven, ] eine in London, die andere in Palästina, die zuweilen nidit mitsondern gegeneinander arbeiten, zwei kontrollierende instanzen — Aktionskomitee und Zcntralrat ־— und endlich die wichtigste Intitntion, der Kongreß. — Abgesehen davon, daß diese vielen Einrichtungen unnütze Kosten verursachen, dürfte eine Vereinfachung dieser Institutionen der Sache nur zuträglich sein. Die ganze Führung muß bei einer über die ganze Welt Zerstreuten und verzweigten Organisation, wie die Zionistische ist, in der Hand einer kleinen Gruppe von Mensch«! liegen, die sieh an einem Orte befindet und für jeden Moment freie Exposiüonsinögliclikcitcn Jiaben muß. Diese kleine Gruppe — die Exekutive — bestehend aus nidit mehr als 5—7 Personen, wählt sidv selbst Spezialisten für verselücdenc Ressuris aus, die nur ihr verantwortlich ist und auch von ihr gewechselt werden kamt. Die Exckutive ist außer «lern Kongreß einem Rumpfparlament verantwortlich, das aus gewählten Vertretern aller Länder (nicht gerade prominenten Zionisten) in der Zahl von 60—80 Personen besteht und auf zwei Jahre, d. h. von Kongreß'zu Kongreß gewählt wird. Dieses Rumpfparlament muß sielt wenigstens zweimal im Jalmc versammeln; falls notwendig, können Extrasitzungeii durch die Exekutive oder auf Initiative von einem Drittel des Rumpfparlaments auch früher einbcrtifen werden. — Der Sitz der Exekutive ist Palästina. Vertreter in London und anderen großen Zentren werden von der Exekutive ernannt und1 sind derselben verantworilich, — Der Zionistenkongreß wird bis auf weiteres alle zwei Jahre cinbcrufen. Die Funktionen desselben sind bekannt. Das Aktionskomitee wird somit aufgehoben, der Zcntralrat in ein vom Kongreß gewähltes Rumpfpnrlament verwandelt mit Vcrtrctersehaft nad* Landsmannschaften und Parteien ohne Einfügung van hervorragenden Personen im Zionismus. Auf diese Weise wird einerseits eine festgefügte, einhcitliclie, arbeitsfähige Leitung geschaffen und anderseits werden prominente führende Kräfte frei, die für den richtigen Aufhau der Keren Hajcssodaktion Verwendung finden können. Die Erfahrung hat uns gelehrt, daß überall da, wo frische Kräfte mit zionistischen Namen die Arbeit in die Hand gcnominell haben, die ganze Aktion eine andere Wendung gcnommen fiat. Dieser Zustand der Progression der Arbeit muß stabilisiert werden und darf keinem Rückschlag Platz machen. In jedem Lande müssen wenigstens einer oder mehrere, je nach Größe des Gebietes, einzig und allein die Leitung dieser Aktion in Händen haben. Derselbe bereist das Land( Städte und Dörfer, weckt und ruft Freiwillige zur Arbeit, kontrolliert dieselben und verbreitert das Operationsfeld. Jcikr hat seine Kanzlei und seine Angestellten, «lenen die technische Durchführung obliegt. Die etwaige Vergrößerung der Kanzleiausgaben wird sicherlich ihre Früchte tragen. — Der Chef des Keren Hajcssod, der von der Exekutive ernannt wird, muß selbst hier und «In, wo nötig, mit eiligreifen, ln« Grunde gcnommen geschieht dasselbe ja aircii jetzt, aber wie gesagt ohne System und sporadisch. Auf diese Weise können die Einkünfte des Keren Hajcssod nicht nur gesichert, sondern alimäliiiclt vergrößert weiden, je nachdem: cter Gedanke des Keren Hajcssod mehr und׳ mehr in «las Volk cindringt Mit der Vergrößerung der Zahl der Keren Hajesscxlzaliter kann auch daran gegangen werden, die Rechte der Schekelzahlcr (Wahl von Delegierten zum Kongreß) durch die Keren Hajcssod/nhlcr zu ersetzen und damit geben wir auch den Nichtzionisten das Recht, in den Kongreß Elemente zu wählen, «iie deren Interessen vertreten wealcn. Das wäre schon eine Verbreiterung des Zionistischen Kongresses, der dann allmählich aus dem zionistischen ein «!!jüdischer wird, ohne Erschütterungen und ohne gefährliche Neuerungen. Eine Frage bleibt jedoch noch offen :* wie ist cs mit den ■großen jüdischen Gesellschaften und Gemeinden die zur Mitarbeit hernnzuziehen ein großer Gewinn wäre. — Am wichtigsten ist hierbei «1er Ein wand, daß cs für die Zio■ nistischc Organisation ein unerträglicher Zustand wäre, in der ״Jewish Agency“ außer von der Zionistischen Qr •ganisation gewählten und ihr verantwortlichen Vertretern nodh Vertreter zu haben, die nur ihren Gesellschaften verantwortlieh sind und vielleicht nicht mal solchen, z. B, einzelne Per■ solang die ,׳!Iso keiner Kontrolle unterworfen sind, Da gibt es meiner Meinung nach folgenden Ausweg! Für die Jewish Agency wird eine Konstitution ausgearbeitet, die die Grundprinzipien der jüdischen Heimstätte in Palästina enthält, dieselbe muß von sämtlichen Vertretern der Jewish Agency als für sie bindend unterzeichnet werden. Die Rechte der Mitglieder der Jewish Agency werden nach ihren Leistern gen abgeschützt, 4. B. die Zionistische Organisation oder sagen wir der Keren Hajcssod schafft £500,000 jährlich für Palästina und alle anderen Vertreter von Gesellschaften bringen ebensoviel jährlich ein, 90 erhalten in allen Fragen die Zionistischc Organisation 50 0/0 und letztere 50 ס/יי Stimmen und sollte, was vorläufig nicht anztmehmen ist, die Stimmenz.ahi von Nichtzionisten die der Zionisten überwiegen, so ist das ganz gut in den Kauf zu nehmen durch ihre überwiegende Leistung in der Aufbauarbeit, die mir Palästina zugute kommt, ohne die Grundprinzipien zu zerstören. Nun noch zum Schluß die Schekelfrage, die bis hierher dank der Pietät, die jeder für sie hat, von allen Fragen unberührt geblieben ist. Den Schekel kauft nicht nur der organisierte Zionist, sondern zum größten Teil der mitfühlende, sagen wir der mehr oder weniger national fühlende Jude, zum größten Teil wold dasjenige Element, das jetzt am leichtesten für den Keren Hajcssod gewonnen werden kann. Auf diese Weise gibt die Zahl der Schekdinhabcr nicht die Zahl organisierter Zionisten an. Die Zahl der Schekclinhabcr wechselt zum Teil jedes Jahr und folglich nehmen an der ,Wahl «kr Delegierten zy,m Kongreß auch zufällige Betuejite Anteil, Um wieviel richtiger wäre cs, den Steuerzahler, d, j! den Keren Hajcssodzahler als Wähler hcranzu/ichen, durch seine Zahlung an und für sieh schon sidi mit Pa!ist1״l verbindet. Ich will schon gar nicht davon reden, wie Vitl Energie und Zeit für die Sammlung dieser kleinen Summt-! aufgewandt werden muß, die für größere Sammlungen bes*r ausgenutzt werden könnte. De nötige Summe zur Aufhaltung der Organisation, die etwa gegen £10 000 betrifft, also kau!, der zehnte Teil des allgemeinen Budgets war, weil das ga,1({ Budget vom Keren Hajcssod gedeckt wird. Dadurch wipd die Organisation mit Miltein versorgt und der Schekel fällt als nicht mehr zeitgemäße Institution weg. De Zahl der I;elegierten zum Kongreß wird nach der Zahl der Keren I lajcssndzahicr bestimmt. Als Wahlregel *inj das proportionclle Wahlsystem eingeführt, auf «liese Weh, kommt jede Partei zu ihrem Recht. — Diese meine per;׳,:,, liehen Gedanken möchte ich den Gesinnungsgenossen jur Dskussion cmpfclden. Presse ־ Rundschau In der ״Frankfurter Zeitung'' vom 3. Juni ver• öffcntlicht Leopold Weiß ״Das Tagebuch einer Reise", 'die ihn auch nach Jerusalem geführt I1.1t. Der Ver• fasscr Ist offenbar nicht in der Absicht nach Palästina ge. fahren, um dort etwas von der jüdischen Arbeit zu sehen, aber er benützt seine Anwesenheit in Jerusalem, um Qe. danken über die Judenfrage und den Zionismus zu äußern, die er im Grunde auch in Frankfurt a. M, haben konnte. Trotzdem die Tendenz seiner Notizen ausgesprochen anii• zionistisch sind, sind wir nicht so beschränkt, das Körnchen Wahrheit zu verkennen, «las in seiner Kritik liegt, Ihm ist dai jüdische Leiden vor allem das Lcklcn nicht um den Ver• hist einer Heimstätte, sondern um den Verlust der ethischen Bindung, Daher ist dieses sein Rat: ״Es heißt still werden in sich. Kräfte in sieh sammeln — vielleicht für eine spätere Bindung —, Kräfte ziellos in sich sammeln, ohne sofort realisieren zu wollen. Der Zionismus aber will unmittelbar realisieren: Eine Heimstätte für die Juden! Er erhebt die Kulisse zum Altar, Palästina-Sehnsucht an Stelle tiefster menschlicher Sehnsüchte. Er Übersicht, daß die Errichtung einer Heimstätte jeweils das Endergebnis einer Volkskraft war und niemals ein Hospiz, eine Zuflucht vor dem Leiden“' Der Verfasser weiß offenbar nichts von der jüdischen Realität, weiß nicht, in wie hohem Maße dieses Streben, das sich so nüchtern als Errichtung einer Heimstätte anspricht, die Eruption tausendjähriger gesammelter Volkskräftc und matsch• lieber Sehnsüchte ist. Er merkt vielleicht nicht, wie sehr er in die reine Literatur abgkitet, und daß ethische Bindung im Leben ganz reale Bewährung finden muß. Er merkt nichts von dem sittlichen Moment der Selbstverantwortung, das in diesem Streben nach Volksbcfrciung steckt, nichts von dem Geist, der hier Formen seiner Verwirklichung sucht, wo Herr Weiß auf seiner Autofahrt von Haifa über Nablus nach Jerusalem nur Kulisse erkennen konnte. Er hat nichts von der jüdischen Arbeit gesehen, keine einzige Kolonie und Arbeitersiedlung, nur die bunten Gestalten am Jaffator in Jerusalem, und nichts gehört als das Raisonncmcnt über das Ausbleiben von Geld. ,Er hat hier eine gute Bcobach• tung gemacht: daß man in Palästina immer irgendwie ״gekränkt“ ist, immer hadert mit Irgendeiner Weit, die nicht genügend zu Hilfe kommt, und daß etwas Abnormales in diesem Angcwicscnscin auf auswärtige Hilfe steckt (etwas Krankhaftes unti Unmoralisches, wie er es nennt, dem gegenüber ihm die arabische Gegenbewegung in ihrer Primitivität ehrlich und freiheitlich erscheint). Aber er sieht das Problem nur von der Oberfläche; die wirkliche Tragweite und den inneren Kern dieser Tatsache des Verbuncfenseins Palästinas mit der jüdischen Welt, die mit dem Schwerpunkt ihrer Seele diesem Zentrum zustrebt, aller doch außen ist, das Maß. der Verantwortung des Weltjndcntums für seine eigene Aufrichtung, deren Kern in Palästina liegt, hat er nicht vcr• standen״ Eine Polemik hat natürlich keinen Sinn. Aber es ist doch interessant, wie manche Reisende das heutige Palästina scheu. ,,Jewish Chronlele“ schreibt, man ersehe aus den letzten Nachrichten, wie unklug cs ist, irgendwelche Kritik auf bloße Gerüchte zu gründen. Das Blatt wirft den rccntsstchenoen englischen Blattern ״moriung Post", ״Daily Expreß" und ״Daily Mail“ vor, daß sie die palästinensischen Araber zur Revolte gegen die britische Regierung aufreizen, Es sei ein trauriges Zeichen der Inkonsequenz, zu der sie sidi in ihrem Haß gegen die Juden und den Zionismus verleiten lassen. ״Während die Haltung der Araber planmäßige Widerspenstigkeit ist. und niemand annchmen kann, daß sic bei ihrem Betragen die Wohlfahrt des Landes im Auge haben, tun die Juden — und zwar die besten unseres Volkes — ihr Aeußcrstcs, um Geld zu sammeln zum Aufbau Palästinas, Bevor der Zionistenkongreß im August zusammen• tritt, dürfte der Keren Hajcssod, der ja nur einer der Fonds ist, die Summe von einer Million Pfund Sterling.erreichen. Dies ist größtenteils den übermenschlichen Anstrengungen zu verdanken, die von Dr. Weizmann in seiner amerikanischen Kampagne gemacht wurden. Wenige Leute in diesem Lande begreifen die Oröße seines Erfolges. Es gibt keinen britischen Juden, der einen derartigen Empfang und solche Ehre gc• erntet hätte wie der zionistische Führer auf seiner Tour in den Vereinigten Staaten, Aber Dr. Weizmann wäre der erste, anzuerkennen, daß es falsch wäre, ihm selbst den ganzen Erfolg zuzuschrcibcn. Er hat gesiegt, weil er den Glauben an eine Sendung hat, welcher niemand, in dem noch ein jüdischer Geist lebt, widerstehen kann. So vollbringt der jüdische Nationalismus, obwohl er noch einen weiten Weg bis zu seinem Ziel in Palästina zurückzulcgen hat, Wunder, indem er die Juden zum Judentum zurückführt und die Nicht- Juden von ihrem Mißtrauen und ihrer Abneigung gegen das Judentum abbringt. Wenn man die zwei Bilder einander ßcgcnftbcrstcllt: die Araber, die das Lnnd in seinem heutigen elenden Zustand erhalten wollen und von den Feinden unseres Volkes unterstützt werden, und auf der anderen Seite die Besten der Juden, die trotz aller Enttäuschungen und Mindernisse alle ihre Liebe und materiellen Mittel für die Wieder• nufrichtimg . ihres Landes einsetzen wollen, — dann kann die Entscheidung über den gerechteren Anspruch nicht Zweifel* halt s«ia,* Nr. fn I 1 Pal& Begir Zur J die 1 1 WaWvl M«»t DcdUcI Deleg bis 6; Deleg zu H. für d werde Term blickt / Verp! Quar An Em! rieht! der ״ Haup werd Bequ linie muss betre karte Vora St Asct Bcrli Boct Bros Chei Gott Des; Dort Duis Dür! Düs: Efrii Emr , Frie Gail GIci Got Hall Hall Es Abtliacl 11 an burj Ural Urei haut Cral l)ra Esel keu Fab Gr.• Gat Kai Ken Kr» biir! bnr Sllll P0