Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 47 (12.6.1923)
- Date
- 1923-06-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr.59410. — Redaktionsschlull Sonntag und Mittwoch nachmittag. ’ — * ir, ■..*felS כ״ח כיון- תרפ״ג XXVIII. Jab7g. per Zionismus erstrebt fUr das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm." # frt> ic e 1 *». I las Eide der Beratimgen 4 Die politische Debatte, die Donnerstag früh mit J Referaten von So ko Io w und U s s i s c h k i n eingclcitet 1 wurde, nalun den ganzen Donnerstag und den Freitag | Vormittag in Anspruch. Im Mittelpunkt der Diskussion | standen die neuen Ereignisse im Orient und die zui künftige Stellung Palästinas. Nach dein Schlußwort Sokolows wurde eine Kommission zur Ausarbeitung von : Resolutionen eingesetzt. Freitag Nachmittag berichtete Herr G r ü n b a u tn; namens der für die Frage der Jewish Agency ein-; gesetzten Kommission. Grünbaum brachte in dieser Frage eine Resolution ein, über die sich eine heftige :: Debatte entspann. Da schließlich Herr Sokolow die Fassung dieser Resolution, die ein Mißtrauen in die : bisherigen Handlungen und Erklärungen der Exekutive erkennen lasse, als für die Exekutive unannehmbar | bezeichuete, mußte die Sitzung auf Sonntag Vormittag vertagt werden. Sonntag Vormittag wurden nochmals die Resolutioneti zur Abstimmung gestellt. Ein von Dr. Jacobson cingcbrachtcr Vermittlungsvorschlag auf Wahl einer Studienkoniniission und Vorbereitung des ganzen Materials zum Kongreß verlnochtc nicht durclizudringcn, ebensowenig ein Kornpromißantrag, der die Grumkjcdanken beider Resolutionen zu vereinigen suchte. Dagegen wurde die Resolution Grünbaum schließlich mit den Stimmen der Misrachi und Poale Zion angenommen, Auf Verlangen von Herrn Sokolow wurde hierauf die Sitzung! unterbrochen, um der Exekutive Gelegenheit zur Beratung j der geschaffenen Situation zu geben. Nach Schluß der I Pause erklärte Herr Sokolow nochmals die gefaßte | Resolution fiir unannehmbar. Er wiederholte seine be- 1 rcits früher abgegebenen Erklärungen, daß die Exej fciitivc an dem Beschluß der Jahreskonferenz über Einberufung des Weltkongresses festhält und die Idee d s Weltkongresses als der auf demokratischer Grundlage gewählten Gesamivertretung des jüdischen Volkes weit t vertritt Da sich jedoch herausgestcllt hat, daß c’ic Parole des Weltkongresses vorläufig noch nicht den : Widerhall gefunden hat, den wir erwartet haben, und;! sich der Durchführung des Planes Schwierigkeiten ent- L gcgcnstcllcn, die nicht von der Zionistischen Organisation, ii sondern von jenen Kreisen, die wir zur Mitarbeit ge-!' winnen wollen, ausgehen, so hält es die Exekutive für . notwendig, mit gewissen repräsentativen Körperschaften,; die als die Vertretung der Judenschaft eines bestimmten i Landes angesehen werden können und auch allgemein angesehen werden, in Verhandlungen zu treten, um die < Art und Weise zu besprechen, in der diese Vcrtrctungskörpcrschaftcn sich an der Mitarbeit zu beteiligen bereit , wären. Dabei ist selbstverständlich, und ist such allen dritten gegenüber stets betont worden, daß es sielt nur j um unverbindliche Besprechungen handelt, und daß der ' Zionistenkongreß das letzte Wort der. Entscheidung zu : sprechen hat. Mit Rücksicht auf diese Erklärungen des Präsidenten י Sokolow erklärten sich die meisten A.-C.-Mitglicdcr, die 1 früher für den Antrag Grünbaum gestimmt hatten, einver- | standen mit einer nunmehr vorgeschlagenen neuen ן Fassung, die die Exekutive anzunehmen bereit war. Die ן Anträge wurden dann in dem hier wiedergegebenen 1 Wortlaut angenommen.; Hierauf gelangten die politischen Resolutionen zur '. Verhandlung. Die Vorschläge der Kommission wurden j mit kleinen Aendcrungen angenommen. Die Sitzung des 1 A.-C. wurde nach sechstägiger Dauer am Sonntag, den 10. ds. Mts., um 3 Uhr nachmittags, geschlossen. Felix Warburg über die Jointarbeit in Europa und Palästina; Der bekannte jüdisch-amerikanische Finanzmann und Präsi- > dent des Joint Distribution Committee Mr. Felix Warburg : suüerte sich in einem Interview mit dem Wiener J. C. B.- j Vertreter dahin, der Zweck der großen, am 9. Juni in Wien beginnenden Joint-Konfercnz sei der, die Form und das Tempo 1 der Liquidation der Jointtätigkeit festzusetzen. Schon heute I befindet sich das Jointkomitce irrt Stadium des Abbaus. Auf 1 der Wiener Konferenz, welcher u. a. auch Richter Lehmann;1 vom amerikanischen Wiederaufbandepartement, sowie Dr, Rosen i 11!Kl Mr, Schweizer von der russischem Joint-Abteilung bei- »«liiicn 'werden, wird darüber entschieden weiden, auf welche!j Weise und zu welcher Zeit die einzelnen Aktionen des Joint :י at';:ehaut werden solle״. Die Periode der Hungersnot m Europa und größtenteils auch in Rußland : ist bereits überii wunden, auch die medizinisch-sanitäre Arbeit in Europa hat 1* 1־'re Arbeit bereits getan. Diese Zweige sollen deshalb schon 1 i^t liijukliert werden, während die Arbeit m Rußland, sowie I öie Wiederaufbauarbeit in Europa und Palästina, .ferner das J K'1׳(lcrhi!fswerk, no«.T kt bestimmten Grenzen .weitergeführt : »״den müssen. Das gkidbe gilt von der Hille m Äs 1 'bäiiche landwirtschaftliche Betätigung. Zur Frage der Jewish Agency 1. Nach Anhörung der Berichte der Exekutive und der Erklärungen des Vorsitzenden der Exekutive stellt das A.-C. als Richtlinie für alle Verhandlungen, die in der Zeit bis zum Kongreß mit Vertretern nichtzionistischer jüdischer Kreise über ihre Beteiligung an der Leitung des Palästina-Aufbauwerkes geführt werden, den Grundsatz auf, daß die leitende Körperschaft der Jewish Agency vor einer Vertretungskörperschaft des jüdischen Volkes verantwortlich sein muß. (Angenommen mit 8:1 Stimmen.) 2. Das A.-C. beschließt, aus seiner Mitte fünf Mitglieder zu wählen, welche zusammen mit Vertretern der Exekutive eine Kommission zum Studium aller mit der Frage der Jewish Agency und anderen organisatorischeu Fragen suzammenhängenden Probleme bilden sollen. Die Kommission soll unverzüglich nach der Sitzung des A.-C. zusammentreten; das Resultat ihrer Beratungen soll der Exekutive und den Mitgliedern des A.-C. mitgctcilt werden und als Material zur Prüfung der Frage der Jewish Agency bis zum Kongreß dienen. (Angenommen mit 6:3 Stimmen,) In die Kommission wurden gewählt: Dr. Barth, Hantkc, Jacobson, Dr. Abr. Kaznclson, Rubaschow, Politische Resolution 1 1. Angesichts der bedeutsamen Entwicklung 1m näheren Orient, welche zur Bildung arabischer Staatsgcbilde geführt haben, die einen Zusammenschluß auf föderativer Grundlage anstreben, hält es das A.-C. für notwendig, neuerlich festzustcllcn, daß cs die Aufgabe und der Wille des jüdischen Volkes ist, an der Wiederaiifrichtung des näheren Orients in friedlicher Zusammenarbeit mit allen dort ,wohnenden Völkern tätigen Anteil zu nehmen. 2. Das A.-C. gibt der richcrcn Erwartung Ausdruck, daß bei allen Verträgen 1:nd Maßnahmen, die das Gebiet des näheren Orients betreffen, die volle Integrität des Palästina-Mandats garantiert und die besondere Stclhing Palästinas als des, Landes der nationalen jüdischen Heimstätte anerkannt wird. Das A.-C. ersucht die Exekutive, in diesem wichtigen Zeitabschnitt mit besonderer Aufmerksamkeit und Energie die Interessen der nationalcn Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu vertreten. 3. Das A.-C. gibt der Erwartung Ausdruck, daß! alle mit der Neuordnung im Orient zusammenhängenden Maßnahmen, die die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas oder die Interessen der nationalen jüdisehen Heimstätte direkt oder indirekt berühren, vor ihrer Inkraftsetzung gemäß den Bestimmungen des Mandates mit der Zionistischen Organisation als Jewish Agency erörtert werden. Politische Resolution ü Nach Anhörung der Berichte der Exekutive sowie der Berichte aus Palästina stellt das A.-C. folgendes fest: Eine Reihe berechtigter Forderungen und Beschwerden der jüdischen Bevölkerung Palästinas, welche der britischen Regierung und der palästinensischen Verwaltung durch die Zionistische Exekutive unterbreitet worden sind, haben bis jetzt keine befriedigende Erledigung gefunden. Das A.-C. erneuert daher seine Forderung, daß die Exekutive Schritte unternimmt, um bei allen in Frage kommenden Instanzen die Regelung der erwähnten Forderungen und Beschwerden zu erlangen. Mr. Warburg sagte, er sowie viele Mitglieder des Joint werden auch weiter für den jüdischen Wiederaufbau in der ganzen Welt und natürlich auch in Palästina wirk«!. Die Arbeit in Palästina wird jedes politische Gebiet vormeiden und sich namentlich auf kulturelle und' andere Spezialgebiete erstrecken. Je mehr man die Politik wird vermeid«» können, desto mehr werden die amcrikanisclien Juden für Palästina Opfer bringen. Das hat Mr, Warburg auch Dr. Wcizmann in New York erklärt, als er ihm seine 10000 Dollarspende für die Jerusalemer Universität überreicht hatte. Auf der jetzigen Wiener Konferenz wird auch das Tempo der Arbeit in Palästina bestimmt werden. Mr. Warburg teilte ferner mit, sein ßankhaus habe zusanmicn mit Morgan und anderen zwei Banken die* Völkerbundanleihe für Oesterreich in der Höhe' von 25 Millionen Dollar übernommen, . M<r. Warburg wies audi auf die intensive Jointtätigkeit zugunsten Oesterreichs hin, die besondere dem intelligenten Mittelstand zugute kam und , dem Jointkomitce offizielle Dankschreiben, des Wiener Bürgermeisters, sowie des Staatspräsidenten Dr. Haimsch eingöragso. Der englisch-arabische .Vertrag Wie telegraphisch aus Jerusalem gemeldet wird, hat die Palästina-Regierung die wichtigsten Teile des Ent- Wurfes des englischen Vertrages mit König Hussein von Hedschas veröffentlicht. Der zweite Absatz des Vertrages besagt, daß England Hilfe leisten will bei der Sicherung der Unabhängigkeit der Araber in Mesopotamien, Transjordanien und Ara׳• bien. In Paläst i n a •— so heißt es weiter — ist Eng• land bereits verpflichtet, die bürgerlichen und religiösen Rechte der Araber nicht zu verletzen. Wenn einige oder alle die unabhängigen arabischen Regierungen eine Öko• nomischc Verbindung oder eine politische Konföderation zu schaffen wünschen, wird Großbritannien seinen Bei• stand gewähren. König Hussein anerkennt die besondere Stellung Großbritanniens in Me* sopotamien, Transjordanien und Palästina und vcri* pflichtet sich, bei der Erfüllung der briti* sehen Verpflichtungen in diesen L ander ä mitzu helfen. Ein anderes Telegramm besagt, daß die Veröffenfe• Hebung dieser Hauptpunkte des Vertrages in PaFi'tiiia* wo durch die Fülle der unbestätigten und zum größten Teil falschen Gerüchten Verwirrung entstanden wa , sehn beruhigend gewirkt hat. Die arabische Presse beginnt gegen den Vertrag Stellung zu nehmen. Es wird dem König Hussein vo#h geworfen, daß er die palästinensischen Araber prcisgcgjB• ben habe. Die ״widerspruchsvolle englische Politik“ London. (J.C.B.) ״Daily Expreß“ verzeichnet die Meldung, daß der König Hussein von Hedschas der arabischen Delegation in Palästina 2000 Pfund als Kostenbetrag übergeben hatte, während er selber 5000 Pfund aus der britischen Staatskasse als monatliche Subvention erhält. Das Blatt schreibt hierzu den folgenden Kommentar: ן ״Es stellt sich somit heraus, daß England, während es 500000 Pfund jährlich zur Erhaltung der Macht der jüdischen Minderheit in Palästina ausgibt, gleichzeitig 5.KJ0 Pfund monatlich in Gold .־ui König Hussein als Prämie für die Nichtbekämpfung des zionistischen Regimes bcreitsUflte. Aus dieser Summe werden nun für die Unterstützung der arabischen Agitation in Paiästina gegen das zionistische Regime 2000 Pfund ausgegeben. Selbstverständlich benutzt König Hussein die Araber in Palästina als eine Repressalie gegen die englische Regierung, um sich beim Abschluß des Vertrages bessere Bedingungen za sichern.“ Nach der Mitteilung des Kairo-Korrespondenten derselben Zeitung sind die palästinensischen Araber mit der Politik König Husseins und mit dem Abschluß seines letzten Vertrages mit Großbritannien sehr unzufrieden. Herbert Samuel kommt nach England Wie der Jerusalemer J. C. B.-Vertrcter erführt, bo* absichtigt der Oberkommissar von Palästina, Sir Herbert Samuel, sich gegen Ende dieses Monats nach England zu begeben. Die Englar,dreise Sir Herbert Samuels steht mit der projektierten Anleihe der Regierung von Palästina im Zusammenhang. Ferner wird er eine Reihe Konferenzen mit den verantwortlichen Leitern des Koloniaiministcriums haben, wobei er u. a. eine günstige Lösung der Frage der Legalisierung der jüdisehen Gemeinden Palästinas herbeizuführen hofft* Die Agitation Barlnsslnas Jerusalem, 8״ Juni. (J.C.B.) Der römisch-katholische Patriarch, Monsignore Barlassina, setzt seine antizionistische Propaganda fort. Während seines jüngsten Besuchcs in der Hauptstadt Transjordaniens, Amman, erklärte Barlassina in einer öffentlichen Ansprache im Regierung*• hause, der Papst denke sich Palästina als muselmanischchristlichen und arabischen Staat utul stehe deshalb dem Zionismus negativ gegenüber. Er sei überzeugt, die Araber würden ihr Ziel erreichen, wenn sie ihre Politik auf ein einheitliches Ziel richten würden. Ein außerordentlich erfolgreicher Schritt in dieser Richtung bedeute der Boykott der letzten Wahlen in den Gesetzgebenden Rat Palästinas. Friede in Pefaeli Tikwah — Freilassung Abu Kishks Jerusalem. (J.C.B.) Am Freitag, den 1. Juni, wurde in feierlicher Form der Frieden zwischen der jüdischen Bevölkerung in Petach Tikwah und der Araberschaft in den Nachbarorten geschlossen. Der Feier wohnten der Vertreter der Regierung, Vertreter sämtlicher jüdischer Organisationen Palästinas und die arabischen Scheidts der Nachbarschaft Petach Tikwahs bei. Im Zusammenhang mit diesem Friedcnsschlifß wurde der Scheich Abu Kishk, der wegen seiner Uebcrfälle auf Petach Tikwah im Jahre 1921 zu einer langen Gefängnis• Strafe verurteilt wonjea w»; an« dem Gefängnis catUüsenJ \