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Jüdische Rundschau · 1923-06-05 · Heft 45 (5.6.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 45 (5.6.1923)
Date
1923-06-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Anzeigenpreis für die achtgcspaltcncNonparcillczcilc 500M. i'iirUrlsr.Aius i)!*11150%•־ AufseWn^. i'ür Au»lm1<V1moriU10C)%V*tutMU«chUß Anzeigenschluß; Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr. /׳ pfr’e’,nf ז' fig r*m '93,- M / "־׳/ יח / H ל׳ Telephon: Pfaliburg6697u.6693. Postscheckkonto: BcrlinNr. 17392. Für Oesterreich! Posisparkassenamt Wien. Konto Nr. 156030, Für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr.59410. — , Rcdaktionsschluü Sonntag und Mittwoch nachmittag. — 1 ׳w»*»׳«£»tA כ״א סירן׳ חרס״ג XXVIII. Jahrg. Ssefta Voll!; cHq SciiaiTsrag einer af?an3!!ch יי rochSilcti gesicherten HelnstSSIo En Palästina.!»Hascler Programm.“ ן Die loaiillle* 1n§ ier Walilea Die Annullierung der Wahlen in den palästinessisehen gesetzgebenden Rat (Legislative Council) ist eine Maßregel von großer politischer Tragweite. Die Nieder- ־ läge, die die Regierung bei den Wahlen erlitten hat, ließ bereits Zweifel entstehen, ob der gesetzgebende Rat | in seiner gegenwärtigen Ferm überhaupt zusammen- I treten wird. Cie formelle Annullierung der Wahlen ist jedoch nicht eine ein fache Konsequenz der durch die : passive Mallung der Regierung geschaffenen Sachlage, sie bann nicht anders aufgefaßt ■werden, als ein voll- ‘ kommeues Kapitulieren vor dem arabischen Widerstand. 1 Der Schritt der Regierung ist für jeden, der sich nicht ן die Eigentümlichkeit der englischen Rcgicrungsmethoden ן vergegenwärtigt, um so befremdlicher, als er einen? starken Prestigeverlust in sich schließt und die Frage f entstehen läßt, wie diese Regierung in Zukunft in irgend- I einer Sache noch auf Respektierung ihrer Autorität; rechnen will. Diesem Verhalten liegt aber der Gedanke I zugrunde, daß durch Entgegenkommen letzten Endes doch mehr erreicht werden könne als durch unnachsichtige Strenge. Diesen bei England bestehenden Grundsatz müssen wir als Tatsache ansehen, mit der wir zu rechnen haben. Die Vorgeschichte ist bekannt. Die durch die j Exekutive des arabischen Kongresses bzw. die mos- ן Icmisch-christliche Vereinigung repräsentierten Araber, 1: die eine völlige Autonomie des Landes mit frei gewählter parlamentarischer Regierung fordern, haben;die von der Regierung gegebene Verfassung ab- | geleimt, weil sie darin keine Einführung einer j wirklich konstitutionellen Regicrungsform sehen, sondern!nur den Schein eines Parlamentarismus, der im Grunde die Autokratie der Regierung sanktioniert. Der gesetzjgebende Rat sollte zur Hälfte aus englischen Beamten bestehen und die Araber erklärten, da die Regierung;auf die Politik der Balfour-Deklaration festgelcgt sei, würden diese Beamten zusammen mit den gewählten Vertreten» der jüdischen Minorität stets in der Lage win, die arabischen Abgeordneten, die in Wirklichkeit die Majorität der Bevölkerung vertreten, zu überstimmen. (Aus diesem Grunde lehnten die Araber die Verfassung Jab und proklamierten Abstinenz von den Wahlen. Die; Regierung ist zuerst mit großer Schärfe gegen diese ' Abstinenzparole aufgetreten. Sie hat erklärt, daß Agitation ״egen die Wahlen streng bestraft werden wird und hat; auch tatsächlich eine Anzahl arabischer Agitatoren verr haften lassen. Trotzdem ist es den Arabern gelungen,! den Widerstand gegen die Wahlen gut zu organisieren.; Die Regierung selbst hat gar nichts Positives getan, : i::n die arabische Bevölkerung zur Teilnahme an den 5 Wahlen zu veranlassen. Von mehreren Seiten wurde schon darauf hingcwic&cn, daß die Araber aus der!.türkischen Zeit her gewohnt sind, daß die Regierung für sich Propaganda treibt, daß sie sogar mit Ver- , Streckungen und Drohungen bei der Hand ist, wenn jj ihr wirklich daran gelegen ist, eine Aktion durchzuführen, ii We englische Regierung tat nichts dergleichen. Sie hat;j die englischen Begriffe von Liberalismus einfach auf die an sich schon psychologisch ganz anders gearteten; palästinensischen Verhältnisse übertragen. Die Folge da-! '0n war, daß die breiten• Massen der arabischen Be- ■ ölkcrang gar nicht den Eindruck gewannen, daß der | Regierung an ihrer Beteiligung sehr viel gelegen ist. Das;Resultat ist bekannt. Die Araber haben sich so gut wie vollständig von den Wahlen ferngehalten. Dadurch entviand nun eine große Schwierigkeit, da die Regierung!Wiederholt erklärt hatte, sie werde auf alle Fälle die ge- Wählten Vertreter anerkennen, auch wenn sie nur ganz!1'■׳enige Stimmen auf sich vereinigt haben. Aber die : Araber protestierten gegen ein solches Vorgehen und 1 veröffentlichten eine Erklärung, daß sic die Beschlüsse!׳v$ Legislative Council nicht als bindend und vcrpflich- 1 Knd anerkennen und die so zustande gekommenen Ge- י!‘- hc, ungeachtet ihres Inhaltes, sabotieren werden, also ״"׳eh dann, wenn die Gesetze für die Entwicklung des Randes von Vorteil sind. Nun hat die Regierung die ^alilen für ungültig erklärt und ist zu«dem Status quo a״ie zurückgekehrt. Die Verfassung ist seinerzeit auch' von jüdischer ״die mit sehr geteilten Gefühlen aufgenommen worden. חגיי,׳ hat darin die Gefahr gesehen, daß den auf eine a!1‘uzionisiiscl1c Politik festgelegten Arabern Rechte ein- R'riumt werden, die dazu benutzt werden könnten, die jwuührung der jüdischen Arbeit im Lande zu unteri^den, insbesondere die Bestimmung, daß eine aus ge-! Rillten .Vertretern des Landes bestehende Kommission i Regierung bei der Regelung der Einwanderung zur!'fite stehen soll, hat auf jüdischer Seite schwere Bei R;|:];cn und Besorgnisse hervorgerufen. England hat das ' ‘,‘•’ndat vom Völkerbund mit der ausgesprochenen Ver- . pchtung empfangen, die Entwicklung der nationalen ^Uistiitte für das jüdische Volk zu fördern. Alle Maß-! 1ahmen der Regierung sind also zunächst darauf zu '! Wien, ob sic der. Erreichung dieses Mandatszweckes ץךי*\ ,.,«L*• r ff?J /**at // TT V ״ —-- Dresden am 25., 26., 27. Juni 1923 im Veitinihaus, Zinzcndorfcr Strafe 17 Die Tagesordnung ist in der vorigen Nummer veröffentlicht worden. Vorkonferenzen am Sonntag, den 24. Junii 1925. I. Vorkonferenz (Jugendkonferenz). Thema: Palästina, Galuiharbcit und zionistische Jugend. Beginn: 9 Uhr vormittags. Referent und Versammlungsort werden noch bekanntgegeben. II. Vorkonferenz. Thema: Die!Bekämpfung des Antisemitismus. Beginn: 4 Uhr nachmittags im Vereinshaus, kleiner Saai. Referent wird noch bekanntgegeben. Zur Jugendkonferenz haben außer den Delegierten Mitglieder der zionistischen Jugendorganisationen Zutritt die sich als solche legitimieren können. — Zur Vorkonferenz über Antisemitismus haben nur Delegierte und besonders zu dieser Sitzung geladene Oäste Zutritt. Wahlvorschrif tc n. Die Wahlvorschriften sind in Nr. 35/36 der ״Jüdischen Rundschau" vom 4. Mai 1923 veröffentlicht worden. Ergänzend wird bekanntgemacht: Die zionistischen Ortsgruppen und Sondergruppen werden hierdurch darauf aufmerksam gemacht, daß sie gemäß den erlassenen Wahlvo rsch rif tc n sofort neue Mitgliederlisten mit genauen Adresscnangabcn an das Büro der Zionistischen Vereinigung für Deutschland einschicken müssen. Die Gültigkeit der vorgenommenen DelegicrtcnwaWen der Gruppen hängt außerdem davon ab, daß dieselben vor der Vornahme der Wahlen die Lander,beitrage für sämtliche Mitglieder für die Zeit vom 1. Juli 1922 bis 30. Juni 1923 (150 M, für jedes Ortsgruppenmitglicd, 50 M. für die Mitglieder des Misraclii und des llapocl Hazai'r) abgefülirt haben müssen. Von Wahlmekhmgen von Gruppen, die diese Bestimmungen noch nicht erfüllt haben, kann vorerst keine Notiz genommen werden. Die Gruppen werden dringend gebeten, diese Walil- Vorschriften strikt innezul-.aüc-n, um die durch überflüssige Mahnungen verursachten großen Spesen zu vermelden. Der Wablprüfungsausschuß tritt am 18. Juni in Berlin zusammen. Bis zu diesem Termin müssen die Wahlrcsultate spätestens dem Büro der Z. V. f. D. bekanntgegeben werden. Büro des DelegiertcntageS. Bis zum Zusammentritt des Delcgicricntages befindet sich das Büro des Delegiertentages in dem Heim der Zionistischen Vereinigung in Dresden, Sccstr. 7 (Telephon; 11701). Unterbringung, Alle Gesinnungsgenossen, die die Absicht haben, am Delcglcrtcntag teilzuneluncn, werden dringend gebeten, bei dem Büro des Dclegiertentages: Zionistische Ortsgruppe, Dresden, Sccstr. 7, z. Hd. von Herrn Anschcl, Quarticrbcstellinigon aufzugeben. Es stehen Zimmer in Hotels I. Klasse, II. Klasse und Privatquartiere zur Verfügung: — Ferner sind in beschränkter Anzahl auch F«:!quartiere zum Teil mit Verpilcgung zu haben. Bei allen Bestellungen ist die Aufenthaltsdauer aufzugeben und auch mitzuteikn, ob Zimmer mit 1 oder 2 Leiten gewünscht werden. Nur für diejenigen Delcgiertentagsbesucher, die sich rechtzeitig Quartier bei dem oben genannten Büro bestellen, kann Garantie für eine wunschgemäße Unterbringung übernommen werden. Verpflegung. Alle Delegiertentnf!sbcsuchcr, die Wert auf streng rituelle Verpflegung legen, werden dringend gebeten, dies bei der Quarticrbestcliung aufzugeben. Gastierten Pßr die ganze Dauer der Tagung werden Ga’stkartcn zum Preise von 5000 M. ausgegeben. Tageskarlen werdest nicht ausgegeben. Vorbestellungen sind gegen Vorausbezahlung und Einsendung eines adressierten Freikuverts an die Zionistische Vereinigung für Deutsch- Iand, Berlin W 15, Sächsische Str. 8, zu richten. Jugendliche ohne Einkommen erhalten nur durch Vermittlung ihrer Jugendorganisationen Karten zum Preise von 500 M. V/altlrestiliale Mannheim! Dr. Ernst Lesscr, Markus Drimmer, Mannheim, Delegierte; Max Jawetz, Boruch Bornfreund, Mannheim, Ersatzdclcgicrte. Elberfeld: Dr. Grünberg, Elberfeld, Delegierter; Fri. Pomeranz, z. Z. Berlin, Ersatzdclcgicrte. Chemnitz: Herr Lieber, Frau Rose Geis, Oskar Spitz, Chemnitz, Delegierte; Dr. Rosenkranz, Fri. Dr. Schön- ' berger, Dr. Moses, Chemnitz, Ersatzdclcgicrte.; Zur Ucbcmalimc eines Dckgicrtcnmandats haben sich bereit erklärt: M. Goldenblum, Dresden-A., Uhlandstr. 30, Frau Berta Epstein, Duisburg, Parkstr. 13, Frau Rechtsanwalt Dr. Jaoobsolui, Breslau, Tclcgraphenstr. 7. dienen. Unbeschadet der Prinzipien der Demokratie muß der Tatsache Rechnung getragen werden, daß der Völkerbund nach dem Sinne des Mandates der künftigen jüdisclien Bevölkerung, die das Land entwickeln soll, gcwisse Rechte zugedacht hat, mit denen alle politischen Faktoren des Landes zu rechnen haben. Die Beseitigung der Verfassung könnte also vom jüdischen Standpunkt sogar begrüßt werden. Aber cs handelt sich in dieser Frage gar nicht uiti Intercssenpolitik und die Abwägung von Vorteilen und Nachteilen. Es handelt sich um die unhaltbare Situation, die durch das Verhalten der Regierung entstanden ist, da jetzt überhaupt keine Sicherheit des Rechtszustandes mehr besteht. Wenn wir dies bedenklich finden, so Hegt darin nicht Feindschaft gegen die Araber, denn wir glauben, daß mit oder ohne Verfassung, wir mit den Arabern zu einer Verständigung kommen müssen und daß sich eine Harmonie der Interessen herbeiführen ließe, wenn es gelänge, die in beiden Lagern leider angcsammeltcn Giftstoffe zu entfernen. Auch wenn die Terroristen Juden wären, müßten wir die Besorgnis äußern, daß die Regierung durch so viel Nachgiebigkeit ihre Autoritat verliert. Ihr ,Verhalten erzeugt eine völlige Unmöglichkeit zu beurteilen, ob die Regierung etwas ernst meint oder nicht. Eis gibt jeder Opposition geradezu die Zuversicht, daß sic schließlich ihr Ziel erreichen wird, wenn sie genügend starke Nerven hat und sich von noch so scharfen Drohungen nicht einsclriichtem läßt. Aber dies ist eben englische Politik, die diametral entgegengesetzt ist etwa der ehemaligen kaiserlich deutscheu. Wir müssen uns nur vorstcllen, was geschehen wäre, wenn die Regierung auf dem strengen Recht beharrt und den Council einberufen hätte. Die Araber hätten einen neuen fruchtbaren Stoff für ihre Agitation gehabt, daß England gegen den deutlich erklärten Willen der Bevölkerung dessen nicht repräsentative Vertreter als Mitglieder des Council anerkennt, es wäre eine neue Verschärfung des Gegensatzes entstanden, die vielleicht auch für die Zukunft die Lösung erschwert hätte. Die englische Politik hält es für klüger, solche. Folgen nicht zu riskieren und kurzerhand die Verfassung zu stispendieren, auf die so viel Arbeit und Energie verschwendet wurde* : ׳..׳ 1 ■.^-*-*.-■•1 : Aber dieses letzte Ereignis hat auch für die zio nistische Politik selbst Konsequenzen. Wir sehen deutlieber als je zuvor die Eigentümlichkeit der englischen PoliUk, die ihre Ziele ohne Rücksicht auf das eigene Prestige und ohne Rücksicht auf einmal verkündete Prinzipien und Richtlinien verfolgt. Es ist offenkundig, daß das Ziel der englischen Orientpolitik gegenwärtig eine Einigung mit den Arabern ist. Der Gedanke des ״Middle-East-Reiches“ lebt wieder auf. Die Aktion zur Schaffung einer arabischen Föderation deutet darauf hin, daß England sich unbedingt Stützpunkte in diesen arabischen Vasallenstaaten schaffen will, und cs scheint gerade in diesem Momente jeden Schritt vermeiden zu wollen, der das gute Verhältnis trüben könnte. Vielleicht wird sogar damit gerechnet, daß durch die neue Konstellntion auch die palästinensischen Araber beeinflußt werden könnten, zugänglicher zu werden, besonders wenn in dem neuen Vertrage ihren Wünschen Konzessionen gemacht werden. Wir wissen bis heute nicht, was der neue Vertrag über Palästina bestimmt. Die bisherigen Nachrichten sind außerordentlich undeutlich. Das Dementi der Regierung gegenüber der Behauptung König Husseins, daß Palästina in die Föderation cingcschlosscn ist, ist in seinem sachlichen Gehalt nicht ganz eindeutig. Daß eine gewisse wirtschaftliche Gemeinschaft und ein Zollbündnis bestellen soll, wird ziemlich allgemein angegeben. Wir haben schon wiederholt unsere Ansicht geäußert, daß die zionistische Politik bestrebt sein müßte, selbst aktiv in das Werden der neuen Konstellation cinzugrcifen. Die Juden werden in Palästina nicht isoliert leben können, wenn sie für das Land und sich eine Zukunft wünschen. Und es gibt wirtschaftlich mu; eine einzige AnschluBmöglichkeit, das ist die an die Mitbürger im eigenen Land und an die benachbarten Gebiete. Aus dieser natürlichen Gemeinsamkeit muß sich auch eine Harmonie der politischen und kulturellen Interessen!!erstellen lassen. Die letzten Ereignisse zeigen deutlich, daß wir in dieser Richtung mit verstärkter Energie arbeiten müssen, statt uns auf die Formel!) des Mandates zu verlassen, die nur dann Leben bekommen können, wenn wir sic durch unsere Aktivität mit den realen Faktoren in Einklang bringen. Diese Arbeit kann rjeaand aadem: für. un׳s täa» , R. W.

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