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Jüdische Rundschau · 1923-06-01 · Heft 44 (1.6.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 44 (1.6.1923)
Date
1923-06-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich: Postsparka!•..׳,eoamt Wien, Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei: PosLsparkassenamt Prag, Konto Nr.59410. — Redoktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. — War .—-p::.5;־־iJ:1: r:,:.;;,::־־rr:rr.r.■: —r:.*s:r;.3.׳äaa ן] י״ז סען" תרפ״ג xxvm. Jatr״« gi3BSsr.1MS erstrebt ggr eia» JUdlscIi© Volk «lia SchnfLvmg einer öffarrt.Tch - red!« Ich gosichorlon HelmsSürta In PaKk 1.10. »Doseter Prosramm.* jmr 4 *h «19 N3> ח rn.) *w7 די M. f ryj rxj 114% V 1 Dresden, Vereins haus, Zünzendor f er Strafe 17, am 25.. 27. Juni 1923 Tage sord nung: he des Vorsitzenden. 9. Eröffnung׳* •»'•*p•. DegriK'i׳;:•׳-!• «,ah! d״t Büros. Jewith Ä^enry, Wt-Sikongreö und Zioniiüidie' Organ(׳!uiion. Referent: Dr. KazneDoa. Korreferent: h&ac Feuer׳ rft'4• 1 Zuifand uad Zukunft der Ztonhiiichea Wcllor^nBiiaiion. Referent: Kurt Blumenicld. Debatte über die Referate zu 4 und 5. |)!e Finanzterunrt de* PaMslInnaufbaut. Referenten: Adolf pühm, Wien, Heinrich MorguUe», Dr. Siegfried Mose*. Debatte. Die nSehtien Aufgaben der Falätiinakolonitaiion. Referent: Dr. Arlotoroff. Debatte, Beschlußfassung über Anträge und Resolutionen. Antrag des Landesvorstandes auf Abänderung des § 9 der Statuier:. (Termin des Delegicrtentagcs in Zukunft: ״min• üestens einmal in jedem tweiien Jahre.*‘) Neuwahl des Vorsitzenden. Vcrichiedcncs. Am Sonntag, den 24. Juni finden Vorkonferenzen statt, in denen Fragen der zionistischen Arbeit in Deutschland behandelt werden. Wa 11!Vorschriften. Die Wahlvorschriftcn sind in Nr. 35/36 der ״Jüdischen Rundschau“ vom 4. Mai 1923 veröffentlicht worden. Ergänzend wird bekanntgemacht: Die zionistischen Ortsgruppen und Sondergruppen werden hierdurch darauf aufmerksam gemacht, daß sic gemäß den erlassenen Wa h 1 vo r s eh ri f tc n sofort neue Mitglieder• listen mit genauen Adresscnnngabcn an das Büro der Zionistischen Vereinigung fiir Deutschland einschicken müssen. Die Gültigkeit der vorgenommenen Dclcgicrtcnwahlcn der Gruppen hängt außerdem davon ab, daß dieselben vor der Vornahme der Wahlen die Landcsbeiträgc für sämtliche Mit• glieder für die Zeit vom 1. Juli 1922 bis 30. Juni 1923 (150 M. für jedes Ortsgruppenmitglied, 50 M. für die Mitglieder des Misraclii und des Hapocl Hazai'r) abgeführt haben müssen. Von Wahlmckiungen von Gruppen, die diese Bestimmungen noch nicht erfüllt haben, kann vorerst keine Notiz genommen werden. Die Gruppen werden dringend gebeten, diese Wahl- Vorschriften strikt innczuhalten, «in die durch überflüssige Mahnungen verursachten großen Spesen zu vermeiden. Der WnhlprüfungsausscliuQ tritt am 18. Juni iib Berlin zusammen. Bis zu diesem Termin müssen die Wahlrcsuitate spätestens dem Büro der Z. V, f. D. bekanntgegeben \tardon. Büro des Delegierten tagest. Bis zum Zusammentritt des Delcgicrtcntages befindet sich das »Büro des Delegicrtentages in dem Heim der Zionistischen Vereinigung in Dresden, Scestr. 7 (Telephon: 11701). 00 יזז j ״־־* T? *Ti *י* a tkik 0? «fWf»., *■*4® 0•*!% .>•?) 5 ■ז׳ 0 >?yn rt .Lj$ Ü%J 911׳tm$ Xjt zu- Lage ,633־1 L 64 5.׳׳ Coloael Eisch über die Araber-Politik Am 23. und 24. Ijar fand in Jerusalem die achte Vollversammlung des Waad Leumi statt, in der nächst Herr Ussischkin ein Referat über die crnr.ttete. Mit Rücksicht auf die letzthin verbreiteten j Gerüchte über bevorstehende Acndcrungen im politischen ׳Status Palästinas erklärte Ussischkin, daß diese Gerüchte i keinerlei offizielle Grundlage haben. Auch der neue Zivilsekretär, der Nachfolger von Deedes, habe wiederholt erklärt, daß er die Politik im Sinne des Weißbuches und in Uebcreinstimmung, mit dem Oberkommissär zu führen gedenke. Herr Kalvariski, der den Bericht der Departments für arabische Angelegenheiten erstattete, führte aus, daß die gegenseitige Verständigung frischen Juden und Arabern Fortschritte macht. Er kritisierte die Ui täti ■keit von jüdischer Seite gelegent-!ich der Wahlen, die Mitschuld trägt an dem Miß- »folg der Wahlen, der uns sehr geschadet hat. Hierauf erstattet Colonel Kisch das Referat über sic politische Lage. Zunächst stellt er die Gerüchte über tinc bevorstehende Unterstellung Palästinas unter die Herrschaft des Emir Abdallah energisch in Abrede. H;e britische Regierung sei bestrebt, die nationalen For- Gerungen der Araber zu befriedigen, ahne unsere Be- Strebungen in Palästina zu beeinträchtigen, und in dem britischen Mandat werde keinerlei Acnderung eintreten, Aber die ganze Situation zwingt uns zur Erkenntnis der Notwendigkeit c i n er An• Jßhcrung an unsere arabischen Nachbarn. H diesem Sinne gehen wir vor. Sowohl wir als auch die Araber werden künftig in dem Lande leben, Schulter an -Hiultcr, und wir müssen wie dauernde Nachbarn zu- 5;nm1enwirken. Colonel Kisch verbreitete sich sodann Kr die Wege unserer Verständigungspolitik und die "••’ ,;ichkeit gemeinsamer Tätigkeit der beiden Völker kommt zu den! Resultat, daß außer der politischen I Annäherung auch in sozialer und wirtschaftlicher Be- Eichung eine Annäherung von uns angestrebt werden , süßte. Heber den sonstigen Verlauf der Sitzung werden; זיייי noch berichten. Eie Erklärung Herbert Samuels , , Jerusalem (J. C. B.). Bei der am 27. Mai er• : ,/‘ßken feierlichen Eröffnung des Beth Fiaraw (offizielle fc:denz des Oberrabbiners von Palästina) sprachen u. a. ״״ Herbert Samuel und der amerikanische Konsul in Amerika. Der Oberkommissar erklärte, daß die Politik tat«; jüdischen nationalen Heims in.Palä• bi na für immer aufrecht erhalten bleiben v i r d, Air. Harry Fischei aus New York, der die Mittel Erbauung. des Beth Haraw bereitgestellt hat, war 1 :iöiilich nach Jerusalem gekommen, um der Eröffnung ״ •®wohnen. Er wird seinen Aufenthalt in Palästina ■iaützcn, um im Aufträge der Brandeis-Gruppc »eFrage der weiteren Finanzierung des Häuser- , zu studieren» ' ’ ׳: : jg>!>• iilHigkclfscFklärimg der Wahlen In den flesefczgebenden ßat Palästinas Einsetzung eines neuen Advisory Coüncil. London (J. C. B.). Da9 Kolo ni al ml 11 i s tc ri u m gibt bekannt, daß am 29. Mai in Jerusalem ein königlicher Erlaß (Order in council) veröffentlicht wird, in welchem die unlängst stattgefundenen Waiden in den ersten gesetzgebenden Rat (Legislative Council) Palästinas als ungültig erklärt werden, weil die Mehrheit der Araber sich an den Abstimmungen nicht beteiligt hat Die neuen Wahlen werden im Verlauf von 6 Monaten, vom Tage der Proklamation gerechnet, stattfinden. Bis dahin wird eine neue beratende Körperschaft (Advisory Council) gebildet werden, die sich aus 7 Mohammedanern, einem Beduinen, 2 christlichen Arabern und 2 Juden zusammensetzen wird. . Demnach hat also die Regierung sich dem Widerstand der Araber gegen die Verfassung'gefügt und bcabsichtigt offenbar, eine Neuordnung zu treffen, die die Araber zur Teilnahme an den nächsten Wahlen ver־ anlaßt. Wir kommen auf diese wichtige Angelegenheit, die uns knapp vor Redaktionsscliluß gemeldet wird, noch zurück. Der englisch arabische Vertrag ״Doar Hajom" veröffentlicht wehere Vermutungen über die Folgen des englisch-arabischen Vertrages, Danach haben die palästinensischen Araber die Auffassung, daß die Er• wälmung Palästinas in dem Vertrag zwischen England und Hussein sic bereits berechtigt, Abgeordnete zu dem pan arabischen Rate zu senden, den König Hussein ia seiner künftigen Residenz eiimirichten gedenkt und der aus Delegierten der einzelnen arabischen Staaten bestehen soll. Es besieht die Möglichkeit, daß die palästinensisch-arabische Delegation, die in London war, sich als die Vertretung der palästinensischen Araber in diesem Rate proklamieren wird. Es scheint aber, daß der Vertrag eine Klausel enthalten wird, die den palästinensischen Arabern ein Option»• recht für den neuen Staat gibt. Wenn sie also zum panarabischcn Rat wählen wollen, dann müssen sie die arabische Staatsbürgerschaft annchmcn und ,verlieren, damit die palästinensische. Diese Nachrichten, die auch in der Londoner ״Morning Post“ ähnlich wiedergegeben sind, sind natürlich mit aller Vorsicht aufzunclimcn. Im ״Doar Hajom" kritisiert Be מ Awl lebhaft die als Dementi der Proklamation Husseins erschienene Erklärung d«r Regierung (siehe ״Jüd, Rundschau“ Nr. 43 2. Sp. oben). Er weist darauf hin, daß eg erstens ein ungewöhnlicher Vorgang ist, daß diese Erklärung vom Polizeipräsiden• ten erlassen worden ist und nicht vom Obcrkontmissär. Zweitens aber müsse der zweifelhafte Inhalt insbesondere des Schlußsatzes geradezu als eine Bagatcllisicrung der öffent• liehen Meinung angesehen werden. Denn dieser Schlußsatz warnt nur davor, voreilige Befürchtungen zu liegen, gibt aber keine klare und beruhigende Erklämug. Die ln Haifa erscheinende arabische Zeitung ״Anplnr“ beschloß, ein Wochenblatt j n hebräischer Sprache herauszugeben. Die neue Zeitung ״Haschofer“ ist der jüdisch-arabischen Verständigung gewidmet. Die erste •Nummer ist bereits crscliicaeA. // Wie wir bereits gemeldet haben, hat die paiästineö• sische Arbeiterschaft beschlossen, vor dem Kongreß cinö besondere Tagung ״Für das arbeitende Palästina“ ein■• zuberufen, deren Zweck es vor allem sein solb die der“ Hisfraduth nahestehenden oder sich nahe fühlenden Kreise für eine Hilfstätigkeit zugunsten des arbeitenden Palästina in der Diaspora zu organisieren. ״Hiifstätigkeit“ bedeutet hier nicht Unterstützung in philanthropischem Sinne; hier hat das Wort Hilfe den edelsten konstruktiven Sinn. Es handelt sich nicht um Privat existenzen, die gerettet werden sollen, sondern es handelt sich um den Aufbau eines großen Werkes, den Aufbau jenes sozialen Lebens, das die Befreiung des jüdischen Menschen schlechthin, die Befreiung des jüdischen Volkes bewirken soll. Die palästinensische Arbeiterschaft hat sich mit eigenen Kräften eine Anzahl von Institutionen geschaffen, die dazu dienen, die Arbeitsbasis zu vergroßem, neue Möglichkeiten zu schaffen, die Produktivität der Arbeit zu erhöhen, und den einzelnen Betrieben endlich die Selbständigkeit zu geben, die sie von Subventionen unabhängig macht Dazu bedarf es organisatorischer Maßnahmen großen Stils, vor allem eines Kreditwesens, das bei der fürchterlichen Geldknappheit in Palästina die Schäden, die durch verspätete Zahlungen entstehen müssen, wenigstens teilweise wettmacht. Es bedarf ferner einer ausgcbildeten Konsum-Organisation und schließlieh einer Fundierur^g derjenigen kooperativen Betriebe׳, die nicht nur für geschäftliche Unternehmungen, sondern gleichzeitig als Aufnahme-Reservoirs für die einströmen'• den Arbeiter-Immigranten gedacht sind. Niemand, der es nicht wenigstens eine Zeit mitgelebt hat, kann sich eine Vorstellung davon machen, was es bedeutet, diese Betriebe in den kleinen und kleinlichen Verhältnissen Palästinas gegenüber allen natürlichen Hindernissen und stets neu entstehenden Schwierigkeiten aufrechtzuerhaltcn. Eine kleine Schar von Menschen ist ununterbrochen Tag und Nacht am Werk, um die Institutionen zu leiten, die für die Arbeiterschaft unentbehrlich sind. Meist sind cs Leute, die selbst aus der Arbeit kommen, unwillig ' die Arbeit aufgegeben haben, um in die ״Acmter“ einzutreten. Sie beziehen auch im Amt keinen höheren Air beitslohn als sic als Tagelöhner bekämen, sie leisten aber oft eine Arbeit, die mit der eines Direktors einer großen Industricuntcrnchmung zu vergleichen ist. Mit einer bewundernswerten Geschmeidigkeit haben sie sich den neuen Aufgaben . angepaßt. Aber die Wirklichkeit ist gegen sie. Sie haben tagtäglich den ungeheuren Konflikt zwischen den Interessen der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens und dem nationalen Interesse der Beseitigung der Arbeitslosigkeit zu überwinden. Die fast aus* schließlich beherrschende Richtlinie ihres Handelns ist: für neue Einwanderer Platz zu schaffen. So werden oft Arbeiten, unter ungünstigen finanziellen Bedingungen übernommen, die ein Privatunternehmer gar nicht durchführen könnte. So werden dauernd den Arbeitern größte Entbehrungen zugemutet, der Arbeiter erhält oft seinen ■ Lohn sehr verspätet und muß von Kredit leben. Oft entstehen ganz fatale Situationen infolge Mangels an Betriebskapital. L>cr Misrad laawodoth ziburioth übernimmt z. B. Arbeiten von Auftraggebern, an deren erst- Massiger Zahlungsfähigkeit nicht gczweifclt werden kann, etwa von der Ica oder von der Regierung. Die Bezahlung erfolgt erst nach Beendigung der Arbeit und auch dann dauert es noch einige Zeit, bevor, aus formellen Gründen öder sonstigen Schwierigkeiten, das Geld ausgezahlt wird. Inzwischen kann aber auch der Misrad den Arbeitern nicht zahlen. Er muß Bankkredite in Anspruch nehmen, für die er kolossale Zinsen zahlen muß, und trotzdem ist er in dauernden Kalamitäten. Immer wieder muß man sich durch Wechseltransaktionen helfen, was zur Folge hat, daß fast jeder Tag ein Zahltag für Wechsel ist, .Oft wissen die leitenden Männer noch am Tage der Fälligkeit nicht, wie sic die Wechsel bis Mittag decken werden, sie müssen das Geld von ihren Schuldnern eintreiben, die auch sehr säumig sind, weil in Palästina niemand flüssiges Geld hntv oder sie müssen neue Kredit- Operationen machen, um die alten abzudecken. So geht es fort von Tag zu Tag, und es ist unbeschreiblich, welche furchtbare Sorge und Verantwortung auf diesen wenigen Menschen liegt Durch Organisation und Hilfe könnte hier viel gebessert werden. Jetzt schon hilft die Arbeiter» Schaft sich selbst. Eine Institution hilft der anderen aus, die Arbeiterbank gibt soweit es ihre beschränkten Möglichkeiten erlauben, Betriebskredite an den Mcrkas Chaklai (für die Landwirtschaft), an den Misrad (füf Bauimternchmungen) usw. Der Maschbir, die zentrale Konsum-Genossenschaft, räumt Kredite ein und erinög» licht durch die Ausgabe eigener Zettel, daß den Arbeitern wenigstens dieses Ersatzgeld ausgczahlt werden kann, für das sie beim Maschbir Waren für ihre dringendsten Bedürfnisse kaufe!! können. Aber all diese Hilfe ist noch kleinlich, bewegt sich in engen Grenzen, ermöglicht zwar ein mühsamcsAufrcchterhalten, aber nicht eine Erweiterung der Tätigkeit» Die Situation ist in manchen Momenten ge; ־ 1

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