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Jüdische Rundschau · 1923-05-29 · Heft 43 (29.5.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 43 (29.5.1923)
Date
1923-05-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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(|crletzten Erklärung der englischen Regierung, insbesonj kre auch die Zoilfragen zwischen Palästina und Trans• i vdaiiicii zu regeln. ] Wie verlautet, wird sich König Feisul von Irak j (!;!!!nächst nach Amman begeben, um dort mit seinem : ürudc’r Emir Abdullah über die Frage der panarabischen; Föderation zu verhandeln. Es ist wahrscheinlich, daß i König Hussein von Hedschas an diesen Beratungen teil- [climen wird. : Es heißt ferner, König Hussein werde sich : kcIi London begeben, um den Vertrag mit der britisehen Regiemng persönlich zum endgültigen Abschluß 81 bringen. I Die arabische Zeitung ״El Carmel“ teilt mit, König ] Hussein beabsichtige, die arabischen Führer aus Pai [stina, Syrien, Mesopotamien, Transjordanien und Hed- ) sch,1s nach Mekka zu berufen, um noch vor Abschluß j des Vertrages deren Meinung zu hören. j Die Reuferracldung! London, 26. Mai. (Reuter.) Der Entwurf des |Vertrages zwisciien Großbritannien und Hedschas wird, sie man erwartet, binnen kurzem in London unterzeichnet;,erden. Der Vertrag berührt nicht die gegenwärtigen;?«:Ziehungen anderer Nationen zu den arabischen Ländern,;?rändert auch die gegenwärtige Regierung von Palästina :Iclit ab. Er sieht einen bleibenden Frieden zwischen 1beiden Ländern und die Regelung der Grenzfragen durch ',:cundschaftliche Unterhandlungen vor und trifft ferner Bestimmungen für die Pilgerzüge nach Mekka. Beide 1?arteten verpflichten sich, kein Abkommen mit einer j dritten Partei abzuschließen, das mit den Interessen der i beiden Regierungen in Widerspruch stünde. Der Ver- 'tagerkennt die arabische Unabhängigkeit an, \ j Der Waad kam! bei Samuel ] Jerusalem. (J.C.B.) Eine Abordnung der Vertreter des Waad Leumi (Jüdischer Nationairat in Pa- ,taiina) erschien bei Sir Herbert Samuel, um dessen Meinung■ über mögliche Aenderungen in der politischen , Lage Palästinas infolge des neuen Vertrages Großbritan-! tiens mit König Hussein von Hedscltas betreffend die; Gründung einer panarabischen Föderation, zu vernehmen. jS:r Herbert Samuel erklärte, dex Vertrag mit König!Hussein werde keinerlei Aenderungen in der i Regierung Palästinas mit sich bringen. Das Zusammenjtheiten Palästinas mit der arabischen Föderation werde jdn rein wirtschaftliches sein. Besprechungen jiber dieses Thema seien bereits mit Dr. Weizmana | ״läßlich seines Palästina-Aufenthaltes im Dezember v. j. ן ^pflogen worden. Eine neue Palästina ־ Organlsafioa j Wie der Pariser Korrespondent des ״Jewish Chratide“ erfährt, bestellt die Absicht, in nächster Zeit dic־! Palästinensische Tätigkeit der Ica und des Barons Edmund*;fc Rothschild einer neuen Körperschaft zu überi Eigen, welche unter dem Namen ״Palestine Jewish Colo- Aktion Comitec“ (Pica) auftreten wird. Das neue;Comitee wird mit der Jewish Agency zusammen-!;״ken und soll auch in ihr vertreten sein. Vor- :״‘«nder des neuen Comitces wird Baron James de jkothsch i 1 d. |(< Andere Meldungen wollen sogar wissen, daß Baron j!:Jn10nd selbst die Gesellschaft in der Jewish Agency :^treten wird. Da jedoch die Neu-Konstituierung der! Awish Agency noch gar nicht spruchreif ist, handelt es |'«d1 wohl nur um Vermutungen.! Konferenz lir das arbeitende Palästina; _ Die Exekutive der ״Histadruth Haowdim“ (palästi-; n;M,isc]1c Arbeiterorganisation) beschloß, einige Tage vor י״־ל kommenden Karlsbader Zionistenkongreß eine Kon- ,^öiz sämtlicher um ihre Organisation, konzentrierten *drteien und Gruppen abzuhalten, die eine Norm für :15Praktische Arbeit zugunsten des arbeitenden Palästina! “Allen Liindern der Welt schaffen soll. In erster Linie i ':'k׳n folgende Aktionen besprochen und organisiert wer-; r,: 1. Aktienverkauf der Arbeiterbank; 2. Aktien der 1 ׳*״i*raliven Gesellschaften der Hiatadruth; 3. Sammlung 'a Materialien und Geräten für die Palästina-Arbeiter; : (hc versehiedenen Institutionen der Arbeiterschaft; x Aijah und 1 Iechaluz.! y. Mine ähnliche Konferenz wurde auch vor dem '• Kongreß abgchalten, doch waren ihr damals weniger 1Akiete Ziele gesteckt K51־;g Gassclu sn die Araber Palästinas ״Times“ veröffentlicht ein Telegramm, das die moslemisch-christlichc Vereinigung von König Hussein erhalten hat. Das Telegramm ist gerichtet an das Volk von Palästina und lautet: ״Wir haben den Inhalt des arabisch-britischen Verträges geprüft, der sich auf die englischen Vcrsprcchungen und clic Anerkennung der Unabhängigkeit der Araber auf der arabischen Halbinsel und ihren anderen Ländern gründet. Seine britische Majestät verspricht eine aktive Unterstützung Großbritanniens für eine allgemeine arabische Union von Irak, Palästina, Transjordanien und den Staaten Arabiens mit Ausnahme von Aden. Dieser Festtag wird künftig als das Fest der Unabhängigkeit der arabischen Nation anerkannt werden. Macht die Nachlicht bekannt, aber vermeidet pcinliclist Unruhen.“ Die palästinensische Pegierung hat darauf folgende Erklärung veröffentlicht: Mit Bezug auf die umlaufenden Gerüchte über den Vertrag, der zwischen der britischen Majestät und S. M. dem König Hussein von Hodschas verhandelt wird, wird in der nächsten Zeit ein offizielles Statement ausgegeben werden. Inzwischen ist nicht anzunehmen, daß in der politischen Stellung Pa* iästinas irgendeine Acndcrung vor sich gehen wird. ★ ״Do:11■ Hajom“ veröffentlicht interessante Einzelheiten aus dem Venraji, den England mit dem König Hussein von Ilcdschas abzuschkeßen im Bryr.ffe stellt. Der Vertrag, über den Dr, Naji El Azil in London vci handelt hat, sieht die föderative Vereinigung der drei grollen arabischen Reiche: Mesopotamien, Transjordanien und Arabien (Ilcdschas) vor und das Blatt will auch wissen, daß England den Anschluß der arabischen Staaten, die unter anderem politischen Einfluß oder sogar unter anderem Mandat stehen, zu fördern verspricht. In dem Vertrag wird Palästina nur 90 weit erwähnt, als von einer möglichen zo 11 po I i t i sehe n und Wirtschaftliehen'Verbindung gesprodten wird, im übrigen aber soll der siatus q!K> aufrcrhtcrhaltcn bleiben. Ein Teil der arabischen Politiker bemüht sich lebhaft durdizusctzen, daß audi Paläslina in die arabische Einheit cinbczogcn wird und die extremistische arabische Presse fordert Ablcluuing des Verträges, wenn er nidrt auch Palästina umfaßt. ״Doar Hajoin״ weist darauf hin, daß ein wirtschaftlicher Anschluß Pa- Iästinas an den großarabischen Länderkomplex für das Land von größtem Vorteil wäre. Palästina wäre der Stapelplatz und das Auslallstor für das arabische Hinterland und könnte daraus hantlelspoliiisch großen Nutzen ziehen. Selbstverständ• lieh ist aber, daß die politische Selbständigkeit Palästinas nicht angclastet werden darf, Vcrlasscngsüntlcrung In Palästina? Der J.C. B.-Vertrcfcr in Jerusalem erfährt, daß die Palästina-Rcgierung die Erneuerung der Institution des ״Ad• visory Council" (beratende Körpersduft Palästinas) beschlossen hat, da der in der Palästina-Verfassung vorge* scheue Gesetzgebende Rat (,,Legislative Council“) nidii zustandegekom men ist Wenn sich diese bisher unbestätigte Nachridit bewahr- Leitet, würde das bedeuten, daß die Araber durch ihre Abstinenz vor den Wahlen die Durchführung der Verfassung verhindert haben. Der PalasLisn ־ Pavillon a!1I ßcr britischen Rclchsansstellung Auf der ersten Sitzung des palästinensischen Komitees für die britische Retehsair,Stellung in London wurde von arabisdier Seite der Befürchtung Ausdruck verliehen, die Regierung würde den Juden bei der Ausstellung eine Vorzugs- Behandlung zuteil werden lassen. Der Vorsitzende Colonel Solomon wie* diese Furdnt als unbegründet zurück und bemerkte, daß die Regierung Sduitte unternehme, damit das ganze palästinensische Leben und Wirken ohne Untcrsdücd der Rasse zur Vertretung gelange, Colonel Kisch erklärte als Vertreter der Zionistischen Exekutive, daß die Juden an der Zusammenarbeit mit der arabischen Bevölkerung interessiert seien und wünschten, daß die arabische Arbeit in Palästina auf der Ausstellung würdig vertreten sd. Der Eor.greß gegen äcn AnScmlHsmiis Der Kongreß der Vereinigten Internationale in Hamburg hat in seiner Schlußsitzung folgende Resolution angenommen: ״Der Kongreß der Vereinigten Internationale fordert die sozialistischen Parteien aller Lander auf, für de Ausrottung des nationalistischen Hasses zu wirken. Dies ist msbesojidcrc die Pflidit in jenen Ländern, wo den nationalen Minderheiten ihre vollea politischen und nationalcn Rechte voren(halten werden. ln einigen dieser Länder hat der Faszismus d'ie besondere Ciestait des Antisemitismus Angenommen und׳ ist zu einer Gefahr geworden, die von der gesamten Arbeiterklassc bekämpft werden muß. Der Kongreß forciert die!jo?,ialis1is€׳l!cn Parteien aller jener Lander, wo nationale Minder■ heiten bestellen, insbesondere die soxialisttschen Parteien in den durch die Fricdensvcrträge geschaffenen neuen Staaten, auf, alle Kraft cinzusetzcn, um die Prinzipien der demokratischen Sclbstvcrwaltimg und der kulturellen Freiheit zu verwirklichen. Einzig die Anwendung dieser Prinzipien vermag die nationalen Minderheiten mit dem Staate^ in dem sie leben» zu versöhnen,“ ■ t! 1 Die starke Welle des Antisemitismus, die gegenwärtig über die Welt geht und besonders in innerlich zerrütteten, haltlos gewordenen Ländern hochscliliigt, zwingt das jüdische Volk den Kampf um seine primitivsten menschlichen und bürgerlichen Rechte mit erhöliter Energie auf/unclnnen. Wir Zionisten haben stets den Kampf gegen den Antisemitismus als eine der vornehmsten Aufgaben der jüdischen Gesamtheit angesehen. Gerade unsere nationale Auffassung des Juden- (ums gab uns den Antrieb, für die Wiederherstellung der Ehre und der Achtung des jüdischen Volkes tätig zu sein. Es scheint sogar, daß nur uns es gelungen ist, den jüdisehen Namen zu neuer Geltung und Anerkennung zu bringen, — sd es in moralischer Hinsicht, sei es durch Erringung politischer Rechte, sei es endlich durch effektive Schutzhandlungcn gegen judenfeindliche Exzesse. Die Erfolge der nationalen Argumentation und Politik, vor allem aber die aufrechte und um Anfeindungen unbekümmerte öffentliche Verhandlung der Judenfrage, öffentliche Anklage der Judenverfolgungen und öffentliche Verfcchhing unserer nationalen Ehre haben sogar dazu geführt, daß häufig die Zionisten dem Nichtjuden Achtung und Wiederanerkennung abgenötigt haben, wo sie den andcren Flügeln der im Kampfe gegen den Antisemitismus vielfach zcrspaltcnen judenheit versagt blieb. ln Deutschland, das leider gegenwärtig zu den innerlich schwächsten Staaten gehört, feiert der Judenhaß jetzt seine größten Triumphe. Um der offenkundigen Gefahr, die den Juden in Deutschland droht, wirksam Widerstand leisten zu können, wäre cs ein Gebot der Stunde, eine einheitliche Front des gesamten deutschen Judentums, unablüingig von innerjüdischen Streitfragen, zu bilden, einen Verband, der durch sein politisches und moralisches Gewicht imstande sein könnte, gegen Rechtsbeugungen sich zur Wehr zu setzen und Staat und Gesellschaft zu energischem Ein.- greifen gegenüber den immer kühner werdenden Aus schrcilutigcn antisciu'.Eveher Gewalt zu zwingen. Leider ist das deutsche Judentum zu einer solchen Körper- Schaft nicht zusamniengefaßt Der Versuch einer Ge- Samtorganisation der deutschen Juden, der vor zwei Jahren unternommen wurde und eine neutrale Organisation dieser Art hätte darsteilcn können, ist bisher noch nicht endgültig aktiviert worden. Wir haben von jeher den Standpunkt vertreten, daß eine der Aufgaben einer solchen Gesamtorganisation, der Kampf gegen den Antisemitismus bilden müßte. In einem solchen Rahmen könnten auch wir Zionisten, unbeschadet unserer prinzipiellen Auffassung vom Wesen und der Lösungsmöglichkcit der Judenfrage mit allen unseren Kräften bei allen Aktionen mitwirken, die die Existenz des deutschen Judentums betreffen. Die lokalen Abwehrorganisationen müßten dementsprechend die jüdischen Gemeinden sein, denen für eine solche Tätigkeit zweifellos ausreichende Mittel zufließen würden. , Die Organisation, die In Deutschland den Kampf gegen den Antisemitismus zu ihrem Hauptprogramnt gemacht hat, ist der Centralvercin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Es könnte nun die Frage aufgeworfen werden, ob nicht auch wir Zionisten int ׳ Rahmen dieser Organisation mitarbeiten könnten, ohne unserem zionistischen Standpunkt etwas zu vergeben. Tatsächlich ist diese Frage in der letzten Zeit aktuell geworden, weil in mehreren Städten die Vertreter des Centralvercins sich um die Mitarbeit und Unter- Stützung der Zionisten beworben haben, und der Centralverein sich mit der Sammlung von Mitteln, die ihm: ein wirksames Auftreten gegen den Antisemitismus ermöglichen «allen, nicht nur an die gesamte jüdische Oeffentlichkeit in Deutschland, sondern auch in manchen Gebieten speziell an die zionistischen Kreise wendet, Eine Mitarbeit von Zionisten im Centralverein scheint uns nach dem Wesen der Sache unmöglich znl sein, Der Centralvercin, der sich in einer allmählichen Ent- Wicklung immer mehr von seiner ursprünglichen Neutralitat entfernt hatte, hat bereits vor zehn Jahren, im Jahre 1913, ln einer Resolution gegen den Zionismus Stellung genommen. Seitdem vertritt der Centralvercin nur eine Partei im Judentum. Aber abgesehen von diesem formellen Gesichtspunkt, muß man die sachlichen Differenzen zwischen unseren Anschauungen und denen des Centralvercins richtig ein schätzen.!!; ■ Wenn man von Bekämpfung des Antisemitismus spricht, muß man sieh darüber klar sein, daß unter dem Begriff des Antisemitismus heute verschiedenartige Strö* mungen zifsamtnengefaßt werden. In der Zeit der extremen Assimilation wurde es von den Juden schon als peinlich und beleidigend empfunden, wenn sie von den anderen an ihr Judentum erinnert wurden. Die Assimilation wollte alle Schranken der Abstammung und der Eigenart vergessen machen, erklärte das Judentum , als eine rein geistige Angelegenheit und forderte durcii ihre allzu beflissene Annäherung geradezu die

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