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Jüdische Rundschau · 1923-04-20 · Heft 32 (20.4.1923) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 32 (20.4.1923)
Date
1923-04-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seife 181 JÜEDISCHE RUNDSCHAU iCI■' ’־, t.cr־ ■‘־:;cn I d■‘. ’‘Qi י ״.! ׳■!״ ■101: V■'1 d .•::ן HiTil }g n, i;:״j -y Bob hi v 0' r! c U k i Ta■; *•■*־!:,;t "׳:ן• ro:a Cu■■ ' H mich ' «durch 1׳ f dm: Ki,,■ 01 auf i'!;■ ClC, berc;i; konnte, ü tcrnchcn; ic und' Ha11״en v, chicht? i ri,;c״ Vi״׳o dom I.s;■: rt die V; \ ZU El»;!ilueliincn; 011 Schic:; 1f;ressen li, .nd Eplirai, lies LU’iij: daß die-: Streuung II jüdioch,־!rlieCcn ו■ » Wir ״;■■״ bis sie a:. in nahm; äs sic üc flohen.;• Drt dersc־ diese cw agc: Wal׳ in Deut.,' ätigcii die niertc, A' gcr Kncck I Acgyptv was wir i exponiert; 1er süiiwc r; tt Engel L und muco 0 glück!;;' und Vuih L Weil , ist uns a׳> Kampf : wunden 1!ie nicht, : ltn Atsfr.;:!ino, unscu etzen du:«,!n wir ßci.i neu JaaU dulden, lic verwe־! verschulde: »n darf 1““ p;r engere Vorstand des Gruppenverbande» Bayern* ' •־,fuc1nherg hatte an Stelle der statutengemäß vorgcschrie- 1,.‘!ן uruppenvcrbantlstapiig aus einer Reihe wichtiger ■ :■;de heraus eine Sitzung des erweiterten Gruppen-;“rsjand e » nach Stuttgart cinbcrufcn. 1 Vorabend der Tagung sprach Herr Dr. Robert זך ß b a u ih , Hanau, ln einer wegen des stürmischen Weiters;Wf nicht allzugut besuchten Öffentlichen Versammlung über: ,״;e Zukunft der Juden‘'. Der Vortrag, der ein Propaganda- ‘,[".ן im besten Sinne des Wortes war, zeigte in einen» "!flijoiscnen System die ideellen und praktischen Grund- ,\tn des Zionismus und vermied vor allem jedes fabelte Ein antizionistisdicr Redner, Heit Landgerichts- *■;■cktor Stern, Stuttgart, versuchte, ohne einen cinhcit- '■■;n Standpunkt seinerseits zu bewahren, die Unmöglichkeit' "j Schädlichkeit des zionistischen Programms naduruweiren. •' ■c Reihe zionistischer Diskussionsredner beschäftigten sich seinen Worten, denen es vielleicht nicht zuletzt zu ver-;'l^cn ist. daß eine Reihe von Neuanmcldungen zur Orts- ‘Epe abgegeben wurde. ' ׳An den Vortrag schloß sich eine Konferenz an, die ,.j Herrn Dr. Me in hold Nußbaum, Nürnberg, ge-!■1;( wurde. Er sowohl als Herr Dir. Licbetädtcr,;;;;!berg, legten die Verpflichtung aller Juden, Voran der l,r Konferenz erschienenen, dar, materiell am Aufbau mit-;,.,«beiten. Sämtliche Anwesende zeigten hierzu ihre Bereit- ״;ügkeit, wie sich auch eine Reihe von Helfern für die ׳;, nächster Zeit durchzuführcndc N.-P.-Aktfoa meldeten. Der V,',tr,iittag des nächsten Tages wurde zu Besuchen für den Mnjcssad nusgenützt, deren Resultate noch nicht fest- וזזויך, Es muß aber fcstgestcllt werden, daß man in Stuttgart '״:.einbar noch wenig Ahnung davon hat, daß eine Institution 1 ״je der Keren llajc&sod nicht von Almosen, sondern nur fj Opfern gehalten werden kann. I Am Nachmittag deu 15. April begann dann die cigent-;!.'1c Tagung, zu der eine Reihe von Vertretern aus München, ,;;::riibcrg, Damberg, Würzburg, Tübingen und Stuttgart er- ';jicr.cj: waren. Der nach ckm Weggange Karl Glasers, — ':׳,it der Vorsitzende auch von dieser Stelle aus nochmals seine aufopfernde Tätigkeit Im Gmppeiiverbnnde dankte - provisorisch mit der Leitung dos Sekretariats betraute Dr. I Liebstädter, Nürnberg, legte nach dem einleitenden Bo;,:;:!c des Vorsitzenden Dr. M. Nuöbaum, der auch die Im;:sdiäftsjahre r.cugcg rundeten Ortsgruppen Bamberg und : ysburg begrüßte, die Gmodzüge der Arbeit dar, wie sie;,;;er Meinung nach bei der jetzigen Lage der Dinge allein;!eistet werden könnte. Nur die Ortsgruppen, so führte r aus, könnten mit einer intensiven Unterstützung des ־■appenverbandes redtnen, in denen selbst Verantwortung»- ,wußte Männer die Arbeit leisteten. Erste Aufgabe müsse; sein, durch eine ausgedehnte Stellenvermittlung überaii ,.bin z'ronistisdi aktive Kräfte zu bringen, wo bisher oder gcnblicklich niemand dafür vorhanden sei. Diese Arbeit jedoch nur möglich, wenn man sidi an den einzelnen Orten Oruppcnvcrbandsgcbietcs intensiv bemühe, frei werdende Ellen geeigneter Art ausfindig zu machen und dein Büro neiden. I Nachdem Herr Dr. Meyer, Berlin, als Vertreter des lüsdien Nationalfonds, über den einzuleitenden Stuttgarter ..vc“, Herr Dr, L. Mayer, Nürnberg, über Möglichden zu allgemein zionistischer Arbeit im Grupnenverband be- .'.net hatten, begann die Aussprache, in der Herr Dr. Katz :1 Herr Jakob Reich, München, auf die Schwierigkeiten xiesen, die sich dadurch ergäben, daß zwischen den zwei ..:aistisch stärksten Orlen des Gruppenverbandes Mütchen y<i Nürnberg eine wSrklidi ergiebige gegenseitige Förderung üatit den Gruppenverband nicht erzielt worden sei, woran ::tr Reihe von augenblicklich nicht behebbaren Umständen Schuld Zufälle. Herr Reich betonte vor allem die Verteclitung aller zionistischen Instanzen, dafür Sorge zu tragen, 1.3 das geistige Leben der Bewegung nicht an den ma-;■-teilen Sorgen verkümmere. Feotgcstcltt wurde auch, daß ״telig ein unfruditbarcs Doppciarbeiten der Berliner Zentrale «i des Gruppenverbandsbüros zu beklagen gewesen ist. •E großem Interesse war ein ausführlicher Bericht des "wn Paul Grünbaum, Mündicn, über das dortige Palästinaamt. ,X «entliehe, die zukünftige Arbeit abändernde Beschlüsse .terien nicht gefaßt. Die Wahlen ergaben eine Wiederwahl der yterigen Mitglieder des Oruppenverbandsvorstandee unter Tooptierung der Herren Rcidi und Dr. Licbstädtcr. ichritlc. y■ auptsäch':•!11 nls t‘;■' | ־{i'if. i )tcilung 1־ r 11 י׳ w s I; n frl. p li- , hen T fi.rtgciu״•■ tir Reit 5'■!»an Z0y ti für *■ ltn bar <:׳ in näcii: -■ ■eit für!ך er natia:; Jktion. _ 1 ohne je•■׳ ן Hajes.:; tJna'r /■■ cn:l:','rs׳!a’; iiachtesS'l. 1 lutere 1v arksete an ci;et k«1;1״;;ci׳׳h dur:■ Ein jüdisches Theater für Berlin Eine Voranzeige.! Von Dr. Werner Bab, Berlin.!5 ״'ir werden im Mai ein jüdisches Theater in Berlin haben. ‘ •:;׳*c!1st nicht in einem eigenen Hause, nicht in regelmäßigen . “״eidlichen Vorstellungen, aber ein Theater mit jüdischer (;X mit einem jüdischen Ensemble, und man wird jüdische;';lorai spielen und auch nichtjüdische Kehler in Dramen .׳־l nriirchcn Themen zu Worte kommen lassen. : f Nach verschiedenen Seiten erscheint uns dieses Unter-;.•iien bedeutsam. Zunächst ist cs eine Absage an jene dic immer noch ihr sogenanntes jüdisches Repertoire;•1 die niedrigsten Instinkte eingestellt haben, die mit ihrer;1-׳yehdsprachc und ihren karikierenden Gestikulationen völlig :,niose, oft geradezu ekelhafte Possen und' Zugstücke dar- und eher als antijüdisch als jüdisch zu bezeichnet» (Es handelt sich bei dem neuer. Theater auch nicht :";'ג um jenes ״Jüdische Theater“, das zurzeit im Hause H .׳־Bes capriccs spielt; auf einem Zettel der Anschlagsäule;:־ teh: Kol nidrei, liistorisdie Operette. (,a saffit.) Das :■•;Isthmen ist auch keine Konkurrenz für das jüdische;;•ytetnhcater; denn man wird in deutscher Sprache 1;,‘H und schon dadurch beansprucht die neue Bühne die ■•“1״lerksamkelt weitester jüdisdicr wie nichljüJisclier Kreise. , , Ectiin hat ein reges Thcatertebcn, und ln 30 Häusern 'll‘a tugtäglidi jede Art dramatischer Kunst geboten. Eine;XtemJung bedeutet schließlich ein Theater mehr, und man tey 'du Interesse darauf ab&tcUcn, ob es sid» vra wirkllclic ׳,yyt und künsticrisdie Darstellung handelt; rein ästhetische ' ,(;;'1'׳^punkte müssen für die Wertung maßgebend sein. Will;;1;־;׳sid» «ho Voraussage gestatten, so muß man am Pro- '.‘;;1y1 und an Autoren und Darstellern prüfen, ob diese ‘ '״׳•־•e Forderung sid» zu erfüJleii vcrspric.it; man will von jMlcdmi Autoren Beer-Hof mann, Scfmitzler, Arno Nadel, Werfel, Arnold 2*/e 1 :׳, Stephan Zweig. Toller 8p;;:l.a und van 1!teidaHea Sha kespeara (Kaufmann von Venedig), Lcs01 ng (Nathan), Byron u. a. Für Gia En:•■ .;Ho ncbca andere,׳» Oranacli und Lia Rosen ge.vonr-n worden. Au» allen V*.)1'4K-־,.־>redmr!:'x:t1 ging hervor, »t.iß auch andere bedeutende jiidiedic Künstler niclit fern stehen werden, wenn nur ein Anfang gemadit ist Gebt UU9 die Gekgetibeit, sagte einer der piomiiicn testen von iltn«», bi «her fehlt jede Mßglidikcit zu einem bewußten Wirten in jütedrer Kirnst. Man darf alro tn dieser Ridkiung 6a ein gutes GeUngen des Planes denken. Für uns ist dl eso Idee eines jütliadicn Tlrcaters aber noch ..von anderer Bedeutung. Jeder weiß, daß seit Ja!«־- zdintcn das Sdiiagwort von der ״Verjudung des Theaters“ int Umlauf ist. Alan konstatiert damit — von antisemitiseter Seit« uml gewölmlich in auliscmltischcr Absidit —, tiaft das Theater in Deutschland von Juden geleitet wiixl, daß Regire.cure und Schauspieler Juden .sind, daß jüriisdi® Autoren und jüdische Themen zur Darstellung kommen, und behauptet, daß mit dieser ungebührlichen Vordr.'ing1׳-״!g des Jüdische» eine Zunlcksctzung »md Verflachung de» ccht-deuUchen, nattanalcra Elementes verbunden ist Von jiklischer — und auch von unbefangen und sachlich urteilender nichtjüdischer — Seit« ist dies oft eis icaidtüg erwiesen tratt gezeigt worden, welche Bereicherung dem Theater In Deutsdslaud durch Juden zuteil geworden ist Es ist überflüssig, darauf eidzugehen. Wir haben bis heute kein jüdische« Theater, und es ist unbedingt d-cr Vernich zu begrüßen, wenn Juden drt solches schaffen wollen, in dem jüdische Kunst — aber audi wirklich Kunst — gepflegt werden solt Kunst ist etwas allgemeines, jedem Menschen zugängliches; sio Ist international. Die nationale Note aber, die der internationalen Kunst beiklingt, macht erst in praxi das Kunstwerk lebensvoll und wahr. Greift man die Juden an, wenn sie Im Tlicater des deutschen Volkes ihr bestes geben, eben, weil sie e» als• Juden tun, no wird im jüdisclren Theater dieser Vorwurf zunichte. Da» entkräftet auch das Bedenken der Vorsichtigen, ein aus gesprechen jüdisches Theater könne provozierend wirken. Das Gegenteil ist der Fall. Besser als in Protestvcfaanimlungcn und durch apologetische Sdirifien wird hier der Anti'wmitismus bclcämpft werden, ganz ohne Kampf, Der vcrcylclnde Einfluß der Kunst wird im Tlicater, vor der breitesten Ocffentüchkclt, jedem, der Auge und Ohr willig öffnet und einer besseren Einsicht fällig ist, die wahre jüdische Seele, den ganzen jüdischen Menschen in seinem Denken, Fühlen und Wollen zeigen. Und wir erzwingen uns, wenn uns auch nicht gleich die Herzen in Liebe zufliegcn, doch die Achtung der anderen. Und auch Achtung vor uns selbst Denn ü» der . Haupt)־ sacke wird das jüdisete Theater uns eine Heimstätte unserer eigenen Seele sein. Wir sprechen oft von jüdischer Kulturarbeit, und doch ist noch nicht allzu viel geleistet worden. Hier ist eine Aufgabe, die unsere Kraft beansprucht. Das deutsche Judentum wird hier auf einem begrenzten, aber wichtigen Gebiete zeigen können, daß cs seine führend!® Steilung in der Judenheit bewahren will. Der Vorwurf der Assimilation (den man erheben könnte), ist nicht ernst zu nehmen. Das jüdisciic Künsücrtlvcatcr, das hoffentlich recht bald wieder seine Tore öffnen wird, hat uns in jiddischer Sprache Wertvolles vermittelt, in anderer Weise. Ein hebräisdies Tlicater ist beute für uns zunächst nur ein frommer Wunsch; die Grundlage fehlt: es gibt bisher kaum One bedeutende dramatische Kunst in hebräischer Spradve, Ein jüdisches Theater in deutscher Sprache ist keine Neugründung allein, cs ist etwas gänzlich neues. Ke deutsche Sprache ist — nicht nur für die deutschen Juden — längst auch zu einer Volkssprache der Juden geworden; ich glaube, man darf das ruhig so nennen. Zu viele jüdische Werte sind uns in der deutschen Sprache erstanden, r.!$ daß eine Rechtfertigung;nötig wäre. Theodor Herz!, der die ganze moderne Judenheit entflammt!tat, sprach und schrieb deutsch. Fort von der Assimilation, das ist auch das Leitmotiv des jüdischen Theaters; das schafft ihm erst seine innere Berechtigung. Es ist alles gut vorbereitet Aber es bleibt mir ein Anfang, ein Versuch, der «stellt fortgewtzt werden kann, wenn nicht die Juden, die Zionisten, dieser guten Sache ihr Interesse zuwenden, Herd erzählt einmal, bei der aufreibenden Arbeit an seinem ״Judenstaat‘1 habe er »ich nur die abendliche Erholung in der Oper gegönnt. Gerade in unseren Tagen kann dieses Beispiel uns Vorbild sein. Wahre Kunst, die veredelt und verinnerlicht, kann heute jedem von «11s ein Gegengewicht gegen alle Qual um} alle Sorge sein. Lenken wir unsere Bliebe auf dieses neue jü;11 sehe Theater und versuchen wir, jeder 111 reiner Art und nach »einen Kräften, mitzuhclfcn an diesem Werk jüdischer Kulturarbeit, der Veredelung, und auch der Menschenliebe. Zur ImmatrikuUtlon von Ausländern an deutschen Universitäten Dr. Oskar Cohn warnte bei einer Debatte tm HauptötiMdmß des prcufiir.dhen La.1dte.ga über Fragen der Modi- Schulreform, die Frage der Ausländer an den Universitäten vom Standpunkt der OebfilucnüStze a!« zu betrachten. Dis ausländischen Studenten sied wertvolle« Kapital für die dcubdie Kultur, die gefördert und nicht gehetzt wvnlen dürfen. Wo ausländische Eltern Steuerzahler in Deutschland' sind, *öUten die Kinder Deutschen gleichgestellt werden. Deutsche CricntaH&lcntsjjußg und Altes Testament In diesen Tagen faruf in Berlin der von der Deutschen Morgcnfändischcn Gesellschaft vcr.instalhte deutsch« Orieirtnlistcnteg s'.att. Den ersten öffentlichen Vortrag hielt der Alüertamerflcr Profcsr.or Bertholet, Göttingern Der Redner beschäftigte sich mit den Lehren, diu die allgemeine Religionswissenschaft aus dem Alten Tcrtamerit ziehen könne. Er unterschied zwei Arten von Religionen: dynamistisdie und dämor.istischc. Unter den enteren wollte er solche Religionen verstanden wissen, die an wirkende Naturkräfte glauben, die unbescelt sind und beim Vorlieben bestimmter Bedingungen sich in der;.:',ixen Weise äußern (״magische“ Kräfte), Ihnen stellt er die dämonisliscben Religionen entgegen, die an beseelte lebendige Kräfte in der Welt glauben. Er bewies nun an Ham! der Bibel, daß sich im Judentum noch gewisse. Ucbcrrcste einer dynami»ti»chcn Auffassung etwa in Be- Beziehung auf Zauberei um! Ahnenkult zeigten, daß ■»her r!,;s Charakteristische in dar Cesclricute der Jüdischen Reiigio.'ian darin zu suchen ■sei, daß dies# dynjmistisc'.ttn Kräfte last völlig verschollen und an ihre. Stelle der hiitorisrii und ethisch gerichtete Ooftesbegriff getreten »ei. Press3 - Ri! 11 dsu)äü Asiatische Bewegung Die ״Wiener Morgaueittmg" bringt aus der Feder von Ernst Wcttrcich einen instruktiven Artikel über die nallonalen Tendenzen der asiatischen Völker und die Stellung 2um .Zionismus. Wir geben nachstehend — unter Fortlassung der Einleitung — den Wortlaut ries Artikels: ״Die panlslamltische Bewegung hat als solche ent mit Beginn dieses Jahrhunderts eingesetzt; es war die Zeit, in der die Koloni,11völkcr zu ״erwachen“ begannen. Die Unzufriedenheit mit dem fremden Regime wurde von der Vorn Kalifat atugehenden religiösen Propaganda aus• genützt; und was den europäische» Missionären nicht gelang, brachte der Islam in kurzer Zeit rtuvege: Immer mehr und mehr durchdringt diese politisch stark gefärbte Religion da» innere Asien. Heute schon gibt es dort eine Ununterbrochene Kette mohammedanischer Völker, die alle durch geschickte Suggerieren״ des nationalen Befreiungsideals immer lauter nach politischer Freiheit rufen. Und je stärker der Drang, sich *clbst zu regieren, hervortritt, desto mehr werden diese Völker audi ihrer nationalen Einheit bewußt. Und unter der breiten Bevölkerung, gleicherweise unter der Intelligenz (die »ich durch das F!!;Massen der Europäer in den Unterkmiftsmögllchkeitcn in staatlichen und höheren öffentlichen Stellungen bedroht fühlt) wie auch unter der Bürgerschaft (die sid» in geschäftlicher Hinsicht durch die Europäer ein• geengt sieht), macht; der Panislamismus Fortschritte. Die Bewegung umfaßt auch aiie Parteirichtungen, weil sie ihnen allen gleicherweise der Weg zur Verbesserung der sozialen Lage zu sein *chcint. Daher richtet sich auch die ganze Be• wegung nicht 80 »ehr gegen die verschiedenen europäischen Einrichtungen als vielmehr gegen die politische Herr• Schaft Europas über mohammedanische Völker und gipfelt in der Zusammenfassung alter Muselmanen und ihrer Beherrschung durch die islamitische Weltmacht, der Türkei, bzw. des Kalifats. Die andere, p .1 n t u ra n i s cli e Bewegung Ist im Unterschied von der religiösen panislamitischen eine völ• kischc; eie erstrebt den Zusammenschluß aller türkisch• tatarischen Volks stamme. Ausgangspunkt dieser Bewegung ist die Türkei, erstes Betätigungsfeld Turkestan. Im Kriege verlegte die Türkei das Hauptgewicht der militärischen Operationen *uf kaukasische Offensiven, durch die sic Ver• bindung mit den Turanicm suchte. Ein Erfolg in dieser Hinsicht war die mit Hilfe türkischer Oifiziere zustande gekommene tatarische Staatengründung Aserbaidschan. Selbst als die Bolschewiken nach dein Zusammenbruch der Mittelmächte vorrückten und dieses Gebiet besetzten, mußten sie diesen Völkern volle Autonomie gewähren; heute gibt cs außer der Sowjetrepublik Aserbriclsdian noch die selb• ständigen Tataren- und Baschkirenrepubliken. Die panturaniächc Bewegung ist eben am Werke, diese selb• ständigen Staaten rusamintnzusciiiicßcn und sie dann der Türkei näherzubringen. Der Panturmiismus erhofft ein Reich von Kon »tantinopel bis zum Altaigebirge. Allerding« ist diese Bewegung noch nicht ganz ausgercift und daher auch nicht mit voller Stärke auf den Plan getreten Die An gor*• Regierung bedient sich in geschickter Welse beider Bewegungen. Stärksten' Widerhall fand die Sclbständigkeifsbewegung ln Indien. Ihr Führer ist Gandhi, der den indem jegliches Zusammenarbeit mit den Engländern verbot Seine Bewegung verstand cs, den Gegensatz zwischen Hindus und Moslims zu überbrüeken, um vereint gegen England mar• tchicren zu können. Indiens Beispiel ermuntert natürlich auch die anderen Völker. Ein geistiger Führer der panasiatisehen Bewegung iit u. a. auch der 'japanische Wissenschaftler Y 0 k o h a - mato, der wiederholt erklärte, daß Asien die Hegemonie über sich selbst erhalten müsse. Er anerkennt nicht den Standpunkt Europas, daß die asiatischen Völker noch nicht reif zur Selbständigkeit wären, da dies am besten durch Japan und die Türkei widerlegt würde. ״Wir wollen in Asien Nationen und nicht Kolonialvoikcrl“ ruft er aus. Die panasiatische Bewegung ist au eit für die Juden- »chaft von großem Interesse. Taucht doch für sie die Frage auf, wie sich die asintischcn Völker während, noch mehr aber nach Durchführung der Bewegung zmn Palästina- Staate stellen. Nach diesbpzüglich cingcholten Informationen kann folgendes mitgeteiit werden: ״Die Japaner“, erklärte ein japanischer Diplomat, ״haben »Ich vollinhaltlich der Bnifourschcn Erklärung angcschlossen; sie begünstigen die Schaffung einer nationalen Heimstätte für die Juden und haben den verschiedenen zionistischen Verfreiem wiederholt ihre Sympathie ausgedrückt.“ Ein bekannter chinesischer Gelehrter, der gegen• willig in Wien weilt, Äußert »ich im *eiben Sinne: ״Es ist nur gerecht, wenn man heute, wo überall von nationaler Befreiung gesprochen wird und ma« dea verschiedensten Völkern Autonomie gibt, auch den Juden, die sich, wie die Geschichte zeigt, um die Menschheit große Verdienste erworben habe», das Recht zu einem eigenen Staate gibt und ihnen behilflich ist, diesen ihren Staat aufzubaueit.“ Der bekannte Indische Wi־,scnschaftlcr D. Roy zagte: ״Wir, die wir selbst um unsere Selbständigkeit kämpfen, können am deutlichsten die Bestrebungen der Juden nach• empfinden. Und es wäre Irre höchsten Grade ungerecht, wenn wir oder sonst jemand, der einen Staat erstrebt oder gar schon einen solchen hat, den gleichen Bestrebungen anderer Hindernisse in den Weg legen würde. Waa speziell die Juden *»belangt, so muß ich bemerken, daß es der Menschheit im höchsten Orade als Undank angcrcchnct werden muß, wenn sie nimmt, ohne zu geben. Und die Menschheit hat von den Juden Kultur, E'liik und Geist übernommen, ihnen dafür ihren nationalen Staat zu geben, ist eine Pflicht menschlichen Gewissens.“ Die Türken sind den Juden gegenüber bekanntlich sehr tolerant; Pogrome und numerus clausus sind dort ganzlieh unbekannte Begriffe, Aus Gründen, die mit der eingangs erwähnten pinlslamitischen Bewegung Zusammenhängen, sind sie — diene■ Ansicht erscheint heute durch die geänderten politischen Verhältnisse gänzlich veraltet — gegen eine Staatenblkiutig im Staate. Denn für sie bedeutet die heutige Lage keinen stabilen Zustand. Dennoch sind sie bereit, den Ju: tn die größtmöglichste Autonomie xuzusichera.

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