Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 29 (10.4.1923)
- Date
- 1923-04-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Postsparkassenamt Prag, Konto Nr.59410. — Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. - asr»*־־, כ״ר ניסן- תרס״ג XXVIII. Jahrg. ,'ITT.:;!ד ""׳ ::DSSEE■ 2!onl*n111» cretirobt fUr da* JQdlschQ WoJk cSI«s S:;10״?jr;g eines!■ CK~r»t"€5j rechlich oealcharton t'elrasfüfSa In rtJna. ״Carcler Programm. 3 arcoigKSBieriw London, den 4. April 1923. Das Direktorium 15 Keren Hajessod feilt mit: ״Die Einnahmen Jc3 Hauptbüros des Keren Hajessod betrugen jn! März über 54000 Pfand. Vor! dieser Summe ,!;nimcn 32000 Pfund aus den Vereinigten Staaten von Aacrika, der Rest aus 29 andere! Ländern. Dieser j£';ord ist das Resultat der verstärkten Anstrengungen, überall durch die zionistischen Führer und die Rationen gemacht worden sind. Eine spezifizierte SlätistiSc folgt.“; Mit dem Ergebnis von 54000 Pfund im1 Monat »jß kann man zufrieden sein. Zum ersten Mal ist j 'die Summe, die nach dem Karlsbader Etat als notwendig :! jazusclien ist, nicht nur erreicht, sondern nicht un-? wesentlich überschritten worden. Das erfreuliche Er* ״ ■׳ebnis ist ohne Zweifel auf die intensive Arbeit zurück* *jfiüircn, die unter Führung von Weizmann in :Amerika begonnen, von Sokolow in Polen sowie von einer Reihe weiterer Freunde des Keren Hajessod;3 anderen Ländern durchgeführt worden ist. Dabei; y zu berücksichtigen, daß die Tournee Dr. Weizmanns erst in ihren Anfängen steht und in dem Märzergebnis; ccs Keren Hajessod nur wenig zum Ausdruck kommt. j Wir sind weit davon entfernt, den Erfolg zu : überschätzen, den wir auf dem einzigen Kriegsschau* '־!atz davongetragen haben, auf den es heute ankommt,;jf dem finanziellen. Immer wieder muß mit der;liciikeit von Rückschlägen gerechnet werden. Aber Jüeser Erfolg ist deshalb so wichtig, weil er uns die!;:ruliigcnde Gewißheit gibt, daß es möglich ist, mit 7a Methoden und den Gedanken des Keren Hajessod 71! Etat und mehr als ihn aufzubringen. Der Geist, ,:er in der Organisation und in ihren arbeitenden 1icnsclien lebt, hat diesen ersten Erfolg davongetragen,!,(gen ihm andere, größere folgen, damit nicht länger Jiis welthistorische Problem des Wiederaufbaus des galten Judcniaudcs an materiellen Schwierigkeiten zu scheitern droht, | Keren Hajessod and Nichtzlonlsfen | Nachdem es in manchen Ländern Mittel- und Osteuropas '!Aon in den Vorjahren möglich gewesen ist, nichtzionistischc jKreise für den Keren Hajessod zu interessieren und ihre Mit- »beit zu gewinnen, scheint es in den letzten Wochen auch in , «0 politisch und wirtschaftlich besonders wichtigen Ländern, I 6rez־I9vael ן _ NebMassah - Prozession Jerusalem. (J. C. B.) Am 1. April zog die traditionelle ־ Eohammedanischc Osterprozession, die sogenannte Ncbi- .'!ussah-Prozcssion, durch die Straßen Jerusalems. Die Teil- : «1.'mer der Prozession stießen Rufe aus, wie ״Nieder mit j ton Zionismus!“, ״Palästina ist unser Land!“, ״Es lebe! Mustapha Kemal Pascha!“ Zwischenfälle kamen nicht vor. 1 Aus Anlaß der religiösen Prozession wurden die Juden 'idit zur Klagemaucr zugclasscn, was unter der jüdischen ־ hvöikcrung große Erregung hervorgerufen hat Protest wegen der Sperrung der Klagcmauer Jerusalem. (J. C. B.) Die Zionistische Exekutive י!0ז Palästina, der Waad Le u m i und das Rabbinat von : Palästina protestierten bei den zuständigen Behörden gegen üs Verbot des Zutritts zu der Klagemauer für die Juden : fahrend der Nebi-Mussah-Prozcssion. Der Gouverneur von Jerusalem, Sir Ronald Storrs, erwiderte auf den Protest, to betreffende Erlaß sei nicht von ihm, sondern von einem 1 ־*bälternen Beamten herausgegeben worden.! Von der Universität * Jerusalem. (J. C. B.) Am 2. April ist der Professor «1 Universität Halle, Fodor, ln Jerusalem eingetroffen. 015 ׳ Ziel seines Palästina-Aufenthaltes ist die Ausarbeitung!‘‘־s Organisationsplancs für die Errichtung des biochemischen ®tituts deT Jerusalemer Universität Wage des Ingenieurs Ruthenberg gegen ״Felestfn“ ,Jerusalem. (J. C. B.) Vor kurzem fand In Jaffa der 1 lotcß des Ingenieurs Ruthenberg gegen den Redakteur cr afäbischen Zeitung ״Fclestin“ statt, der in einem Artikel 7*1! Abschluß von Geschäften mit Ruthenberg und vor 0׳ל Bezug elektrischer Kraft aus seinen Stationen gewarnt p weil er angeblich vor dein Bankerott stehen soll. Das lricht sprach den Redakteur frei. Der Rechtsdreier Ruthenbergs legte Berufung ein. Der ■eue Zivilsekretär s>, Jerusalem. (J. C. B.) Der zurückgeiretene Zivil- ־'«elar der Palästina-Regierung, Sir Wyiidham Dceds, hat tle‘B das Land verlassen und sich nach England begeben. . *in Nachfolger, Sir Gilbert Clayton, wird heute, den ״Pr׳l, in Jerusalem erwartet, ,! I י*. j ףץ^9-*ב/ ץ׳ ( ,׳py, ln England und ln Amerika nt gelingen, den Palästinaaufbau zu einem Gegenstand des Interesses weiterer jüdischer Kreise zu machen. Das Londoner Bankett, an dem Politiker wie Snowden und Wedgwood und Führer der großen jüdischen Organisationen wie James de Rothschild und Robert Waicy Cohen neben Zionisten und alten Freunden unserer Sache wie Sir Alfred Mond gesprochen haben, bedeutet einen unzweifelhaften großen Fortschritt, den der Gedanke des Keren Hajessod gerade in England gemacht hat, dem Lande, in dem sich die politische Leistung unserer Bewegung befindet. Hoffentlich führt diese erste Kundgebung zu einer wirklich großzügigen gemeinsamen Arbeit, deren finanzielle Ergebnisse sich so zeitig zeigen, daß man auf dem Kongreß bereits mit ihnen rechnen kann, Weizmanns Ankunft in Amerika hat erneut bewiesen, welcher Popularität sich der Mann zu erfreuen hat, dem wir die Balfour-Erklärung und die erfolgreiche Führung der zionistischcn Politik neben Sokolow allein zu verdanken haben. So sehr wir wissen, daß Sensationslust und die Freude an lärmenden Demonstrationen in Amerika leicht den Eindruck echter Begeisterung vorzutäuschen vermögen, so machen doch alle Berichte über den Empfang und die Aufnahme Weizmanns den Eindruck, daß das amerikanische Judentum sich der Vcrnntwortung bewußt zu werden beginnt, die es zu erfüllen hat und an die es zu mahnen der Präsident der Organisation nach Amerika gekommen ist. Nicht nur die Voiksmasscn haben Weizmann mit Jubel aufgenommen, auch aus den Kreisen der Führer des nichtzionistischen Judentums sind Stimmen laut geworden, die cs für die vornehmste Pflicht des amerikanischen Juden erklären, Weizmanns Arbeit für den Keren Hajessod zu unterstützen. Insbesondere hat die Rede von Louis M a r s h a 11 einen großen und berechtigten Eindruck gemacht. Ganz im Sinne des Gedankens, den der Keren Hajessod seit seiner Gründung vertreten hat, unterstrich Marshali, daß cs sich um keine Parteisache handele, wenn man die Juden auffordert, sich am Palästinaaufbau zu beteiligen. Marshalls Rede schloß mit den Worten: ״Ich empfinde es als eine heilige und erhabene Pflicht, an Weizmanns Seite zu treten und ihm dabei zu helfen, eines der größten Probleme zu einer Lösung zu bringen, das jcmahi Menschen zu lösen hatten, ihm zu helfen, eine Last zu tragen, die einen Mann von gigantisciien Krafteil erfordert. Ihr alle müßt gleichgültig wie Euer bisheriger Standpunkt war auf seiner Seite stehen, ihn stützen, ihm Gottes Segen wünschen und Geld geben!“ Wichtig ist es auch, daß die Sympathien amerikanischer Politiker für den Zionismus bei dieser Gelegenheit erneut zum Ausdruck gekommen sind. Die Rede des Senators von Missouri, die auf demselben Bankett gehalten wurde, auf dem Louis Marshall gesprochen hat, legt davon von neuem Zeugnis ab. politische ]Ntacbrichten Die englische Presse zum Oberliausbrscliluß London. (J.C.B.) ״Daily Expreß“ und ״Daily Mail“ versehen die ,Berichte über die letzte Palästina* debatte im englischen Oberhause mit auffallenden Titeln, wie ״Kriegsgefahr in Palästina“, ״Ein Ring englischer Bajonette umgeben das jüdische Nationalhcim“, ״Einen Schritt näher zur Räumung“ usw. ״Manchester Guardian“ schreibt: ״Wollen wir, daß sich die Reichtümcr Palästinas wirklich entwickeln oder wollen wir cs nicht? Wenn wir es wollen, so ist es mehr als nutzlos, cs ist unklug, ja absurd, sich über die ökonomische Führung der Juden zu beklagen, da es mehr als sicher ist, daß nur jüdische Ge* hirne und jüdische Hingabe Palästina in ein blühendes Land verwandeln können. Wo die Araber unzufrieden sind, sind sie es nicht, weil sie unterdrückt werden; sic genießen jetzt viel mehr Freiheit, als sie je unter der tür* kischen Herrschaft genossen haben, und wenn sic die Klugheit besäßen, mit den Juden zusammen* zugehen, die es ja nicht anders wollen, können sie eine große und nützliche Rolle in der Aufrichtung eines freien und fortschrittlichen Palästinastaates spielen.“ Die Abreise von Decds aus Palästina Jerusalem. (J. C. B.) Der nach London zurück* kehrende bisherige Zivilsekretär der Palästina-Regierung Sir Wyndliam Dceds machte in dem Büro der Zio* nistischcn Exekutive in Palästina und des Waad Leumi Abschiedsbesuche. Bei dieser Gelegenheit erklärte Sir Wyndham Deeds, er werde in London für die Sache des jü* disch-nationalen Heims, sowie die Legalisierung der jüdischen Gemeinden in Palästina nach Kräften wirken. Die nächste A.-C.« Sitzung Die nächste Sitzung des Actions-Comit^s beginnt am 30, April in Berlin, ■ ' . ,! ׳. Pogrom In Warschau Warschau, 5. April (Tel. der ״Wr. Morgcnzfg.״), Die nationaldemokratische Partei veranstaltete nach Bekanntgabe der Urteilsvollstreckung an dem Prälaten Butkiewicz durch die Bolschewiken große Protest* Versammlungen, in denen unter anderem׳ eine Resolution gefaßt wurde, daß vom polnischen Sejm sämtliche kommunistischen Abgeordneten ausziiscliliefkn seien. Nach der Versammlung begaben sich über 150 000 Teilnchmcr, die aus Studenten und Parlckmgchörigcn der Nationaldemokratcn bestanden, zum Ministe! ratspräsidium, wo sie die Resolution übergaben. Von hier zogen die Teilnehmer unter den Rufen: ״Ermorde( d i e J u d e n 1“ ins Judenviertel. Während ihres Marsches ins Judenviertel überfielen sie sämtliche Cafes und Gasthäuscr und prügelten jüdische Gäste und Passanten. Sämtliche auf dem Wege ins Judenviertel gelegenen jüdischen Geschäfts laden wur* den vollkommen ausgeplündert und zer* stört. Im Judenviertcl überfielen die nationaldemokrätischen Studenten die von Juden bewohnten Häuser, drangen in die Wohnungen ein und mißhandelten auf die schändlichste Weise die jüdischen Bewohn er. Aus den jüdischen Wohnungen wurden Möbelstücke hinausgesebicudert. In einein großen Teile von Häusern, die von Juden bewohnt sind, wurden schwere Plünderungen veranstaltet. Eine große Anzahl von jüdischen Bewohnern und Passanten wurde schwer verwundet, ihre Zahl wird auf 60 bis 80 geschätzt Viel größer soll die Zahl der leichter Verletzten sein. Der Pogrom hatte bereits einen großen Umfang erreicht, als Militär ein schritt. Nach schwerer Mühe gelang es der Infanterie und den Ulanen, im Laufe der Nacht die Ruhe herzustellen. 1 , < > Man befürchtet, daß der Pogrom morgen abermals fortgesetzt werden wird, umsomehr, als die nationaldemokratische Presse auf die schändlichste Art und in unverantwortlicher Weise die Massen zu Judenpogromen auffordert und hetzt. Obzwar cs evident ist, daß das Urteil an Butkiewicz nur infolge der Bemühungen des Vorsitzenden des Gerichtstribunals, des polnischen Katholiken Dzicrzynski zustande gekommen ist, schiebt die nationaldcmokratisclie Presse den Juden die Voll- Ziehung des Todesurteiles an Butkiewicz in die Schuhe, Das J. C. B. meldet ferner folgendes: Warschau. (J.C. B.) Nach Eintreffen der Nachricht von der erfolgten Hinrichtung des katholischen Prälaten Butkiewicz in Moskau veranstalteten die dem extrem-antisemitischen Rozwoybund angehürigen Studenten ln Warschau eine lärmende antijiidischc Demonstration. Im Ver* laufe derselben wurden die Konditoreien ״Ziomianka“ und ״Polonia“ gestürmt und die anwesenden jüdischen Gäste mißhandelt. In der Konditorei ״Ziomianka“ wurden sämtliche Spiegel und Schaufenster zertrümmert. Polnische Huiigans haben jüdische Lcichenzüge überfallen, die Leidtragenden tätlicli angegriffen und mit Steinen bombardiert. Das Antisemitenblatt ״D w a Grosze“ bringt aus Anlaß der Hinrichtung einen maßlosen Hetzartikel gegen die Juden, in w’clchem die Behauptung aufgcsteilt wird, der Mord an dem Prälaten Butkiewicz sei ein Beweis dafür, daß die ״roten jüdischen Tyrannen“ den Glauben an die Auferstehung Christi zerstören wollen. Die naflonaldemokraflsche Presse Warschau, 6. April. (Tel. d. ״Wr. Morgenztp,“) In der gesamten nationaldemokratischen Presse hat eine neue wütende Kampagne des exzessiven Antisemitismus begonnen. Die ״Gazcta Warszawska“ bringt falsche Meldungen über angebliehe Judenpogrome in Rußland, um die polnische Gesellschaft vor einem neuen jüdischen lmmigrantenstrom aus Rußland zu warnen. ״Dwa Grosze“ widmet einen speziellen Artikel einem Interview Sokoiows über die Lage der polnischen Juden. Unter anderem erklärt das genannte Blatt, cs liege nicht im Interesse Polens, daß sich im Lande die Führer des kämpfenden Judentums herumtreiben, um sich mit den inneren Verhält* nissen Polens bekanntzumachen und die schwachen Seiten kennen zu lernen, die sie dann zur Organisierung der jüdischen Presse gegen Pölen benützen könnten. Ferner fordert die Zeitung die Juden zur Auswanderung aus Polen auf. Ausschreitungen In der Ukraine? Die ״Vossischc Zeitung“ meldet: Lemberg, 4. April. Die hiesigen Blätter melden aus Rowno, daß in Schytomir Baucrnunruhen ausgebrochen sind, die von den Bolschewisten blutig unterdrückt wurden. 340 Bauern sind zum Tode verurteilt worden. Das Urteil wurde sofort vollzogen. Nach anderen Blätterstimmen fanden auch in zahlreichen anderen Ortschaften der Ukraine blutige Konflikte zwischen Bauern und Bolschewisten statt. Die Bauern protestierten gegen den Prozeß, der gegen den Patriarchen Tichon angestrengt ist. Außerdem wird von Judenpogromen in der Ukraine ' berichtet, und zahlreiche jüdische Familien fliehen in der Richtung gegen die pob lösche Grenze. e IC/' Ul n1 h, וזג '51 :1 :r :ri r«' n. ei 1d' ä׳ 11 ei ,c ir C|M <i Mi'! :vi!י" :r , .1נ ו & r' d ',1 •1 47 \t; •/ 4• 1‘׳i ו e!7 *7 ti 4 v , I י I 1 I I t I 1 I i I! I i