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Jüdische Rundschau · 1923-02-20 · Heft 15 (20.2.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 15 (20.2.1923)
Date
1923-02-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Für Atulnnrliinserut« 100% VaiutarüichU^ jucrhzt, 20• II• 1923 [ך Anxcij;cnschlu3: Dienstag und Freitag nnchmlttnj' 4 Uhr. 4■ '■■ *,«*«׳. - ■t< vi , . 7 ,*?.,״.* *... ..־T-.ילל "" A!■ -*.-»•*יל, ,A.,™*-”.לל 2לללל -ל Tj7־־**!**~־”-׳,*,*!?fr Telephon: Pfalzburg 669711.6693. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich: Postsparkassenamt Wien, Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei: Poslsparknsscnamt Prag, Konto Nr.59410, — RedaktionsschluB Sonntag und Mittwoch nachmittag. — ,f Zionismus erstreb! für das JBsälscIta Voile dlo $cta״un□ einer Sffcntileh»rechtlich שבם׳ תרס״ג cherton HelmstSHo in PaK ד׳ ins. ,Baseler Programm»** i. Gatte:! ■ fuppr:־־ T. Iler/' .׳ ‘1. ־i n, •Gart״.!> w i t :1 u. לן «ritt לין Ur. ל ״י d t!מ ח n f 6r־-to:bc1'■־ Sch*־•״' Hasinon ׳Pf» B.iu יי riii,ו p(!! sei. Gr,יל •Gart. ז IVnviti׳־ d. Jahr' Umtc 2&;! Anul »־ 0« - n. anunt; 12 OC0 d. .Mi;-■ nw 1,1.׳,: j, CAO, t- ,־;׳ k־' :ui sy יל a 11. I . 300, ,1.; «6-, riar.i 3 11. v »rpflfr. 1׳ ׳ B. a׳m,! a. ג!.: : Fnilr.r 3,' AHr. 1׳ ne eor;i, 11 ff anl,, U 3 1■״ ז! (;rat. . *0t ן ׳־ ׳ r. Xiinl,״ 6" Jiiumo l! 1: Brie 11; <' X״Tn׳r:., I, Aiick. V,a. 0. : Min re: J, b, ׳’!ith( U 3 i,. .. )t-.r.'u-h.. Jnat»»:. jL1,tz<\lko־ ׳T Old WC•'.• €5 Bä: £0 Ji:.c . i Jl■■: [: 1 Sk 15 Bi.;׳ *ea So£j > len r,7?0! 1 SOT.fif ׳ r,102.£'> ׳ :■4 Bi;׳'!׳:' fca 1 r '■? »sc U’O) ־ i n c n 11' M .1״■ r: <i ׳ 0 6' IV, IO; Orl.1־:», e u w i' Jtendi. b n e: d ׳ 17C5S 1 IS 2000; 1en 0-'d־׳ m 10* ז״ ׳׳■׳סס מ sca £0 י * '"muljtk־ US 760•- ־ 522 166 Itwet•׳1,״. on 301‘_; r . ' Mal '■־.‘ל (igt ״'ÄO toi ״;״ len, 0;e Land• und Bodenverhältnisse in Palästina Von Davis Trietsch. Palästina grenzt im Norden an das unter französischem M.mdat stehende — auf Kosten Palästinas vergrößerte — | iiwnon׳׳״bict und im Westen an «las Meer. Die. südliche tirenze läuft von Rafa (halbwegs zwischen Gaza und El triseli) nach Taba am Golf von Akalar, dem Nordostzipfei ,:es Roten Meeres. Die Ostgrenze ist von Manias bis s. iraach, das, französische Syriengebiet, von Samncii ':.;fielt das Gebiet von Transjonknien, das zwar einen Teil ,1.5 britischen Paiäsiinamandals bildet, aber nidit unter bri- (j־,'her Verwaltung stellt und sich damit in seinem politischen ,Status von Palästina unterscheidet. WcslJordanien in seinen ,'c’cnwärtigcn Grenzen umfaßt — ohne den unbewohnten t, *!■erlösen Wiistenstrich südlich vom 31. Breitengrad — ״jc!;t mehr als 1 823003 ha (oder zirka 4■/» Millionen acrcs) verwertbarer Fläche. Ein großer Teil davon, nämlich zirka 700000 ha oder fast 4()״/״ sind ilirem gegenwärtigen Zustand ׳t;arh nicht kultivierbar. Diese Fläche umschließt mehrere ver• | -,־kie.ienc Formationen, wie z. B. die Wüste im Süden, die : felsigen Hochebenen in Judäa und schließlich Sumpfländercien j 1;nd Sanddünen in der Nähe der Küste. j Trockenfarmwirtschaft und Aufforstung, Milchwirtschaft : j-d Schafzucht, Ent- und Bewässenmg sind alles Maßnahmen, ■ (;;c sich im einen oder anderen der bezeidmeten Fälle emp* t fehlen, und die in einem gewissen Umfang bereits zur An- UviiJnng gebracht wurden. Man w'ird hiernadi hoffen dürfen, i daß die Projzortion der unproduktiven Ländereien zu denen, die ein wirtschaftliches Ergebnis liefern, erheblich und dauernd; strringert werden wird in dem Maße, in dem die erwähnten Methoden zur Anwendung gelangen werden. Die Erklärung diijr, daß eine Fläche von zirka 330 000 Hektar anbaufähigen ';׳.!e!!s zurzeit noch unbearbeitet dnlicgt, ist in einer ganzen ::?altl wirtschaftlidier und sozialer Faktoren von mehr oder uger dauerndem Cliarakter zu suchen. Die Zunahme der;:öfkening und der steigende Wert landwirtschaftlicher Be¬;!־;je und Produkte, die Aufteilung von Gemeindeland, v׳erkvtfte VerkchrsverltiiUnissc utrd praktische Demonstrationen verbesserter Methoden werden ihren Einfluß auf das bisherige;!׳;:konomische System der einfachen Brache nicht verfehlen. ‘ Dü Knappheit an Zugtieren und Arbeiterschaft, der mangekde; Kredit, die prohibitiven Preise für importierte Geräte usw. l'׳/,vic die politische und soziale Unsicheriieit haben zeitweise natürliche Entwicklung verzögert, aber diese Phase ist in . ■.:vicn Hinsichten bereits überwunden. Immerhin bedeutet die Arbcitimg einer halben Million Hektar eine starke lnanspruchl- |:2r,mc der in ihren Methoden so rückständigen landwirtsriiaftj Sclien Bevölkerung, und die hohen Produktionskosten beweisen, 1!!rammen mit den geringen Erträgen, die Notwendigkeit j besserer Methoden und erzieherischer Maßnahmen. Einen Beweis für die großen Möglichkeiten, die im Klima und Boden Palästinas liegen, bieten die Ernteergebnisse der deutschen 1 Kolonien: in Wilhclma, Sarona und Bctli Lahrt wird einfach mi'lc’s regulärer guter Arbeit das Dreifache der landesüblichen fcrchsclmittsernten erzielt. Bessere Bodenbearbeitung, Düng:!ng, Fruchtwechsel, Auswahl des Saatgutes und arbeitsparcr.äe Geräte und Methoden werden den palästinensischen Landwirt befähigen, mit den Getreideernten Aegyptens, Ausiraüens und Argentiniens zu konkurrieren, deren Produkt gegenwärtig in Palästina zu einem Preise verkauft wird, der! geringer ist als die mit einer Zehntsteuer von 12l/s°/0' belastete; eigene Produktion des Landes. Die Einführung von höherwertigen Kulturen, wie Dammvolle, Tabak, Zuckerrohr und Flachs, für welche die natürlichen Bedingungen günstig sind, »!ordern wiederum ein Versuchsstadium und technische Er- Ziehung. 1 1 ’ Die Knappheit an Arbeitskräften trifft zusammen mit einem harken Mangel an Arbeitstieren, der sich um so fühlbarer 1״acht, als es auch an modernen Landwirtschaftsgcräten fehlt. Ke Aussaat geschieht noch immer (mit wenigen Ausnahmen) heitwürfig und ohne vorherige ordentliche Reinigung. Der; Getreideschnitt erfolgt mit der Sichel, und das Dreschen ge- ״hiebt auf der Tenne durch Austreten oder mit Hilfe des Kcschschlittcns. Die Behandlung des Rohmaterials und die •׳'eihoden des Einkaufs und Verkaufs sind ähnlich primitiv. Moderne Getreide- und Ochnühlen sowie Milchwirtschafts• *inrichtungcn, Trocknungsanlagen und Packhäuser für Früchte, Tabakschuppen usw. sind unbekannt oder existieren nur ganz äl!sn,1hmsweise in neueren Etablissements. Die Initiative und das Kapital der neuen Ansiedler aber, die den Wert solcher Einrichtungen drastisch vor Augen führen, werden schließ-; Kit — unterstützt von der inländischen und ausländischen Konkurrenz — dazu führen müssen, daß genossenschaftliche; Arbeitsformen und gegenseitige Hilfe mehr und mehr in Aufnahme kommen. Der betreffende Teil des Berichtes, der, wie man sieht, die allgemeinen Landesverhältnisse ins Auge faßt und auf jüdischen Landwirtschaftsbestrebungen nicht bezug rtimmt, schließt mit den "Worten: ״Neue Ideen betreffs landwirtschaftlicher Arbeitsweisen 1•׳nd neue geschäftsmäßige Methoden sind für die wirtschaftliche Stabilität, für die Besiedlung des Landes und *ur die ländliche Wohlfahrt unbedingt erforderlich.“ In den letzten Jahren haben bekanntlich" größere jüdische Kindkäüfe stattgefunden. Dabei ist seitens der Käufer und daß die Regierung in diesem Sinne zu intervenieren , brauchte, sorgsam darauf geachtet worden,.daß die bisherigen Bearbeiter des Bodens nicht in Nachteil gerieten. Kauf und verkauf von Boden sind völlig frei, mir daß Transaktionen über ®ehr als 300 Duiiam Land oder in. einem höheren Werte als 3W) £ von der persönlichen Einwilligung des Oberkommissars *!»hängig sind. Während der Berichtsperiode •wurden 23 solcher 5PczieUcn Transaktionen genehmigt. Diese bezogen sich auf Mur 15• Aktion des Keren Hajesiod. Warensendungen für die HurlsnUIon des Keren-Hnjer.sod sind ta rlchicn an Gebr. Bertling, Berlln-Cliarlotlenbnrg, Sophie- Cl< •rlotienstr. 15. Der Sendung Ist ein Brief mit InlmUsverzelcIinl* beizulegcu. Der Brief muß den Vermerk ciiialttn: ״Zur Verfügung des Keren Ilnjcvsml-Bcauftrogten Dr. Max lihsch,“ Gleichzeitig ist dis Mio des Kcrcn-Ilajcssod. Zentrale lür Dcnhcidmid, Bert n W 15, Emscr Sir. 12-13 unter Beifügung einer Abschrift des Inhalts• Verzeichnisses, von der AbsenJung zu benachrichtigen. 95 000 Dunam im Werte von 478 033 £, Der Durchschnitt pro Transaktion war hier also 43t) Dunam und der Dunampreis 5 £. Von nichtgcnchmigungspfliclitigcn (also Idc’nercn) Transaktionen kamen 3360 vor, die 117 763 Dunam im Gesamtwerte von 8S0.870 £ umfaßten. Hier ergibt sich ein Durchschnitt von 35 Dunam pro Transaktion zu einem durchschnittlichen Dunnmpreis von 742 £. Diese aus der Gesamtheit der Käufe und Verkäufe gezogenen Durchschnitte geben ein gutes Bild von den gegenwärtigen Bodenpreisen, Neben dem Erwerb durch Kauf kommen noch andere Möglichkeiten — nicht nur nach dem Gesetz, sondern auch in der Praxis — vor, nämlich die Eilangmig von Regirrungsl indercien. Der Staat verfügt über die Newat-Länderoien (ßosil/.ti'imcr der ״Toten Hand“) und besitzt außerdem zirka 950033 Dunam kultivicrbarcn* Boden, darunter nur etwa 5 Sumpfgehicte, die erst durch Drainage urbar zu machen wären. In solchen und ähnlichen Fällen hat die Regierung im Intcresrc baldiger Beseitigung der Sümpfe lange Pachtverträge bewilligt, während sonst die Regierimgspacht meist nur ein Jahr läuft. So hat die Regierung mit der Ica ein Abkommen über einen großen Landstreifen an «1er Meeresküste, der in einer Ausdehnung von 20 km von Atiit bis Caesarea reicht, auf 100 Jahre getroffen, wobei Erneuerung unter gewissen Bedingungen vorgesehen ist. Von «1er Ica wird dabei verlangt, daß sie innerhalb 8 Jahren die Drainage aller Sümpfe und die Bearbeitung und Aufforstung aller hierfür zunächst ge• eigneten Ländereien durchführt, während für die Nutzbarnuclumg und Bepflanzung der Sanddi'men ein Termin von 20.Jahren vorgesehen ist. Ferner haben die Einwohner von Rischon-te-ZIon 21000 Dunam Diincnland von der Kolonie bis zum Meeresufer zugewiesen bekommen. In diesem Falle handelt cs sich nur um die Bestätigung einer bereits während des. Krieges seitens des türkischen Verwailungsratcs erklärten Bewilligung. Dieser Boden ist als Netrukeh-Land erklärt, d. h. er soll dem gemein- Samen Besten aller Einwohner der Kolonie dienen. Außerdem bekam die Stadtgcmcinde Tcl-Awiw einen hundertjährigen Pachtvertrag für ein Stück zwischen Tcl-Awiw und dem Meere zum Zweck der Errichtung eines Bade- Etablissements mit Restaurant und Esplanade. Tel-Awiw hat dagegen für Herrichtung und Instandhaltung einer Automobil, strnße und einer Baumallcc auf diesem Terrain zu sorgen. Schließlich wurde den Einwohnern von Petach Tikwah auf 50 Jahre (mit Erncucrungsmodalitätcn) das an die Kolonie grenzende El-Bassab ■Sumpfgcbict in Pacht gegeben, die innerhalb 5 Jahren die Drainage, Kultivierung und Aufforstung des Bodens durciiz.ufülircn haben. Die Ausdehnung der Mcwat-Ländcrclcn geht aus dem Bericht nicht hervor, aber wir wissen, daß es sich um sehr bedeutende Flächen handelt. Früher war cs üblich, daß, wer immer wollte, solches Land zu bearbeiten begann, und nach" dreijähriger Bewirtschaftung hatte er einen legalen Anspruch In dein Bestreben, die Staatsdomänen zu vergrößern, wurde seitens der englischen Verwaltung eine Verordnung erlassen, wonach unautorisierte Inbesitznahme künftighin verboten sein solle, hingegen sollten solche Personen, die ״Lcvat"-Land bereits wieder ״belebt“ hatten, innerhalb einer bestimmten Zeit die nachträgliche Bestätigung nachsuchen. Daraufhin gingen in der Berichtsperiode 1028 Gesuche ein, von denen 8(7 bereits untersucht und 235 bewilligt wurden. Verweigert wurden 97 Fälle, die übrigen waren bei Drucklegung des Berichts noch unentschieden. Aber abgesehen von autorisierter Uebernahme von Lewat- Ländereien und ebenfalls abgesehen von Landzuweisungen seitens der Regierung wie in den oben erwähnten Fällen kann die jüdische Einwanderung und Kolonisation sich noch in anderer Weise vor übertriebenen Preisforderungen schützen. Denn noch viel mehr in Ucbcrciustimmung mit den geeigneisten Formen jüdischer Ansicdlung in Palästina ist die folgende Bestimmung im Interesse einer bestmöglichen und intensivsten Verwertung von Land: ״Jedes unbewegliche Eigentum kann enteignet werden, wo es sich uin Zwecke öffentlichen Nutzens, um Heereszwecke oder um Fälle handelt, in denen die Durchführung irgendwelcher Pliine für Stadtgriiudung in Betracht kommt.“ Hier haben wir geradezu einen Hinweis, wie weit die Regierung und Gesetzgebung eine gartenstädtische Kolonisationsform begünstigen. Darüber hinaus besteht sogar Steuerfreiheit, wonach die Erträge von Mulk-Land, soweit cs c c'׳ um clngchcgte Landstückc von höchstens einem Dunam han• delt, abgabenfrei sind. (Mulk-Land entspricht so zicnu.cn I dem englischen Frcchold.) Für denjenigen größten Teil der jüdischen Einwanderung und Ansiedlung, der sich auf einer anderen Grundlage ais einer hauptberuflichen Landwirtschaft vollziehen wird, winken uns demnach allerlei Vorteile sowohl bezüglich des Bodenerwerbs wie auch der Steuergesetzgebung. Diese Steuerfreiheit dürfte in der Hauptsache deshalb bestimmt worden sein, weil die zahlreichen Ernten und kleinen Quanten der vielerlei in Mausgiirten erzielten Produkte eine steuerliche Behandlung allzusehr komplizieren und ■erschweren, aber zweifellos liegt darin auch .eine beträchtliche Förderung jener für ׳ unseren Fall'besten gartcnstiidtischcn Siedluiigsform, in der neben den städtischen Hauptberufen die Selbst- Versorgung■ mit Gemüse, Obst und ■ Gdlügelzuchtproduktc aus nebenberuflicher Bearbeitung der Hausgärten eine Rolle spielt. (Ziko.),! i ■ 1 ' polai Die Flütlilün gsatiswelsungen ' Warschau. (J.C.B.) Die tiberraschende Tatsache, daS trotz der vielfachen offiziellen polnischen Versicherungen, daß die Flüchtlingsauswcisungeii in Polen aufgeschoben und auf׳ dem Gebiete des Fliichtlingswcscns zahlreiche Erleichterungen Platz greifen würden, die Ausweisungen und Abschiebungen der russischen und ukrainischen Flüchtlinge mit aller Rück»: sichtslosigkeit eingesetzt haben, ist auf das persönliche Eingreifen des Premierministers Sikorskl" zurückzulühren, der a'lc Maßnahmen seiner eigenen Beamten desavouierte und das bekannte Ausweisungsdekret des Innen*, ministers Kamienski in seiner ganzen Grausamkeit bestehen ließ. In den Unterhandlungen zwischen dem jüdischen Paria• mentsklub und «lern jüdischen Nationalrat für Polen einerseits, den leitenden Beamten des Innenministeriums und dem Chef des Sichcrheitsdcpartemcnts andererseits wurde bekanntlich von polnischer Seite die Konzession gemacht, daß das ganze Fliichtlingswesen nach bestimmten Grundsätzen geregelt und einstweilen die Atiswcmmgen nicht durchgesetzt werden. Gewissen Kategorien der Flüchtlinge wurde der Aufenthalt ln Polen bis Mitte April, anderen sogar bis 1. September d. J. bewilligt und außerdem verschiedene Erleichterungen gewährt. Aehnlichc Verpflichtungen wurden bekanntlich auch seitens der polnischen Völkerbund-Delegierten gegenüber dem Völker• bundkommissariat für Flüchtiingswesen eingegangen. Nun hat der Premierminister Sikorski als Innenminister das Dekret seines Vorgängers Kamienski wieder zur vollen Oeltung ge* bracht, so .daß die Abschiebungen bereits im Gange sind und auf Grund des Dekrets Ende März in vollem Umlange fortgesetzt werden sollen. Die jüdische Presse Polens führt die unnachgiebige Haitung Sikorskis in der Flüchtlingsfragc auf die rücksichtslose Hetze der christlichen Demokraten zurück und meint, ebenso wie sich Sikorski bei der Isolierung der jüdischen Pariamentarier von Rücksichten auf die Nationaldemokraten leiten ließ, hat er seinen politischen Gegnern nun auch die jüdischen־ Flüchtlinge zum Opfer gebracht. Massentttitwdsnng der jüdischen Flüchtlinge In Osfg&Hric* Lemberg. (J.C. B.) Bald nachdem die ersten Nachrichten über den Beginn der Ausweisung der ukrainischen Flüchtlinge aus Warschau in Lemberg eingetroffen waren, setzte auch hier die Ausweisung der jüdischen Flüchtlinge mit aller Strenge ein. Es werden auch diejenigen Fiüchtlinge, die sich zum gesetzlichen Termin registriert hatten und sogar solche, die in zwei oder drei Tagen das amerikanische Visum zu erhalten hoffen, nachsichtslos ausgewiesen.׳ Unter den jüdischen Flüchtlingen in Lemberg und in den anderen Städten Ostgaliziens herrscht deswegen eine unbeschrcibliche Panik, sie flüchten aus den Städten, ohne zu wissen, wohin, ׳ Eine jüdische Delegation wandte sich an den Lemberger Woywoden Orabowski mit der Frage, wie es komme, daß auch die vorschriftsmäßig registrierten Flüchtlinge ausgewiesen werden, wo doch diese Flüchtlinge bis Ende März Aufenthaltsbewilligung haben. Der Woywode erwiderte, es sei seine eigene Sache, wie das Zirkular des Innenminister« zu interpretieren sei. Bürgerrecht Warschau (J. C. B.), De״• jüdische parlamentarische Klub hat im polnische.1 Sejm einen Dringlichkcitsan-, trag eingebradit, in welchem unter Hinweis auf Artikels des Versailler Vertrages gefordert wird, daß sämtliche Personen, die am Tage der Ratifizierung des Versailler Vertrages durch den Sejm im früheren russischen, jetzt polnischen Gebiet gewohnt haben, automatisch die' polnische Staatsbürgerschaft erlangen sollen. Dieser Stichtag ist der 10. Januar. Sämtliche früheren russischen Staatsangehörigen, die an diesem Tage in den Territorien der polnischen Republik gewohnt haben, sind auf Grund des Vertrages polnische Staatsbürger geworden, insofern sic. nidit für einen anderen Staat optiert haben. ln dein Antrag wird darauf hingewiesen, daß der französisdie Ausdruck ״domiulc“ in der ersten offiziellen Ueber- Setzung cmfadi ״Wohnort“ heißt. Erst in der zweiten Ueber- Setzung wurde das Wort durch den Ausdruck ״ständigen Wohnort haben“ umschrieben. Diese zweite Uebcrsetnmg vergewaltigt den wahren Sinn des Vertrages, indem nur diejenigen als polnische Bürger anerkannt werden, die als ständige Einwohner in den Listen eingetragen waren. Laut dem wahren Sinn des Vertrages müßte man zahlreichen Flüchtlingen, die jetzt gewaltsam abgeschoben werden, die polnische Staats- Zugehörigkeit zuerkennen. Die Sowjetmacht erkennt audi solche Personen nicht als mssisdie Staatsbürger an und schickt sie nach Polen zurück. Auf diese Weise wandern Hundert« von Menschen hin und her um! geben so zugrunde. Interpellationen Im Sejm Warschau. (J. C. B.) In der letzten Sejm-Sitzung wurden im Namen des jüdischen parlamcnta! Lehen Klubs die folgenden vier Interpellationen cingcbracht: , I. Wegen der Nichtausfiihning der auf Grund des Versailler Vertrages von Polen übernommenen Verpflichtungen betreffend die Rechte der Gemeinden und Sc hulen der nationalen Minderheiten, II. Wegen klarer Auscinanderhaltting der, beiden Begriffe ״Poliak“ (An• gehöriger der polnischen Nation) . und ״polnischer Bürger“ in Verfassung und Gesetzgebung. 111. Wegen des Schreib• Zwanges lür jüdische Kinder in den polnischen Staatsschulcn an Sabbathtagen. IV. Wegen der Konfiskation der jüdischen Zeitung ״Chwih“ in Lemberg.

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