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Jüdische Rundschau · 1923-02-13 · Heft 13 (13.2.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 13 (13.2.1923)
Date
1923-02-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Wenn jetzt in dem von uns wiedcrgebcneii Artikel des |!;u>!;!m״ die B!'f!irr11t11ng ausgesprochen wird, daß das hileressc der zionistischen Bewegung in nächster Zeit völlig durch die von Jabolinsky ausgehenden Problem- Stellungen beherrscht weiden wird, so muß bereits heute niit aller Entschiedenheit gesagt werden, daß das nicht geschehen darf. Die Angelegenheit Jabotinsky braucht nicht zu unserer ״Affäre“ zu werden. Eis ist natürlich, daß der überraschende und vielleicht beispiellose Vorgang, nämlidi der Austritt eres Mitgliedes der Exekutive aus der! Zionistischen Organisation, die öffentliche Meinung sehr i cr,cnt und einige Wochen stark in Atem hält. Es ist auch 1 selbstverständlich, daß die Organisation verpflichtet ist, r; einer etwa von Jabotinsky entfachten Diskussion nicht , auszuweichen. Im Gegenteil ist jede Auseinandersetzung 1 zu begrüßen, die dahin führen kann, unsere politische Situation klarer zu sehen und die Mittel zu diskutieren, i mit denen wir zu arbeiten haben. Aber die Parole des Actions-Comites, die alle Kräfte an die Keren Hnjessod- Front ruft und die in der Aufbringung unseres Budgets ihs Kernproblem unserer Arbeit erblickt, wird in ihrer Ikdeiitnng durch den Zwischenfall Jabotinsky nicht beeinträchtig*! und muß von uns im größten Ausmaß bcj ' folgt werden.; Außer der Herstellung klarer Verhältnisse hat die ן Angelegenheit Jabotinsky noch manches andere Gute mit I sich gebracht. Wir begrüßen es insbesondere, daß die üekutive dadurch vo :!׳!!aßt worden ist, aus ihrer Reserve liervorzutrcten, d::ß sie der zionistischen Ocffentliclikcit Einblick in den Verlaut der Verhandlungen des , Aciions-Goiiiiu's gewährt hat und daß einerseits durch Jabotinskys Brief und seine sonstigen Kundgebungen andererseits aber auch durch die Mitteilungen von offi- ן zicilcr Seite die zionistische Oeffcntliclikcit in den Stand gesetzt worden ist, selbst zu urteilen und selbst Steilung zu ikInnen. Wir hoffen, daß die Exekutive in Zukunft den Kontakt, den sic bei dieser Angelegenheit vielleicht nun ersten Male seit langer Zeit mit der zionistischen : Bewegung gefunden hat* nicht wieder lösen und weiterhin : jede Gelegenheit benutzen wird, um ihre Auffassungen um! Anschauungen der zionistischen Ocffentücökcit zu 1 unk'rbrcitcn. Auch das wird dazu beitragen, die bestehende Krise zu überwinden. Das Ausscheiden Jabotinskys gibt aber auch Veranlassung zu einer neuen Ucherpritfung unserer; Lage. Freilich dürfte die Lösung, die Jabotinsky . zur Erklärung der Situation gefunden zu haben glaubt, in der gesamten Organisation als falsch empfunden , werden. Wer in der praktischen Arbeit der zionistischen; Bewegung steht, wer insbesondere die Keren Hnjessodj Aktion kennt, der weiß, welche geringe Rolle beute die politischen Fragen sowohl bei den Sammlungen als auch ,: ki den Spendern spielen, der weiß, daß trotz aller un- Ri'msligeu Einzcinaclirichten, die veröffentlicht werden und die der Aufmerksamkeit der zionistischen Welt natürlich nicht entgehen, doch seit der Balfour-Eiklärung und der Beseitigung des Mandats, unsere politische Lage als weit stabiler’ und günstiger empfunden wird als jemals; in einer früheren Periode. Aber es genügt nicht,! Jabctinskvs Auffassungen für falsch zu halten. Es fragt sich, woran man die wirklichen Gründe für &n bestehenden Zustand erkennen will. Wir glauben, : ■ daß darüber 11m so mehr Klarheit notwendig ist, als die; gesamte WcKkougrcübcwcgung mir dann mit Aussicht; auf Erfolg geführt werden kann, wenn die Zionistische : , Organisation über ihre Lage und ihre Möglichkeiten orien- * fiert ist, um daraus zu folgern, was sie sich von der Mitwirkung anderer Kreise zu versprechen hat.; . Die gcgcnwärlige Lage in Mittel- und Osteuropa i ist ganz anders zu bewerten als in den englisch sprechen- * den Ländern mit hoher Valuta. Wenn in Zentralenropa; Leute eine Unzufriedenheit in zionistischen Kreisen be- ' steht, wenn die Arbeit vielfach nicht mit dem Schwung «nd mit der Hingebung erfolgt, die gefordert werden muß : (wobei immer noch das; was geleistet wird, gar nicht gering angeschlagen werden darf), so dürfte der Grund vor allem in der Tatsache zi suchen sein, daß der katastrophalc wirtschaftliche Zusammenbruch für den Zlonis-; 3ו11ת die verhängnisvollsten Konsequenzen gehabt hat. } Die Tatsache, daß man heute in Deutschland, in ן Oesterreich, in Polen ein reicher Mann sein muß, um; «ine Zwischendccksfahrt nach Palästina zu bezahlen, die * Tatsache, daß die Hinüberschaffung von ein paar Chaludm nur mit besonderen Anstrengungen von der Orgnnii sation ־ ׳'•'‘Irrtet werden kann, ■die Schwierigkeit selbst i! eines i 1 B.i.’.Lhen Verhältnissen lebenden Mannes, nach Palästina; öl fahret! ttrid clcli idbsl dnö Voisfclfurig vom Lande zu bilden, muß seelisch auf die Situation des mitteluiul osteuropäischen Zionisten wirken, zumal dieser Zustand nun seit Jahren anliült lind Voraussichtlieh nocli lange atihalten wird. Dazu kommt das Gefühl, daß die Kräfte durch Ursachen gelähmt sind, die außerhalb unserer eigenen Möglichkeiten liegen. Der vorwörtliche Gedanke! Was helfen uns alle unsere Ocldopfer, was nützt uns der Maasser, wo wir bei jeder Bcrecimung fcstsiellcn können, daß das, was wir aufbringen, im Verhältnis zur Höhe unseres Palästinabudgets sehr geringwertig ist, liegt nahe. Wir glauben, daß diese psychischen Momente in Mittel-mul Osteuropa eine große Rolle spielen, wie man überhaupt nicht vergessen darf, daß die Stimmung und die Frische, in der der Einzelne arbeitet, nicht nur durch zionistische Momente bestimmt wird, sondern auch durch allgemeine, und daß man in einer Atmosphäre schwersten wirtschaftlichen Kampfes und ständiger Geldentwertung nicht mit dem freien Kopf arbeiten kann, der der Sache dienlich ist. Dennoch glauben wir, daß diese Verhältnisse, die zu ändern nicht in unserer Macht steht, zwar die Arbeit gelegentlich beeinträchtigen, aber sic doch nicht ernstlich geschädigt haben. J Und wenn itn allgemeinen auf den Außenstehenden die zionistische Arbeit in diesen Ländern einen guten Eindruck macht, so ist das zum großen Teil eine Folge der Tatsache, daß cs in diesen Lindern eine wirkliche Zionistische Organisation und einen wirklichen Zionisnms gibt. Dieser Zionismus war bisher imstande, trotz äußerer und innerer Hemmnisse erfolgreich zu arbeiten und aus jeder Krise neu gestärkt hervorzugehen. Wie aber liegt cs in denjenigen Ländern, die wegen ihrer valutarischcn Verhältnisse heute von besonderer Wichtigkeif für unsere Arbeit geworden sind? Wir glauben nach unseren Informationen und nach der Presse, daß auch dort die politischen Momente von ganz untergeordneter Bedeutung sind. Das Schwierige der Situation ist dort in der Tatsache zu suchen, daß wir, um unser Werk in Palästina aufrecht zu erhalten, gezwungen sind, jetzt und sofort Geld aufzuhringcij und durch diese' Notwendigkeit der sofortigen Gelclnufbringung gehindert werden, das zu tun, was von einem größeren Gesichtspnnkt aus gesehen das wichtigste wäre: zionistische Erziolumgsarbeit zu leisten. Wir wissen, daß das Maasscrprinzip heute in der Praxis für Amerika und andere englisch sprechenden Linder kaum gilt. Der Keren Hajcssod ist dort zu einem Sammcifoncls geworden, der mit allen möglichen Mitteln Geld aufznbringen suciit. Wir verstehen die Zwangslage, in der man zu diesen Mitteln greifen muß, um in Palästina wenigstens das Notdürftigste zahlen zu können. Aber wir glauben nicht, daß man eher weiterkommen wird, als bis man in cin^m ganz anderen Maße als bisher auch in diesen Lindem an eine wirkliche zionistische Arbeit herangegangen ist. Die Schaffung einer zionistischen Organisation von unten, d. 11. von einer Jugendbewegung anfangend, die wirkliche Erziehung eines Kerns von Zionisten zu nationalen, sich verantwortlieh fühlenden Mitarbeitern, die Propagierung des Keren Hajcssod mit dem Maasscr als einem Erziehungsmittel wird wahrscheinlich in diesen Lindern allein der Weg sein können, der aus der Krise hcrausführt. Es ist äußerst gefährlich, daß heute vielfach die Weltkengreßparoie dahin verstanden wird, daß es uns auf diesem Wege gelingen soll, sofort die großen Mittel für Palästina aufzubringxm. Die entscheidende Bedeutung des Weltkongresses ist in der Tatsache zu suchen, daß ein solcher Kongreß der Welt zu zeigen vermag, daß das gesamte jüdische Volk, und nicht nur die Zionistische Organisation, Palästina aufbaucn will. In dieser moraiisehen Wirkung des Weltkongresses liegt seine Bedeutung. Dagegen wäre cs eine verhängnisvolle Täuschung, sofortige finanzielle Ergebnisse Zit erwarten. Auch im günstigsten Falle werden Jahre vergehen, die das1 nichtzioiiistische Judentum auf dem Wege zum Weltkongreß zur Aktion für Palästina gebracht werden kann. Jahre hindurch werden wir auf unsere eigenen Kräfte vertrauen müssen und davon überzeugt sein können, daß nur da Nicbtzionistcn für den Aufbau Palästinas zu gewinnen sind, wo sie eine impoliierende und opferwillige zionistische Organisation sehen. Sieht mau die Lage so, so ergeben sich daraus Kon- Sequenzen für die Exekutive und für die Landesverbände. Es gilt, das Selbstvertrauen und die Zuversicht der Zionisten zu starken, ihnen wieder klar zu machen, daß von ihnen und zunächst einmal nur von ihnen der Aufbau Palästinas abhängt «nd zionistische Propaganda und ziouisiischc Erziehungsarbeit zu leisten ist. Unsere Krise beruht auf der Tatsache, daß dem politischen Erfolg nicht andere Erfolge gefolgt sind. Das jüdische Volk hat bisher nicht gezeigt, daß es mit uns Palästina aufbaucn will. Darin liegt die Krise, Sie kann nur überwunden werden durch die Forderung des Zionismus, nicht durch Verstärkung unserer politischen Forderungen, sondern derjenigen Forderungen, die ■wir an den Einzelnen zu stellen haben, an seine Opfcrwilligkeit und an die Leidenschaft, mit der er andere Menschen für die Idee zu gcwannen vermag. '■ ■' ■ ,Wehn &> In 'der nächsten Zelt die Bedeutung der Zionistischen Organisation für uns eine immer größere sein wird, so liegt darin zugleich das schärfste Urteil über Jabotinsky begründet. Wer die Debatte über die Resolutionen im Actions-Comite gelesen hat, der wird mit Erstaunen empfunden haben, daß es sich dabei viel weniger um den Unterschied in der politischen Auf■« fassung, als vielmehr um Fragen der Disziplin und der Einordnung gehandelt hat. Jabotinsky selbst hat durch sein Verhalten die gegen ihn erhobenen Vorwürfe mangelnder Disziplin in schlagendster Weise gerechtfertigt. Für ihn existiert, wie er ja selbst erklärt hat, nur das Orakel in «;einer eigenen üntsi, demgegenüber offenbar die Treuepflicht gegenüber der Organisation, die Unter- Ordnung unter ihre Beschlüsse nicht in Betracht kommen kann, Die einmütige Ablehnung, die Jabotinsky finden dürfte, wird vielleicht dazu beitragen, das Oefühl für die Zionistische Organisation und für ihre nusschlaggebende Bedeutung in unseren Reihen wieder zu stärken. Mehr als je müssen wir in ihr das vornehmste Instrument des! Palästinaaufbaucs erkennen. F,L< Rumänien Energisches Einschreiten gegen die antisemitische Studentenschaft Abermalige Schließung der Hochschulen. Bukarest. (J.C.B.) Der Ausschuß der ruminlsehen Universitäten hat beschlossen, 319 Antwort auf die erneuten antisemitischen Ausschreitungen der rumänisehen Studenten alle Fakultäten der rumänischen Hoch־׳ schulen und Universitäten sowie die Studentenheime auf cinjahrzuschlicßen. Die Abhaltung der laufenden Prüfungen wird bis 1924 unterbrochen,! 3 Aufhebung studentischer Privilegien Bukarest. (J.C.B.) Der Minister für Volksbildung hat alle den Hochschulstudenten auf den Eisenbahnen, Straßen׳• bahnen und in den Theatern gewährten Privilegien zurück■ gezogen. Das Organ der Studcntchvcrciniguug ״Cuventul* ist verboten worden. , ' , Gerichtliche Verfolgung der Urheber Bukarest. (J.C.B.) Der Oberstaatsanwalt Petresdu hat ein gerichtliches Verfahren gegen sechs Studenten aus Professor Cuzas• nächster Umgebung cingeleitet, denen eine direkte Beteiligung an den Ausschreitungen nacligewicsen wurde. Ferner wurde ein gerichtliches Verfahren gegen vier Studenten wegen Anstiftung zu Unruhen cingeleitet. Die drei jüdischen Studenten, die deswegen verhaftet wurden, weil sie die jüdischen Kaufleute aufgefordert haben, zum Zeichen des Protestes gegen die Ausschreitungen, ihre Geschäfte zu schließen, sind aus der Haft entlassen worden, Ein Ministerrat Bukarest. (J.C.B.) Einer der Studenfenfrage ge• widmeten besonderen Sitzung des Ministerrates, der alle MF nister, auch der Polizeipräsident, der kommandierende Gcncral der Bukarester Streitkräfte und zwei Hauptstaatsanwälte beiwohnten, faßte den Beschluß, für den Fall der Fortdauer der Unruhen die geistigen Leiter der Bewegung zu verhaften und ein Strafverfahren gegen sie cinzuleitcn. Den bedeutend verstärkten Polizeiposten in der Nähe der Hochsdmlcn wurde die Instruktion erteilt, jede antisemitische Aus* sdireitung oder Demonstration im Keime zu unterdrücken, Verhaftung der Führer Bukarest. (J.C.B.) Am 4. Januar wurde eine Reihe Studcntcnfülirer verhaftet, darunter der Präsident der Studcntcnvcrcinigung an der juristischen Fakultät. Erst ani 9. Februar wird die Staatsanwaltschaft über ihre eventuelle Freilassung entscheiden. * Dies« Nachrichten lassen erkennen, daß die rumänische Regierung sich ernstlich bemüht, den Unruhen ein Ende zu machen. ,! ,! Um den namerus clausus Bukarest (J. C ß.). Eine Konferenz der Rektoren Um! Dekane aller Universitäten und Hodisdutlen Rumäniens fand in den letzten Tagen unter dem Vorsitz des Unterrichtsministers Anghelcscu statt. Die Konferenz betonte die Notwendigkeit einer raschen Lösung der immexus dausns-Fragc, damit an den rumänischen Universitäten die Ruhe cuikehxt und der normale Betrieb aufrcchtcrha'.lcn werden kann. Aus den Debatten ging hervor, daß mehrere Konferenzteilnehmer entschieden« Anhänger des numerui cla,usu« gegenüber der jüdischen Studentenschaft sind. Der ntinierus cktistis in Ungarn Budapest. (J.C.B.)' In der Sitzung der Nationalvcr- Sammlung vom Sonnabend, den 27. Januar, wurde ein Antrag, den numenm clausus, der die Zulassung der Juden zu den Hochschulen und Acmtern nach einer sehr niedrig bemessenen Höchstzahl festsetzt, abzuschaffen, mit 83 gegen 38 Stimmen abgclehnt. Für den Antrag stimmten nur die Sozialdemokraten, die liberale Opposition und einig« Par. teilose. Dagegen stimmten alle Minister und der antisemitische Teil der Regierungspartei! 130 Abgeordnete fehlten,, die :־i ■'s \ er der AbiLmuu.ig Ü die Wmutctgängc zm äck ׳ .'g: n ׳ ' •־ ' r >״ 1׳ K ו¬ ו ר I* )'י M' U< jl :11 V c! ur ”4' u w u ir e 'ei u U; ול u1 u *ir: n: M ׳r ■־d ,j! ׳Li* r >a ,A ■e .r r, u ־:u 1t •ic a ’>< :h V ,ii :1c k: :ti 31?1 ilc| I ,p ei fl V .ei d. d % 'B B ti ג: w dl: :V;1: :6! I* ,61 2 I י ו

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