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Jüdische Rundschau · 1923-01-16 · Heft 5 (16.1.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 5 (16.1.1923)
Date
1923-01-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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sir ז־ liier Zur liberalen Jugendtagung haben in letzter Zeit wiederholt Gelegenheit gedie Entwicklung innerhalb des jüdischen Libcralis• verfolgen, und manchmal geglaubt, Erscheinungen ‘"ificlinicn zu können, daß auch in diesen Kreisen eui ' '!'•'<cs Wachstum des jüdischen Interesses, eine gewisse i ,'icfiing jüdischer Inhalte zu verspüren sei. Die Breslauer - •u׳H' der Jüdisch-Liberalen Jugendvereine, die jetzt statthat, bestätigt diese Eindrücke doch nur zum Teil. : ,ן,! i>t iiiiverkcnnbar, daß sich in den Kreisen der jüdisch- Ien Jugend eine ernsthaite Beschäftigung mit religiösen I "״rn bemerkbar macht. Man benutzt dort den Prophctisinus; r'jjj mt.|1r allein dazu, unr aus ihm die Ablehnung des! ‘ analen Judentums her.mslescn zu wollen, sondern man ' ',»eilt wieder ein Verhältnis zu den letzten und höchsten zu gewinnen. Derartige ernsthafte Bemühungen sind , '> der Breslauer Jsigendtagrmg in Referaten und in ein- ‘ *■*li-ei» Diskussionsreden zum Ausdruck gekommen. 1 Es kann I־, •lieiclit auch mit Freuden begrüßt werden, daß der Gedanke ,1 etv.uidcn ist und in Form einer Resolution seinen! \ ,Cieisclilag gdumlcn hat, daß man eine F ü h 1 tr n g n a 11 m e ': jais'c h ־ H b e r a le r Kreise Deutschlands mit i '|(üSC|1.liberalen Kreisen anderer Länder ij rdert, wobei wohl insbesondere an die Reformbewc- 1,ng in Amerika gedacht wird. Diese Forderung ist :.*U ein neuer Beweis für die auch bet den Liberalen nicht fv ׳4״ erstorbenen instinktiv-nationalen Gefühle, die wir auch!ן; der Form begrüßen, wie sie liier zum Ausdruck gekommen I1 'd׳ ן■ Aber es wäre falsch, derartige Erscheinungen zu überfj h ii/iti• Gerade von führenden Männern der jüdisch-liberalen fl wnJbewegung sind auf dieser Tagung Gedanken vor- י eten und Aeußerungcn getan worden, die nach wie vor {ne völlige Fremdheit gegenüber dem jüdischen Problem ,■) (!eilten. Man muß als ein trauriges Ergebnis dieser Tagung fc,tieren, daß die Forderung der S o n 111 3 gs go t te siijicnstcs, die wirklich als tot und überwunden angesehen erden sollte, mit neuer Kraft erwacht ist und daß man mit j<r1m naiven Rationalismus erklärt hat (Dr. Spitz-Breslau): [1,1 der Sabbath kein Ruhetag sei, da er uns au wahrer |n>mm1gkeit hindert, so müssen wir ihn über Bord werfen, *j ’ t! t a 11 f am Sonntag ei i e S y ״ a g o g c n für alle, dic hinein wollen.“ Diese Ausführungen wurden auch j B. von Robert H i rs c tr f e ld - Berlin mit dem Hinweis ־!״ <:;c angeblichen guten Erfahrungen, die man üi Amerika i; dem Sountagsgottcsdicnst gemacht habe, unterstützt. Eben dieser Frage des Sonntagsgottesdienstes, die bisher noch keiner Entscheidung gelangt ist, wird man vielleicht , ießiidi das Sclubboietli sehen, an dem man die Entwicklung l.ibcraiismus messen kann. Wenn man. aus Gründen r '.:,:,,:viniiclikcit, aus Gründen der Anpassung an die Eiiavtli «Jen Sabbath zugunsten des Sonntags aufgibt, so II man, daß man keine verpflichtende Bindung, sei cs וד,ו dem lebendigen jüdischen Volke, sei cs mit der jüdischen rviiigenheit anerkennt u,1׳d deshalb auch keine jüdische "י nnit gemeinsam herbeizuführen helfen kann. Dieser Eindruck wird verstärkt, wenn man beobachtet, •1c wic geringe Rolle überhaupt das aktuelle Leben der icn Gegenwart und die Nöte des jüdischen Volkes!-•;dt haben. Herr Robert Hirschfeld hat es sielt freilich :ät nehmen lassen, einige Ausfälle gegen den Keren ajessod vor/ubringen und hat behauptet, daß die Keren rjcssod-Frage zu einer Schande für das Judentum ge- 1tden sei. Wir kennen diese Aeußerungcn nur unter- ׳eichen, freilich im anderen Sinne, als Herr Hirschfeid sie meint hat. Man gewinnt ׳auch nicht gerade an Vertrauen 1 einer ,,Jugendbewegung“, in der F 11 c h s - Breslau es Iwgen des Antisemitismus“ für gefährlich hält ״als Verein für die F riedensbewegung einzutreten“. Würde!ja Zionist eine derartige Acußcriing bekämpfen, so würde Pin entrüstet es als ein Produkt einer ausschweifenden P »Intasie arischen, daß Juden sich erniedrigen könnten, deriniges zu denken oder gar auszuspreclien. Bei seinen Kämeden scheinen die Ausführungen von Fuchs keinerlei der- 1i(,fe11 Eindruck gemacht zu haben. Im ganzen werden 5■ז als Zionisten die Verpflichtung haben, diese Entwicklung Her zu verfolgen, immer von dem Optimismus getragen, 8 jede ernste Beschäftigung mit jüdischen Fragen von 1 •; zu begrüßen ist, aber doch mit dem Gefühl, daß vieles, * ■zuvicles im jüdischen Liberalismus noch von jener Art >» bei der Liberalismus nur ein besseres Wort für Assi- •'־■lation Ist , 1,Deut sch-jüdisch e Kolo 11 isation sarbci t“ ־מיי dieser vielversprechenden Ucbersdirift veröffentlicht die' -״Wsch-Libcrale Zeitung“ die Tatsache, daß Dr. Stern als ,■'•׳roter der Berliner!irdischen Gemeinde i!» die Ica entsandt ״'Icn ist. Wir sind nicht bescheiden genug, darin ein.; deutscher luden für die Kolonisation Palästinas zu v׳»cken. Der sächsische Erlaß Wie der J. C. B.-Vertreter aus maßgebender Quelle erfährt, '"",•חי in der letzten Zeit Verhandlungen zwischen R ei cli s re g i er« n g und der sächsischen Da tsre gier trug über die bekannten Erlasse des "״W'Clien Kultusministers Meißner gegen die Sdiuibefreiung ״, den religiösen Feiertagen, besonders auch an den hohen I 1׳,dun Feiertagen, statt. Die Reidisrcgienmg vertrat bei;^.Verhandlungen den Standpunkt, daß diese Erlas»? ״Widerspruch zu dem A• tikcl 135 der Reichs- ,/Fassung stehen, der die Frei!reit der religiösen j •wiigcn garantiert. Die Verhandlungen führten zu dem j "1“lat, daß die sächsische Regierung in der 5'■1Plsaclre dem Standpunkt der Reich sregiebei p fl i cir t e tc. Der Kultusminister wirr! dieser "':tf mit den kirchlichen Behörden in Fühlung freien, um eine ׳jHrcrtmg der Erlas» im Sinne des Artikels EJ5 der Reichs-; 1״svung vorzujiehmon, V^ic in Regicrungskreisen verlautet, 'demnächst, um Differenzen zwischen Reichsregierutig und '[ Circgicnmg über die gesctzlidrc Behandlung der religiösen ״ r|;1J!e in Zukunft ausziisdrlieiSen, die staatliche Anerkennung ,!cr Reihe hoher kirchlicher Feiertage, wie Weihnachten, ״׳ine,fahrt, von Reichs wegen geregelt werden. Inwieweit jt« Regelung auf die gesetzliche Behandlung der holten ‘‘S| cn Feiertage Bezug nehmen wird, soll noch Gegen- 14 von Erwägungen sein. JUEDISCHH RUUDSCHAU -- Für die jödisclic Schule Öcffcntliche Versammlung des Jüdischen Schul v creins. Der Jüdische Scltulvercin veranstaltete am Donnerstag, den 11. Januar, in der Aula des Lyzeums Greifswaldcr Str. 21/25, eine öffentliche Kundgebung für den Gedanken der jüdischen Schule. Der jüdische Scltulvercin unterhält bekaiinilich in Berlin zwei jüdische Grundschulen, eine in der Fasanenstraße und eine in der Rykcstraße, die sich beide in befriedigender Weise entwickeln und im Laufe dieses Jahres je eine neue Klasse eröffnen werden. Die Versammlung war von etwa!00 Personen besucht, worunter viele'Eltern der Schüler und Schülerinnen der Grundschule waren. Nach einigen einleitenden Worten von Herrn Dr. Stcincrt sprach zunächst Studienrat Dr. Paul Michaelis, der Leiter der Grundschule Rykcstraße, und gab eine historische Darstellung von der Rolle, die die Schule im Leben des jüdischen Volkes gespielt hat. Nach ihm ergriff das Wort Herr Rabbiner Dr. Lcwcnthal, dessen mit großem Interesse angchörtcn Ausführungen Forderungen an eine jüdische Schule enthielten. Das Wesen einer jüdischen Schule dürfe nicht nur darin gesucht werden, daß Lehrer und Kinder Juden seien und jüdische Fächer unterrichtet würden, sondern cs müsse ein Hauch jüdischen Lebens durch die Schule geben und alle Gegenstände des Unterrichts erfüllen. Ais dritter Redner sprach Herr Dr. Fritz Löwenstein, der besonders die Aufgabe der Charakterbildung in der Schule betonte. In der nachfolgenden Diskussion kamen u. a. verschiedene Eltern zu Worte, die ihrer Befriedigung über die Schulen des Jii* d!sehen Schufvcreins Ausdruck gaben und besonders betonten, daß die überraschend großen hebräischen Kenntnisse der Kinder dennoch in keiner Weise ihre Ausbildung in profanen Fächern beeinträchtigten. Die Versammlung war eine wirkungsvolle Demonstration für *den Gedanken der jüdischen Schule, es war nur zu bedauern, daß sie verhältnismäßig so schlecht besucht war. Tagung des Jungjüdisclien Wanderbandes In den Weihnachtstagen fand in Frankenberg eine Sitzung des Jungjüdischen Wanderbundes statt, wo nach lebhaften Diskussionen eine Reihe von grundlegenden Beschlüssen gefaßt wurden. Diese Beschlüsse zeigen, daß sich itn Jungjüdischen Wanderbund in Jen letzten Jahren eine begrüße»«- werte Entwicklung vollzogen hat, die zu einer immer stärkeren Betonung des nationalen Gedankens und der Verpflichtung gegenüber dem Aufbau von Palästina geführt hat. Wir lassen nachstehend den Wortlaut der beiden wichtigsten Beschlüsse folgen: 1״. Der J. J. W. B. bekennt sich zur jOdischen Volksgemein• sehaft. Dieser Wille zur jüdischen Volksgemeinschaft schließt in sich das Bekenntnis zur jüdischen Geschichte und den Glauben an eine jüdische Zukunft. Als die wichtigsten Aufgaben erachten wir: die aktive und unterstützende Mitarbeit au der Schaffung eines jüdischen Kulturzentrums in Palästina und die Arbeit im Galuth im Sinne der jüdischen Volksgemeinschaft. Wir überlassen es unseren Menschen, ihren Platz da auszuiiillc.n, wo sie glauben, der jüdischen Volksgemeinschaft am besten dienen zu können. So fassen wir die Erziehung im Bunde auf, die auf individueller Grund- Jage beruhen soll. 2. Der j. J. W. B. betrachtet den Maasscr in erster Linie als ein Erziehungsmittel zum wahren Gcmcinschaftsgciste. Er verlangt von allen im Bunde, daß sie der Maasserpilieht mit allen Kräften genügen. Wer sich der Maasscrpfiicht entzieht, stellt sich dadurch außerhalb des Bundes. Das durch den Maasser aufgebrachte Geld dient hauptsächlich der, gegen-' oeitigen Hilfe. Darüber hinaus soll cs für solche Zwecke verwandt werden, die im Sinne der jüdischen Volksgcmein• Schaft sind.“ Ein weiterer Beschluß bezieht sich auf da9 Recht zum Tragen der Nadel. Wie wir erfahren, haben sich nach dieser Tagung Spaltungstcndcnzen im Jungjüdischen Wanderbund geltend gemacht. Der Entwurf der Berliner Ortsgruppe des J. J.W. B. zu den Fra n k en borg er Beschlüssen hatte, wie folgt, gelautet: 5)״er J. J. w. B, bekennt sich zur unlöslichen Einheit von Judentum und Judcnheit, d. h. iür jedes Mitglied kt es unmöglich, •die geschichtlich bedingte Verbundenheit dieser beiden Faktoren zu leugnen und sich einseitig fcsizuicgen, sei es national, sei cs religiös. Als jüdischer Bund ist seine Aufgabe die Erhaltung und Vertiefung der jüdischen Religion. Das Jüdisch-Religiöse soll dem j. J.W. B. nicht bloß Gefühl oder philosophisches System sein, sondern nach dessen Erkenntnis zur Tat werden. Ferner betrachtet der J. J.W. B, den durch seine Abshmmung und geschichtliche Entwicklung gewordenen jüdischen Menschen als ein wertvolles, in seiner Eigenart zu erhaltendes Mitglied der Menschheit. Unsere Arbeit nach innen muß darauf gerichtet sein, durdi •möglichst tiefes Eindringen in die Bibel, die jüdische Geschichte und Literatur das Wesen des Judentums kennen zu lernen. Für die Arbeit nach außen erkennen wir zwei Betütfgungs• feldcr als gleichberechtigt an, nämlich die Weiterarbeit au der Erhaltung und Förderung des deutschen Judentums und die Arbeit am Aufbau eines jüdischen Palästina. Wir überlassen es aber jedem einzelnen, seinen Platz da auszufüllen, wo er glaubt, der Erhaltung der jüdischen Gemeinschaft am besten dienen zu können. Als ein Bund junger Menschen betrachtet sich der J. J. W. B. als Glied der allgemeinen Jugendbewegung und fordert von seinen Mitgliedern aus Verantwortungsgefühl gegen die jüdische und die menschliche Gemeinschaft, daß sie die bewährten Grundsätze der persönlichen und sozialen Lebensonteucruttg in die Tat umzusetzen.“ Die Bialik-Feier und die Berliner Gemeinde Wir haben seinerzeit unserem Erstaunen darüber Ausdruck gegelien, daß cs der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde abgelehnt hat, sich an dar Beglückwünschung Bialiks _u seinem 50. Geburtstag zu beledigen. Das ״!Limburger Israelitische Familien!»,1:t“ fühlt sielt bewogen, die Berliner Gemeinde gegen diese Angriffe in Schulz zu nehmen, indem sic ausführt, «laß es Aufgabe der Gemeinde sei, bei allen Kundgehungert j -rinlichsic Vorsicht zu beobachten, und daß de Gemein,!0 derartige Glückwünsche ״ganz alkin für sich" zu besorgen haiv. Wir mötiilcn dazu nur bemerken, daß wir nicht nur nichts dagcgc.r gehabt, s indem es sogar mit Freuden begrüßt hätten, wenn die Berliner Jüdische Gemeinde nicht erst auf die Atme ״!mg von an;form Km'«׳cn gewartet hätte, um einem Manne wie Bialik ihre Gluck•,v.'iuschc auszuspridiSii, glauben alter, daß es der Würde der (T.-nfln-da besser entsprachen hätte, nacCiJcm sic mul einmal diesen Gedanken nicht allein gehabt hatte, s.ci1 den Glückwünschen anderer Organisationen anzusdilicßcn (vgl, den folgenden Bericht). «dfe 23 Aus der Berliner Jüdischen Gemeinde Von unserem Berichterstatter. Ke Beamten der jüdischen Gemeinde haben ihre Liste zu den Wahlen kurz vor Ablauf des Termins zurückgezogen, so daß ein Wahlkampf entfällt. Die Verhandlungen mit den Beamten über die üesoh)un;;snrdnung haben zu keinem Ergebnis geführt Die Beuoldungsortiiiimg ist daher von den Gemeindebehörden ohne Zustimmung der Beamten festgesetzt worden Es wurden im einzelnen, in-.ivesomlere in den höheren Gruppen, sehr erhebliche Ab.tridie vorgenontmeu. Die Ablehnung der Miluatcrzeidmuttg des Glückwunschfclcgramms an Bialik ist von den Vertrete™ der jüdischem Volk spart ci zur Sprache gebracht worden. Es hat sich dabei 1 ergclvcik daß, wenn es möglich gewesen wäre, noch rechtj zeitig eine ordnungsgemäße Beratung des Antrages herbeii /ufültreii, das Resultat Voraussicht!!(־!! ein ganz anderes gowesen wäre. Dadurch, daß das Komitee deii mündlichen Antrag atr den Germämlcvorrtand 90 spät gelange« ließ, daß mir ein Spielraum von 21 Stunden für die fcntsdrdduiig• blieb, war es angesichts der Unkenntnis des Geincindcvors fände ־; über die Bedeutung der Persönlichkeit Biairks nicht möglich, die einzelnen Mitglieder des Vorstände* en Sprechend zu informieren. Die Entscheidung ist ledig,lieh durch Befragung der erreichbaren Mitglieder erfolgt. Der Vorstand beabsichtigt, den von ihm begangenen Fehler durch einen Artikel über Bialik, der demnächst im Oemcindeblatt erscheinen soll, wicdergtttzumachen. (Aus diesem Bericht geht hervor, daß unsere Vermutung richtig war. Man wußte im Berliner jüdischen Gemeindo- Vorstand nicht, wer Bialik ist. Jedenfalls nehmen war mit Genugtuung zur Kenntnis, daß dk Gemeinde den Vorstoß reparieren will. Red. ״J.R.“) Prcsscschaa Der Artikel von j. Hobrecht in der ״Kölnischen Zeitung“ gegen die Ostjuden, der auch in den ״Mitteilungen <jcs Verbände» der Nationaidcutschcn Juden“ erschienen ist, ist in einer Reihe von deutschen Zeitungen abgedruckt worden, che sieh natürlich mit Wonne auf derartige judenfeindlichc Aeußerungcn von jüdischer Seite gestürzt haben. Es ist jedoch zu beachten, daß sich auch nichtantisemitische Zeitungen durch diese Artikel haben beeinflussen lassen, wie denn z. B. die ״M arkische Volksstimm c“, eine sozialdemokratische Zeitung, gestützt auf diesen Artikel, sich heftig gegen die Ostjuden wendet. Augenscheinlich sind diese Organe nicht darüber informiert, wer Naumann und seine Freunde sind und daß ihr Verhalten als ״Juden“ nicht als ein Beweis großer Objektivität oder gar als patriotisch anzusprechen ist, sondern als eine Folge des Renegatentums dieser natioiiakicutschen Juden und als Vor- Spanndienst für antisemitisch-reaktionäre Kreise. ln der jüdischen Presse hat der Hobrechtsche Artikel überall mehr oder weniger scharfe Ablehnung gefunden. Wir wollen nur auf die Ausführungen hinweiseti, die Eugen Caspary darüber gemacht hat, bekanntlich einer der verdienstvollsten Männer in der jüdischen Wohlfahrtspflege Berlins. Caspary schreibt im ״Hamburger Israelitischen Familienblatt“vom 11. Januar u. a. folgendes: ״Schutz aber halsen wir auch vor den Oeschmackiosig. ketten eines Hobrecht zu suchen, wenn dieser durch eine anscheinend bestellte Arbeit unser deutsches Judentum in seinen eddsten Zügen hcrabwürdigt. Unserem Wohltun setzt er die Verhöhnung der Not entgegen. Für Menschen- und Bruderliebe findet er gehässige Spitzfindigkeiten. Die Eintraclit unter Menschen und Brüdern ist ihm ein .־hörendes Element. In seinem fanatischen Wüten, Kleines und Großes nicht auszulassen, um deutsche Juden und deutsches Judentum herabzusetzen, hat der edle Hobrecht gewagt, Organisationen anzugreifen und zu schmähen, die von edelstem ' Wollen erfüllt sind, geradezu Unmögliches leisten, um mustergültige Verhältnisse zu schaffen. Im Dienste sozialer Fürsorge, im Hinblick auf die Notwendigkeit einheitlicher, System,atiscltcr und organischer Grundsätze für die Behandlung der Ausländerfragen in wirtschaftlicher und moralischer Be- Ziehung. Herr Hobrecht — völlige Ahnungslosigkeit oder böseste Instinkte hüllen ihn ein — geht mit dein Zionistenführer Klee ins Gericht. Er fällt über Klees Spitzenorganisation her, diese vielleicht bedeutungsvollste unter den humanitären Einrichtungen der Neuzeit. Diese und die von Herrn Hobrecht zitierten Organisationen sind uns deutschen Juden ungemein fördernd. Sic müßten geschaffen werden, wenn sie, von der Zeitennot gedrängt, nicht beständen. Mögen die Naum.inner und Genossen, wenn sie Verminftsgründen zugänglich sind, sich mit unseren Organisationen zu gemeinsamer organisatorischer und sozialer Arbeit zusammcnsdiiießen, möge eine jüdische Notgemeinschaft der gesamten Welt der jüdischen Not in Deutschland gerecht werden.“ Achtung Zionisten I Folgende Bezirksvcrsammiungen finden zunächst Im Westen statt: Gruppe West: Mittwoch, den 17. Januar, abends 8•/« Uhr, im Humbscrbräu, Taucntzienstr. Referent: Herr Dr. L ö w c n s t e i n. Gruppe Nord west: Donnerstag, den 18. Januar, abends 81/a Uhr, Brücken,־tUce 20, Restaurant Franke. Referent: I ierr Dr. T 11 e i 1 It a b e r. Gruppe Charlottcnburg: Dienstag, den 23. Januar, abends 82/י Uhr, im Sitzungssaal, Synagoge Fasanensir. Referent: Herr Dr. Moritz B i 1 c s k i. Gruppe West: Mittwoch, den 2*1. Januar, abends 8'/« Uhr (Ort wird noch bekannt gegeben). Referent: Herr Dr. Löwenstein. (Gegend Bayr. Platz) Gruppe Nordwest: Mittwoch, dett 31. Januar, abends 8'/» Uhr, im Restaurant Franke, Brückcnallee 20. Referent: Herr Dr. Max Strauß. Diese Veranstaltungen sind von ganz besonderer Wichtigkeit. Sic steilen seit längerer Zeit den ersten organisatoricrlien Versuch dar, systematisch Propaganda unter deutschen Juden zu treiben. Vom Erfolg dieser ersten Ver- ׳ Sammlungen wird das Urteil über die Brauchbarkeit der Methode und zum guten Teil der Erfolg alicr folgenden Veranstaltungen abhangen. Zionisten de» Westens! Tut eure Pflicht, erscheint In Scharen, bringt Gäste in Massen J P״r:,ö1!i׳hr«. Am 2״>. Februar kann Herr Geheimrat; Bcrtiioü TintniJdti'cr aut ein 2'» jährige Amtszeit als ו Präsident der Den,«1׳hon Uk.nkles de» Uiiabuüftgircn Ordens < B'nc Lin'11 (U. O. B. 11) zuruckblickcu.

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