Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 5 (16.1.1923)
- Date
- 1923-01-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Twcrsky-Jafla, W. Teilt ki n an Stelle von D. Jriiin-Jcnuaicin, Rabbiner R tt - bi'nstcin für N. Ücrlin-NewYork, Dr, Rappaport litr Rabbiner Fischman-Jcrusalem, Rabbiner Brody für Hermanu Struck. Die 1 ierren Dr. W c i 1 m a n n, Dr. H a 1 p e r n und Jabotiusky trafen erst um 1 Uhr abends ein. Der Präsident des A. C., Dr. Cltajcs, eröffnet die Sitzung׳ mit einer kurzen hebriiselten fkgri'iihmg und widmet sodann einige Worte des Gedenkeas den Verstorbenen Eliescr Ben Jehuda, sowie dein Mitgliede •des F.- und W.- Rates Peter Schweitzer, die die Versammlung stehend anliört. An die Familien der Verstorbenen wird das Prä- .kliutu des A. C. Kondolcnzsclireibeii richten. Da Dr. Weiz!nan!1 erst zu einer späteren Stunde cintrifft, wird eine Umstellung der vorliegenden Tagesordnung vor• genommen und zunächst •der Punkt ״Bcst-hlunfassung über den Ort und die Zeit'des nächsten Kongresses1■‘ verhandelt. Herr Lichthcim berichtet, daß die Exekutive in Amerika angeiragt hat, zu welchem ftiilreslen Termin die Amerikaner au einem Kongreß •teil nehmen könnte״. Die Antwort wird noch während der A. C,-Sitzung erwartet. Ikzuglich der Wahl des Ortes ha* die Exekutive keine feste Meinung, da diese Frage vorwiegend nach Zwcckinäfiigkeitsgründen zu entscheiden ist. Der Referent zitiert kurz die Argumente, die für die einzelnen Vorschüße angeführt werden. 111 der folgenden Debatte werden vor allem die Vorschläge Basel, Wien und Danzig erörtert. Schließlich werde 11 die hehlen Vizepräsidenten des A.C., Dr. Hantke und Stricker, •.'iv.adau,^, die ciuzchicit Voisiiilügc zu |»ritie־t1 unu im Einvernehmen mit der Exekutive den ,Ort definitiv fcstzusctzen. Bezüglich der Zeit des Kongresses wird bestimmt, daß der Kongreß jedenfalls nicht später als am 15. August enden soll, damit die Arbeit der lierbstsai-son nicht wieder gestört wird. Als nächster Punkt der Tagesordnung folgt die Beratung des Wahlrcglcmcnts für die Kongreßwahl, wofür die Exekutive einen Entwurf vorgelegt hat. Nach kurzer Debatte wird eine Komm is sion , bestellend aus den Herren Dr. Hantke, Dr. Bartl! und Dr. Ä. Kätrnelson eingesetzt, um das Wahlreglement definitiv festzusetzen. יי׳» $ ין; ף s ».1 Dr. Weizmonns Anwesenheit in Rom Die britische Palästina-Politik unverändert London (J. C. B.). Der Staatssekretär für die Kblonien, Herzog von Devonsliie, empfing am 11. Januar ini Amtsgebäude des Kfetoclal-Ministeriunis die hier aus Lausanne eingetroffenep.a.lä sti nensischarabische Delegation. Die Unterredung daueitc eine Stunde. Der Delegation wurde Gelegenheit gegeben, ihre Ansicht voll und uneingeschränkt zum Ausdruck zu bringen. Der Herzog von Dcvonshire teilte der Delcgatipn in seiner Erwiderung mit, «Laß die Regierung den Gesamtkomplex der PaUistinafragen vollkommen venu־- teilslos in Erörterung gezogen habe; es bestehe aber keine Hoffnung, daß in der von der Reftierung im Juni-Weißbuch festgelegten Politik irgend eine Aendcrung eintreten werde. Palästina und Transjonknien Die Schweizerische Depeschen-Agentur verbreitet aus Lausanne folgende überraschende Meldung: Aus gut unterrichteter Quelle wird mitgetcilt, daß Emir Abdullah, der Sohn des K-tinigs des Hodschas ״"ü gegenwärtig Fürst von Transjordaiiicn, zum K,önig von Palästina proklamiert werden soll. Trans- Jordanien soll in diesem Falle Palästina angeschlossen werden. Der neue König werde dem Projekt Eord Balfours, betreffend •den Zionismus, bei Ire tcn, es aber so auslegen, daß es den Forderu»ge11 der Araber gerecht •werde. Diese Nachricht ist bisher durch nichts bestätigt. ■Abdullah besuchte unlängst Jerusalem, und aus diesem Anlaß schrieb der anscheinend iitformierte Ittamar Ben* Awi im ״Doar Hajom“ einen Leitartikel, in dem er auf Ge große Bedeutung dieses Ereignisses hinweist, jedoch betont, daß Palästina und Transjorditiien getrennte politische Einheiten sind, was durch den Besuch des Emirs bestätigt sei. Die Nachricht ist in flirer vorliegenden; F0*™ jedenfalls nicht sehr glaubwürdig. Hierauf wird die Frage der Einsetzung einer Revisionskommission beraten (Antrag Jean Fischer bei der Jahreskonferenz). Nach längerer Debatte wcrtlcn die Herren PodlischcwSki, Schocken, Barth und Rubase ho w als Nomiuifrungskommission eingesetzt. Nachdem Herr Dr. Weizmanu inzwischen eingeirolfert war, geht die Sitzung zur Erledigung der ursprünglich festgesetzten Tagesordnung über. Dr. Wcizmann erstattet ein Referat über die Ergebnisse seiner letzten Palasünareisc. Dabei erörtert er zunächst die Frage der Bc- Ziehungen zu den Arabern. Er schildert die Lage im Lande als ruhig lind betont, daß nicht nur in den alten Kolonien, sondern besonders auch in den neuen Siedlung*• punkten, z. H. in Nttris und Nahalal, sich ausgezeichnete nachbarliche Beziehungen hcraiisgcbildct haben. Dies muH sielt notwendig entwickeln aus der Erkenntnis der ökonomischen Solidarität der beiden Völker. Wcizmann geht dann über zu den Verhandlungen, die cf wegen einzelner Fragen mit «1er Regierung geführt hat und erklärt insbesondere, daß in «1er .Einwanderung gewisse Erleichterungen zu erwarten si 1111. Allerdings hängt die Einwanderung von unseren Ökonom i - sehen Leistungen ab, da bei einer größeren Ncuciti- Wanderung Arbeitslosigkeit eintreten müßte, wenn wir nicht für neue Arbeit sorgen. Die Chaluzim im Emck Jcsrccl leist« n geradezu Uebcrnatürlichcs, an der Leistungsfähigkeit unserer Menschen ist nicht mehr zu zweifeln, aber die Erfolge sind nicht so, wie sie sein müßten, weil die äußeren Bccilngütigen, insbesondere der Geldmangel, unerträglich sind. Welzmann betont zum Schluß, daß von mm an die Arbeit der Organisation radikal geändert werden müsse, denn cs gehe nicht an, daß die Organisation in ihrer Aufgabe versagt, wahrend die Pioniere an der Front in den größten Schwierigkeiten aushaltcn. Hierauf referierte Herr Sokolow über die politische Lage und die Verhandlungen in England. Er betont »tnäclist nachdrücklich, daß in der heutigen Situation des Zionismus die ganze politische Arbeit weniger wichtig sei als die finanzielle Arbeit. Man dürfe nicht von der Politik Sen• sationen erwarten, sondern alle Zionisten, auch die Mit• glieder der Exekutive, haben vielleicht bisher darin einen Fehler begangen, daß sic zu wenig für Aufbringung «der Geldmittel gearbeitet haben. Im Verlauf seines politischen Berichtes erwähnt Herr..Sokr!t״w die ngr■"? gegen die Üalfour-Politik während der Wahlkampagne und spricht die Ansicht aus, daß auch in Zukunft sowie bisher in Presse und Parlament Angriffe gegen uns erfolgen dürften, die 7,um Teil ihren Grund in Verhältnissen der inneren englischen Politik haben. Die gegenwärtige englische Regierung hat jedenfalls wiederholt!erklärt, zuletzt erst vor einigen Tagen gegenüber der arabischen Delegation, daß an der gegenwärtigeu Politik in Palästina nichts geändert werden soll. Herr Sokolow berichtet weiter über eine Reihe von Fragen, die mit der Konferenz in Lausanne Zusammenhängen. Die erste Sitzung wird um 9 Uhr abends geschlossen. Die Beratungen werden Montag vormittag fortgesetzt. Ein angebliches Interview mit Dr. Wcizmann Der ״Jewish Chroniclc" meldet aus Paris: Sir Alfred Mond und Wcizmann hatten eine lange wichtige Unterredung mit Baron Edtnond de Rothschild über Pa• lüsüua. Wie Wcizmann mir (dem Korrespondenten des ״Jcwish Chroniclc“) mittcilt, ist er mit der politischen Situation in Palästina zufrieden. Sir Herbert Samuel steht treu zur zionistischen Politik, und die Arbeiten des neuen politischen Vertreters der Zionistischen Organisation, Kisch, haben erfolgreich begonnen. Was die wirtschaftliche Situation anbetrifit, so wird sie schwierig bleiben, solange das Geld nicht in genügender Menge vorhanden ist. Wcizmann bc• dauerte das Versagen der Zionisten und ihren Mangel an Energie, durch den sic es verabsäumt hätten, große Summen für den Keren Hajessod zusammenzubringen. Wcizmann •selbst erhielt bei einer Veranstaltung in Mailand 2000 Pfund. Weizmann wurde in Palästina, wie er sagte, angegriffen, weil er kein Geld mitgebracht hätte. Nur die Chaluzim, die wirklichen Erbauer des Landes, hätten ihn mit Begeisterung empfangen. Was die Gerüchte von seinem Rücktritt anbetrifft, so erklärte Dr. Wcizmann, daß er diesen Entschluß der Exekutive bereits vor seiner Reise nach Palästina mitgetcilt habe. Er stehe noch heute auf diesem Standpunkt. Ursprünglich habe er nicht die Absicht gehabt, die Sitznag des Actions-Comitls in Berlin abzuwarten. Sein Rücktritt müsse erfolgen, weil er als Präsident eine größere Machtbefugnis brauche und diese nicht besitze. Er werde dem Actions-Comitd seine diesbezüglichen Vorschläge machen. Auf die Frage, wen er Im Falle seines Rücktritts als Nachfolger Vorschläge, meinte cXj daß Alfred Mond vielleicht die Aufgabe übernehmen würde, wenn man ihn dazu aufforderte. Unser Redakteur benutzte die Gelegenheit von Dr. Welzmanns Anwesenheit in Berlin, um ihn über die Richtigkeit dieser Meldung zu befragen. Herr Dr. Wcizmann war sehr erstaunt, als er von der Meldung des ״Jewish Chroniclc“ erfuhr und erklärte, daß er in Paris mit keinem Korrespondenten des genannten Blattes zusammengekommen ist. Er könne sich nicht erklären, von wem die betreffende Korrespondenz stammt, ln der Sacke selbst erklärt Dr. Wcizmann, daß er allerdings gc־ wisse Vorschläge zu machen habe, von denen er sein weiteres Verbleiben in der Exekutive abhängig «uciit. Eine bestimmte Acußcrung hierüber könnte er jedoch derzeit nicht abgeben, da diese Sache von dem Verlauf der A. Sitzung abhängen wird. Rom (J. C. B.). Ucbcr die Anwesenheit Dr. Ch. Weizinamis in Rom ist noch das folgende zu berichten: Nach der cinstüiicligcn Unterredung zwischen Dr. Weümann und den! Ministerpräsidenten Mussolini, kam Dr. Wcizmann einige Male mit dem Leiter des׳ Palästina-Departement des Auswärtigen Amtes Marchese Lorania zusammen. Mit Minister Herzog Di Gesa re und einigen anderen hohen Politikern ist Dr. Wcizmann lei einem von Abg. P hi I i p p son gegebenen Bankett 1 tisnm!11 c n ge komm en. Später besuchte Dr. Wcizmann auch Luigi Luzatti. Am Abend des 3. Januar wurde von der Zionistischen Organisation im Motel Exzelsior zii FJircn des Gastes ein Tee gegeben, an welchem etwa hundert der angesehemlstcti ilaücniscltcn Juden (Industrjdlc, Finanziers und Intellektuelle) teilnahm«n, ln einer über eine Stunde dauernden Ansprache schilderte Dr, Wcizmann die Eindrücke seiner letzten Palästinareise. Sein Vortrag machte tiefsten Eindruck. Der Vorsitzende des Bundes der israelitischen Gemeinden Angclo Seren i und derObcrrabbiner von Rom, Dr.Saccrdoti stellten si׳d1 Dr. Wcizmann vollständig zur Verfügung, Am 4. Januar abends reiste Dr. Wcizmann nach Mailand al>, wo er vom Vorsitzenden der Mailündischen Kultusgemeinde, vom Vorsitzenden der Zionistischen Organisnlton, sowie vom Oberrabbiner Mailands feierlich cmp langen wurde. Am 5. Januar empfing Dr. Wcizmann dac Vertreter der italienischen. Presse zu einer mehrere Stunden dauernden Unterredung. Am 6. Januar wurde eine von Juden und Christen sehr zahlreich besuchte öffentliche Versammlung abgehaltcn, in weldtcr Dr. Wetzmanu über ״Die gegenwärtige Lage des Zionismus“ referierte. Die Versammlung bereitete Dr. Wcizmann stürmische Ovationen, Sokolow in Paris Nnhtim Sokolow hat sich vorübergehend in Paris aulgell alten, wo er mit dem Senator de Monzie, mit Herrn Oout, Delegierten beim Völkerbund, und mit Leon Bourgeois Besprechungen hatte. Es fanden ferner Konferenzen mit dem Präsidenten des Keren Hajessod-Koni i tc c s, Zadok Kahn, und dem Schatznicistcr des Keren Hajessod-Komitees, statt. Vor seiner Abreise trat das politische Komitee unter seinem Vorsitz zu einer Sitzung zusammen, an der die Herren Zadok Kahn, Isidor Weil, Zlatopolski, Aleinikoff und Braunstein teilnahmcn. In der Sitzung wurde die Frage der Jcwish Agency und der Mitarbeit der französischen Juden beim Aufbau von Palästina er* örtert. Sokolow gab seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß cs nach jahrelangen Bemühungen gelungen sei, in Frankreich ein politisches Komitee zustande zu bringen. Die Verleihung des Bürgerrechtes in Palästina Die offiziellen Ergebnisse Die Ergebnisse über die provisorischen Besch«inigungen über die Erlangung des palästinensischen Bürgerrechts werden nunmehr amtlich publiziert. Auf Grundlage der Verordnung des JHigli Cormnissioner sollten die Anmeldungen in der Zeit vom 1. September bis zum 31. Oktober 1922 erfolgen. 111 dieser Zeit wurden 19293 Zertifikate erteilt, wodurch 37 997 Personen als Bürger anerkannt wurden. Es wurde nämlich jeder Familie nur ein Zertifikat erteilt. Die Personen, denen solche Bescheinigungen gegeben wurden, sind 91 Christen, 11 Mohammedaner, der Rest sind Juden. ES handelt sich um Angehörige von 41 verschiedenen Staatsangehörigkeiten, American Zion Commonwealth Am 5. Dezember fand in New York die Jahreskonferenz der American Zion Commonwealth statt, die jetzt 4000 Mitglieder mit 10000 Anteilscheinen zählt im abgclaufencn Jahre hat die Zion Commonwealth im Emck J es red 8000 Dunam Boden für 119000 Dollar erstanden. Ucber die Ent- Wicklung der Kolonie Balfouria wurde ein ausführlicher Bericht erstattet. Von Wichtigkeit ist die Meldung, daß die Zion Commonwealth in den letzten Tagen von Dr. Ruppin als Vertreter der Palcstine Land Development Company angrenzend an Balfouria für 90000 Dollar weiter« 5000 Dunam erworben hat und außerdem für 90000 Dollar Boden in der Nähe von Haifa und Jaffa zwecks Errichtung von zwei Gartenstädten, Die Gartenstadt bei Jaffa soll noch dieses Jahr erbaut werden, wobei die Gesellschaft von Siedlern auch Baudarlchcn gewähren wird. Man erwartet, daß 50 Siedler aus Amerika und 50 aus Palästina selbst kommen werden. Außerdem hat die Zion Commonwealth mit Dr. Ruppin auch die Vereinbarung getroffen, den Landbesitz der P. L. D. C. in Amerika zum Verkauf zu bringen und sich dabei ver. pflichtet, abgesehen von ihrem eigenen Kaufe im Verlaufe «üeses Jahres weiter« Landstriche für mindestens 350000 Dollar anzubringen.