Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 3 (9.1.1923)
- Date
- 1923-01-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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עיי) d r^Z'־׳) י־1 ץ¬¬¬!; W ר־! r.’77 A * ■,,:!!■!.־ ״־ , LJL-Jt-J E״.. -J v» Redaktion und Verlag W15, Sächsisch« Straße 8# Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition und den Postämtern vierteljährlich 650,—M. in Deutschland. Auslnndsabon* nements werden in der Währung der einzelnen Länder berechnet. Anzciftcn-Vcrwalttmfl; JSdisetje Rundschau G.inub.H., BcrlinW15, Sächsische Straßet,'. — Telephons Amt Pfalzburg 6697, 6698 u. 6699. Anzeigenpreis filr die achtgcspaUcncNonparcillczeile 60.* M. Farhebr״a»jeijMl50%Aut«ch!aä. FßrAu«1.־>od1in><!r*te100%V«n1l״u1ch!11t! Anzeigenschluß: Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon: Pfaliburg 6697 u.6698. Postschcckl-oml0« Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich! Posisparkasscaamt Wierv Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Paajj,Konto Nr. 156030, — Rcdaküonsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. — i'P־r jTZ'2 כ;;א ' XXViH. Jafcr׳». per Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Helmstlllta In Palästina. ״Basaler Programm.** *7] ׳י^viaid^^luulSliMm 1 Oskar Colins Mode im Preußischen Landtag Eine Denkschrift Severin*|& ©sfcdkani *׳־ PÄtffis Die Judenfrage als Weltproblem Der Preußische Minister des Innern hat eine Denk- Schrift über die Ostjuden frage ausgearbeitet, die zwar in ihrem volle» Wortlaut der Oeffentlichkeit nicht bekannt ist, jedoch wurde vom amtlichen preu- Bischen Pressedienst ein Auszug veröffentlicht, den wir an anderer Stelle wiedergeben. Soweit nach diesem Communique geurteilt werden kann, hat der Minister sich in der Tat bemüht, das Problem in seiner ganzen Größe und Tragweite zu erkennen und die einzige Lösung anzuregen, die es in dieser Sache überhaupt geben kann: Die internationale Lösung. Daß die Judenfrage eine internationale Frage ist und nur auf internationalem politischen Wege gelöst werden kann, ist eine Wahrheit, die zum erstenmal vom Herzl in aller Schürfe formuliert worden ist. Gegen diese Wahrheit sträubten sich jüdische und nichtjüdischc Faktoren, immer wieder wollte man die Judenfrage durch Totschweigen oder Ignorieren aus der Welt schaffen. Die assimilatorische Scham war das tonangebende Moment für jede Behandlung der Judenfrage; öffentliche Bespreclning der Judenfrage erregte Peinlichkeit. Aber die Wirklichkeit hat sich gegen alle diese Widerstände durchgesetzt. Die assimilatorische Judenpolitik, die sich in dialektischer ״Abwehr des Antisemitismus“ erschöpfte und im übrigen die Existenz der Jude 11 frage leugnete, hat völligen Schiffbrtich erlitten. Denn die Ostjudenfragc ist — das zeigen die Umwälzungen dieser Zeit auch dem eingefleischtesten Assimilation mit überwältigender Klarheit — nur ein Teil der großen einheitlichen Judenfrage. Die Beachtung der Tatsache, daß die Judenfrage ein internationales Problem ist, ist für alle an ihr interessierten Faktoren der einzige Fingerzeig zu ihrer Lösung. Der Minister des Innern weist darauf hin, daß auch der Völkerbund sich diese Auscliauung zu eigen gemacht hat, indem er die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina in seinen Aufgabenkreis einbezog und England das Mandat zur Durchführung dieses Planes erteilte. Hier liegen in der Tat die Keime der Lösung, von der freilich jeder vernünftige Mensch erkennen muß, daß sie nicht von heute auf morgen vollzogen werden kann, sondern nur mit viel Verständnis von beiden Seiten und mit tatkräftig r Förderung der im jüdischen Volk immer stärker werdenden Regenerationstendenzen. Aber es ist vollkommen sinnlos, sich von antisemitischen Stirnmungen bei ernsthafter politischer Behandlung dieser Seche!eiten zu lassen. Selbst die schärfsten polizeiliehen Maßnaivmen, so verwerflich, unklug und Unmenschlieh sie an sielt schon wären, hätten auch noch den Nachteil, daß sie die Frage keinen Schritt der Lösung näher bringen würden. Es handelt Hell um ein weithistorisches Problem, aus dem die Wanderungsbewtgung nur einen Ausschnitt darstellt. Wir würden es begrüßen, wenn der Minister des Auswärtigen die Initiative des Preußischen Ministers des Innern aufnelimen würde und dadurch die internationale Diskussion der Judenfrage wieder aufgciollt wird, die von uns -stets erstrebt wurde, weil sie unserer Wahrheit schließlich zum Siege verhelfen muß!. Weizmann bei Mussolini Rom. (J.C. B.) Der italienische Ministerpräsident Mussolini empfing den Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation Dr. Chaim Weizmann und verweilte mit ihm in einem eimstündigen, sehr freundschaftlichen Gespräch. Dr. Weizmann besuchte noch eine Reihe anderer italienischer Staatsmänner und Politiker, darunter den früheren italienischen Ministeipräsidenten Senator Luzatti und den Post- und Telegraphenminister di Cesare, der bekanntlich Präsident der nichtjüdischen prozionistischen Gesellschaft ״Pio Israele“ war. Mandatsverzicht Priluzkis? Die ״Wiener Morgcirzcitimg“ meldet aus Warschau: ״W!ie in maßgebenden Kreisen der Volkistenpartei verlautet, dürfte Abg. Noah Priluzki auf Aufforderung seiner Partei sein Sejimnandat demnächst nieclerlegen. An seine Steile würde Dr. Sch ab ad treten. (Priluckis Stellung war durch sein Verhalten itn letzten Wahlkampf, über das wir berichtet haben, unhaltbar geworden.) General Storrs bleibt London (JPZ). Das Koloninlmmistcrium dementiert die Nachricht, daß der Gouverneur von Jerusalem!, Storrs, nach fünfjähriger Amtsdatier seinen Posten verlassen wird. Es wird ausdrücklich erklärt, daß er im definitiven Staatsdienst Iler ealafftincRsischcn Verwaltung verbleibt. Unangenehme Wahrheiten Soeben erschien das stenographische Protokoll der 1SS. Sitzung des Preußischen Landtags vom 2b, November 1922, in der die ״Große Anfrage“ des deutschnationalcn Abgeordneten Dr. K achter über die Einwanderung der Ostjaden verhandelt wurde. Wir haben über diese Debatte bereits in Nr. 95 tt. 96 des vorigen Jahrgangs berichtet. Jedoch erst «las stenographische Protokoll gibt eine wirkliche Vor- Stellung von dieser sehr interessanten Aussprache. Zuerst haben bekanntlich die Redner der bürgerlichen Parteien insgesamt stark antisemitische Reden gehalten (einschließlich des Redners, der Demokraten, Ab. Fischbeck); der Kommunist Scholcm, der die Frage vom proletarischen Gesichtspunkt behandelte, sagte den Herren einige starke Wahrheiten, verlas Ludendorffs bekannten jiddischen Aufruf an die Juden Polens und erinnerte daran, wie auch dcutsclinationale Gutsbesitzer die ostjüdischen Arbeiter willkommen geheißen haben, solauge sic sie als geeignete Ausbcutuiigjobickte schätzten. Im weiteren Verlauf der Debatte ergriff das wort als Sprechet der V. S. P. D. Abg. Dr. Os k a r C o 1111, der in großaiigclegter Re«lc die demagogische Agitation der Antisemiten gebührend beantwortete. Wir geben die interessante Re«lc, die aut das ganze vollbesetzte Haus einen tiefen Eindruck machte, nachstehend (mit einigen Kürzungen), wieder. Die Rede des Abg. Cohn Dr. Cohn, Abgeordneter (yer. Soz.-Dcm. P.): Geehrte Versammlung! Gestatten Sie mir, mit einem persönlichen Bekenntnis zu beginnen. Ich bin nicht Ostjude. Es ist möglich, daß• irgendeiner meiner fernen Vorfahren in jenem Teil des Preußischen Staates cmgcwamlcrt ist, der im 18. Jahrhundert von Preußen annektiert worden ist, ln die Provinz Schlesien. Ich weiß mir, daß mein Großvater auch kein Ostjude war, sondern in einer Stadt mit ganz überwiegend deutscher Bevölkerung durch das Vertrauen seiner Mitbürger zunächst an die Spitze der Stadtvcrordnctcnvcr• sammltmg gestellt und nachher zum Ehrenbürger gemacht worden ist. Auch mein Vater war in seiner Heimatstadt Vorsteher der Stadtverordneten. So war es in zahlreichen Städten des deutschen Ostens. Die Träger des deutschen ׳ Gedankens und der städtischen Selbstverwaltung in sehr vielen Städten Schlesiens, Wcstpretißens und der früheren Provinz Posen waren Juden, deren Väier oder Großväter einmal als Ostjuden über die grüne oder über die polizeilich nehmigte Grenze gekommen sind. Diese Juden waren nicht «iie Nutznießer der Ostmarkcnzulagcn. Sie sind cs auch nicht, die durch gc fäls chtc Statistiken, 11111 sich in den Besitz der Ostmarkenzulagen zu seben, einen Teil der Schuld daran tragen, daß deutsche Teiiv. von Posen und Westpreiißen in die Hände der Polen gespielt worden sind; auf diese gefälschten Statistiken deutscher Beamten hat sich nachher die Entente berufen können, als cs galt, eine überwiegend polnische Bevölkerung in Posen und Wcstprculkn festzustcllcn. I Ich will in diesem Zusammenhänge nicht von den sehr zahlreichen Juden ostjiklischcr Abstammung sprechen, die, ' um nur einige Namen zu nennen, Ehrlich, Liebermann, Haber, : Colinlicim usw., Zierden des «kutschen Geisteslebens und! der deutschen Wissenschaft waren. — Herr Dr. Kaehler,! daß Ihre Darlegungen sich in einem sehr engen Gedanken- 1 kreis bewegen, darauf werde ich nachher zu sprechen kommen. : Aber an eins will ich Sie docli erinnern: Wo wären cigcntj lieh die geistigen Väter Ihrer Partei, wenn sie nicht den ' Ostjuden Schlesinger gehabt hätten, der später den Namen : Stahl trug?! j Aber, geehrte Versammlung, ich sage das ja nur, 11m j zu beweisen, daß die Ostjudcn in der deutschen Wirt-! schaft und im deutschen Geistesleben doch nicht nur ׳ die Nehmer sind, wie es nach den Ausführungen der : Herren Kaehler, Fischbeck, v. Eyncrn usw. den Anschein : hätte. Sie sind in hohem Maße Geber, 1 sowohl in wirtschaftlicher wie namentlich in geistiger und kultureller Beziehung. Was w.äre, schon vor dem Kriege, der deutsche Export, nicht nur nach Rußland, sondern I vor allem auch nach den englischen Kolonien, ohne die Ostj jiKlcn gewesen, die in zahlreichen englischen Kolonien Träger ן des größten Handels waren, und denen «,er deutsche Fabrikant und Kaufmann seine Waren verkauft haf?l Was wäre die deutsche Wirtschaft vor dem Kriege ohne die Ostjudcn in Rußland gewesen, und was würde ohne die Ostjudcn aus «len Hoffnungen der deutschen Wirtschaft, auf den Wiederaufbau des Handels mit den Randstaaten, mit Polen und mit Rußland, dessen natürliche Vermittler schon durch ihre Sprachkcnntnissc die Ostjudcn siijdpl Wenn man aber die Frage der Ostjuden geschichtlichpolitisch vom «kutschen Standpunkte aus betrachtet: Den Wclikricg konnte Deutschland!nur so lange Zeit führen, weil cs sich auf die Ostjudcn stützte. Was wäre denn die deutsche Okkupation«Verwaltung in Polen, Litauen und Ukraine ohne die sprachkundigen, sprachvcrmitlcliidcn, dolmetschenden Juden gewesen, ohne «Me Ostjudcn, die der (kutschen Heeresverwaltung das Getreide, die Pferde, die Wolle, die Metalle usw. zusammengebracht haben, ohne die das deutsche Heer nicht kämpfen konnte, ohne die, wie auch Ludendorff bezeugt, namentlich die Offensive im Jahre 1918 überhaupt nicht möglich gewesen wäre?! Die Ostjudcn, die sich so in den Dienst der deutschen Kriegführung begeben haben, erhielten ihren Lohn von beiden Seiten. Von deutscher Seite wurden sie mit der gebührenden Undankbarkeit behandelt, und von ukrainischer und polnischer. Seite hatten sie durch die Pogrome des Jahres 1919 über ihre deutschfreundliche Tätigkeit während des Krieges zu quittieren. Die Versorgung von Heer und Heimat während des Krieges wäre ohne die Ostjudcn unmöglich gewesen, gleichviel ob es sich um die Tätigkeit deportierter Arbeiter gehandelt hat oder um die Tätigkeit von Kaufkutcn und Arbeitern an Ort und Stelle ln Polen und der Ukraine. Um a־nf das Politische zu komm«! Herr Dr. Katlilef Int uns «Jas Ostjudentura Im bengalischen Lichte des Bolschewismus gezeigt. Wenn er so sachkundig war«., wie er es nicht ist* würde er cs wissen, daß unter den führenden Bolsclieivis-ten nur s e 11 r w« n i gc fn d eti sind, in den leitenden Stell!tilgen sind fast durchweg Ibissen, Aber ich lütte von Dr. Kaehler erwartet, dall er in diesem Zusammen• hange von den ernsthaften pol■ t i sc 11« n Gefahren gesprochen hätte, die von Os tclnvanderem drohen, z. B. von den Mördern des f ru 11« ren Senator* Nabokow, von den w c i D g ,1 r #«.$ tis ch e 11 Offizieret», die in Berlin ruhige, frtctlich« Versammlungen benutzen, lim Mordanschläge auf Miljukew zu machen. Ich hätte erwartet, etwas zu hören von dem General Biskupski und den Obersten von Freyberg und Aw»low־Bermondt, von den Offizieren, die sich 1919 mit den entarteten Baltikum• Soldaten und Offizieren zusammen taten und die neue National• hymne geschaffen und gesungen haben, die in Berlin zu hören war: Deutschland, Rußland über alles, über alles in «ler Welt. Ja, von diesen Ckstelemente«, von dieser östlichen Ei!!Wanderung, die für DcuIschl,and sehr gefährlich ist, die in Deutschland geduldet wird und die sich der besonderen Giiiust des Herrn Dr, Kaehler und seiner Freutide erfreut, von ihr hat Herr Dr. Kaehler nichts gesagt Desgleichen habe ich in der Re Je des Herrn Dr. Kaehler ein Wort über die politischen Kongresse vermißt, die in Reidienhall, in Wiesbaden ttiid in Potsdam von Weißgardist!- sehen, aiilisovvjctistischcn konterrevolutionär«!» Russen, abgehalten worden sind, wo unter den Augen der deutschen Be• hörden Verschwörungen gegen di« Sowjc(»egicrtmg gestiftet werden, vielleicht auch das eine oder andere Attentat aus• geheckt 11114 der Sturz des politischen Systems beraten wird, mit «jem das Deutsche Reich immerhin feierliche, Völkerrechtliehe Verträge, wie den von Rapallo und den vom 6. Mai 1921, geschlossen bat. Wenn ein Vorwurf gegen die De rat 8 c Ei rif 1 zu erhebe» ist, von 4er der Interpellant Herr Dr, Kaehler aus gegangen ist, so «leshalb, weil sic nicht ausreichend und nicht vollständig ist Es ist immerhin ein bedauerliche» Versehen der Denkschrift, wenn sie auf Seite 8 unter Nr, IV ״Ausländer״ zu a) ״Verschiedene“ folgendes sagt: Einzelne AiislSiHkr «lürPcj» so׳■״»!*! wehrend des Kr!׳-׳re* wie vordem nur in verbal tiiisrnä Big geringer Zahl hadi Deutschland eingewandert sein. Statistische Angaben darüber fehle»!. Unter diesen ״einzelnen Ausländern״ sind ,gerade di« Kreise zu verstehen, von denen ich «Ben gesprochen habe: die Nabakow-Mördcr, die Bcrmcndt-I.ru(e, die Offiziere und Generale. die sonst an keiner Stelle in der Denkschrift aufgeführt sind. Man spricht da von ei«zeltuM1 Ausländern, — aber es sind unter den 250 000 bis. 500060 Ausländern, von denen der Aufsatz des Herrn Dr. August■.Müller spricht, nach den Angab n sehr eingeweiliter Leute mindesten* 125 009 bis 150000 Weißgardisten und Konterrevolutionär*, die sieb mit Billigung des Herrn Dr. Kaehler hier aufhaltenl Herr Abgeordneter Dr. Kaehler machte den schüchternes» Versuch, seine Klagen in einen allgemcinen Zusammenhang׳ zu bringen und seinen das Ostjudenp.'cblcni als Teil eines großem Wanderung»• Problems auffassei* m wollen. Er behauptete, *laß 4ie Wanderung der Ostjudcn in den 80 er Jahren begonnen habe — das ist ganz falsch; — und er hatte kein Wort dafür, daß da* Wajh!eriiiigsprobkm, wie er cs sieht, in» Kriege und durch den Krieg' sich bedeutend verändert hat, — ja, daß vielleicht ckr ganze Weltkrieg als eine große Völkerwanderung neuen Stils und auf erhöhter und erweiterter Grundlage aufzufassen Ist. Aber sowohl diese beiden Redner, wie vor allen Dinge!» der Herr Abgeordnete FLchbeck, haic'i alles das nur vom engsten Nützlichkeitsstandpunkt aus b» trachtet: gut Ist eine Wanderung, wenn sie den deutsche!» Interessen entspricht, wie ich, der Abgeordnete Fischbeck, sie aiiffasse; schlecht ist ei!» Bevölkerungselciracnt, namentlich wenn es vom Osten kommt, sofern es den Interessen der wirtschaftlichen Kreise schadet oder unbequem ist, die Herr Abgeordneter Fischbcck oder Herr Dr. Kaehler vertritt. Da* ist ja ein Kennzeichen der p0111 i s« 11 en und milit ä rische ti Ideologie, von der di« deutsche Politik laden letzten jahrzelinten beherrscht w ord c r» Ist, und Beispiele dafür bat sowohl Herr Dr. Brcdt, vielleicht ob ne es zu wollen, wie vor allem Herr Abgeordneter Scholcm mit Willen gegeben. Der Herr Abgeordnete Scholcm hat Ihnen den Aufruf der deutschen und österrciehischcn obersten Heeresleitung aus dem Herbst 1914 vorgetragen, Damals waren die Ostjudcn nützliche Elemente; denn sie dienten dein deutschen Interesse, wie es die Herren der Heeresleitung verstanden, Nachher aber, als die ostjüdische Bevölkerung nicht ausreichend oder nicht mit dein gewünschten Erfolge für die deutsche Sache agitiert hatte, wurde sic gequält, beraubt und, ungeFähr wie Vieh, nach Deutschland deportiert. Ich will daran ab scheu, daß der Auf• ruf der deutschen und österreichischen Heeresleitung votrt Herbst 1914 die unmittelbare Ursache des Todes von Hurdertep von Ostjuden war, die, auf Grund des Aufrufe*, zur Vorbeugung von der russischen Heeresleitung oder Verwallung glattweg ai'fgehnngt wurden, um gar nicht erst in der übrigen ostjüdischen Bevölkerung di« Neigung auf• kommen zu lassen, auf die Lockungen der Deutschen ein• zu gehen. Die Befürchtungen, 41« der russischen Heeres* lei tu ת g von dem Aufruf herkamen, laben dann auch zu der sclrcckliehen Verschleppung der »jüdischen Bevölkerung ge• führt. Sie wissen — vielleicht haben Sie es vergessen oder wollen cs fetzt nicht wahr haben —, *1,111 damals Zehntausend« i vnd aber Zelintauscndc von jüdischen Familien aus den nah« 1 den deutschen Grtnueu $fc!eg«1»en Städten npd Dörfern nach