Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 1-2 (5.1.1923)
- Date
- 1923-01-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. tfl allen jenen, die bisher schon Beiträge für den Keren Hajessod ״«■leistet haben, begrüßt werden wird und daß schon die Durchführung der Vorbereitungen für den Council zu einer weiteren Belebung der Arbeit für den Keren Hajessod führen wird. 1 Ausgabe der Zertifikate Es ist bekannt, daß bei der Gründung des Keren Hajessod fm Jahre 1020 der Beschluß gefaßt worden ist, jedem Beitragslcistendcn des Keren Ilajcssod ein Zertifikat auszu händigen, durch welches er auch das Recht erhält, bei der Wahl von Vertretern in jene Körperschaften sich zu beteiligen, die derv Keren Hajessod leiten. Diese Beschlüsse ״rhiciten eine feste Gestalt durch die Resolutionen des Zio- •nistenkongresscs in Karlsbad, welcher die Einsetzung eines Councils bestimmte. Es wurde in diesen Beschlüssen ausgesprochen, daß die Bildung des Councils Ende 1922 cingcleitet werden solle. Das Direktorium des Keren Hajessod bat sich in einer Sitzung im Dezember 1921 mit der Ausfertigung dieser Zertifikate befaßt und das Hauptbüro des Kcicn ilajcssod beauftragt, 1m Laufe des Jahres 1922 die Ausgabe der Zertifikate vorarbcrciten. Das Hauptbüro hat hierauf alle Keren Hajessod-Büros aufgefordert, genaue Listen aller Beitragsleistcndcn zu übersenden, damit auf Grundlage derselben die’Zertifikate ausgestellt werden können. In der Sitzung des Direktoriums vom 24. November 1922 ist beschlossen worden, mit der Ausgabe der Zertifikate sofort zu beginnen. Bisher Diid die Zertifikate für Argentinien, Beßarabien und Canada zur Ausgabe gelangt. Alle anderen Komitees erhalten nunmehr ohne Verzögerung die Zertifikate, sofern sie die vom Hauptbüro verlangten Listen ordnungsgemäß ausgefertigt und übersandt haben. Diese Zertifikate sind in einer künstlerischen, geschtnr.ckvollen Ausführung, die jedoch nicht so sehr dm Charakter eines Diploms trägt, als den der in England üblichen Zertifikatc. Die Zcrtiükate führen den Namen ״Receipt Certificate“ und werden sowohl auf den Betrag in englischer Wa'11rung als de Gegenwert in der Landeswährung ausgestellt. Die Rückseite enthält einen Auszug aus den Statuten des Keren ilajcssod (Memorandum of the Association) betreffs der Zwecke der Association. Ferner enthält sie folgende Erklärung: “Certificate of the Keren Hayesod. •Every conlribntor 10 the Keren Hayesod, who contributes the miniimnn amount fixed for bis country, is entitled to reccivc a Certificate. The Certificate Holdere of the Keren Hayesod of nny country of group of countries are entitled to elect a dclcgate to the Council of the Keren Hayesod. The number of delegatcs which each country or group of countriel will have allotcd to it to servc on the Council sha'.l bc proportionale to the aggregnte contributions, measured by the mininnnn fixed for the country in question. In the clcrtion of dclegates to the Council, ead» contributor is to have only one votc.” “ D i s p o s a I of the Intotest * r i«I n g from Commcrcial Investments. Any Interest arising out of the commcrcial Investments, which will be made by the Keren Hayesod, shall be allocaled to its Investment rund. After 5 ycars, i. e., from the Ist 'Jauuarv, 1927, the Council, as representative of the Ccrtificatc-holdcrs, shall have the power to dispose of such intcrest, but in no casc cxcceding 5 per ccnt.”• Palästina Grundfonds (Keren Hajessod) ln Nr. 100 der ,,Jüd. Rundschau" ist das Postscheck-Konto des Palästina-Grundfonds (Keren Hajessod) E. V. falsch an gegeben. Die Nummer lautet 10-1951 und nicht 10951. Presseschau Das Berliner Misrnchi-Organ, die ״Jüdische Presse", feilt mit, daß sic von jetzt ab offizielles Organ nicht nur des deutschen, sondern auch des österreichischen Misrachi sein wird. Dies ist schon darum erfreulich, da es dem aus vornehmen Traditionen kommenden Blatte vielleicht gelingen wird, den Einfluß des agudistischcn Hetzorgans, ״Jüdische Presse“ in Wien, zu paralysieren. im ״Israelit“ bedauert Dr. Moses Auerbach den scharfen persönlichen Kampf, der von den Parteien des palästinensischen orthodoxen Judentums gegen die beider• scitigon Führer, Rabbiner Kuk und Sonncnfcld, mit persüdlichen Mitteln geführt wird. Er stellt fest, daß beule Rabbiner bedeutende Gelehrte sind und daß der Kampf der Parteien zumindest vor der Person des Angegriffenen auch bei sachlichen Gegensätzen Halt machen müßte. ln dm ״Sozialistischen Monatsheften“ wird in der Rubrik ״Geistige Bewegung“ Bubers ״Die jüdisch•-■ Bewegung" als Manifest des Zionismus besprochen, Allerdings ist es bedenklich, wenn der Referent Dr. Engelhardt für Bubers Satz: ״In den Seelen muß Zion geboren werden, bevor cs in der sichtbare» Wirklichkeit geschaffen werden kann“, als vorbereitende Literatur ausgerechnet S. Bernsteins Broschüre ״Der Zionismus“ anfüiirt. — In der Rubrik ״Rebgionswissensciiaft“ bespricht Herbert Kühne rt Bubers lind» ״Der große Maggid". Ferner referiert er über die Streitlitcrafur, die sich au Delitzschs ״Große Tau schung“ angesdtlnsscn hat, worauf er nach ausführlicher Würdigung der Schriften von Gunkel und König au-cii auf die Broschüre von Otto 1'rocks.ch ,,Altes Testament und Judentum“ zu sprechen kommt, die er eben 93 scharf ahlcluit, wie es kürzlich in unserem Blatte geschehen ist. — In der Rubrik ״Didukunsl“ bespricht Max Hociulorf u. a. den Ostjudenromaai der Brüder!Tharand ״Der Schatten des Kreuzes“. Im New Yorker ״Jüdischen Volk“ behandelt einer der ältesten Kolonisten in Palästina, Aron Ei sc 11 borg, die Frage, wie dm K )Imitation Palästinas mit genügen GehlmitteSu gefördert werden könnte. Bekanntlich — fuhrt Eisenberg aus — besitzen wir in Palästina große LaJidflüchen, welche aus Geldmangel und weil noch kein genaues System für die Inangriffnahme der Arbeit besteht, unkultiviert liegen bleiben. Auf der anderen Seite befinden ach jetzt im Lande tausende arbeitsfähige junge Menschen, unter ihnen auch viele Verheiratete und viele Kinder älterer Kolonisten, deren einzige Sehnsucht cs ist, sich auf einem eigenen Stück Land anzusiedeln, ohne jedodi die hierzu erforderlichen Mittel zu besitzen. Eisonberg י verweist darauf, daß auch die alleren Kolonisten seinerzeit ohne Mittel ins Land kamen (Bilu usw.), und schlagt vor, die Chnltrzirn auf die Weis.׳ an das Land1 zu binden, daß ihnen die Gelegenheit zur Kotonisierung geboten wird. Hierzu wäre cs erforderlich: 1. Jedem arbeitsfähigen C.haluz ein:' Minimalfarm von 40 mit Mandeln und Oliven bepflanzten oder 25 Dun am Boden, wovon 5 mit Orangen und Gemüse bepflanzt sind, zu überlassen, hierzu noch 3—5 Dunam für die Zwecke des *Hausbaues und zur Besamung mit verschiedenen Sämereien. Eine solche Farm• kann jährlich einen Ertrag von zumindest J20 Pfund außer dem Erlös des Gemüses nereinbrmgeu, 2. Die Farm müßte in der Nähe einer Kolonie gelegen «ein, in welcher der Arbeiter ständige Arbeit finden könnte. Solei 1 e Farmen sind im Lande bereits viel vorhanden, besonders «a ienen Orten., welche Eigentum der Agudath Nctaim sind. Da der Arbeiter in •virwr eigenen Fan« nur einem Teil dc'j 1 Jahres zu arbeiten Iiahen wird, wird ümt genügeml Zeit übrig bleiben, um seinen LcbeiiPtmtcrIinfI «I!treu Arbeit in der in der Nähe seiner Firm befind liehen Kolonie zu decken. Ein 911י eher kleiner Bc-ifz kostet heute 709—800 Pfund. Die Hälfte dieser Summe miiflte dem Clialnz gegen leichte Rückzahluu'psbalingimgcn auf zellt» hin zwölf Jahre gegen eine sedwpro/entigc Verzinsung zur Verfügung gestellt werden, die andere Hälfte hätte der Arbeiter dem Verein in Barem auf einmal oder in drei Raten, m entrichten, und zwar •Kt ״/o bei Ucbernolune den Besitzes, 0;» 39 ׳ im Verlaufe des ersten Jahres und die restlichen 30*׳'» im Verlaufe des zweiten Jahres. Das Geld, welches ein solcher Verein eimuimnt, wäre zum Kauf von neuem Boden und zur Gründung neuer Farmen zu verwenden. A.uf dieser Grundlage könnten an vielen Plätzen, wclclic der Agudalli Nctaim gehöre״, sofort 300 Familien an gesiedelt werden. N.vcli denn beschriebenen System könnte allmählich die Zahl der eigenen Farinbesitzer vergrößert und da Bodenbesitz entsprechend entwickelt wenden. Die zweimal täglich erscheinende ״Prager Presse" widmet von ihrer vier Seiten starken BiMerbeilage vom 19. No• vember die letzte Seite fast lUissdilicBIkh Bildern aus Palästina. ln neun Reproduktionen wird di« EntwickFung de9 neuen Palästina vor Augen geführt Der Redakteur des ״Haaret, Dr. GI fl ck sohn , faßt in einem Aufsatz, betitelt ״Bilanz", die schmerzlichen Folgerangen zusammen, die sich aus den! Rechenschaftsbericht der letzten (fünften) Versammlung des Wand Le um i (Jüdischer Nationalrat) ergeben. Er weist darauf hin, daß der High Commissioncr nach der ersten Session des Wand Lcumi ausdrücklich die Dclcgicrtcitvcrsainniluiig' und deren Organ, den Waad Lcumi, als die offizielle juristische Vertiefung des palästinensischen Judentums anerkannt habe. Jetzt aber weigere sich die Regierung, den Waad Lcumi als eine juristische Person agzucrktnncu. Zweitens: Eine der grundlegenden Bestimmungen, wclclic die Dclcgicrtenversarnmlung beschlossen habe, sei das Recht der organisierten jüdischen tknncinschaft, behufs Deckung der inneren Bedürfnisse, den Mitgliedern dieser Gemeinschaft Steuern au f zuc r 1cge 1u Jetzt höre man jedoch, daß sich die Regierung weigere, uns dieses Recht einzuräumeru Drittens: Das Verhältnis der Regierung zur Einvranderu n gs f rag c, das nicht den Beweis erbringt, daß die Regierung bereit sei, uns beim Aufbau unseres Heimes zu unterstützen. Hierbei weist Dr. Glücksohn auf die Antwort hin, die der High Commissioncr Jen Neuangcsicdcltcn in der Jcsrccl-Ebcne, von deren Leistungen er selbst bei seinem ersten Besuche geradezu fasziniert gewesen sei, gegeben hat, als sie ihn dämm baten, er möge ihnen erlauben, ihre Verwandten nach Palästina zu bringen. Er verwies sic nämlich an die betreffenden Behörden, und ah man ihm sagte, daß dies bereits erfolglos geschehen sei, antwortete er, ״er werde die Sache prüfen“. Schließlich weist Dr, Glücksolm darauf hin, daß wohl die Juden an den Zollciimalimcn als Zollzahlcr einen sehr großen Anteil haben, dennoch von den von der Regierung für das Land ver- -msgabten Summen nichts oder fast gar nichts erhalten. Hingegen habe die Regierung eine Eiiiwandcrungsstcuer, und zwar eine mittelalterliche Kopfsteuer, cingeführt, die vor allein uns trifft. Rumänien Die Staafsbürgcrrechte der Jaden In Rumänien Bukarest (J.C.D.) Ke neue rumänische Konstit» tion unterscheidet drei Kategorien Juden mit Bezug auf die Erlangung der staatsbürgerlichen Rechte. Diejenigen Juden, die in Rumänien geboren und dort lieiniatbcrcchtigt sind, er• halten mnimfdiriniktcs Bürgerrecht; diejenigen Juden, die nicht in Rumänien geboren und in.!;einer rumänischen Gemeinde Heimatrecht besitzen, die aber während des Krieges in der rtunäülsehen Armee gedient haben, werden erst auf Grund eines he sonderen Gesetzes die stnaLtbürgcrliehcn Recht« erhalten; die Frage der Staatsbürgcrlidwii Rechte jener Juden, die den ersten zwei Kategorien nicht zuzuziblen sind, muß in jedem einzelnen Falk speziell behandelt werde«. Exzesse in Beßarabien B111; are st. (j.C.B.) Die m1tij«i<lische11 Exzesse, die sich im Laufe der letzten Wochen in verschiedenen Städten Altriimiiniens ereigneten, haben sich nun auch auf Beßarabien ausgedehnt. Der Herd der beb arabischen antisemitischen Bewcgimg ist das Lyzeum in Ki sc hi new. Wie cs heißt, haben sich auch die in Kischincw stationierten Militärkräfte an den Exzessen beteiligt. Eine sehr intensive aivtijiidischc Propaganda entfaltet der Erzbischof Gurij, Universilätsslreik in CzernowUz Bukarest (J, C, B.). Nachdem der Senat der Czemowitzer Uni .ersität das Memorandum der rumänUclieii Studentenschalt gegen nie jüdischen Studenten nicht beantwortet hat, haben die Sia.le.it. 1 als Protest dagegen den Streik proklar.ricrf. In Durchführung dieses Beschlusses erschienen sic am 20. Dezember morgens in geschlossenen Reihen vor der Univcrr.it it, besetzten die Eingänge und hinderten die Studenten nichtrtmiänischer Nationalität ain Belrcten der Universität. Der Senat der Univer.it it wird sich heule in einer außerordentlichen Sitzung mit dem Studentenstreik tiefassen, Neue Unruhen an der Klausenburger Universität Bukarest. (J, C, B.) Die antisemitische Propaganda an der Universität Klausen!)urg wird ununterbrochen fortgesetzt. Die jüdischen Hörer werden mit Gewalt von den Vorlesungen fcrngchallcn. Infolge der hierdurch entstandenen turbulenten Szenen wurden an der juridischen und philo- :;opitischen Fakultät die Vorlesungen eingestellt; 111:111 erwartet die baldige Schließung auch der übrigen Fakul- Einer bei ihm erschienenen Abordnung jüdischer Studenten der K'au.scnburger Universität erklärte der nuitiinischc Unterrichtsmiiiistcr A n g 11 e 1 cs cti, er werde alle Mittel ergreifen, um tu Klauscnbiirg normale Verhältnisse zu schaffen. Er riet aber den jüdischen Studenten, sich derweil den Vorlesungen fcriizuhaltcn. Die rumänische Gesandtschaft in Budapest veröffentlicht folgende Erklärung in der ungarischen Presse: ״Die antisemitischen Ausschreitungen waren von fokaler Bedeutung. Die Regierung ließ sie ohne Zögern im Keime!1 atcr<frrückcn. Was den niimerns clausus auhetrifft, so hat die rumänische Kammer über einen solchen oder über einen ähnlichen Entwurf niemals verhandelt.“ jüdischer Gemelndckongrcß and Rabbinerkonferenz für Alt ־■ Rumänien Vom 10. bis 12. Dezember f.itul in Buk,irr.׳!• rfie Konferenz der jüdischen Gemeinden aus Alt-Rumänien und ein Rabbinerkongreß statt Die Tarpuigcn waren durch den vom Ministcriiiu» offiziell anerkannten Gemeiwdebund, bzw. vom Großrahhincr Dr. Niemirover »•iubc rufen. Kultusminister Bann begrüßte «teil Kongreß, iK'fmtte <!ic Abs!eilt der Regierung, den jüdischen Ktiitus dem griechi?eli-orthodoxen glcioh/unt eilen wut die Gemeinden mit Hilfe der Vertreter der Juden zu organieieren. Der Minister hob bei dieser Gelegenheit den Patrio* risnnis der luden hervor, ihre: Opfer im Kriege und die Verpflichtmig des rumimkdicn Staates, die Redite der Juden zu schützen. Der Q cm ei ndc kongre ß , an welchem 120 Delegierte' teilnnhmen und von den vorhandenen 67 Gemeinden 5*1,?sowohl große als initiiere Gemeinden vertreten waren, hielt! sechs Sitzungen ab. Zur Beratung stand iter Vorentwurf der; jüdischen licincindcorganisation, ein Projekt des Gemeinde״ hundes für Alt-Rumänien, verschiedene VorsdiLige in Schul-1 fragen, die Frage der 1 icrausgabc eines Lehrbuches der jü־* di sehen Geschichte luiri die Regelung des Unterstützung»-; wesen». Der Kongreß hat den festen willen kundgetan, dahin' zu wirken, daß in jeder Stadt mir eine jüdische Gemeinde' bestehen solle und daß diese Gemeinden in der Gemeinde‘ von Bukarest ihr Zentrum haben sollen. Die Gemeinden wären 90 aiiszugcst,alten, daß sic in entsprechender Weise für Ge religiösen, kulturellen und sozialen Bedürfnisse ihrer Mitglieder sorgen können. F'ür die Gemeinden sei die vollständige staatliche Anerkennung anzustreben bei völliger Wallring ihrer Autonomie. An den Arbeiten nahmen mit beratender Stimme der Cicnerafsckrelär de» Kultusministeriums Ispir und Generaldirektor Dr. P. Joncsai teil. Au der Kahbinerkonferenz nahmen 50 Ge.meindcrabbincr teil — ,von 30 Rabbinern waren schriftliche Zustimmungserkla rungen eingehängt. — In seiner Begrüßungsansprache ootonte. Generalsekretär isnir, Ge Regierung beabsichtige, die RaMmicr in bezug auf ihre Rechte den Geistlichen der griechischorthodoxen Kirdtc völlig glcidizuslcllcn. Nach lebhaften Deballen wurden unter anderem Vorschläge angenommen, welche! die Cinlicißichkeit der Gemeinden sichern wüten. Die Konferenz brachte den Wunsch zum Ausdruck, Giß da Oben* rahhincr der jüdischen Gemeinde von Bukarest, Dr. Niemirover, als Vertreter des jüdischen Kultus in den Senat berufen watfc und daß in "Zukunft derartige Berufungen im Einvernehmen mit dem Rabbi «errate gehandliabt wenkn sollen. . Amerikanischer Pasclsmus Dk Frankfurter Zeitung meldet: ״Nach neuerlichen Depeschen aus Washington hatte def Gouverneur von Louisiana eine Geheimkonferenz mit Präsident Harding, deren Gegenstand der Einfluß des! Ku-Klux-Klan bildete; Scnsationslustige verbreiteten 11:1s Gerücht, daß der Präsident beabsichtige, die verbündeten! Truppen in die-cn Staat zu schicken. Wenn auch in Wahrheit kein Anlaß zu einem derartigen Einschreiten vorliegt, so ist! die Al .ו cht dieser Organisation doch bereits kräftig genug, den Staat sbehörden von Louis Lina ernste Sorgen zu bereiten. Diese Organisation, die einen hundertprozentigen Amcrikanismusvcrtrittundsic 11 gegen ״Katholiken, Juden, Eiivwandere r und Neger" wie sie selber sagt, richtet, entstand iu Louisiana, verbreitete sich aber schnell in den anderen Staaten. Eine vom Kongreß! veranstaltete Enijuete ergab, Giß der ״Klan" Anhänger unter Staatsmännern, Deputierten, Finanzmännem und Arbeitern hat Während der letzten Wahlen machte sich die Macht des Klan besonders in Texas fühlbar, und in Louisiana scheint er allmächtig zu sein. Polizei und Behörden scheinen die Vasallen des unsichtbaren Regimes zu sein, denn seine Opfer können keinen Schutz vor dieser gefürchteten Organisation finden. In seiner Rede, die der Präsident der Columbia-Universität zu Ehren jüdischer Soldaten, die in» Weltkrieg fielen, hielt, beklagte er, sowie der Abgeordnete Isnac Seipel aufs tiefste die un• sichtbare Machtdcs K u - K l u x - K I a 11, der neuerdings seine Netze auch über die nördlichem Staaten bis Buffalo awswarf. Zahlreiche Missetaten werdendem Ku-Klux-Klan zur Last gelegt, neuerdings z.wei Morde, sowie das Verschwinden mehrerer Personen, deren Spuren zu Mitgliedern des ״Klan" liinfiilircn" Dfc Kreditläligkeit der ICA. In Rußlaad Moskau. (J. C. B.) Die Ica Int mit der Sowjetregicrung eine Vereinbarung bezüglich■ der Errichtung einer Kreditkooperative in Rußland getroffen. Nach dieser Vereiiiliaruii'r 11.1t die Ic.1 das Recht, in Form einer Rcgicrimgskon- Zession D.irlehcnszinscu zu erhallen und ist dagegen verpflidttet, die bcnifslcchnisclien Schulen zu eröffnen utuf zu erhalten. Die Tätigkeit der Ica wird von einem aus drei Personen bestelieivdcn Rat geleitet werden: Einem Vertreter der Gesellschaft Ica; einem Vertreter des jüdischen Kommissiriats und einer Persoi», die keiner politischen Partei angchört. Sobald die Ic.y Konzession von dem Präsidenten ries Volkskommissariates Lenin bestätigt wird, wird die Arbeit begonnen wenlen Die neue Präsidentenwahl In Polen Warschau (J. C. B,). Der an Stelle des ermordeten Präsidenten Narutowitsch von der Nationalversammlung zum neuen Präsidenten der polnischen Republik gewählte Abgeordnete derWitospartei und ehemalige Innenminister Wo j eie. cliowski erhielt schon im ersten Wahlgauge die erforderliche Mehrheit von 298 Stimmen gegen 221 Stimmen seines Gegenknndidaten, des Professors Morawski. Die Mehrheit für die Wahl des neuen Staatspräsidenten setzte sich aus dem polnischen Zentrum und den Liiiksgruppcn, sowie aus den G ru p« p c n der nationalen Minderheiten zusammen, die solidarisch für Wojciccliowski gestimmt haben. In den jüdischen politischen Kreisen betont man, daß die jüdischen Abgeordneten erst die Kandidatur Wojcicchowskis mit ihren zirka 50 Stimmen unterstützten, als ihnen entsprechende Zusicherungen politischer Natur gegeben worden waren. Vor der Abstimmung hat der frühere Staatschef Pilsudski den Mimlcrhcitsabgeorilnctcii erklärt, daß Wojciccliowski im Falle seiner Wahl cs als seine Pflicht erachten würde, die Ver. fassung aufrecht zu erhalten. Diese Erklärung Pilstulskis hat den Versuch, die Minderheiten während der Präsidentenwahl zu isolieren, zum Scheitern gebracht. Die politische Lage, die durch die Wahl Wojcicchowskis geschaffen wurde, erinnert an diejenige, die nach der Waht Narutowitschs bestanden bat. Von einem Block des Zentrums, der Linken und der Minderheiten kann auch jetzt nicht dia Rede sein, hingegen hat das sporadische Zusammengehen de* genannten Gruppen die Niederlage des rechten reaktionär-antisemitischcn Flügels wieder einmal besiegelt und so zu einem erneuten Erregungszustand innerhalb der antisemitischen Kreisd beigetragen.