Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1922-12-12 · Heft 98 (12.12.1922) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 98 (12.12.1922)
Date
1922-12-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2652410-2652497--15386-2673856
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1 זן i; J 1 י־ I. t» m p % I £ I Redaktion und Verla!! W15, Sächsische StraQo 8. Erscheint jeden Dienstag und Freit«){. Bezugspreis bei der Expedition und den Postämtern vierteljährlich320.—M, iuDcuUcitland, Au.11anda.thon• ncmcnls ,werden in der Wahrung der einzelnen Länder berechnet. l*«B«B״*aa*n״a»s»r»ssw>s.. ■vB1nrnss«aia»BBwa*3m1s -t tw «■osr l Nuiumor 9ß I Berlin, 12. XII. 1922 y—»A«w1H»Aaf.1cg - r5־r35U.JU 'JMtggEttas3-UK.%?.y per Xlowiamua oratrobt für das Jüdische Volk die Anzeltfcn-Verwalttmg: Jüdische Rundschau G.m.b.H., Bert In Wl 5, SKchilieho StrniioB. — Telephon: Amt l’ialzbutg 6697, 6698 u.6697. Anzei jonpreis für die öchtgcspnltcnoNonpnrcillczell• 35.״ M, l'Ür Itehtiiedis Anar<9i^»t1 30%AtilicltUg. Anzcl(!cnncblu01 Dirn* tat! und Frcltn{ nnchmlttng 4 Uhr, mxagoautti Schaltung einer fif(entlieh rechtlich Telephon: Pialzbur(! 669711,6698. Postscheckkonto: BcrllnNr. 17392. Für Oesterreich! Pastspnrknsienamt Wien, Konto Nr, 156030■ Für Tschechoslowakei: Postsparknucriamt Prag, KontoNr. 156030. — RednktlorsschkiO Sonntag und Mittwoch naciiiuittag. — XXVII. Jabrg, ״Oasoler Programm.•* כ״ב כסלו׳ חרס״ו. 1 ©aslchwt&i« Helmstilf® In PnIMitlna. Rundschau «eh. Berlin, 10, Dezember, In den letzten Wochen hat die antisemitische Bewegung eine Form angenommen, die sich mit Windeseile über Mittel- und Osteuropa verbreitete und internationaler curopiiisdicr Kuiturbesitz zu werden scheint. Die Bewegung nahm diesmal ihren Ausgangspunkt von Prag, der tschechoslowakisch«! 1 laupi. stadt, doch nicht der Name des tschechischen Volkes, das unter den mitteleuropäisch«» Völkern am meisten auf seine kulturelle und demokratische Ehre hält, ist damit verknüpft, sondern dem deutsch-völkischen Studenten Böhmens blieb cs Vorbehalten, diese Pionierarbeit zu leisten, Die Agitation gegen den Rektor Slemhcrz wurde zu einem heiligen Krieg gegen die Herrschaft des Judentums an der Universität aus• gedehnt. Die Zahl der jüdischen IVofcssoren und der jiidi• schm» Studenten sollte auf einen gewissen Prozentsatz eit«• geschränkt und zugleich bestimmt werden, daß niemals ein Jude Rektor oder Dekan sein kann. Der Prager Streik wurde infolge der Entschiedenheit der tschechischen Unter• richtsbchorden abgedreht. Sofort aber flammte dieselbe Be• gung in Wien auf umd gleich darauf verlor sic ihren deutsch• nationalen Charakter und zeigte sich in Polen, in Litauen und in Rumänien. In Warschau, Kowno und Cluj wurden t’.imultuöse Studentcndcinonstratioiicu veranstaltet, die der Ein• tührung des numerus clausus galten und entsprechende Forderungen an die Regierung stellten. Mit diesen Demonstrationen wurde überall ein kleiner Pogrom verbunden, die Studenten durchzogen die jüdischen Straßen, attackierten jüdische Pas sauten, plünderten jüdische Geschäfte, Sie wurden die Führer des Pöbels, Gleichzeitig wurde bei den Regierungen die Forderung der Einführung des numerus clausus gestellt, allerdings gäbe« die zuständigen Minister ablehnende Antworten, Charakteristisch ist auch, daß fast an allen Universitäten die Professoren offen mit den Demonstranten sympathisierten. Die Bewegung ist aber heute keine Univcrsitätsangelegcnheit mehr, auch keine rein politische Frage, sondern sie wurde in die Straße getragen. Es ist bemerkenswert für den kulturellen Tiefstand Europas nach dem Kriege, daß bei allen Völker!» gerade die Intelligenz, die Studentenschaft, cien Anstoß zu einer Bewegung gibt, die in Plünderung und Zerstörung und vielleicht gar in Schlimmeres ausartet. De letzten Mcldungen besagen, daß besonders in Rumänien die von Cluj ausgehende Welle bereits weite Kreise geworfen hat. Wir hoffen, düß die rumänische Regierung sofort mit allem Nachdruck einschrciten und nicht zulassen wird, daß das neue Rumänien gerade durch die Judenfrage seinen Namen so bcsudelt wie das frühere. In dieser Woche wird m Berti« die Writkonferenz des ״Chaluz" zusammentreten. Wenn auch gerade der ״Chaluz“ nicht zu Demonstrationen, sondern zu sachlicher Arbeit zusammenkor 01t, so möchte» wir doch nicht unterlassen, ein Wort der Begrüßung an die Delegierten au richten. Die Chaiuzbewegting, die noch während des Krieges mit großem Elan begonnen hat, ist heute in einer schweren Situation! Die Tore Palästinas sind beinahe verschlossen, verschlossen nicht nur durch das Regulativ der Eirvwanderungsbehörde, sondern auch durch das jüdische Volle, das den goldenen Schlüssel nicht aus der Tasche zu geben bereit ist, Trotz den Enttäuschungcn, denen die Chaluzim in den letzten Jahren ausgesetzt waren, 6ind sie ihrer Fahne treu geblieben. Der Oedanke, nicht einen Teil seines Tages oder seines Geldes fiir zionistische Arbeit hinzugeben und den anderen. Teil im Go'us zu verankern, sondern ganz und ungeteilt nur der Auferstehung des jüdische» Volkes zu leben, sich selbst i!1 die vorderste Reihe zu stelle» für die Piotuerarbeit, ohne die der Aufbau Palästinas überhaupt nicht gelingen kann, dies ist die Idee des Chaluz. Aber nicht ei» Rausch der Bc* geistcrung, wie er in den Jahren, nach 1917 leicht in Jugendliehen Gemütern entstand, sondern der Entschluß zu lang* wicrigcr, mühsamer Arbeit, Vorbereitung und Geduld, ist die Grundlage der Clialuziuth. Heute besonders, wo bereits bc• trächtliche Erfahrungen ans Palästina vorlicgeu, wo auch die minder Gefestigten allmählich schwankend geworden und abgc• fallen sind, heute, wo eine beispiellose Reaktion die ganze Welt durchzieht, haben die Chaluzim eine besondere Aufgabe. Sic müssen •Vorbilder unbeirrten, ziclbcwußtcu Strebens sein, unbedingter Treue für die Idee, sic müssen mit den Erfah* rungen Schritt hallen und ihre Ausbildung den Erfordernissen des Landes anpassen. Wir glauben, daß die gemeinsame Aussprache der Delegierten verschiedener Länder dieses Ziel fordern wird. Die neue Organisation des ״Chaluz“ soll keine neue politische Partei sein, sondern den praktischen Zwecken der Chaluzbcwcgung und ihren sachlichen Aufgaben dienen. Wir wünschen der Berliner Konferenz das beste Gelingen. Vor der Weitkonferenz findet in Deutschland eine Tagung statt, die der Gründung eher deutschen Chatüzorgams.iiior» dienen soll. Bereits bei der Praktikantentagung am 29. Oktober, über die wir itv Nr. 87 berichteten, wurde die Vorbereitung des Verbandes beschlossen. D!c deutsche Chaluzbeweguug ist numerisch vielleicht geringer als die der Ost- Staaten, aber sie kann besonders durch die in Deutschland bestehenden Ausbildungsmöglichkeiten zu erheblicher quali* tativer Bedeutung gelangen. Dabei ist aber die Grundfordcfing, daß die aus Deutschland stammende« Chaluzim, die der Regel dem jüdischen Volkstum ziemlich entfremdet sein werden, nicht nur den Willen zu fachlicher Leistung, sondern •Heil den Willen zu restlosem Anschluß *« das werdende hebräische arbeitende Volk in Palästina in sich tragen. In der letzten Zeit haben sich Absondenmgsletidenzcn geltend «macht, die schon in Kassel Gegenstand heftiger Meinung«* kämpfe waren. In der letzten Nummer der ״jüdischen Rund- 5ehau“ haben wir eine Erklärung gebracht, die auch von mehreren Mitgliedern der deutschen Chaluzixwegung unter- Weizntann In Palästina Dr, Weizmann hat im Anschluß an »einen Besuch in Haifa die jüdischen Siedlungen in Nahalal und En Charoth besucht. Hierauf hat er sielt nach Jerusalem begeben, wo er im R«gicnmgsgcWU1de als Gast des Oberkom mii- »:rs abgestiegen ist, Dr. Weizmann lut für die Zeit seiner Anwesenheit In Palästina, Herrn Ben-Awi, den Redakteur des ״Doar Hajom“, zu seinem Sekretär bestellt, Weizmann In Aegypten Auf seiner Reise nach Palästina verweilte Dr. Welzmann, wie wir ״Haarcz“ entnehmen, vier Tage in Kairo, wo er sich mit den führendem Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde in Verbindung setzte. Er besuchte den Präsidenten der Gemeinde, Moscitc Kitui Pascha sowie Jakob Mozri, der Sekretär des Waad Hazlrini in Haifa gewesen irt. Ein Redakteur der ״Ggypiln» Gazette" suchte Dr, Wertmann k seinem Hotel auf, Weizmann verweigerte aber jede Aeußcriing über den Zweck seiner Reise und versprach, bei seiner Rückkehr aus Palästina nähere Mitteilungen zu machen. Nur das eine erklärte er Ihm, daß wir mit unseren arabischen Brüdern zu einem Einverständnis kommen werden, denn dies Ist für sie ebenso notwendig wie für uns. Im Hause des Vorsitzenden der zionistischen Vereinigung Joseph Cicurcl fand eine Versammlung statt, zu der die führenden jüdischen Persönlichkeiten der Stadt eingeladen waren. Dr. Weizmann gab in seiner Ansprache einen!Jeher* bück über die zionistische Arbeit ln den letzten zwei Jahren, seit seinem letzten Besuch in Aegypten, und betonte zum Schluß die große Bedeutung der Araberirage, an deren Lösung die ägyptischen Jude« besonders׳ mitarbeiten müssen, da sie sowohl lokal als auch sprachlich den Arabern nahe sind. Nach dem Berichte des ״Hanncz" sagte Weizmann: ״Wir fordern von Ihnoii keine materiellem Leistungen, sondern geistige Unterstützung. Bis heute haben wir cs nicht verstanden, den richtigen Weg zur Lösung der Araberirage zu finden, aber nunmehr hoffen wir den red«ten Weg gefunden zu haben." Ein arabisch ־ russisches Bündnis? Der Berichterstatter der ״Voss. Zig.", Dr. Julius Becker, berichtet seinem Blatt aus Lausanne: Die hier weilenden syrischen, arabischen und pailitl* nensisehe« Delegierten haben erklärt, falls die Mandatsfragc betreffend Syrien und Palästina auf der Lausiiiäicr Konferenz niefit in ihrem Sinne, der Aufhebung der Mandate, gelöst werde« sollte, sic ein Bündnis mit den Sowjets ab$cI«ließen würden. In diesem Falle wollen sic dem Emir .von Transjordanien, Abdallah, der ein Sohn des Königs von Hedschas und ein Bruder des Königs Feisal von Mesopotamien ist, in der Person des Exkalifen von Aegypten, Abbas Hilml, einen Oegenemir gcgcmlbcrstelicn. Diese Nachricht — für deren Richtigkeit der Bericht* erstattcr die Verantwortung trägt — ist besonders interessant, wem» man sich erinnert, daß im Vorjahr dieselben arabischen Nationalist«» die Juden bei der englischen Behörde denunziert haben, weil sie angeblich den Bolschewismus nach Palästina bringen! Cot. Kisch in zionistischen Diensten Wie die Londoner ״Zelt" meldet, ist an Stelle Dr. Ed er t Oberstleutnant Kisch von der zionistischen Exekutive zum politischen Vertreter der Zionistischen Organisation in PalästiiM ernannt worden. Da Herr Kisch im Gegensatz zu Dr. Eder nicht vom Kongreß gewählt wurde, wird er dieses Amt nur als Beamter in technischer Hinsicht nusüben. Oberstleutnant Kisch hat im Kriege in der englischen Armee aktiv gedient und hat mach Kriegsschluß der eng* lischc» Friedcnsdclegatiou in Paris a!3 Mitglied angehört. Zuletzt war er Mitglied eirjer englisch-politischen Mission in ^Frankreich. Kisch ist, \vle_ wir bereits mitteilten, mit Weizmann nach Palästina gereist, Die Einwanderung nach Palästina Jerusalem. (J.C, B.) Während des Monats No. ventber trafen in Palästina 1100, in der ersten Woche des Dezember 300 Emigranten ein. Herrmann Struck In Palästina. Wie ״Haare/,״ meldet, Ist Hcrrmaiui Struck mit seiner Familie in Jerusalem eingetroffen, um seinen Wohnsitz dort aufzuschlagen. Die Winter «ArteNsaaleon in Palästina Jerusalem. (J.C, B.) Nachdem der in der Regel drei Wochen andauernde palästinensische Winter vor der Tür stellt mul etwa dreitausend jüdische Bauarbeiter der Gefahr der Arbeitslosigkeit ausgescizt sind, traf die zksni3tische Exekutive Anstalten, die jüdischen Bauarbeiter während der Wiivtersaisort mit anderer Arbeit zu versorgen. Man hofft, die hierfür nötigen Mittel aufbringen zu können. schrieben wap und heftig« Vorwürfe gegen den Blau-Weiß richtet, dem systematische Mißachtung der jüdischen Kulturwerte und des jüdischen Volkstums vorgeworfen wird, Die darin mitgcteiltcn Tatsachen sind bisher der Öffentlichkeit nicht bekannt gewesen, da auch in Kassel die in der Erklärung dem Blau-Weiß zugcschriclencn Tendenzen In Abrede gestellt wurden. Wir erwarten, daß sich die Angegriffenen nunmehr gleichfalls äußern werde■«, Da der Blau-Weiß ein großes Kontingent der deutschen Chaluzim stellt und da die Gegen- Sätze besonders b» der Auffassung der Clialuziuth bestehen, wird der bevorstehende deutsche Chaluztag zweifellos an diesen Angriffen nicht vorübergehen können. Vielleicht wird dam» möglich sein, nach Anhörung beider Teile ein Urteil zu bilden, Weltkongreß und Zionistische Organisation Am 24, Dezember wird In Berlin da* Actions- Comitö zusammentreten. Der wichtigste Gegenstand der Beratung ist die Frage des jüdischen Weltkongresses für Palästinaaufbaiu Nachdem die Jahres konfcrcnz be* schlossen hatte, daß die Exekutive die vorbereitenden Schritte unntcrnelimcn und dem Actions-Comitd berichten soll, ist die Frage kaum wesentlich weiter gediehen, als sie bei der Jalireskonfcrcnz war. Noch immer erheben sich im zionistischen Lager Zweifel und Bedenken gegen die Idee als solche, trotzdem bereits ein Beschluß vor* liegt, dessen Aussichten gar nicht theoretisch beurteilt, sondern lediglich durch die Praxis in Erfahrung gebracht werden können. Bis jetzt, unmittelbar vor der A.-G- Sitzung, haben mir wenige Landesorganisationen zur Frage der Ausf lUiumg des Karlsbader Beschlusses' Stellung genommen. Lediglich in Amerika wurde über Initiative der Exekutive des amerikanisch-jüdischen Kon* grosses zunächst ein großes Komitee für New York eingesetzt, dem weitere Lokalkomitces folgen sollen, um zunächst einen amerikanischen Landeskongreß als Vorstufe des Weltkongresses vorzubercitcn. Eine führende Rolle in der Kongreßbewegung spielt das Mitglied der Bramleis-Gnsppc, Stephan Wise. In den anderen Und cm jüdischer Masscnsiedlung ist bisher eine Stellungnahme nicht erfolgt; wahrscheinlich vor allem darum, well gerade die wichtigsten dieser Linder, Polen und Litauen, durch die Wahle« zum Sejm und den Kampf um die jüdischen Minoritätsrechte zu sehr in Anspruch ge׳- nommen waren. Der große Sieg der Zionisten bei diesen Wahlen zeigt übrigens deutlich, daß die Zionisten, die extremsten Vertreter des Palästinagedankens, in jü« dischen Kreisen weit über den Rahmen der organisierten Parteigenossen hinaus Anhängerschaft und Sympathie haben, eine Sympathie, die jedenfalls nicht den Menschen, sondern der Idee gilt und die bei einem Palästinakongreß entsprechend zum Ausdruck kommen wird. In diesen Ländem dürfte also die Kongroßbewegung eine laut« Resonanz finden, und cs würde dort darauf ankommen, außer den politisch exponierten und populären Führern, die im wesentlichen Zionisten sind, auch andere führende Persönliclikeiten für den Kongreß zu gewinnen. Sollte man zu dem Ergebnis kommen, daß — zumindest in den Ländern der Masscnsiedlung — Landeskongresse den Weltkongreß vorbcrcitcn sollen, dann müßte jedenfalls peinlich dafür Sorge getragen werden, daß auf die Tagesordnung dieser Lantleskongrcssc ausschließlich die Palästinafrage gestellt wird. Der Dclcgicrtcntng der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in Kassel hat eine Resolution beschlossen, die ausspricht, daß er ״in liebere instimmung mit dem Zentralrat die baldige Einberufung eines jüdischen Weltkongresscs für den Aufbau Palästinas" als den Weg anerkennt, das gesamte jüdische Volk zur Mitarbeit an der Jewish Agency hcranzuzichcn. Dieser Beschluß greift eigentlich bereits den Resultaten des Weltkongrosses vor, indem er ein ganz bestimmtes Ziel ins Auge faßt, nämlich die Konstituierung der Jewish Agency. Es kann zwar nicht bestritten werden, daß die Frage des Weltkongresses im Zusammenhang mit der Frage der Heranziehung: nichtzionistischcr Juden nicht bloß zur Mitarbeit, sondern auch zur Mitverantwortung entstanden ist, keineswegs aber ist schon fcstgclegt, daß dem Kongreß die Einsetzung der Jewish Agency obliegen soll. Im übrigen kann man wohl sagen, daß in Deutschland der Kongreßgedanke keine wesentlichen Meinungsverschiedenheiten im zionistischen Lager 11ervorgerufen hat, wovon auch die einstimmige Annahme der erwähnten Resolution Zeugnis ablegt. Eine Vorstufe des angestrebten Zieles sehen wir in Deutschland in der neutralen Keren Hajessod-Bewegung, durch die bereits eine ganze Anzahl außerhalb der zionistischen Partei stehender ,Persönlichkeiten und Oruppen den Willen zur verantwortlichen Palästinatätigkeit bekundet haben, Lediglich in einem einzigen lande hat der Kongreßgedanke bisher stürmische Kämpfe in der Partei entfesselt, in Oesterreich. Die schon nach Karlsbad In Form einer Prcsscpolcmik begonnene Auseinandersetzung, wurde beim diesjährigen Parteitag, über den wir ausfiihriicli berichtet haben, fbrtgcfiihrt. Das Resultat war zwar ein Sieg des Kongreßgedankens, der auch in den Pcrsonalvcrändcrungcn innerhalb der österreichischen Parteileitung zum Ausdruck kam, doch glaubte die Mehrheit — vielleicht aus Entgegenkommen gegenüber dem Standpunkte der Gegner — ihre zugunsten des Weltkongresscs gefaßte Resolution durch einen Zusatz ein. schwanken zu sollen, indem die Bedingung ausgesprochen wird, der Kongreß dürfe den Bestand der Zionistischen Organisation nicht gefährden. Da gerade diese For. mulienmg schon mehrfach in der Diskussion aufgetaucht ist, so glauben wir, uns mit ihr auseinandersetzen zu müssen, denn wir sehen gerade in ihr eines der ge- Jährlichsten Hindernisse eines Gelingens,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.