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Jüdische Rundschau · 1922-10-06 · Heft 78-79 (6.10.1922) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 78-79 (6.10.1922)
Date
1922-10-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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•**״*<#*** I Kr. 78/79 JUEDISCH E RUNDSCHAU' . Seite 527 eilt 4חיי " urdc »t. י ״sischc, ,1ffieiid. *1■'Slitu "uch,,.׳! «‘•Sone״ •lt dft1 ‘RltWc, '"״cli! 'frlif;,I Cl r de!1?״. * vor. ״crd(״ ״ohno/ 8fndon 9 vtr! '"ß au( 'r Vf,. verth,. **IT des 101,1,1Re 1 wenn' ' Wahl Rl.1t(.' Bezug Haies Cirrücle. *chiinjT seiner Dauer ler in.! oder!r eine ctnrkn!er ihn oiditn IC der klären Artikel n dis in das r von id ist, in bc. itglied Deutschland Rcligfonsverfolgung in Sachsen Wir berichteten bereits über die Verordnung des ydisisclicn Kultusministeriums, die das Versäumen der jcJmle künftig nur an staatlich erkannten Feiertagen jestattet. Wir haben sofort schärfsten!״rötest gegen die Unterdrückung der Gewissensfreiheit erhoben. Jetzt meldet das ״Berliner Tageblatt“: Dresden, 4. Oktober. Die von den ״bürgerliclven“ Parteien befehdete Urut wahrscheinlich sogar verfassungswidrige Ver« ordming des sächsischen sozialistischen Kultusministers' Flcißucr, wonach es Schülern verboten ist, an staatlich nicht anerkannten Feiertagen dem Schulunterricht (ertizubleiben, hat bereits ihre Opfer gefordert. Urei israelitische Schüler des Döbelner Staatsrealgymnasiums sind mit Karzerstrafen belegt worden, weil sie entfegen der genannten Verordnung des Kultusministers am jüdischen Neujahrsfeste der Schule fernge blieben waren. Der Entrüstungssturm, den diese Nachricht herwrrufen wird, dürfte bald zur Aufhebung oder Un- Gültigkeitserklärung dieser Verordnung führen, die man;cradezu als mittelalterlich bezeichnen muß. a Rilualmordlegcndt In PrenOen Berlin. ,(J.C. B.) Vor den letzten Ostertagen vorttlnvuiid in GroschowiU bei Oppeln O./S, der vierzehnjährige Oäcrrcalscliülcr Walter, was zur Verbreitung des Gerüchtes nsii einem stattgefundenen Ritu.ilmord Anlaß gab. Obwohl flcirh darauf die Leiche des Knaben mit einer Schußwunde i!1f;cf1mden wurde, was .ja die Annahme eines Ritualmordes tm recht widersinnig erscheinen ließ, verstummten die Oen!chte nicht und der stellvertretende Regierungsprä- «ident von Horn sandte eine amtliche 'Zuschrift an die Staatsanwaltschaft, in welcher darauf hingewiesen wurde, daß üsVerschwinden des Knaben kurz vor Ostern auf gewisse Zusainm en hä ngc mit einem Ri t ua lm ord schließen;,;sc.' Der Centraivcreii» deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens beschwerte sich hierauf beim preußischen Innen- Minister Scvcring, daß dn hoher Rcgicrangsbcamtcr sich rclit scheue, die Judenlictzc amtlich zu fördern. Nunmehr erhielt der Centralvercin vom preußischen Innenminister eine Zusduift, worin das Verhalten des Oberregicnmgsratcs von Hom in der Angelegenheit des Verschwindens des Schülers U'a'tcr scharf verurteilt und dem Centralvercin bckanntgcgcbcn wird, daß dem Obcrrcgicrungsrat von Horn, der jetzt in Königsberg Dienst tut, ״das Geeignete eröffnet wuixlc“. Was alles möglich ist '£ fm Vetrt ornua• haitat ׳ sin leihen Viten, Wirk. tferwi tldärt hmen ז tuf änncr I, als Inung reteft* Amts- Mit• I der rlässc nung mun• mnig >y. Teil: t der ndes, irger- <a11nt lgcnmd• über• sich ilästi* hncit a zu jetzt agca von ׳.sei« Ifour i 25 ngen von bc• 101• vest• und lang Herr Dr. Alfred Nossig veröffentlicht im ״Vorwärts" vam 30. September einen Artikel ״Auf der Spitze der Bajonette“, der die Lage im Vorderen Orient behandelt. Darin heißt es: ״Mit der ,nationalen Heimstätte für das jüdische Volk* hatte der Völkerbund wenigstens den I’restigcerfolg zu ver• zeichnen, daß, dank dem Eintreten Englands als Mandatarmacht, die diesbezügliche Formel ais ein Wechsel auf die Zukunft in das Paläsfitwslafut aufgenommen wurde. Das ist »her auch so ziemlich alles. Genau besehen, liegen die Dinge in Palästina nicht viel anders als in Armenien. Von politischer Selbständigkeit auch keine Spur. Selbst die wirtschaltliche Entfaltung ist durch strenge Eiuwanderungsnornen aufs schwerste behindert. Ja sogar vor planmäßigen, immer wieder inszenierten Pogromen vermag die englische Verwaltung die Juden nicht z.u schützen. Es wäre unbillig, England für die Nichterfüllung der Zusagen verantwortlich zu machen. Nur unter dem Drucke der tatsächlichen Verhallnissc hat England auch hier den Weg der ,Interpretation׳ dir ursprünglichen Formel betreten, einen Weg, der gar leicht ebenfalls zur Nuliifikntion führen kann, In gewissem •Maße trifft die Schuld die zionistischen Führer. Sic haben alles auf die eine Karte der nationalen Prestige- Politik und der englischen Bajonette gesetzt. Sie haben « nicht begriffen, dal! es viel mehr gewesen wäre, von den Arabern durch freundschaftliches Abkommen im rid»• Esten Augenblick das Zugeständnis der freien Einwanderung zu erlangen, als vom Völkerbund eine vorzeitige Formel ohne lakl ehe Durchfülmmgsmöglidikcit, dafür aber geeignet, die Araber hcraus/uforclcrn und ihren Widerstand aufs höchste zu steigern. Sie haben vergessen, daß man ,mit den Ba- Netten alles tun, nur sich auf sic nicht setzen kann‘. Auch für die hcimstätfcsuchcndoi» Juden gibt es nur einen Weg: den der direkten Verständigung mit den Arabern und der Schaffung von Garantien, die möglichst weitab von Erobrerbajonctteu liegen.“ 8, Man kann von der Notwendigkeit einer Verständigung!jü den Arabern überzeugt sein und auch die zionistische J’olitik in manchen Punkten kritisieren, und wird doch Aus- •mimgen wie die zitierte aufs schärfste mißbilligen. Herr "f. Nussig niißbraucht ein iminformicrtes Forum, um die z.io- 1״hischrn Führer und den Zionismus schlechthin als Ableger Ws englischen Imperialismus zu bezeichnen, ohne sich darum ‘0 sehe ren, daß z, U. Dr. Weizmann, der doch persönlich ej!"?crinaßen beteiligt ist, von der Kongreßtribünc erklärt hat, *lf, haben keine Verbindlichkeit gegen den englischen Im* ^nalismus; er schert sich auch nicht uih die Beschlüsse |ךי Kongresses, die unzweideutig die Politik der Verständigung ®‘den Arabern zuin Aufbau der gemeinsamen Heimvorschrcibcn. Diese Aeußerung an dieser Stelle (I) una j1״r (jCIl £Wcck ״iKj den Effekt haben, die sor.iakiemo- ״"!sclu: Ocffciitlichkeit, auf deren Sympathien wir den größten :crt legen, gegen den Zionismus aufz.uhctz.cn. Man wird für "®י so) ehe Handlungsweise schwerlich ein anderes Wort als 1׳ttmiEiation ausfindig machen können. Verax und der C.-V. Benjamin Segel setzt in der letzten Nummer der B;V.-Zcil11ng seine ״Jüdische Rundschau" fort Bet allen bissigen Bemerkungen, die er gegen den Zionismus, זיי allen Dingen gegen seine politische Betätigung und gegen l־ Engländer richtet, stellt sein Artikel doch einen Versuch är! das zionistisch 1!!vi palästinensisch völlig uniformierte der C.-V.-ßlätter etwas zu orientieren. Er bespricht ae 1( eren H a j cssod * Broschüre und die Sdirift von ״»ascliow und vcrspriclit zum Schluß, auf die Tätigkeit Palästinensischen Arbeiterschaft in einen neuen Aufsatz h111Cr cil,8״״cäen. Bei aller Einseitigkeit der Darstellung Kit wir doch die Tatsache dieser Artikel tu» sicli für bc- : ß^uBcivsw’cft. ״״^ ״erkenswert ist, daß b den Kreisen des C.-V. das! dieser Artikel offenbar bereits Beunruhigung her-!"*«ouiea hat, zumal ja der Beschluß des Centralvercin! wegen Niclitbctciligimg am Keren Hnjcssod vorliegt. So muß dem! Verax In einer Schlußnote die empörten Mitglieder des C.-V. etwa» beruhigen, indem er ihnen inlttcilt, daß die Beschlüsse des C.-V. elifisa in Kraft sind wie sein eigener Standpunkt über Palästina. Darin kommt unvcrhüllt zum Ausdruck, daß die Ansichten von Verax uml dem Central- Verein keineswegs fiidcnlisch sind, und man kann in der Tatsache, daß der C.-V. dennoch Artikel von Verax verölt entlieht, nur die eine Erklärung sehen, daß er selbst seinen abnolut negativen Standpunkt für reformbedürftig hält. Oder «)Ute er diese Artikel wirklich nur veröffentlichen, well lm ganzen Umkreis des C-V. kein zweiter zu finden ist, der sich auch etwas mit Palästina beschäftigt hat? , •ו¬ An den Pranger! In Nr. 39 der Ilausbcsltzerzcltung■ ״Das Orundeigen tu in“ ist ein Artikel mit der Ucberschrlft ״Mieten- Zuschläge und. Ostjuden" erschien cm, dessen Verfasser ein Jude namens W. Philipps thal ist In diesem Artikel schreibt Herr Philippsthal: Auf eines muß noch besonder» hingewiesen werden, und zwar auf die Uebcrfrcniduug Berlins durch in der Hauptsache Ostjuden 1 Man soll sich davor hüten, die Wahrheit zu bemänteln und etwa gleich Antisemitismus wittern zu wollen, wenn diese Tatsache offen zur Sprache gebracht wird, Schreiber dieses ist selbst Jude und wird bei Jedem bodenständigen, anständigen deutschen Glaubensgenossen ebenso wie bei jedem deutschen Staatsbürger anderer Konfcssion kaum mißdeutet werden, wenn er erklärt, daß neben zahlreichen durchaus chrcnliaftcn Elementen sich gerade unter diesen Ostjuden viele Elemente befinden, die durch die Handlungsweise und ihr ganzes Auftreten infolge ihre» niederen Kulturstandes zwar nicht voll verantwortlich gemacht Werden können, aber derart auf netzend wirken ׳— siche Orenadierstraße und Kurfürstemtamm —, 'daß die Regkrung erst einmal die von diesen belegten Wohnungen und Geschäftsräume aus der Zwnngabcwlrtsdiaftung ausschlicßcn müßte, zumal cs als absolut sicher erwiesen angesehen werden m»0, daß ein erheblicher Prozentsatz dieser Leute nicht direkt von den Hausbesitzern die betr. Räume gemietet hat, tondern diese ihnen gegen Abfindungssummen von der Mieterschalt überlassen sind. Diese Räume müssen 111 erster Linie den deutschen Flüchtlingen und deutschen Familien, die Infolgedessen in möblierten Privatlogis zu exorbitant hohen Preisen jetzt Unterkunft haben, zugeführt werden. Die Abwanderung lavllebsamcr, das deutsche Volk schädigeuder Elemente wm! bei geschlossener Front der Hautbcsitzer von selbst erfolgen! Mir steht zwar lm Augenblick kein statistische» Material zur Verfügung, aber die Zahl dieser Elemente muß recht erheblich sein, denn wo man geht und steht, kann man heute den typischen Ostjargon wahriielunenI Würde man Liste« in den Häusern zirkulieren lassest, so dürfte die Uiitcrschriflszahl so gewaltig werden, daß keine Regierung cs wagte, diesen Zustand noch länger als gerechtfertigt zu verteidigen. Für uns Hausbesitzer gibt es nür reine Wirtschaftsfragen, und das ist außerdem eine Existenzfrage erster Ordnung, wo jede Gefühlsduselei aufhört 1 Wo jeder Deutsche, ohne Unterschied des Bekenntnisses, Schulter an Schulter zusainmcnstehcn mußt W. Philippsthal, Es genügt, diese geschäftstüchtige Würdelosigkeit niedriger zu hängen. ' Sprecbsaal 1 '1 1 Leipzig, den 27. August 1922, An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau" j. B e r 11 tv ,Sehr geehrter Gesinnungsgenosse! Es ist notwendig, noch einmal auf Ihren Artikel ״An- Siedlung deutscher Clialuzim in Palästina“ und ״Das neue Sicdlungswcrk in Ntnis“ znriickziikommcn, Id! habe den Artikel mit einem äußerst peinlichen Oefühl gelesen und ich weiß auch bestimmt, daß meine Freunde in Palästina ihn mit dem gleichen Gefühl peinlicher Verlegen* heit lesen werden. Nicht daß von den berichteten Tatsachen Irgend etwas nicht zuträfe. Sie sind alle völlig richtig. Aber cs ist 'die ׳Art, das Pathos, die großen Worte, mit der da von uns ge-., sprochen wird, das uns so peinlich ist. Und Ich möchte diese Gelegenheit benutzen« um einmal folgendes mit allem Nachdruck festzustellcn: Gewiß ist cs richtig, daß Nuris in bcztij׳ auf Malaria und Arabergefahr ein exponierter Posten ist, daß unsere Menschen sieb seit zwei Jahren cffirch schwerste materielle Bedingungen durchschlagen, daß wirklich Leben und Gesundheit auf dein Spiel stellt, Aber keiner von unseren Menschen drüben hat das Oefühl, daß er sich ״opfert“ oder daß er .,geopfert' wird. Man spricht nicht einmal von ״nationaler oder zionistischer Pflichterfüllung״. Man ist einfach da, steht auf seinem Posten, arbeitet und hat einen Abscheu vor allcii pathctisdicn Pcfinllinnen. Darum sollte man — wie drüben die Menschen in einfachen Worten sprechen — auch hier in einfachen Worten von ihnen sprechen. Diese Feststellung hindert uns natürlich nicht, den Abstand zu erkennen, zwischen dem, was hier und in Palästina gegeben wird. Stunde liier hinter den Zionisten die gleiche Kraft und der gleiche Wille wie in Palästina, so gäbe cs keine Geldfragen und keine Geldsorgcn im Zionismus. Dann muß ich noch auf eine zweite Sache eingchcn, die uns sehr unangenehm berührt hat: Man kann aus dem Artikel den Eindruck gewinnen, als wollten die Vertreter der Gruppen für Nuris-Üst Ihre Bc« Ziehungen in Deut-,cliland ansiiuUeti, um sich die Mittel für ihre Ansiedlimg zu verschaffe^ als trüge das ganze einen ״landsmannschnltUchc׳»“• Charakter. Dcmgcgciiülicr muß der Standpunkt der Gruppen zur. Frage der ״laiidsinnnnschafilichcn Kolonisation“ — der völlig übereiustimurt mit dem Standpuukt aller Gruppe» deutscher Clialuzim in Palästina und mit dem der ganzen palästinensischen .Arbeiterschaft — noch einmal mit allein Nachdruck fcstgcstcllt werden: Wir sind unbedingte Gegner einer ״landsmannschaftlichen Kolonisation", d, h. wir sind unbedingt dagegen, daß die Tatsache der Hcikiimft von Chaluziin aus einem bestimmten Land uml ihre finanziellen und sonstigen Beziehungen in demselben zum Kriterium für ihre Reife zur Ansicdluiig gemacht werden sollte. Die Rang- Ordnung der zur Ausiculung kommenden Gruppen rmtß von den dazu bestimmte» palüriiueiishchcu Behörden (Landarbeiterr׳,V.(t und kV.omsatiiJtiisnbtdIiMg der zionistischen Exekutive) n1,־..;ri1!i.:T,1!c,'1 nach der Bei.üiigisug der in IJctr-ieht kommenden Gruppen!־:•״dliinnit werden! Wenn nationale oder national crta'.joare •'mlel Ir.ndunamtschaftHd» verwendet werden, oder vviiii ei;11 Gruppen ohne Prüfung 'uml ohne Rücksicht auf die anderen auf Au׳,ic.!!,:1,׳g wartenden Gruppen, mit Hilfe solcher i Mittel und Beziehungen als' zur Ansiedlimg reif erklären, so führt das zur Anarchie Und zum Chaos.!Darum ist auch Jeder Präzedenzfall überaus 'gefährlich. Auch wo einzelnen t Landsmannschaften bestimmte 'Aufgaben für die Aufbringung von Mitteln für die Kolonisation zugewiesen werden, darf das niemals bedeuten, daß damit pchon Chaluzim aus dicrcn Liiudorn einen Anspruch auf die 80 aufgebrachten Mitteil haben, Diese dürften nur dann herangezogen werden, wenn die bctreffenden Gruppen unabhängig davon zur Ansiedlimg bcstimmt sind. Trifft diese Voraussetzung nicht zu, so sind die Gelder für andere zurzeit erforderliche Siediungsaiifgabcn zu verwende». In Konsequenz dieser Anschauungen haben Übrigens die Oruppen mehrfach bedeutende Beträge, die ihnen auf lnmlsmannschaftlicher Grundlage Angeboten waren, ohne weiteres »!)gelohnt. Erst als sic von den genannten palästinensischen Behörden an erster Stelle in die Keilte der neuen Ansiedler aufgcnommeri und zur Ansiedlimg in Nuris-Ost bestimmt worden waren, haben sic sich berechtigt gefühlt, Vertreter nach Europa zu senden, Anleihen aufninenmen und Käufe durchzuführen. Auch haben sie sich in jedem Falle der vorherlgen Entscheidung des Keren Hajessod sowie der zionistisehen Exekutive unterworfen. Mit Zionsgrußt ’ , Leo Kaufmann^ Kwuzah Chefzibah-Palästma, z.Z, Leipzig,* I Zionistische Bewegung ( __ > 1 Die Uebcrsietllung des Keren KaJemcUi y nach Idrez ־ Israel Der Keren Kajemclh Lcjisract (Jüdischer Nationalfonds) hat seine Zentrale nach Jerusalem verlegt. Mit dem Beginn des Jahres 5683 wird das Hauptbüro unserer beliebtesten In•• stitution von Ercz-Isracl aus seine Tätigkeit aufnehmen. Die» Ist ein wichtiger Wendepunkt ln der Geschichte des KorM| Kajemeth und ein bedeutsames Ereignis für die ganze zlo. nistlschc Bewegung, Zinn ersten Male wird eine zionistische Zcntraliirstitution von der Diaspora vollständig nach Erc/.-: Israel verlegt. Auch hier, wie in vielen» andere», geht der Keren Kajemeth als Pionier voran. Die erste Wirkung dieser, Verlegung wird darin bestehen, daß die Keren Kajemeth-Verwaltung unmittelbaren Einfluß auf die Verwendung der Mittel# des Keren Kajemeth in Ercz-Isracl nehmen wird. Gleichzeitig* soll versucht werden, von Erez-Israel tus auch die großen: Mittel aufzubringen, die in der nächsten Zukunft für die Durchführung der Aufgaben des Keren Kajemeth erforderlich sind. Zwei Jahrzehnte hat der Keren Kajemeth eine in ihrer• Art einzig dastehende Sammeltätigkeit in allen von Juden bewohnten Ländern der Erde durdigeführt und durch diese Sammeltätigkeit allein Leistungen vollbracht, die zu den stärksten Aktivposten unserer zionistischen Tätigkeit gehören.' Weite Schichten des jüdischen Volkes wurden durch den Keren Kajemeth zu nationaler Opferwilligkcit he ränge zogen und eine, nach Tausenden zählende Armee freiwilliger Mitarbeiter heran-, cbildct. Durch eine ganze Reihe populärer SammclmiUc!,. Ic tief in das Volkscmptindcn cingcdtungcn sind, hat der' Keren Kajemeth in zwanzigjähriger Arbeit aus Pfennigen, Kopeken, Centimes. Hellem usw. die stattliche Summe von 900 000 Pfund Sterling zustande gebracht. Diese Summe darf/ nicht nur nach ihren» ziffernmäßigen Wert gemessen werden, sondern auch nach der Fülle hingebungsvoller Arbeit, die darin steckt. Es ist werbendes Volkskapital, mit dem wir in Erez- Israel den Grundstock einer verheißungsvollen nationalen Ko• Ionisation gelegt haben. Bei diesem wichtigen Wendepunkte des Keren Kajemeth Ist ein kurzer Rückblick über seine bisherige organisatorische Entwicklung nicht unangebracht Auf dem V. Zionistenkongreß‘ 1901 geschaffen, wurde der Keren Kajemeth in den ersten Jahren als ein organisatorisch an das Engere Actions-Comitd in Wien nngeschlosscner Fand» geleitet und erst 1905, nach Verlegung der zionistischen Zentrale von Wien nach Köln, wurde ein selbständiges Büro errichtet. Bis zum 'Jahre 1907 befand steh die Leitung des Keren Kajemeth in den Händen Johann Kremenezkys, der mit unermüdlichem Eifer und eiserner Tatkraft für ihr» wirkte. Zugleich mit der Legalisierung des Keren Kajemeth als englische Genossen schalt, erfolgte die Errichtung des Hauptbüros in Köln. Justizrat Dr. Bo•' denheimer, dessen Vcnlicnstc um die Legalisierung amvergessen bleiben werden, '.hatte als Vorsitzender des Wrektoriums gleichzeitig die Oberaufsicht über das Hauptbüro, ln den folgenden acht Jahren bis 1914 hat das Hauptbüro, dessen Generalsekretär und Amtslcitcr der unvergeßliche Na•׳ than Groß war, von Köln aus an dem Aufbau der Keren Kajcinctli-Organisatiori gearbeitet, die lieh heute auf 60 Länder und LQiulcsteilc erstrpekt, Bei Kriegsausbruch mußte das Haupt• liüro nach einem neutralen Laude verlegt werden. Man wählte - den Haag, weil liier einige hervorragende Oesinmings•; genossen sich bereit erklärten, sich um das weitere Schicksal' des Keren Kajemeth zu bekümmern. Diese ״Haager Periode“ dauerte acht Jahre. Für den Keren Kajemeth war sic wichtig,' und was seine materielle Stärkung betrifft, von günstigen Folgen. Er konnte, ungestört durch die schweren Erscliüiterungen des Krieges, seine Organisation weiter ausbauen und cs ist ihm gelungen — trotz Investierung bedeutender Mittel, in Ercz-Isracl, Insbesondere für Notstandsarbeiten — eine beträchtlichc Summe zu tliesauricrcn. Diese Summe hat cs dem Keren Kajemeth ermöglicht, nach dem Kriege in großem Stile mit Bodcnkäulen zu beginnen und seinen Grundbesitz in Ercz-Isracl zu vervielfachen. Diese günstige Entwicklung ist nicht zum geringen Teil auf die Mitarbeit Nehemia' de Liemes zuri'ickzuführen, dem auch für die programma• tische Festlegung der Bodenpolitik des Keren Kajemeth, wie sic in den Beschlüssen der Londoner Jahreskonferenz ausgedriiekt ist, das Hauptverdienst zufällt. Die Karlsbader Jahreskonferenz hat ii» einer Resolution den Keren Kajemeth zu seinem zwanzigjährigen Jubiläum begrüßt und der einmütige» Ucberzcugtimg Ausdruck gegeben, <lau das jüdische Volk und ganz besonders die Zionisten der ganze» Welt, diese schöne und erhabene Institution auch weiterhin mit allen Kräften fördern werden. Dieser Appell war notwendig, da i!» den letzten zwei Jahren der bis dahin so erfreuliche Aufstieg des Keren Kajemeth einen Rückschlag, erfuhr. Der Rückgang der Einnahmen ist aber nur auf äußere Ursachen zu rück zu führen, die durch de» Willen des Volkes und die verstärkte Mitarbeit der Freunde des Keren Kajemeth leicht zu beheben sind, Jeder, der die Sammelnrbeit des Keren Kajemeth nur einigermaßen kennt, ist sich darüber klar, daß auch unter den heutigen ungünstigen Verhältnissen überall die Einnahmen für den Keren Kajemeth durch eine bloße Ver- Stärkung der Propaganda und einen besseren Ausbau seiner Organisation noch ganz bedeutend vermehrt werden können, Für den einzelnen sind die bisherigen Gaben, selbst wenn sie auf ein Mehrfaches erhöht werden, nodi lange kein Opfer, Und welch ungeheures Reservoir für den Keren Kajemeth noch zu erschöpfen ist, geht am besten aus der Talsache hervor, daß trotz einer zwanzigjährigen emsigen Sammeltätigkeit heut« noch kaum ein Zehntel des jüdischen Volkes für den Keren Kajcinotl» interessiert wurde. Die Gelegenheiten für Sammlungen rind so zahllos, daß auch von diesen bisher nur ein Bruchteil planmäßig misgemitzt wurde, liier muß vor allem die Stärkung1 der Simmelorganisalio» und ganz besonders die Vermehrung der freiwilligen Mitarbeiter d!»setzen.

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