Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 78-79 (6.10.1922)
- Date
- 1922-10-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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נןץמיי״ו־ו־י׳יין נ״־״״ז 11 נ L. j r<tü Redaktion und Verlort W15, SRclwilicIi« Straße 8, Erichclnt jeden üicn»l״tf und Freiing. Bcrit^prci* bei der Expedition und den ',Postämtern vlcrtcl|ährllch 150,-M. InDeuUehUnd. Auslnndsabonm-Dicnta werden in der Währung der einzelnen Länder berechnet. ^jsaMresaaKassmar- Nummer 78/79 Telephon! Pfalzburg 6697 u, 6698. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich! Postinarkn.iscnamt Wien, Konto Nr. 156030. I. ilA * mm Sa M Ml. a i _ (. fl _4 I i VI a t .a . %* am am ja mm am am Anreißen-Verwaltung; Jttdlaclie Rundschau G.m.b.H., Berlin W״i5, Sächsisch* I Poitsnarkassenamt Wien, Konto Nr. 156030. Straße 8. - Telephon j Amt Pfalzburg 6697, 6698 u. 6699. I * <״ * »chechoslowakcl! Postsparknssenamt Prag, Konto Nr. 156030.? 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Jahrhundert die Wissenschaft des Judentums in vorbildlicher Weise ausgebaut, Deutschland war, seitdem cs eine zionistische Bewegmig gibt, das Land, in dem besonderer Wert' auf die tiicorctische Erfassung und Durclulringiuig jüdischer Probleme gelegt wurde. Deshalb forderte Schmarja Löwin in der Diskussion, die sich an Bhtmeiifclds Propagamlareferat alischloß, die besondere Tätigkeit der deutschen Zionisten auf diesem Gebiete. Ist der deutsche Zionismus imstande und gewillt, Hell dieser Aufgabe zu unterziehen? Wir sprechen dabei H-orcrst noch gar nicht von der speziellen Forderung, eine Schule der Propaganda zu. begründen, sondern begnügen uns, allgemein zu fragen: sind die deutschen Zionisten gewillt, wieder Propaganda zu treiben, sind sie dazu innerlich vorbereitet? Der Zionismus hat in den letzten Jahren eine Entvicklung diirchg'cmacht, die wir parallel in allen idca- Irdischen Bewegungen finden, sobald sie in die Periode der Verwirklichung einzutreten beginnen. Es war leicht, d.!s Judcnproblcm in seiner Totalität zu erkennen, den Zionismus als die nationale Freiheitsbewegung des jüdiselten Volkes zu propagieren uitd damit den Gegensatz zu der anders orientierten jüdischen Umwelt herauszuarbeiten, solange in dem Vertreten dieser Gedanken die gesamte zionistische Tätigkeit liegen mußte. Wir stellten ein Ideal auf, das dem gegenwärtigen Zustand des jüdischen Volkes so diametral entgegengesetzt war, daß man cs sich kaum vorstcllen konnte, wie einmal der Weg von der heutigen Realität zu dem vorgesteliien Ideal verlaufen könne. Heute liegt der Weg zwar nicht in jeder Einzelheit klar erkenntlich, aber doch in seiner Richtung bestimmt vor uns. In den Mittelpunkt unseres Interesses sind praktische Fragen getreten: die politische Sicherung unserer Rechte, die wirtschaftlichen Probleme des Aufbaus, die finanzielle Vorbereitung dieses Aufbaus, die berufliche Erziehung für Palästina. Das Auftauchen aller dieser Probleme hat eine natürliclic Wirkung gehabt. Jede dieser Forderungen an sich betrachtet ist nämlich keine spezifisch zionistische. Für jede Einzelaktion, die wir unternehmen, können wir heute mit der Mitwirkung mancher jüdischen Kreise außerhalb der Zionistischen Organisation rechnen. Auch andere jüdische Gruppen in- und außerhalb Deutschlands halten die Begründung jüdischer Kolonien in Ercz- Israel für ein unterstiitzungswürdiges Unternehmen. Die Förderung der hebräischen Sprache und Kultur findet Interessenten und Förderer auch außerhalb unseres Kreises. Der Gedanke, auf die Berufsschichtung des jüdischen Volkes in der Richtung einer zunehmenden Produktivierung einzuwirken, erfreut sich gewisser Sympathien sogar in ausgesprochen antizionistischen Kreisen. Zusammenarbeit mit anderen jüdischen Gruppen, vor dem Kriege ein fast unmöglicher Gedanke, ist heute auf den verschiedensten Gebieten zionistischer Arbeit möglich und notwendig geworden. Diese Periode muß in jeder Bewegung im Augenblick ihrer Realisierung eintreten. Solange sich die Sozialdemokratie darauf beschränkte, die letzten sozialiMischcn Gedanken gegenüber dem heutigen Zustand mit aller Klarheit zu verkünden, kam für sie Mitarbeit mit bürgerlichen Gruppen nicht in Frage. Als sic beßann, praktische Einzclforderungen durchzuführen, entwickelte sie sich zur Regierungspartei. Die Gefahr einer derartige!! Epoche ist leicht zu erkennen. Immer inniger wird die Berührung mit der realen Weit, die man theoretisch grundsätzlich ablchncn muß. Immer stärker wird die Verlockung, Einzelerfolge zu erringen, Fortschritte zu machen auf Kosten der Idee durch Kon- Zessionen an andere Auffassungen, die in unlöslichem 'Widerspruch mit unserer Auffassung stehen. .Wir sind dieser Gefahr bisher im ganzen erfolgreich aus dem Wege gegangen. Wir haben uns dagegen verwahrt, der Zionistischen Organisation eine bloße Palästinaaufbauorganisation zu machen, haben uns dagegen verwahrt, die Tore der Organisation so weit zu Offnen, daß jeder Nichtzionist bei uns Eingang findet, wir haben vielmehr den Gedanken vertreten, daß wir hntcr Wahrung des prinzipiellen Standpunktes gemein- Same Aktionen mit anderen führen können.! So sind wir politisch der Gefahr der Verwässerung Unserer Ideen entgangen. Was wir vertreten, wenn wir w‘t Nichtzionisten verhandeln und sprechen, ist Zio- "ismus, ist kein auf die gegenwärtige Situation zugeschnittener Halb- oder Viertelzionismus. Aber wie ist die innere Stellung unserer Gesinnungsgenossen? Ist "«י was sic erfüllt und was die Grundlage ihrer tagwehen zionistischen Arbeit bildet, noch Zionismus? *®Pjindea sic noch mit yoller Stärke, de» rcvolulio- Prof. Einstein fahrt nach Palästina 1 Herr Professor Einstein, der, wie aus den Tageszeitungen bekannt ist, am 28. September nach Japan abgercist ist, hat uns am Tage seiner Abreise niitgcteilt, daß er auf der Rückreise von Japan Palästina besuchen wird. Er wird voraussichtlich Ende Februar oder Anfang März in Palästina eintreffen und 10 Tage im Lande bleiben. Herr Professor Einstein hatte ursprünglich Bedenken, für eine so kurze Zeit nacii Palästina zu gellen und hat ausdrücklich erklärt, daß dieser erste Besuch nicht etwa als seine ursprünglich geplante Palästinareise attfzufassen sei. Er will bald nacii der Rückkehr von seiner großen Reise für mehrere Monate nach Frcz-lsracl gehen. Einstein führt von Japan für kurze Zeit nacii Niedcrländisch-Indion, von dort nacii Palästina, zum Schluß nach Spanien, wo er nur wenige 'Lage bleibt, und kehrt daun Ende März nach Berlin zurück. . ,׳_ Die neue zionistische Delegation nach Amerika (JPZ). London. Am 28. September fuhr Colonel Wegdwood, das bekannte Mitglied des englischen Unterhauses und Vizeobmann der parlamentarischen Labour-Party nach Amerika. Er wird am 11. Oktober an der poale-zionistischcn Kon lerenz in Toronto (Kanada) als Oast teilnelimen und die übrige Zeit seines amerikanischen, Aufenthaltes׳der Arbeit für den Keren Hajessod widmen. Dr. Schmarja .Lewin, der am 26. September in Antwerpen sprach, wird nach den Feiertagen ebenfalls nach Amerika reisen, gemeinsam mit Dr. R u p p i n, der in den nächsten Tagen in London erwartet wird. Weizin arm, der voraussichtlich Anfang November gemeinsam mit Dr. G. Ha Ipern, dem Managing' Direktor des JCT und Mitglied des Finanz- und Wirtschaftsrates, siel» nach Palästina begeben wird, dürfte dann ebenfalls für einige Wochen Amerika besuchen. nären Charakter dieser Bewegung, der sic völlig scheidet von allen anderen jüdischen Tendenzen der Gegenwart, auch wenn sich noch so viel praktische Möglichkeiten der Zusammenarbeit bieten? Empfinden sie, daß die Assimilation stärker als je die Position des Gnluth erschüttert und daß sie unsere unerbittliche Feindin ist, mit der cs für uns kein Kompromiß und kein Abkommen geben darf? Man wird diese ernsten Fragen nicht ohne weiteres bejahen können. Man wird nicht verkennen, daß die ganze Richtung unserer Arbeit in den letzten Jahren auch ihre Wirkung auf die Auffassungen unserer Zionisten gehabt hat. Es ist heule nicht an der Zeit, in bloßer Proteststcllung gegen die jüdische Umwelt zu verharren. Aber cs ist noch weniger an der Zeit, alle theoretischen Fragen beiseite lassend, sich dem gefährlichen Wahn hinzugeben, als ob wir mit einem großen Teile des deutschen Judentums heute im wesentlichen konform gingen. Man kann unsere sämtlichen einzelnen Forderungen akzeptieren und wird doch nicht Zionist sein, nidit nur weil theoretische Erkentnis fehlt, weil man nicht von der Frage des ganzen Volkes, der ganzen Kultur, der ganzen Einzel- Persönlichkeit aus das jüdische Palästina fordert, sondern auch, weil die Intensität der Arbeit, die Hingabe und der Opfermut nur dann vorhanden sein können, wenn inan im Aufbau Palästinas und der Förderung der hebräischen Sprache mehr sieht als Aktionen, wie deren viele nebeneinander gemacht werden können. Der deutsch Zionismus wird sich den Aufgaben, die ihm Schmarja Levin gestellt, nur dann unterziehen können, wenn er wieder -einmal seine Grundlage prüft Wieder einmal sollte sicli jeder, der in der zionistischen Arbeit stellt, die Frage vorlegcii, warum erZionist ist, was der Sinn dieser Bewegung ist, für die er arbeitet und die das Letzte von ihm fordern kann. Wir sollen einmal wieder zu' den Schriften greifen, die unsere eigene Entwicklung und die Entwicklung unserer Be• wegung bestimmt haben und noch heute geeignet sind, sic zu bestimmen. Wir haben in Hcrzls Tagebuch jetzt ein Werk erhalten, das uns die ganz unvergleichliche Persönlichkeit, den ganzen umwälzenden Schwung unseres unvergeßlichen Führers von neuem erleben läßt. Worin auch immer ־unsere Bewegung über Herd hin■ ausgewachsen ist, sie wird immer wieder zu ihm zurückzukehren haben, wenn cs gilt, den ganzen Zionis• mus in seiner Reinheit zu vertreten, Wir brauchen wieder stärkere Beschäftigung' mit der zionistischen Ideologie, stärkere Studien der Klassiker unserer Bewegung und der Geschichte des Zionismus, um aus ihnen immer wieder die Kraft zu schöpfen, zionistisch zu wirken ■und zu arbeiten und uns von allen anderen Juden, die heute mit uns am Aufbau arbeiten, durch die Kraft unseres Willens und die Qrößc unseres Opfers zu unterscheiden. Stärkere theoretische Erkenntnis scheint uns die erste Vorbedingung zu sein, um wieder einmal zionistische Propaganda beginnen zu können. Diese Mahnung richtet sich in erster Linie an unsere Ortsgruppen. In unserer Jugend ist es erfreulicherweise noch selbstverständlich, den Zionismus * 1 Der antljfldlsclic Boykott In Palästina Jerusalem (J.C.B.). Die Exekutive der Var-' einigten muselmanischen und christlichen Araber be-i schloß in ihrer letzten Sitzung, die Ausführung der von kurzem auf dem Araberkongreß in Nablus angenommenen Resolution über den a nti jüdischen . Handels• boykott zu verschieben.!!! I * ׳>• Die arabische Exekutive fügte Ihrem Beschluß den Kommentar bei, daß die Vertagung lediglich als ein« vorübergehende Maßnahme zu betrachten sei und daß der Boykott sofort, nachdem die nötigen Vor- Bereitungen getroffen sein weiden, ln Kraft treten wird.1 In der nächsten Zeit soll eine gemeinsame Sitzung der( Mitglieder der arabischen Exekutive mit den .Haupt-1 Vertretern des arabischen Handels in Jerusalem statt-j finden, um die Frage der Durchführung den Boykott-Resolution zu erörtern. Es soll cbw( besondere Kommission arabischer Kauflcute gebildet^ werden mit der Aufgabe, die Maßnahmen zäun Boykott! durchzuführen. Es sind bereits •■׳ Rropag^nda^ gruppen organisiert worden. .’י*,'י Hinrichtung der transjordaniichen Aufrflhrtrl Jerusalem (J.C.B.). In diesen Tagen müden*ill■( Führer der Au!ständischen gegen Emir Abdallah, die vq* einiger Zeit ein großes Blutvergießen in ,Traasjordanien ver.! anstaltct hatten, in der Hauptstadt der Provinz Egtion dufthl den Strang h in ge r i eh tet, unter'ihnen der in •.Trans-, Jordanien populär gewesene Sd1ci־׳h Al Kalab Sarkti, dessen Sohn, sowie einige andere Scheichs.' Die‘Hinrichtung geschah auf offenem Platz vor versammeltem .Volke, unter welchem! sich mehrere Scheichs der Umgebung'befanden. Die Dörfer,! die an dem Aufstand beteiligt waren, wurden mit einer KonJ tribution von 20000 Pfund belegt '* ■1 ׳-• *׳• immer wieder auf der Grundlage seiner gesamte« theo•' rctischcn Fundierung und unter Zurückgehen auf seine, gedanklichen Führer zu begründen. Unsere Ortsgruppen! aber bedürfen in viel stärkerem Maße theoretischer,' zionistischer Beschäftigung, lim wieder die Möglichkeit; zu erhalten, mit der ganzen Stärke unserer Idee wirken’ zu können. Gerade jetzt, wo unsere Ortsgruppen zu den mannigfachsten praktischen Arbeiten herangeaogenj werden, bedürfen sie des Gegengewichtes derartiger, grundsätzlicher Erörterungen und Besprechungen, unfj nicht der Gefahr zu erliegen, in ständiger Kleinarbeit! aufzugehen und ein reines Vereinslcbcn zu führen. In| jeder Ortsgruppe sollte sich wenigstens ein Kreis von Interessenten bilden, die gemeinsam, sei es an Hand eines! Buches, sei cs in freier Diskussion, nicht die: aktuellen, sondern die ewigen Grundprobleme unserer! Bewegung erörtern. Sic werden erkennen, welche Wir-: kung eine derartige Beschäftigung auch für ihre prak-| tische Arbeit haben wird. Und noch ein Zweites wird damit gewonnen werden. Wir klagen über den Mangel an Menschen, speziell über den Mangel an agitatorisch geschulten Kräften. Aber cs ist ein Mißverständnis, wenn man glaubt, daß cs in erster Linie bei uns auf formale Beredsamkeit ankommt. Das Ucbcrzcugcn fällt dem! Ucbcrzcugtcn nicht schwer, aber der Ueberredete ist noch nicht überzeugt. Wer die Idee des Zionismus1 hinaustragen will, gleichgültig, ob er einen einzelnen1 für die Idee werben will oder ob er auf größere Menschenmengen zu wirken beabsichtigt, darf nicht im Rausche eines Augenblicks, aber auch nicht in der gewohnheitsmäßigen Kleinarbeit vieler Jahre Zionist geworden sein. Er muß einmal den Mut gehabt haben, das ganze Problem zu durchdenken und zu ihm Stellung zu nehmen. Der Wille zur zionistischen Arbeit hat die klare Erkentnis der Notwendigkeit des Zionismus zur Voraussetzung. Wer aber einmal ganz von der Idee durchdrungen ist und sic sich ganz zu eigen gemacht hat, der wird in vielen Fällen auch das Erwachen der rhetorischen Fähigkeiten entdecken, die dem, nichts helfen, der nichts zu sagen hat, bei dem aber häufig entstellen werden, in dem starke und wirksame Ideen leben. Die Zionistische Organisation hat sich immer durch( den starken Drang nacii Wirkung auf die Außenwelt ausgezeichnet. Wir waren niemals eine kleine Sekte, die in sicli cingcspomicn iiircn weltentrückten. Träumen nachging. Dieser Angrifisvvillc, nicht im Sinne einer Offensive, die den Gegner schädigen will, sondern im Sinne eines Angriffs auf die gesamte geistige Position:! der Assimilation, durchgeführt zu dem Zwecke, diese'. Position zu nehmen und den zionistischen Gedanken an die Stelle der Assimilation zu setzen, war die Stärke unserer Bewegung und muß es wieder werden. Nur: weil man in uns die Stärke unserer Idee achtet, ist cs möglich gewesen, andere Kreise für die Mitarbeit zu gewinnen. Dieser Angriffswillc muß in uns lebendig bleiben und muß stärker in uns werden. ,,, F, L.