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Jüdische Rundschau · 1922-09-29 · Heft 76-77 (29.9.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 76-77 (29.9.1922)
Date
1922-09-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Auslandsabon- Bcnients werden in der Währunß der ein reinen Länder berechnet. ,tm-Fi KzSlmmtt ■■1׳■»™• 1«»•• -,1׳■ri ■ ■1■ ׳ — ״ n!׳ ■ ' י ו-•iTr a—untn hia rwn 'Bf ,iii'linllYvTfZI Nuinmo* 76/77 | Berlin, 29. IX. 192. per Zionl5r.m■ erstrebt für da» Jüdische Volk dia Anzcijlcn-Verymltunfli JfldUche Rundschau G.m.b.IL, BerllnWlS, Sächsisch* StraOe 8. - Telephon! Amt I’fnlzburß 6697, 6698 u. 6699. Anzeigenpreis für dtoachtßcspaUeneNonparcIllczclle 25.• M. l-'lr htbrliich« An««U«a 50% hu lieht«i■ AnzctßonrcliluO! Dlcnstnß und Freitag nnchmlttaß 4 Uhr. «*»CTjr»aMm«»saJSJ^K302Ä»tE1zK:r,־r~rx Schaffung einer öffentlich rachCIlch Telephon: Pfalrburß 66rJ7u,6698. Postscheckkonto: BerllnNr. 17392• Für Oesterreich! Poitsoarkasscnamt Wien, Konto Nr. 156030• Für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Praß, Konto Nr. 156030. — RedaktlonsschluO Sonntaß und Mittwoch nachmittag. — TJaoaesrntsr: ז׳ חשר^ תרס״ג aslchartan ticimstütte In Palästina. XXVIL Jahrg. ״Basolor!Programm.** Die nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau" erscheint am 6. Oktober. An unsere Abonnenten Wir machen unsere Abonnenten hierdurch darauf aufmerksam, dass wir die Zeitung nach dem i.Oktober nur ollen denjenigen liefern können, die Ihre Abonnementsgebiihren entweder direkt an uns oder durch die Vermittlung Ihrer Ortsgruppe bezahlt haben. . Die Lieferung aller Abonnements, die von den Ortsgruppen nicht rechtzeitig erneuert wurden, muss nach dem 1, Oktober eingestellt werden. Bel einem Ausbleiben der Zeitung bei unseren Abonnenten, die das Blatt im Sammolnbonnemenl beziehen, müssen sich dieselben zunächst bei ihrer Ortsgruppe erkuudlgen, ob sie das Blatt auch für sie bestellt hat. Ferner machen wir alle Abonnenten darauf auf• merksam, dass mit Wirkung vom 18. September wieder eine neua Druckkostenerhöhung von 60% in Kraft getreten und dass für Anfang Oktober eine weitere Erhöhung des Druckpreises angekiindigt ist. Dies zwingt auch uns selbstverständlich zu einer Erhöhung der Abonnementsgebiihren, Uber die wir näheres noch bekannt geben werden. Verlag der Jüdischen Rundschau. Entsendung eines englischen Spezialdelcglcrfcn nach Palästina (J.P. Z.) Aus London wird dem ״Hnarcz“ berichtet, die englische Regierung habe beschlossen, Colonel Lawrencc als Spczialdclegiertcn nach Palästina zu entsenden, um die Lage im Lande unter den durch die, nach Ratifizierung des Mandats und Preklamierung der Verfassung, neiigcschaffcncn Bedingtinjrcn zu studieren und auch das Verhältnis zwischen Juden und Arabern genau zu untersuchen. Colonel Lawrence, der als Fachmann iii Fragen des Nahen Ostens und in der Araberfrage gilt, stand während des Krieges den jetzigen Königen Hussein und Feysul nahe und war diesen bei der Leitung der arabischen Politik und bei den Unterhandlungen mit den Alliierten behilflich'. Nach Friedensschluß wurde er zum ersten Rat des Colonial Office für arabische Fragen ernannt, welches Amt er vor einigen Wochen mit der Begründung nicdeiiegtc, die Lage in Mesopotamien und in den übrigen arabischen Landern sei ein solchcc, daß das Ministerium bezüglieh derselben keinen besonderen Rat benötige. Sir Herbert Samuel in den jüdischen Kolonien Jerusalem. (}. C. B.) Am Dienstag, den 10. September, hat der Oberkommissar vor» Palästina, Sir Herbert Samuel, der Stadt Jaffa, Tcl-Awiw, einen offiziellen Besuch abgcstaltet. Sir Herbert Samuel besichtigte eingehend die verschiedenen, in der Ic 7. en Zeit entstandenen induslricllen Unternehmungen unJ gab hierbei seiner grollcu Befriedigung über die erheblichen Fortschritte auf allen Gebieten Ausdruck. Der Bürgermeister von Tcl-Awiw, Disengoff, begrüßte «len Oberkommissar und erklärte, daO der Stadtrat von Tcl-Awiw beschlossen habe, eine der Straßen der Stadt ״Samuel-Straße“ und eine andere ״ßalfour-Stralfc“ zu benennen. Am Mittwoch, den 21). September, besuchte Sir Herbert Samuel zum ersten Male die Kolonie Petach TikwaJi. Die Oesamtbcvölkcrimg der Kolonie, an der Spitze 50 Reiter der Miliz, war zum Empfang des Obcrlcominissars versammelt. Das Oberhaupt der Kolonie sagte im seiner Begrüßungsrede, zur erfolgreichen Entwicklung des Landes sei es nötig, die Immigration nach Palästina frei zu erklären und die öffentliche Ruhe in Palästina zu sichern. In seiner Antwortrede rühmte Sir Herbert Samuel den Zustand der jüdischen Kolonien in Palästina, die ein Zeichen für die Energie des jüdischen Volkes sind. Präsident Hardings Neujahre grüß an die Juden New York. Aus Anlaß des Rosch-Haschamh-Festes richtete der 'Präsident der Vereinigten Staaten Harding folgende Botschaft an die jüdische Bevölkerung: ״Die Gedäditnisfcicr des Rosch-Hascfianah, des Neujahrstages des Jüdischen Volkes, wird das Ende eines in den Annalen des Judentums besonders denkwürdigen Jahres bezeichnen. Es scheint, daß die endgültige Zusicherung an das jüdische Volk, daß seine langjährigen Hoffnungen ntjf die Errichtung der jüdischen Nationalität in der Heimat dieses großen Volkes, nunmehr endgültig verwirklicht wenden sollen. Dies ist ehr Ereignis von bemerkenswerter Bedeutung nicht allein für dar jüdische Volk, sondern auch für seine Freunde und Gönner allüberall; die amerikanische Nation war immer stolz darauf, zu diesen gezählt zu werden.“ Ausländische arabische Zeitungen io Palästina verboten ׳Jerusalem. (J.C.B.) Die palästinensische Regierung »at die Einfuhr zweier in Berlin erscheinender arabischer Zeitungen nach Palästina verboten mit der Begründung, da[* die Zeitungen eine aufrührerische und hetzerische Prona- «La.nda betreiben, . ״ ■ Um die Verfassung für Palästina .Von Dr. Vidtor jacob'60n. Am 1. September wurde in der ״Offldal Gazette of tlic Government of Palcstinc“ in dem. offiziellen Anzeiger der palästinensischen Regierung der Text der Ver. fassung für Palästina sowie eine Wahlordnung für die palästinensische durch die Verfassung eingeführte gesctzgebeiuie Körperschaft promulgiert und in den besonderen Proklamationen die Bevölkerung zur Eintragung in die Listen der palästinensischen Bürger und in die Wahllisten aufgefordert. Ein großer Teil der arabischen Bevölkerung Palastinas hat zu diesen Akten der Regierung eine unzweidcutig feindliche Haltung angenommen. In diesem Teil der arabischen Bevölkerung will man die Verfassung nicht anerkennen und bereitet sich vor, die Wahlen zu boykottiereil. Ebenso gegnerisch, wenn auch natürlich aus entgegengesetzten Motiven, behandeln gewisse jüdische Kreise im Zionismus und außerhalb des Zionismus die palästinensische Verfassung, wie überhaupt die englische Palästinapolitilr. ' ■ Gewisse oppositionelle Gruppen, die allerdings huf der Karlsbader Jahreskonferenz sehr schwach vertreten waren, leimen cs ab, die Haltung der Leitung, welche mit der Ictzien Erklärung der englischen Regierung über Ihre Paliistinapolitik ihr Einverständnis erklärt haben, gut zu heißen. ״Jewlsh Clironiclc“ sucht in ungemein heftigen Artikeln zu beweisen, daß die Erklärungen Churchills im Parlament, seine Darlegungen ln dem Weißbuch (White Paper) über die englische Palästinapolitik sowie die Verfassung eine Falsifizierung der Balfoursehen Deklaration darstclicn und daß die Juden sich überlegen sollten, ob sic unter diesen Umständen noch ein Interesse an diesem Paliistinaprajekt haben und ihm ihre Hilfe und Unterstützung widmen dürfen. Mit womöglich noch größerer Vehemenz äußert sich Herr Zangwiil. Es ist doch interessant und verdient hervorgclioben zu werden, daß gerade dieselben Elemente, die seinerzeit mit der ganzen Gewalt für das Ugandaprojekt eingetreten sind, von welchem Hcrzl sagte: ״Ein Zion ist es nicht und kann cs nie werden“, jetzt gegen die neuen gesetzgeberischen Akte und die englische Politik sich aufbäumen, welche für Palästina Zustände versprechen, von denen der offizielle Zionismus nie behauptet hat, sic bedeuteten die sofortige Schaffung eines Jewish National Home for Palestine, von denen er aber ein allmähliches Werden der jüdisch-nationalen Heimstätte erhofft. *! In diesem letzten Satz ist eigentlich die Frage- Stellung formuliert, auf die cs atikommt: Darf man in den Erklärungen. über die englische Politik, die jetzt eigentlich zum ersten ■Male auflicntiscli und unzweideutig gegeben worden sind, die für das Gelingen des Wiederaufbaus nötige ״politische Atmosphäre“ erblicken oder nicht? Stellt die oktroyierte Verfassung, Wahlordnung usw. die nötige Basis für (kn Wiederaufbau dar oder nicht? Und dann — ist dadurch die Verpflichtung des Judentums an diesem Wiederaufbau mitzuarbeiten, geschaffen oder ist das Judentum durch den ungenügenden und ungünstigen Charakter der Erklärungen und der gesetzgeberischen Akte von dieser Mitarbeit freigesprochen?! Letzten Endes kooünt es natürlich für die Vertreter und Befürworter der offiziellen Politik des Zionismus, ebenso wie für ihre Gegner und Feinde auf die Tendenz und die Richtung der englischen Politik vielmehr als auf den Inhalt der einzelnen Paragraphen der Verfassung an. 1 ן Daß die Verfassung im großen und ganzen den Versprechungen des Mandates treu geblieben Ist, wird niemand leugnen. In dem Preamblc der Verfassung ist die Balfoursche Deklaration nochmals wiederholt worden, und jm Artikel 18 der Verfassung ist auch gesagt worden: Kein Gesetz darf von der gesetzgeberischen Vcrsamm. iung angenommen werden, welches in irgendeiner Weise den Bestimmungen des Mandates widerspricht oder mit ihnen unvereinbar ist. In dein § 16 der ״Instruktionen“, welche in einem königlichen Dekret an den Oberkoni* missär erlassen worden sind, ist gesagt worden, daß kein Gesetzentwurf, welcher in irgendeiner Weise den Bestimmungen des Mandates widerspricht oder mit ihnen unvereinbar ist, in der gesetzgebenden Körperschaft ein. gebracht werden darf. Artikel 24 der Verfassung ver. langt für das Inkrafttreten eines v011׳ der gesetzgebenden Körperschaft votierten Ocsetzes die Zustimmung des Oberkonmiissärs, und der Artikel 2ö verbietet dem Oberkommissar eine solche Zuftininiung einer Gesetzes• Vorlage zu geben, welche irgendeine Frage berührt, die durch die Bestimmungen des Mandates fcstgclcgt worden und ihm verschreibt, eine jede solche Gcsetzesvorlagc für die Zustimmung der Krone zu reservieren. Auch die von dem Mandat zugtsicbcrte Jurisdiktion der rabbin Ischen Gerichte, ebenso wie die Rechte der he* lirafcchen Sprache, sind in der Verfassung enthaltet». (Artikel 51, 53 und 82.) Artikel ,XXVII der Instruk« ttonen schreibt dem Oberkommissar vor, die jüdiscltö Einwanderung zu erleichtern und die kompakte Sied-' hing der Juden zu fördern und hn Artikel XXVIII ist dem Oberkommissar vorgeschrieben, in seinen jährlichen Berichten, in Wen sogenannten Blaubüchern u. a. auch' über die Fortschritte der jüdischen Einwanderung zu berichten. In der Wahlordnung sind den Juden ebenso wie den Christen mindestens zwei Sitze in der gesetzgebenden Körperschaft der Versammlungen gesichert. Die Verfassung erwähnt das Institut der Jewish Agency, nicht, das seiner Natur nach auch1 nicht in die Verfassung Palästinas gehört, sondern ein separates und spezifisches Organ des jüdischen Volkes darstellt. 1 Der Punkt, clcr zweifelsohne wichtig genug Ist, utrf eine Beunruhigung zu erklären, ist die Einwanderung*« frage. Außer dem oben zitierten Artikel XXVII der InJ struktionen, durch welche der Oberkommissar verpflichtet; Ist, unter der Sicherung, daß die Rechte und die Lage anderer Teile der Bevölkerung nicht beeinträchtigt werden, die Einwanderung zu erleichtern, ist in den! Instruktionen noch eine wichtige Bestimmung enthalten. In (dem Artikel XVIII der Instruktionen, in welchem diejenigen Angelegenheiten aufgezahlt werden, in denen es dem Oberkommissar nicht gestattet ist, seine Zu- Stimmung zu erteilen, falls von der gesetzgebenden ,Ver- , Sammlung Gesetze angenommen werden sollten, ist art' erster Steile die Einwanderung genannt worden. . Diese Bestimmungen deuten darauf hin, daß die Einwanderung aus der Kompetenz der gesetzgeberischen Körperschaft herausgenommen wird, ebenso übrigens wie; auch die mit der Siedlung auf das engste verbundenen, Fragen, dem Verfügungsrechte über öffentliche Lände-; rcien und der Erteilung der Konzessionen über die׳ Bodenschätze und über Wasserkraft, die dem Hohen; Kommissar allein nach den Artikeln 12 und 13 der Verfassung Vorbehalten bleiben. Alle diese Maßnahmen'; zeugen offcntsichlich von dein Wunsch' der Mandatar, macht, t'(!c Einwanderung ein für allemal in den BestitrunVngcn der Konstitution fest zu verankern, sie, sdclierzustcllcn und sic nicht den Zufälligkeiten der Ent-! Schließungen einer politischen Körperschaft zu überlassen. Soweit ist also die Regierung in ihren Instruktionen, und in der Verfassung auch bezüglich der Einwanderung; dem Sinne und dem Texte des Mandates treu gefolgt. Nun kommt in der Verfassung, ein Artikel, der offensichtlich als eine Konzession an die Araber gedacht' ist und schwerlich mit dem Onn/cu des Mandates —! mit dem Geist, ln dem cs verfaßt wurde, in Einklang gebracht werden kann. Artikel 84 der Verfassung in' seinem ersten Punkt schreibt dem Oberkommissar vor, daß er über alle Materien, die sich auf die Regulierung^ der Immigration beziehen, mit einem Komitee beraten (confer) soll, das aus nicht weniger als einer Hälfte der gewählten Mitglieder der gesetzgebenden Vcrsamm-1 Jung bestehen soll. Es sollen weiter durch eine Ver- Ordnung Bestimmungen getroffen werden, um das genannte Komitee mit allen solchen Vollmachten *u ver-, sehen, die notwendig sind, um diesem Artikel Wirksamkeit zu verleihen. In dein zweiten Teil des Artikel 84 ist angeordnet, daß, wenn itn Falle einer Meimmgs-, Verschiedenheit zwischen dem Oberkommissar und dem genannten Komitee über irgendeine Einwanderungsfrage: der Oberkommissar einen erschöpfenden (full) Bericht dem Staatssekretär erstatten soll, dessen Entschließung: endgültig sein soll... 1 Wir sind der tiefsten Ucbcrzcugting, daß die gunstige und rasche ökonomische und soziale Entwicklung, Palästinas von der günstigen und raschen Entwicklung der jüdischen Einwanderung abhängt und daß somit; die Förderung der jüdischen Einwanderung im Interesse der gesamten Bevölkerung Palästinas - des ganzen Landes Palästina — liegt. Wir zweifeln auch nicht daran,! daß insbesondere durch diese Umstände in mehr oder; weniger naher Zukunft ein gemeinsames Verständnis׳ zwischen beiden Palästina bevölkernden Nationen wird erzielt werden können, das zu einer dauernden Verstän-׳ tligung führen wird. Es wäre aber töricht, davor die! Augen verschließen oder es verheimlichen zu wollen,! daß wir von diesem Zustand des Verständnisses und der;!Verständigung noch weit entfernt sind und daß ge« wisse hauptsächlich' führende Klassen der Bevölkerung; sich gegenüber dctu Wachsen des jüdischen Einflusses, und einer jeden jüdischen Einwanderung in das Land, ablehnend, sogar feindlich verhalten. Natürlicherweise werden gerade diese Kreise den größten Teil der ge.j wählten Mitglieder der gesetzgeberischen Versamm-, Iung «;teilen. Ein aus der Mitte dieser gewählten Mit-' glicdci׳ auserkorener Jniinigrationsausscluiß kann in seiner! Majorität nur die Ansichten widerspiegeln, die bei der Majorität der gewählten Deputierten vorherrsdfen, d. h.j eine ablehnende, ja feindliche Haltung der jüdischen; Einwanderung vertreten. Somit wird der Oberkommissar vor die Alternative gestellt, entweder den Wünschen i und Entschließungen des Komitees nichzugeben upd »•j

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