Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 75 (22.9.1922)
- Date
- 1922-09-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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־“ llß Iff IflJ ן «#ו! . A- Nr. 75 *Ulf► tp“•1 זר 75 (n den Sprach•« beten, 010 wie Harfen elngcscliiiUtcn sind. \ Ucbcr die jüdische Dichterin Else Laslccr *Schüler Es gibt wohl tau in noch jüdische Dichtung in Irgend einer B niclitjüdischcn Sprache, die eine so vollendete Synthese der «fr fe produktiven Gcstalttingsmöglichkciten zweier Nationen darstcllt, 1 *■[)«»ז. wie es bei der gegenwärtig bedeutendsten deutschen Dichterin JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 500 Initsj, folgc «.?tc, frgeoeiit. Zk* dum, ״«pa tlsten nden Irken 1r0. «sw. Je!. noraver. »den- Else Lasker-Schüler in Erscheinung tritt*). Ihre Schöpfungen, obwohl in deutscher Sprache verfaßt, sind inhaltlich und sprncli-stilistiscli typisch jüdischen Wesens, Deutsch ist außer der hcsonders kulturvollen Behandlung letzter röhlbnikelten Ihrer Muttersprache nur weniges hier: so die absolute Antl-Intcllektualittit und ungehemmte Kindlichkeit Ihrer Assoziationen, die das Nächste und Fernste, das Heiligste und Profanste unbedenklich und genial, und immer reinlich, miteinander mischt. Nichtjüdischcn Temperaments ist vielleicht noch eine gewisse Spicthaftigkelt, mit der sie die Last und Schwierigkeit der Sprache springend überwindet Auch einiges I Voikslicdiiafte mag in seiner zarten Einfachheit an deutsches | Wesen erinnern.! 1 ׳ ך So still Ich bin,! All Blut rinnt hin. Ihre Phantasie färbt ihre Umgebung zu einem prlchttgen orientalischen Hofstaat. Am Hofe des Königs Salomo wäre ihr Platz gewesen, als sielt asiatische Pracht mit israelitischer Religiosität verband. Ihr Instinkt sucht aufs Internste den Zusammenhang mit den Menschen ihrer Vorzeit Und ebenso spürt sie auch, daß das Jahrtausendalte Blut ihr Leben nur als Dnichgangsstatioo passiert 1 ׳ i 1 Und ihre Liebe, der keine Orenzen gesetzt sind, verbindet ihre Existenz mit Qott und allem Menschlicher. Unüberschau, |bar ist die Vielfalt ihrer erotischen Bindungen. Oft ist der Schrei ihres' Empfindens wie Prophezeiung: beschwörend, klagend. Ihr Spiel ist Sehnsucht: sie ist groß und klein, jedes in allein. Des Menschen Ocsicht ist ihr blühend wie ein Garten; | und seine Seele hört sie wie Ocsang. Die Verborgenheiten ihres Blutes verhüllt sie nicht mit der Scham des heutigen Decatlcnccjuden, der sich versehentlicher starker Gefühle ge, niert und kein Erlebtes als Erlebnis ausdrücken kann. Ihr Jüdisches streift nicht die strenge Gesetzlichkeit des Thora-Judentums, sondern eher das pflanzenhaft• mystische (!seiner Urzeit. Suchend und etwas traurig liebt sie den Gott Zebaoth, der ihrer Sehnsucht zum Eros wird.! Gott, ich liebe dich in deinem Rosenkleide, wenn du aus den Gärten trittst^ Zebaoth. Solche Mischung aus sensibelster Erotik und Intuitivster Religiosität findet man noch In den Verzückungen der Noimo Mechthild von Magdeburg und in einigen ostjidischeza Liebes, ledern. Ihr Gott Ist viel menschlicher noch als der, mit dem kbraham sprach; und ihr noch viel vertrauter, Diese naturtuifte öottdiirchzogenheit haben auch die Menschen ihrer Bibel, deren Sein sie in den ״Hebräischen Balladen" auf ihre Art durch, 1 pulst I , ״ין י ן, 1 ׳ , I! i '! Abraham baute ln der Landschaft Eden Sich eine Stadt aus Erde und aus Blatt Und übte sich mit Gott zu reden,! Durch knappste Worlmittcl wird hier greifbar» Abrahams Existenz braucht nur primitiv auf Erden stabilisiert zu •ein, tarn Abraham Ist nur für Oott da. j In Jakob sieht sie das ticrhaft-ungcbSrdige, brühende Weißblut, Simson verwandt an Erdkraft Jakob war der Büffel seiner Herde, ׳ Wenn er stampfte mit den Hufen, ' I Sprühte unter ihm die Erde. 1 p"׳ mimm 1_ JSJJJ * > Und sein Ochageslcht erschuf das Lieh ein. Strotzeruler Humus, feuchter Geruch vom Paradiese hängt an fiesen Geschöpfen. ׳' ׳ .! i ln ihren biblischen Frauen gestaltet *le alferdinga Ihre!igene zeitliche Besonderheit H'cr läßt sie das Wunder ihre« Mutes aufsteigen. Im Gedicht ״Eva" schillert die ganze schwer׳ Mütig-lastcndc, nachdenklich gehemmte Erotik des Weisheit• Wadencn Volkes: aber bei Ihr äußert sich Weisheit als Schwärmerei und als Traumlust. Es ist ewige» Warten in den hebräischen Balladen; etwas, das Blut unruhig zu machen. Sie fühlt die Fäulnis ihics einst starken Stammes und treibt aus | ihr doch süß-wuchermk־ Früchte, Leise sickert ca noch im Saft «meiner Juden. Aber cs sickert nach innen; immer tiefer 1fast cs in sich zusammen. Nach außen kann es kaum und, «iten noch dringen. Der Jude des Golui ist lebensunfähig, '׳eil er den Trieb sclnci Blutes, das von anderen Welten her« 5Wunt, mißachtet! i '! י f Ein Auffl,ackern geschieht noch einmal ln Eleasar1, dem ־.,Tiinderrabbincr von Barcelona". Mit dein fast prophetischen :Pathos seiner Anrufungen sucht er von Oott die Hilfe für sein :!»grombedrohtes Volk zu erzwungen. Und das düstere, ge- *Wde spanische Land wird von einem Leberustrom rausch« Wler Mystik durchzogen. 1 1 •׳׳׳"' 1״■ ׳ ' ' .; f ' '■'• .1,'1 •»‘׳1,1׳.. , i *; < Für die moderne hebräische Literatur würde «Tie Ucbcrtra« |״״ß von Gedichten der Else Lasker-Schüler eine erhebliche Sicherung bedeuten, denn das psychologische Gebiet, wellCS hier gestaltet wird — die Ucbcrsensibiliität des heutigen!״den, der noch oder schon wieder geängstigt und gleichzeitig *rauscht wird durch de« Instinkt seines jüdischen Blutes — hat pM kaum in irgend einem hebräischen Werk Ausdruck go 'toilcn. Dicse Dichtungen eignen sich besonders deshalb? eine solche Ucbertragmig, weil ihre sprachlichen Mittel 1•1Würdig hebräisch anmuten; fast scheint cs Zufall, daß fl|t das Hehräischc ihre Ursprungssprache tat. Ja, pse \ *n könnte fast van einem hebräischen Deutsch sprechen. '* sic selber die Fumkimentgcgosscnhclt dieser Sprache tan 1 ״• deuten die diesen Zellen vorangesetzton Verse an. 1 > Rarsigc ihrer jüdisch-gdartctcn Konzeption zeigt sich P besonders in der Konzcntricrtheit ihres Versbaues, der ^"י knappen biblisch-hebräischen Stil merkwürdige Parallcj 1'M. Z, B. erhalten Worte und ganze Satzteile durch *"■''ühniiehe Umstellung und Weglassung von Nebenworten ׳"le Akzentbcdcutung, wobei der Eindruck des Hebräischen pep Ji י vermehrt wird durch haibbewußte sprachliche Fragmente!fern hiblisclien Text, 1 . Die Werke der Else Lasker-Schüler sind in 10 Binden |ch’ * Ve״»g Paul Ca»*1 rer, Berlin, erschienen. t n Ich habe dich gewählt Unter allen Sternen. 1 Für eine Ucberfrngung von Gedichten der Lasker-Schüler, die den Sprachrhylhmus des Originals In seiner Kühnheit und Neuartigkeit wiederzugehen sich bemüht, besteht die Aufgabe, einen hebräischen .Sprachstil zu schaffen, der ähnlich aus den Urelementen der Sprache her,auswächst und trotzdem eine ähnliche Revolution des derzeitigen literarische« Ausdrucks bedeutet wie die komplizierte und doch elementare Diktion der Lasker-Schüler in der deutscher» Gcdlchtcprachc. Die Radikalität einer Sprachkonzepüon, wie sic hier allein adäquat wäre, wird bisweilen das hthrSischc Gebilde herb, wild und spröde machen müssen; doch die Llcbtabgctönthelt und deP Farbcnzusammcnhang In der Vokalfolgc wird eine neue Zartheit herzustcl'.cn haben.! Folgende Versuche wollen eine solche Möglichkeit illu« strieien.; 1 , ׳ ■ Saal Ueber Juda liegt der große Mclech wach, Ein steinernes Kameltier trägt sein Dach. Die Klageweiber treiben hoch und heulen. Und ohne Leuchte sinkt die Nacht ins Orab, Sauls volles Auge nahm zur Scheibe ab. Di« Katzen schleichen acheu um rissige Säulen. I , Vor seinen Toren aber stehen die Hethiter.; j — Er zwingt den Tod, den ersten Eindring nieder —;1'{?!;ן Und schwingt mit hunderttausend Mann die Keulen, י ז• (SchrdlKh saupttdMB *nt itftrdUeh betoaes.) ר1גץ קןלו *ל ,יהידת: ק«וןי »ו גל ןהל־^ןים• קיןצית ןק1ןנ1מ־ןזןףם• י*לד קליל לג־אור ןל ,ק^ -יי גיד?ואול ה#ז! «1קל קמיל ןהול ק5יב XV! *tojj• ע1ןיךם ק*ים «?גי tnW5 וזוב־ג 1ןת?(היי 3פ^ןח• גם קגןנן• ו!ןת x r Heimlich zar Nicht Ich habe dich gewählt I Unter allen Sternen. 11 Und bin wach — eine tauschende Blume Im summenden Laub. 1 , . Unsere Lippen wollen Honig bereiten, י Unsere schimmernden Nächte sind aufgebläht, An derf? seligen Glanz deines Leibes 1 Zündet mein Herz seine Himmel an —» ״1' ז\'11 lenslaml, 1 Uiiider Ikon- Isen- Alle meine TrSume hängen an deinem Golde, Ich habe did) gewählt unter allen Sternen,! ן5ם$ר ליל• וסל»יןי מל,קנ(קהים• 1ן1גי •אי מרח עימג &קת ןןןילים ס?1<?ן5׳י0• ן3׳8 ה?י!ים W» ן!נ^$ים זיפירסים ליליגו• ןןסב־־?7ו!ו מגי לוי?היקיו• ןל ^לימוסי ללירם 2ל זל׳וף מל ניקגים?סדתיוי• ’ Alice Jaeob-Loewenson. Jüdische Musi1( — ein Gejjcnwartswert oder eine Zalunftshoffnung? ' E9 wird ncuerilmgs van jüdischen Nationalisten des öfteren versucht, wie in aller Kirnst, so auch ln der Musik, jüdisches Werk und jüdische Leistung gegen nldstiiklische abatgrennen. Man versucht nadvmweisou, daß der jüdische Musiker die Merkmale seiner Rasse, ״die Vcrfcettung des Blutes" (nach Berl) in seiner Musik zum Ausdruck bringt und so seine jüdische Geistes, und Wesensart musikalisch gestaltet. So wertvoll und notwendig es Ist, dem entwurzelten und darum entweder entfesselten oder verkümmerten jüdischen Selbstgefühl Maß und Haltimg dadurch zu geben, daß man der eigenen geistigen Leistung sich besinnt, so gefahrvoll scheint es mir, die Dinge zu fibersrmtnen und auf Gebiete .׳ufsdcbncii zu wollen, die teils noch nicht reif dafür sind, teils itirem innersten Wesen nadt, solcher Abgrenzung sich entziehen müssen. Dait inusikcrfflllten Mctvsdacn widerstrebt es von Onmd aus, an die Musik mit aiKlcrea als Ihren eigenen Maßstübcn heraimitreicn, und allen, noch so liebevollen nationalen und nationalistischen Spürversuchen gegenüber setzt sich der Mu*kcr instinktiv zur Wehr, denn sie sind ihm unwürdige Enge, kleinliche Messung, mit der man der weltumspannenden, überirdischen Kunst irdische, partikularistische Klciiluug auf« zwängt, Man wird dmvmdcn: « gibt aber doch eine *pciiÜscb nordische, italienisclve. slawische Musik — warum voll nicht auch die Jüdische aufgespürt werden können? GewißI Es weilt über dem Heimatboden Jahrhunderte aitcr Volkdcultur der Hauch volkstümlicher Eigenart, der jenen Icunstsctiaffendcn Duft verleiht. In nordischer Musik ttna ihren lichten, durch« sichtigen Harmonicfolgen spüren wir die Klarheit dieses Landes und ficincs Volkes. Die Sinnenfreudigkeit und das Pathos des Italieners gibt der italienischen Musik Farbe und Eigenart. Aber die lnusilcalisdi-sdiöpfcrisdie Leistung des Jude« ist an der großen EntwlckUiilg^gesclilchte der Musüc gemessen, noch viel zu ftmg. um einen llehcrblick zum Typi׳x-hcn geizen zu können — Ist noch viel zu sehr Ausdruck Einzelner, Vcr« snrcni'ter, hier und dort aiiftatichcnde musikßischc Erfülilheit. ata daß sie Ausdruck jüdisch-musikalischer Mentalität sein könnte. t 13er Künstler, der «der Allgemeinheit schenkt, empfängt auch von ihr. Wird der Künstler Rufer und Erlöser der All« genicinscliaft, der Volksgemeinschaft, 90 wird er es dadurch, daß er das unbewufit sind chaotlscl» in ihr Ruhende durch seine Gestaltungskraft ׳ ordnet und formt und so ihr selbst ui«! der Welt zimt BewtiSt «cm bringt. Nur auf dieser Wechsel• be/iclumg zwischen Khmdler und Volk bcruiit das, was wir ״Süll" nennen, und 1uir aus dieser Wechselbeziehung wird die wahrhafte Voikrkmtsl gclzorcn, der wirkliche Lehenskrait fivrtc wohnt. Was bis Iw «tc namhafte Musiker jüdischer Rasse geschaffen hil.cn, Imkrt sie nicht als Verkünder jüdischen Fühlcns und jüdischen Schnens, sondern als Ausdruck ihrer Zeit und des Volkes geschaffen, in dessen Mitte sie wohnten. Was außer Memlclsnlm, —- dem ganz in deutscher Kultur Verankerten, der, von 9'inem 5. Lebensjahr an, an eriesenster klassischer Musik gebildet, der Im eigenen Schiffen ganz auf dieser Musik basiert uihI In ihr wurzelt — was außer ilun den größten Teil jüdisrlirr Komponisten einend auszciclmet, ist die innere Wurzellosigkeit, das glühende Verlangen nach Tat und Lei sh mg, die ohne Naivität und ohne tiefe religiöse Antriebe entstanden, de־m strengen Musiker Scheinleistung bleibt. Da! gilt von Mcyerlwer 90 gut wie von Rubinstein, deren־׳ große Oestc. deren hamnonischer wie instrumentaler Glanz die eigcntlicnc innere liedeutungslosigkcit nicht verdecken können. , ״Der Jude“ brachte im Mai-Heft einer» ebenso Inter- ־ wnanfni wie zum Widcwspruch reizenden Aufsatz von Hein« rieh Berl ״Das Judentum in der abendländischen Musik“, in dem er bemüht ist, abendländische Komponisten jüdischer Rasse unter dem GesicFitspunkt jüdisdwnusikalisdier Gcstaltung zu sehen; er glvibt eine allen gemeinsame jüdisch« musikalische Mentalität m erkennen und ist bestrebt, von Meyerbeer über Ruhinetein Offenbach, Bizct. Mahler bis Schcinbcrgj eine aufsteige tide Linie jüdischen Stils und jüdisch- » revolutionärer Schaffenskraft nnclmiwcisctt. Mir aber will scheinen, daß die Einfiilwung der Nonex und einiger kühner nioclulatorischer Uebcrgä&gc, die Berl Mevcrbecr ata echt* jüdische Tat anrechnct, rum geringsten Teil auf jüdischrcvoiirttanäre Kraft, vielnclir auf den Umstand zurückzuführen sind, daß jede Schöpferkraft ihrem Gebiet und ihrer Zeit etwas Neues, Kühnes, noxt» nicht Dagewesen« geschenkt hat. Offenbach und Bizct sind wohl, wenn es sd»on vom Jüdischen Standpunkt aus gesellen werden soll, die beglückendstet» und ganzesten jüdlsdien Erscbciramgeii, und auch bei Bizct kann niclit verschwiegen werden, daß der bestrickende Reiz seines Meisterwerkes ״Carmen“ bisher ln der genialen Vereinigung glühenden spanischen Temperamentes mit prickelnd französischem Esprit entjftmden wurde. Was mich aber gatiz von Berl trennt, ist seine Auf« fassitng tmd Darstellung des Problems ״Mahlet", Die Musik Ist wie keine andere Kunst abstrakt, Jen« seitig, überirdisch ln das Wortes crnteslcr und innerster Be« dcutung. Sie Ist die unmittelbare Brücke, die aus aller ircli« sehen Qual und Zerrissenleit ins Reich des Ewigen, Absoluten, Göttlichen, weist. Jede wahrhafte Musik ist Ausdruck innerster Religiosität. Nur ein, war» wahrhafter Religiosität erfüllter Mensch kann wahrhafte und echte Musik schaffen. Dies zeigt ein Beispiel wie W-igncr, dem man seine Flucht in die Anne des Christentums, wie es sein letztes Werk ״Parsival“ bekundet, nach einem niH»t eben lauteren, nicht gerade Inner« liehen Leben und Kun.-*schaffen, nicht als Religiosität von innerem Wert glauben innn, wenn man die Ovhäuse seines enormen technischen Kö Wiens durchscliaut und Effekt und Posse einer Musik erkannt hat. Was den wahrhaften Musiker vom Scheint«trsiker des Niir.Könncns itnteredieidct, sind immer wieder zwei Dinge: die große Naivität eines Haydn-Schubert- Bruckner oder die glühende religiöse Kraft eines Bach und Beethoven. Beide lämnten zwei [>01e der Welt: Oott und Musik. Bach will Oott mit jedem Ton, den er schreibt, dknen^ Beethoven will Oott mit jedem Werk verwirklichen. Die immanenten Gesetze der Musik, die strenger und geformter ata in anderen Künsten herrschen, haben sie!» von einem Volk aufs andere übertragen, waren bei stetig wach seniler Fülle Immer nur ihrem eigensten Reich der Jenseitigkeit der Musik, untertan und hüben mit Nationalität, wie cs Künste haben die «ich Material und Werkgerät aus dem sichtbaren erelhaftcn Leben holen, wie es Künste der Sprache, also des natknwlm Ausdrucks, vm vornlicreln haben müssen, nichts zu tut». Ein gewolltes Konstruieren auf diesem Gebiet scheint mir ungeheuer gefahivolt, da e« die Musik auf fremdes Gebiet zerrt und dem Judentum an sich mehr schadet als nützt. Wem» man z. B. versucht, Mahler als den jüdischen Komponisten unserer Zelt zu sehen, 90 ist er ein Orahgesanf׳ für alle jücftach-musikali$«hc Kunst ijcs Oolus. Mahler tat die tragische Erscheinungdes Juden, der mit allen Fasern bestrebt ist, sein Judenheim zu vergessen, zu negieren, auszinotten, tmd sich in dctifsdtcs Wesen, deutsche Dichtung, deirtsche Kunst einznffiliien. Alle Dichtung die er seinen Liedern zugrunde legt, strebt, bevor er ״des Knaben Wunderhom" entdeckt bitte, de ui sehe Diclitung zu sein. Die bewußte erstrebte Schlichtheit 8׳’l«1er Melodik Ist Sei insucht nach deutscher Schlichtheit, seit*' gewollte Naivität ist aus der Er« kcnntnls des eigenen Mangels geboren. Und da sein Wille glühend und sein Intellekt ungewöhnlich war, sucht er durch diese beiden Kräftf, die er zum Acußcrstca» spannte, das Fehle ade zu ersetzen. Welch schmerzliche Tragik zu sehen, daB dieser reine und geniale Geist an der Kluft zwischen Rasse und fremder Kultur brüchig wind. Utwillkürlich zieht sich die Parallcic zwischen ihm und Jacob• Wassermann, dem Künstler der deutsclret» Sprache und (*,:f Jüdischen Art, der, von Juden anerkannt und verstanden^ den Ehrgeiz lwt, dem deutschen Volk sein Werk zu schenken, Das Resultat Ist, trotz echten Künstlertums, Wurzclfosigkcit und stellenweise Biüchigkcit des Werkes, Wie schwer es einen Juden, der sein Volk liebt und jede reiner Acußcnmgen lirlien möchte, wird, das clnzugcstclicn, braucht nicht gesagt zu ivcrdcn. Die Ehrildikclt verlangt cs. Der erste Krm einer nralidiaft spezifisdit Jüdlsclien ntusik «cheinrt sich im dvassidisclrer» Lied zu zeigen. Hier Ist Aeuße* rung echter Volksänmst, trotz der noch zweifellos häufigen Anldmimg an slawische Tonart und Mekxile, Aber immer sicherer vrerden die anßiaglicsh tastenden Versuclie nacil eigenem volkhaften Ausdruck. Da ist er imveckennbar 1u1d echt, wo di« Volksseele, bewegt und beschwingt einfach und 1'nmg Hie Töne zum Vers findet. Hier ist Anfang und Grund — von hier aus kann Höheres sid» entwickeln. Warm das jüdische Volk seine Musik haben wird, wissen vor nicht. Ob das Ocule. das sie uns sdicnlon wiW, einem Bach oder Bruckner äiinldier gestaltet, können wir ißclit nimm, Wir glauben, daß e! dann erstehen wird, wenn wir als Volk geeint, In unserem La nd die innere Einfachheit, die Mligllchkcit zur cch'.cn Naivität, und in unserer Seele die glühende religiöse Kraft gefunden fiabcn werden, Marifcjuet« OrtKfcLMote«. t •.