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Jüdische Rundschau · 1922-09-19 · Heft 74 (19.9.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 74 (19.9.1922)
Date
1922-09-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 156*030. — Redaktlonsschliiß Sonntag und Mittwoch nachmittag, - כ״ו אלול׳ חרס״ב XXVH. Jakrgper Zlonlsmn» erstrebt fflr da■ jildische Volk dlo Schaffung einer *WonHIch ■ rechtlich gesicherten HelmaUltta In Palästina. ״Baseler Programm.•• Nach Prolclamlcmng der VerfaosEii?} Zu unserer Orientpolitik Herbert Samuels Rede Jerusalem, (J. C. B.) Die, ־wie gemeldet, am Montag, den 11. September, Unter großer Zeremonie erfolgte offizielle Proklamicrung der Palästinavcrfassung unter dem britischen Mandat vollzog sich im Regierungspalast in Anwesenheit von über 70t) Gästen, unter ihnen Fcldmarscball Lord Allenby und Emir Abdallah von Transjordar.icn. Während der griechische, der armenische lind der syrische Patriarch der Zeremonie beiwohnten, war der Patriarch der lateinischen Kirche in Palästina nicht zugegen. Es fiel auf, daß nur sehr wenig Araber anwesend waren. Eine aus 17 Geschützen abgefeuerte Salve leitete den feierlichen Moment ein. Hierauf leistete Sir Herbert Samuel, der Oberkommissar von Palästina, vor der Bibel dem König und der Verfassung den Eid der Treue und schwor, daß er das Land unparteiisch und ohne jede Begünstigung irgendeiner Rasse oder eines Olaubens regieren wird. Im Anschluß daran hielt der Oberkommissar eine feierliche Ansprache, in welcher er u. a. sagte: ״Die heutige Zeremonie eröffnet eine neue Periode der langen und mannigfaltigen Geschichte des Heiligen Landes und ich bin zuversichtlich, daß unter dem ausgedehnten Schutze des britischen Reiches die neue Acra als eine Aera des Friedens und des Fortschritts für Palästina und einer arabischen und Jüdischen Rcnaissance auf diesem Boden fortdauem wird. Die Gefühle der christlichen Welt, die sich dem Heiligen Lande mit tiefer Zuneigung zuwenden, werden hier hoffentlich in einem steigenden Maße Befriedigung für ihre religiöse Ueberzeugung finde;!. Und wenn einmal der Tag kommt, an dem Großbritannien das Land verläßt, wird cs hoffentlich ein gedeihendes, selbständiges und auf Selbstverwaltung begründetes Land verlassen, welches alle Eigenschaften besitzen wird, die der größten Zeiten seiner Vergangenheit würdig sind. Ich bin sicher, daß Ihr alle meine 'Freude teilt, daß die großen Zeremonien in der Anwesenheit von Lord Allenby stattfinden, dem berühmten Oencral, dessen glänzender Führung das hauptsächliche Verdienst an der Befreiung Palästinas zufällt. Ist doch dank General Allcnbys Führung Palästina von jener Herrschaft befreit worden, die während vieler Jahrhunderte seine Ent- Wicklung gehemmt hat. Auch freuen wir uns alle übe! die Anwesenheit seiner Kgl. Hoheit des Emirs Abdallah, der als Leiter der arabischen Streitkräfte an den! Sieg der Alliierten teil hat. Ich werde die Verwaltung ohne Jede Bevorzugung in voller Gerechtigkeit gegenüber allen und ohne irgendwelche Parteinahme führen. Ich flehe den Allmächtigen an, dem alle Rassen und alle Völker ihre Existenz danken, diesem Lande und seiner Bevölkerung seinen Segen zu spenden.“ Wie es scheint, wird die Feder, mit welcher Sir Herbert Satnuel seinen Namen unter die Verfassung gesetzt hat, dem Jüdischen Nationalmuseum in Jerusalem übergeben werden. Auf Anordnung des palästinensisch-arabischen Kongresscs boykottierte der größere Teil der arabischen Bevölkerung die Zeremonie. Die meisten arabischen Geschäfte waren zum Zeichen des Protestes geschlossen. Soweit zu be-‘ merken ist, scheint die arabische Bevölkerung entschlossen zu sein, di*c Verfassung zu ignorieren. Maßnahmen gegen die Propaganda der arabischen Nationalisten Jerusalem. (J.C.B.) Die palästinensische Regierung hat energische Maßnahmen getroffen, um der Propaganda der extremen arabischen Kreise, die sich um den Araber-Kongreß in Palästina gruppieren, wirksam zu begegnen. Wie bekannt, wirkt diese Propaganda in erster Reihe darauf Inn, die arabische Bevölkerung i!1 Palästina zum Boykott der Wahlen in die Gesetzgebende Versammlung zu veranlassen. Unmittelbar nadi der offiziellen Proklamation der palästinensischcn Verfassung erließ der Olxxkommissar von Pa« lästina ein Dekret, laut welchem alle Personen, die sich der Propaganda für den Boykott der palästinensischen .Volks- Zählung, sowie der Eintragung in die Wahllisten und der Teil, nähme an den Wahlen schuldig machen, einer Gefängnis- oder Geldstrafe unterliegen. ־ ' Die Regierungskreise erklärten, sie seien entschloß *en, allen Umtrieben dieser Art entgegenzuwirken und alle ihre Kompetenz fallende» Ma&nahmen 2ü ergreifen, utndie Boykottbewegung zu unterdrücken. Der Gouverneur von Jerusalem, Mr. Ronald Storrs, hat angesichts der Aufforderung der palästinensisch-arabischen Exekutive zu einer Stillegung aller Verkehrsmittel am Tage ti«r offiziellen Proklamation der Verfassung die Erklärung «bgegeben, daß allen streikenden Unternehmern die Kon. Zession für ihre Verkehrsmittel entzogen werdet» wird. Ob» gleich nun die meisten arabischen Geschäfte geschlösscn waren, Karen fast alle arabischen Gefährte in Betrieb. Der arabische Kongreß in Sch’cltem Ucber den arabischen Kongreß, der In Sch’chcm (Nablus) abgehaltcn worden ist, entnehmen wir den palästinensischen Zeitungen folgende Einzelheiten: Zum Präsidenten wurde Mu 1 a Kasim Pascba gewählt. In einer der ersten Sitzungen hielt ein Vertretcr Aegyptens eine begeisterte Ansprache, worin er zum Ausdruck brachte, daß die Aegyptcr sich für die Palästinafragc sehr interessieren und gemeinsam mit den Palästinensern nach völliger Freiheit streben. In der vierten Sitzung wurde über die palästinensische Verfassung gesprochen und der Beschluß gefaßt, sich an dem Ocsetzgebenden Rate nicht zu beteiligen. Der Vorsitzende erhob sich und unter Tränen beschwor er die Nation und die Ver- Sammlung, bis zum letztem Atemzuge alie Beschlösse zu erfüllen. Hierauf sprach er den Schwur, den die Versammelten unter Tränen Wort für Wort nachsagten: ״Wir, die Vertreter der palästinensisch-arabischen Nation, die sich zum fünften Kongreß in Sch'chcm versammelt haben, nehmen vor Oott, vor der Geschichte und vor der Nation die Verpflichtung auf un3, fortzufalircr» in unseren An» strengungen, die Freiheit unseres Landes zu erlangen und die Einheit aller Araber durch alle gesetzlichen Mittel herzustcUcn und die nationale Heimstätte und die zionistische Einwanderung nicht zu dulden.“ In der nächsten Sitzung beschloß man, Delegationen In alle muselmanischen Länder zu entsenden, d&mntcr Indien, Afghanistan, Buchara und Angora. Ferner wurde beschlossen, ein Büro ln London zu eröffnen und ein Buch 11c raus zu geben, das die palästinensische Frage von allen Seiten beleuchtet. In der Schlußsitzung wurde im Prinzip beschlossen, keinerlei Geschäfte mit Juden abzusehlleßen. Die Exekutive wurde beauftragt, einen geeigneten Weg zur Verwirklichung dieses Beschlusses ausfindig zu machen, ׳ * (J. P. Z.) Das Büro des Soeben geschlossenen palästlncnsisch-arabischcn Kongresses weigert sich, der palästlnensischen Regierung über die Verhandlungen eingehenden Bericht zu erstatten. l>!« Leitung des Ko!vjrejres erklärt, daß die Araber die Jetzige Regierung nicht als eine zu Recht bestehende Institution anerkennen, sondern in ihr ehre ausländisch? Regierung sehen, die das Land mit Ocwalt eroberte. Drei Juden, die geschäftlich während des arabischen Kongrosses nach Sichern kommen wollten, wurden von den Arabern mit Steinen vertrieben. Der einzige Jude, Müller, der in Sichern wohnt, erhielt eine Warnung, falls er am Leben bleiben wolle, die Stadt zu verlassen. (J. P. Z.) Die Exekutive des arabisch-palästinensischen Kongresses hat der palästinenri cltcn Regierung einen Protest gegen die beabsichtigte, auf Kosten des Landes aufzunchmcndc Anleihe überreicht. Qenf. (J.C.B.) Eine Delegation des syrisch, palästinensischen Kongresses ist hier eingetroffen, um bei dem Völkerbund gegen die Ratifikation des palästinensischen und des syrischen Mandates durch den Völkerbund formellen Protest einzulegen. Englisch-arabische Spannung In Mesopotamien London. (J. C. B.). Wie der ״Ti ncs‘-Korrespondent seiner Zeitung berichtet, Ist zwischen der Regierung des Königs Feisul einerseits und dein englischen Ober• kommissar von Mesopotamien andererseits eine kritische Spannung ciivgetrctcn. . Die folgenden zwei Tatsachen, die sich In der zweite« Hälfte des August, zugctiagcn halten, illustrieren deutlich die bestehende Krisis, Der englisch;: OLe.kommissar Sir Pcrcy Cöx hat di« Ausweisung mehrerer arabischer Nationalisten cxtie.uer Richtung durchge« setzt. Ferner hat er. gegen die unhöfliche Behandlung, der er während der Feier des ersten Thronbestcigungstagcs des Königs Febril aufgesetzt war, formelle!» Protest erhoben, ־ Die Frage der Heiligen Stätten Rom. (j.C.B.) ln offiziellen vatikanischen Kreisen ist man mit dem von Lord ßalfour dem Völkerbund übergebenen Plan der Zusammensetzung der Kommissionen für die Heiligen Ställen sehr unzufrieden. Bekanntlich sicht der englischc Plan eine Vollkommission mit einem amerikanischen Protestanten als Vorsitzenden und drei Unterkommissionen, eine christliche, eine muselmanische und eine jüdische, vor. Die Entscheidung der drei Unterkommiisionen haben aber nur bei Einstimmigkeit endgültigen Charakter, kommt eine Einstimmigkeit nicht zustande, so entscheidet der Präsident der Vollkommission. Laut• den Aeußcrungcn der katholischen Presse befürchtet man in vatikanischen Kreisen, daß der protestantische amerikanische Vorsitzende die katholischen Interessen hintansetzen und den Zionismus und die Juden begünstigen wird. Der Heilige Stuhl verlangt, daß die politische Verwaltung der Heiligen Orte einer aus den in Palästina residierenden Konsuln bestehenden Kornmission überwiesen werde. Wie es heißt, hat der Vatikan eine diplomatische Note an die Kabinette der kalholisehen Nationen gerichtet, worin er um Unterstützung •eines Vorschlages bittet. ''■׳■• Wie aus vatikanischen Kreisen der Presse mltgctellt wird, bestehe im Di&zesenausschuQ der Plan, einen gemeinsamen; Schritt der katholischen Körperschaften beim Völkerbund zu* veranlassen. , . Nach der Bestätigung des Mandates ist nun auch die Verfassung von Palästina von der englischen Regientng proklamiert worden. Gleichzeitig mit der Ver. fassung ist eine Anweisung der Zentralregierung ans den High Gomntessioner ergangen, in der die prinzipiellen Richtlinien zusammengefaßt werden, nach denen sich die Regierung Palästinas vollziehen soll. In diese r Instniktion wiid ausgesprochen, daß der Oberkorntraissar sich in seinen Handlungen leiten lassen soll vom der Erklärung der englischen Regierung, die am 1. Juli 1922 dem Parlament vorgclcgt worden ist. Diese Erklärung ist das vielbesprochene Statement Churchills, von dem seitens der zionistischen Exekutive wiederholt bchaaiptet wurde, cs sei nur eine belanglose administrative Ver• ügung von vorübergellender Bedeutung. Ein Teil der Zionisten, der — wie uns scheint, mit Unrecht — das Statement Churchills als Annullierung der in der Balour* Deklaration gegebenen Versprechungen angesehen hat und aus diesem Grunde die Zustimmung der Exekutive zu diesem Statement heftig verurteilt hat, vermag nun mit einen» gewissen Recht der Exekutive vorzuwerfen״ daß / ihre Verteidigung auf einer unrichtigen Einstellung beruhte. Das Statement Churchills ist keine vorübergehende administrative Erklärung, sondern es ist die erste und gültige Interpretation der Balfour-Deklaration. Es sagt uns, was England wirklich will, wie weit es zu gehen bereit ist, um sein Versprechen zu erlülkn. Der Wortlaut des palästinensischen Verfass urgsgesetzes erwähnt nichts von der nationalen Heim stätte für das jüdische Volk. Es wird jedoch festgestellt:, daß die gesetzgebende Körperschaft nichts beschließen darf, was im Widerspruch zu den Bestimmungen des Mandates stellt. Die Regelung der Immigration, die im ursprünglichen Verfassungsentwurf nicht enthalten war, ist jetzt in Ucbcrcinstimmung mit dem Churchill—State» ment in die Verfassung aufgenommen worden. Der Oberkommissar soll mit einem Komitee, das aus nicht weniger als der Hälfte der niclitbcamtcteii Mitglieder des gesetzgebenden Rates besieht, über alle die Regelung der Einwanderung betreffenden Fragen beraten (oonfeQ. Die näheren Ausfülirungsbcstiminungen sollen noch getroffen werden. In der Instruktion an den OL erkommissar wird unter den der Zustimmung des Staatssekretariats, vor• behaltenen Fragen auch die Gesetzgebung über die ImmR gration erwähnt. Im übrigen wird der Oberkotnmtissar angewiesen, die Immigration von Juden zu erleichtern (facilitatc) und ihre geschlossene Ansiedlung zu ertntaligcn, soweit dadurch die Rechte und die Stellung anderer Teile der Bevölkerung nicht beeinträchtigt werden. Dies ist der Tatbestand. Seit einem Jahre kann für alle Sehenden kein Zweifel mehr sein über den Kurs der britischen Politik in Palästina. Die Durchführung der Balfour-Deklaration hat zum Zusammenprall mit den Realitäten geführt, und die englische Politik such t sich diesen Realitäten anzupassen. Die arabische Bewegung in Palästina ist im Laufe des letzten Jahres erstarkt, und sie organisiert mit immer mehr Erfolg einen Widerstand gegen die englische Herrschaft und gegen die Politik der Balfour-Deklaration. Dies geht so weit, daß in der letzten Zeit die Araber wiederholt sich in Offerten Gegensatz zur Regierung gestellt haben. Sie haben e rklärt, das Mandat nicht anzuerkennen; sic haben abgclchnt, sich an der palästinensischen Anleihe, die zweifellos fa&t aus• schließlich den Arabern zugute kommen wird, zat be« teiligen; sie haben jetzt anläßlich der Verkündung der Verfassung einen nationalen Trauertag proklamiert und Abstinenz von den Wahlen angekündigt. Immer mehr spitzen sich die Oegcnsätze zu. Immer entschiedener wenden sich die Araber gegen die jüdische nationale Heimstätte. In der letzten Zeit sind in Palästina sehr bedauerliche Dinge vorgcfallen.■Araber haben wiederholt aus dem Hinterhalt Juden überfallen und eine ganze Anzahl von Menschen wurden auf diese Weise getötet. Der jüdischen Bevölkerung hat sich" eine große Erregung bemächtigt, und leider haben sich' auch einzelne Juden zu Racheakten hinreißen lassen, die schon deshalb sinnlos sind, weil sie Unschuldige treffen. Wenn ara bische Banditen aus dem Hinterhalt Juden überfallen, s*0 verdienen sic natürlich die strengste Strafe; aber was haben andere Araber, die an den Uebcrfällcn nicht beteiligt sind und sie vielleicht verurteilen, mit dieser Saclw zu tun? Es wäre verhängnisvoll, wenn sich Juden zt* Jener falschen Auffassung nationaler Solidarhaftung hiiueißcn ließen, unter der das Judentum so viel gelitten hat und die noch heute jedem Judenfeind die Möglichkeit! gibt, wegen der Ucbcltat eines einzelnen Juden das ganze Volk zu verdammen. Wir bringen an anderer Stelle eine Kundgebung Achad Haams gegen diese Vorgänge, von denen man wohl hoffen darf, daß sie nur vereinzelte Episoden waren. Denn auf solche Weise ist das verwickelte Problem unserer jetzigen Stellung in Palästina nicht zu "lösen. ■ Wir habe[» an dieser Stelle seit Jahren schon dirauf hingewiesen, daß eine Verständigung mit den A-rabera

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