Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 71-72 (8.9.1922)
- Date
- 1922-09-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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IX« 1922 per Zionismus erstrebt für |«W .:1 L S] ) \ \! v 1 v נ •'««*?*■£ ^««יי-ן aaes smer־ Aazei;|cn-Verwaltunt|i Jüdische Rundschau G.in.b.H., Berlin Wl 5, Sächsische Straße 8. — Telephon: Amt Uhland 845 und 846. Anzeigenpreis für die achtßcspnltenc Nonparcillczeilo 15,* M, Kür hehr/Unche Annexen 50% Auhchlag, Anzeigenschluß: Dienstag und Freiing nachmittag 4 Uhr. GGfP1 :׳ly ^Lv'z:'.J ■ r:.ש נ".. t. נ V.. . ,״ e״;ria1ns:e1BÄ;1Ä^'«sz^r:;»aE^i5szÄrÄ1u^rßÄ3a*saasss1»s*isa» Telephon: Uhland 845 u. 846. Postscheckkonto: Berlin Nr, 17392, Für Oesterreich: Postsparkassenamt Wien, Konto Nr, 156030. Für Tschechoslowakei: roslsparkasscnnmt Praß, KontoNr. 156030. f — RcdaktionssciiUiQ Sonntag und Mittwoch nachmittag. ׳ — ט״ו א<ול׳ תרס״ב das jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina■ XXVII. Jahrg. ,Baseler Programm.** T .<ךיזז Von Karlsbad nach Kassel RW. Berlin, 6. Sepfcmb'cr. Der Deicgicrientag der deutschen Zionisten findet in diesem Jahre unmittelbar im Anschluß au die Zionistische Jahreskonfcrciu i.tatt, eine Neuerung gegenüber den letzten Jahren, wo der Delegierten!,ag “den Tagungen der Weltorganisation vorausging. Wenn also die Vorbereitungen für Jahreskonfereuz und Kongreß und die Diskussion über die einzunchmendc Stellung der deutschen Delegation in den Vorjahren einen weseurt liehen Teil des Interesses des Delegiertcntages in Anspruch nahmen, wird dieser Delegierten(״״ vor der Aufpake sichen, die in Karlsbad ausgegebenen Parolen innerhalb Deutschlands Ln die Wirklichkeit umzusetzen. Es liegt im Wesen des Delegicrtcntages eitles Lauidesverbandes, daß er in politischen Fragen der (Jesamtorgauhation nur eine beschränkte Kompetenz hat; immerhin ist cs für die Ocsamtorganisation wichtig, daß ihre einzelnen Teile zu den polnischen Handlungen 'der Leitung Stellung nehmen. Wir glauben, daß es gerade innerhalb des deutschen Zionismus wenig Gegensitze in der Auffassung der politischen Fragen geben wird. Der, deutsche Zionismus hat seit Jahren jene F.ntrriekimig genommen, die man mit einem Schlagwort als ״synthetisch“ bezeichnet hat und deren Kern die ׳Auffassung ist, daß politische Erfolge zwar die Voraus- Setzungen schaffen sollen für praktische Arbeit, daß aber such die praktische Arbeit die Vorbedingung ist für politische Forderungen, denn jeder politische Erfolg vormag mir dann unsere Arbeit wirklich zu fördern, wenn er auf einer festen ökonomischen, politischen und kulture'.len' Realität beruht. Diese Richtung, die 1003 die praktische Palästinaarbeit gegen den Widerstand der sogenannten rein politischen Zionisten durchgesetzt hat, verstellt auch heute, daß die großen Chancen, die uns das Mandat gibt, nur im Rahmen der geschaffenen und zu schaffenden Realitäten in dauernde politische Weite umgcsetzt vveden könnten. Daher lehnt der deutsche Zionismus die Kritik ab, die von maxiinalistischer Seite an dem Mandat und an dem Statement Churchills geübt wird,! Die Tagesordnung des Delcgiertentages ist so festgesetzt, d; 5 der politischen Aussprache nur ein kleiner Teil der Zeit ־zugewiesen wurde. Daß dies vernünftig kt, hat die Jahreskoiifcrcnz bewiesen, bei der die polilischc Debatte auch nichts Wesentliches erbrachte. Dagegen sind in den Vorder־ ״und zwei Probleme gerückt, die die entscheidenden praktischen Fragen der nächsten Zeit sind: Die Palästinaarbeit und die zionistische Propaganda. Lieber die Pa 1 ä s t i n a a r bc i t wird Herr Schocken referieren, der auch in Karlsbad seine Ansichten entwickelt hat. Wenn Herr Schocken in Karlsbad seine allgemeine Auffassung des wirtschaftlichen Problems auseinandersetzte, so wird er beim deutschen! Delegierlentag Gelegenheit haben, die 'Konsequenzen für die praktische Arbeit zu beantragen. Was kann ein einzclnes Land, zumal wenn es wirtschaftlich i!11 Verhältnis zu Palästina so ungünstig gestellt ist wie Deutschland, für Palästina tun? Das ist eine der zentralen Fragen des deutschen Zionismus, denn die letzten Jahre haben immer deutlicher gezeigt, daß die zionistische Bewegung eine Abtrennung von Palästina nicht ertragen kann. Nur der lebendige Kontakt mit den lebendigen Werten Palästinas, nur die Vertiefung und Verbreiterung einer so verständnisvollen Erkenntnis, wie Herr Schocken in seiner Karlsbader Rede offenbart hat, nur die persönliehe Interessenverbindung durch wirtschaftliche und luilturcllc Bande mit Palästina kann dem Zionismus der Diaspora Lebenskarft geben. Darum wäre cs sehr zu begrüßen, wenn es auf dem Delegierlentag gelänge, neue Möglichkeiten in dieser Richtung zu eröffnen. Die Zionistische Organisaiotn ist durch das Mandat jewish Agency geworden. Die Jahreskonferenz hat die Einberufung des jüdischen Kongresses beschlossen, um die Jewish Agency allmählich" zur Vertretung des gesamten an Palästina interessierten Judentums auszugestalten. Beides erheischt eine starke und innerlich gefestigte Zionistische Organisation.. Nichts ist. daher in dieser Stunde so aktuell wie die Frage der 7.ionistisehen Propaganda. Das Propagandaproblcmwurde im letzten Jahre wiederholt «qufgerollt, insbesondere im Zusammenhang mit der KereifHajessod-Bewcgung, da es den Anschein hatte, als ob die Schaffung der neutralen Keren Hajessod-Bewegung einen Verzicht auf zionistische Propaganda bedeutete. Diese Verwirrung gilt es zu lösen; es muß unzweideutig klar werden, daß die zionistische Idee der Wiedergeburt des jüdischen Volkes' durch Schaffung eines nationalen Zentrums in Palästina für uns noch immer die einzige Rettung aus der see- Eschen und moralischen Verwüstung des.heutigen Judenhmts bedeutet Die zionistische Idee in ihrem vollen נז>£>!2> F.rlcbnisgehalt ist unabhängig von allen Aktionen prak- 1 tischer Art zur Gewinnung der Hilfe niclUzionistiischer Kreise für Palästinaarbeit. Sie kan» nicht anders als werbend niiftrctcn, und wenn wir auch überzeugt sind, daß dar. Pakistiiiaintcresse, das heute in jüdischen Kreisen an der Peripherie der zionistischen Bewegung bemerkbar wird, die!־nicht und die Folge zionistischer Arbeit ist, täuschen wir uns doch nicht darüber, daß dieses Interesse, das wir freudig begrüßen, noch kein Zionismus ist und nicht die schlagende schöpferische Kraft einer aus den historischen und seelischen Voraussetzungen des Volkes geborenen Bewegung hat. Der Zionismus ist der Scliieksalsweg des jüdischen Volkes; es mag Teile geben, die an dieser Entwicklung keinen Anteil haben und dennocii au ihr mUhelteu wollen; unser Ziel muß cs aber sein, alle positiv gerichteten Kräfte für die Bewegung selbst zu gewinnen, nicht aus äußeren. Gründen, weil der Artikel 4 des Mandates die Heranziehung anderer Juden verlangt — übrigens auf ausdrücklichen Wunsch der Zionistischen Organisation —, sondern aus dem Grunde, weil das ungeheure Werk des Zionismus aller irgendwie nutzbar zu machenden Volkskräfte bedarf. Vor allem gilt es eine Erneuerung der zionistischen Jugendbewegung. Dieses Problem ist nicht so einfach, wie manche meinen, dehn eine echte Jugendbewegung Läßt sich nicht in den Rahmen einer Schablone oder der Partcidisziplin einspannen, wenn sie nicht ihr Wertvollstes verlieren soll. Dennoch ist ein Kontakt zwischen Jugendbewegung und Zionistischer Organisation unerläßiieh, da sonst nicht nur die Jugendbewegung jeden Zusammenhang mit der politischen Wirklichkeit zu verlicrcn droht, sondern auch die Zionistische Organisation den Zustrom stets sich erneuernden Lebens einbüßt lind der Gefahr einer Verhängnisvollen Erstarrung •ausgesetzt ist. Das Problem der Jugendbewegung wird in Kassel nur in einer Vorkonferenz erörtert werden, an der Vertreter dex Jugend tciiiichincn werden; diese Vorkonferenz wird vielleicht nur den Anfang einer neu erwachenden Diskussion über dieses Problem bedeuten, aber es darf nicht mehr aus dem Bereich der zionistischen Aufmerksamkeit vcrschwinden. Auch dies ist ein Bestandteil der Propaganda, und vielleicht der wichtigste. Der Ddegiertentag wird ein Urteil über die im verflossenen Jahre geleistete Arbeit zu fällen haben, in deren Vordergrund die Keren Hnjessod-Aktion stand. Die Verhandlungen mit Nichtzionisten haben zu einer Annäherung geführt, die ihren Ausdruck im neutralen Keren Hajessod c. V. gefunden hat Der Keren Hajessod ist in Deutschland populär geworden und bahnt dem Palästina;״edanken den Weg. Wie diese Stimmung zugunsten des bevorstehenden alljüdischen Weltkongresses ausgeuiUzt werden kann, läßt sicli noch nicht übersehen; aber der Weg muß weitergegangen werden, der Keren Hajessod für die Zionisten eine verbindliche Steuer, für die Nichtzionisten jüdische Ehrenpflicht werden. Die Erreichung dieses Zieles wird noch zäher und geduldiger Arbeit bedürfen; an ihr kann zionistischer Enthusiasmus sich bewähren. Der deutsche Zionismus hat in Karlsbad gut abgeschnitten. Es ist wohl keine Ueberlicblichkeit, wenn man feststcllt, daß die deutschen Redner in den einzelnen Debatten sich vorteilhaft von dem Niveau abhoben. In erster Rcilie gilt das, wie schon erwähnt, von der Paliistinadebatte, wo Schocken und Ruppin, den wir wohl auch noch zu den deutschen Zionisten zählen dürfen, die zentralen Figuren waren. Der deutsche Zionismus vermag der Weitbewegung noch Großes zu geben, wenn er selbst alles daran setzt, auf der Höhe zu bleiben und sich einen Nachwuchs zu sichern. Möge der Kasseler Ddegiertentag einen Schritt vorwärts auf diesem Wege machen. Falsche Gerüchte über Palästina In Berlin waren in den letzten Tagen wiederholt falsche Alarmnachrichten über ernste Unruhen in Pa• lästina verbreitet, die in hiesigen zionistischen und palästinensischen Kreisen Beunruhigung hervorriefen. Unsere Redaktion wurde von vielen Seiten befragt, wir haben uns telegraphisch nach Palästina und London gewendet mul die Antwort erhalten, daß im Lande alles ruhig Ist. E35X5SZ335r Die nächste Dienstag - Nummer der ״Jüdiidicn Rundschau״ mufj wegen des Delegiertenioges in Kassel ausfßjlen. Die ״Rundschau* erscheint wieder 0m 15. September. Die Tagesordnung A. Vorkonferenzen 'Am Sonnlag, den 10. September 1022, In Kasse!, Hotel Meyer, Oberste Gasse 56. t. Vorkonferenz: Jugendbewegung. Großer Saal. Beginn: <b/2 Uhr vormittags. Referenten: Dr. Fritz Löwcnstein-Berlin, Dr. Walter Moses-Berlin und Erich Roth-Hamburg: ״Wege und Ziele der zionistischen Jugendbewegung.“ 2. Vorkonferenz: Gemeindcarb'eit. Kleiner Saal. Beginn: 10y2 Uhr vormittags. Referenten: Dr. Aron Sandler - Berlin: ״Grundsätzliches zur Frage der zionistischen Gemeindepolitik“; Dr. Siegfried Moses- Berlin: ״Soziale Arbeit“. 3. Vorkonferenz: Keren-Hajessod. Großer Saal. Beginn: 3 Uhr nachmittags. Referenten: Walter Turnowsky - Berlin: ״Richtlinien für die Keren-Hajessod-Arbeit“; Dr. Erich. Moses-Chemnitz: ״Keren Hajessod-Arbeit in mittleren und kleineren Gemeinden“,; , 4. Vorkonferenz: Kulturarbeit. Kleiner Saal. Beginn: 3 Uhr nachmittags. S. Vorkonferenz: National Fonds. Sonderzimmer. Beginn: 3 Uhr nachmittags, Reie* renten: Wolisteiner: ״Begrüßungsansprache"; Wei z« mann: ״Die N.-F.-Arbeit 1922״; Dr. Ehrhard: ״Film- und Landgemeinden propagaiida". sionsoKommission. Bericht der Revi. t\ t ’ jl ן B. Hauptverhandlungen am 11., 12. und 13. September In Kassel, Stadthalle. Montag, den 11. September 1922. »Vormittags-Silzungß 9>/a Uhr. 1. Eröffnungsrede des Vorsitzenden über: ״Die allge« meine Lage der zionistischen Gesamtbewegung sowie der zionistischen Arbeit in Deutschland". 2. Wahl des Büros. 3. Diskussion. Nachmittags-Sitzung, 3*/*' Uhr. 4. Referat: ״Die Palästina-Aufgaben des deutschen Zionismus“. — Referent: S. Schocken, Zwickau. 5. Debatte über das Referat zu 4. Dienstag, den 12. September 1922. .Vormittags-Sitzung, 92/י Uhr. 6. Fortsetzung der Debatte über das Referat zu 4. 7. ״Inhalt und Möglichkeiten zionistischer Propaganda“.־, Referent: Kurt Blumenfeld. f Nachmittags-Sitzung, 3l/a Uhr. ' 8. Debatte über das Referat zu 7. Mittwoch, den 13. September 1922. Vormittags-Sitzung. 9. Anträge und Abstimmungen. Nachmittags-Sitzung, 31/2 Uhr. 10. Dccharge. 11. Wahlen. a) Landesvorstand. b) Zentralkomitee. c) Finanzausschuß, d) Revisionskommission. e) Ehrengericht. Sitzung des Centralkomilcs Am Sonntag, den 10. September, abends 7 Uhr, findet in Kassel, Hotel Meyer, eine Centralkomitesitzung statt. Tagesordnung: 1. Vorbesprechung des Dclc• gierlentages; 2, Finanzen; 3. Evcntualia. KjVer-Tägung in Kassel Das Präsidium ucs K. J. V. beruft auf Sonntag, den 10, September 1922, nach Kassel eine KjVcr-Tagung. Referent: Bbr. Fritz Löwenstein: ״Neue Aufgaben des K. J. V.“!Die Tagung findet im Hotelzimmer des Ha:kcrbräu, Obere Königstr. 30, um 9 Uhr statt. OelfentHche Versammlung Am Sonntag, den 10. September, findet eine öffentliche Versammlung ini Evangelischen Vcreinshaus, Kölnische Straße, statt. Redner: Dr. Schmnrja Levin und Kurt B'umenfeld über ״Grundlagen zionistischer Entwicklung“. Im Anschluß an die Versammlung soll ein gemütliches Beisammensein der Dclcgiertcntagsbesucner stattfinden.