Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 63 (11.8.1922)
- Date
- 1922-08-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2651273-2652410-2652465--15100-2673538- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1 Nr. I. I Erholnu(־»! ■0HR«knKsj 2 b, Brtiln. ] *oaoca1 m 0. M. p 3'oL Ti g נשר s *»en I3C32Q fcÄTNCi♦ /של,»« '׳! r׳liun! •'•indiclif KBGiBX נ ׳ ■ ״11 J ALI Al Y )! [!Bl in 7htr , ״'•׳/»7 ׳ | '■׳ li■ 3t , u c h 11 N. 350,- 1 \rWn l SSB & \Tl G ,Aß llie Str. '׳ | ק)\זי f! v . A s Cj׳ Ptdakti•■ mnd VerUy W 15, SSchibcb• Str«(U &. Ervdhamt I>i«n«t*f mtA rreiUr. Be*Uf»nreia bei der F.ipeditioo «0.1 tiia P«m! lutem ricrUljihrlich 60.— M. in DeutacbUnd. AutUochubo«■•. 1,1111■ wrr.ifn in iltr WShnmjf der einoelnrn i,ün<i«r b**rcHj1n*t. Aiuei ijen-V erwnllungf! Nummer 03 | Berlin, II. VIII. 1922 mummmaumum Jüdische Rundschau G.m.b.H,. Berlin W15, Sächsische Sir. 8 Telephon: Amt UhUnd 843 »ml 846, AnielgeDprfli fflr dU *lebengf#p*!ten• NnnpAreUttseil• 0*—»lf^ Für hebriieoh« Anifijen SüH AnteeHtef. An«elfen»ehlufi| Diemtny und Freitag nadimltUff 4 Ubr, TeUphnn: UMery] M5 *.M4 PottirlirrJ'VoabH Berlin Nr. 17 392. Für Opferreich. Po»‘״v*rk*M*n*mt Wim, Konto Nr. 156 01a FOr Ti.hprlme!״w*kfi: |’6*Up*'kai'rm1mt P,*r, Konto Nr, 156 034 *- ‘KexioktionpifliitiS .Sonntag ״nd Mittwoch nocbmitteg, מ׳ אב׳ חרפ״ב XXVII. Jahrg. por Zionismus erstrebt lür das jOdische Volk die Schaltung einer attentiich-rechtllch pottlchoHen Holntsiatte In Palästina. ״Casolor Progremm״. Schaj Isch Hurwitz Kaum sind Dawid Frischmann’s irdische Reste in den kühlen Rasen versenkt, und sclion stehen wir wieder an einem frischen Grabe. Schaj Isch Hurwitz ist am Dienstag, dem 3. d. Mts., nachniiltags, in seiner hiesigen Wohnung verstorben. Mit ihm scheidet wieder einer der hervorragendsten Repräsentanten der modernen hebräischen Literatur aus den Kreisen der Gelehrten und Schriftsteller, die sicii in den letzten Jahren in Berlin zusammen• gefunden haben.; S. I. Hurwitz ist am Jom Kippur 1860 in Uwarowiczi (Gouvernement Mohilcw) geboren. Seine Abstammung führt er auf den berühmten Jesaja Hurwitz zurück. Früh erwachten seine•großen Gaben, Ein außerordentliches Wissen von dem Geiste des jüdischen Schrifttums, ein scharfer, kritischer Sinn, ein lebhaftes, auch vor den letzten Konsequenzen nicht zuriickschrcckcndes Temperament zeichneten ihn aus. Der Beginn seiner hebräischen Laufbahn fällt in die 80er Jahre. Damals veröffentlichte er eine Reihe gelehrter Arbeiten zur Geschichte des jüdischen Ehcscheidungsrechtes in russischer Sprache, ging aber bald zur hebräischen Literatur über. An allen bedeutenden Zeitschriften Jener Zeit war er als Mitarbeiter bcteiligt. Auch hier schrieb er zum Teil gelehrte Abhandlungen, wie die ״Frage der Stellung der jüdischen Frau in Bibel und Talmud“. Sein Name wurde erst in weiteren Kreisen bekannt, als er sicii mehr aktuell-kulturellen: Problemen zuwandte wie in der Artikel-Serie ״Sam chr.jim wesam hamowes“ (Hameliz 188•!—1885). Obschon seine Arbeiten ein unbedingtes Bckenntnis zur Haskala enthalten, und er teilweise mit Recht als der letzte konsequente Maslcil bezeichnet worden ist, so war er doch von dem Geist der erwachenden nationalen Bewegung tief berührt. Zu Propaganda-Zwecken hat er Heß״ ׳Rom tr. Jerusalem“ ins Hebräische übersetzt und im ״Hamagid“ auszugsweise erscheinen lassen. Die Grundlagen seines Denkens und Schaffens blieben nach wie vor die Gedankengänge der Haskala. Für ihn gab es nur ein. Entweder-Oder. Entweder Zionismus oder vollständige Assimilation. Die Begnindung dieses Standpunktes hat er in seinen bcrühmt gewordenen Aufsätzen ״Leschaalat kijum hajakr.dat“ und ״Schtc derachim“ gegeben. Au seine Aeußcrungen knüpfte sich eine sehr lebhafte Debatte in der hebräischen Presse. Man Warf ihm zersetzende Kritik, Negation des Judentums, Liebäugeln mit dem Christentum vor, ja es wurde sogar der lächerliche Verdacht ausgesprochen, daß er Beziehungen zur Mission unterhalte. Andere wiederum suchten seine revolutionären Ansichten mögliehst harmlos oder bedeutungslos darzustcllen, und mit Unrecht haben viele der jüngeren Generationeu seine literarische Persönlichkeit zu schmälern versucht. Von besonderem Interesse war auch seine Arheit über den Chassidismus und die Haskalah, in in welcher er sich scharf gegen die Bestrebungen in der neuesten hebräischen Literatur, den Chassic'ismus zu poetisieren, wandte. Nach seiner Mcinung ist der Chassidismus die Inkarnation der verworfensten Elemente des Judentums, der nichts Neues in das Judentum hineingetragen, sondern im Gegenteil seincu Geist in den Schmutz gezerrt hätte. Nach seiner Meinung sind die Poctisierungsversuche des Chassidismus nichts anderes als ein Zeichen des geistigen Verfalls. Neben den genannten Arbeiten interessierte H. sich besonders für geschichts- und religionsphilosophische Probleme wie in den ungemein an- ׳ziehend geschriebenen Abhandlungen über Krochmal und Jeliuda Halevy. Wenige Jahre vor dem Kriege gründete H. in Berlin die Vcrlagsgesellschnft ״Sinai“ und gab •der das Sammelbuch ״Heatid“ heraus. Im ״Heatid‘׳ veröffentlichte er selbst aufsehenerregende Arbeiten, z. B. den Aufsatz ״Erweiterung der Gren- Zen!“, in dem er scharf gegen Ächad Haams ableimende Stellung zum Christentum polemisierte und die Forderung Wufstcllt, daß da!s nationale hebritische Judentum den Mut hat, alle jüdischen Schöpfungen zu bejahen, keine jüdische Weltanschaumig als dogmatisch alleingültig hinzu stellen, sondern die geistigen Bewegungen, zu denen auch das Urchristentum gehört, als Teil unserer na tionalen Geschichte anzuerkennen. Sein lebendiger Geist sträubte sich gegen die Einschnürung in irgendwelche Fesseln. In Berlin gehörte Flurwitz zu den zentralen Figuren der hebräischen Sprachbcwegung. Er war auch unter den Initiatoren des im Jahre 1009 abgehobenen J<ongrcsse$ für hebräische Sprache und Kultur. Während des Krieges weilte er in Rußland und wurde Dozent an der von den Bolschcwisten tolerierten Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Petrograd, wo er Religionsphilosophie vortrug. Seine damaligen Erlebmisse hat er zum Teil auch in der ״Jüdischen Rundschau“ seinerzeit veröffentlicht. Vor nicht allzulangcr Zeit kehrte er nach Berlin zu seinen Familie zurück. Hier betätigte er sich literarisch, soweit es seine zunehmende Krankheit zuließ. Eine seiner letzten Arbeiten ist eine populäre Ausgäbe der ״Herzenspflichten“ des Bachja ibn Pekuda. Im ״Hnschiloach“ erschien vor kurzem der Anfang seiner interessanten Memoiren, die im Manuskript bereits vollendet sein sollen. Mit Hurwitz ist eine der interessantesten Gestaltcn der modernen hebräischen Publizistik, ein selbständiger und eigenwilliger Denker und Wegbahner dahingegangen. Ueber seine Bedeutung wird noch zu sprechen sciit. i E>r. J. Meist Der zweite palästinensisch-arabische Kongreß Jerusalem (J. C. B.). Der zweite palästinensisch-arabisdie Kongreß soll am 20. August stattfinden. Der Kongreß wird den Bericht der palästinensisch-arabischen Delegation anhören und über die künftige Taktik der Araber in den Fragen des palästinensischen Mandates und der Verfassung des Landes Beschlüsse fassen. Der König von Hedschas an den Waad leuml Jerusalem (J. C. B.J. In seiner Antwort auf den Protest des ״Waad Halcunü“ (Jüdischen National- Rates) gegen die Verbreitung von Gerüchten unter den Pilgern in Mekka, daß die Zionisten die Oinar-Mosrhce beschlagnahmen und sie in eine Synagoge umwandeht wollen, schreibt König Hussein, der Shcrif von Mekka, an den ״Waad Malcuinl", er lehne alle zionistischon Ansprüche auf Palästina ab und be» harre auf dem Standpunkt alter Araber, daß sämtliche arabischen Lander, Palästina inbegriffen, unab» hängig und unter arabischer Herrschaft stellen müssen. : 1 Blutige Judenexzesse in Budapest und Wcsfangarn Budapest. (J.C.B,). Die Hauptstadt war am 3. August wieder der Schauplatz wüster Judcncxzesse. Schon frühmorgens sammelte sich eine bewaffnetc Gruppe Erwachender Magyaren unter der Fiihrang des Mimstcrialsekrctiirs Dr. Morvay vor dem Spi• tnlc’ der barmherzigen Briidcr an und provozierte die jüdischen Passanten. Es kam 7.u Tumulten, wobei der jüdische Beamte Joseph Halaz schwere, von Gummiknüppeln lierrührcmte Verletzungen davontrug. Die Exzesse wurden abends auf der Terrasse des Kaiserbades fortgesetzt. Zahlreiche Juden wurden hier verletzt. Die Polizei schritt erst ei״, als alles vorüber war. Die Radaumacher zogen unter Absingen von antisemitischen Schimpflicdern ab. Auf der Bahnstrecke Steinamangcr stürmte ein Stoßtrupp der Erwachenden Magyaren den Bahnhof in Csorna. Nachdem die Juden vom Bahnhof vertrieben waren, erzwangen die Erwachenden Mngyaren die Abfahrt des Zuges und stürmten auf die noch im Zuge veibliebcncn jiuleii los. Die versperrten Abteile wiiurdcu gewaltsam geöffnet. Aus einem Abteil wurde ein Budapester Kaufmann hcrnusgezcrrt'und blutig geschlagen. Auf der Station Ncmesti wurde er endlich aus dem Zuge herausgcworferi. Er mußte aber zuvor ein dreimaliges jEljcii“ auf Hejas rufen. Budapest. (J.C.B.). Nach einem gestern zu Ehren Hejas stattgefundenen Bankett, wo Hejas i!1 Beantwortung der Toaste neuerdings versicherte, den christlichen Kurs in Ungarn energisch durchzuführen, überfiel eine Gruppe von Hejas-Verehrern das Juden viertel in Dob-utca, brüllte antisemitische Lieder und schlug in jüdischen Häusern die Fensterscheiben ein. Dann stürmten sic ein jüdisches Gasthaus urd verprügelten die anweeenieu jüdischen Gäs'c Autonomie Von Dr. V. Jacobson. Nach der ״Mandatsbestätigung“ kommt vice... ein Ereignis, dorn die Bedeutung eines Meilen- Steines in der jüdischen Geschichte zukommt. Die litauische Konstitution ist vom litauischen Sejm in dritter Lesung verabschiedet und die heißumstrittenen Paragraphen, die die Autonomie der nationalen Minderheiten im litauischen Staat festlcgcn und regeln, sind endgültig angenommen. Es waren in der Tat h ci ß 111nstrittc ne Artikcl und die Autonomie ist nicht vom Himmel, wie eine freiwillige Gabe gütiger Götter, gefallen, sondern in hartem Kampfe, gegen mächtige Widerstände ist sie erstritten worden. Schon die Absiimmungszahlen liefern dazu einen klaren Beweis. Mit einer Majorität von drei Stimmen •wurden die diesbezüglichen Artikel 75 und 76 der Konstitution angenommen: von 112 Mitgliedern des Sejm stimmten 24 dafür, 21 dagegen und 67 waren al>* wesend (!) oder haben sicii der Stimme enthalten? Nicht int Rausche einer begeisterten Stimmung! der Selbstbcfrciung und des eigenen nationalen Sieges, hat der — wie ein jedes Baucrnvolk — schwerfällige und hartnäckige Litauer seinen Minderheiten das Recht auf uneingeschränkte Selbstbestiinmung oktroyiert. In langwierigen Verbandlungen, nach einem schweren Kampf sind die Befugnisse der doch als autonom proklamierten nationalen Einheiten im Rahmen der Konstitutiön und itn Einklang mit den Gesetzen des Landes fcstgclegt werden. i : Und es ist gut, daß es so gekommen ist. Es ist nicht ein edelmütiges Geschenk des Hcrrschcrvolkcs, es ist ein Vertrag zwischen verschicdcnen, das Territorium des Staates besiedelnden und gemeinsam aufbautr.deti Nationen. Heute steht nur eine Minderheit der Litwincr hinter dein Gesetz. Dieser Teil der Litwincr, sowie die andersnationalen Minderheiten im litauischen Staat haben die Aufgabe, für diese Ordnung der iiitranationaleu Beziehungen als feste, unerschütterliche Grundlage die allgemeinen Sympathien zu gewinnen. Die führende Rolle im Kampfe für diese Ordnung ist der litauischen Judcnhcit zugcfallcn. Der beispiellosen Energie, dem politischen Takt und der Umsicht der führenden Männer des litauischen Judentums, vor allem wohl des Minister für jüdische Angelegenheiten, Dr. Max S o 1 o w c i t s c 11 i k, und der mutigen und würdigen Einigkeit, mit der das litauisehe Judentum entschlossen und geschlossen sich für die Sache eingesetzt hatte, haben alle die Mimderheiten im litauischen Staate — die Deutschen sowohl, wie die Polen, und die Kteinrussen usvv. — zum größten Teil den Sieg zu verdanken. Vielleicht war gerade dieser Umstand — die entschiedene Beteiligung des litauischen Judentums in dem Kamp[ — für das Zustandekommen des Autonomievertrngcs von ausschlaggebender Bcdeutung: das Judentum konnte auf die Wagsdmic einen ganz besonderen Gegenwert in den allgemeinen Sympathien des gesamten jüdischen Volkes für den die Autonomie auch seiner jüdischen Minderheit sichernden litauischen Staat hhnveisen. Man hat in Litauen die politische Bedeutung des Aitftretens der jüdischen Kongreßmänner in den Vereinigten Staaten für die Interessen Litauens wohl gewürdigt und nicht vergessen. Es ist auch gewiß ein Viel größerer Zusammenhang — als eine nur äußerliche zeitliche Koinzidenz — zwischen der Bcsiätigung des palästinensischem Mandates durch den Völkerbundsrat und der Annahme'der Autonomie- Paragraphen im litauischen Sejm vorhanden. Wir zweifeln nicht daran, daß in den letzten Phasen des 'Kampfes in Litauen die Nachricht von dem jüdischen Sieg im St. James-Palace, als ein schwerwiegendes Argument mitgewirkt hat. So sind diese zwei große politischen Erschcinungen — als Erfüllung der zwei unzertrennbaren Teile des großen jüdisch-nationalen Programms — für Palästina und fürs Galuth gleichzeitig in der Geschichte verzeichnet worden. Auch in der inneren Bewertung ’des Erreichten und in der ganzen Entwicklung des Kampfes für die Erreichung drängen sich uns Analogien auf. fcstzuhaiten und zu vermerken sind: