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Jüdische Rundschau · 1922-08-08 · Heft 62 (8.8.1922) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 62 (8.8.1922)
Date
1922-08-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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I otferkoitunissar, Sir Herbert Samuel, den Advtsory {dune il (Beirat der palästinensischen Regierung), um j!trs seine Auffassung der neuen Situation auseinander :i s-ctrcn. Wir crinlten soeben den wörtlichen Text dieser wichtigen Kumlgebnng, über die wir bereits früher (inntii kurzen te'.cgrapfiischen Bericht veröffentlicht haben, [;in Rede ist vor der Bestätigung des Mandates, am R. fiili, gehalten; trat/dem kann sie wohl als autlicniidic Darlegung dafür atilgetaßi werden, wie der Olwrtommissäi■ sich die Regicrungspraxis auf Grund des ,tadates vorstellt. Herbert Samuel sagte: ״Ich bedaure, daß ich genötigt war, die Mitglieder I d(q Advisorv Council zu einer Soiulcr-Sitzmig zu bitten, jrrfi» /.weck ich sofort ausoiiinmlerxet/.'ii will. Andere■׳• t(it5 freue ich mich, gleich nach meiner Rückkehr aus ן |j״lnnd diese frühe Gelegenheit zu haben, mit Ihnen «ammenzukommen. Während meiner Anwesenheit in Enajawl hatte ich Gelegenheit, über die Angelegenheiten Palästinas mit vielen Mitgliedern der Regierung und ittinici'den Persönlichkeiten der öffentlichen Meinung za (trioiideln, und ich hatte auch Gelegenheit, sowohl mit et!»Vertretern der Zionistischen Organisation, als auch jnit; der Delegation der moslemisch-christlichen Gesell-!flufl, die einige Zeit in England geweilt hat, zusammenpibmmcn. Während meines cinmonatlichcn Aufenthaltes in London hatte ich beinahe täglich Konferenzen mit dem koirol-Amt über eine große Zahl verschiedener offener fnifcn, insbesondere über finanzielle Fragen. Ich freue midi in der Lage zu sein, dem Council mitzutcilcn, daß na« Form der Erledigung crz.iclt wurde, welche die auf dem britische» Steuerzahler liegende Last vermindert rndl gleichzeitig für die Steuerzahler Palästinas zufriedenstcl Itnd sein wird. Es ist notwendig gewesen, die Vorjatultläge, die früher in diesem Jahr vorbereitet wurden, wctaals zu überrechnen. Sic werden jetzt in ihrer rnd fiiltigcn Form an S. AL Regierung zur Genehmigung ffs«11kkt werden und dann eiern Council vorgelcgt »erteil. Inzwischen werden die Ausgaben, wie Sie wissen, auf Grund der Voranschläge des letzten Jahres jcltidct.' Iin Verfolg dieser Besprechungen hat die britische Recienmg eine ausführliche Erklärung über ihre Politik i,1 Rif.istina herausgegeben, welche auch in diesem Lande verölfentlieht worden ist. Ihr Zweck ist, Mißverstand* niss*c auf/uklnrci» und Befürchtungen zu beseitigen, ehe knj;i'ch der Ergebnisse dieser Politik geäußert worden x'ndjiind ich bin überzeugt, daß die Erklärung in hohem MaQ diese Aufgabe erfüllen wird. Gegen die Lügenhetzo. Wie Sic wissen, wird d a s M and at f i'1 r P a 1 ä - sti:na heute in einer Spezial-Sitzung des Völkerbunds- Tatess erörtert. Als ich nach Palästina zurückkehrte, (amtlich, daß dieses Ergebnis Anlaß gibt zu einer ganzen Reite falscher Gerüchte, die unter der Bevölkerung verbore-itet worden sind. Wieder hat mau die Behatiptun״» auf gestellt, daß der moslemische Besitz der Moschee Al Jpsa und des Hanttn •Esh-Sitarif bedroht ist und eine Abordnung ist nach Mekka geschickt worden, um die iifoxlcmischen Rechte zu verteidigen. Es ist nicht 1»iW1C1Klig, sich erst der großen Mühe zu unterziehen, eine® Angriff abzuwehren, der niemals gemacht worden ist axlcr gemacht werden wird. Der moslemische Besitz des Haram Esh-Sharif ist vollständig sichergestellt nicht nur durch die Erklärungen der britiselfcit Regierung, wndltru auch durch Artikel 13 des Mandates selbst. Dies»« Mandat, weit entfernt davon, solche Rechte zu bedrohen, ist vielmehr eine neuerliche Schutzmaßnahme, Weit® solche überhaupt erforderlich wäre, für die bc- |;1_... _ __ _.. . "" Der Messias. Aas dem Hebräischen des David Frischmann Nachdichtung von Max B ro d *). Jt ir kam in die Nacht eine Stimme des Klirrens, ,Vic Klirren von Kellen und scharfes Gerassel Ton Ringen, hart aneinander gewetzt, Oer Himmel brach auf, der Ilnnmel brach auf, Uind großes Geleuchte, Fülle von Strahlen, Wie Wasser hervorbricht, kam cs hervor Wlcber alles; Himmel, Purpur und Bläue. — IDa falle ich nieder, da knie ich hin, Und sieh’, Eiohim, der Heerscharen Gott! 2wisehen Scharlach und Jaspis und roten Wolken, Wolken, die auf- und niedcrzichn, »Auf Fcuerlicht, das saphiren brennt, Erhebt sich der Thron. Sind der Mond ist der Schemel seiner Füße, 11)1 e Sonne das Kissen zu seinen riäupten, Die sieben Himmel sein Schlcppgcwand, ä> thront Elohhn, aller Ehren Gott, U)och an die ehernen Füße des Thrones «kschmicdet mit Ketten, nie zu zerreißen, «Hit goldenen Ketten Hst unser Herr, der König Messias ... •Art deinen Zeichen habe ich dich erkannt, ׳ -An dem heiligen Licht, .״, ") An« Brods Gedichtsammlung ״Das gelobte Land“ tv«r%.Kurt Wolff, München) geben wir diese Nach- “idutiirw eines Werkes des verewigten frischmanu *׳iaHr. heiligen Stätten. Es wird ferner das Gerücht verbreitet, daß infolge des Mandates die britischen Flaggen auf den Regierung^• stellen durch zionistische Flaggen ersetzt werden sollen; die Regierung des Landes werde der Zionistischen Organisation übertragen werden und 30 000 Juden worden sofort in das Land kommen, um es in Besitz zu nehmen. Ich bin nicht so sehr überrascht davon, daß Unheilstifter phantastische Geschichten dieser A.rt verbreiten, als vielmehr davon, daß irgend ein mit gesundem Menschenverstand begabtes Wesen sic glauheu kamt. Dennoch wurde mir versichert, daß Teile der Bevölkerung dieses Landes so leichtgläubig sind, dnß wirklich viele Personen daran glauben, Ereignisse dieser Art würden ein treten. , Verfassung und Einwanderung. Die Bestätigung des Mandates wird keinerlei Veränderungen zur Folge haben, weder in der gegenwärtigen Verwaltung des Landes noch in den (jesetzen bezögt, der Einwanderung. Dagegen wird ihr die gesetzliche Schaffung einer Verfassung folgen, welche die Errichtung einer gesetzgebenden Versammlung (Legislative Asscmbly) Vorsicht, die eine Mehrheit von von der Bevölkerung frei gewählten Mitglie• der» enthält. Die Zusammenstellung der Wähler-Listen wird beginnen, sobald die Verfassung verkündet ist, und wenn dies beendet ist — cs muß notwendigerweise eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen — wird die Wahl stattlindcn. Es wird vorgcschlagcn, daß die Hälfte der gewählten Mitglieder dieser Versammlung ein spezielfes Komitee bilden soll, um mit der Regierung /״. rammen zu arbeiten in der llcbcrwachung der Durchfiihnmg der Einwanderungs-Gesetze. In diesem Zusnmmcnhntig möchte ich bemerken, daß die weiteten Einschränkungen der Immigration, welche vor einiger Zeit wegen des Vorhandenseins einer beträchtlichen Zaitl von Arbeitslosen im Lande verhängt worden sind, noch jetzt voll in Kraft sind.. Da die Einreisebe- «iUigtmgcn für Immigranten in der Regel mehrere Monate vor der tatsächlichen Ankunft der Immigranten gegeben werden, braucht es eine gcwissc'Zeit, bis solche Veränderungen in Wirksamkeit treten. Im Monat Juni war die Gesamtzahl der Immigranten nach Palästina mir 474, von denen über 300 Frauen und Kinder waren. Da die Immigration im Verhältnis zur wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes geregelt wird, so wird, wenn — wie man hoffen und erwarten kann — der Wohlstand des Landes zunimmt und seine Industrien sieh entwickeln, die Immigration Verhältnis*׳ mäßig vergrößert werden; aber wenn dies sich nicht erweisen sollte, dann muß sie auf einem niedrigen Niveau erhalten werden. Die Anleihe. Abgesehen von der Schaffung einer gesetzgebenden Versammlung mit.einer gewählten Majorität und der dadurch bewirkten engeren Verbindung der Bevölkerung mit der Leitung der öffentlichen Angelegenheiten, wird keine Veränderung von irgend welcher Bedeutung der Bestätigung des Mandates folgen, außer daß es dann möglich sein wird, eine Regierungs-Anleihe zu veranstalten. Dies ist der Grund, warum ich genötigt war, Sic zu der heutigen Versammlung zu bemühen. Es ist notwendig, daß in diesem Lande, 90 wie in anderen!.ändern, ein gewisser Kapitals-Betrag für Zwecke der Entwicklung des Landes verfügbar ist, über die Summen hinaus, die durch die Jahres-Steuem beschafft werden. Es ist daher beabsichtigt, eine Regierungs-Anleihe zu veranstalten, um die finanziellen Bedürfnisse der Reeayji'gffRj.jL. ..!—a-! ״a!1 .u!jfL11־׳■ -■<!«!.1■ ■׳ m Das dein Auge durchzündet Wie Augen von Dichtem, Von Sehern, Rettern und allen Propheten, Am Geiste, der deine Stirn umwittert, An den Zügen des Mitleids auf deinen Wangen, Den Funken des Brandmals attf deinen Lippen, Und mehr noch, mehr noch an deinen Ketten (Prometheus-Ketten), Die deine Armhöhlen elend umschließen, An all dein habe kh dich erkannt, Ja du bist cs, Herr, der König Messias! Und mit goldenen Ketten, nie zu zerreißen, . Hängst du seit vielen tausend Jahren Am Throne des Gottes Zebaoth, Und kannst dich nicht rühren lind siehst herab Auf alle Schrecken und Zwang des Lebens, Der deinen Brüdern bcschieden ist — Und die Hand ist zu kurz, sie kann nicht helfen. Und täglich und stündlich das neue Leid, Und stündlich das Kreischen neuen Blutes,, Das von der Erde auischrcit zu dir. Dann wird deine teure Seel« jäh, Dein Zorn erbrennt, und die Adern schwellen, I>u keuchst und atmest, Schon klirren die Ketten, du gürtest dich Mit deiner Kraft und willst sie zerreißen, Zur Erde entwailcn, Erlösen, erretten Den Armen aus des Starken Gewahrsam, Den Dürftigen ans der Gewalt des Drängers, Und man hört deine Stimme: ״Es ist genug, Jetzt steige kh niederI Jetzt werde ich kommen! Jetzt will ich befreien l gierurig in Bezug auf den Ausbau des Eisenbahnnetzes und ihr Betriebskapital, ,Telephon-Anlagen und andere Postbedürfnisse, den Bau von Straßen, Förderung der Landwirtschatt, Austrocknung von Sümpfen zur Ver« hiihmg der Malaria, Errichtung von Regierungs-Gebäuden mtd eine Reihe anderer Zwecke zu befriedigen. Es ist nicht beabsichtigt, diese Anleihe dazu zu verwenden, der britischen Regierung ihre Auslagen für den Bau von Eisenbahnen, die Wasserversorgung Jerusalems und andere während des Krieges durihgctulirtc Arbeiten zurtiekzuzahlc»; diese Rückzahlungen müssen warten, bis die finanzielle Lage ries Landes sich beträchtlich gegenüber dem heutigen Stand gebessert hat. Eine Vciordiumg ist den Mitgliedern zugegangen und 9011 heute besprochen werden, welche der Regiertmg eine generelle Ermächtigung gibt, An« leihen aufztmchmeii. Es ist notwendig, dies sofort durchzTifültrcn, damit von der Regierung in London Vorbereitungen gemacht werden körnten, u!11 diese Ankillen hcrauszubringen. Bevor diese Ausgabe vor sich geht, wird noch eine zweite Verordnung notwendig sein, die den Betrag und die Bedingungen dieser besonderen Anleihe bestimmt. Bei dieser Gelegenheit wird in diesem Council eine ausführliche Erklärung gegeben werden, für welche Zwecke das derartig aufgebrachte Gckl ver« wendet werden soll. Ich möchte nach hinzufügen, daß, wenn die Anleihe zur Ausgabe kommt, allen Bewohnern Palästinas, allen Schichten und Klassen der Bevölkerung jede Möglichkeit gegeben werden wind, Geld darin auzulegen und, ich vertraue darauf, daß sie niefit ermangeln werden, bereitwillig zu entsprechen.“ Die Debatte über die Anleihe Nach der Rede des Oberkommissärs entspann sich sofort die Debatte über die frage der Anleihe. Ismail Bey Hussein! fragte, ob die Durchführung der geplanten Verordnung an die Genehmigung des Council gebunden sei. Der Rat müßte seine Zustimmung von einer gründlichen Ueberprüfung der Voranschläge abhängig mache», anderenfalls könnte er die Verantwortung der Ocffentliehkcit gegenüber nicht übernehmen. Die Ocffentliehkcit müsse gerade im Hinbück auf die jüngst vcröffcnt’iclitc Erklärung der britischen Regierung über ihre Palästina-Politik genau wissen, wozu eine Anleihe notwendig sei. Mit Rücksicht auf die bevorstehende Srhafiung einer gewählten gesetzgehenden Versammlung beraten werden wird, und dann die Beratung des Cicsctzcs über die Anleihen bis zum Zusammentritt dieser Versammlung auf« zusc hieben, J c 11 i 11 machte darauf aufmerksam, daß die in Beratung stehende Verordnung lediglich formell das Anleiltcwcscn regelt und daß jede spezielle Anleihe in Zukunft vom Cotmet! oder von der gesetzgehenden Versammlung beraten cwrden wird, und dann werde c> sclhstvers'ä׳-d ich notwendig sein, die Voransclii.igc und di: Finanzlage des Landes in Betracht zu ziehen. Die folgenden arabischen Redner vertraten im wesentlichen die gleiche Ansicht wie Ismail Bey. Beirut! sagte, daß bei einer entsprechend sorgfältiger» Verwaltung 800(101) bis 1 Million £ jährlich im Palästina- Budget erspart werden können, und diese •i Millionen in 4 Jahren wären die beste Anleihe. Der Ob er ko in 111 i s sä r erwiderte, daß die Bemerkungen der icehtsstehcmlcn Mitglieder des Rates' sehr vernünftig seien. Selbstverständlich müsse die Regiernng vor Aufnahme einer An'cilte den Rat über die Finanzlage unterrichten. Das Verfahren zerfällt aber in zwei Stadien. Zuerst wird ein allgemeines Gesetz erfassen, welches 5'J Jahre tu Geltung bleibt, wie in allen England unterstehenden Direktorien. Wenn dann konkret eine Anleihe aufgenommen werden soll, muß eine zweite Verordnung, die sich mit dieser speziellem Anleihe befaßt, der gesetzgebenden Körperschaft vorgelegt weiden. Ls handelt sich also eigentlich nur tun ein Vorbcrcitungsstadium. Waי das Budget betrifft, so sind die Voranschläge bereits seit März fertig, doch konnte über gewisse Punkte noch keine Einigung mit London erzielt werden. Z. B. wollte London, daß O wartet rin Weniges, idt bin dal“ — Doch du bist gefesselt und kannst nicht los, Du fällst auaick, Hud alles wird wieder, wie cs war. — So hört man seit vielen tausend Jahren Oie Stimme tönen und deinen Krampf. — So hörte auch ich dich in dieser Nacht, Mir drang im die Sülle: Wie lange noch, Gott! Gib mir mein Geheimnis, gib mir mein Geheimnis! Was bliesest du diese Seele mir ein, Zu tragen, zu zucken mit jedem Gedrückten, Und bandest die helfenden Arme mir zu? Was nanntest du selber Heiland mich j. Und lassest mich nun nicht helfen noefr heilen? Es kam in die Nacht eine Stimme des Klirrens, Wie Klirren v-on Ketten und scharfes Gerassel Von Ringen, hart aneinander gewetzt.1 So reißt der Messias an seinen Banden Und will mit der Kraft der nervigen Arme Den Thron der Herrlichkeit und aie Säulen Mitsamt dem Himmel Und mit dem Himmel den Himmel erschüttern. Und man hört-in der Stille der Nacht ein Eche: Wie oben goldene Ketten erklirren, Antworten klirrend von einem Ende Der Erde zunt andern eiserne Ketten. Doch aus roten Wolken und aus Saphir Und Jaspis und Scharlach erklingt die Antwort: ״Bis ein neues Geschlecht auf der Erde aufsteht, Ein Geschlcchi, das wahrhaft Erlösung will Und die Seele bereit hält, das Herz oereit, Dann erfüllt sich dein Schicksal, — du wirst erlöst, rH׳» Schicksal erfüllt sich, — du wirst erlösen.'*

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