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Jüdische Rundschau · 1922-08-08 · Heft 62 (8.8.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 62 (8.8.1922)
Date
1922-08-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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r 1 V Seite 403 JUEDI5CME RUNDSCHAU Nr. 62 andern handeln, er, ein Sprößling dieses glückt ladien-unglücklichcn Stammes. Er wurde als ,,AntinaUonnllst“ und ״Antizionist“ bezeichnet. Wie komisch cs sich nnhört! War nicht der Stamm der Dudanim einer der Stämme Israels, obwohl er dem ״goldenen Kalbe“ nicht opferte? Haben sie denn unrecht getan? .Wer will es behaupten? Schon der junge Frischmann, der Lyriker, hat seinem dudanischen Stamme die Treue bo wiesen, indem er sagte: ■ אנכי לא אלך עטכם... un-״ Und er ist wirklich nicht gegangen, der .. . glückliche“ Dudanide seine Arbeit fiat iltiit die Der Farn. mciit ri a.a fund eres oar . :■■X H־.-,d f;׳:uo;«m• '1% iihencü wen•', et sieh die jüdischen Kreise 1d bereits cingdnufen. iid:; r,n die Familie Frischimn (U ebersetzutig aus dem zu. ,,!Nur ein Feuilletonist“. Unter diesem Namen schrieb Frischmann zwei Feuiiletone, das eine über Theodor• H crzl, das andere über Elchanan Leib Löwinski; beide haben Pnlüstlm-Utopicn geschrieben, und auch des Feuilletons sich nicht geschämt .... Man wird sagen, schreibt Frischmann, der (Herz!, Lcwinski) war doch ״nur“ Feuilletonist, ,,nur“ . .. Nein, der war mehr. Der war Feuillctonist, aber Feuilletonist ist eine neue Art des Dichters, des Schöpfers, der gerade in dieser Form des Zeitungsunterhaltungsfeuiilctons die schönsten künstlerischen Formen schafft, die grölb ten Wahrheiten verkündet. Das heißt Feuilletonist sein. Nun ist der dritte ״nur“ Feuilletonist ge«• storben. Wird jemand wagen zu sagen: ״Nur“ ein Feuilletonist?! Nein, mit Frischmann ist gestorben einer der bedeutendsten Lehrer und Meister der jmig-hcbräischcn Literatur, der Erzieher, der die Peitsche des Schulmeisters nicht kannte, und deshalb sind wir so gerne zu ihm in die Schule gegangen. Er pflegte nur leicht zu streicheln, und das war so anziehend. Und als wir bei ihm nicht ganz satt werden konnten, gingen wir, weiter zu suchen, den Meister hat dabei niemand jemals vergessen, und noch aus der Ferne hat man viel von ihm gelernt. Unvergessen bleibt Dawid Frischmann als einer der tapfersten Vorkämpfer unseres Schrifttums und unserer Sprache, als Befreier des jüdischcn Menschen, als Bekämpfer des Allen und Verkünder eines Neuen, das, wenn noch nicht gekommen, noch kommen wird. S. Rawidowitz. David Frisch mann’s Lehen Frischmann ist im Jahre 1804 in Zgierz bei Lodz (Polen) geboren und genoß eine gründliche Ausbildung. Äußer dem talmudischen Schrifttum lernte er die modernen Literaturen kennen, darunter auch die deutsche. Er studierte auf der Breslauer Universität Philo- Sophie, Geschichte und höhere Kunstgeschichte' (1S90 bis 1895). Schon im 13, Lebensjahr verfaßte Frischmann die ersten Gedichte und ließ sic im Druck erscheinen. Er wurde Mitarbeiter der bekannten hebräischen Zeitschriften ,,Haboker-Or“ und ״I lasch ah,1׳r“. Auf Anregung von Ähron Bernstein übertrug er dann dessen ״Naturwissenschaftliciie Volksbücher“ ins Hebräische und wurde dadurch bei der jüdischen Jugend populär lind beliebt. Aufsehen machte das 1883 erschienene Pamphlet ״Tohuwabohu“ worin Fr. der üblichen Art des hebräischen publizistischen Stils mit seiner Routine in archaistischen Ausdrucksformen (,,Mdizah“) den schärfsten Kampf ausagte. Frischmann war Europäer durch und durch; davon waren auch seine ästhetischen Ansichten bestimmt, Er versuchte in den Spalten der Tageszeitung ״llajom“ seiner Auffassung Geltung zu verschaffen (״Otioih porchoth"). Sein Motto war: .,Durch das Gute — zum Gefühl und Geschmack für das Gute“. Von k’icht-vcrtriimnter Romantik sind seine lyrisehen Erzählungen ״ScJilosdia-sdicochtu“, ״Jiskor“ 11. a, m. Neben den rnusikalisrh-gratutioscn Legenden ״liischwil liamoscliiadi", ״Agadoth“ ist sein Poem ״Daniel be ,״oh haarajoth“ zu nennen, ferner die Gedichte ״Mosche“ und ״Aioto“ unter dem Eindruck der Kbchenever Judenmctzeicien. Frischmanns Spezialität war das Feni’Icton; an besten französischen und Wiener Vorbildern geschult, vermochte er die hebräische Sprache zu modernster Moüu'aiious- und Ausdrucksfähigkeit zu bilden. In den letzten Jahren erschienen seine Feuilletons besonders in der hebräischen Tageszeitung Hazctirah und im jiddischen Hajnt, beide in Warschau. In Warschau übernahm er auch im Kriege die Redaktion der im Verlag Stybcl erscheinenden Vierteljahrcsschrift 1״ iat'kuphah“. Frischmann hat eine überaus reiche Ucbcrsctzungstätigkeit entfaltet. Er übersetzte Werke aller großen Literaturen, aus dem Deutschen, Englischen, Russischen, Französischen usw. Wie das I.C. ß. erfährt, hat sich Frischmann in den letzten zwei Jahren seiness Lebens׳, die er in Berlin verbracht hat, hauptsächlich der weiteren UebertragungShakespcarisclicrWcrkegcwidmet. U, a. hat er in der letzten Zeit die lieber- Setzung des ״Coriolan“ vollendet. Eine Ueberselzuu״ von Goethes ״Faust“ ist Fragment geblieben. Erst ׳in den letzten vier Monaten hat seine Schaffenskraft infolge eines sich komplizierenden Leidens, welches die Acrztc als ein Gallcnstciniciden behandelten, nachgelassen. Dennoch aber hat er trotz der sehr schmerzhaften Krankheit bis in die letzten Tage seines Lebens lies VerK gemeine Teibuu.me der na Zahlreiche Komiolcn7.cn si Na 11 um S o k o 1 o w mann nach st che ml 03 Telcgr; Französischen): ״Tief erschüttert durch die entschliche Naciincht von dem Hinsdiddcn unseres alten, ■Heben Freundes und Genossen schließe ich mich der großen Trauer, mr, die durch diesen unersetzlicher. Verlust unserer nationalen Literatur zugefügt wird. Das jüdische Volk wird das Andenken des Verblichenen in höchsten Lhren halten; sein Genie und seine Werke sind unsterblich. Ich bitte Sie, die Versicherung meines Beileids imd meiner Gcfüiiic des Schmerzes uW der brüderlichen Liebe cntgcgcnztmeTimca. T.'ohum Sokolow.“ Das Leichenbegängnis firvlct Mittwoch, den 9. August, 10 Uhr vormittags, in Weißensee (Alte Halle)” statt. Alle nationaljüdischen ‘Organ isatlonen Berlins fordern in einer p; e m ei n samen Verlautbarung ihre Mitglte* derauf, ander Leichenfeicrteilzunehmen, Schwierigkeiten in den Verhandlungen Ober das Syrische Mandat? London (J. C. D.). Der diplomatische Bericht■• erstatter der ״Daily Telegraph“ berichtet, daß sich in den Verhandlungen zwischen Frankreich und Ra- Üen zur Schlichtung der Streitpunkte betreffend das sy« ri;ehe Mandat anscheinend Schwierigkeiten gcltend machen. Es verlautet, die französische Regierung sei darüber aufgebracht, daß Italien die Verschiebung des Inkrafttretens des syrischen Mandates veranlaßt habe und wolle deshalb der italienischen Regierung nicht entgegenkommen. Frankreich will nur dann Italien Zugeständnisse machen, wenn Italien die gleichen Zugcständ« nissc von England in Mesopotamien erhalte. Sokolow bei Poincarfi (JPZ) Paris, 30. Juli. Der französische Premierminister Poi 11 ca re empfing den Zkmistcnführcr Na hum Sokolow in einer Audienz, die eine Stunde lang währte. Poincare gab die Zusicherung, daß Frankreich den Italienern in Syrien dieselben Rechte einräumen werde, die England den Amerikanern in Palästina gewährt hat. Sokolow entwickelte die ökoriö» mischen Pläne der Zionistischen Organisation bezüglich des Wiederaufbaues von Palästina, die der französische Premierminister mit großem Interesse aufnahm. Italiens Forderungen in Syrien and Palästina (JPZ). Die Pariser Presse ist mit der Haltung Italiens dem syrischen Mandat gegenüber unzu« frieden. In Palästina habe Italien nur verlangt, dr/B bei ProzeOführung gegen einen Italiener die Majorität der Riciiter Engländer seien, aber in Syrien verlangt Italien, daß alle Richter Franzosen seien; ferner unbeschränkte Freiheit für seine Schulen und für seine Immigration. Präsident irdlng Ober das Mandat New York (J.C. B.). Die Zionistische Organi« sation veröffentlicht den Text eines Briefes dos Präsi« deuten Harding an die Organisation, der in seiner Hauptstelle lautet: ״Ich habe bei früheren Gelegenheiten der zionistischen Bewegung meine Sympathie zum Ausdruck gebracht und ich schließe mich Urnen and! jetzt an in dem Jubclgefühl des jüdischen Volkes anläßlich der internationalen Anorken• nu 11 g der jahrelangen Bestrebungen, efne jüdische Heimstätte wieder in Palästina a u f z u r i c h t e n. Möge Euer historisches Untemchmen den Erfolg ha hon, den es so sehr verdient.“ Kleine Nachrichten 110® An 11 all me des Autotioniicgcsdzes un Sejm [ Ko vv n o. (J.C. B.) Der erste litauische Sejm I hat nach einer Langen Debatte, in welcher die I Fuhrer aller Sejmfniklinnen, unter ihnen die Fiihf rer der jüdischen Fraktion, Minister So low eit- \ sc 11 i k und rX-putat Dr. R n c h m i 1 c w i t s c h her- 5 vorgetreten sind, das Projekt der litauischen Vcr• l fassuug, danmter die Punkte 75 und 76, die sich j auf die Autonomie der nationalen Minderheiten . beziehen, angenommen. § 75 ist mit einer Mehr׳• j heit von 21 gegen 21 Stimmen, bei zahlreichen | Stimmenthaltungen, durchgedrungcn; nachher ist j der § 76 mit einer großen Mehrheit angenommen \ worden. Der Abänderungsantrag betreffend die! Einschließung der religiösen Belange in die nationale Autonomie, für den der Vorsteher der ,Achduth“ (litauische Aguda-Organisation) Dr. Raclnnilcwltsch besonders warm eingetreten ist, wurde abgclehnt, obwohl nach der Konsü. tution eine Trenmmg zwischen Kirche und Staat nicht besteht. Ebenso sind die Abänderungsvorschläge betreffend die jüdisehe Sprache abgclehnt worden. Für diese Ablehnung gaben die Wortführer der litauischcn Parteien als Grund an, daß die Sprachenrechte in einer besonderen Deklaration der litauischen Regierung an den Völkerbund vorgesehen sind. Zur Feier der Annahme der Konstitution hat die Stadt Kowno Fcstschmuck angelegt. Alle Gc• schäfte waren geschlossen und sämtliche Häuser beflaggt. Auch die jüdische Bevölkerung nahm an den Feierlichkeiten hervorragenden Anteil. Nach der Annahme der Konstitution wurde im Stadt- ■theater eine große Volksversammlung abgehaltcn, in welcher die jüdischen Scjmdeputierten über den Verlauf des Kampfes für die nationale Autonomie Rechenschaft ablegtcn. Der Wortlaut der Autonomie-Paragraphen. Bekanntlich enthielt der Abschnitt über die natio• nalcn Mindcihcitcn in der litauischen Vcrfassimgs-Ur• kutidc ursprünglich ii'uif Paragraphen, wovon zwei ab• gelehnt worden sind. Die angenommenen drei Para• graphen wurden neu bearbeitet, und ihr Inhalt ist im endgültigen Text in zwei Paragraphen zusammengefaßt, und zwar: § 75: Aüe nationalen Minderheiten, welche einen bedeutenden Prozentsatz litauischer Bürger umfassen, haben das Recht, innerhalb der Grenzen ■der Gesetze ihre national-kulturellen Bedürfnisse: Volksbildung, Wohl• tätigkeit und gegenseitige Hilfe autonom zu regeln. Um diese Angelegenheiten zti besorgen, haben sie das Recht, gemäß der Bestimmungen der Gesetzgebung repräsentative Organe zu wählen. § 76: Die im § 75 erwähnten nationalen Minder• heilen haben das Recht, ihre Mitglieder zu besteuern zugunsten der national kulturellen Bedürfnisse gemäß bestimmten 'Gesetzen, sowie einen Anteil an jenen Summen zu erhalten, welche von der Regierung una von Selbstverwaltungskörperschallen für Büdungs- und Wohl• tätigkcils-Angelegcnhciicn bestimmt werden, soweit diese Interessen nicht durch die allgemeinen staatlichen und kommunalen Institutionen befriedigt werden. U3n* Der Dr. Welzmann bt zur Erholung in die Schweiz abgercist, von wo er sieh nach Karlsbad begibt. Die arabische. Delegation verließ am 31. Juli London und begibt sieh nach P a 1 li s t i 11 a, wo sofort der arabische Kongreß chiberufen werden soll. Prof. Wnrburg, der bekanntlich in Pa'ästina weilt, besuchte in Begleitung Oettingers die Siedlung Kirjath Anawim (Dilb), Pr«f, Wnrburg interessierte ‘sich vor allem für die ßaumnilatmtugen und die 50 verschiedenen Wcinpflsnzen, die dort gezogen werden. Ach ad Ha am veröffentlicht in der pälesfinensisehen Presse einen Brief über das Mandat, in welchem er betaut, daß die Lage sehr schwer ist und nur äußerste Opfer unser nationales Leben erhalten können. Im Haag fand unter dem Vorsitz des Richters des Hohen Niederländischen Reichsgerichtes Dr, L. E. Visscr, Präsident des K, H.•Kuratoriums in Holland, eine grolle Versammlung zur Feier des Mandates statt, bei der De Lieme die Rede hielt. J. H. Kann hatte ein Begrüßungsschreiben gesandt. Der Waad letitni sandte an den König von Hedschas ein ProiesUck'gramm gegen das verleumderische Gerücht, die Juden woüten dis Omarmoschce in eine Synagoge verwandelt. Dr, Stephen S. Wisc, Mitglied des Palestine Development Council, verließ 5m letzten Donnerstag Palästina nach kurzem Aufenthalt, während dessen er mehrere jüdische Konstitutionen in den großen Städten und Kolonien besuchte, um nach Europa und Amerika zuriiekzukehreu. In den nächsten Tagen wird mit dm! Abbau Joiut-.Mdeilung in Bukarest begonnen vrarden. Ätm poten Die Kontrolle der Scjmwahlen ln Polen Warschau. (J. C. B.) Da!aut der Konstitution (kt Jusfizminister die Kontrolle über die Gesetzmäßigkeit der vollzogenen Wahlen hat, strengten sich die rcaktio• nären Parteien nrt, daß ein Parteigänger der Natio• nahstcn das Justbportefouillc erhält. Dagegen traten dir radikalen. Parteien und die Nationalitäten-Vertreter für die Knndklnlur des radikalen Deputierten Makowski ein, der auch das Justi/.portcfcuillc erhielt. Verbot jüdischer Schalen la Warschau Warschau. (J. C. B.) Auf Grund einer pofl* zeilicheu Verordnung sind mehrere jüdische Schulen, in denen die Urne reicht ssprachse jüdisch ist, ge• schlossen worden mit der Begründung, dal) ihnen die besondere Erlaubnis der Regierung zur Ausübung ihrer Tätigkeit fehle. Bekanntlich bedürfen alle Schulen, in denen die Unterrichtssprache nicht polnisch ist, einer speziellen Genehmigung des Kultusiniiüste• riums. kr, zeit Der ״Verband nationalgesfnnter Soldaten“ *<1י llrjjas Budapest. (j.C. B.) Die Presse der ״Erwachenden Magyaren“ triumphiert darüber, daß der reiclisdeutsche Vc;band naüonalgcsinnter Soldaten durch eine eigene Alxtrdtmng dem wegen seiner Pogromzüge bekannten ehemaligen Oberleutnant Hejias die Verbandsmedaille aut schwarzwciiirotcm Bande mit den Schwertern überreichen ließ. Die liberale Presse tadelt heftig die Einmisdiung ausländischer Antisemiten in ungarische Verhältnisse. Die deutschen Blätter in Ungarn erinnern daran, daß der von den deutschen Nationalisten ausgezeichnete Hejjas nicht nur gegen die Juden hetzt,!׳andern auch den Aufstand der ungarischen Bauden!m Burgerland gegen die deutsch-österreichische Verwaltung organisiert hat,

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