Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 60 (1.8.1922)
- Date
- 1922-08-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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P9r Zionismus erstrebt für das jPcüscGo Vom die Schäftung einer Oftcnlltch-rechtllcti gesicherten HelmslStte In Palästina. ״Baseler Programm». Der erste Zionistenkongreß hat vor 25 Jahren der Zionistischen Organisation Programm und Ziel gegeben: ״Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina.“ Am 24. Juli 1922, am 28. Tamus 5632, hat der Rat des Völkerbundes durch einstimmigen Beschluß das Recht des jüdischen Volkes auf Wiederrichtung seiner nationalen Heimstätte in Palästina anerkannt und die Mandatarmacht zur Verwirklichung der Balfourdeklaration verpflichtet Durch diesen für das jüdische Volk und die Völkergemeinschaft gleich bedeutsamen völkerrechtlichen Akt ist das im Baseler Programm formulierte politische Ziel — die öffentlich-rechtliche Sicherung der Heimstätte — zur Erfüllung gebracht Nunmehr ist dem jüdischen Volk in seiner Gesamtheit die gewaltige und erhabene Aufgabe gestellt, die Schaffung der jüdischen nationalen Heimstätte aus eigener Kraft durchzuführen, zum eigenen Wohl, aber auch zum Segen des Landes und zur Wohlfahrt seiner nichtjüdischen Einwohner und zur Bereicherung der ganzen Menschheit. Als jüdische Vertretung, als Jewish Agency, die die Kräfte des jüdischen Volkes für diese Aufgabe sammeln und nutzbar machen soll, ist die Zionistische Organisation anerkannt Artikel 4 des Mandates lautet: ״Eine angemessene jüdische Vertretung ״Jewish Agency“ soll als eine öffentliche Körperschaft anerkannt werden für die Aufgabe, der Verwaltung Palästinas in solchen wirtschaftlichen, sozialen und anderen Angelegenheiten Rat und Mitarbeit zu gewähren, die die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte und die Interessen der jüdischen Bevölkerung in Palästina betreffen und, immer vorbehaltlich der Kontrolle durch die Verwaltung, bei der Ent- Wicklung des Landes zu helfen und teilzunehmen.“ ״Die Zionistische Organisation soll, solange ihre Organisation und Verfassung nach der Meinung des Mandatars angemessen sind, als solche Vertretung anerkannt werden. Sie soll, im Einvernehmen mit Seiner Britischen Majestät Regierung, Schritte unternehmen, um die Mitarbeit aller Juden zu sichern, die gewillt sind, bei der Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte zu helfen.“ Juden! Eine große und verantwortungsvolle Aufgabe ist uns gesetzt. In dieser Stunde ergeht an Euch alle der Ruf, Euch der Zionistischen Organisation anzuschließen, die von dem ernsten Wunsch beseelt ist, alle jüdischen Kräfte zur Verwirklichung des Aufbauwerks in Erez Israel zu sammeln. Dieses große Werk muß von der Mitarbeit der gesamten Judenheit getragen werden. Zionisten! An Euch ergeht der Ruf, die vier Wochen, die uns von der Jahreskonferenz trennen, zur höchsten Anspannung aller Kräfte zu nutzen. Tat und Opfer sollen zeigen, daß der große Moment der Mandaterteilung die Zionisten gerüstet fand. Die Zionistische Jahreskonferenz, die am 25.Jahrestag des ersten Zionistenkongresses zusan1mentritt,wird dem Willen der Zionistischen Organisation Ausdruck geben, alle lebendigen jüdischen Kräfte für das große gemeinsame Werk des Gesamtjudentums zu vereinen. Sammelt alle Eure Kräfte, werbet neue Anhänger der zionistischen Sache, gebet Eurer Leitung die Mittel zur Aufrecht* crhaltung und zum Ausbau der Zionistischen Organisation und führet in Euren Reihen und in allen jüdischen Kreisen die Mamhtsaktion durch, zu der das Gesamtjudentum aufgerufen wird, damit der Aufbau der jüdischen nationalen Heimstätte mächtig vorwärts schreitet Zionisten! Wir bauen auf Euren Enthusiasmus, auf Euer Pflichtgefühl, auf Euer organisatorisches und politisches Verständnis, auf den Ernst Eurer Arbeit und die Raschheit Eures Handelns. Juden! An die Arbeit, zum Opfer, zur Tat. Die Executive der Zionistischen Organisation. Chaim Weizmann. Nahum Sokolow. ✓77 / / j ■j m י• י׳יי• Vf"*N » m Das Palästina-Mandat ist vom Völkerbund bestätigt worden. Durch diesen Akt ist an das jüdische Volk die Aufforderung gerichtet, seine nationale Heimstätte in dem Lande, mit dem es durch alte Bande historischer Verknüpfung verbunden ist, wieder- * zuerrichten. In diesem Augenblick, den Generationen von Juden vor uns herbeigesehnt haben und den zu erleben unserer Generation vergönnt ist, wendet sich die Zionistische Executive mit einem Aufruf an das jüdische Volk. Zionisten! Die Zionistische Organisation ist als die Körperschaft anerkannt, die — soweit die Juden in Betracht kommen — für die Durchführung dieses großen Planes verantwortlich ist. Auf Euch ruht daher eine doppelte Verpflichtung. Der Moment der Mandatsbestätigung darf nicht ungenützt verstreichen. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland fordert hiermit alle Ortsgruppen und Gesinnungsgenossen auf, durch öffentliche Kundgebungen die Bestätigung des Mandates zu feiern. Wir alle müssen die Bedeutung des Ereignisses der jüdischen und nichtjüdischen Oeffcntlichkeit klarmachen. Vor unseren Augen beginnt der historische Prozeß, der die Lösung der Judenfrage bringen soll. Die Kunde muß in jedes jüdische Haus dringen und jeder Jade, der noch lebendiges jüdisches Fühlen hat, muß an seine Pflicht gemahnt werden, jetzt nicht abseits zu stehen, sondern bei dem Werk initzuhelfen, das nur durch Zusammenwirken aller gelingen kann. Die Errichtung unserer nationalen Heimstätte erfordert Anspannung aller Kräfte, sie braucht Menschen und Geld. In diesem Moment kommt uns zum Bewußtsein, welches Mißverhältnis zwischen den uns verliehenen Rechten und unseren bisherigen Leistungen . besteht. Das Aufbauwerk in Palästina ist dauernd in Gefahr, aus materiellen Gründen eingeschränkt zu werden. In dem Moment, wo wir alle Positionen erweitern, ausbauen und neue schaffen müßten, ist sogar der bisherige Stand gefährdet. Darum müssen jetzt alle Anstrengungen daran gesetzt werden, den Keren Hajessod zu einem großen Erfolg zu machen, unsere Bankinstitutionen müssen finanziell gestützt werden, der Unternehmungsgeist der einzelnen kapitalkräftigen Zionisten muß sich der Mitarbeit am Aufbauwerk zuwenden.0 Die Zionistische Vereinigung für Deutschland richtet unter Hinweis auf den Aufruf des Direktoriums des Keren Hajessod an alle Gesinnungsgenossen den Appell, in diesem Augenblick sich zu besinnen, ob sic ihrer Maaßerpflicht bereits nachgekornmen sind. In Deutschland müssen die alten Zeichnungen infolge der Geldentwertung entsprechend erhöht werden, rückständige Beträge müssen unverzüglich eingezahlt werden. Wir erwarten, daß diese Erhöhung der Zeichnungen sofort erfolgt und uns der Betrag überwiesen wird, damit wir der Executive die Antwort der deutschen Zionisten überbringen und beweisen können, daß die deutschen Zionisten den Sinn der Stunde verstehen. Zionisten! Getfenliet des Maaßcr! Die Völker haben alles gegeben, was von dritter Seite gegeben werden kann. Nun beweiset Ihr Euer Verständnis für die Größe des Ereignisses und Euern Glauben an die jüdische Zukunft. Landesvorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. L A.: Felix Rosenblüth.