Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 59 (28.7.1922)
- Date
- 1922-07-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Yuw'i Weil־׳! h n ן-.5ל y 11 1 .־- o 11 5*0—| 1. ״.30 י!ו 25,-; \t \VM!I * \VoUO-׳:| , N ,,v d f I E: Outlj c n b **r;( .1 *V- * UM ST י i 1 ׳',j!.80, HA*'!, b r a. h ג r£ ly L*״«' . t, r. ö<A Opr׳״nhc ]!״ml■■־ j,um 20. ) innn 23 ■;“S .11 * B«, t n. * l.«‘f Ml 1 m. 2 \ ) xxsazft rS553״ wdikUo» ■nd VerUf W 15, Sachtbdi« StraOe & F.mclielnt }•<Uo jlienM•? uod Frei Uff. ikütufftnres• be! der Expedition und den Poatamtern vi«rUlj*Hrlkh C«0,-~ M. in DeuUtltUml. Au1Ut!d»al>otmeaeota werden in der Wahrung1 dar •ioselnea LSjirlor berechnet. Nummer JjSt- Berlin, 28. VII. 1922 Anxelgen-VeiwaUiiwg: Jüdische Rundschau G.ra.b.H., Beilia W15, Sächsische Str. 8 Telephon: Amt Ühlnad 843 und 846, AaielglDprel■ für die •Ubenj׳ Pipiltrne NonpareilleieiU 8,— M* rör hibraische Anxelfc« 50% Aufschlag•, Anielf•»■chlnßi Dienstag und Freitag nariimtUaf 4 Uhr■ Telephon: Ubland F45 «.846. Poetadhedckontot Barlin Nr. 17302, Pur Oesterraidi; Po«t*p*rka*»tnaml Wien, Konto Nf, 156 03Q,! Für TichechoaHwikei: P0«Vaperka1>en«mt Praf, Koni• Nr. 15$030.5 — KedaklionMciiiuß .Sonntag and Mittwoch narhmittif• —•f » אב* חרס״ב XXVII. Jahrg. per Zionismus erstrebt für das j&tilscha Volk dEo Schaffung einer Cffontllch-rochtlicti gesicherten HelmstQtto In Pallsllna. ״Baseler Programm“. Die historische Sitzung des Völkerbundes London (J.C.B.). Uebcr den Verlauf der Sitzung vom 22. Juli, in der das Mandat bestätigt wurde, ist zu berichten: Sofort nach Eröffnung; der Sitzung gab der Delegierte Italiens, Marqiiis Imperial i, die Erklärung ab, er hätte soeben aus Rom neue telegraphische Instruktionen erhalten. Nachdem die italienische Regierung die Mitteilung erhalten hat, daß Frankreich die Ratifikation des syrischen Mandates noch in der jetzigen Sitzung wünscht, hat sic direkte Verhandlungen, zwischen Frankreich und Italien veranlaßt, um die Stellung der beiden Regierungen zu dieser Frage zu klären. Imperiali sagte, er sei bevollmächtigt, sofort nach Beendigung dieser Verhandlungen die Zustimmung Italiens zu der Ratifikation des syrisehen Mandates zu erteilen. Nach Imperialis Erkiärung wurde konstatiert, 'daß die Ratifikation des syrischen Mandates auf keine Schwierigkeiten mehr stoße. Darauf trat der Völkerbundsrat sofort in die Erörterung des Palästina-Mandate... In der Debatte wurde hauptsächlich über den '§ 14 (Schutz der Heiligen Stätten) gesprechen. Nach einem eingehenden Meintingsnustausch wurde ein neuer Entwurf dieses Paragraphen hergcstellt. Dann hieß der Völkerbundsrat den Text des französischen Mandates für Syrien und den des englischen Mandates für Palästina einstimmig gut und beschloß, daß, sobald zwischen Frankreich und Italien eine Vereinbarung zustande gekommen sei, die beiden Mandate automatisch in Kraft treten sollen. Kurz vor der Sonnabend-Sitzung hatte Nahutn Sokolow eine Besprechung mit dem italienischen Vertreter im Völkerbundsrat, Marquis Imperiali. ,Wie verlautet, bezog sich das Gespräch auf eine evtl. Neuorientierung der italienischen Regierung gegenüber dem Palästina-Mandat infolge des Sturzes des Kabinetts Facta-Schanzcr. Die Heiligen Stätten Die neue Fassung des Artikel 14. (J. C. B.). Der neue Wortlaut des Artikel 14 des Palästina-Mandates, über welchen gewisse Meinungsverschiedenheiten bestanden und der in der soeben geschlossenen Tagung des Völkerbunds verschiedene Aemlcrungen erfahren hat, ist folgender: ״Es soll eine Spezialkommission ernannt werden, die die Rechte und Ansprüche, die mit den Heiligen Stätten im Zusammenhang stehen, und die sich des weiteren auf die verschiedenen Rcligionen in Palästina beziehen, prüfen und genau fcststellen soll. Die Art der Ernennung, die Zusamiücnsetzung und die Funktionen dieser Kommission sollen dem Völkerbundsrat zu seiner Regutachhing unterworfen sein, und die Kommission darf ohne die Einwilligung des Völkerbundsrates weder ernannt werden, noch in Funktion tteten.“ lurae *״?.I i. A ' au» <״f' Bericht eines Augenzeugen- LH. London, 24. 7. Die Entscheidung im Völkerbund ist schon am ätzten Sonnabend gefallen. Von halb elf Uhr Vormittags an tagte der Rat in geschlossener Sitzung. Selten öifnete sich die Tür, um einen Sekretär des Völkerbunds oder einen Delegiericti aus- oder citmdassen. Die Beamten des Völker- Huids, die an der, Sitzung teilnahmen, waren für Sitzung noch in besonders ausdrücklicher Form zu vollständiger Verschwiegenheit verpflichtet worden. Im Pressezimmer hielten sich nur drei 0*kr vier, ,Vertreter der großen englischen und V»# amerikanischen Presse, ebenso viel Zionisten und einige Mitglieder der arabischen Delegation auf. Fcrncrstehendc Kreise hatten nicht angenommen, daß die Stunde der Entscheidung licrangcnaht sei. Nach kurzer Mittagspause wurden die Vcrhandlungen weitergeführt und cs war klar geworden, daß ein Amweg gefunden werden war, zu einer einstimmigen Beschlußfassung zu gelangen. U m fünf Uhr war das Palästina-Mandat erledigt und auch für die Regelung des Artikels über die Heiligen Stätten eine befriedigende Fassiing gefunden. Lord Balfour verließ befriedigt die Sitzung und die,Presse wurde für Montag Nachmittag zur feierlichen Schlußsitzung geladen. Montag Nachmittag. Man durchschreitet den Vorraum in St. James Palace, dessen Wände behängt sind. Die Siiziuig findet itn Roten Salon der Königin z\1111a statt. An den Wänden Bilder englischer Könige und Königinnen, vor dem Kamin ein breiter rechteckiger Tisch für die Mitglieder des Rates, den Generalsekretär des Völkerblindes, Sir Eric Druniinond, den Vorsitzenden der Mandatskommission des Völkerbundes, Prof. Rappard. Um diesen Tisch der Stimmbcrcchtigteu. zwei lange Tische für die Presse. Amerikanischc, englische, französische, italienische und’ zionistische Pressevertreter sitzen an ihnen, dazwischen auch einige Mitglieder der arabischen Delegation. Hinter den Pressetischen einige Stuhlreihen für Mitglieder der Diplomatie und einige andere Kreise, die sich Eintrittskarten verschafft haben. Am Tisch des Rates nimmt zuerst Viviami, der französische Delegierte, dann Imperiall, der Italiener, schließlich nach den Veftretern der beiden ostasia t i schen Mächte Lord Balfour und der spanische Gesandte, der den Vorsitz führt, Platz. Hierauf kommen noch die Belgier und der Brasiliancr und die Sitzung beginnt. Vi v i a n i legt den Standpunkt seiner Regierung dar; der herrliche Klang seines Französisch vibriert durch den Saal. Lord Balfour macht sich einige Notizen und hört in Ruhe und Gelassenheit zu. Nachdem Vivianis Rede übersetzt ist, erhebt sich Balfour. Er sucht nach Worten, seine Rede ist nicht vorbereitet und man sieht, wie er seine Gedanken konzentriert und gleichzeitig bemüht ist, seine Kollegen und seine Zuhörer nicht zu übenreden, sondern zu überzeugen und zu gewinnen. Mit fester Stimme spricht er aus, daß dai Mandat Palästinas van Seiten des Völkerbunds endgültig erledigt ist. Sein erster Appe II gilt den Arabern. Sein Auge geht in die Richtung, wo der Sekretär der arabischen Delegation sitzt und sein Wort geht hinaus in die ganze arabische Welt. Von der Bedcutung des Mandats für das jüdische Volk spricht er wenig. Mit bedeutsamer Geste verweis? er auf seine früheren Reden und Erklärungen. So bezieht er alles, was er jemals zur Erklärung der Balfour* Deklaration gesagt hat, in diese letzte vor den! internationalen Forum gegebene Deklaration ' ein. Durch diese Bezugnahme wird auch seine Rede in der Albert Hall, wird auch seine Rede im Hotise of Lords zu gültigen Dokumenten des Völkerrechts. Und nun beschwört Lord Balfour jene seiner Landsleute, die bisher gegen die Balfour■ Dcklaration und die prozioiiistische Politik gekämpft haben, ihren Kampf ei 11 zusteIlen. Fort setzung einer Opposition, die kein positives Resultat haben kann, wäre Verbrechen gegen die Menschheit, gegen die kämpfende Zivilisation. Bevor Balfour sich diesen Fragen ziigewendet hatte, hatte er mit einer Feierlichkeit und Ehrlich- Reit, die keinen Widerspruch und Zweifel aufkommen läßt, fcstgcstelit, daß die britische Regierung niemals den Wunsch gehabt hat, oder haben kann, bei der Verwaltung der Heiligen Stätten anders vorzugeiltn, als auf Grund histo* rischer Gerechtigkeit gegenüber all den großen Rcligiom-,gemeinden, die au den Stätten interessiert sind, Die .Uneigennützigkeit der englischen Regio• rung, der einzigen protestantischen Macht im' Rate des Völkerbunds, gegenüber den fünf katholischen Mächten, hat den Weg zur Regelung des Artikels 14 freigemaebt und so kann Balfour mit der Ver* Sicherung schließen, daß die Mandatarmacht in einem Geist vollkommener Unparteilichkeit, aber mit dem heißen Wunsch einen Erfolg durclt/usclzen, die Politik fortset/en wird, die sie nahezu viör Jahre öffentlich vertreten hat. ,,Ich bitte jedermann in diesem Saal, zu welcher Nation, Religion, Sprache oder Rasse er gehören mag, uns in dieser großen Aufgabe zu licifcn." Nach Balfour spricht Marquis Imperiali, nicht italienisch, sondern englisch. Er macht klar, daß Italien sich berufen fühlte, als katholisches Land die Frage der heiligen Stätten mit größter Aufmerksamkeit zu behandeln. Aber er erklärt nicht, mit der gefundenen Erklärung u n zu f r ie d c n z u s e in. Und er gibt der Ucber» Zeugung Ausdruck, daß die Verhandlungen zwischen Frankreich und Italien wegen Syrien in kürzester Zeit beendet sein werden, ln warmen Worten übergibt er Lord Balfour Glückwünsche zum 75. Geburtstag. Die Diplomaten am Tische des Völker1■ bundrats applaudieren. Es applaudiert aber auch Presse und Publikum. Es applaudieren die Ausläri# der, die nicht zu wissen scheinen, daß die Galicrie um keinen Preis in die Verhandlungen einer solchen Körpejschaft cingrcifen darf. Aber Lord Baffour erhebt sich, von Sir Eric Drainmond und Prof. Rappard aufgefordert, und beginnt mit einem jugendlichen Lächeln seinem Erstaunen Ausdruck zu geben, daß die Verhandlungen in so ganz irregulärer Weise unterbrochen werden und daß noch dazu in so irregulärer Weise das ■Publikum eingreift. Aber daß ihm in den letzten Stunden seines 74. Jahres eine solche Ehrung zu Teil geworden ist — er wendet sich dem Saal zu — werde ihm iuvvergeßlich bleiben. Und nun verkündet der Von• sitzende, Spaniens Gesandter in Paris, daß der Rat des Völkerbunds das Mandat für Syrien and des Mandat für Palästina gebilligt bet und daß die Mandate in Kraft treten, sobald England und Frankreich dem Präsidenten des Völkerbundrats die Beendigung ihrer internen Auseinandersetzungen!»!!geteilt haben. Die Versammlung erhebt sich, man verläßt den Saal. Der Erzbischof von Ginlcrbury, das geistliche Oberhaupt der englischen Staatskirche, verabschiedet sich von dem Vertreter des katlialischen Spaniens. Im Hintergrand des Saales strahlt mit leuchtend blauen Augen das weiDbärligc Antlitz Rev. Hechlers, der Theodor Herzl die Wege zu Fürstenhöfen und Diplomaten eröffnet hat. Hechler ist zufrieden. Der amerikanische Standpunkt Uebcr den Anteil der Zionisten am Zustandckoinmcn der Ratifikation der Mandate schreibt die ״T i m e s“: ״Die Stellung der Vereinigten Staaten hatte selbstverständlich eine entscheidende Wirkung auf die ganze Frage der Mandate. Obwolil die Vereinigten Staaten zuerst geneigt waren, die Mandate der Gruppe ״A“ als Einheit zu verhandeln, gclangcsdem zionisti* sehen Vertreter,' die Trennung des me so* p o t a m i 5 c 11 e 11 Mandats von den zwei an* deren zu errc 1 c 11 en, so daß dieses nunmehr separat verhandelt wird. Ate nächster Schritt war cs notig, eine gleiche Vereinbarung über das syrische Mandat zustande zu bringe״/■ wie' solche bereits zwischen den Vereinigten Staaten und England mH Bezug auf das Palästina-Mandat bestanden hat. ׳ •*־׳-׳- ׳ ■- Es wird berichtet, daß Senator Lodge (der Vorsitzende des Komitee״, für Auswärtige Angelegenheiten des amerikanischen Senats)' vor kurzem an NtiKuin Sokolow nach Paris depeschiert hat, daß der Vcrcinbanmg mit Bezug auf das Syrien-Mandat von ameri- Iranischer Seite bereits zugestimmt wurde und daß nach der Biiligiucg dieser Vereinbarung seitens des Senates diese in die formellen Verträge zwischen England, den Vereinigten Staaten und Frankreich dnbetogen werde.“