Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 57 (21.7.1922)
- Date
- 1922-07-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sdte 372 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 39 Gehefradlplomatie Von Josef Lev ln, Breslau. Vorbctncifcung der Redaktion. י Wir bringen den na di folgenden Artikel Zinn AM ruck, weil wir der Meinung sind, daß die in diesem Aufsatz zu Tage tretende Stimmung nidtt vereinzelt ist, sondern der Meinung eines großen t Teiles der deutschen Zionisten entspricht. ,Weite Kreise der deutschen Zionisten beschäftigen sidi mit wichtigen Fragen der Zionistischen Organ!• satioii, ihrer Finanzäcrang, ihrer Arbeit in Palästina, Mandl« Sorgen werden geäußert. Von offizieller Seite abererfolgt keine Stellungnahme, keine öftcntlidie Er* klärtmg ilrrcr Ansichten und Pläne. Dadurch wird eine Orientierung außcrordentlidi ersdiwert, Dieser Zustand wird nidit verbessert, wenn nur dunkel angedeutet wird, daß irgendwelche Pläne vorhanden sind, wie es z. B. int Leitartikel des Herrn Julius Berger in der vorletzten Nummer geschieht Dort wird über die Londoner Beratungen in einer Fonn berichtet, die beinahe an den Stä liochoffiziclfcr diptamatisdicr Kundgebungen crinnert, bei deren Schluß der Leser nidit viel mehr weiß als im Anfang. j Die deutsdien Zionisten haben das Gefühl, daß sie eine derartige Behandlung nidit verdient haben. Es dürfte keine Landsmannsdiaft geben, die zu den vom Kongreß gewählten Führern unserer Bewegung ein solches Vertrauen bekundet toben, wie gerade die deutsehen Zionisten, und die dieses Vertrauen nidit nur in Parteifagsresolutioiicii, sondern immer wieder durch die Tat bewiesen haben. Man mag das Ergebnis der deutsdien Keren Hajcssod-Arbcit gut oder sdücdit finden, man wird nicht leugnen können, daß man in Deutschland sdion in einem Zeitpunkt an die Keren Hajcssod- Arbeit heranging, wo man in den anderen Ländern kaum an die Diskussion dieser Fragen gedacht hatte, daß man in Dcutsclilaml das Maasserprhizip vom ersten Tage an für verbindlich erklärt hat und in Deutsdiland heute derjenige als entehrt gilt, von dem bekannt ist, daß er seiner Maasscrvcrpfiichtung nidit genügt hat. Diese Stellung der deutsdien Zionisten ist, wie mir scheint, nicht nur aus ihrer Partddisziplin zu erklären. Sic resultiert aus der ganzen geistigen Entwicklung des deutschen Zionismus, der das nationale Prinzip immer für die unerschütterlidic Grundlage unserer Idee gehalten hat und für den deshalb der Weg der nationalen Kraftanstrengung der gegebene für den Aufbau von Palästina erschien. Der deutsche Zionismus hat niemals ein Meid daraus geniadit, daß er allen Vcrsudtcn, die an Stelle des Keren Hajcssod andere' Methoden des Aufbaus Vorschlägen, mit der äußersten Skepsis gegenüberstellt und daß man gewillt ist, den Keren Hajcssod- Gedanken mit aller Entschiedenheit fcstzulialtcn, wenn nicht von der anderen Seite ein Weg gezeigt wird, der mehr Erfolg verspricht als der des Kefcn Hajcssod. Es bedeutet aber auf die Dauer eine unerträgliche Erschwciaui״ unserer Arbeit, daß wir nidit diejenige Uebersicht über den Stand unserer Bewegung haben, die erforderlich wäre. Wir verstehen vollauf, daß gerade auf politischem Gebiet eine starke Zurückhaltung am Platze ist. Niemand wird in Verwunderung darüber geraten, wenn nicht wir allein über den Zeitpunkt bcstimmen können, an dem die angcki'ndigte Interpretation der Balfour-Erkläruug veröffentlicht werden kann. Wir verstellen audi, daß von der Exekutive nidit verlangt werden kann, daß sic uns über den täglich wechselnden Stand der politischen Arbeit in London, über jede einzclne Besprechung mit Mitgliedern der englischen Rcgiciamg oder der arabischen Delegation Mitteilung macht. Freüicli erwecken die bisherigen, stets dieselben Fragen in den herkömmlichen, oberflächlichen Argumenten bchandelnden Kundgebungen zur arabischen Frage leicht den Eindruck einer ungenügenden Tätigkeit auf diesem so wichtigen Gebiet. Aber vielleicht beruht auch das nur auf schlechter Information. Wir haben jedenfalls den einen Wunsch, daß das, was uns mitgctcilt wird, keiner Schönfärberei unterliegt., Wir sind mit dem Zionismus genug verwachsen, um von Rückschlägen keine Beeinträchtigung unserer zionistischen Energie erwarten zu müssen. Größere Bedenken tot aber die offizielle Berichterstattung auf dem Gebiete unserer Finanzierung und des Auf baus. Uns, die wir in Karlsbad gewesen sind, ist bekannt, daß der dort beschlossene Etat insofern schon ein Kompromiß darstellte, als viele gerade unserer maßgebendsten Führer die Meinung vertraten, daß die dort genannten Summen nicht ausreichen würden, um eine fruchtbare Aufbauarbeit lüsten zu können. Seit dein Karlsbader Kongreß sind dreiviertel Jahre vergangen. Wir haben inzwischen eine Fülle von Einzclnadiriclitcn über di« Keren HajessoJ-Arbeit, insbesondere in Amerika, gehört. Was wir aber nidit gehört haben, ist eine klare und deutliche Antwort auf die Frage, ein wie großer Teil des Etats «ingegangen ist, womit noch zu rechnen ist und wie weit man imstande gewesen ist, in Palästina das durchzuführen, was der Kongreß beschlossen hat. Die Gefahr dieser Totsdiweigctaktik hat sich bereits gezeigt. Ucbcrall herum s dm irren Gerüchte. Obwohl es offiziell noch nicht mitgeteilt wurde, wissen wir heute, daß die Ergebnisse der Keren Hajessoü-Arbeit bisher erheblich hinter unseren Erwartungen ' zurückgeblieben sind. Aber ־was wir nicht wisse!:, ist, worauf da-, zuriidrzulühren in!, ob ein Vcitagen der am.c־.iranischen Zionisten vor'.icgt, ob und aus welchen Gründen man für di: Zukunft auf eine Besserung hofft und inwieweit die Gcrüdite zutreifen, die von einer Herabsetzung des Etats auf der kommenden Jahreskonfcvciu sprechen. Herr Berger schreibt in seinem Aufsatz, daß alle Mitarbeiter von der Not- ן wendigkeit überzeugt waren, die Grundlagen der bishörigen Aktion bclzübchaltcn. Wir haben daran nicht gezweifdt. Wir haben von der Londoner Konferenz nicht erwartet und wir erwarten auch nicht von der Jahreskonferenz, daß sie vom Prinzip des Keren Hajcssod | ahgehen wird. Im Gegenteil; wir werdet! jeder! frischen Elan begrüßen, der von dort aus der Keren Hajcssod- Arbeit in der ganzen Welt gegeben werden kann. Aber wir glauben ein Recht darauf zu toben, im Interesse einer gedeihlichen Fortführung der Arbeit, daß wir über die Ergebnisse dieser Keren Hajcssod-Arbcit unterrichtet werden und daß man uns cJiilidi sagt, wo Mißerfolge sind. ן י ן ן i 1 1 1 1 ן Die Frage steht in einem engen Zusammenhang mit der der Heranziehung der Nichtzionhtcn. Audi hier witd sich der dcutsdic Zionismus darauf berufen, daß er den neutralen Charakter des Keren Hajcssod, an dem fcstzulialtcn man in London beschlossen hat, in die Wirklidikcit umgesetzt hat. Es beunruhigt uns aber zu sehen, daß wir aus anderen Ländern, vor allem den Ländern mit hoher Valuta, nidit hören, ob und in welcher Weise dort die Heranziehung von Nichtzionistcn gelungen ist. Und was die Frage der Jcwish Agency anbetrifft, so liegt cs ebenso wie bei den sdion genannten Fragen. Allerlei Gerüchte schwirren umher über das Verhältnis der Zionistisdicn Organisation zur Jcwish Agency, ohne daß wir in irgendeiner Weise hören, wie die Exekutive sich die Lösung dieser Frage denkt. Die bloße Fest- Stellung, daß alle Teilnehmer der Londoner Konferenz im ׳wesentlichen ■' einig waren,' interessiert uns deshalb nicht mehr, weil wir leider nicht erfahren, worüber sie einig waren.!1! Mit besonderem Bedauern habe ich. in dem Artikel von Herrn Berger den Satz gelesen, wonach die Bcratungen über praktische Fragen, so über die Notwendiglicit der Wirisdiafilidikcit unseres Palästinawerkes und über das Budget, durdi die Beratung der politisdien Fragen gelitten haben. Gerade auf diesem Gebiet bestellen die ernstesten Bedenken. Briefe aus Palästina, palästinensische Zeitungen, Rüdereisende geben ihre subjektiven Eindrücke wieder. Nidit nur seitens der Opposition, auch Seitens anderer Gruppen, die der Exekutive sehr nahe stellen, erheben sidi! Bedenken gegen die Art unserer Arbeit in Palästina. Maa zweifelt, ob bei den gegenwärtigen Verhältnissen Garantien für wirklidic Aufbauarbeit gegeben werden können. Wir stehen diesen Dingen ohne Urteil gegenüber, und das, was sich bereits auf dem Karlsbader Kongreß gezeigt hat, wird immer stärker hervortreten. Die große Mehrzahl der deutschen Zionisten entbehrt eines eigeneu politischen Urteils und einer eigenen. Stellungnahme zu den entscheidenden Fragen unserer Bewegung. Die Hauptschuld an diesem Zustand trägt die mangelnde Informierung. Man habe doch den Mut, uns wirklich zu sagen, was vorgellt, uns nicht diplomatische Beruhlgtmgspulvcr einz.ugehcn, sondern uns ehrlieh zu sagen, wie weit unsere Arbeit Erfolge hatte, wo Mangel und Mißerfolge sich geltend gemadit haben, und man wird darauf rechnen können, daß derartige offene Mitteilungen die Arbeitskraft der deutschen Zionisten verzehnfachen, ihr politisches Verständnis außerofdentlieh fördern und keine nachteiligen Wirkungen clntrctcn werden. Erklärung Erst heute erhalte ich Kenntnis von der ״Erklärung" in Nr. 33/34־ der ״jüdischen Rundschau", die mich zwingt, gleichzeitig auch auf die Erklärung in Nr, 38 emzugehen. ' Der Sachverhalt ist folgender:' 1. Ich habe Herrn Redakteur Welt sch in seinem! Büro die betr. Erklärung, die vor dem Kongreß in der Rundschau erschienen ist, schriftlich übergeben, nachdem sie in seiner Gegenwart in seinem Büro auf seiner Maschine geschrieben worden ist. 2. Die Behauptung des Herrn Dr. Simonson, wonach ich erklärt haben soll, daß die Erklärung in der Rundschau ״sich als nach mündlichen Angaben äugefertigt erwiesen haben soll“, beruht wohl auf folgendem Sachverhalt: Unmittelbar nach meinem Eintreffen in Karlsbad vor der Eröffnung des Kongresses wurde ich von einer Anzahl Herren, u. a. auch toi Herrn Dr. Zwirn und Rechtsinv/alt Kollentsdier wegen meiner Erklärung in der Rundschau interpelliert, die ich gedruckt noch nicht gelesen hatte. Die Herren! erklärten mir, daß in dieser Erklärung schwere Angriffe auf den Binjan Haarez enthalten seien, daß ich meine Unterschrift unter dem ursprünglichen Brief zurückgezogen hätte usw. Keiner der anwesenden Herren war im besitze der betr. Nummer der Rundschau. Ich erklärte darauHün, daß die von mir Herrn Weltsch übergebene Erklärung diesen Inhalt nidit gehabt hätte. Wenn dies jedoch darin stände, so hätte wohl Herr Weltsch die Erklärung entsprechend geändert. Weitere Erörterungen leimte ich ab, bis der Wortlaut der Erklärung herbeigeschafft sei. Als dies am nächsten oder übernächsten Tage geschah, erklärte ich sofort sämtlichen beteiligten Herren, daß die in der Rundschau abgedruckte Erklärung wörtlich den! von mir Herrn Weltsch übergebene» Text entspricht, Allerdings war sehr wenig von dem darin enthalten, was die Herren Dr. Zwirn und Rechtsanwalt Kolientscli-er mir am ersten Abend in ihrer Erregung als angeblichen Inhalt mit״(:* teilt hatten. Ich kann daher nur amiclimen, daß Herr Dr. Simonson seine Behauptung auf Grund der Unterhahung am ersten Tage auigesicUt hat, «Ivnc von meiner Erklärung am nächsten Tage Kenntnis genommen zu haben. 3. Die Bemerkung des Herrn Dr. Simonson, wonach ich die Erklärung in der Sächsischen Straße ,,auf Drängen eines Herren׳‘ abgegeben hätte, entspricht, nidit den Tatsachen. Haifa, den 5, Juli!922. , ,William Rerl* Auswandcrungsbüro in Berlin Den Vereinigte Komitee für jüdische Auswanderung schreibt uns: Das Bedürfnis, die bestehenden jüdischen Anstalten, die sich mit der Frage der Emigration befassen, z!| vereinigen, ist in dem Augenblick reif geworden, wo die Emigration in verstärktem Maße eingesetzt hat, Bedatierlidierwcisc waren aber nicht;die Organisationen von diesem Gedanken durchdrungen. Die Initiative in dieser Frage hat das Exekutivkomitee der Welthiliskonferenz genommen und hat es übernommen, ein vereinigt cs leitendes Emigntionszenfrum zu schaffen. Im August vergangenen Jahres wurde eine Emigrations• konferenz nach Prag cütbcrufcn, an der mehr als 30 Emigrations- und Hüchüktßsorganisationen tcilnahmcn. Dort wurde ein Direktorium gewählt, bestehend aus Vertretern der drei großen Organisationen: Der Welt, hilfskonferenz in Paris, der Föderation der ukrainischen Juden in London und der Hlas in Amerika. Auf dieser Konferenz wurde die Vollmacht erteilt, das oben erwähnte Emigrations- Zentrum zu schäften mit der Auigabe, den Emigrationsström zu leiten und zu regulieren, alle Fragen, die die Emigration betreffen, in den Emigrationsländcm zu bc• arbeiten und ihr alle lokalen Emigrationsorganisationen zu koordinieren. Bald darauf trat auch das Direktorium mit einigen großen Organisationen in Unterhandlungen, wie z. B. mit der lea, die an der Prager Konferenz nicht tcilgcnommen hatten, um sie zu gemeinsamer Arbeit hcranzuzichcn. Bedauerlicherweise haben diese Unterhandlungen und Beratungen nicht die gewünschten Resultate gezeitigt. Nach der LHrcktoriumskonfcrenz, die vom 23. bis 25. April in Berlin stattgeiunden hatte, bemühte man sich, die Frage eines einheitlichen Immigrationszentmms zu lösen. In Ucbcroinstimmung mit dieser Konferenz schuf nun zwei Ausführungsorgane, und zwar: das Hauptbüro in London mit der Aufgabe, ein finanzielles Zentrum wie auch' eine Emigrationsbank mit einem Grundkapital von 50 (XX) Pfund zu bilden und die pol!• tische Arbeit in der Emigrationsfrage zu leiten, und zweitens das kontinentale Zcntralbüro in Berlin, um die praktischen und technischen Seiten der Eniigrationsarbeit durchzufülircn und die gegenseitigen Beziehungen zu den Regierungen der Emigrations- und Transmigrations.!ander zu bestimmen. Beide Büros, sowohl das Hauptbüro in London, als auch das Kontinentale Zcntralbüro in Berlin, funktionieren bereits und führen die ihnen übertragene Arbeit durch. Das Berliner Büro der Vereinigten jüdischen Emigrationskomitees wendet sich hierdurch an alle Organisationen, die sich für die Emigration interessieren, wie auch an die Personen, die bereits emigriert sind oder cs beabsichtigen, sie möchten sidi mit dem erwähnten Berliner Büro in Verbindung setzen, um ihm die schwere Arbeit zu erleichtern, und zwar in der Form, daß man Informationen cinschida über die Lage in den verschicdenen Orten, über die Zahl der dort befindlichen Emigranten. ihre ökonomische, sanitäre und soziale Lage usw. Nut• bei gegenseitiger Hilfe ist bei dieser schweren und verantwortungsvollen Aufgabe, die das jüdische Emigrationsbiiro und seine ausführenden Organe auf sich genommen haben, ein Erfolg möglich. Wir hoffen, dab unsere Aufforderung zur Mitarbeit nidit ohne Antwort bleiben wird und erwarten die Mitteilungen der erwähnten Organisationen, Kontinentales Zentralbüro in Berlin i gez.: Dr. Tlomkin. Bericht des Jüdischen Arbeitsamtes über die Haushaltungsburse Im vergangenen Winter wurden vom Jüdischen Ar• bcitsaint, Berlin, Auguststr, 17, Manslialtungskursc ins Leben geruien, welche die Aufgabe hatten, Schulmädchen in den letzten Schuljahren und berufstätige Mäddien in den wichtigsten Hausarbeiten zu unterweisen. Zu diesem Zweck würden ein sich durch 6 Monate erstreckender Nachinittagskoclikursus, zwei dreimonatliche Abendkoch• kurse und ein sechsmonatlicher Abendnähkursus eingerichtet. Der Unterricht fand bei sämtlichen Kursen zwei■ mal wöchentlich statt. Nähstube lind Nähmaschinen wurden von dem Jüdischcn Arbeitsfürsorgeamt, Auguststr. 17, der Küdicnraum von dem Jüdischen Volkslieun, Dragonerstr. 22 resp. der Jugciulgruppc des Misrachi zur Verfügung gestellt. Di« Einrichtung der Küche wurde durch private Spenden an Küchengeräten, Leincnzcitg usw. ermöglicht. Der Bestand der Kurse würde durch Beiträge verschiedener Organisationen (Logen, Fraucngruppe der freien Vcrcinigimg, Misrachi, Voikshcim) und durdi private Ztrwendüngen von Geld und Lebensmitteln ermöglicht. ln dem Nähunterricht wurden die Mäddien im Mascliiiienuähcn, Ausbcsscru und selbständigen Anfertigen von Wäsche und Kleidungsstücken unterwiesen. Die Teilnchnicrzahl war gering. Dafür wurde bei jeder einzelnen Schülerin eine gewisse Selbständigkeit und Sicherheit erzielt. Soweit sich dies übersehen läßt, wurde der Zweck der Kurse erreicht. Die teilnehmenden Mädchen gewannen Freude an der Arbeit und lernten die ihnen bisher fremde Handhabung in der Wirtschaft. Sic wurden außer• *י", was durchaus wesentlich sdiien, dazu angehalten, Gerichte mit geringen Mitteln sdunackhaft zu machen tmd ohne crlieblidien Aufwand an Flcisdi und Fett nähr• hafte Mahlzeiten zusammcimistcllen. Es ist allgemein bekannt und anerkannt, daß die z, T. durch wirtsdiaftUclu׳, t. T. durdi geistige Ursadicn hcrbcigcfülirtc Vernadilässigung des Haushalts durdi die jüdischen Mädchen und Frauen einen schweren Schaden I bedeutet. 1111 Gegensatz zu den Maßnahmen der Städte und christlichen Vereine ist es bisher in jüdischen Kreisen vernachlässigt worden, hier Abhilfe zu sdiaffen. In wemgen Städten bestehen Kurse; in der größten in Frage kommenden deutschen Gemeinde, Berlin, ist bisher nichts m dieser Richtung gesdidien. Die Kurse des Arbeits• amlcs sollen und uonucu hkr nur einen Anfang bedeuten, blc sind wahrend der Sommermonate geschlossen, werden I a״cr am 1* Oktober dieses Jahres neu eröffnet werden. \ s