Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 57 (21.7.1922)
- Date
- 1922-07-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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lilr'il hu! (\ f L (f ר t 1 A , \ \ \ rST \ Frtmxrz. e« * ״ JJ*<UktI0■ und Verl** W 10, S*db«bnh* Straß« & Erwl1«inl J«*!ca Dirn»*•* 1»״י FreU•*־, B*1ufsnr«la Ui der Erp^diiiea und den PcutäwUri» vierteljährlich 50,— M. ia DcatarlilancL At«1«mW>onu*- mrßt• werden ia d«r Wolirua* dat «iaa«lnea Liatisr brreriinaL »s ״T. «’. . :at... J r;.vtKxmt^+&m*1. - m \ V «rssr. Nummer 57 Berlin, 21. VII. 1922 Aiuelgen-V CTWaltuny; Jüdische Rundschau G.m.b.n., Berlin W15, Sächsische Str. 8 Telfpboa: Amt (Jhlaod 845 und 846, AnitlfiBlirei• für die ■lobrngespsltm« NnnpsrcllUidl« 8,— IC« rär hobrSiacho Anxfijea 5U% Aufschlag, A8i«l|*mchlBß| Dienst** «ßd rrdU* narhmlttif 4 Uhr. TeUphon: UMsmJ 85 ».846. PoatscWknntot Berit tu Nr. \1 &%i Pur Oe«tfrr«irh. Pn«!*p»rka«**nemt Wim, Koato Kr. 136 ®.*IQ, Für Tarhedioalowakri: f'osUp*rk***ett»mt Pf•*, Kante Nr. 156 Ü3ö," ‘ "*" KedaktiostsdiluQ» Sonnig und Mittwoch »•dmrsi ti *׳., —* ,׳ן הדפ": כ״ה תמוז" XXVII. Jahrg. per Zionismus erstrebt IQr das |Otäl»che Volk dio SchaUuna einer öffontilch-reelilileh gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Basaler Programm". Der amerikanische Convention Die Jahrcskonfercm der amerikanischen Zio- Bisten, die linde Juni in Philadelphia! stattfand; stand schon äußerlich’ unter dem Zeiehcr 'der Feierlichkeit. Fs war der ,25. Dclcgicrtcntag in Amerika, also eine 'Art Jubiläum, das im übrigen zusamroenfiillt )11 it dem 25jährigen Jubiläum des Kongreßzionismus. Mit berechtigtem Stolz können unsere amerikani• sehen Freunde auf diese 25, Jahre zionistischer Arbeit jurückblickcn. Zu Beginn der Bewegung war die amerikanische Organisation eine der weniger bcdeutenden Landesverbände; auf den Kongressen traten die amerikanischen Delegierten völlig in den Hintergrund gegenüber den Gesinnungsgenossen aus Ost• und Mitteleuropa. Schon unmittelbar vor dem Krieg hat der Zionismus in Amerika, einen großen Aufschwung genommen, der in der erfolgreichen!Tournee des Herrn Sokolow im Jahre 1913 seinen Ausdruck fand. Im Kriege verschob sich dann mit einem Mal das Gewicht der Gesamtbewegung nach den jüdischen Massensicdclungcn jenseits des Ozeans; das amerikanische Judentum hat den Sinn der Stunde erkannt und ist für den lah'mgclcgtcn (Teil des Judentums in die Bresche gesprungen. Die Zionistische Föderation Amerikas verstand cs in zunehmendem Maße, die jüdischen blassen Amerikas zionistisch zu interessieren und zu organideren. Es ist bekannt, daß der Jischuw seine Existenz während des Krieges dem amerikanischen Zionismus zu danken Kat. Durch die jüdische Kongroßbewegung bekamen die Zionisten die Führung im amerikanischen Judentum; unvergessen bleiben die Verdienste, die sich damals der zionistische Führer II D. Br and eis um die Dcmokfatisierung und Organisierung des amerikanischen Judentums erworben bat. Nach dem Kriege blieben die amerikanischcn Zionisten von entscheidender Bedeutung für die Gcsamtbcwegung. _ Der Zusammenbruch der ost• und'mitteleuropäischen Wirtschaft hat vollends den amerikanischen Zionisten die Verantwortung für die finanzielle Grundlegung 'des Palästin^-Aufbaus zugeschoben. Die amerikanische Föderation;stellt an ihrem 25. Geburtstag als der stärkste Stützpfeiler der zionistischen Weltorganisation da. Die amerikanischen Dclegiertcntage, genannt ״Convention“ (auch das Wort ist in der zionistischen Terminologie heimisch’ geworden) haben in den letzten Jahren in steigendem Maße die Aufmerk• samkeit der ganzen zionistischen Welt auf sich gc• zogen. Seitdem in Pittsburg (1918) zum ersten Male ein umfassendes Aufbau-Programm festgelegt wurde, var der Weltzionismus bereit, sich auch in den prinzipiellen Fragen der amerikanischen Führung *nterzuordnen. Aber schon die Convention von Buffalo im Jahre 1920 brachte eine gewisse Ent• uuschung und hat den Riß vorbereitet, der dann ב י Clcveland 1921 vollzogen wurde. Die letzte Con- .lcntion hatte auf den Weg zurückblicken können, der von Clcveland nach Philadelphia geführt hat. Han hatte für den amerikanischen Zionismus nach der Spaltung böse Folgen befürchtet, sowohl was die Schlagkraft de״ Organisation als auch, was den kölnischen Einfluß, betrifft. Das letzte Jahr hat Bewiesen, daß di;sc Befürchtungen unbegründet waren. Die neue Leitung des amerikanischen Zio- ■dsmus bestand zwar nicht aus prominenten Perfönlichkeiten wie die frühere, aber sie hatte dafür den Kontakt mit 'den Volksmassen und legte sorghaltig Wert׳ darauf, die Volkstümlichkeit des zionistisclicn Gedanken!) zu heben und den Einfluß der ■Harten für die zioiiistischc Sache in die Wagschalc xu werfen. Auf diesem Wege ist es gelungen, im **!)gelaufenen Jahre in Amerika politische Erfolge 1״on größerer Bedeutung zu erzielen als je zuvor. Durch systematische und planmäßige Arbeit, die jü erfolgreicher Weise durch Herrn Sokolow und d'e anderen Mitglieder der Delegation unterstützt wurde, hat die amerikanische Leitung es vermocht, die politisch maßgebenden Faktoren Amerikas für; tascrc Sache zu gewinnen. Der Erfolg dieser Be- 1 ״׳*ühungen ,waren die Erklärungen des Präsidenten | dlarding und 'die Palästina-Resolution des Konj ßrcsscs. Amerika ist heute ein Aktivposten in der i zionistischen Politik', und wie immer sich die Ent- Wicklung in der Zukunft vollziehen möge, kann doch J «m Zweifel bestehen, daß eine solche Unterstützung j teiiwoj; ins .Gewicht lallt. Während die frühere Gesinnungsgenossen 1 Wir richten an alle, die noch nicht den Schek«l gezahlt haben, in letzter Stunde die dringende Auffordenw״ sofort bei dein nächsten Vertrauensmann einen Schekel zu kaufen. Die Jahreskonfercnz steht vor der Tür und cs wird von der Zahl der abgelieferten Schekalim abhüngen, wieviel Delegierte die deutschen Zionisten zu dieser, unter den jetzigen politischen Verhältnissen 80 besonders wichtigen Sitzung entsenden können. Außerdem beurteilt die jddlachctund die nicht jüdische Öffentlichkeit die Slärkc der zionistischen Bewegung nach der Zahl der abgellcfcrten Schekalim. Wir haben gerade In diesem Moment ein dringendes Interesse daran, das Wachsen unserer Bewegung zu dokumentieren. Jeder tue seine Pflicht und zahle sofort den Schekel! Zionistische Vereinigung für Deutschland Berlin W15, Sächsische Straße 8 amerikanische Leitung die Parole ausgcgcb'cn halte, daß 'die Zeit der Politik und Propaganda vorbei ist, sehen wir heute deutlicher als je, daß der Aufbau Palästinas ohne intensive politische Arbeit und angestrengte Propaganda, die das jüdische Volk für die Sache gewinnt, nicht gelingen kann. Wenn wir also der politischen Arbeit unserer amerikanischen Freunde höchste Anerkennung schuldig sind, so müssen wir gestehen, daß wir in bezug auf die materiellen Leistungen nicht alle Erwartungen erfüllt sehen. Mag der Grund hierfür darin liegen, daß man in Europa übertriebene Hoffnungen auf die amerikanische Keren Hajcssod- Aktion gesetzt hat, ohne zu bedenken, daß die zionistisch noch nicht durchgcbildctcn weiteren Kreise des amerikanischen Judentums erst allmählich zu Leistungen herangezogen werden können, oder mögen die besonderen Verhältnisse in Amerika schuld sein, fest steht das Ergebnis, daß infolge der ungenügenden Eingänge da» Budget der jüdisehen Arbeit in Palästina gekürzt werden muß. Der Convention wurde ein Bericht vorgclcgt, wonach die 13 Monate Keren Hajessod-Arbeit in Amerika im ganzen 5 2000 000 Dollar ergeben haben, wovon 3 Millionen bar und über 3 Millionen ״Plcdgcs" (Vcrpfliclmtngscrklärungcn) sind. Da die 3 Millionen noch nicht eingegangen und auch von den 2 Millionen wahrscheinlich noch Spesen in Abzug zu bringen sind, erklären sich die kleineren Zahlen, die in dem Londoner Ausweis der Eingänge figuricren. Wenn wir bedenken, daß das Joint Distribution;Comittcc bei seinem letzten Drive über 12 Millionen Dollar aufgebracht hat, so können wir eine gewisse Enttäuschung über das Resultat der Keren Ilajessod-Arbeit nicht unterdrücken. Es hat sich eben gezeigt — und darin stimmen alle Bcrichte überein —, daß die Arbeit vor allem eines systematischen Ausbaus bedarf, und daß eine starke zionistische Propaganda die Finänzaktion stützen muß. Es darf auch nicht übersehen werden, daß neben dem Keren Hajcssod die amerikanischen Zionisten noch erhebliche Sondcrleistungcn atifzuweisen haben, z. B. ist von der Convention selbst auf einen Appell von Ruthcnhcrg ein Betrag von über einer Million für das Elektrifizierungsuntcrnehmen gezeichnet worden. In den Beschlüssen, die die Convention zum Keren Hajcssod gefaßt hat, Vermissen wir die starke Betonung des Masscr- Prinzips. Eine Resolution bringt zum Ausdruck, daß 'das Resultat der Korea Ilajcssod-Aktion angestehts ,der Schwierigkeiten, denen diese Arbeit am Anfang begegnen mußte, anerkannt werden muß. Der Gedanke, der die Convention von Philadclphia von Anfang an beherrscht hat, war die Wiederherstellung der Einigkeit im amerikanischen Zionismus. Die Brandeis-Gruppe hat sich bekanntlich nach ihrem Sturz in Clcveland in eine Sonderorganisation verwandelt unter dem Namen ״Palqslinc Development Council“ (P. D. C.); dies bedeutet aber nicht, daß ihre Anhänger aus der zionistischen Organisation austreten, vielmehr ^bleiben sie Mitglieder der zionistischen Organisation, betrachten aber den T. D. C. als das Instrument ihrer Palästina-Tätigkeit. Auf der Convention wurde zunächst ein Antrag eingebracht, der die. Wahl eine» Komitees forcierte, das Verhandlungen zur Wiederherstellung der Einigkeit cinzuicitcn hat. Die Mitglieder, des P.D.C. unter Führung von de Haas forderten darauf eine Anerkennung des P. D, C. Die von de Haas vorgeschlagcne Resolution hat das Exckutiv-Komitce während einer ganzen Nacht- Sitzung beschäftigt,- und die Convention erklärte ihre Bereitschaft, die Resolution zu akzeptieren; wenn auch der Keren Hajcssod von der Brandeis- Gruppe anerkannt wird. Es wurde sodann die von uns an anderer Stelle wiedergegebene Resolution angenommen, auf Grund deren die Verhandlungen weitergeführt werden. Die Convention hat ein Siebcncr-Komitcc gewählt, und man erwartet dasselbe vom P.D.C. Allerdings ist cs zweifelhaft, ob die Verhandlungen überhaupt zustande kommen werden, denn de Haas hat erklärt, daß der P.D.C. wegen 'des Zusatzes über den Keren Hajcssod die Verhandlungen abbrechen werde. Es braucht nicht erwähnt zu werden, daß nicht nur in Amerika, sondern in der ganzen zionistischen Welt die Wieder- Herstellung des Friedens begrüßt werden würde. Es muß auch anerkannt werden, daß nach der Entscheidung von Clcveland die vorantvvortlichccn Personen der Brandeis-Gruppe die Keren Hajcssod- Aktion nicht gestört, sondern sich auf positive Arbeit im P.D.C. konzentriert haben Diese Haltung hat die Versöhnung sehr erleichtert, und man hat cs schon als ein gutes Vorzeichen gedeutet, als kürzlich bei der Tagung des jüdischen Kongresses, die gleichfalls in Philadelphia stattfand, der Führer der Zionisten Louis Lipski den Brandeis-Mann Stefcn Wisc zum Präsidenten vorgcscblagcn hat, was damals großes Aufsehen erregte. Die heutige kritische Zeit erfordert mehr als jemals die Zusammenfassung aller Kräfte. Man sollte erwarten, daß Brandeis und seine Genossen auf Grund der letzten Erfahrungen einsdien werden, daß viele ihrer Voraussetzungen falsch waren. Wenn sie cinschen, daß auch weiterhin eine energische politische und propagandistische Arbeit notwendig ist, die zionistische Weltorganisation der stärksten Unterstützung bedarf und der Keren Ha• jessod —wenn auch nur als ״Spendenfonds“ — ein unentbehrliches Instrument zum Aufbau Pa• lästinas ist, wird ihr Wiedereintritt in die zionistische Arbeit mit Freuden begrüßt werden. Die zioni• stische Föderation Amerikas und ihre gegenwärtige Leitung wird zweifellos ihre nächste Aufgabe in. einem Ausbau der zionistischen Organisation selbst erblicken, um den ׳׳ großen Anforderungen der* nächsten Zeit gewachsen zu sein. Wir wünschen ihr, daß die 26. Convention einen neuen Fortschritt gegenüber der 25, auf dem eingcschlagcncn Weg bringen , möge, R. W. Sukclow bei Poincark Paris. (J.C. B.) Der Vorsitzende der zionistisclicn Exekutive, Nahm» Sokolow, besuchte den französischen Ministerpräsidenten Poincare und befragte ihn über die Stellung des fran-, zösiselien Vertreters beim Völkerbundsrat zu der Frage des palästinensische» Mandates. Poincare versicherte, Frankreich stehe den jüdischen Bestre* bungen in Palästina sympathisch gegenüber. 1 Die Spraclicnfrdge in Litauen Kowno. (J. C. B.) Die Vcrfassungskommission des litauischen Sejm beschloß in ihrer letzten Sitzung, die litauische Sprache äls die einzige offizielle Sprache des Landes anzuerkennen, den Angehörigen der nationalen Minderheiten aber das Recht zu gewähren, sich im mündlichen und schriftlichen Verkehr mit• den Gerichten ihr,er Muttcrsprache zu bedienen. Dieser Beschluß kam erst nach längeren Debatten zustande. Die Majorität der Kommission bcharrtc zunächst Sauf dem Standpunkt, daß die Rechte der Minderheit?- sprachen in der litauischen Deklaration an den Völkerbund garantiert wurde und daß daher keine Notwendigkeit bestehe, diesen in der Verfassung einen besonderen Raum zu gewähren. Gegen diese Auffassung wehrten sich aber die jüdischen De• puderten, sowie die Nationalsozialisten und die Sozialdemokraten. Die Kommission sah sich am Ende doch gezwungen, den erwähnten Sprachcnparagraphen in den Verfassungsentwurf aufzunehmen.