Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 52 (30.6.1922)
- Date
- 1922-06-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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14■ ״v 1; ^4\/0 ' ‘iV\ J \ n j ■4 (J n 9 C ■ sl c! Rfdiktioo V«rl*r W 15, Südisixriie SiraQe 8. Krncheint jeden ' 0i«n*U? und freit•jf. Bftufftnrei• bei der Expedition und den p01Untern vierUljihrlicH W,- M, in Deutschland. Ausl»nd*mb<־»rm©• vf j gjrat• werden in der Wahrung der einreinen LSmler berrdux•*. Nummer 52 Berlin, 30. VI. 1922 An zeig c 11-V erwn Itung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Sächsische Str. 8 Telephon: Amt Uhlaud 845 und 846. Anxeigeapreii für die aiebengeapaltftne Nonparetllexeile H.— M.t bür hebrrdaehrt Anzeigen 50% A11f*chl»g AninlganiclilwÜl Dienstag und Freitag naciimtUag 4 Uhr. TeUphon; Uhlami 845 u. 816. PoxUdie׳'kontos Berlin Nr. 17 392. Für Oeiterreid». Poatiparkaa'rnamt Wien, Konto Nr. 156 #30. Für Tacheciioalowakei: F<Mtap»rkM*cnnmt Frag, Konto Nr, 156 030, — RedaktionaarJ-Iiiß Sonntag und Mittwoch nachmittag. — ד׳ תיזוז׳ תרס״ב | xxvn. jahrg. tper Zionismus erstrabt IQr das jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.". Die Londoner Beratungen ein■ן! ״, K־U! ן,,, m׳u «.!!, flisen .״;j| 4״i'ic Die Sitzungen, die wäiirend der ganzen vorigen k'tcn'i!4l\S'0d1e in London stattfanden, standen 'im Zeichen ticii'" 1‘>;4!er Maiulatsfragc. Ursprünglich war lediglich an *'״Ia-u1:,:',|ti11c Aussprache im Kreise ärgster'Mitarbeiter über :r l)r• u|jic praktischen Erfahrungen aus der Arbeit des hl'1'nk14'״|kUU'" Jahres zum Zwecke der 'Vorbereitung■ der anzi 11 rt'i• .Jkominenden Arbeitsperiode gedacht. Die politische Jf«־s!in1 .״ jfj 1 agc ließ es aber;inzwischen der Exekutive not- «ter Bt11׳JH״cndig erscheinen, zusammen mit dem Präsidium 1 rbwr^\ ■4C< Aktionskomitees in sehr wichtige Beratungen ß <lrs v, ־!!politischer Natur cinzntretcn, die nun Zusammen mit itvr l’d, ri Jcr ursprünglich geplanten Arbcitskonfereoz statt- 1» Ihn:״■ *banüen. So waren diese Beratungen dauernd über- :chattet von den Komplikationen der politischen Situation. Es wurde in diesen Blättern bereits jescli׳ in, 111• rstnikitx M .54 ml m ,:!;:Notiz gegeben von einer beabsichtigten Erklärung e1״־.I״״!! jjjer englischen Regierung in der Mandatsfrage, die London vorlag und auf die die in ^״n-J(ier Sitzung iliim-m 'ן|!Exekutive eine Antwort zu geben 'hatte. Man kann s doch!11!darauf rechnen, daß das gesamte Material in dieser i'1l \Ws i!< I frage in den nächsten Tagen der Oeffentlielikeit »!,.n-V"ili"tcrbrcilct wcrt*cn wird. Jetzt schon 'kann gesagt Ls i4V|״erden, daß die darüber bereits in die Presse ge- 5r Tntah«!langten Mitteilungen einige wichtige Punkte nicht rti'igcs ■>Pcnthalten, die geeignet sind, dem1!einseitig gefärbten . ,, fcBericht, der bisher" bekannt wurde, einen freundri s! residieren Anstrich zu geben. lins ,himiH In die Zeit der Beratungen fiel die Annahme ■der Resolution des Oberhauses gegen die Baifouren Vm■!:« Deklaration. Es war für die auswärtigen Teil- Srhnlc ׳l!״ch1ne1 ^cr Sitzung nicht leicht, sich ein einiger- :rsitais-,' kniaßcn klares Bild über die Bedeutung der dadurch ״Erridlgschaffenen Tatsachen zu machen. Dem Nichte 1’Iciigländer will es nicht ohne Weiteres in den Kopf, ifvrrsitnt' lj'1^ der Entschließung einer parlamentarischen 111- VerbindiiJplution, wie sie das Oberhaus bildet, so wenig praltisdi'lBedeutung zugemessen zu werden braucht, wie es mtwicklu ן;!! diesem Falle allerseits geschah. Tatsächlich ist ts aber so, daß das Oberhaus im englischen Veriissungsleben heutzutage eine fast verschwindende Dolle spielt und nur in ganz besonderen Füllen l״״l1 ■politische Bedeutung beanspruchen kann. 111 der Kegel sind denn auch seine Sitzungen sehr schlecht besucht, und es ist bezeichnend, daß die in Frage «mnende Sitzung, an der 89 Mitglieder'teilnaluncn, k übermäßig stark besucht!galt, obgleich das Haus i(» Mitglieder zählt. Es handelt sich um eine reine Zufallsabstimmung, für die die Opposition ihre ״ ״Kräfte, 60 Stimmen, mobilisiert hatte, wäiirend die Regierungspartei offensichtlich auf den Angriff bcht vorbereitet war. Der Resolution wird in Regierungskreisen umso weniger Bedeutung bgigem«scn, als sie von einem ׳Mitglied einer der kleinegten Fraktionen des Oberhauses ausgeht, »0 daß 1KnteiAorä111’'^ c'll1n:1• von einem Votum der Opposition gejjriogk 41 liehen werden kann. Tatsächlich haben sieb sehr!maßgebende Regierungsstellen sehr beruhigend über aDiiSh;ilc F01gen dieser Resolution ausgesprochen und p kstrf’ ncn Zweifel daran gelassen, daß Sie keinerlei * A rJ;'Cl״len1ng der bisher beobachteten englischen Pa- '*5tinapolitik hinsichtlich des Paliistina-Maudates mit Erfi TI 1rs213 istall »Inn. ן O110rm|g *l w IJ״dder Balfour-Deklaration bewirken könne. Umso 1rte״Vpr<ll,'i״()^Cre Bedeutung kommt der bevorstehenden Abz ^^j.T;f״mm1״g im Unterhaus zu, die voraussichtlich am «£CS£“',4 Juli stattfinden wird. Bei dieser'Debatte wird die ) 825»l‘*|Rc״jerung ihre Politik gegenüber der Zionistischen |1« Mjt®%misati011 in weitestem Umfange zu verteidigen lltS i■’ ן,'iiben. Es ist anzunchmen, daß sie die Billigung *־iß *Ver großen Mehrheit des Hauses finden winl. Ieca0S| Der Ernst der politischen Lage ist selbstver-?1®iS#* i'^1'dlicli unverkennbar. Es erweist sich die Wirk- Brr0*«!'ln'l<eit der gegen den Bestand der Balfour-Dekla- *J2css4'־;tl0n geführten!»olitik. Und dies in einen!_ Moi4r=24..4n*e׳ cs s'cb darum!handelt, daß die Schwierig- '.,י« Iw*011’ ^cr Bestätigung des'Mandates durch den llachaf1 rulkerbundsrat in Genf noch entgegenstehe», bem f}, werden. Aus den Berichten der Exekutive * 2 lf'K btl-vor, welche ernsthaften Anstrengungen firaiiz l!!r,ersi:‘ts gemacht worden sind und ׳noch gemacht (abrikat,0f rCr.t*en> um diese politische Aktion zu einem guten ikotafl«״ ja. /u führen. Es läßt sich alier auch nicht verkleidurß ren11en> daß die Kräfte der 'Zionistischen Organifür diesen Kampf, der heute von den Gegnern brcitcstem Felde und in der ganzen Welt ge- י!4«*4ר | uן wird, in ihrer Zahl und ihrer Stärke allzu H'hr beschränkt sind. Wie immer die Entscheidung ries!Kampfes ausfallen wird - - und wir haben keinen Grund, an einem günstigen Ausgang 'zu zweifeln - ' erweist cs sich als notwendig, die innere' Entschlosseiiheil und die organisatorische Kraft der zionistisehen Bewegung aufs äußerste zu konzentrieren. Die sehr eingehenden Besprechungen, die über die intcrneu Fragen der Zionistischen Organisation .bei den Londoner Beratungen geführt wurden, ließen erkeimen, wie sehr die Entwicklung der letzten Jahre am Bau der Zionistischen Organisation gezehrt hat. Die Beratungen dienten daher auch im wesentlichen der Diskussion derjenigen Maßnahmen und Ent- Schließungen, die die Festigung der Zionistischen Organisation und ihrer Einrichtungen bezweckten. In dem Zusammenhang wurde sehr eingehend das Verhältnis der Zionistischen Organisation zum Keren Hajessod und die sich für beide Teile daraus ergebende Wechselwirkung besprochen. Es erwies sich ein weitgehendes Einverständnis darüber, daß der neutrale Charakter des Keren Hajessod unter allen Umständen aufrecht erhalten werden muß. Andererseits läßt sich nicht verkennen, daß die zionistischcn Institutionen im besonderen, wie die Zionistische Organisation im allgemeinen durch die weitgehende Inanspruchnahme der zionistischen Kräfte für die Keren Hajcssud-Aktion in mancherlei Schckcl und Zionistische Jahreskonferenz Mindesten! 25 000 Schekel will die Zionistische Vereinigung für Deutschland mitbringen, noch nicht ein Zehntel Ist bisher eingegangenl Die meisten Ortsgruppen haben überhaupt noch keine Schckeiabrechnungen eingeschickt, wenige ein Teilergebnis gemeldet. Die Sammlung maß mit größter Beschleunigung durchgeführt werden, da die Zionistische Exekutive mit Rücksicht auf die Jahreskonferenz die Ablieferung der Schekelgelder, bi! spätestens den 15. Juli d. J. verlangt. Hinsicht gelitten haben. Es wurden Maßnahmen erörtert, die dieser unerwünschten Folge abhelfen und die insbesondere auch die finanzielle Schlagkraft der Zionistischen Organisation wicderhcrstellen sollen. Diese Vorschläge, die einerseits eine Vereinheitlichung und Intensivierung der sieii heute vielfach kreuzenden Aktionen, herbeiführen, andererseits der zionistischen Exekutive neue Einnahmequellen erschließen sollen, werden der Jahreskonfcrenz vorgelegt und bereits vorher der zionistischen Oeffentlielikeit unterbreitet werden. Im Anschluß an diese Beratungen entwickelte sich ein sehr eingehender Austausch der gegenseitigen Erfahrungen auf dein Gebiete der Ideen- und Finanzpropaganda, für die insbesondere die Berichte der soeben aus Amerika .zurückgekehrten Mitglieder der Amerika-Delegation, der ' Herren Jabotinsky und Stonc, sehr wertvoll waren. Bezeichnend war, wie sehr die 'Erfahrungen überall letzten Endes übereinstimmten, und in welchem Maße alle Mitarbeiter sich von der Notwendigkeit überzeugt erwiesen, die Grundlagen der bisherigen Aktion (Maasscr, Selbständigkeit der Institutionen, nationaler Charakter der Bewegung auch als Grundläge für die Finauzpropagaiida) bcizubehnltcn. Unter der durch die Tatsachen erzwungenen Präponderanz der politischen Dinge litten natürlich die Beratungen über praktische Fragen, soz. B. über die Notwendigkeit der Wirtschaftlichkeit unseres Palästinavverkes und der Maßnahmen, die auf diesem Gebiete erforderlich sind. Immerhin wurden sehr wertvolle Aufschlüsse ' und Anregungen gegeben, die insbesondere bei einer Aussprache über das Palästina-Budget zum Ausdruck kamen. Auch in diesen Fragen, wie in fast allen Teilen der!Beratung, kam eine weitgehende;Uebereinstimniung aller Beteiligten zum■ Ausdruck, die Meinungsvcrschiedcnbeiten lediglich in Einzelfrageu aufkonunen ließ. Die Beratungen waren ein bemerkenswerter und erfreulicher Versuch, die Fragen, die den leilenden und kontrollierenden Instanzen der Organisation zur letzten Entscheidung vorgelegt werden müssen, vorher in einem Kreise von Sachverständigen und für die Arbeit verantwortlichen Personen zu prüfen. Es ist anzunehmeni, daß die Beratungen der Jahreskonferenz davon erheblich profitieren werden. ־ J a 1 i u s B e r g e r. Der preußische Landesverband jüdischer Gemeinden Von Dr. Bert hold Cohn, Berlin. Herr Dr. Aron Sandler hat m der Numnver 13/44 der ״Jüdischen Rundschau“ eingehend über die Frage 11er Schaffung einer Gesamto r g a 11 i s a t i o 11 der d e u t s c h e n Juden berichtet und gleichzeitig die Momente erörtert, die die Gründung einer L a nde so rga n isa t io n der jüdischen Gemeinden i n Preußen als notwendig erscheinen lassen. Am 25. Juni hat die von der Jüdischen Gemeinde Berlin einberufene Tagung׳ der preußischen Synngogen-Gcmeinden stattgefundcn, und nach eingehender Prüfung der für die Schaffung eines preußischen!Landcsverban-' des angeführten Gründe und nach Durchberatung des von der Berliner Gemeinde vorgelegten Verfassungsentwurfes die Errichtung eines Landesverbandes der Synagogen-Geineimlen in Preußen beschlossen. Da die Notwendigkeit einer organisatorischen Zusammenfassung der preußischen Gemeinden allgemein anerkannt wurde, fanden die von der Berlincr Gemeinde gemachten Vorschläge fast einmütig Zustimmung. Bedenken grundsätzlicher Art wurden lediglich von der Leitung des D. J.G. B. geäußert, die in der Schaffung eines preußischen Landesverbatides eine Gefährdung der Idee der deutschen Gcsaimtorganisation sah. Gegenüber diesen auch von zionistischer Seite geteilten Bedenken wurde einhellig betont, daß auf dem Wege über den preußisclicii Landesverband die Schaffung der deutschen Gcsamtorganisation mit Entschiedenheit angestrebt werden sollte. Ucbcr die Aufgaben des neuen Verbandes sei zunächst gesagt, daß er die Zusammenfassung der preußischen Synagog e n - G e m c i n d e 11 zur Pflege aller i h rer Interessen bezweckt. Er soll insbesondere für die Hebung des religiösen Lebens, für die Schaffang, Unterhaltung und Unterstützung gemeinsamer Einrichtungen und Anstalten sorgen. Es liegt ihm weiter ob, leistungsschwache Gemeinden finanziell zu unterstützen, für die erforderliche Festigung in der wirtschaftlichen und rechtlichen Position der Rabbiner, Lehrer und anderen Gemcindebeamten Sorge zu tragen, und endlich die Gemeinden in allen.Angelegenheiten ihrer Verwaltung zu beraten. Ob der Verband diese Aufgaben zu erfüllen vermag und ob er darüber hinaus auf das Leben in den preußischen Gemeinden einen wirksamen Einfluß zu nehmen in der Lage ist, wird letzten Endes davon abhängen, ob seine Leiter den Verband 1mit lebendiger Kraft zu erfüllen vermögen. Der organisatorische Aufbau des Verbandes ist derart vorgesehen, daß als beratendes Organ ein Verbandstag geschaffen worden ist, der sich aus Abgeordneten der zum Verbände gehörigen Genicinden zusammensetzt. Die Abgeordneten werden von allen einer Verbandsgemeinde angehörigen Juden beiderlei Geschlechts, die mindestens 1 Jahr vor Auslegung der Wählerliste innerhalb der Verbaiidsgemcinde ihren Wohnsitz gehabt haben, gewählt. Auf je 3000 Seelen entfällt dabei 1 Abgeordneter. Der Verbandstag tritt einmal im Jahre . zusammen und bildet damit ein Parlament für die Juden in Preußen, vor dem alle die preußische Judenheit angehenden Fragen in breitester Oeffcntlichkeit erörtert werden können. Weiterhin wird ein Rat gebildet, der sich aus insgesamt 35 ]Mitgliedern zusammensetzt. Diese sind auf Grund einer noch festzusetzenden Wahl- Ordnung von den Mitgliedern der dem Verbände allgeschlossenen Gemeinden zu wählen. Dein Rate gehören 6 Rabbiner sowie 2 Lehrer ,an, die der Verbandstag zu wählen hat. Aus seiner Mitte wählt der Rat einen Präsidenten und als ausführendes!Organ einen engeren Rat. Zur dauernden Bearbeitnug bestimmter Geschäftszweige werden Ausschiissc gebildet, die aus mindestens 15 Mitgliedern bestehen. J3ie Leitung der Geschäfte bis Zum Zusainmentritt des Verbandstages wurde in die 'Hände des Vorstandes der jüdischen Gemeinde zu Berlin gelegt. W* in wir das Ergebnis der Tagung zu würdigen versuchen, so muß eingangs nochmals darauf hingewiesen werde'11, daß wir den Gedanken der