Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 47 (13.6.1922)
- Date
- 1922-06-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2652410-2652451--14970-2673394- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
m 15/46 ׳; L!1\C4 *7* n ) V. \ז \ x \ «י / R#d*ktio» ■ad VetUj; Vf 15, SücksUch■ SlriSe S. Er*dbeta| j»de* pj«nst*ff «■d FrwUf. Bucofanrai« bei dl er Eipeditton «mt dea fealimtera vi«rtaljihrU3־k 50.— M. ia DouticLland. Au«U8«Js*b©11a*- *mta werdan 1■ der Wilminf der daxeltteo Lieder berechnet. .'Äag1yat־*«.ÄSte»iSr3sw״״^ . Nummeren—I Berlin, 13. VI. 1922 Ansteigen-Verwaltung: Jüdiach« Randstlmu0.m.b.ll,. Berlin W15, SächmAe Str. 8 Telephon: Amt (jhlend 845 Und 846. A * I f n p r © 1 s für di« ■IcbengeapeHen• N0Dpar«iJ!**eik fi,— M., Anielgenchluß! Dien«t»r «ad FfwUg׳ nadhmittef? 4 Uhr. Ttlaplion: Uhlend 645 a. 846, PoeUcihrrkkontei D«riin Nr. 17S31 Für 0־׳ilerreieb. Po«Ur«1U.un.ml W.eo, Konto Nr. 154 610 Ffif T»*hedi0e!oweV*־iJ!Weparkuuenatnt Pr•*, Konto Nr. 154050. *— RetioktionMciiluQ SonnU* und Mittwoch c*ci> mittag. — יך סיון. תרס״ב XXVII. Jahrg. Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaltung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm׳ Der neue Wortlaut — Angriffe der ,,New-York Times“ x fa%k K>| <51 ׳ Krh|| h fi >ündc| >0ru|!mtJ!| r*nnen«p gn8B0 1 alh« :«die, r.r 11 »luisciif( Monat{ Brmatll nesi Heutnatf itZ J CL. Nachdem die Resolution des Senators Lodgc be- /üblich des Aufbaus einer jüdischen •1 leimst.1itte im amerikanischen Senat angenommen worden war, steht die Annahme einer analogen Resolution im Repriisentantenhaus noch zur Entscheidung. Wie uns aus Amerika berichtet wird, wurde am 23. Mai die» Frage von dem Komitee für Auswärtige Angelegenheiten des Rcpräsciitantenhauses behandelt. Oie Resolution ist vom Kongrenmanii Fish seinerzeit eingebracht worden, und wir haben auch bereits über den Widerstand berichtet, der von reformjüdischer Seite, der Annahme der Re• solutiou bereitet wurde. Inzwischen wurde jedoch das Komitee durch die ungeheure Bewegung in der jiidischeu Bevölkerung Amerikas darüber unterrichtet, daß die Annahme dem Willen der überwältigenden Majorität der amerikanischen Juden entspricht. Kongroßinanii Sabhath erklärte im Komitee, da(! die Gegner des Z i 0 n i s 11111 s höchstens ״ נ•• des a m e r i k a n i - sc 11 en Judentums aus mache 11 und mir infolgeihrer völligen Entfremdung vom jüdischen!.eben diese gegnerische Stellung haben können. Schließlich beschloß das Komitee mit 10 zu 2 Stimmen, die Resolution im folgenden Wortlaut eiiizubringen; ״Da das jüdische Volk viele Jahrhunderte an den Wiederaufbau seines alten Heimatlandes geglaubt und danach gestrebt hat, da ferner durch den Ausgang des Weltkrieges und durch seine Teilnahme daran das jüdische Volk in die Lage versetzt wurde, ein nationales Heim in dem Lande seiner Väter neu zu begründen, welches dein Hause Israel die lange versagte Möglichkeit gehen wird, fruchtbares jüdisches Leben und Kultur im alten jüdischen Lande zu schaffen: [)aller möge von dem Senat und von dem Repräsentantenhause der Vereinigten Staaten von Amerika die im Kongreß versammelt sind, beschlossen weiden, daß die Vereinigten Staaten von Amerika die Schaffung einer nationalen II e i 111 ■ Stätte für das jüdische Volk t n Palä st Lna begünstigen, wobei klar ausgesprechen wird, daß nichts getan werden darf, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der Christliehen und aller anderen Gemeinschaften in Palästina beeinträchtigen könnte und daß die heiligen Stätten und religiösen Gebäude und Plätze in Palästina entsprechend geschützt werden sollen,“ Geber die Behandlung der Resolution im Repräsentmitenhaus liegen bisher keine Berichte vor. Große Entrüstung rief in den jüdischen Kreisen Amerikas die Stellungnahme des Chefredakteurs der ״New York Times“, Herrn Adolf Ochs, hervor. Ochs, der bekanntlich vor kurzem Palästina besucht hat und sich danach verschiedentlich, u. a. auch in London, bewundernd über die jüdische Arbeit in Palästina gcäußert und dem Zionismus Unterstützung zugesagt hat, scheint unter dem Druck der ihm nahestehenden reformjüdischen Kreise Amerikas seine Ansicht geändert zu haben. Er veröffentlicht einen Leitartikel, in welchem gegen die Annahme der Resolution im amerikanischen Kongreß, scharf ׳ Stellung genommen wird. Der Artikel behauptet, daß die Resolution ein Präjudiz schaffe, indem sie sieh in religiöse Fragen cimneuge, was durch Konstitution und Brauch der Vereinigten Staaten verboten sei. Er erklärt, daß die Resolution nur den Zweck habe, jüdische Stimmen zu gewinnen, und weist darauf hin, daß eine Reaktion im amerikanischen Judentum eintreten werde, die gerade diesen Zweck, vereiteln wird. Der Artikel weist ferner• darauf hin, daß die Resolution in ihrer jetzigen Fassung, die von ״e i n e m" nationalen Heiih und nicht von ״d c m“ nationalen Heim spricht, politisch wirkungslos und nur eine Ikmonstration sei. Es widerspreche aber allen amerikanischen Traditionen, für eine Religion zu demonstrieren. Der Artikel der ״New York• Times“ findet in der jüdischen Presse sehr scharfe Erwiderungen. - Köche j Frei« i k.r: SBSIi: Weizmann zur gegenwärtigen politischen Lage Bei einer großen Keren Hajcssod-Vcrsammlung am (!. Jmn in London sprachen Dr. Schmarja Lev in, der gerade aus Südafrika zurückgekehrt war,, und Chajini W e i 7. 111 a 11 n. Weizmann, der die Versammlung leitete, begrüßte Schmarja Levin und führte dann, nach dem Bericht des ״Jewisli Chronicle“ aus, daß die gegenwärtige Lage des jüdischen Volkes sicli mit der einer belagerten Truppe vergleichen lasse. Mit zwei Feinden haben wir zu kämpfen, mit nichtjüdische!! Antisemiten und mit jüdischen Jesuiten. Er halte es für ehrenvoller, für eine Bewegung wie die unsere, die Methoden dieser Gegner nicht zu charakterisieren, sondem sie mit Stillschweigen zu übergehen. Die einzige Antwort könne in unserer Tat liegen. Weizmann wies dann auf die Leistungen hin, die wir Lu den letzten zwei Jahren in Palästina vollbracht hätten: 25 (HX) neue Einwanderer, zahlreiche Lamlkäufc, Baumpflauzungen und Straßenbau, Vergrößerung der Kolonien, Erriehlung von Schulen und Entwicklung des gesamten jiidischeu Lebens im Lande. In sechs Wochen gelangt das Mandat zur Ratifizierung, und in diesen sechs Wochen können wir erwarten, daß die Gegner ihre Bemühungen verdoppeln und verdreifachen werden. Wir müssen mit gleichen Anstrengungen antworten. Das Mandat wird bestätigt werden. Wir müssen in den nachden zehn bis zwanzig Jahren mit weiteren Feind- Seligkeiten rechnen, aber die Besiedelung Palästinas wird fortsehreiteu und das jüdische, nationale Heim [ begründet werden. J In Leeds hielt Weizmann bei einem Bankett eine; Bede, in der er nach einer kurzen Auseinandersetzung j ״her den Inhalt der Balfour-Erklärung darauf liinwics, f •laß das Palästina-Mandat nicht nur die Zionisten, son-! <fcrn alle Juden angehe, welcher Anschauung sie auch I huldigten. Wenn die jüdischen Gemeinden in Engj 'and ihren Verpflichtungen beim Aufbau von Erez-Israel ׳, nicht nachkäincn, so würde das eine Schmach für alle | Juden sein. Unter allen Schwierigkeiten, mit denen die zionistische Bewegung zu kämpfen habe, sei die f größte׳ die, die von gewissen Teilen , des jüdischen Volkes komme; aber jede Nation habe ihre Kritiker und ihre Verräter, und wenn auch wir sie hätten, so zeige das nur, daß wir eben ein Volk seien. p«<! mef k i* 60. |. Herbert Samuel auf der Rückreise Sir Herbert Samuel hat London am S. Juni '׳«lassen, um sich nach einem kurten Aufenthalt auf dem Kontinent wieder nach Palästina zu begeben. Kulturelle Sorgen Italien und das Palästina - Mandat Rom, 7. Juni. (Stefan!.) In der heutigen Kammerdebatte zur auswärtigen Politik der Regierung erklärte der Minister des Aeußern Schanz er; Anläßlich der jüngsten Tagung des Völkerbundrates hat der englische Delegierte verlangt, daß das britische Mandat über Palästina auf die Tagesordnung gesetzt werde. Die Delegierten Frankreichs und Italiens erklärten, ohne sich dein britischen Mandat zu widersetzen, daß sie nicht vorbereitet seien, dessen Bestimmungen zu erörtern, und verlangten die Vertagung. Die Prüfung wurde sodann auf den 15. Juli verschoben. Unterdessen wird Italien trachten, mit der britischen Regierung ein direktes Abkom m c n über die Modali* täten des Mandats zu erreichen, das ganz besonders italienische Interessen berührt. Hinsichtlich der Frage, in Palästina eine Heimstätte der Juden wieder herzustcllcn, verweist der Minister des Aeußern auf die Schwierigkeiten und das Mißtrauen, daß die Rückkehr der Juden nach Palästina nicht bloß unter den christlichen Gemeinden, sondern auch unter den muselmanischen hervorgerufen habe. Dies sei natürlich, da Palästina das heilige Land der drei Religionen sei. Die italienische Regierung werde die bereits erteilte Zustimm ungzur Herstellung der jüdischen Heimstätte aufrecht e r 11 a 11 c 11 und sich mit Sorgfalt dafür einsetzen, daß jene katholischen Interessen, die eine glorreiche italienische Tradition bilden, nicht verletzt werden. Plötzliche Abreise Barlassinas aus London London, 9. Juni. (J. C. B.) Derkatholische Patriarch von Jerusalem, Monsignore Barhssina, welcher im Aidlrage des Vatikans nach London ging, um dort in der Angelegenheit des palästinensischen Mandates mit den maßgebenden Kreisen Fühlung zu nehmen, ist nach Inhalt eines dringenden Schreibens aus dem Vatikan am 4. Juni plötzlich nach Rom abgereist. Der Vize-Präsident der Vereinigten Staaten and der Keren Hajeseod New York. (J. C. B.) Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten Coolöd ge ist dem Beispiel des Präsidenten Harding gefolgt und hat auch seinerseits einen Brief im den Sekretär des Keren Hajessod-Bünos in New York gerichtet, in welchem er sich für die Ziele des Zionismus ausspricht und der Arbeit des Keren Hajessod Erfolg wünscht. Von J. A 11 ro now icz,-Jaffa. Der Arbeiterführer Josef A h r o 11 o vv 1 c z , einer der ernstesten Politiker des neuen Palästina, schreibt in «!er letzten Nummer der Wochenschrift ״Hapoel-Hazair“ einen ausführlichen Artikel zur Frage des Frziehungslnulgets. Hierbei macht er ' darauf aufmerksam, daß die Bedeutung der Kulturfrage und des wichtigsten kulturellen Tätigkeitsgebictes, der Erziehung, bei den Diskussionen der letzten Zeit nicht in ihrer vollen Tiefe erfaßt wird. Um zu verstehen, worum es gellt, müssen wir den heutigen Zuständen in Palästina ins Auge sehen. Die Schilderung dieser Zustände, die Alirotiowicz gibt, scheint uns so beachtenswert zu sein, daß wir den betreffenden Abschnitt seines Artikels im folgende״ auszugsweise wiedergeben. Die Red. Seit dem Beginn unserer Sicdliuigsarbeit in Palästina gab cs nur eine einzige Epoche, in der der Jischuw in kulturell-nationalem Sinne auf einer so tiefen Stufe stand wie heute das war die Periode der Herrschaft der Bürokratie des Barons. Jene Abgesandten kamen und begannen die französisebe Kultur dem jungen Körper des Jischuw einzuimpfen, und wie es bei einer derartigen Aufpfropfung der Aufpfropfung der Kultur eines bestimmten Volkes und einer bestimmten Umgcbung auf ein ganz anderes Volk in einer ganz anderen Umgebung stets der Fall ist, es entsteht eine Karikatur; und so entstand auch bei uns der lcvantinischc T y p u s, dessen Ausstrahlungen bis heute im Jlscluiw merkbar sind. Freilich war in Palästina wie in den meisten orientalischen Laudern, wo Abgesandte fremder Kulturen als Avantgarde des expansionssuehenden fremden Kapitals wirken, diese Erscheinung der Aufpfropfung einer fremden Kultur hinlänglich populär. Doch bei .den Arabern konnte diese Seuche nur in beschränktem Umfange um •sich greifen der Fellache und der Beduine behielten ihr Wesen und ihre Eigenkultur, und nur in der Stadt entwickelte sich der levantinisebe Typus, der sein Wesen aufgaliÄtid von der fremden Kultur auch nur die äußerliclT Schale annahm. Bei uns aber hat sich diese Seuche sowohl in der Stadt durch die jüdisch-assimilatorischen Cie- Seilschaften und die offiziellen Abgesandten Enropas ausgebreitet, als auch auf dem Dorf durch die Bcamtcnwirtschaft des Barons. Gegen diese Erscheinung haben die Chowevve-Zion viele Jahre leidenschaftlich gekämpft, sowohl durch Literatur und Propaganda, als auch durch die Schulen, die sic gründeten und die Lehrer, die sie herschickten; und sie haben schließlich gesiegt. Die Verwaltung des Barons ist gewichen, die Gesellschaften mußten sich allmählich unseren Forderungen anpassen, und mit dem letzten Attentatsversuch des Hilfsvereins kam unser völliger Sieg: Damals gewannen wir alle die Ueberzeugung, daß wir uns bei der Er- Ziehung unserer Kinder auf niemanden stützen können, und so taten wir den letzten Schritt, wir übernahmen alle Erziehungsinstitiite in unseren Be^ sitz und in unsere Verantwortung, Seitdem sind einige Jahre der Festigung im Innern vergangen, wir waren den Kampf gegen die äußeren Einflüsse, der unsere besten Kräfte aufgezehrt hatte, losgeworden, und wir fühlten uns schon in der Lage, die Kritik nach innen zu wenden, den Kampf aufzuiiclunen gegen die Schablonenhaftigkeit unseres Schulwesens, gegen den Mangel an Uebcrcinstiinmung mit den Bedürfnissen des Jischuw, mit den kulturellen Forderungen und sittlichen Tendenzen unserer Generation; wir wußten, daß sich nicht an einem Tage uasere Schule ändern und den Anforderungen entsprechen wird, aber wir glaubten, daß diesmal kein Hindernis von außen uns auf unserem Wege entgcgcntrctcu wird und daß wir ungestört unsere innere Arbeit werden verrichten können. AbeT während wir noch unsere internen Berechnungen anstellten, da brach über uns die angloägyptische Herrschaft herein, und wir traten in eine neue Periode ein, eine Periode, die viel schwie- Tiger, viel gefährlicher ist als die der Verwaltung des Barons, und wieder stehen wir vor der Notwendigkeit des Kampfes für unsere Eigenart, für das bißchen Hebräisch und gegen den Levantinismus, der mit offenem Munde dasteht, um unsere ganze bisherige Arbeit zu verschlingen. Dieses Problem, das Problem des kulturellen Verfalls des Jischuw in den letzten Jahren nach der