Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 45-46 (9.6.1922)
- Date
- 1922-06-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahrg. per Zionismus erstrebt für das jüdische Vom die Schaltung einer OHentHch-rochtUch gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm". >0. ן An unsere Abonnenten! **'1״!)«Hi Eine soeben beschlossene neue Druckprclstrliöluing von ' l ErkJ 25 ״ und die jetzt, bekannteegebenen Portocrhöhungen zwingen!m.iehu*(,״־' ״s dazu, die Abonnemcntsj’ebüliren für das 3. Quartal Siir •1»■׳(k j, a Einzclnbonnentcn auf Mk. 50. , für die Abonnenten *r-—11!״ Sstnmelabonnement der Ortsgruppen «uf Mk,40.—, fest- Ci I lusetzcn. Wir rechnen auf das Verständnis unserer Leser », , f für die zwingende Notwendigkeit, die uns zu dieser Erhöhung *״aniy vjunlaßt, um so mehr, als wir bestrebt sind, durch den n Biif1 , | lystemaiisehc״ Ausbau unseres Blattes, wie er z. B. in der ״ ,'jl illffcutcin begrüßten Schaffung der Palästina-Beilage sichtbar *L»ird, unsere Leser einigermaßen za entschädigen. L - ' Wir bitten alle unsere Einzelabonnentcn, die ihre ■ Ibonncrnentsgebühren bhlicr noch nicht eingesandt haben, Jsvort Kenntnis za nehmen, daß wir dieselben in Höhe Theodor Herzls erste Eintragungen in sein Tagebuch V o r b e m erkling d er Redaktion: In einigen Wochen jührt sieh min fiinfuiKlzvvaii/.igsien Male der Tag des ersten /.ionistenkongresses. Die /ionistisdie Organisation blickt auf ein VierteljahrlniiHleit ihrer Existenz ztiriiek. Wir stehen heute mitten drin im Kampfe mit der Wirklichkeit. '25 Jahre haben genügt, um den Tiaum eines grollen Juden, den utopischen ״Rovon Mk. 50.— zuzüglich Nachnahthcspesen am 12. Juni von j man“ des genialsten Menschen, den das Judentum der '|| ihnen cinzlehen werden. Wir bitten um Einlösung I Diaspora . hemirgehraeht hat, /u einer gescliiclitliehcn י< dieser Nachnahmesendungen und machen darauf aufmerksam, j Au!r«'leg»-nl1eit /n marlieit. In diesen Tagen schweift unser M eine Zustellung des Blattes nach dem I Juli nur an Heumari ilatz Die Schekel-Kampagne low diejenigen Abonnenten erfolgen kann, die die Gebühren entrichtet haben. Wie machen ferner darauf aufmerksam, daß wir von allen denjenigen Abonnenten, die den Zuschlag für das 2 Quartal noen nicht bezahlt haben, denselben jetzt l :•i mit cinziehen werden. I Alle Leser unseres Blattes, die die Zei - RUng durch die Ortsgroppen bekommen. II haben die Gebühren an diese und nicht וף|direkt an uns zu entrichtet!. ׳.tb.hnhJ Verlag Jüdische Rundschau, >f, Unie tsjj Berlin W 15, Sächsische Straße 8 Kn . 1 Postscheckkonto Berlin 17392 Bankkonto: Nationalbank für 1» preii!ן Deutschland Depositen-Kasse Berlin W, Kurfürstendamm 211 teils 1 eh »arcfefltrtLi rit! m! I׳l׳r Endtermin für die Ablieferung der die-;.ihrigen Schekelgelder;111 die Exekutive ist der ■T!w,w.fJ 15׳ Juli (IQ. Tamus), und nur die bis zu jenem Tage, eiiigekiufenen'Schekelbeträge werden bei der Berechnung der Zahl der Vertreter eines jeden Lindesti.nd Sonderverbandes bei der Jahreskonkreuz zu! Grundlage genotnmen werden, j ' Es ist für jeden Verband von großer Beilen- .0 T* 1'mg, daß dieser Endtermin unfehlbar eingebaltcn iti(*, •«»flwird, und zu diesem Zwecke fordert die Exekutive ^jrtü^!l;ode11 Landes- und Sonderverbatul auf, unverweilt —c'-|■>ile Vorkehrungen zu treffen, 1• damit der Monat Juni noch zu einer intensiven 1 Schekelpropaganda verwendet wird; Blfllll 2״"׳^ ׳nit der Schekelverkauf innerhalb des Ver- MlS bandes bis spätestens Ende Juni abgeschlos- J seit wird; - | 3. daß alle Schekelgelder restlos an die Exe- ן |j kutive abgeführt werden und zwar so, daß sie diese nicht später als am 15. Juli erreichen. Ni* zu jenem Termin ist an die Exekutive überdies eine detaillierte Abrechnung einzusenden, deren Richtigkeit vom Schekelkommissar hestätigt sein soll. öie Exekutive der Zionistischen Organisation, nt צר| Organisation« ־ Departement.!!••oh doraf; •_ I Adern, Koj; \/e v*ip4|^erbert Samuel im zionistischen Zentralbüro iffihrt® i oditorei^ ף Die Zionistische Organisation veröffentlicht j^ecCSf'j 1,dgetules Bulletin; I g25m 111 London, den 1. Juni 1922. laW •1g Jltlf ״beine Exzellenz, Sir Herbert Samuel, liigli •Miniissioner von Palästina, wolmte heute morgen 'lnt‘r Zusaiinnenkunft der Exekutive der ZionistiecnnS״..rc'K'״ Organisation im Hauptbüro der Organisation, Rüssel Streat, 1h• i. Pr. Weizmami, der Prär‘״t t'er 2'011^tischen Organisation, führte den leoSO^sursi</- Ei״e Anzahl wichtiger Fragen wurde .—-I )CsProchen, besonders die Frage der Einwanderung »naelt Palästina." ■ P»•1^ | n. <5Il״|Ule Kuthenberg־Konzession im Unterhaus nt »«ן*«ו Auf eine Anfrage im englischen Unterhaus er- . j10rä6^| <lrle tle 1־ Minister der Kolonien, Wiustou Churchill, > 11meiiberg habe die. Konzession für die Ausbauln!K diT Wasserkräfte des Jordans definitiv noch |'י erhalten. Hie englische Regierung habe wii■*! 1921 mit Ruthenberg bloß die Ver- |> 0|’ (״ן >ltr1l|1g getroffen, daß ihm die Konzession unter jiofs»’“1 lg,1" e'l'ngung gewährt werden wird, daß es ihm (|J״Ctl z"״ci Jahren gelingt, eine G. m. b. H. mit IV ״otwe״digen Kapital zur Ausführung dieses I. "jektes zustande zu bringen. VM blick in jene. Zeiten liinubei, wo der (ieilanke des Zionis- וווו!* geboren wurde. Und;;erade jetzt wird uns ein Weil; in die l laml gegeben, auf das wir viele Jahre mit Ungeduld und .Spannung gewartet halteti. IVr J ii - di sehe Verlag kündigt das Erscheinen von Theod o 1׳ llerzls T a g e b ü c 11 e r 11;111. Ohne die Auf- Zeichnungen gelesen zu haben, können u׳ir schon heute unserer Ucher/euguug Ausdruck geben, daß wohl keine Publikation seit llerzls erster Broschüre so stark und erschütternd auf die zionistische Oeffentlichkeit wirken winl nie diese. Wir keiimni bisher ganz wenige Bruchstücke aus den Tagebüchern, die bei verschiedenen (iclegcnlieitcu veröffentlicht wurden. Diese wenigen Stellen genügen, um uns /u zeigen, wie sieh gerade in diesen intimen Aufzeichnungen die königliche (irölle des Schüpfers der zionistischen Bewegung offenbart. Theodor llerzls Tagebücher werden menschlich eine ungeheure Bereicherung des zionistischen (icistcs bewirken; aber auch politisch werden sie, trotz den geänderten Verhältuisseii mul trotz vielen durch die Erfahrungen von 25 Jahren geänderten Anschauungen nicht mir außerordentlich interessant, sondern auch lehrreich sein. Wir sind durch das Entgegenkommen des Jüdischen Verlages in der Lage, heute unseren Lesern den Anfnngsahschnitt der Tagebücher milzuteiieu. Es ist der Niederschlag von I lerzls Ciedaiikcitarheit nach der Zeit der Empfängnis, als die (icburl des Zionismus, sich vorbereitete. Her/1 ist dauernd in gehobener und enthusiastischer Stimmung, iNia diese Stimmung ’findet ihren Ausdruck in seinen Aufzeichnungen. Wir glauben, die Serie von Beiträgen, die dom fünfuiul/w.inzigsten liibiläum des ersten Kongrosses gewidmet sein werih'n, nicht besser beginnen zu können, als mit dieser Veröffentlichung. Die Ankinidigütig des Verlages übe•־ das Werk und die Bezugs- bzw. Subskriptionshedinguiigen bringen wir an amiororStelle. fN{1ch<Jru< k vfrUoton ) Copyright l'iTi l*y jüdi«thfn Vutlay, Her in. Ich arbeite seit einiger Zeit an einem Werk, das von unendlicher Größe ist. Ich weiß heute nicht, ob ich es att.sftibren werde. Es sieht aus wie ein mächtiger Traum. Aber seit Tagen und Wochen füllt es midi aus bis in die Bewußtlosigkeit hinein, begleite! mich überall bin, schwebt über meinen gewöhnlichen Gesprächen, blickt mir über die Schulter in die komisch kleine Journalistenarbeit, stört midi und berauscht mich. Was daraus wird, ist jetzt noch nicht zu ahnen. Nur sagt mir meine Erfahrung, daß es merkwürdig ist, .schon als Tramp, und daß ich es aufsehreibcu soll wenn dicht als ein Denkmal für die Menselten, so doch für mein eigenes späteres Ergötzen oder Sinnen. Und vielleicht zwischen diesen beiden Möglichkeiten: für die Literatur. Wird aus dem Roman keine Tat. so kamt doch aus der Tat ein Roman werden. Titel: Das gelobte Land! Ich weiß wahrhaftig heute nicht mehr, ob nicht überhaupt der Roman das erste war, woran ich dachte. Allerdings nicht etwas ״Belletristisches“ als Selbstzweck, sondern nur als ein Dienendes. Und daß ich es heute nach -so kurzer Zeit nicht mehr deutlich weiß, beweist am besten, wie notwendig diese An!׳Schreibung ist. Wie sehr habe ich es bedauert, daß ich nicht am Tage meiner Ankunft in Paris ein ,Tagebuch begann für die Erlebnisse, Wahrnehmungen und Gesiebte, die nicht in die Zeitung kommen können, zu schnell und eigentümlich vorühergelteü. So ist mir viel entscliwmidcn. Aber was sind die Erlebnisse eines Reporters gegen das, woran ich jetzt wirke. Welche Träume, Gedanken, I riefe, Begegnungen, Taten - Euttäuschlingen, wenn es zu nichts kommt, und furchtbare' Kämpfe, wenn cs dazu kommt, werde ich zu bestehen haben. Das muß festgehalfen werden. Stanley interessierte die Welt mit der kleinen Reisebeschreibung: ״How I fouiul Liviugstone“. Und als er gar quer durch den dunklen Weltteil zog, da war die Welt sehr ergriffen, die ganze Kulturweit. Und wie gering sind diese Unternehmungen gegen meine. Heute muß ich noch sagen: gegen meinen Traum. Wann ich eigentlich anfing, mich mit der Judenfrage zu beschäftigen? Wahrscheinlich, seit •sie aufkam. Sicher, seit ich Dültriugs Buch gelesen. In einem meiner alten Notizbücher, das jetzt in Wien irgendwo eingepackt steckt, finden sieh die ersten Bemerkungen über Dtiltring.s Buch und die Frage. Ich hatte damals noch kein Blatt für meine Literatur' das war, glaube ich, 1881 oder 1882; aber ich weiß, daß ich heute noch öfters einiges von dem sage, was ich dort aufschrieb. Im weitereu Verlauf der Jahre hat die E'rage an mir gebohrt und genagt, mich gequält und sehr unglücklich gemacht. Tatsächlich bin ich immer wieder zu ihr zurückgekehrt, wenn mich die Erlebnisse, Leiden und Freuden meiner eigenen Person ins allgemeine aufsteigen ließen Natürlich ist mit jetlern wandelnden Jahre eine Aeitderung in meine Gedanken gekommen, bei aller Einsicht cj»s Bewußtseins. So siebt mir ja iet/.t auch aus dem Spiegel ein anderer Mann entgegen, als früher. Aber die Person ist auch mit den verschiedenen Zügen dieselbe. Ich erkenne au den Alters/eiclien meine Reife. Zuerst hat mich die Judenfrage bitterlich ge-• kränkt. Es gab vielleicht eine Zeit, wo ich ihr• gern entwischt wäre, hinüber ins Christentum, irgendwohin. Jedenfalls waren das nur unbestimmte Wünsche einer jugendlichen Schwäche. Denn ich sage mir in der Ehrlichkeit dieser Auf- Schreibung - die völligwertlos wäre, wenn ich mir etwas vorhctichelte ich sage mir, daß ich nie ernstlich daran dachte, midi zu taufen, oder meinen Namen zu ändern. Letzteres ist sogar durch eine Anekdote beglaubigt. Als ich in meinen blutigen Anfängen mit einem Manuskript zur Wiener ״Deutschen Wochenschrift“ ging, riet mir Di. Frieiijung, einen weniger jüdischen Namen als Fedcrnamen zu wählen. Ich lehnte das rundweg ab und sagte, daß ich den Namen meines Vaters weiter tragen wolle und daß ich bereit sei, das Manuskript zmückzttzielien. Friedjmig nahm es dann doch. Ich war dann schlecht und recht ein Literat mit kleinem Ehrgeiz und geringen Eitelkeiten. Die Judenfrage lauerte mir natürlich an allen l'eken und Enden auf. Ich seufzte und spöttelte darüber, fühlte mich unglücklich, war aber doch nicht recht davon ergriffen, obwohl ich schon, bevor ich hierher kam, einen Jtidenromnu schreiben wollte. Ich wollte ihn auf meiner spanischen Reise verfassen, die ich im Sommer 1891 antrat. Es war mein damals nächster literarischer Plan. Die Hauptfigur sollte mein treuer Freund Heinrich Kana werden, der sich im Febniar 1981 in Berlin erschossen hatte. Ich glaube, ich wollte mir in dem Roman sein Gespenst ‘iosschreibcn. Der Roman hieß in meinem Entwurf ״Samuel Kolm“, und unter meinen losen Notizen müssen sich viele finden, die darauf Bezug haben. Namentlich wollte ich die leidende, verachtete und brave Gruppe der armen Juden in Gegensatz zu den reichen Juden bringen. Diese spüren nichts vom Antisemitismus, den sie doch eigentlich und hauptsächlich verschulden. Das Milieu Kanas sollte dem. Milieu seiner reichen Verwandten gegeniibergcstellt werden. Die Neue Freie Presse rief mich als Korrespoudeuten nach Paris. Ich-nahm an, weil ich gleich ahnte, wie viel ich in dieser Stellung von der Welt sehen und lernen würde; hatte aber doch in mir ein Bedauern über den verlassenen Plan des Romans. In Paris geriet ich wenigstens als Beobachter in die Politik. Ich sah, womit die Welt regiert wird. Ich starrte auch das Phänomen der Menge an; lange Zeit, ohne es zu begreifen. Ich kam auch hier in ein freieres und höheres Verhältnis zum Antisemitismus, von dem ich wenigstens nicht unmittelbar zu leiden hatte. In Oesterreich oder Deutschland muß ich immer befürchten, daß mir Hepp-hcpp nachgerufen wird. Hier, gehe ich doch ״unerkannt“ durch die Menge.