Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 43-44 (31.5.1922)
- Date
- 1922-05-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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rlJ ' 0> 'Zf U7!_ Nr. 42 Pu..»1 ״ASI' *2■::.^ ~ י / ר ^״*״״־^ '/ S53SBS*8* 1 Ä ■spl ח kiiran •od Verlag W 15, SachaUch® Straß® &. Erscheint j*dm pitnst«? uad Freitag. Betu2־spr®ii bei der Etpeiiitien und den foitämtero vierteljihrlicl 35,— ML In Deutschland. AuaUadsabona«• ■eota werdan in der STUhrung der «anselneo Läadac beiedmet, Nummer Berlin, 31. V. 1922 Anaclgcn-Verwnltung: JülliBiljo RoiKlsrhmi G.a. k.II.. Berlin W15, Sächiilche Str. 8 Telephon: Amt Ühltmd 845 und 846. Aan*igenpre)afür di« ■lebengeepalteoe Nonpor®lll®aaiU 6.—־M•* AnieijanachlnSl Diemtag «nd Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon: Uhland M5 u.846, PoiUdicckhontoi Berlin Nr. 175811. Für Oeaterreid*. Poitaperkaaaenamt Wien, Konto Nr. 154 030, Für T«cl)t<bo«bw׳dm' Poataperkajuenamt Prag, Konto Nr. 154050. —־ ReclaktionaidMuQ Sonntag und Mittwoch nachmittag. — דסידן*תרס״ב pücvir. jahrg. 0er Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm". Die nächste Nummer der «Jüdischen ^0b.™1tkNJ Rundschau״ erscheint am 9. Juni. *k"• / a. Kfb0:|i!*׳ Km.i.hmj.ä I Obir.lgkj 1, ' v ■־״״* V e r ן! (I ״ f Das Fest des Entweder-Oder die K&OtOQi «XI3ICX2• N Durcli die Gesetzgebung am Sinai wurden Juden zum Volk. Sie erhielten nicht nur und Gliederung, sondern auch Sinn und Aufgabe. \jcl1t nur ״Staaten“ sind Subjekte der Geschichte, nc manche behaupten, sondern auch Völker, so- ■ern sie ein Bewußtsein ihrer Existenz, einen Form- Ulen und eine Aufgabe haben. Denn das Primarc des geschichtlichen Volkes ist seine Idee. Vom Sinai erging der große Imperativ. Aber er war nicht ״kategorisch“, sondern hypothetisch. Gn Sinn war das Entweder-Oder. Er meinte: Wenn ihr nicht eine hoffnungslose Horde von Sklaven bleiben wollt, wenn ihr nicht das Unkraut der Erde sein wollt, der Auswurf der Völker, heimatlos und ״gottlos; wenn ihr nicht zersetzen und entarten wollt, sondern zu einem Werk fähig werden, Träger einer geschichtlichen Sendung weiden, ein Volk werden wollt: dann sollt ihr mir sein ein Reich von Priestern. Dann sollt ihr das Gesetz, anelimcn und verwirklichen. Dann sollt ihr Zion auf bau eil! Das ist das Entweder-Oder. Entweder eine Herde von Sklaven bleiben, nach den Fleischtöpfen -chielend. untertan der Notdurft des Tages, -- oiler!ihr dient der Idee und nehmt historisches■ Schicksal auf euch: dann müßt ihr Zion aufbauen. 1*1 Ni? Das Volk entschied sich. Es ging den Bund tl 11Uein und verpflichtete sich, ״alles zu tun“. Damit war sein Schicksal besiegelt. Nun durfte es nicht mehr diesen Weg verlassen. Aber als sein Führer zu lange auf dem Berge des heiligen Feuers weilte, da geschah, was seither immer wieder geschehen ist: Das Volk verlor Terra•!*!™ Glauben und gab sich den gleißenden Loclaiujen des. Nächstliegenden, Sichtbaren, des Glanzes' hin; cs machte das goldene Kalb und rief: Dies 'ind deine Götter, o Israel! Es ist der Ur-Abfall des Volkes, so wie Adams Tat die Ur-Siiude Orant fcld) n*oh dem 1׳ bei Bildern, Kurfi renoviert / I,j irten. / 8®U,dj kleguip:• V*rrfk ©hg®i ührt® D1»U ן kouditaral | kür.) 825 ■j fillal biarig 1j Verpfleg^ Nc»!on*tf>r / Bader in o®1 ור iirseh BismarckstraM schwitz 792; isprochor! SS ja» iranf “f te Menschen ist. Das Volk, das den ״Erfolg“ «ht gleich sieht, verrät seine Sendung und wendet *ich dem Gegenpol 7.11, detn völlig Entgegen-;:*oet/k'ii, mit der Berufung Unvereinbaren. Und r . V o gsl m 1blusts d*r Berlin s © n b es tj (»Jinbof SsTitfiJ t•■ to■ *־•*tnd’k Streng ־ ©cb• | ▼ ergeben. n 850.- M•׳ I Tel. Nord*1״ I Rcstau^ flotinr Kflcb״ B «den Itabbin»״ "j n Gemeind״• j 18. r1״.N״rd׳',f | werilnn &ס■^ 31. f 11 »e ,umltn. Klioh» Itillm״ Ißche Berlin* ׳ iliclms 6•׳**!“^*, I J 22 Stil1״ HttBösrtshUt floh •b Kitts V*’ * der Mann Moses dieses Tun siebt, flammt der Zorn der, Verzweiflung in ihm auf, und er ׳erbricht die Tafeln. Diese Zornestat redet viel därker und meint dasselbe, was ein späterer großer Me in die Worte kleidete: Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Es ist ein Entweder- Oder. Und heute? Das Volk ist schlimmer daran jk in der ägyptischen Sklaverei und in der Wüste;jmai. Wenn aus diesem unorganisierten, von Selbstsucht zerfressenen, destruktiven — weil seine Aufgabe und seinen Weg nicht kennenden - Haufen ein Volk werden soll, dann muß cs sein ,leben in ein Gesetz bringen, dann muß cs seiner [*dee untertan werden, dann muß es — Zion aufpauen. Wie bei der Annäherung des Magneten. 5׳*streute Eisenspäne wieder Richtung, Straffheit, '״d bekommen, so wird unter der Strahlung der jj** aus gebrochenen, ungläubigen, verlorenen ,'cjisclien ein sinnvoller, schöpferischer Organis- ,1״s, ein Volk. Manche meiijcn, daß Zion erbaut werden )1׳fl'1"11» wenn man sagt: Bauet, ihr werdet gute 1*schäfte machen! Mit dieser Losung kann Zion '"dit erbaut werden. Wir brauchen Menschen, die *Prechen: Wenn es ein gutes Geschäft ist, werden W|r Zion aufbaucn. Wenn es aber kein gutes Gc- '«baft ist, so werden wir Zion auch aufbaucn Man kann nicht zwei Dinge in einen Imperativ5 Jminden, die Gegenpole sind. Die Frage ist, ז as för die Juden heute*, am Rande ihres Schickals> das Ausschlaggebende ist. Es ist das alte , —..-Oder. Die Geschichte verläuft in Wellen BTgen und Wellentälern. Heute ist wieder ein ך׳ oinent der Zusnitzumr. wir schweben auf der «!.r'ן׳‘ *kante. Herbert Samuel spricht vor Mitgliedern des Parlaments Am 23. Mai hat eine Zusammenkunft von Mit- ן gliedern beider Häuser des britischen Parlaments ן stattgcfundcii, wo Sir Herbert Samuel über die j Lage in Palästina berichtete. Der parlamentarische ן Mitarbeiter des ״Daily ,Telegraph“ schreibt'■ dazu: j ״Ungefähr 50 Mitglieder nahmen an der j Zusammenkunft im Housc of Commons teil, um j einen Vortrag Sir Herbert Samuels über seine 1 Arbeit' in Palästina zu hören. Die von Lord j Cecil geleiteten Besprechungen waren vertrauj liehet־ Natur, jedenfalls aber hielt der Gouvcr-! neur des Mandatsgebietes eine Rede von großem Interesse. Er gab im ganzen einen ermutigenden Bericht über seine Arbeit und sagte, daß die jüdischen Immigranten gute Arbeit leisteten (were niaking good).“ | lieber dieselbe Zusammenkunft bringt auch die! antizionistische ״Mor n i n g-Po s t“ einen Bericht j ihres politischen Mitarbeiters. Die ״Morning-Post“ : schreibt: ״Die Verhandlungen waren für die Presse nicht zugänglich. Doch ergaben Unterhaltungen ׳mit den Parlamentariern, die an der Sitzung teilgenommen haben, daß der Gouverneur auf die große Mehrheit seines Auditoriums einen guten Eindruck gemacht hat. Am Schluß wurde auf Antrag von Herrn Asquith der herzliche Dank der Versammlung votiert. Herbert Samuel ist ein ausgezeichneter Redner, der seine Ausführungen geschickt und klar vorträgt. Er wies mehrere Male darauf hin. daß es sein Ziel sei, e i n e gu te britische Verwaltung im Lande zu schaffen. Er sagte ferner, daß die Juden gute Fortschritte im Lande macht'cn, daß die Immigranten ebenfalls Erfolg hätten. Palästina sei auf dem Wege, ein nationales Heim für die Juden zu werden, aber nicht in dem Sinne, wie es die extremen Zionisten erstrebten. Die Zahl der Juden im Lande wachse, und sie würden schließlich die Mehrheit werden. Er stehe zurzeit mit den Zionisten und den Arabern in Unterhandlung und hoffe,’ ein gegenseifiges Einverständnis erzielen zu können. Er beklagte einerseits das Vorgehen ungestümer Zionisten, auf der anderen Seite aber die von den Gegnern der britischen Regierung geführte politische Agitation. Dann wurden dem Redner zahlreiche Fragen vorgelegt. Herbert Samuel teilte mit, daß eine Konzession für die Elektrifizierung von ganz Palästina Herrn Ruthenberg gegeben sei und verteidigte dies Monopol mit dem Hinweis darauf, daß cs ohne ein solches Monopol unmöglich sei, das für das Werk notwendige Kapital auf zubringen. Er wisse nicht, ob Material und Maschincn hierfür in Deutschland bestellt worden seien. Weiter wurde er gefragt, wie man es mit dem Selbst b estimmu 11 gsree 111 vereinigen könne, daß die jüdische Einwanderung zu einer jüdischen Majorität führen werde und die eingeborene arabische Bevölkerung verdränge. Auf diese Anfrage erwiderte er, daß, wenn man den Begriff der Selbstbestimmung bis zu seinen letzteil Konsequenzen verfolge, (er die Kolonisierung von Amerika und Australien unmöglich gemacht haben *würde. Er bestritt, daß die jüdische Siedlung und die durch sic bewirkte Entwicklung Juden heute*, ״f|p7 Ausschlaggebende ist, ©r4b e(icr-Qdcr. Die Geschichte y|l!lc|{3stf.|״T^en und Wellentälern. Heute i" A«■;K^rnt״der Zuspitzung, wir schweben auf L.11.1״11()|«'“*,־1־־״״ Daher ist wieder ein Moment der Entschei- Ur#Ä*4 81 0*י wir Volk werden wollen. Robert Weltsch׳ Möglichkeiten des arabische Gemeinr16׳ 8ac11*i*cW>1 der reichen wirtschaftlichen Landes einen Schaden für die schaft darstcllcn werde.“ Die Versammlung, über die liier berichtet wird, ist das erste politische Auftreten Herbert Samuels in London, über das ein Bericht in die ()Öffentlichkeit dringt. Es scheint, daß diese Ausspräche mit Parlamentariern viel zur Klärung beigetragen hat. Samuels Haltung wird von allen Richtungen mit Anerkennung gewürdigt. Allerdings sind die vorliegenden Meldungen zu dürftig, um definitive Schlußfolgerungen zu ziehen. (Siehe auch Seite 4.) Die Gesamtorganisation der deutschen Juden Von Dr. Aron Sandler Seit mehr als einem Jahre haben wir uns in diesen Blättern zur Frage der Gesanitorganisation der deutschen Juden nicht mehr ausführlich geäußert. Mehr als einmal hatte es den Anschein, als söllte das Ziel auf dem zunächst eingcsehlagcnen Wege erreicht werden, obwohl die Schwierigkeiten, insbesondere jene, die die Gegner einer Einigung der deutschen Juden zielbcwuüt auftürmten, nicht gering waren. Verhängnisvoll wurde es, daß die mit großem Schwung propagierte und von den Vertreten! von nahezu 700 Bundesgcmcinden sanktionierte Idee immer mehr zu verflachen und in Vergessenheit zu geraten drohte. Schon ertönte hier und da etwas wie ein Grabgesang. Neuere Tendenzincldungen, die teilweise auf einem Miß- Verständnis beruhten, kündeten die Verweisung dieser Aufgabe, zu deren Erfüllung sich der D. J. G. B. als unfähig erwiesen habe, an den in der Agonie befindlichen Verband der deutschen Juden an. Von einem tieferen Interesse der weiteren jüdischen Oeffentlichkeit an der großen Idee war seit Monaten nichts mehr zu spüren. Es ist an der Zeit, mit erneuter Aktivität an die Verwirklichung des Planes heran zutreten und, falls nicht anders mög« lieh, durch die Entwicklung, die die Frage während der letzten 10 Monate genommen hat, einen Strich zu machen. Wenn die alten Wege nicht zum Ziele führen, müssen neue beschritten werden. Die zionistische Oeffentlichkeit, die von Anfang an an dieser bedeutsamen Frage reges Interesse genommen hat, soll nun kurz über den Stand der Angelegenheit, die jetzt in ein neues Stadium tritt, informiert werden. Wir brauchen in diesen Blättern nicht von neuem auf die Bedeutung der ganzen Frage hinzuweisen. Der 23. Januar 1921, an dem sich alle Richtungen des deutschen Judentums zusammenfanden, um an die Stelle der durch die Gesetzgebung geschaffenen Vereinzelung der jüdischen Gemeinden eine auf der Basis der Freiwilligkeit aufgebaute Gesanitorganisation zu schaffen, wird ein denkwürdiger Tag in der Geschichte der deutscheu Juden bleiben. Selbst einzelne Gemeinden der extremen Rechten und Linken, die anfangs beiseite standen und auch heute wieder abgefallen sind, konnten sich der hinreißenden Kraft jener alljüdischen Demonstration nicht entziehen. Das auf dem 15. Gcmcindctag beschlossene Statut entspricht nicht in allen Punkten unseren Wünschen, aber billigcrweise sollten die in ihm zum Ausdruck gelangten Tendenzen nur unter dem Gesichtspunkt gewertet werden, daß sie gegenüber den antidemokratischen und intoleranten Anwandlungen vieler deutschen Gemeindevertretungen einen recht erhebliehen Fortschritt darstcllcn, und daß cs sich schließlieh um ein Kompromiß differentester Wcltanschauungen und Siniiesriditungcn haiidclic. Manches ,denkwürdige Wort wurde von gegnerischer Seite auf dem Gemeindetag gesprochen, und wir möchten auch daran erinnern, daß sich die Vertreter der Gemeinden unter dem Eindruck der Geschehnisse der letzten Jahre zu dein Grundsatz bekannten, daß die Pflege ״der gesamten jüdischen Interessen“ in den PflichtenkrcLs der deutschen Organisntion falle. Der Klal-Jisroel-Gcdanke hatte sich Bahn gebrochen. Keineswegs liegt für uns der Schwerpunkt der Frage in-der Schaffung einer Stelle, die den Lastenausglcich zwischen den leistungsfähigen und den leistungsschwachen Gemeinden herzustellen hat, obwohl wir gewiß für die Notlage der kleinen Gemeinden, ihrer Lehrer und Kultusbcamtcn, Herz und Verständnis haben. Die Frage der Staatsbcihilfcn, die übrigens nur von den Ländern, nicht vom Reiche zu regeln wäre, ist zwar ein wichtiges, aber vorerst noch problematisches Kapitel. Am bedeutsamsten ist für uns der Gesichtspunkt, daß die schwere Not der Zeit, die kritische Lage des ijudentu m s eine organische ZusammenfassungderJudenheitdcrLänderzumdringendstenGebotderStunde macht. Die Emanzipationskünstler vor 100 Jahren