Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 31-32 (18.4.1922)
- Date
- 1922-04-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ז *0,1 V»1«f W 15, SädtiUdi• Slr.C« g. Eridmi■» |«lta ™«nt« FrelUg, B<urg>pr>U bol d«r Eipedition ond den . --1;.v -r — 11 1_ A«nl»nd«>b0B11•- •i»d*r b«rn!,nel. ftnt»!»U”> TiwUljihtlkb 15M. In DtatiUiUnd w־t, «du In de» Währung d«r •kitlncn D L4q ז.וו”'*א Nummer 31/32 יין•® n. . ta«r. (T.l,t fa/T\ Htuu \ \ '' ' ’» ' T J r' ..'» 'יי'■... < - _ä. 2*S •Mi Anaelgen-Verv/altung: 70/^־/p, Berlin, 18. IV. 1922 jüdisch• Rtmdftchau G.nufc.H., Berlin W15, SichiUdie Str• 8 Teltpboa! Aut ChleeJ 849 und 646. A m 1 I g b p r I s fOr d£e ■!eW|es|>*H«n« N0Bpa1«iU«M£la R—. M-, PamüiftDanzalg'tBi 0 M. pro Zeil«, AtitlftsiehloSi DicosUj *ad fvtiu; nsdbuUUs i Ukr. TeUphonJ UKIend 845 «.846. FoaUdhrdckontoi Berlin Nr. für CWmetck; pQ1UpsrViA*«n»m* Wirs. Konto Nr. 156 050. Für T*dhtscäb©ilow*k*!Ü PosUparkoMenamt Praf» Konto Nr. 116 850, — Rod»ktion**cl1lu8 Sonate! und Mittwoch Moiinuti«!. — כ׳ ניסו- תרס״ב I XXVII. J&hrg. parZlonlamu» erstrobt tOr da» indische Volk dl• Schaffung einer CRantllcIwochtilch gesicherten Heimstätte ln Palästina. ״Baseler Programm*«. hemai 147 Tel,;!rümpf dseheh« ,.kwaroc ei |M» Expo Jump« r»n. teimtiBf tranui, *Hin C li<raplfttt(SU Stein! Ist« 10 ende Inas. Genuia und Mandat Die Konferenz von Genua, die in diesen Tagen ifcn Anfang genommen hat, ist für uns von Beobwohl keine uns direkt betreffende ו präge dort behandelt wird. Der Zionismus kann, nie cs Herzl ausgesprochen hat, nur in einer Itniospbäre des allgemeinen Wohlwollens geeilien. So begrüßen wir es, wenn in Genua ehr- ׳ich der Versuch gemacht wird, die Kriegsstimmung m überwinden und wieder zu einem erträglichen Vfbcneinander der Mächte zu gelangen. Gerade Jie zionistische Bewegung, deren Teile sich in len europäischen Ländern befinden und die somit 1011 den Nöten jedes dieser Länder mitbetroffen wird, empfindet, was es bedeuten könnte, wenn die virlscliaftliche Krise, unter der die Welt leidet, sberwunden wird. Wenn von der Keren Hajessodtktion in Amerika heute Entscheidendes für unsere Bewegung abhängt, so ist das die Folge der Tatadie, daß durch die immense Wirtschaftskata- -trophe, die über Ost- und Mitteleuropa herein- •ebroclicn ist, gerade dem Hauptteil des jüdischen Volkes die Mitarbeit am Aufbau verwehrt ist. Wir iile wissen es, daß es kein Finanzproblem in der öonistisclien Organisation gäbe, wenn noch das iltc russische Judentum aus der Zeit vor dem Wege bestände. Und wenn wir auf unsere deutehen Verhältnisse exemplifizieren, so ist es zweifeios, daß unsere Keren Hajessod-Leistung einen recht beträchtlichen Teil der Gesamtleistung dar-!teilen könnte, wenn der Valutasturz nicht gewesen wäre. Nun werden auch die größten Optimisten oicht erwarten, daß die wirtschaftliche Weltkatatrophe in Genui beseitigt werden kann. Aber wenn man Wege sucht, wenn man ernsthaft er- «nnt,daß auch das Gedeihen der hochvalutarischen Länder von einer Besserung der Verhältnisse auf «on europäischen Kontinent abhängig ist, dann »erden wir doch vielleicht in eine Epoche langwer Konsolidieiung und Besserung der Verhält- , W ien, rotiftMuachliJ Hisse eintreten tocoiV die m Noch furchtbarer freilich als die Wirtschafts- \u>grabunm«atastrophe ist der Hunger, der heute in Rußland ier von g«1 JltliAÖ r 10. mg, b««t> 1knn «■*!י f fM««• ן״ Mb. 15- ״' rom.8. Bo•/* q Schul * ו Mk. >0.- ״* Menschliches ahcZeiwcrti <ine furchtbare Geißel schwingt, Mitgefühl und Liebe zu unseren Volksgenossen veranlassen uns in gleichen Weise zu dem Wunsche, äaÄ die Konferenz endlich das große Hilfswerk ®d aller Beschleunigung in die Wege leitet, auf & die Welt schon so lange vergeblich wartet. Es steht noch nicht endgültig fest, wann der Völkerbund rat zusamtnentreten wird. Es läßt Slch auch noch nicht mit Bestimmtheit sagen, ob J״f seiner nächsten Tagesordnung das Palästina- ®andat stehen wird. Aber wir hoffen, daß das der sein wird und können jedenfalls die Nach- ^nten, wonach die Mandatsfragc bestimmt nicht ״handelt werden wird, als unrichtig bezeichnen. ... Es scl«int, als ob seit den Besuchen Weizmanns ^?18י untJ Rom von diesen Mächten keine ' i* mehr zu befürchten sind. Die (1?r"* k»i1 .־l_n*schcidung liegt bei Amerika, wo von den ver- '*lensten Seiten nachdrücklich gefordert wurde, uisb» ,k ״ ן*. d!c amerikanische Regierung der schnellsten ättfizierung des Mandates zustimme. Man be- Pniit auch in Amerika einzusehen, daß die Ratides Mandates einen großen Schritt zur ״™!־igung Palästinas und damit eines nicht un- *Wagen Teiles des Vorderen Orients bedeuten »iirde. o'iFäer Hjj ^ätifi 1LM 1»1; ״!n B»I״W Mk. 20■-׳f »r 8’י ,hon : h»«f* .׳,! •r* «»ן/״ ( «ein b> 1,׳L JoHlo, I®■ * Mk. 25■— ״' 8,80 n* de. »r.r«»«״" »lot••»״' Strass« Dr. Weiztnann bei Nitti ^30n1f (J.C.B.). Am Donnerstag, den 6. April, ״‘) ןg üer frühere italienische Premierminister י .ז׳זס, ^.en Präsidenten der zionistischen Welt- (j’Y H'sniion Dr. Chaim Weiztnann zu einer längeren N ״״*ung. Am1 Freitag ist Dr. Wcizmann nach üen Pel abgereist. Vor seiner am Donnerstag, Pf״?' Ml, erfolgten Abreise, veranstaltete das d>um der jüdischen Gemeinde Roms in der Ä SU(1 weünianns. fܰiWn ^fadtsynagoge einen Abend zu Ehren Dr. Juden und Araber Reiseeindrücke aas Palästina Von J, Ramsay Macdonald. Den nachstehenden Artikel entnehmen wir der liberalen ״Wcstminster Oa zette“. Der Verfasser, eines der angesehensten Mitglieder der Britischen Arbeiterpartei und Herausgeber der ״Socialist Review“, ist «)eben von einer längeren Studienreise durch Palästina, über die wir eingehend in der ״J. R." berichtet haben, zurückgekehrt. Die Redaktion. Nirgendwo kann man den ewigen Konflikt zwischen Alter und Jugend, dem neuen Wein und den alten Flaschen besser studieren, denn in diesen Regionen. In Aegypten wird er in der alten Form sichtbar, daß die Bevormundeten vom Vormund die Freiheit verlangen; in Pa!- lästina rührt er von den Streitigkeiten zwischen zwei Zivilisationen her, die durch die Einwanderung anscinandergeraten. Lieber dem Knochengerüst des Judaismus ist der Zionismus erblüht, und wieder einmal haben sich viele Juden Zion /ugcwamlt. Mit solchen Leuten habe, ich im hiesigen Einwanderniiigslagcr (an der sandigen Küste ton Jaffa und angesichts des Meeres) gesprochen; in Jerusalem, wo sie auf Beschäftigung warten, oder in irgend einem der vielen anderen Siedlungskomitees; in Zelten auf den Höhen Gilboas, wo sie Landstraßen ä!liegen und Brücken über den Jordan schlagen. Eines Nachmittags, als ich die Ebene Esdrnclon durchstreifte, traf ich unweit der Stelle, wo Saul seinen letzten Kampf ausfocht und den Philistern unterlag, einen Landwagen und fuhr auf holpriger Straße ein oder zwei Meilen zu einem jener neuen jüdischen Lager in Nuris, auf den nördlichen Abhängen des Gilboa-ücbirges. Ich fand ihre Zelte gerade bei der Quelle, an der, wie es heißt, Gideon sein Heer ans den dreihundert Mann bildete, die ״mit ihren Zungen von dem Wasser leckten, so wie der Hund leckt“. Obwohl fast alle auf dem Felde beschäftigt waren, hörte man doch in der Schmiede den Amboß klingen. In der• Werkstatt des Zimmcrmanns waren Sägen und Hobel in Betrieb, und während ich durch eine offene Tür einen Zahntechniker beobachtete, vernahm ich ans der Küche das Klappern der Pfannen und Töpfe. Die Kommune besteht aus 150 Personen, die, als Mitglieder des palästinensischen Arbeitskorps, 12 Monate lang beim Wegebau beschäftigt waren. Auf einer großen, teilweise sumpfigen und noch ganz unkultivierten Fläche /.wischen der Eisenbahn und dem Berghang haben sie sich ,!!!gesiedelt. Dort pflanzen sie 14000 Eukalyptus־( bäume in verschiedenen Arten an, 4000 Pinien; 500 Zypressen, 10000 Oclbiiume; außerdem legen sic Obst׳ bäume, Weingärten, .Tabakplantagen und Orangengiirteti an. Sic errichten Schonungen für Pflanzenzucht, besonders Baumschulen, graben den Boden um und bereiten ihn zum Anbau vor. Sie glauben; daß sie die Grundlagen für ein neues Zion schaffen. Die Ländereien gehören dem Jüdischen Nationalfonds und dürfen niemals in Privat'besitz übergehen1. Verschiedene Körperschaften strecken die erforderlichen Kapitalien vor, während die Kommune die Arbeit leistet. Ihre meisten Mitglieder sind in diesem oder jenem) Lande Sozialisten gewesen; und dann und,' wann sind sic der leeren Redereien über den ״Klassenkampf“ und ähnlicher Dinge müde geworden (das ist in Palästina keinesfalls eine Streitfrage). Den Bolschewismus lehnen sie ab; sie wollen etwas zustande bringen. Mit anderen Worten, hier findet man das dritte Buch Mosis und die Lehren der Propheten in Verhindüng mit dem westlichen Sozialismus an der Arbeit, die jedoch nicht von Politikern und Rcvo lutioniircn, sondern von Bekcnnern vollbracht wird. Manche haben gelächelt, als ich sie fragte, ob sie zuerst eine Synagoge und dann eine Schule errichten wollen; aber als ich an der Quelle saß, wo Christus mit der Samaritcrin sprach, mußte ich an sie denken. Seihstverständlich entstehen dadurch manche Schwierigkeiten. Der alte Hebräer und der arabische Reiche machen sich nichts aus diesem Zuge frischen Windes. Im Judcntuml gibt es noch das Synhcdrion und die Pharisäer, während der arabische Magnat natürlich betrübt ist. Der begüterte Araber träumt von einem eigenen Königreich und ich fürchte, daß der Jude in seiner Begeisterung nicht immer allzu taktvoll gewesen ist. Im! Grunde ist die Lage delikat, da sich allcrfiancf Zündstoff angehäuft hat. , Der arabische Bauer und der arabische Arbeiter würden, wenn man sie gewähren ließe, wenig Anlaß zur Beunruhigung gehen. Dein! arabischen Landmann wird bald in hundert Dingen von den neuen Ansiedlern geholfen *werden; die Stadtbewohner von Nablus verlangen einen jüdischen Frauenarzt, dem die Stadtältesten! die Niederlassung verweigern. De Arbeiter erhalten; sobald.sie mit jüdischer Arbeit in Verbindung kommen, höhere Löhne. Denn der Jude, der für ein neues Erez Israel (Land Israel) arbeitet, das doch die Prophczeiung erfüllen mul den langen Klagen seines Volkes ein Ende bereiten wird, -- dieser Jude weiß auch, daß die arabische Lcbenshalhuig ungenügend ist. Die Konkurrenz der niedrig bezahlten arabischen Arbeit ist beim Wege-, Eisenbahn- und Häuserbau so entscheidend, tlaß die Fonds der Zionistischen Orgauisation zwecks Ergänzung der jüdischen Arbeiterlöhne erhöht werden müssen, ln anderen Fällen müssen Verlustc aus jüdischen Kontrakten, deren Bedingungen der Lebenshaltung des Juden nicht entsprechen, ersetzt werden. Glücklicherweise ist da» versöhnliche Element ebenso am Werk wie sein Gegenteil. In Ortschaften wie Tiberias bestehen Komitees, in denen Mohammedaner, Christen und Juden friedlich zusammen arbeiten, Schulen und andere Gemeinschaften die Annäherung der ver- Schiedcncn Bevölkerungsteile zu׳ fördern suchen Man hegt eine leise Sympathie für die arabischen Nationalisten, denen es, wenn auch mir vorübergehend, gestattet war, ein großes Königreich imtcr Einschluß von Palästina zu erträumen. Man hat dem Araber schlecht mitgcspielt, und jetzt kommen wir schwer um das Verhandeln mit. ihm herum. Aber in diesem Lande gibt es etwas, das größer ist als unsere Pläne. Ich bin von Dan bis Bcrscba gegangen, und mit jedem Tag ist e9 ln mir gewachsen. Alan mag in jüdischer oder Christlieber Tradition erzogen sein: es ist nun einmal das Heilige Land, das sidi wie ein Idol im matten Licht eines Heiligtums offenbart und einem als Heimat seit vielen Generationen erscheint. Keine Macht der Erde \ kann diesem Laude die magnetische Anziehungskraft nehmen, die es auf sein Volk ausübt. Ich habe seine (des Volkes) Ucberreste gesehen, wie sic an der Klagemauer ihre Gebete summten; zerstörtes Gestein küßten und flackernde Kerzen der Hoffnung und des Glaubens entzündeten. Ich habe die zahllosen Gräber im Tale von Josaphat gesehen, wo die Scharen dieses auserwähltcj» Volkes ruhen, die aus allen Ländern dorthin gezogen sind, um auf das (nach der Lehre dort stattfindende)! Jüngste Gericht zu warten. Ich habe die Lebenden, die Jungen, die Bekenner gesehen, die che öden Strecken bepflanzen und das Land schmücken, wie eine Braut mit den Gaben des Geliebten geschmückt wird. ,Diese Dinge beweisen, daß im Herzen des Judentums eine Liebe besteht und daß im Gemüt des Juden eine Sehnsucht wirkt, die er über alle Hindernisse und durch unendlich lange Generationen verfolgen wird, bis die Prophezeiungen seiner alten Lehrer und seines eigenen Herzens erfüllt worden sind. Die weiteren ״Times“-Artikel Dritter Artikel: Die arabische Gegner• schaft (J. C. B.) In einem dritten Artikel über die gegenwärtige Lage in Palästina charakterisiert der ״Times“- Korrespondent Herr Philip Graves die unruhige Stimmung unter den Arabern Palästinas; die ein zurückgebliebenes und sicherlich auch, untüchtiges Volk seien. Der Schreiber nennt diese Volksschicht ״ein explosives Material, das so lange eine Gefahr für Palästina bedeutet, als keine , Verständigung zwischen den Zionisten und den Arabern zustande gekommen ist. Solange unter den Arabern die Furcht besteht, daß der Zionismus die Hegemonie* einer Minorität öder eine Uebcrschwemmung des Landes mit jüdischen Emigranten bedeutet, kann es Vorkommen; daß die arabische Bevölkerung mehrerer palästinensischcn Städte bei dem kleinsten eingebildeten oder wirklichen Anlaß den Verstand verliert.“ Ucber die Gründe dieser unruhigen Stimmung und der antijiidischen Bewegung kLirt Herr Graves folgendermaßen auf: ״Es ist wahr, daß unter der Effendi- Klasse.... viele vorhanden sind, die die vertoren gegangene türkische Herrschaft bedauern, es existieren noch viel mehr unter ihnen, die aus egoistischen Gründen die jüdische Emigration, d. h. jüdische Konkurrenz, hassen. Es ist auch w׳ahr, daß in Palästina a u sI ii ndi s c he Agenten, tätig waren und es jetzt nofh sind .... Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß gewisse französisch-katholische Agenten jetzt sehr tüchtig arbeiten und unter den lateinischen, mclchistischen, oder griechisch-katholischen Elementen in Nordpalästina viel Geld ׳ausstreuen, ferner daß syrische Christen und Mohammedaner aus dem Libanon und aus Dnmas• kus in der christlich-mohammedanischen Society sehr aktiv sind. Es ist ferner auch richtig, daß viele Christen die Hoffnung hegen, daß Pal ästin aci« mal unter französische Herrschaft kommen wird, während viele Mohammedaner von dem Tag träumen, da Palästina ־mit Syrien zu einem Teil des pan-arabischen Imperiums verschmolzen werden wird. Sicher ist auch, daß Mustapha Kctnal Pascha und seine bolschewistischen Bundesgenossen bei den Jaffa-Unruhen (Mai 1921) ihre Hand im Spiet gehabt haben . . . ״Jedoch“, erklärt Herr Graves, ״ist die antizäonistische Stimmung zu sehr verbreitet und zu real, als daß man sie allein