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Jüdische Rundschau · 1922-04-11 · Heft 29-30 (11.4.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 29-30 (11.4.1922)
Date
1922-04-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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LJ״A׳Gi 6?a.e-״ ß*d*lttS0* ■ad VerUf W II, SidbsUch« Slrt(U &, Erschttat Jedes Di*n«t*r ■«״* Freiteg. BecrftpraU bei der Eipedille■ und den pMUat*** riertelj*hrl»A J5r“ Ü 1■ DeuUcblaod* AorleadsaboBee• «ista werde» 10 der Vahronj der •tnseloeo Lieder beredtneL Xpo Nummer 29 301 Berlin, 11 IV. 1922 An«ciffcn-Vcrw«lluny: Jüdisch• Randichau G.&b.H., Berlin W15, Sächsisch• Stf. 8 Ttbpboa: Aeal Cbn*od 845 and 846. A»l«lg0apr«i■ für die •iebeogespalteae NoopereilleeeiVe (i.—IL, Femiüeaenseigeo I M. pro Zeile AiielfeBielilefil Dieo«teg •ad Freitag nachmittag 4 (Jkr. Telephon ו Ühlend 845 n. 846 PoaUdiedckoatet B«*U» Nr. 17&fc rar Oeaterreich, Poit0pnrk.Mon.ro* Wien, Konto Nr. U6 03a Rr TaehedionlowakeU PoaUp.rkaaMaamt Prag, )Cento Nr. 1S603& — Redaktionaachlufi Konot.g und Mittwoch Badbmittaf. •— יג׳ ניסן׳ תרס״ב XXVII. Jahrg. IjarZioniawu» .r.ir.bt für das JOdiache Volk dl. Schäftung einer Öitontlidwecntnch pos ch.rton Heimstatt. In Palästina.* * ״Baseler Programm1*. 0er Feiuchfcltrlage wegen ersTeint die t״l,r1|״ld»l« Nammtr der ״Jüdischen Rundschau" am **»»|rrliolcB,|.ö, den 18. April, die darauffolgende am ESI ple sfag, dea '25. April. Die heutige Nummer '^erscheint in vergrößertem Umfange. Brot und Freiheit EENSTR, a״ ■ bui *NEIEBEl sr^-buc^ Und kommt das große Fest der Frei• xcrstbuBheit. Und von Jahr zu Jahr versenken wir uns ILn neuem in die glanzvollen Erinnerungen unse- |[cr Geschichte und geben uns dem süßen Traum Jicr menschlichen und nationalen Freiheit hin. Und lCh0| ({ dichter und nebelhafter die Wolke unseres öaluthlebens mn uns wird, je drückender die ■ Biaanu! ^jpiiäre der Rechtlosigkeit, je grausamer die irtn. 1 Verfolgung und tiefer die Verzweiflung, mit um #». m.« I» größerer Kraft drängt sich in uns das Streben, »..■...,,!lilie schweren Ketten des Oaluth abzuwerfen und “־•-—*־Jans zur Freiheit durchzuringen. Und ungeduldig ן »erden wir, und uns scheint es, daß diejenigen, n g!& dazu berufen sind, das Werk der Befreiung »IIflUly׳ll vollziehen, die ihnen übertragene Aufgabe nicht r* für tr»o!i voll erfüllen. Und die Ungeduld führt zu Rei- *iieVt'rTä^11^11• zu Unzufriedenheit, zu Mißhelligkeiten. MdMi«t13[)as aber wäre noch nicht das schlimmste. Wenn ilfratuhaJ^ a'*e .Men ungeduldig würden, wenn sie -JLzlhy alle deshalb an den Führern Kritik übten, weil; ■ö=*=p*11iiese zu langsam׳ vorgehen. Wenn sie bloß alle be- M^KnSl*•'Idcunigte und reale Arbeit, groß angelegte Initia- — _iiive und lebendige Taten verlangten und — dazu — -־*.]iucH die Möglichkeit, die Mittel bieten würden. pr’jjDas traurige daran aber ist, daß dieses heiße ™״;!Verlangen, diese Ungeduld, dieses tiefe Gefühl j Jcr Schmach des Golus immer noch den Wenigen jf, bo»rt>.fj;u eigen geworden ist; die großen Massen jedoch Sempfinden nichts, wünschen nichts, verlangen nichts «öd8!׳ JUIK* stürmen nicht 1 8»if׳iri I Ein Teil drängt sich zur Arbeit gerade auf frenu *m, m'Hoiw Boden und ist empört, wenn man ihn an den 3 "£c״cn erinnert, an unseren armen verwahrlosten ü BcHofl Boden. Ein anderer Teil ist durch falsche Hirten )*•'״Mn3 'erführt, die ihn zu überzeugen suchen, daß jeder Versuch, sich selbst aus der Knechtschaft zu be- Kopolö! kl freien, ein Verstoß! gegen den Himmel wäre. Diej *UVl P°ßc Masse des Volkes aber ist zu Boden ge- *״»wj drückt. Andere Sorgen• erfüllen die Herzen, die LmWj|!raue Alltagssorge tun die Existenz, tt 20!—*3 Und nun, vor dein großen Fest der Befreiung ifelitnd, begreifen diese Teile des Volkes seine »•ros1! M Bedeutung nicht, es erweckt in ihren Herzen nicht ״.inrn'Mj®F Gefühle, löst nicht die Gedanken aus, die ״-126!״ w'r anPtinden. Für die einen ist dies Fest etwas •,so ntt üanz Veraltetes wie so vieie andere Uebcrbleibsel a *5* a'ten Zeiten, die sie, die ״Fortgeschrittenen“, יי®• ®en,r| 1»ngst überwunden haben. Für die anderen ist HKS** « eine Mizweh, um1 dem Himmel gefällig zu sein. Und für die große Masse ist es ein schweres' fest, weil cs eben sehr viele Ausgaben und sehr ... v‘ek Sorgen mit sich bringt. Nur Wenige, sehr!tratst ff ^en>ge empfinden die große nationale Bedeutung fees Festes. Nur einige Wenige verstehen den Otist der Freiheit, der dieses Fest durchweht. Nur ganz Vereinzelte begreifen es, daß cs sogar ijMan modernsten Freigeist, dein völlig Ungläubigen möglich ist, dieses Fest mit Enthusiasmus zu kiem, cs mit allen seinen Vorschriften und Ge- Bräuchen, genau so wie der Frömmste unter den Frommen, mitzumachen. Vor diesen Wenigen stehen wir Jahr für Jahr und predigen ihnen die schöne Predigt des Auszuges aus Aegypten. Zu feen Vereinzelten sprechen wir Tag für Tag über die Notwendigkeit, sich vom Golus loszureißen In einem! alten kabbalistischen Kommentar zur 1 _.nt־«j 4״SPdah wird die Mazzeh als der Geist des r \ 1 gedeutet, während der Chomcz den Satan, 3 l 1 hCn ^c‘st *ks Bösen, symbolisiert. Und das Vcr- * ־ג'ל| FFnncn des Chomez soll also bedeuten: Aufräumen B 1:ייכה dem1 bösen Geist, Wegschaffen des Satan aus -'feem Hause, Läuterung unserer Seele vom ן *jhtnutz, den die Unreinheit auf sie legt. Der irfencz, das alltägliche Brotbedürfnis mit seinen *ir2en» verwickelten Interessen und manchmal un- Begleiterscheinungen ist tatsächlich die fedevrand zwischen uns und dem Freiheits- Man darf es vielleicht nicht übelnehmen, Die Rheinland-Konferenz des Keren Hajessod Das Präsidium des Keren Hajessod hatte die Gemeinden, Logen und sonstigen jüdischen Organisationen gebeten, zu einer Konferenz nach Köln am 2. April eine Vertretung zu entsenden, um in eingehender Aussprache allen jüdischen Kreisen des Rheinlands Gelegenheit zu geben, sich über die Ziele des Keren Hajessod zu informieren. Aus zirka 50 jüdischen Gemeinden des Rheinlandcs waren Vertretungen erschienen. Herr Direktor Wassermann, der Vorsitzende des Präsidiums des Keren, Hajessod, der die Konferenz leitete, begrüßte die Anwesenden und betonte in längerer Rede die! Bedeutung des Keren Hajessod für das gesamte Judentum, die Notwendigkeit der Mitarbeit an dem großen Werke des Aufbaus für jeden einzelnen Juden. Ein Diskutieren über die Notwendigkeit des Palästlnaaufbaus sei im jetzigen Augenblicke nicht mehr möglich, die Welt erwarte von dem Judentum, daß es seine Fähigkeit beweise, in Palästina produktive Arbeit zu leisten. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Köln, Herr Blumen au, begrüßte die Berliner Herren int Namen des Vorstands der Gemeinde Köln. An der Aussprache beteiligten sich ferner: Herr Rabbiner Dr. Cohn, Bonn, Herr Rechtsanwalt Felix Rosenbjüth, Berlin, Herr Rechtsanwalt Dr. Apfel, Berlin, Herr Justizrat Cahen, Köln, Herr Oberrabbiner Altmann, Trier und Herr Rabbiner Rosenthal, Köln. Die Konferenz nahm einstimmig eine Reso 1 ution an, die die Gründung des Keren Hajessod begrüßt und die Judenheit Rheinlands und Westfalens zurtätigen Mitarbeit auffordert. Am Abend fand bei Herrn Fabrikbesitzer Rollmann eine Besprechung der prominentesten jüdisdien Persönlichkeiten von Köln statt, in der ein Keren Hajessod-Komitee konstituiert wurde. Als erster Vorsitzender wurde Herr Justizrat Cahen gewählt. Ein ausführlicher Bericht folgt. Welzmanns römischer Aufenthalt Rom. (J.C, B.) Während seines Aufenthaltes in Rom’ hat der Präsident der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim Weizmann, eine vielseitige Tätigkeit entwickelt. Wie es heißt, hat er eine große Anzahl Mitglieder des italienischen Senats und der italienischen Kammer, ebenso viele Industriemagnaten dafür gewonnen, daß sie sich an der Arbeit für den Keren Hajessod beteiligen. Voraussichtlich wird als Resultat dieser Besprechungen ein überparteiisches Keren Hajessod. Komitee für Italien gegründet werden, welches auch viele Nichtzionisten zu seinen Mitgliedern zählen wird. Zu Beginn dieser Woche empfing Dr. Weizmann Vertreter der gesamten hiesigen Presse. Die Zeitungen widmen der Person und der Tätigkeit Dr. Weizmanns große Aufmerksamkeit. Dr. Weizmann besuchte auch viele hervorragende Italic-, ‘ nische Politiker und Publizisten, so u. a. den Minister für die Kolonien, Professor Armendola, den früheren Minister Senator Ruffini und den früheren Minister, jetzigen Deputierten de Cesaro, ferner auch den Sekretär der Katholischen Volkspartei Populari Don Szurzo. Günstiger Auftakt zum New Yorker ״Drive1‘ Die Vorbereitungen für die Keren Hajcssod-Kampap ne in New York werden mit höchster Intensität betrieben. Ein interessantes Experiment wurde im ״Tausend Dollar-Klub“, über dessen Gründung wir seinerzeit berichtet haben, unternommen. An» 20. März fand im Hotel Astor die erste Mitgliederversammlung des Klubs statt, zu der die hervorragendsten jüdischen Persönlichkeiten der Stadt erschienen waren. Ke Zusammenkunft galt der Aufnahme neuer Mitglieder, die bekanntlich nur erfolgen kann, wenn der Bewerber sich verpflichtet, jährlich mindestens 1000 Dollar für den Keren Hajessod zu entrichten. Am 2. April veranstaltctc der Klub sein erstes Diner. Im. Laufe des Abends wurden 150000 Dollar in bar eingebracht, die zum Teil erst Ende März gezeichnet waren. Unter denjenigen, die bei dieser Gelegenheit ihrer Pflicht gegenüber dem Keren Hajessod genügten, befanden sich Louis Marshall, Adolph Lcwisohn, Jefferson und andere bekannte Nichtzionisten. 97 Mitglieder des Klubs hatten bereits ihren Keren Hajcssod-Beitrag abgeführt. wenn unsere ganze Energie durch die Brotfrage aufgebraucht wird. Nicht jeder ist imstande zu begreifen, daß sogar die Brotfragc von der Freiheitsfrage abhängig ist, daß ein Knecht nicht die Mahlzeit des Herrn genießen kann. Höchstens können ihm abgenagte Knochen vom herrschaftliehen Tisch zugeworfen werden. Während der Knecht vom Hunger gepeinigt wird, kann er es sich nicht leisten, Probleme zu behandeln, Fragen zu stellen, seine Lage von einem weiteren Gesichtspunkt zu betrachten. Er muß glücklich sein, daß er diesen abgenagten Knochen bekommt, und auf der Jagd nach dem Bissen Brot verliert er sogar seine Menschenwürde. Will man den Knecht bewegen, für seine Freiheit zu kämpfen, dann muß er zur Einsicht gebracht werden, daß mit der Freiheit die Lösung seiner Brotfrage verbunden ist. Und ich! bin mit dem kabbalistischen Kommentar vollständig einverstanden, daß man, um zum Feste der Freiheit zu gelangen und seine Bedeututig richtig zu verstehen, vorher mit dem Chomez aufgeräumt haben muß, mit der ewigen drückende» Brotfrage. Nicht aber wie jener Kommentator es glaubt, daß man sich damit begnüge, die paar, Bröckchen zu verbrennen und auf diese Weise den bösen Geist loszuwerden. Viel sicherer wird dieses Ziel dadurch erreicht, daß man sich die Mazzeh zumindest für acht Tage vorbereitet, somit der Brotfrage für diese Zeit enthoben ist. Wollen wir die ,großen jüdischen Massen in die Freiheitsbewegung hineinzichen und diese Bewegung ihnen auch verständlich machen, so muß unsere Losung die sein; Brot und Freiheit. Unsere Aktion ln Palästina soll nicht bloß dem! Ziel der nationalen Freiheit zugewandt sein, sondern auch gleichzeitig der materiellen Sicherstellung der nach Palästina wandernden jüdischen Massen. Es müssen die Möglichkeiten für jeden Juden geschaffen werden, in Palästina nicht bloß sein nationales Empfinden zu befriedigen, sondern sein tägliches Brot zu verdienen. Mögen die breiten Massen dorthin um des Brotes wegen gehen, und wenn sie dort sind, werden wir mit ihnen und für sie die Freiheit erringen. Auch bei den anderen Völkern kämpfen für die Freiheit nur wenige Auserwählte. Gewiß haben sie für sich auch die Svrnpathien der Massen. Einen direkten aktiven Anteil an diesem Kampfe können die Massen nicht immer haben. Momente der nationalen Ekstase, der Massenbegeisterung für eine nationale Idee kommen! nur selten vor, in außergewöhnlichen historischen Augenblicken. Der Nationalkampf aber muß stabil vor sich gehen, und so können ihn nur die Auserwählten, die Denkenden, die Fühlenden aufnehmen. Die!einzelnen!stehen! immer auf der Wacht, kämpfen unaufhörlich, und nur in Ausnahmefällcn rufen sie die großen Volksscharen zu Hilfe, die auch diese Hilfe nicht versagen, sobald die Sache eine gerechte ist. So ist es auch bei uns und so muß es sein., Unser Volk kommt uns zu HUfe, wenn es gilt, alle Kräfte mit einem Male einzusetzen. Mehr dürfen wir von ihm nicht verlangen, denn es hat ein Recht, sich ganz seiner Brotfrage hinzugeben, Unsere Aufgabe aber ist es, den Konflikt zwischen! der Brotfrage und der Freiheitsfrage möglichst abzuschwächen, aus dem Wege zu räumen. Wir müssen für unser Volk Bedingungen schaffen, die es ihm ermöglichen, sein Brot auf dem Wege zu suchen, der zur Freiheit führt Vor allen» — kol dichfin jete wcjechul — wer Hunger leidet, der gehe ins heilige Land und suche dort sein Brot. Und erst wenn dies möglich sein wird, wenn große Massen unseres Volkes in palästinen. si chen Kolonien, in al'en dor Igen Unternehmungen ihr tägliches Brot finden werden, wird uns erst gestattet sein, auszurufen; Leschanah habanah b’nechorin b'ara d'israel, M. K. ידידיי

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