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Jüdische Rundschau · 1922-04-07 · Heft 28 (7.4.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 28 (7.4.1922)
Date
1922-04-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Für TaeWhoolowakeiJ Peatiparkauenamt Prag, Konto Nr. 136 0X. **“ RedakÜonucbiufl Sonntag und Mittwoch! ■mcbmittftf• — J ־־Nummer 7ß>"\ Berlin, 7 IV. 1922 ם׳ ניסן׳ תרס״ב xxvn. jahrg. | per Zlonlairu• erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten ISolmstütte In Palästina.' ״Baseler Programm“. 1 / ,, Umschau J Die politische Situation des Zionismus wird j!!och immer von der Frage beherrscht, wann die 1 Ratifizierung des Mandates zu erwarten | In Amerika hat eine lebhafte Propaganda für ן die baldige Ratifizierung eingesetzt, und nicht nur Weizmnan heim iialierifcchen König und im Vatikan Rom (J. C. Bf.). Am Sonnabend, den 1. April empfing König Victor Emanuelli. den Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation Dr. Chaim Weizmann in einer Audienz, welche dreiviertel Stunden gedauert hat. Während des Gespräches bekundete der König großes Interesse für alle Palästina betreffenden Fragen, sowie für die Lage der Juden in Rumänien. Polen und Rußland. ane große politische Tagung der amerikanischen | Zionisten hat diese Forderung erhoben, sondern auch die parlamentarischen Körperschaften des Staates Massachussctt haben einen Beschluß | in dieser Richtung gefaßt Weizmann hat bei seiner 1 itmvesenheit in Berlin und bei einer Kundgebung an die Zionisten von Chicago seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, daß■ die im April stattfindende Session des Völkerbundrates das Mandat endgültig bestätigen wird. Es läßt sich noch nicht beurteilen, | ob diese Hoffnungen sich erfüllen werden. Jeden- | falls kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die definitive Bestätigung des Mandates in jedem Sinne eine außerordentliche Klärung der Atmosphäre herbeiführen würde. Der jetzige provisorische Zustand bewirkt eirc naturgemäße Scheu der britisehen Behörden vor einschneidenden Maßnahmen in Palästina und bewirkt ein ständiges Aufflackern arabischer Hoffnungen auf Aufhebung der Balfourerklärung. Das alles könnte mit einem Schlage beseitigt werden, wenn durch das Mandat Paiästina unter Aufsicht des Völkerbundes den Engländern übergeben wird und in dem Mandattext wie vorgcschlagcu die Balfourerklärung noch ein. mal feierlich wiederholt wird. Die Araber würden dann einsehen, daß sie ihre Politik nicht mehr auf die Aufhebung der Balfourerklärung zu richten haben, sondern daß die Aufgabe für sie die sein muß, mit den Juden zusammen an der Wirtschaftlieben und kulturellen Erschließung des Landes zu arbeiten, und eine Beruhigung der noch immer erregten Atmosphäre Palästinas würde die Folge sein. Die Schwierigkeiten, die zu überwinden sind, damit die Ratifizierung stattfinden kann, sind allgemein politischer Natur. Das ganze System der Mandate stellt ja bekanntlich eine Neuerung in den internationalen politischen Beziehungen dar. Während man völlig entwickelten kleinen Nationen die Möglichkeit eigener Staatsbildung geben will, auf der anderen Seite völlig unentwickelte Völker in europäischen Kolonien gewissermaßen erzogen verden sollen, will man für diejenigen Länder, die sich auf einer Zwischenstufe befinden, das System des Mandates einführen. Der Crrundgedanke dieses Systems ist bekanntlich, daß unter oberster Aufsicht des!Völkerbundes eine europäische Großmacht die Aufgabe übernimmt, als Inhaberin der Landesgewalt das Land und seine Bewf0hner » weit zu entwickeln, daß schließlich das Mandat äne Ueberflüssigkeit wird und ein eigenes Staatswesen entsteht. Dieser Gedanke des Mandates Ist noch nicht allgemein anerkannt. Speziell in Amerika scheinen sich Schwierigkeiten geltend zu 1״achen, die den Mandatsgedanken überdaupt betreffen. Daraus folgt der Wunsch, daß ®" einzelnes Mandat, nämlich das über Palästina« nicht bereits in einem Augenblick bestätigt werde, ף> die Mandathage im allgemeinen noch einer Giskussion unterliegt. Diese amerikanischen Bedenken stehen sicherlich im Zusammenhang mit den amerikanischen Interessen in Mesopotamien, d» man durch ein englisches Mandat bedroht fürchtet. Es ist oft genug deutlich zum Ausdruck Spracht worden, daß die amerikanische Regierung ״it ihren Sympathien durchaus auf der Seite des Wischen Palästina unter britischem Mandat steht und daß Bedenken, soweit sie überhaupt geltend gemacht werden, sich gegen den Gedanken des Mandats als solchen richten. Uebcrhaupt ist bei dien Schwierigkeiten, die der Ratifizierung des Mandats entgegenstehen, die hauptsächlichste die, WB man Bedenken trägt, das Palästinamandat gesondert zu behandeln und damit ein Präjudiz schaffen. Derartige Bedenklichkeiten scheinen von anderen Ententestaaten auszugehen. "7»nann9 Anwesenheit in Paris hat ja erfreulicher- ״äse durch die Erklärungen des Präsidenten der ׳ Republik, Millerand, und des Ministerpräsidenten : 0‘Wart die günstige Stellung der französischen ( “eß1erung erneut festgestellt. Hoffentlich wird auch Am Sonntag, den 2. April besuchten Dr. W e i z m a n n und der Sekretär der italienischen Föderation Dr. Dante Lattes den Kardinal-Staatssekretär Gaspari. Der Kardinal erklärte, weder der Vatikan noch er persönlich seien gegen die Errichtungeinernationalen jüdischen Heimstätte in Palästina, solange die Interessen der anderen Religionsgemeinschaften im Lande geschützt sind und die Juden keine bevorzugte Stellung einnehmen. Der Kardinal drückte jedoch seine Unzufriedenheit über den § 14 des Palästina-Mandates (Regelung der Verwaltung der heiligen Stätten), sowie über einige andere Punkte des Mandates aus. Die Audienz dauerte eine halbe Stunde. seine Reise nach Italien beweisen, daß auch in diesem Lande die Sympathien für unsere Sache nicht geringer geworden sind. Die in letzter Stunde eingetroffenen, von uns oben veröffentlichten Nachrichten sprechen dafür. Wenn auch unsere Gedanken in dieser Zeit besonders stark von den Gesichtspunkten der Politik beherrscht weiden und wir erwartungsvoll den kommenden politischen Verhandlungen entgegcnblickcn, so bietet dieses Jahr auch Gelegenheit zu manchem Rückblick. Die 40 Jahre zionistischer Arbeit, auf die Ussischkin zurückblicken darf, haben in Palästina zu einer einmütigen Huldigung aller Teile des Jischuw für einen Mann geführt, der von den Gruppen im Zionismus bejubelt oder bekämpft, doch immer, auch in den finstersten Zeiten unserer Bewegung, als ein unerschüttcrlicher Vorkämpfer für die Sache Palästinas und der hebräischen Sprache angesehen werden mußte. Wir wollen nicht einen Rückblick auf die Gcschichte Ussischkins werfen, nicht die entscheidende Rolle würdigen, die er in der Zeit des Uganda- Konflikts gehabt hat, nicht seinen unermüdlichen Kampf für praktische Palästinaarbeit in das Gcdächtnis zurückrufen, nicht sein erfolgreiches Eintreten für das Hebräische, für die Sache unserer Kulturarbeit in Palästina, von der Schule angefangen bis zur Universität. Aber wir wollen die erfreuliche Tatsache noch einmal unterstreichen, daß es in unserem Kreise noch den Begriff po-!irischer Dankbarkeit gegenüber Persönlichkeiten gibt, deren Leistung Anerkennung und Dankbarkeit auch bei demjenigen verdient, der nicht in allen Punkten mit ihnen einverstanden sein mag. Es war erfreulich, daß die zweite Tagung der Asscfath Haniwchnrim, in der so mancher Gegensatz zum Ausdruck kam, in der Huldigung für Mcnacl*e!nl Ussischkin einen erfreulichen Abschluß gefunden hat. Noch eines anderen Jubilars wird in dieser Zeit gedacht, des Jüdischen Nationalfonds, unseres populärsten Instituts, der Schöpfung eines Mannes, der heute im Zionismus schon fast vergessen ist, Professor Schapiro aus Heidelberg. Der Nationalfonds wird diese Stellung als des weit über den Kreis der Zionisten hinaus gekannten und beliebten Instruments unserer Bodenpolitik auch in der Zukunft behaupten, trotz aller Institutionen und Instrumente, die neben und nach! ihm entstanden sind und heute vielleicht eine größere Rolle zu spielen scheinen. Die Gculath Haarez, die Befreiung des Landes, wird die eigentliche Grundlage unserer Palästinapolitik bilden und die Basis bleiben, auf der allein ein jüdisches Gemeinwesen in Palästina entstehen kann. Wenn diese Zeitung in die Hände der Leser gelangt, werden sie mit den Vorbereitungen zum Pcssach-Fest beschäftigt sein. Sie werden dabei vielleicht daran denken, daß dieses Fest der Freiheit leider seit Jahrhunderten im׳ jüdischen Volk verknüpft ist mit der Furcht vor der ständig wiederkehrenden Blutbeschuldigung. Auch in diesem Jahre liegen bereits Nachrichten vor, wonach im! Osten Europas in manchen Orten diese Fabel wieder aufgetaucht ist. Aber auch in Pa- Iästina sieht man den hcrannahenden Wochen nicht ohne Bedenken entgegen. Das zeitliche Zusnmmentrcffcn des Pcssach-Fcstca mit den Christliehen und mohammedanischen Feiertagen und die Erinnerung an Vorgänge des letzten Jahres haben bewirkt, daß wiederholt in der Presse und bei anderer Gelegenheit mit Energie darauf hingewiesen wurde, daß alles für den Schutz jüdischen Lebens zu geschehen habe. Wir hoffen, daß diese Wünsche ihr Ziel erreicht haben und daß es der britischen Militär- und Polizeimacht durch ihre Vorkehrungen gelingen möge, Exzesse aller Art völlig unmöglich zu machen. In Deutschland sind antisemitische Vorkommnisse nicht gerade an das Pcssach-Fest geknüpft. Nicht als ob unsere Antisemiten über den Verdacht erhaben wären, an die Blutbeschuldigung zu glauben. Sie ist vielleicht auch nicht unglaubwürdiger als die ״Weisen von Zion“, als Rathenaus Verschwörung mit den internationalen! Finanzgrößen zur Vernichtung Deutschlands und als Kurt Blumenfelds Aufforderung an den zionistischen Delegiertentag, den Organismus der Umweit zu zerstören. Aber man hat in Deutschland aktuelle Ereignisse genug, die sich minier wieder im Sinne einer antisemitischen Hetze ausschlachten lassen. Eine Tatsache wie die, daß'ein führender russischer Kadett, ein Nichtjude, von russischen Reaktionären und Monarchisten ermordet wurde, hat sich in der Weise verwenden lassen, daß man aus diesem Vorkommnis ein Vorgehen gegen die östlichen Juden ableiten zu müssen glaubte, aus deren Kreis ja bekanntlich die russischen Monarchisten besonders hervorzugehen pflegen. Es ist natürlich verständlich, daß eine politische Presse, deren Gesinnungsfreunde die Morde von Liebknecht und Eisncr, von Erzberger und unendlieh vielen anderen auf dem Gewissen haben, nicht recht imstande sein kann, die Ermordung Nabokows, d!c aus denselben Motiven hervorgegangen ist, zu mißbilligen. So bieten die Juden ein willkommenes Objekt der Ablenkung des Interesses. Es braucht auch nicht betont zu werden, daß die in Berlin tagende sozialistische Konferenz sowie die Durchreise der Sowjetabgeordneten für Genua und ihre Verhandlungen mit der deutschen Regicrung im selben Sinne verwendet werden. Die Uebemahme der mit einer griechischen Kirche verbundenen Botschaft in Berlin durch die Sowjetregierung wird als eine ״Vcrschacherung der einzigen griechischen Kirche Berlins an dieOst juden“ gekennzeichnet Es paßt ausgezeichnet zu diesen Tatsachen, daß wir in denselben Tagen aus Danzig und aus Perlin von den beliebten Razzias hören, bei denen man ein paar hundert harmlose Menschen wie Verbrecher auf die Polizei zu schleppen pflegt, um sie dann wieder zu entlassen, ■da niemand von ihnen irgend etwas begangen hat. Es widerspricht unserer ,zionistischen Auffassung, auf diese Dinge mit zu großer Ausführlichkdt einzugehen. Unsere Auffassung vom Judentum ist zu positiv gerichtet, die Aufgaben, vor denen wir stehen und zu denen wir alle Kräfte notwendig haben, sind zu brennend, als daß es un9 unsere Zeit erlaubte, auf Ausgeburten der krankhaften Phantasien der Antisemiten näher einzugehen. Es muß uns genügen, ab und zu bei einem oder dem anderen charakteristischen Ereignis diese Dinge klarzustellen. In der Abwehr antisemitischer Angriffe ist das deutsche Judentum, wenn auch nicht in der Methode, 90 doch im Ziel einig. Was uns in diesen Dingen beson. ders interessiert, ist das Eintreten für die Juden; aus dem1 Osten, mit denen uns zu identifizieren und deren rechtliche und wirtschaftliche Position zu verteidigen uns eine selbstverständliche nationale Pflicht bedeutet F. L.

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