Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1922)
- Date
- 1922-03-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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T uflViW־ »Ir. 24 UÄGC1 \N 0•^ V^JJ. JjJi ”■״Uktlo• יי^ VerUf W IS, SScfcsttdi• Straft« 8. Ertdielnft |«d«a J!7,״lf!ן«! frsiUf. Burfspr•!* b<A 49t Expedition und den f tinter• rl«rl«l]SbrliA 25.— M. ln DiatiditiDd. Attslttdsabo•«#• gfsts werdtn in der Wlhrun( de* einxe!n«n Lander berechnet Hummer 25 I Berlin, 28 III. 1922 Amtist e n-V c r w * I tun,; jüdisch• Rand sch au 0.0. b.H.. Berlin W15, Sächsisch« Str.8 Teiepboa: Amt Ublend 045 und 846. Aa1»lf •Bprati für dl« •lebflnreepettea« Nonpereill***U# &—» IL, FetniUennnxei^ee 0 M. pro Zeile Aa!•Ip•B ■ eh I a 0 t Di«a»t•! and Freite! aeebaitte! 4 Ubr. Telephon ן Uhlead 045 «.844. Poiterbedckontoi Berlia Nr. ITItl Ffir Oetterretcb. PoeUperkeweneml Wien, Konto Nr. 156 030. Fäf TscJ.stWowsVeii Poeteparkeaeenemt Pr•!, Konte Nr. 11*0001 "י Redektiomuichluß Sonnt•! und Mittwodi aeebautt•!• כח, ארר* חרס״ב j xxvn. jahrg. r Zionismus «rstrabt tOr das JDdlsch« Volk dl• Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Helmstitte In Palästina.' ״Baseler Programm". mi'lL Die zweite Tagung der Asscfath ־!®«יי! Haniwcharim (Ausführlicher Bericht) Bdleva Itr trink Icbcrwwiki. eVtrptlmj 4 Mittel,* (Bteripoi ,jratiha'iiti נשר על < mit R«hWr>tl ' liefert iltorsi Tel. 66.3־. »®■er»! *t Heripiy ■Jfsellirtkj z) ן p!e ,weite Tagung der Asscfath Haniwthariin, über jpsistr. 7, Ijewir bereits kurz berichtet habe!», wurde atn 6. Marz A 1.1<a(js in Jerusalem im Theatersaal Zion eröffnet. Es s.A(BaJk״Äi{iligtcn sielt die Delegierten des linken Flügels j.tdidirth Haawodah und Hapoel-Hazafr) und des Zen- HlttifitMfjjis (Bauernpartei, Fortschrittliche, Unparteiische und ,יTeil der Seplt.ardim). •Nicht erschienen sind die Dcle- Werten des Misradti und die orthodoxen Delegierten,;iratliche nichterschienenen .Delegierten stellten als Be* 1'nping ihrer Teilnahme die Forderung auf, daß die!;sefath HaniwcJtarim einen Beschluß faßt, der das rraiienwahlrecht aufhebt. Allein Professor Pick hui Misrachi war im Präsidium anwesend als Vertreter je! monistischen Exekutive neben Ussischkin, Dr. tuppin und Sprinzak. Die Eröffinmgsanspracha SB David Yc11i n, der auch eine ganze Reihe von Kgiüßungen verlas darunter eine vorn arabischen Klub in Tibcrias. Der Text der Begrüßung Herbert imuds, Jericho datiert, lautet: ״Ich übersende meine Stgmingen dem nationalen Komitee als derjenigen! lnsjtution, die befugt ist, die inneren Angelegenheiten der ־wischen Gemeinschaft Palästinas zu überwachen. Ich rausche bestens eine glückliche Tagung.“ Zum Voritztndcn wurde gewählt Dr. Lurid, als BeLsitzcc Eiscnberg, Blumenfeld, Mejuchas und Sprinzak. Einen kurzen Bericht über die Tätigkeit JesWaad Leutni gab Ben-Zwi, der sich auf den [«!nickten ausführlichen Bericht berief. Die Aufgaben des Waad Leumi waren nach seinen Worten dreifache: 8) seine Stellung als Vertreter des organisierten Jischuw ror der Regierung und vor der Zionistischen Organiafion zu befestigen; b) die Beschlüsse der ersten Tagung zu verwirklichen; c) die zweite Tagung vornlrereiren. Die erste Sitzung, die bis in die tiefe Nacht fctein dauerte, bestand aus stürmischen Debatten für wi gegen die Tätigkeit des Waad Leumi. Bemerkenswrtwar das Auftreten von Ben-Awi, dem Redakteur fe״D0ar Hajom“. Minutenlang ließ ihn die Mehrheit der Versammlung nicht zu Worte kommen. In empörten Zurufen wurden er und seine Zeitung beeMdigl, mit den Denunzianten vor Northdiffc gemein- «me Sache gemacht zu haben. Nachdem Ruhe einfetreter» war, hielt er eine lange Rede, die zürn Frieden Bahnte. Obwohl es nicht in den Worten der folgen- 4m Redner an Protesten fehlte, daß Ben-Au׳i sich zum Sprecher der Sephardim und der Orthodoxen aufwarf, Ute trotzdem die Versammlung■ die Mahnung Ben- Ws als einen ernstgemeinten Rückzug auf, der im!'erlaufe der Tagung noch deutlicher zum Vorschein hm. Die Sitzung endete mit einer Decharge und Dank- 0Png für den Waad Leumi. In der zweiten Sitzung referierte Olück- John über ״Die jüdischen Gemeinden in Palästina“. ™ Mittelpunkte des großangelegten Referats stand der Wanke, daß es sich bei der Organisation des jüdi- 1*en Gemeindewesens in Palästina nicht um eine Neu- «läpfung handelt, sondern um eine Institution, die tief ״unserer Geschichte verankert ist. Das heißt nicht, ™י die Gemeinde in Palästina ein Abklatsch der Ge- Bernde im Oaluth ist, aber ungeheuer viel ist von der “,hvicklung unseres Gemeindewesens im Oaluth zu wn. Die Grundformen der Gemcindeorganisation bescit Babylon und der Epoche der Gaonim, wo 8bereits eine Synagogenorganisation mit Repräsentanten! ™I Zwangsbesteucrung gab. Die babylonischen Ge- *cinden dienten nachher als Vorbild für die Gemeinden? '״esteuropa und Polen. Ueberall organisierten sich '? Judcn in politischen, von den Regierungen annannten Körperschaften. Man ging davon aus, daß!» ״!fC״ reI'ß'öse1 kulturelle und soziale Sonderinteren haben, die eine besondere Organisation erheischen. *cr? Geschichte der Neuzeit ist ein unaufhörlicher hm sm («US fialem ttn: ' i «butter׳!!K ־ UtT PIUUZCU 1SI CI» UiKUlillUIliUlCT ftt*«0I? Ihr die Stärkung der Gemeinden und für die f׳ Jfötn! ־' *׳״ 1ig u«lb;t. ®0ז j perlm® '*,rer Rechte. Die fiskalischen Interessen 1J Regierungen verhalten zum Erfolg dieses Kampfes. i#adWUr<*C ^’e Gemeinde zum Regierungsorgan einerseits läd h*1 autonome״ Institution, für alle inneren Lebens- I tmü?. . *Ier jüdischen Gemeinschaft andererseits. Die 103 Das Zentralbure&n der Zionistischen Organisation meldet, daß der Präsident der Französischen Republik, Millerand, am Dienstag, den 21. ISrz Dr. W e i z m a n n empfangen hat. An der Audienz nahm als Vertreter der französischen Zionisten Dr. Bernard teil. Millerand bestätigte von neuem, daß die französische Regierung eine gänstige Haltung gegenüber dem jüdischen Nationalheim elnnehme. Er wünschte Erklärungen über die Haltung der Zionisten gegenüber den Heiligen Stätten. Dr. Welzmann gab die feierliche Erklärung ab, daß die Zionisten keinen anders Wunsch hätten, als diese Frage der Entscheidung der Mächte zu überlassen. Die Zionisten würden glücklich sein, zu einer Erledigung dieser Frage nach ihren Kräften beitragen zu können. Millerand erklärte, daß er eine Teilnahme der französischen Judenschaft am Aufbau Palästinas begünstigen werde. ״eind^1• Gemeiudeorganisatioi» sind: 1. Ehe Ge- |V׳ert e ls* «ine juristische Person,. die gesetzmäßige י# »־!!• **cr J«le״ n&ch innen und nach außen; ""דן ■ימן"« Gemeinde ist keine freie Vereinigung, sondern ״,find Wa11׳»swS'm'!l1־ti0n. Kein Jude kann aus der Get»HÄ.I tum ®?treten, 0* sei denn, daß er aus dem Juden, f ja 3. die Gemeinden haben das Recht, sich r1JCL . 2«ntrak>rganisatk»n mit gesetzgebender Kraft ' Wdas zu vercWg«״• Das alles ist ein Minimum, iS km!»t bereits erreicht ist und ven* M01״’* I ־ ן Palästina ist es bk>8 der erste Schritt 1 *kJZJ**' 01®8^״י w'r an dieses Minimum!. Die ' t'l'es ie״pmmcm:n Einwanderer empfinden das Fehlen 1!Mischen Gemeindeweaens in Palästina als eine Rechtlosigkeit. Wir verlangen aber hier überdies folgendes: 1. Ein Munizipalrecht für überwiegend jüdische Dörfer und Siedlungen; die national-personale Autonomie betrachten wir als provisorische, bis wir eine Mchriieit gebildet haben; 2. eine jüdische Rechtsprechung. Das erste haben wir im Oaluth nie haben können und nie gefordert, das zweite, nämlich das jüdische Recht bestand zwar im Oaluth, ist uns aber verloren ge* gangen. Hier in Palästina wollen wir das jüdische Recht erneuern, weil es ei!» nationaler Wert ist. Nun stoßen wir auf einen Antagonismus seitens der Orthodoxen, der aber auf einem Mißverständnis beruht, denn was wir zunächst verlangen, ist das Recht nach außen hin, daß jeder Jude einem jüdischen Gericht untersteht. Ob dann das jüdische Gericht ein weltliches Friedensgcricht oder ein Rabbinatsgericht ist, hängt ab vom Beschlüsse jedes einzelnen Juden. Außerdem verlangt man bei uns von rechts und von links, daß wir die religiösen Angelegenheiten vom Aufgabenkreis der Oemcinde ausschalten. Den Linken ist zu erwidern, daß cs bei uns schwierig ist, zwischen nationalen und reügiösen Aktionen zu unterscheiden (Mazzeverteilung unter der armen Bevölkerung, rituelle Verpflegung in Krankenhäusern usw.). Ocgen die Rechte ist zu bemerken, daß selbstverständlich die religiösen Angelegenheiten ran Rabbinat verwaltet werden sollen, so daß seitens der Freisinnigen kein Gewissenszwang ausgeübt werden wird. Nach einer ausgedehnten Debatte wurden die Statutcnvorschliige an den Waad Leumi weitergegeben. Den Höhepunkt der Tagung bildete die Rede Ussischkins. Er fing damit an, daß er nicht die Wahrheit fürchte, sondern die Lüge. Bevor man zum Frieden mahnt, muß die Wahrheit klargestellt werden. Im prophetischen Mahnruf beißt es: Liebet die Wahrheit und den Frieden. Die Wahrheit geht also voran. Nachdem er ausführlich gegen die Uebertreibungen auf beiden Seiten, der Rechten und der Linken, hinwies, ging er zur Daxstellung der gegenwärtigen Lage in Palästina über. Er sprach von drei schweren Problemen: vom Regierungsproblem1, vom arabischen Problcm und — vom schwierigsten — von unserem Problem. Und trotzdem er also die ganze Schwierigkeit sieht, hat er den Mut, im Gegensatz zur gedrückten Stimmung der Gesamtheit, optimistisch zu sein, indem er auf die verflossenen sechs Monate zurückblickt. Im Laufe eines halben Jahres sind ins Land 6000 Menschen voller Zutrauen und Hoffnung gekommen. Das ist ein nationaler Reichtum. Unter donnerndem Beifall rief Ussischkin in den Saal: ״Trotz aller Verl mmdüngen in bezug auf unsere Chaluzim erkläre Ich hier in aller Oeffcntlichkeit: Wohl dem Volke, das solch treue Söhne aufzuweisen hat." Im Laufe der letzten fünf Monate sind von den Geldern des Keren Hajessod 175000 Pfund ausgegeben worden, aus den Geldern des Nationalfonds 75000 Pfund, im ganzen also eine Viertclmillion Pfund für den ,Aufbau des Landes. Im Vergleich zu den Summen, die uns bis jetzt zur Verfügung standen, etwas Ungeheures. Eine Spezifikation der Ausgaben findet sich 11» den periodischen Vercvfcnt- Geltungen. Die Gehälter der Beamten, angefangen mit dem Vorsitzenden der Zioni st Ischen Exekutive und endend mit dem Portier, betragen insgesamt nur 4!/a %• Während der Debatte über die Rede Ussischkins kam die Resistenz des Misrachl zur Sprache. Eine scharfe Rede hielt David Yellin, nachdem Profcssor Pick erklärt hatte, der Misrachl werde vor dem nächsten zionistischen Kongreß Rechenschaft ableget». Yellin zitierte den Beschluß des letzten Konr gresses über die Asscfath Haniwcharim 1und forderte den Misrachl «uf, Disziplin zu wahren. Es geht nicht an, daß der Misrachl, d?r eine Fraktion im Zionismus ist, das zerstört, was die Zionistische Organisation mühselig aufbaut. Die Rechenschaft vor der Geschichte, die erst nach zwei Jahren abgelegt werden 8011, kann nicht befriedigen. Es wurde ein Vorschlag folgenden Inhalts eingebracht: ״Die Asscfath Haniwcharim fordert die Zionistische Organisation auf, die Subvention an die Mi*• rachilcitiing in Palästina einz'.stellen und das Oeld für Bodenkauf in Palästina zu verwenden.“ Auf Ersuchen des Professor Pick, den Streit durch solche Vorschläge nicht zu schüren, wurde die Frage von der Tagesordnung abgesetzt. Zur Sache beschloß die Asscfath Haniwcharim, den Punkt über das Frauen- Wahlrecht acht zu behandeln, sondern den Waad Leumi zu beauftragen, ein neues Wahlrecht auszuarbeiten und es der dritten Tagung vorzulegen, ln den letzten Sitzungen wunden die Steuersätze verabschiedet. Es lagen vor ein Referat von Dr. Ruppin und ein Kon• referat von Herrn Berlia Beide Referate sind mit Modifikationen an den Waad Leumi weitergegeben worden!! Die Schlußsitzung war eine allgemeine Ovation für Ussischkin, dci auf 40 Jahre zionistischer Arbeit zurückblickt. Sämtliche Gruppet» und Parteien huldigten ihm. In gehobener Stimmung wurde die Tagung am Y»5 Uhr morgens geschlossen. Churchill über Immigration und Bolschewismus (JPZ.) Auf eine Anfrage von Viscount Ctirzori wegen der Zusammensetzung der Palästina-Immigranten, erklärte Minister Churchill: ״Alle Ein- Wanderer seit September 1920 bis Dezember 1921 verteilen sich prozentual wie folgt: Polen 33, Rußland 15, Rumänien 5, Ukraine 11, England 3,5, Asien 10, Amerika 2 Prozent, während 20,5 Prozent auf die anderen Staaten entfallen. Er glaube nicht, daß die meisten Einwanderer aus Ost- und Zcntraleüropa, wie es in der Frage Viscount Curzons heißt, von bolschewistisehen Ideen durchseucht sind, die ja dem Zionismus ganz fremd sind.“ Auf die Frage Gweens, ob dies so zu verstehen sei, daß England solche riesigen Ausgaben für Palästina auf sich nehme wegen der 3,5 Prozent Juden aus England, erklärte Churchill: ״Ich gebe nicht zu, daß die Ausgaben riesig sind, wenn sie auch ernst sind. Die zionistischen Ziele begrenzen sich keineswegs auf die Juden unseres Landes". Auf die Anfrage Lord Raglans erklärte Lord Stanmore, daß insgesamt vom 1. Juli bis 31. Dezember 1921 4484 Juden in Palästina eingewandert sind, davon 1374 auf Grund einer von der Zionistischen Organisation gegebenen' Garantie. Herbert Samuel wiederhergestellt Jerusalem, 22. März (Telegr. d. ״Jewish Chronicle“). Sir Herbert Samuel ist völlig wiederhergestellt und hat heute seine amtliche Tätigkeit wieder aufgenommen. Lord Milner in Palästina Nach Londoner Blättermeldungen hat sich’ Lord Milner Mitte März nach Palästina begeben. (Ziko.) _ Entlassung britischer Beamten Die ״Moroing Post“‘ meldet, daß aus Ersparnisgründen eine Reihe von Beamten der palästinensischen Verwaltung entlassen wurden, darunter einige Distriktsgouvemeure. Wie die bekanntlich antisemitische ״Motning Post" hinzufügt; kommentiert' die arabische Presse die Tatsache, daß kein Jude sich unter den Entlassenen befindet, sondern daß cs sich mit einer Ausnahme um Personen handelt, die mit den Arabern Sympathisieren.