Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 21 (14.3.1922)
- Date
- 1922-03-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrg,!clbter lärm flmus ufalem bcrn! 111 *w 0 0*1 <*r JOitli!: a 1 £> E3 r, t ^»▼ignypl * Pc»lllckk*l!!נשר et! lUitaanal Of.ioht d«J Syn*g0(ts,j •עו n!!l»u &v,a! llitr 7, 4nerb»a (RtUipor! g ■ffiä M 7 7, •l«|1h| Hardts C oetizeis Ichkeltc (•tfiTela ibril 24 a, Fabrik.j j ffl? 11. H• |l»ebor* idanff״״ •lcfr•־״ 1b«ndrn » llurh, •11 K* nur dl» ibfibraB rruBg«* irSlf. 1 13506) ur 1”״י JuoK“״ llontrn• lande( Inh» 8* | Genügt die Antwort der Exekutive an die Opposition? Vas wirft die Opposition der jetzigen Leitung der Zionistischen Organisation vor? Die Herren!)!-. Nordau und Alexander Marmorck drücken es l,|arin ihren Pamphleten 90 aus: ״Durch die monströsc Entw׳icklung ist das Ideal des Zionismus ar zügeltosen Jagd nach skandalös bezahlten Posten ^worden.“ Sie sagen es ganz offen: Die Leitung mißbraucht die Gelder der Organisation, um für sich und eine von ihr geschaffene Clique von Bcalten hohe Einkommen herauszuwirtschaften. Die Exekutive antwortet auf diese ״Enthüllungen‘', indort sie die Zahlen der Bilanzen usw. reden läßt. Genügt diese Antwort? Es ist kein Zweifel, daß die Herren Nordau und Marmorek, ebenso wie Herr Kann, der dieselben Vorwürfe in einer juristisch etwas weniger greifbaren Form erhebt, die von der Exekutive veröffentlichen Zahlen, d. h. die Wahrheit, ganz genau gekannt haben, ehe sie ihre unwahren Behauptungen in die Welt gesetzt haben. Die Zahlen sind nicht neu, sie waren veröffentlicht oder zugänglich. Es wäre lächerlich, sich einem Zweifel darüber hinzugeben, daß die ehrenwerten Herren, die an der Spitze der heutigen Opposition stehen, den jetzt veröffentlichten Zahlen der Exekutive mehr glauben sollen als vorher. Es ist außerdem klar, daß diese Herren auf die zionistische Oeffcntlichkeit gar keinen Wert legen. Niemand von ihnen hat es gewagt, seine Behauptungen dem Kongreß worzutragen, und sie werden sich auch künftig der zionistischen Oeffentlichkcit nicht stellen. Ihnen genügt es, wenn sie mit ihren Beschuldigungen das Ohr derjenigen erreichen, die etwa gewillt sein könnten, der jetzigen Leitung Geld für den Aufbau Palästinas zu geben, Ihr Zweck ist erfüllt, wenn sie die politische Atmosphäre vergiftet und dk materielle unmöglich gemacht haben. Sie dürfen es sich leisten, die jetzige Leitung als gcschäftsunkundige Phantasten hinzustellen, sie rechnen mit dem Sinn für die Notwendigkeiten der Organisation bei der Leitung, der es bis jetzt verhindert hat, etwa das Material über die Entwicklung des Jewisli Colonial Trust unter Herrn Jaoobus Hendrikus Kann tu veröffentlichen. Hier ist nur eine Maßregel 2m Platz: Man lade die Herren vor das Kongreßgericht, Ihre Angriffe sind ehrenführiger Natur, sie haben mit politischer Anschauung nichts mehr zu tun. Lehnen sie das Kongreßgericht ab, so möge man die Führer genau so ״or den ordentlichen Richter laden, wie man dies mit von ihnen Verführten bereits zu tun gezwungen war. Erweist sich die Antwort der Exekutive tak- 'isch als nicht richtig, so muß sie auch strategisch äh nicht befriedigend bezeichnet werden. Die Exckutive beschränkt sich auf die Verteidigung, sic weist nach, daß der Beamtenstab klein an Zahl und nicht hoch bezahlt ist, und daß die Unkosten eine angemessene Höhe nicht übersteigen. Wir haben bewußt die Finanzierung des Aufbauwerks auf das Prinzip der freiwilligen Leistung gestellt. Wir taten dies aus guten Gründen. Wir glaubten und wir glauben noch, daß eine Regierungsanleihe erst auf der Grundlage unserer finanziellen Leistungen jene Bedingungen aufweben wird, die uns die für un■ Mtc Zwecke nötige Freiheit der Arbeit gewähr■ Listen. Die Möglichkeit, von den anderen großen jüdischen Organisationen oder von den Notabein “><■ großen Summen zu erhalten, die wir brauchen, haben wir gering eingeschätzt, und, wie sich zeigt, m'J R^ht. Alle die vielzitiertcn Gründungen, die jf11* dieser Grundlage seit dem Zerwürfnis mit Brandeis geschaffen wurden, haben bisher nur ver- ״wnistnäßig winzige!’Beträge zusammenbringen tkfnen' kh«b nur die von uns gewählte Mer V°de, die Aufbringung eines großen Fonds durch ®nc freiwillige Abgabe. Alle, die mit der Keren- 1*hjessodarbeit zu tun haben, haben die Ucberzcugewonnen, daß der elngeschlagcne Weg der nchtige ist. Das Geld ist da, der Wüte, cs dem /'^en Jdajes90d zu geben, ist vorhanden, das Volk ul für Palästina steuern, es fehlt aber die adä- HUate Organisation, um1 dem Willen den Weg zur «ishing zu öffnen. Das heißt aber, daß wir zur 1-׳urchführung der Aktion eines überaus breiten, weitausgedehnten Apparates bedürfen, mit anderen Worten, einer sehr großen Zahl von Beamten, Die enorme Arbeit, die darin bestellt, Hunderttausende von Juden in verlräUnismäßig kurzer Zeit persönlich anzusprechen und sie zur Abgabe großer Beträge für den Keren Haejssod zu veranlassen, kann nicht nebenher in einer gelegentlichen Arbeit geschehen. Sie verlangt die intensivste, hauptamtliehe Arbeit von Menschen, deren ganze Zeit und Kraft dieser Arbeit gehört. Es erhebt sich die Frage: Können wir uns diesen Apparat beschaffen? Wir wollen gleich festste 11cn: Wenn objektive Gründe es uns unmöglich machen, uns die Dienste von soviel Beamten zu!gewinnen, wie wir sie brauchen, ist das System unserer Finanzierung falsch. Die fünf Leute, die jetzt in Amerika sind, errcicheu in einer hingebungsvollen, bewunderungswürdigen Arbeit Großes. Sie kommen an einen Ort, bleiben dort ein bis zwei Tage und erlangen Beträge von 50000, 100 000 usw. Dollar. Sie ahren fort, und die Aktion schläft ein. Hätten wir statt fünf Leuten in Amerika hundert, so könnten wir nicht nur einige wenige ausgesuchte Orte an ein bis zwei Tagen bearbeiten, sondern allmähich alle jüdischen Gemeinden in Amerika dauernd. Wir könnten die zionistische Atmosphäre schaffen, aus der allein die materielle Leistung für Palästina geboren wird. Sind wir aber dauernd nicht imstände, uns vielmehr Leute als fünf für die Arbeit in Amerika zu beschaffen, so wird der Erfolg ungenügend sein, wir werden nur den kleineren Teil der Summen bekommen, die wir brauchen. Das gilt für alle Länder. Wir haben nur eine Wahl: entweder die weitestgehende Ausgestaltung unseres Beamtenkörpers, oder das Aufgeben unseres Finanzprogramms. Ich weiß, man scheut das Risiko, man hat Angst vor den Kosten. Aber es!ist klar, wenn wir die 25 Millionen Pfund aufbringen, die der Aufbau Palästinas braucht, ist es ganz gleichgültig, was das kostet. Aber wenn wir nur eine halbe Million Pfund leisten, ist auch der kleinste Prozentsatz der Kosten zu hoch. Darum mußte die Antwort der Exekutive lauten: ״Wir werden bewußt und systematisch darauf bedacht sein, den Beamtenstab der Organisation nach Möglichkeit zu vergrößern, um ihr die Schlagkraft zu verleihen, die die ungeheure Aufgabe verlangt.“ Es fragt sich, ob wir die Beamten bekommen können. Die bisherigen Resultate sprechen da gegen. Jenes System der Leitung, das unser Altmeister so unübertrefflich dahin kennzeichnet, daß es nur der Bereicherung der Beamten diene, hat nicht verhindern können, daß der Bearntenstab der Organisation sich dauernd vermindert, und daß cs immer schwerer oder fast unmöglich geworden ist, qualifizierte Beamte für die Organisation zu gewinnen. Trotzdem bin ich sicher, daß wir die Menschen finden könnten, die ideal genug veranlagt sind, ihre Arbeit, vielleicht ihre Lebensarbeit der Organisation zu widmen. Voraussetzung wäre: daß die Leitung und alle offiziellen Körperschäften sich unmißverständlich dahin ausdrückcn, daß sie den großzügigen Ausbau der zionistischen Beamtenschaft als eine zwingende Notwendigkeit betrachten und bereit sind, die Beamtenschaft mit allen Mitteln der Organisation zu schützen. Heute ist ein zionistischer Beamter vogelfrei. Wenn ein Nordau sich leisten darf, ihn mit Schmutz zu bewerfen, kann man sich vorstellen, was kleinere Götter zuwege bringen, Jeder, der heute vor der Frage steht, Beamter der Zionistischen Organisation zu werden, weiß, daß er damit seine Arbeit, seine ganze Existenz auf eine höchst unsichere Basis stellt. Die Bewegung hat bisher auf die skandalösen Angriffe der Opposition kaum reagiert, und der ״Doar Hajom“ in Palästina darf ungestört seine Schmutzflut verbreiten. Ich habe auf diese Redereien hin mich an Ort und Stelle erkündigt. Ich habe folgende Antwort erhalten: ... ״Da Sie meine Meinung zu hören wünschen, «0 will ich sie Ihnen sagen: Es ist hier ein durchaus unmwalisdre.׳ Zustand •cingerissen, indem man Lehrer tsnd andere Beamte so besoldet, daß sie nicht satt zu essen haben und in zerrissenen Kleidern und Schuhen gehen müssen. Ein paar Beamte — die, welche der ״Doar Hajom“ nennt und die zugleich die sind, weiche alle Rcpräscntattonsvcrpniehtungcn zu tragen haben, bekommen etwas mehr, aber auch׳ nur soviel, daß sie gerade existieren können. Als ich hierher kam, fand ich einen Haushalt, der bei allen Licft-rank*» tief verschuldet war, wo die Kinder in zerfetzter Wasche bcrumlicfen «sw. Jetzt habe ich das mit eiserner Energie und auch claatta Geschenken meiner Schwester geändert, aber noch immer wirtschafte ich mit einer Aufwärterin, die abends und am Sabbath nicht kommt, wir führen den denkbar einfachster» Tisch, und es kommt fast nie vor, daß ich mir auf dem weiten Wege vom Markt zu meinem Hanne einer« Wagen leiste. Die schwersten Körbe trage ich vom Markt selbst nach Hause, um 2 Piaster für den Träger zu sparen. Theater und Konzerte gibt es nicht, also gebe idi buchstäblich keinen Pfennig für mein Vergnügen aus. Auf diese Weise kann ich auskommen, eventl. sogar auf 10 Pf. des Gehalts im Monat verzichten. Aber wie könnt Ihr, die Ihr in Berlin, London oder Paris sitzt, verlangen, daß wir so ein Hundeleben führen? Wenn ich z. B. Frau EttLnger anschc, die durchaus keine schlechte, sondern eine sehr gute, nur ihren Kindern lebende Hausfrau ist - die steckt 90 in Schul» den, daß ihre Kinder mit Sicherheitsnadeln befestigt« Füßlinge an den kaputten Strümpfen tragen. Sie hat nämlich im Sommer drei Kinder und sich selbst monatelang ins Krankenhaus legen müssen, was über 150 Pfund gekostet hat, während wir ״nur“ 80 Pfund bezahlen mußten wobei m bedenken ist. daß ich, halb stcrbend, in der allgemeinen Station mit 11 Jemeniten-, Sephardcn׳• und anderen Weibern zusammenlag — wäre ich in eine Privatklinik gegangen, so wäre die Rechnung sicher drei Monatsgehälter groß gewesen. Also denen, die da meinen, daß wir die Organisation ungebührlich belasten, denen dürfen Sie ruhig diesen Brief zeigen. Auch die Sache mit den ״russischen Frauen“ stimmt gerade bei denen, um die es sich handelt, nicht. Fra»• Ettingcr, Frau Ussischkin und Frau Ruppin sind vorzügliche Wirtinnen. Und ich? Ich glaube, ich bin eine bessere Hausfrau^ als ich selbst je geahnt hätte. Infolgedessen will ich auch meinem Manne nach seiner Rückkehr Vorschlägen, auf ein paar Pfund zu verzichten. Allerdings nicht auf soviel, daß wir jahrelang beim Bäcker und Fleischer in Schulden stecken bleiben müssen Denn unter solchen häuslichen Bedingungen zu arbeiten, möchte kb meinen* Manne nicht zumuten. Der lustigste Angriff war übrigens! der gegen Ruppin — der hat nämlich seit dem 3. Mal keinen Pfennig Gehalt mehr angenommen. . . Diese Antwort stenunt von Hanna Helene Thon, von der ja einige Leute wissen, wieviel von ihrem Leben sie dein Zionismus und Palästina geopfert hat. Ich zweifle nicht daran, daß auch nur die deutschen Zionisten, die von Palästina aus sich an dieser Hetze beteiligt haben, sich zu keiner Ehrenerklärung werden bewegen, lassen. Sie werden einen Weg finden, den Standpunkt zu verschieben, sie haben Uebung in dieser Tätigkeit. Es ist klar, daß angesichts eines solchen Zu- Standes kein anständiger Mensch Beamter werden kann, auch die paar, die es noch sind, müssen allmählich, von Ekel ergriffen, den Platz räumen. Entweder setzt nunmehr eine systematische Beatntenpolitik der Organisation ein, oder die Sache ist nicht länger zu halten. Wie dies geschehen könnte, mag ein andermal dargelegt werden. Heute sei nur noch darauf hingewiesen (und dies ist angesichts der Ehrenhaftigkeit unserer Opposition nötig), daß nicht nur die Notwendigkeit, die Mittel in Palästina in der von uns beschlossenen Weise aufzubringen, den Ausbau unseres Beamten- Stabes verlangt. Tüchtige, qualifizierte Beamte fehlen uns heute an allen Ecken und Enden für alle Aufgaben, und sie fehlen nicht nur uns. Dieselben Organisationen, die man uns als Muster vorhält, versuchen uns diese Menschen wegzuangeln, über deren Wcltfremdhcit unsere Opposition nicht genug zetern kann. Es gibt da höchst interessante Belege. Das jüdische Volk hat keine Beamten, zum mindesten die nicht, die es für seine großen Aufgaben heute braucht. Die Zionistische Organisation, die der Entwicklung des jüdischen Volkes neue Wege gewiesen hat, die die Verantwortung für die Errichtung der natio* nalen Heimstätte in Palästina auf sich genommen hat, muß auch stark und weitblickend genug sein, um ihm den Apparat zu geben, dessen es bedarf, um dieser neuen Entwicklung teilhaftig zu werden. Das hätte die Leitung antworten sollen, und sie muß es noch tun, wenn sie nicht an sich und an der Aufgabe verzweifelt Julius Berger.