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Jüdische Rundschau · 1922-03-10 · Heft 20 (10.3.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 20 (10.3.1922)
Date
1922-03-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Alex i fi Wi״״״i Preig e,f |**5»עיי* »anstelle W• Sund!! ■ץ■ •"ך^-־״^ייח ך״ץ ^*•ךך־יך ייי״חיי׳ן N־־v־־?v־Y~*"“y r ן י7 /TN T /\ \ ./t Antwort an Lord Northdiffe — Freundschaftliche Zusammenarbeit mit den Arabern Wäret agericlitq :יתי הטה landelj 814/16). ומסבות 1 ס 0,00» ג5ג Voaft!Aar 7.-~ ' h, TB. H BUCH• BBECK• f 147« ■BUCk* ITB. I» '» Jß ׳— f, 4f0 Aus einer kurzen Meldung wissen unsere Leser, üß Sir Alfred Mond, britischer Kabincttsminister Vorsitzender des Wirtsdiaftsrates für Palästina, und Dr.Chajim Weizmann, Präsident der Zionistischen Weltorganisation, am 25. Februar in einer Versammlung in Oxford überaus bedeutungsvolle Reden gehalten haben. Wir sind in der Lage, im folgenden den vollen Wortlaiit dieser Reden in getreuer Uebcrsetzung wieder* «geben. Die Rede von Sir Alfred Mond Es ist heute das erste Mal, daß Ich Gelegenheit habe, in einer Versammlung in Oxford, diesem histotiseten Mittelpunkt des Studiums und der Kultur, zu iprcdicn. Lekler oder erfreulicher Weise bin ich selbst ein Cambridger Student; es ist mir sehr schmeichelhaft, &B ich dngcladen wurde, in einer Versammlung an der Sdwcstcruniversität zu sprechen. Ich möchte zunächst im voraus bemerken, daß ich nidit in meiner Eigenschaft als Mitglied von Seiner Majestät Regien mg, sondern als ein Jude spreche, der in diesem Lande geboren, stolz auf seine britische Staatsangchörigkcit und treu ergeben dem Lande ist, welches seit Jahrhunderten durch seine liberale Politik den Angehörigen unserer Rasse jede Möglichkeit geboten hat, ui dem nationalen Leben mitzuwirken. Und diese Mit* wirimng wurde, so scheint mir, immer mit größter Hin* jrbung, mit voller Großzügigkeit und mit der umfassenden Klugheit und Sympathie gewährt, die das Volk dieses Undes charakterisiert. Ich spreche auch nidit zu Ihnen wie jemand, der sich für cfie Frage, die wir heute er* ärtern wollen, nidit aus denselben Gründen interessiert wie so viele andere, weil diese Sache fern von ihm und seinem persönlichen Vorteil ist, weil seine Interessen anderswo liegen und ein Interesse an dieser Frage ilun persönlich Unannehmlidikeiten bereiten könnte. Ich würde midi als an Feigling ansehen, ganz unwert der Bürgerschaft, die ich besitze, wenn ich diesen Weg wählte. Die jüdische Rasse muß jene interessieren, die die Ehre haben, ihr anzugehören. Das Schicksal des jüdischen Volkes in der ganzen Welt kann die Herzen der Juden nicht gleichgültig lassen und darum habe ich, insbesondere seit der Entscheidung der Regierung im Jahre 1917, als Mr. Balfour seine historische Deklaration gab, cs für meine Pflicht als britischer Bürger und als Jude erachtet, diese Politik nach besten Kräften zu fördern. Es ist vielleicht nicht unzweckmäßig, angesichts der fielen Erklärungen, die ich in verschiedenen Teilen der Presse verbreitet finde, dieser Versammlung die Geschichte der Balfour-Deklaration ins Gedächtnis zu rufen und einen Augenblick dabei zu ',crwcilen, wo wir in dieser Frage stehen. Ich möchte «gen, daß ich in keinem Sinne verantwortlich für die felfour-Dcklaration war. In seinem Briefe an Lord Rolhrdiild vom 2. November 1917 erklärte Mr. Balfour im Namen der britischen Regierung, daß die britische Rcgicrung bereit sei, in Palästina ein jüdisches nationales Heim zu errichten, wo das jüdische Volk seine Fähig- Veiten entwickeln, seine Religion frei ausüben, wo es 1״'gehindert und ungestört sowohl seine Kultur entfalten, *19 auch einen friedlichen Lebensunterhalt erwerben könne, unterworfen nur der durchaus unerläßlichen Bedingung, <kß kein Eingriff irgendwelcher Art in die religiösen oder bürgerlichen Rechte irgend einer anderen Gemein* 9Hiaft geschehen dürfe, die zurzeit in Palästina wohnte ®kf irgendwann dort wohnen würde. Diese Erklärung war, so scheint mir, ein großer Akt staatsmännischer Weisheit und charakjuristisch für den großen Mann, der sie erteilte, einen ״er größten unter den lebenden britischen Staatsmännern, hatte den beabsichtigten und sofortigen Erfolg, mitten Weltkrieg eine gewaltige Summe jüdischer Sympathien 1״ den Staaten aller Weltteile auf der Seite der Verbün* deten zu vereinen, und obgleich ich weiß, daß viele denken mögen, diese Sympathie sei für ein so mächtiges *eich von geringer Bedeutung gewesen und daß die jVirkung der so gewonnenen Sympathie, oberflächlich gejr,cn> nicht sehr bedeutend war, so möchte ich Sic doch ״aran erinnern, dal die nächstgrößte fremde Bcvölkerjfngsgrappe in der! Vereinigten Staaten nach den Iren ״!Mische Bevölkerung ist und daß die Sympathie und nterstützung einer großen Schicht mit bedeutendem «nfluß auf die öftentiiehe Meinung damals nicht ohne ert war, als die Amerikaner daran gingen, sich im ücjfe mit den Alliierten zu vereinigen. Diese Sympathie ,*! auf Gemeinplätze beschränkt. Tausende von lTc™ *n Palästina, fit Amerika und sonst traten in die ״tMäie Armee ela und kämpften; etwa 4000 Mann traten in die Bataillone, die als ״Maccabeans“ bezeichnet ן wurden und an den Feldzügen teilnahmcn, und ein hervorragender Offizier, der ein britisches Kommando führte, gehörte der jüdischen Rasse an. Als ich in Amerika war, traf ich Juden, die im Weltkrieg gekämpft und geblutet hatten. Wenn jetzt jemand erklärt, jede damals gegebene Zusicherung sei ein Fetzen Papier, jene Politik solle liquidiert werden — und das erklären Leute, die keinen 1'Inger gerührt haben, um irgend eine derartige Aufgabe zu fördern — dann müßte diese Auffassung meiner Meinung nach nur für einen Augenblick beleuchtet werden, um zu beweisen, wie unfair sie ist und wie unfair cs wäre, Dir zu folgen. Man müßte gar nicht darauf hinweisen, daß die Balfour-Deklaration am 9. Februar 1918 von der französischen Regierung öffentlich gutgeheißen, am 8. Mai 1918 von der italienischen Regierung angenommen, vom Präsidenten Wilson im Namen der Vereinigten Staaten anerkannt, im Januar 1919 von der ägyptischen Regierung akzeptiert wurde, Somit haben die verbündeten Groß machte diese Deklaration zu ihrer Politik gemacht, und dies ist eine beachtenswerte Tatsachc. Als am 27. Februar 1919 die zionistische Dclegation ihren Appell an den Obersten Rat zu Versailles richtete, machten auf ihn die ihm vorgclegten Erklärungen einen tiefen Eindruck. Zur gleirihcn Zeit weilte in Vcrsaillcs noch eine zweite Delegation, König Fcisal, der Sohn König Husseins mit seinen wichtigsten Beratern, der unmittelbar darauf eine Erklärung veröffentlichte, wonach er sowie seine Kollegen die der Friedens* konferenz unterbreiteten Vorschläge durdiaus kennen und sie als maßvoll und angemessen betrachten. König Feisal, der heute König des ar,ibisdien Staates ist, hat mehr Recht, die Meinung der Araber auszusprechen, als einige Herren, die zufällig von einer Konferenz gewählt wurden, die niemand vertritt Im April 1920 fand eine Sitzung des Obersten Rates statt, und damals wurde beschlossen, daß Großbritannien ein Mandat für Paläs t i ת a erhalten sollte. Daher steht es niemandem andern frei, zu sagen: fort mit dieser Politik. Diese Politik ist ein Teil des Friedensvertrages, ein Teil der Politik den verbündeten Nationen, so fest und so unabänderlich wie irgend ein Teil irgend eines dieser Verträge. Die Frage ist auch schon über dieses Stadium hinausgekommen, da das Mandat entworfen und nidit bloß entworfen, sondern auch dem Rate des Völkerbundes unterbreitet wurde; und damit ist die Frage auch sdion über den Machtbereich der alliierten und assoziierten Maditc hinausgekommen in die noch weit höhere Sphäre des Völkerbundes, und! wenn es auch richtig ist, daß das Mandat vom Völkerbundc noch nicht ratifiziert wurde, so hat der Rat des Völkerbundes doch der britischen Regie* rung offiziell mitgeteilt, er wünsche, daß sieilireVerwaltunginPalästinaaufOrund der im Mandat niedergeiegten Bestim* m 11 n g e n f o r t f ü 11 r e. Es gibt zwei Möglichkeiten der zu befolgenden Politik: die eine ist, das Mandat durchzuführen, die andere, cs dem Völkerbunde zu Füßen zu legen und ein anderes Mandat zu verlangen. Damit würde die ganze Theorie und Lehre von den Mandaten Zusammenstürzen. Das Mandat würde nidits anderes werden, als ein verkapptes Mittel der Annexion. Das Mandat wurde auf Grund der klaren Zusage erteilt, daß dort ein jüdisches nationales Heim geschaffen werden solle, und man kann kein Heim gründen, wenn man den Juden nidit erlaubt, hinzugehen. Das Land muß dem Volke übergeben werden, und eine gegenteilige Maßnahme könnte vor einer Körperschaft wie dem Völkerbunde nidit begründet und aufrecht erhalten werden. An diesem Punkte möchte ich sagen, daß es noch andere Staaten gibt, außer dem britischen, die das Mandat für Palästina hätten erhalten können. England war nicht das einzige Land, das das Mandat hätte übernehmen können. Es gab noch andere Staaten, die stolz gewesen wären, das Mandat zu übernehmen und auf Qrund der Bestimmungen der Balfourdeklaratio n durchzuführen, doch glaubten sie fest an das Wort der britischen Regierung und an das Wort des britischen Volkes und wünschten, daß Großbritannien das Mandat übernehme. Dieser Umstand sollte allgemein bekannt und allgemein verstanden werden. Denn wenn das britische Volk beschließen sollte, das Mandat sei zu schwer und stelle im Widerspruche mit seinen fnteressen, dann sollte c3 das Mandat vor der Völkerbund Versammlung iiicdcriegen, damit diese fest stellen könne, ob eine andere Macht bereit sei, es zu übernehmen. Es ist mir nicht bekannt, daß von seiten der Regierung die geringstc Absicht bestehe, sich irgendwie des Mandats zu entledigen. Es ist mir im Gegenteil bekannt, daß der Kalonialsckrctär (Churchill) im Jahre 1921 in einer Ansprache an eine Deputation aus Jerusalem eine offizielle Erklärung abgab, in der er sagte, ״ich erachte Ihre Ansprüche als ganz einseitig und unrichtig. Sic verlangen von mir, daß ich die Baifourdeklaration abtehnen soll Das steht nicht in meiner Macht und ist auch nicht mein Wunsch. Die britische Regicrung hat durch Mr. Ballour ihr Wort verpfändet“ Sir George Clark, der britische Gesandte in Prag, erklärte im September 1921 (bei der Begrüßung des Karts* bader Kongresses. Die Red.): ״Vielleicht habe ich ein ganz besonderes Recht hier ein paar Worte zu sprechen, da ich die Ehre habe, die Regierung Seiner Britischen Majestät in diesem Lande zu vertreten. Ich möchte die Deklaration meiner Regierung vom 2. November 1917 wiederholen“; worauf er die Worte der Baifourdeklaration von der Tribüne des Zionistenkongresses aus nochmals verkündete. Im Januar 1922 sagte Mr. Balfour bei einem zionistischen Empfang in der britischen Botschaft in Washington: ״Die Juden müssen hier ihre Arbeit tun, Großbritannien tut das »einige in Palästina. Beide müssen an diesem Werke Zusammenarbeiten.“ Das ist der wahre Sachverhalt, und wenn jemand glaubt, daß die britische Regierung oder das britische Volk auf einen bloßen Paukenschlag hin, auf Schauertelegramme ,über Informationen anläßlich eines hastigen Besuchs bei Serenissimus (gemeint ist natürlich Northdiffe. Ke Red.), der seine telegraphischen lnstruktionen darüber gab, was England binnen fünf Minuten zu tun hat, — wer glaubt, daß daraufhin die britische Regierung und das britische Volk ״Kehrt“ machen werden, der weiß nidits von der Wirklichkeit Vor etwas mehr als einem Jahre hatte ich das Vergnügen, kurze Zeit in Palästina zu verbringen. Ich war nur drd Wochen dort, und wenn ich auch so ziemlich das ganze Land während meines Aufenthalts besuchte, kann ich natürlich keinen Anspruch darauf erheben, mit der Autorität jemandes zu sprechen, der 48 Stunden dort war und das Problem erforschte. Als fch nach Palästina ging, fragte ich midi staunend, ob es möglich sein würde, etwas in diesem Lande zu schaffen, ob die Idee nicht ein schöner Traum des Zionismus sei; ich fragte mich, ob es irgendwelche wirtschaftlichen Möglichkeiten gäbe, ob jemand in diesem Lande leben könne, ob es wirklich wert sei, wieder bevölkert zu werden, und welches cfie Vorbedingungen dafür seien. Ich ging hin, gleich bereit, mich überzeugen zu lassen, daß der Zionismus ein unerfüllbarer, törichter Traum sei, wie, daß er zu vcrwirklidien sei. Man hatte mir erzählt, das Land sei ungastlich, wüst, wertlos. Wie vielleicht mancher von Ihnen weiß, habe idi einen großen Teil meines Lebens an eine nicht erfolglose geschäftliche Laufbahn gewendet, und so kann meine Meinung vielleicht mitzählen, ich finde, daß Palästina viel mehr von einen» Mittelmeerland als von einem orientalischen Land hat. Es erinnerte mich stark an Sizilien, viel mehr an Sizilien und Südspanicn als an Algier, das ich auch kenne. Es ist im Wesen ein Europäerland. Ein großer Teil des Landes ist seit Jahrhunderten verwahrlost Es gleicht einem großen Landgut das in Verfall geraten ist Alle Arbeiten, die dort unternommen wurden, haben sehr rasch bewiesen, daß eine beträchtliche Bevölkerung dort eine große Zukunft hat, die auf dem Lande lebt das Land bearbeitet und ein glückliches Leben in einem der schönsten Länder fiihren will, die ich jemals das Glück hatte zu besuchen. Wenn Sie heute nach Palästina kommen, finden Sie dort Schulen, Volksschulen, höhere Schulen oder Gymnasien und technische Schulen, alle mit den nötigen Lehrern und einer großen Anzahl von Schülern. Sie finden, daß das Geld für diese Schulen von Juden in der ganzen Welt aufgebracht wird. Wenn Sie heute nach Palästina kommen, finden Sie, daß eine Anzahl von Spitälern zum Nutzen der ganzen Bevölkerung Palästinas unterhalten wird, und Sie werden fragen, was das für ein Sanitätsdienst ist. Es ist der jüdische Sanitütsdienst, unterhalten von der Zionistischen Organisation. Wenn Sie nach Palästina kommen, haben Sie vielleicht Gelegenheit, das landwirtschaftliche Institut zu sehen, in welchem alle Arten von Untersuchungen durchgeführt werden. Es entspringt der Freigebigkeit der jüdischen Gemeinschaft in Frankreich, die es vor vielen Jahren errichtet hat Alle diese Versuche nützen dem Staate,

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