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Jüdische Rundschau · 1922-03-03 · Heft 18 (3.3.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 18 (3.3.1922)
Date
1922-03-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Postspsrkssaanamt Wien, Konto Nr. 156 030. Für T*rb־>־׳botlow»kp|; P4i»tsp«rketj»fnemt Pr•*, Konto Nr. 154050b — kedtklionsstjiiuS Sooul•* und Miilwodb osobmiU«*. —- ג׳ אדר׳ הרפ״ב | xxvn. jahrg. imwwi»■ ■׳ווי,<m<im״■ vn ■»■mi. I9elmstatte In Palästina. ״Baseler Programm". ftrben Tel.: 73: in unsere Einzelabonnenten In Deutschland! Wir verstand gen unsere direkten Abonnenten 1jn Deutschland hierdurch davon, daß die Abonnementsgebühren für das 2. Quartal 1922 auf 25 M. (bei Zustellung durch Streifbandsendungen 40 M.) festgesetzt worden sind. Der Portoersparnis halber bitten wir diese Abonnenten hierdurch drin- ״endst um sofortige Ueberweisung der Abonnementsgebühren, damit wir die Antneldung für das 2. Quartal rechtzeitig, d. h. bis mm 10. März d. J., vornehmen können. Wir machen darauf aufmerksam, daß wir bei allen denjenigen Abonnenten, von denen wir den Abonnementsbetrag nicht bis zum 8. März erhalten and von denen uns keine Abbestellung zugeht, den Betrag per Nachnahme einzichen werden. Die Abonnenten, die dem Sammelabonnement einer Ortsgruppe angehören, entrichten die Abonnementsgebühren nicht an uns, sondern an den Schatzmeister ihrer Ortsgruppe. Verlag Jüdische Rundschau Berlin W 15, Sächsische Str. 8 Postscheckkonto: Berlin 17 392. fffirei A. D. Gordon •ingerlebu »dte mg. len. isw. Wie aus Jerusalem vom 25. Februar gemeldet wird, ist der hebräische Arbeiterschriftstcllcr A. D. Qordon in Jaffa üifolgc einer Lungenentzündung gestorben. Oordon, der vor kurzem in Wien weilte, um die Aerzte zu konsultieren, ist schon damals als hoffnungslos krank erkannt worden und kehrte von Wien nach Erez-lsrael zurück. Er hat ein Alter von 65 Jahren erreicht. Zu seinen letztwilligen Verfügungen gehört der Wunsch, daß innerhalb eines Jahres jeder Nachruf unterbleibe. Mit tiefem Schmerz wird die ganze zionistische Welt die Nachricht von dem Tode dieses einzigartigen Mannes aufnehmen. Wir fügen uns dem im zitierten Telegramm erwähnten Wunsch des Verstorbenen, von einer Würdigung seiner Perfönlichkcit abzusehen. Für alle, die ihn gekannt haben, wird er unvergeßlich bleiben. Für das neue Judentum, das sich zu neuem Menschentum durchringen will, wird seine ehrfurchtgebietende Gestalt ein ewiges Symbol bleiben. Audi ohne viele Worte wissen wir, was das zur Erneuerung strebende jüdisch-e Volk an diesem Menschen besessen und was «mit ihm verloren hat : Arabische Drohungen Reuter verbreitet nachstehende Meldung: Die palästinensisch-arabische Delegation, die gegenwärtig in London weilt, hat Reuters Agentur mitgeteilt, daß sie von ihrem Hauptbüro in Jerusalem ein Tele-!ramm bekommen habe, das den Ernst der Situation l״ Palästina schildert. Es wird hinzugefügt, daß diese schwierige Situation durch die unaufhörliche Eiinvaiidc- ,*ff von Juden und durch den Schmuggel von Feuer- Waffen seitens jüdischer Agenturen entstanden ist. Unter dm Arabern herrsche große Aufregung, die noch er- «5ht wurde; durch den Freispruch jenes Rosenberg, *" welchen die 96 Kisten mit Revolvern und Munition, ך jüngst von den Zollbeamten in Haifa beschlag- ™,mt wurden, adressiert waren. Das Telegramm fahrt fort: ״Die Nation hat alle Hoffnung auf Gerechtigkeit »crioren. Die Juden bringen Waffen in großen Mengen '5® Land. Zionisten attackierten orthodoxe Juden am -»nnabend bei der Mcchiawiesynagogc, viele wurden vcrliaftct, aber später freigelassen, ln derselben Nacht p,. es Streit in allen Synagogen. Der Friede in alästina ist bedroht, solange nicht der jüdischen Ein- Wanderung Halt geboten wird, der schon die Ankunft j׳°n 25000 mittellosen Flüchtlingen aus Polen, Ruß- ״nd und Zentraleuropa, welche alle mit dem Geist 9»״ Bolschewismus behaftet sind, zuzuschreiben ist ~l״c strenge Ueberwachung muß auch gegen das Ein- *aimuggeln von Waffen eingeführt werden.“ «Das moslemisch-christliche arabische Komitee, — ״ schließt das Telegramm, — appelliert an die britische ation, und macht die Verwaltung verantwortlich für die Vorgänge im Heiligen Lande.“ RW. Berlin, 1. März. Die letzten Meldungen, die von Amerika herüberkommen, zeigen einen erfreulichen Aufschwung der dortigen Keren Hajessod-Aktion. Es ist für uns unmöglich, alle die zahlreichen Berichte, die zum Teil interessante Einzelheiten enthalten, wiederzugeben. Auf unserem Redaktionstisch liegen Berge amerikanischer Zeitungen aus allen Städten Amcrikas, die in riesigen Lettern die Ankunft der zionistischen Delegation in Aussicht stellen, dann die Ankommenden begrüßen und schließlich über die Resultate ihrer Tätigkeit berichten. Ueberall sehen wir Bilder Sokolows, Warburgs, Jabotinskys und anderer zionistischer Persönlichkeiten. In manchen Städten hat der Empfang und der Erfolg alle Er- Wartungen übertroffen. Dazu gehört z. B. Philadelphia, wo es der Sokolow-Detcgation gelungen ist, das dortige Judentum in einem ungeahnten Maße mitzureißen. Besonders erfreulich ist es, daß, nach den Berichten zu schließen, die Arbeit einen planmäßigen und systematischen Charakter ange* nommen hat. Die Delegation findet einen großen Stab von Mitarbeitern im Lande selbst, und die Keren Hajcssod-Bewcgung ist heute schon vielleicht die populärste jüdische Sache Amerikas. Es erweist sich die Richtigkeit von Weizmanns Annähme, daß bei intensiver systematischer Tätigkeit auch Amerika für den Gedanken des Keren Hajessod und des Maasser sich reif zeigen wird. Die Einnalunen haben in der letzten Zeit eine aufsteigende Linie eingchalten. In der letzten Zeit wurde ein Rekord erzielt, indem in einer einzigen Woche 25 000 Pfund nach Palästina überwiesen werden konnten. Erhalten sich die Sammlungen auf dieser Höhe, dann wird nicht nur das sögenannte kleine Budget, sondern auch das von dem Kongreß aufgestellte große Budget von l»/a Milk Pfund für dieses Jahr gedeckt werden können. Es wäre dann die Möglichkeit vorhanden, nicht nur den gegenwärtigen Bestand in Palästina zu sichern, sondern auch einen entsprechenden Teil der Keren Hajcssod-Geldcr in neuen Anlagen zu investieren, die dem palästinensischen Wirtschaftsleben einen Aufschwung geben und die Möglichkeit einer neuen Einwanderung von Arbeitskräften bieten würden. Jetzt steht erst der große Drive in New York und Chicago bevor. Die Parole ist die Aufbringung von 9 Millionen Dollar. Wenn auch die heißen Sommermonate zweifellos wieder schwächere Resultate bringen werden, so kann doch noch vor Eintritt der Hitze der wesentlichste Teil der Aktion beendet sein. Dann bleibt noch dafür zu sorgen, daß diese Einnahmen ständige Einnahmen bleiben, damit die Kontinuität der Arbeit aucli für die kommenden Jahre gewährleistet ist. ׳**״ ¥ Es ist wiederholt von nichtzionistischer Seite gegen die Keren Hajessod-Sammlung die Einwendüng erhoben worden, daß eine Sammlung für Palästinazwecke in einem Augenblick unmöglich sei, wo das Judentum der Galuthländcr selbst im höchsten Maße der Hilfe bedarf. In Deutschland z. B,, so heißt cs, könne für Palästina nicht gesammelt werden, solange die Institutionen des deutsehen Judentums darniederliegen und des Wiederaufbaus bedürfen. Diese Argumente haben nur für oberflächliche Betrachtung einen Schein von Riehtigkeit. In der Praxis wird sich das gerade Gegenteil zeigen. Die heutige Zeit des materiellen Egoismus ist nicht danach angetan, Menschen um kleiner Dinge willen zum Geben zu veranlassen. Es bedarf erst des großen Anstoßes, der großen Erinnerung an die Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft, die das dauernde Prinzip gegenüber dem Vcrgängliehen des Einzellebens repräsentiert Die Aufforderung, für Sicherung und Zukunft der Gemeinschaft, für ihre Ehre und ihre kulturelle Leistungsmöglichkeit Opfer zu bringen, wird von keinem Juden dahin verstanden werden können, daß sie ihn von seinen Verpflichtungen in seinem engeren Lebenskreise be- I freit. Vielmehr wird gerade durch diese an jeden! einzelnen herantretende Aktion der Gemeinschaffssinn geweckt und wird auch darüber hinaus lebendig bleiben. So paradox es klingt, so kann doch gesagt werden, daß eine Judenheit um so mehr für ihre lokalen und für Hilfszwecke aufbringen wird, je mehr sie für den Keren Hajessod zu gebe• bereit ist Ein interessantes Beispiel hierfür bietet uns wieder Amerika. Die uns vorliegende Nummer des ״Jcwish Exponent“, Philadelphia, verherrlicht in ihrem Leitartikel die Leistungen des Philadelphiaer Judentums bei der Aktion des Joint Dis tribution Committee. Die Zeichnungen haben eine Million Dollar überschritten. Wieder haben die Juden von Philadelphia, so schreibt das Blatt, sich selbst übertroffen, trotz all dem Gerede von finanziellcr Depression und trotz der großen Summen, welche sie in den letzten Monaten für andere, ebenso gute Zwecke gegeben haben. Gerade Philadelphia war es, das auch auf den Keren Hajessod-Appell am bereitwilligsten reagiert hat. Der Keren Hajessod war aber kein Hindernis für die Unter* Stützung anderer Zwecke. So wird es in der Praxis immer sein, wenn nicht eine bewußte Agitation, die dem Keren Hajessod schaden will, auch ihre eigenen Zwecke diskreditiert. Die von uns an anderer Stelle veröffentlichten Ausführungen des Herrn Dr. Thon sind von großem Interesse für die Beurteilung der letz.ten Geschehnisse in Palästina. Dr. Thon ist ein Mann, dessen Kenntnis der Verhältnisse wohl nicht bezweifelt werden kann. Aus seinen Ausführungen geht klar hervor, daß es eure Irreführung der öffentliehen Meinung ist, wenn heute von einer Seite, die nicht unbeeinflußt ist von unseren politischen Gegnern, die Orthodoxie gegen die Zionisten ausgespielt und behauptet wird, die orthodoxen Juden Palästinas lehnen selbst die Errichtung der nationalen Heimstätte ab. Wir wissen, daß dej ,alte Jischuw vor dem Kriege sich durch keine besondere politische und gesellschaftliche Reife ausgezeichnet hat Das eine aber hat er verstanden, daß damals, als die erste Kunde von den neuen Hoffnungen und Möglichkeiten im Lande auftrat, als die Zionistische Kommission ankam, daß es hier um die Sache des gesamten Judentums ging. Auch die Orthodoxie des alten Jischuw hat mit Begeisterung den Gedanken der Schaffung einer nationalen Heim- Stätte aufgenommen. Allerdings scheinen besonders diese Menschen, die in weitabgewandter Beschränktheit aufgewnehsen sind und wenig politische Urteilsfähigkeit besitzen, ein geeignetes und willfähiges Werkzeug in den Händen jedes Charlatans zu sein, der ohne jedes Verantwortungsgefühl sich durch eine politische Demonstration, von der er einen momentanen Freundlichkeitserfolg sich verspricht, hervortun will, ln einem Volke, das so wenig politisch konsolidiert ist wie das jüdische, können solche Menschen wirklichen Schaden bringen, weil cs wahrscheinlich für den englischen Zcitungsleser in London schwer ist, selbst zu beurteilen und zu entscheiden, was eigentlich in Jerusa lern vorgeht und wer in Wirklichkeit hintereiner solchen orthodoxen Deputation steckt Aus der Darstellung Dr. Thons geht hervor, daß niemand hinter dieser Deputation steht, sondern daß es sich um den Streich einiger unzurechnungsfähiger Eigcnbrödlcr handelt. Darüber müßte doch in der Oeffentüchkeit Klarheit geschaffen werden. Während diese Nummer in Druck geht, ist es noch nicht bekannt, ob die Assefath Haniwcharim, die Delegiertenversammlung des palästinensischen Judentums, die am 20. Februar zusammentreten sollte, wirklich stattgeiunden hat Es liegen hierüber jedenfalls keine Nachrichten vor, so daß angenommen werden kann, daß die Tagung nicht zustandegekommen ist Für diese Auffassung sprechen auch die bereits von uns veröffentlichten Meldüngen, daß die Orthodoxie einschließlich des Mis» rachi beschlossen hat, sich nicht an der Versammlung zu beteiligen, solange nicht das Frauenwahlrecht abgeschafft ist. Als Rumpfparlament wollte man offenbar gerade jetzt die Versammlung nicht abhalten. Die Assefath Haniwcharim hat ihre erste Session im Herbst 1920 abgehalten, die zweite Session war für Pessach des nächsten Jahres in Aussicht genommen, mußte aber wegen der Mai- Unruhen und politischen Wirren unterbleiben. So ist der Zusammentritt immer wieder verschoben worden, und dringende Angelegenheiten der jüdischen Gesamtheit Palästinas blieben unerledigt, 1 I

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