Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 16 (24.2.1922)
- Date
- 1922-02-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Poataperkataenamt Pr•!, Konto Nr. 154»05& —■ KedekUooaatJiluß Sonnte! und Mittwoch ■ecbmiU«!• — ""?כס״י^בטי^ירורס fxxm.Jahrgl"" rZlonismua omtrobt tür das jüdische Volk die Schäftung einer öffontlich-rcchtllch gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm“. « LciP'J,־ *kr ft ״ Jer411(!״״|Ä ’ Abnil■»״ J Oohurt*• fc!mukk/1h• LA SC ר/!,, JUk KiaJ Unter starker Beteiligung hat am 21. Februar im Hotel Kaiserhof in Berlin die konstituierende Sitzung des Keren Hajessod (Jüdisches Palästina- Werk) E. V. stattgefunden. Nach einer Begrüßungsansprache des General- Konsuls Landau berichtete Dr. Hantke über die Lage der Keren Hajcssod-Aktion in der Welt, wobei er besonders auf die deutschen Erfolge und Pläne einging. Hierauf wurde zur Wahl des Präsidiums geschritten, in dessen Händen die Leitung des Keren Hajessod liegt Unter starkem Beifall wurde Herr Oskar Wassermann, Direklorder Deutschen Bank, zum Vorsitzenden da Präsidiums gewählt. Die Wahl der s te 11 ve rtretenden Vorsitzenden fiel auf die Herren Generalkonsul Landau und Dr. H a n t k e. Bei der Uebcrnahme seines Amtes betonte Direktor Wassermann, daß seine Tätigkeit innerhalb des Keren Hajessod den deutschen Juden eine Gewähr für den unparteiischen Charakter des Palästinawerkes bieten könne, da er außerhalb jeder Partei stehe und lediglich dem Aufbaugedanken diene. Wir glauben hinzufügen zu können, daß das deutsche Judentum Ln der Tatsache, daß Wassermann die Leitung der deutschen Keren Hajessod- Aktion übernommen hat, nicht nur eine politische Garantie, sondern noch mehr einen Beweis dafür sehen wird, daß der Aufbau des Landes Israel auch erfolgreichen Wirtschaftsführem aussichtsreich erscheint. Es erfolgten weitere Wahlen in das Präsidium und das Zentralkomitee, über deren Ergebnis wir noch berichten werden. Der Aufm! der bayrischen Juden Die bayerische Judcnheit hat sich mit wenigen Ausnahmen in bemerkenswerter Einmütigkeit der Aktion für den Keren Hajessod angcschlossen. Ihre Führer, die Leiter des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden, die Vorsitzenden der großen Kultusgemeinden, haben — freilich nicht als Vertreter ihrer Körperschaften — gemeinsam' mit den Mitgliedern der zionistischen Keren Hajessod- Komitees, einen Aufruf an die bayerischen juden erlassen, der sie zu Leistungen für das poße Werk auffordert, die der Bedeutung der Aufgäbe entsprechen. Man kann wohl sagen, daß damit der Keren Hajessod in Bayern zu einer Angelegenheit geworden ist, die dem Streit der Parteien.und Richtungen entrückt, der tätigen Unterstützung aller Juden gewiß sein kann. Den in bayerischen Gemeinden gegründeten Keren Hajessod-Komitees gehören an: ln Bamberg: Rabbiner Dr. Eckstein, Julius Strauß, Bankier Julius Wassermann, in Bayreuth : Rechtsanwalt Dr. Klein, Vorsitzender der Kullusgemeinde, Rabbiner Dr. Salomon, Dr. Steinberger, in Coburg: Prediger Hirsch, in Erlangen: Adolf Dreyfuß, Vorsitzender der .Kullusgemeinde, Lehrer Katz, Ingenieur Will- Städter, in München: Rabbiner Dr. Baerwald, Julius1 Basch, Geh. Justizrat Professor Dr. Frankenbürg er, Kommerzienrat Sicgmund Frankel, Gberlandcsgcrichtsrat Dr. Alfred Neumeyer, Michael Nußbaum, Amtsrichter Dr. Schacier, Oberstlandesgcrichtsrat ׳ Professor Dr. Silberschniidt, Rechtsanwalt Dr. Straus, Siegmund A. Weil, in Nürnberg: Dr. I. Bamberger, Rabbiner Dr. Freudenthal, Geh. Justizrat Dr. Siegmund Held, Dr. Walter K o h n, Kommerzienrat Ludwig Metzger, Dr. Meinhold Nußbaum, Oskar Rosenfelder, Ludwig Rosenzweig, Rechtsanwalt Dr. Sinauer, Rechtsanwalt Dr. Siegfried Strauß, in Starnberg: Arnold Zweig, in Würzburg: Adolf Braunschweiger, Justizrat Dr. Haas, Vorsitzender der Kullusgemeinde, Dr. S. Nürnberg. Ein Rekord des Keren Hajessod In Amerika New York, 19. Februar. (J. C. B.) Der Monat Januar stellt einen Rekord an Eingängen für den Keren Hajessod in den Vereinigten Staaten dar, da in diesem Monate 302 000 Dollar in bar eingeflossen sind. Dieser Betrag stellt das Doppelte des Monats Dezember und das Achtfache des Monats Oktober 1921 dar. Auch an schriftlichen Verpflichtungembedeutet der Monat Januar einen Rekord von 90 0/0 gegenüber den früheren Monaten, da in diesem Monat die sogenannten ״pledges“ (Verpflichtungen) mehr als 700000 Dollar ausmachen. «i»‘1 jämjiu' ««י o»Wia. Tagung der jüdischen Kowno, 18. Fcbr. (J. C. B.) Der zweite Kongreß *kr jüdischen Gemeinden Litauens wurde vorn Vize- Präsidenten des jüdischen Nationalrates, Dr. Rachthi- Rwitsch, unter großen Feierlichkeiten eröffnet. Am Kongreß nehmen Vertreter der Regierung in besonderen ’odorierten Logen teil. Es fanden sich auch eine Anralil angesehener jüdischer Gäste aus dem Auslande to, die der wichtigen und interessanten Tagung bei- »,olmen wollen. Dr. Rachmilewitsch wies in seiner Er- "Ifnungsrede auf die außerordentliche Wichtigkeit der tfücnwärtigcn Tagung hin, der die historische Aufgabe «fällt, die nationale Autonomie der litauischen Juden- Wt zu organisieren. Die Konferenz stelle eine gesciz- "täßige Versammlung dar, die die mit der jüdischen; Autonomie zusammenhängenden Funktionen zu bestim- ״!en habe. In bezug auf Wilna kann die litauische Judcnheit niemals ihre Lostrenmtng von der jüdischen wölkerung Wilnas anerkennen, diese große jüdische '8pug betrachte sich vielmehr solidarisch mit dem Wilnaer Judentum, welches zusammen mit dieser Koncr«1z die ungeteilte jüdische Bevölkerung Litauens re- »8׳sentiert. Der Konferenz kamen zahlreiche Begrüßun- »W! so auch vom neuen litauischen Minister- [/8?identen, Galganowski, zu, der in seinem /5?rüßungsschreibeti dem Kongreß mitteilt, daß die Mi- 0^,ütsrechte sowohl für die jüdische Bevölkerung als y! L"lr andere nationale Minderheiten in der litauischen Fassung gewährleistet sein würden, was als Vorbild für tr!) ant'e?cn Länder gelten werde. Der litauische Vcr- «er be! <jer Völkerbundkommission in Wilna über- ^ente dem Kongreß eine Begrüßungsbotschaft der ,gen jüdischen Gemeinde. Dr. Helmann begrüßte ״־■Kongreß im Namen, der lettischen Judcnheit sowie 5. Na1״cn der jüdischen Deputierten im lettländischcn f®• fitere Begrüßungen sind clngelaufen: vom Präsidenten der Zionistisdicn Weltorganisation, Dr. Weizmann, vom Vorsitzenden des Zionistischen Aktionskomitces, Oberrabbiner Dr. Chajes, vom Komitee des amerikanisch-jüdischen Kongresses, von den jüdischen Nationalrutcn in Bulgarien und in der Tschechoslowakei, sowie von vielen anderen Organisationen und prominenten jüdischen Persönlichkeiten, Hierauf ergreift das Wort der Minister für jüdische Angelegenheiten, Solowcitschik. Er beginnt seine Rede hebräisch und setzt sie dann jüdisch fort. Er dankt vor allein der litauischen Regierung und ihren Vertretern für ihre Begrüßungen, die der wahre Ausdruck freundschaftlicher Gesinnung des litauischen Volkes für seine jüdischen Mitbürger sind. Die litauische Juden!• heit habe gegenwärtig der jüdischen GesdtMite ein! neues Blatt geschenkt, welches beweisen soll, daß das Judentum auch in der Diaspora im Sinne seiner nationalen Ideale lebe und an dem; Ausbau der eigenen Kultur arbeite. Dank den Bemühun* gen der jüdischen Gesellschaft und dem Verständnis der litauischen Regierung ist cs dem litauischen Judentum gelungen, die Grundlagen der nationalen Autonomie sicherzustellcn. Aufgabe des Kongresses ist es, für den weiteren Ausbau dieser Autonomic Sorge zu tragen. Zu Beginn der zweiten Sitzung gibt Dr. Rosenbäum eine persönliche Erklärung ab, daß er auf sein Mandat verzichte, jedoch als gewesenes Mitglied des Nationalrats an der Tagung mit beratender Stimme tcilnehmen werde, Die Demokratische Fraktion hat eine größere Deklaration ausgearbeitet, in der sie die Grundprinzipien( ihrer Stellungnahme zur jüdischen Nationalautonomie und zu den Fragen des Wiederaufbaus der litauischen Juck», heit wie auch zur Fiüchtüngsfntgc fcstlegt. 3SSSI•■• Die Finanzierung des Palästinawerkes Von IsraelCohen, London. Vor einigen Tagen bat das Londoner Bankhaus Rothschild zur Subskription auf eine etwas mehr als anderthalb Millionen Pfund befragende Anleihe der Regierung von Chile aufgefordert. Die Antwort der Oeffentliclikcit war so prompt und weitgehend, daß die Subskriptionslisten bereits anderthalb Stunden nach ihrer Auflegung geschlossen werden mußten, da der Betrag bereits mehrfach überzeichnet war, und lange Reihen von Anwärtern, die in den Straßen anstanden, sowie Tausende, die ihre Anmeldung per Post eingeschickt hatten, wurden enttäuscht. Diese bemerkenswerte Bereitwilligkeit einer großen Menge von Leuten, ihr Geld dem südamerikanischen Staat zu borgen, war durch keinerlei Motive der Zuneigung oder Dankbarkeit veranlaßt. Die große Mehrheit der Subskribenten hat, so kann man mit Sicherheit annchmen, niemals dieses Land gesehen, hat auch nicht die Absicht, es jemals zu sehen, ist vielleicht nicht einmal ganz im klaren über seine geographische Lage. Das Motiv, das sie veranlassen konnte, ihr Geld so bereitwillig zur Verfügung zu stellen, war ein einfach kaufmännisclics: der Wunsch, 7J/2°/0 Zinsen für ein Kapital zu erhalten, das sie mit 95 kaufen konnten, bestärkt durch das Wissen, daß ihre Einlagen durch die reichen Ressourcen eines gut organisierten und fortschritt* liehen Staates gesichert sind. Es war dieser natürliehe (Wunsch nach Gewinn, vermehrt zweifellos auch durch den Ruf des berühmten jüdischen Emissionshauses, das zu dein großherzigen und spontanen Angebot von 71/2 Millionen führte, obwohl nur etwas über 11/2 Millionen verlangt worden waren. Der so leicht aufgebrachte ßctrag entspriehl beinahe genau dem Budget, das vom Zionistenkongreß in Karlsbad für den Aufbau Palästinas für die nächsten 12 Monate angenommen wurde. Es war das größte Budget, das jemals einem Zionistenkongreß vorgelegt wurde, denn kein vorhergehender Kongreß stand so unmittelbar vor dem Problem des Aufbaus Palästinas als jüdisches Land. Die Diskussion der einzelnen Punkte wurde bekanntlich auch noch von aufgeregten Szenen begleitet: die Delegierten aus Palästina z. B. forderten eine Erhöhung der Posten für die Schulen, die landwirtschaftlichen Sachverständigen waren ge-, teilter Meinung über den Vorschlag eines Versuchs mit intensiver Kolonisation, während viele Delegierte forderten, daß die Chaluzim1 aus Zentral- und Osteuropa entsprechende finanzielle Unter- Stützung für ihre Vorbereitung und ihre Reise erhalten. Aber schließlich wurde das Budget in seiner Gesamtsumme von 1506000 Pfund unter Beifallsstürmen angenommen. Es war ein Markstein in der zionistischen Geschichte. Aber obwolü der Kongreß darüber entschied, wie dieses Geld verwendet werden soll, wußte er doch ganz gut, daß das Geld noch nicht vorhanden war. Er hatte ein Budget aufgestellt nicht auf Grund eines vorhandenen Fonds, sondern auf Grund von Hoffnungen. Aber die Hoffnungen von Karlsbad sind bisher nicht erfüllt worden. Mehr als vier Monate sind bereits verstrichen, aber nicht einmal ein Viertel der geforderten Summe ist bisher beschafft worden. Die Subskriptionslisten, welche sofort nach dem Kongreß in allen Ländern aufgelegt wurden, stehen noch offen, aber das wäre ein kühner Prophet, der Voraussagen wollte, daß der geforderte Betrag selbst nach Verlauf von 12 Monaten überzeichnet sein wird. Die Zionistische Exekutive, auf der die sorgenvolle Aufgabe der Geldaufbringung lastet, wäre glücklich, wenn der gezeichnete Betrag wenigstens annäherungsweise die Ziffern des Budgets erreichte. Aber sic ist nicht in der Lage der Regierung von Chile. Sic hat kein so weites Land zur Verfügung, sie kann nicht gehorsamen( Untertanen Steuern auflegen, sie kann nicht Zölle und Gebühren emziehen, sie hat keine reichen Geldquellen, sie kann nicht einen verlockenden Zins-, fuß bieten, und — sie hat nicht die Unterstützung eines großen jüdischen Bankhauses. Auch appelliert sie nicht an den kaufmännischen Sinn, wenn sie di« Juden auffordert, für das Palästinabudget zu zeteb-