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Jüdische Rundschau · 1922-01-20 · Heft 6 (20.1.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 6 (20.1.1922)
Date
1922-01-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Poefiparksstoasrot Wien, Kottta Kr, 156 034 Ffif Ta<^1»^031aw«V:el! FoaUparkauenamt Prif, Konto Nr. 154030» ־־* Rod*kÜo»iachlu8 KoeoUf *ad MiltwaA »a&mHtap. •» כ׳ טבח׳ חרס״ב XXVII. Jahrg. 00r Zionismus erstreb« IQr das jüdisch« Volk die Schaffung olnor Qttonltlc(WQCtrt(lch gesicherten ttolm&tstt« In Palästina. ״Baseler Programm**. t&dä kosten t/| lad 6 3 iß tfort gasif 4 lintiäf Idaugoo i jd»t»n1 lt •!-!ו UM in) »nrh| 1 E i*.Unt<n| »Inntr. I ו־־״י״ו kUllliliii״ xent inf »ein« Cann. ieit hn». krelfif folg« i I ein ' lidier 1 bald wie irsls"• Der große Appell in dieser Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ erscheint der Aufruf der deutschen Juden für den Keren Hajessod (den wir mit Berliner Unterschriften bereits in der vorigen Woche veröffentlicht haben) mit den bis jetzt vorliegenden Unterschriften aus dem ganzen deutschen Reich. -Niemand, der diese Unterschriften liest, wird die Bedeutung des Aufmfes unterscliätzen. Die Namen, die unter dem Aufruf sleiien, repräsentieren das deutsche Judentum in seinen führendem Persönlichkeiten, und wenn auch noch manche Unterschrift fehlt, die wir gern unter dem Aufruf gesehen hätten, so stellen sie dach ■einen 'Ausschnitt von saldier Qualität und so breiter Kontur dar, daß: wir sie als bestimmend für die Haltung des Judentums in Deutschland anschcn dürfen. Führende Männer aus den großen Gemeinden, leitende Persönlichkeiten der großen Organisationen, angesehene jüdische Vertreter des deutschen Wirtschaftslebens haben sich' zu diesem Aufruf verdnigt. Wir dürfen hoffen, daß die Arbeit für ckm Keren Hajessod in Deutschland damit einen entscheidenden Schritt vorwärts gemacht hat. Und doch ist das Bestimmende, das diesem Aufruf seinen Wert verleiht, nicht die Reihe der Unterschriften, die sich zu ihm bekennen. Gerade wir Zionisten haben z!1 stark die Zweischneidigkeit des Notabelnsysterns erkannt, als daß wir in (übel ausbrcchen möchten, weil es gelungen Ist, eine so bedeutsame Namenliste unter einen Keren Hajes90d-Aufruf zu vereinigen. Was uns bewegt, indem wir diesen Aufruf und seine Unter- Schriften betrachten, ist der Ruck in der Entwickhmg, den er kennzeichnet. Wie lange ist es her, daß das jüdische Palästina fast wie ein SchLbo'.cth war, das die jüdischen Stämme voneinander schied? Daß man die Erwähnung von Erez-Israel aus den Gebetbüchern strich — daß man der jüdischen Erlieinmg nicht besser zu dienen glaubte, als indem man die Jugend systematisch allem zu entfremden versuchte, was sie mit der großen Vergangenheit unseres Volkes in Palästina verknüpfte, daß man die jüdische Arbeit und jüdische Mitarbeit streng danach schied, ob sie von einem kam, der für oder gegen ein jüdisches Palästina war? Palästina war wie ein Riß, der durch das Volk ging und es gab und gibt noch Kräfte genug, die diesen Riß zur tiefsten Kluft erweitern wollten. So in Deutschland, so in dem Großteil der jüdischen Welt. Es hegt uns fern zu behaupten, daß dieser Aufruf eine Aenderung in den! religiösen und kulturellen Anschauungen bedeutet, die seine Unterzeichner hegten oder noch hegen, ln dem ersten Artikel, der in diesen Blättern dem Aufruf gewidmet war, ist eindeutig genug darauf hingewiesen, daß wir uns in dieser Hinsicht nicht die geringste Illusion nuchen. Aber was wir aus dem Aufruf herausksm dürfen, was wir als seine Tendenz unterstreichen dürfen, das ist die durch Hin verkündete Tatsache, daß auch in Deutschland die Scheide- ^and gebrochen ist, die die Losung der Arbeit >ür Palästina zwischen Juden und Juden aufgerichtet hatte; das ist die Tatsache, daß der große Gedanke von der Wichtigkeit, der Nützlichkeit, der Notwendigkeit für die Juden, sich in dem Palästinaw«k zu einigen, führende, maßgebende Kreise des deutschen Judentums mit einer solchen Wucht erfaßt hat, daß mindestens die praktische Mitarbeit an der Erneuerung Israels in Palästina auf der Grundlage, die die zionistische Bewegung geschaffen hat, in Zukunft nicht mehr deutsche Juden ln Partei und Gegenpartei spalten wird. Das deutsche Judentum in seinen führenden Teilen für die Mitarbeit am jüdischen Palästina — aas ist der Akkord, der aus diesem' Aufruf herausklingt, ״<r die ganze jüdisclie Welt aufhorchen macht. In diesen Blättern war bereits darauf hin- ^wiesen, daß wir weit entfernt davon sind, aus der Tatsache des Aufrufs auf seinen Erfolg zu schließen, und gehobenen Herzens und mit gesenkten Händen endlich von der schweren Arbeit 3usruhen zu wollen, die wir Jahrzehnte lang allein u״d allen Angriffen und Mißverständnissen ausgesetzt, vollführen müßten. Und doch strömt etwas wie Erleichterung aus diesem Aufruf auf uns über. Wir fühlen, daß der Bann gebrochen ist, der uns und unsere Arbeit "ל fl/T 0׳* HC §>■*־״• ך* J ,AS, Empfang einer zionistischen Abordnung in der englischen Gesandtschaft von Washington London, 16. Januar. (J.C.B.) Reuter verbreitet folgende Meldung aus Washington: In einem in der britischen Gesandtschaft zu Ehren der Zionistischen Organisation veranstalteten Empfang wiederholte Mr. B a 1 f o u r sein Versprechen, die zionistischen Aspirationen zu unterstützen, und erklärte, daß er auch heute dort stehe, wo er während seiner Deklaration vom Jahre 1917 gestanden war, und zwar, daß Palästina ein National heim für die Juden werden soll. ״Die Juden — sagte Balfour — müssen hier ihre Arbeit tun, Großbritannien tut das Seinigc in Palästina. Beide müssen an diesem Werke Zusammenarbeiten: sie müssen Diplomatie und Uebcrlegung an den Tag legen, sie dürfen keine unnötige Hast zeigen, es dürfe auch keine Momente der Abschwächung in den Anstrengungen zur Vollendung des soeben begonnenen Werkes geben, in welches beide Teile frei und offen eihgestimmt haben.“ ״Ich kann Sie versichern — schloß Mr, Baifour — daß mein Interesse an eurer Sache, mein Glaube an euren endgültigen Erfolg und mein Wunsch, vor unseren Augen die erfolgreiche Verwirklichung des Ideals eines jüdischen Heims in Palästina zu sehen, nicht kleiner geworden ist.“ Washington, 16. Januar. (J.C.B.) Beim Empfang in der britischen Gesandtschaft beteiligten sich von zionistischer Seite 60 führende Zionisten aus allen Teilen der Union, darunter auch Delegierte der Orden B׳nei Zion, B’rith Schalom, der Hadassa und des jüdisch-amerikanischen Kongresses. Letzterer war durch Nathan Straus vertreten. Die zionistischen Gäste wurden Mr. Balfour durch Herrn Sokoiow mit der Bemerkung vorgestellt, daß der Name Balfours die Vereinigung zwischen den Juden und der Christenweit symbolisiere. Mr. Rothenberg erklärte namens der Dclegation, daß die Zionisten die Herstellung von Sicherheit für Leben und Vermögen in Palästina wünschen. Die gegenwärtigen politischen Bedingungen im Lande seien für ökonomische Unternehmungen günstig. Mr. Balfour zeigte sich von den Begrüßungen und Ausführungen der zionistischen Redner sehr angenehm berührt und stimmte in seiner Erwidcrung dem Wunsche Mr. Rothenbergs zu, daß Palästina mehr Sicherheit als bisher brauche. Balfour betonte in seiner Rede wiederholt die auf allen Juden lastende Verantwortung für den Aufbau Palästinas und lobte die Loyalität der amerikanischen Juden der zionistisehen Sache gegenüber. Weder die Entfernung aus ihren früheren Heimen in Osteuropa, wo sic so viel zu leiden hatten, noch ihr gegenwärtiger Erfolg in Amerika vermochte den begeisterten Patriotismus der amerikanischen Juden für Palästina ab* zukühlen. Die zionistische Bewegung bedürfe der festen Ueberzeugung und der Fähigkeit, eine Schwierigkeit nach der anderen in Geduld zu überwinden. Dies kann nicht durch Deklarationen, durch politische Formulierungen oder durch Reden erreicht werden, das kann nur durch die Anstrengungen der ganzen jüdischen Rasse geschehen, die — wie er glaubt — eifrig bemüht und gewillt ist, Gedanken und Geld für das Werk des Palästina-Aufbaues zu geben, damit die Ziele des Zionismus erreicht werden. Empfang Sokolows bei Präsident Harding Washington, 15. Januar. (J.C. B.) Heute empfing der Präsident der Vereinigten Staaten, Harding, den Führer der zionistischen Delegation, Nahum Sokoiow, Ln längerer Privataudienz. Sokoiow erstattete ausführlichen Bericht über die gegenwärtige politische Lage des Zionismus, insbesondere über die Frage des Palästina-Mandats, und schilderte die Lage der Ostjuden. Er war in der Lage, dem Präsidenten auch über die großen Sympathien zu berichten, denen die Keren Hajessod-Bewegung in Amerika nicht nur bei den Juden, sondern auch bei den Gouverneuren der einzelnen Staaten, den Bürgermeistern der Städte und bei vielen führenden Persönlichkeitcn Amerikas begegnet. Präsident Harding folgte den Ausführungen Sokolows mit großem Interesse, das sieh auch durch wiederholte Fragen über verschiedene Punkte des Berichts kundgab. Harding gab seinen großen Sympathien für den Zionismus Ausdruck und versicherte schließlich, daß die Regierung der Vereinigten Staaten immer bereit sein werde, dem Zionismus bei der Erreichung seiner Ziele behilflich zu sein. Jahrzehnte hindurch von der Gemeinschaft der anderen absondertc, dem «inen diffamierenden Clinraktcr zu geben ja heute' noch Kräfte am Werk sind. Die Zeit, die solchen Bestrebungen Bcdeutung verleihen konnte, ist vorbei. Auch in Zukunft werden wir in hundert und aberhundert Ge- Iegenheitcn allein sein. Wir werden den Kampf um das nationale Judentum, um die neue Tendenz der jüdischen Politik, um die Gemeinden, um die Schulen weiterkämpfen müssen genau so wie bisher, und daran kann und soll der Aufruf nichts ändern. Aber auf diesem Kampfgebiet, in dieser Einsamkeit, die uns fast zur Gewohnheit geworden ist, gibt es in Zukunft eine Insel, auf der sich die kämpfenden Hände zu brüderlichem Gruß! vereinigen werden, die Arbeit für Palästina, die Aktion für den Keren Hajessod. Ein Einendes hat sich aus dem Zwiespalt erhoben, die wundervolle urewige Aufgabe Palästinas, das jüdische Volk in seinem Einheitsbewußtsein zu repräsentieren, hat sich wieder einmal erfüllt. Das ist ein Trost und ist eine Hoffnung, ln eine? Zeit, da alle Kräfte des Untergangs sich gegen das jüdische Volk verviclfjicht zu haben scheinen, taucht Palästina aus dem Chaos auf wie eine rettende Planke. Wie heiß und scharf initiier der Kampf der Meinungen in Zukunft im deutschen ludentum geführt werden mag, das Gift ist ihm genommen, die Einheit ist stabilisiert Ist es zu kühn zu hoffen, daß die Harmonie, die heute die weitesten Schichten des deutschen Judentums in der Mitarbeit am Aufbau Palästinas einigt, ihre schaffende und bauende Kraft allmählich weiter auswirken läßt und dem ganzen jüdischen Leben Befruchtung und Beseelung verleiht? Das man doch in weiter Ferne liegen. Einer Wirkung aber ist der Aufruf jetzt schon sicher. Die Juden der Welt, zerspalten und zerrissen wie die deutschen Juden, werden von dem׳ neuen Ton ergriffen werden, der aus dem Aufruf und seinen Unterschriften klingt. Wieder einmal nach vielen Jahren des Irrens wirkt das deutsche Judentum beispielgebend, richtunggebend. Ohne Kompromiß kam dieser Aufruf zustande, keine Gesinnung wurde vergewaltigt, in freier Arbeitsgemeinschaft haben sich die verschiedensten Richtungen auf dem Boden des Keren Hajessod zusammengefunden. Daß das im deutschen Judentum möglich war, wo alle Parteiungen, alle Meinungen ihre schärfste Begründung, ihre letzte Theorie gefunden haben, von wo seit Jahrzehnten die Differenzierungen in allen Ländern ihr geistiges Rüstzeug sich zu holen gewohnt waren, gibt diesem Aufruf seine symptomatische Bedeutung auch für alle Juden außerhalb Deutschlands. Und wenn sich jetzt in der Arbeit, die sich an diesen Aufruf anschließen muß, zeigen wird, 'daß nicht nur seine führenden Männer, sondern daß das deutsche Judentum in seiner Gesamtheit das Gebot der Stunde erfaßt hat, wenn sich aus der praktischen Leistung, aus den Geldbeträgen, die die deutschen Juden für den Keren Hajessod aufbringen werden, erweisen wird, daß man nicht nur bereit ist zu zeichnen, sondern auch zu geben, viel zu gebeut den Maasser zu geben, dann wird dem deutschen Judentum aus diesem großen Appell, zu dem cs sich aufgerafft hat, soviel an Kraft und Ansdien von überallher zufließen, wie es an Palästina abgegeben ,haben wird. Und nicht nur Palästina wird der Nutznießer dieses Aufrufes sein. J. B.

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