Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1922)
- Date
- 1922-01-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Zionismus erstrebt tarda* JQdische Volk die Schaffung einer üftantlicli-rociitilch gesicherten tfolmsfStte In Palästina• ״Baseler Programm", Der lange Weg lin ״Juden Politik Ssigen JS aus Santo« Jahren ״Ostt von Jmber Jüdin Form!rgritt ig. - *assoi tum". lobr Dr. Inter- * und staltot Tom. b.i hagetroti * Üonoi tt den 1! ttg Hi' am ‘U0, ohlafi «r.;ihre 1917 erschien im Februar-Heft des ein Artikel mit der Ueherschrift ״Innere ein Beitrag zur jüdischen Entwicklung i! Deutschland.“ Dort wurde der Nachweis ge- Jülirt. daß es zwischen den Lebensanschauungen der beiden Lager im Judentum, des zionistischen ttnd des nichtzionistischen, ein Kompromiß׳ nicht gcboi könne. Es sei jedoch durchaus möglich, daß die Zionistische Organisation sich mit anderen jüdischen Organisationen zu bestimmter. Zwecken verbinde. Solcher allen erwünschten Ziele gäbe es viele, und ״wer cs für wertvoll hält, sic iiit uns int Bunde zu erreichen, kann unserer Bund- »!streue gewiß sein.“ Heute erscheint ein Aufruf der deutschen Organisation des Keren Hajessod. Von allen ähnlichen Aufrufen früherer Zeiten unterscheidet sich dieser Keren Hajessod-Aufruf. Vertreter der Zionistischen Organisation und Angehörige von aiclitzionistischen Organisationen fordern gemeinsaut zu einer außerordentlichen Anstrengung für den Aufbau von Er». Israel auf. Der Aufruf versucht an keiner Stelle Sympathien für das Palästinawerk durch Gesinnungskompnonilsse zu erwecken. Keiner der Unterzeichner wird in seiner Gesinnung vergewaltigt. Arbeitsgemeinschaft, nicht Gcsinmmgsgemeinschaft ist das Ziel. Den tatsächlichem, Verhältnissen versucht der Aufruf in allen seinen Teilen gerecht zu werden. Er stellt fest, daß die Besiedlung Palästinas immer eine religiöse Pflicht im Judentum war, daß jetzt aber die Möglichkeit gegeben ist, durch eine Aktion aller Juden Palästina zu einer jüdischen Heimstätte zu entwickeln. Die Lösung der Aufgabe, vor die die Judcnhcit heute gestellt ist, kann nur gelingen, wenn in Palästina eine starke jüdische Entwicklung vor sich geht: Reproduktivierung des jüdischen Menschen, Erneuerung des jüdischen Geistes und der jüdischen Seele. Das jüdische Palästina wird für jeden Juden von Bedeutung sein. Da die jüdische Leistung int jüdisclien Lande Geist und Kraft der gesamten jndeniieit stärken wird, muß .׳das Werk über die) Parteien erhoben werden. Der Aufruf spricht von den Schwierigkeiten, von der zweckmäßigen Verwendurrg der gesammelten Mittel, von der Bcdeutung der weltumspannenden Keren Hajessod-Aktioa und von der Notwendigkeit materieller Leistungen, die der Größe der Aufgabe entsprechen. Diesen Aufruf konnten Alle unterschreiben. Jeder Satz enthält eine Wahrheit, eine ohne jede Uebertreibung ausgesprochene Wahrheit. Die klaren und einfachen Sätze dieses Aufrufs werden einen Eindruck von der Größe des Palästinawerkes zu geben vermögen. Jüdische Richtungen haben sich mit uns verbündet. Nachdem als Erster der Vorsitzende des Verbandes der jüdisclien Jugend vereine sich der Keren Hajessod-Aktion angeschlossen hatte, folgten der Vorsitzende des Rabbiner-Verbandes, die Vor- Steher der Jüdischen Gemeinde Berlin. Manche Unterschriften sind nicht ohne Kampf gewonnen *I worden. Jüdische Organisationen versuchten schärf«r noch als in früheren Zeiten jede gemeinsame Arbeit vom Zionisten und Nichtzionisten unmöglich *u machen. Zentralverein und Agudah machten g«gcn uns mobil. Um so höher ist der Wert der Unterschriften einzuscliätzen. Es handelt sich nidit Sympathie-Erklärungen, sondern um die Bcj *Undung des Willens zu gemeinsamer Arbeit. Ein Erfolg also; ein Erfolg unserer Arbeit Ein Erfolg, den wir errungen haben ohne irgendj *riebe unehrlichen Konzessionen zu machen oder Boi*• ’ von anderen zu verlangen. Es handelt sich nicht j י*י> «inen formalen Ausgleich, sondern wirklich um ך ן* Bedingungen für ein gemeinsames Werk, an j Juden verschiedenster Anschauungen aus ver- 50 ־Wedenen Gründen interessiert sind. Wie haben f w׳r diesen Erfolg zu bewerten?! Ohne diesen Aufruf und ohne diese Unter- | sF'diten wäre es uns schwerer geworden, Nicht- I Xistcn *״ Kr°Ecr Zahl zu ernsten materiellen 5 '-׳pfern für Erez Israel zu veranlassen. Dieser Auf- 1 '*י wird uns die Arbeit erleichtern. Wir täuschen i ״״* nicht darüber, daß der Aufruf in Wahrheit aea •n vor ,ft el 35 H 1s 1• tu m B» IV -800 ״.100 18allüort 40■- vor allem ein Auftrag an uns ist. Er wird die Bedeutung haben, die wir ihm durch Arbeit verleihen. Jetzt erhalten wir die Gelegenheit, den Nachweis zu erbringen, ob cs möglich ist, auch Nichtzionisten ernsthaft für Palästina zu interessieren. Der Aufruf und der Statuten-Entwurf für den Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk) E. V, räumt alle Bedenken hinweg, die von Nichtzionisten gegen den Keren Hajessod geäußert werden konnten. Mit hervorragenden Vertretern des deutschen Wirtschaftslebens sind unter allgemeiner Zustimmutig die vom Direktorium des Keren Hajessod genehmigten Verwendungszwecke fcstgelegt worden. Für die Beteiligung von Nichtzionisten an der Leitung des deutschen Keren Hajessod sind keinerlei einschränkende Bestimmungen gemacht worden, in freier Wahl wird die Generalversammlung der Mitglieder den Vorstand wählen. Nunmehr wird sich erweisen können, wie stark in Wirklichkeit das Gefühl der Verpflichtung gegenüber dem Aufbau von Erez Israel von jedem Einzelnen empfunden wird. Nach unseren Erfahrungen werden wir große Beträge nur dann erhalten, wenn cs uns gelingt, sehr viele einzelne Juden durch persönliche Besuche aufzuklären und zu gewinnen. Eine Fülle von Arbeit wird also von jeder Gruppe, von jedem einzelnen gefordert werden. Der Aufruf ist das Ende einer Entwicklung und zugleich der Anfang für verstärkte neue Arbeit. Für Zionisten gibt es kein Ausruhen. Wir sind ein großes Stück auf unserem Wege vorwärts gekommen, aber der Weg, der vor uns liegt, bleibt lang und mühselig. ״Je nationaler uns unser nationaler Wille machen wird, um so weniger kann es tiefer empfindenden Menschen mit nichtzionistischer Vorstellung genügen, uns begrifflich abzulchnen.“ So heißt es in dem oben erwähnten Artikel aus dem Jahre 1917. Nur durch die Größe echter zionistischer Leistung können wir Nichtzionisten beweisen, daß mit der jüdischen Entwicklung in Erez Israel das Glück und die Ehre des jüdischen Namens verbunden ist. Daß wir nationale Juden sind, beweist der Maasser der Zionisten. Nur wenn wir uns dem Gesetz der Maasserordnung unterwerfen, haben wir das Recht von Nichtzionisten ähnliche Beträge zu fordern, nur dann werden unsere Worte auch die Kraft der Ueberzeugung haben. Wir müssen also im Geben vorbildlich wirken, um dem Aufruf einen Inhalt zu geben. Wir müssen heute mehr als bisher Zionisten gewinnen und erziehen, damit die gesammelten Mittel nicht vergeblich verausgabt werden. Dieses letzte ist heute besonders zu beherzigen. Die allgemeine Keren Hajessod-Aktion erfordert als Ergänzung verstärkte zionistische Erziehungsarbeit. Geld und Menschen brauchen wir. Geld müssen wir gemeinsam! mit allen beschaffen. Auch hier wird von uns die größte Leistung mit Recht erwartet werden. Die Menscher, werden wir aber allein bereitstcllen müssen. Nur beste Menschen geben eine Garantie für die wirtschaftliche Ver- Wendung der Mittel. Beste Menschen, d. h. Mensehen, die unter allen Bedingungen im Lande aushalten, die alle Gefahren kennen und ihnen durch Ausbildung der Fähigkeiten und des Charakters gewachsen sind. Deshalb gesteigerte Notwendigkeit der menschlichen, sprachlichen und fachlichen Vorbereitung unserer Pioniere, deshalb Stärkung der nationalen Gesinnung, deshalb Notwendigkeit der Gewinnung möglichst vieler neuer Zionisten aus allen Teilen der jüdischen Jugend. Die große Arbeit kann nur gelingen, wenn sie begleitet wird von gesteigerter zionistischer Tätigkeit. Die Sehnsucht nach Ruhe ist heute in manchen Teilen der Zionistischen Organisation groß. Man kann den Gedanken nicht ertragen, daß wir noch nicht zu einem Zustand gelangt sind, wo endlich ein Ausruhen möglich ist Gerade im Augenblick eines echten Erfolges darf es keine Selbsttäuschung geben. Unser Los wird immer wieder unverminderte Arbeit sein, letzte Anspannung aller Kräfte in allen Tagen unseres Lebens. Solche ständige Anforderung an die Energie jedes einzelnen erschreckt manche, erscheint manchen als unbereclitigt. Wir wissen, daß es sich nicht tun eine von uns ausgedachte Formel handelt. Jeder Tag beweist uns ja aufs neue, daß alles davon abhängt, ob wir der Arbeit des neuen Tages gewachsen sind. Desff* f^■ 4 halb brauchen wir immer wieder neue Men säten, f die begreifen, daß unsere Aufgabe heute, wo er. / uns gelungen ist, auch Nichtzionisten für das Pa-י✓ lästinawerk zu gewinnen, im Grunde nicht leichter geworden ist. Die Keren Hajessod-Aktion wird! uns die Möglichkeit geben, zu erkennen, wem e* ernst mit dem Aufbau von Palästina ist. Die Zeit der billigen Sympathie ist vorüber. Mitreden wird nur können, wer mitarbeitet, wer Geld schafft, wer Menschen für Palästina erzieht. Da wir beides bringen, fällt uns die Führung am Aufbauwerk zu. Wir werden sie nur dann behalten können, wenn wir auch in Zukunft beide Aufgaben erfüllen werden. Die Auseinandersetzungen der jüdischen Welt sind ehrlicher und klarer geworden, seitdem wir den Versuch gemacht haben, anstelle des Gesinnungskompromisses die Arbeitsgemeinschaft zu setzen. Die Arbeitsgemeinschaft bewährt sich dann, wenn alle Beteiligten die Verpflichtung zur Arbeit übernehmen. Wir freuen uns über den Willen von Nichtzionisten, mit uns gemeinsam m arbeiten. Wir danken den Unterzeichnern des Aufrufs. Wir stellen fest, daß der Palästina-Gedanke sichtbar Fortschritte gemacht hat, aber wir halten es für unsere Pflicht, gerade in diesem Augenblick emsthaft darauf hinzuweisen, daß ,wir den wahren Wert der neutralen Keren Hajessod-Aktion erst nach ein oder zwei Jahren abschätzen werden. Was an uns liegt, wollen wir tun. Die disziplinierte Schar unserer Mitarbeiter stellen wir zur Verfügung, die Kräfte aller Zionisten werden wir immer aufs neue anzuspornen suchen. Wir Zionisten sind mißtrauisch gegen Erfolge, wir haben aber allmählich einen Maßstab gefunden, der uns zeigt, ob wir es mit einem echten Erfolg oder nur mit einem Schein zu tun habe״• der wirkliehe Fortschritt stellt uns vor eine neue Aufgabe, legt uns eine weitere Verpflichtung auf, vergrößert unsere Verantwortlichkeit. Deshalb glauben wir, daß der Aufruf zum Keren Hajessod eine Leistung ist. Er verpflichtet uns zu höherer Tätigkeit nach außen und nach innen, er stellt uns vor die Frage: sind wir alle bereit, mehr zu tun, sind wir dem gewaltigen Werk gewachsen? K. B. Keren Hajessod-Komitee in Deutschland Wir veröffentlichen an anderer Stelle der heutigen Nummer den Aufruf des allgemeinen Keren Hajessod-Komitccs für Deutschland, der von einer Reihe führender Persönlichkeiten des Berliner Judentums unterzeichnet ist. Wie wir erfahren, haben sich auch aus anderen Gemeinden des Deutschen Reiches bereits eine ganze Anzahl angesehener Persönlichkeiten dem Aufruf durch ihre Unterschrift angeschlossen. Indem wir uns Vorbehalten, in einer der nächsten Nummern den Aufruf nochmals mit allen Unterschriften abzudrucken, geben wir iin folgenden einige Namen von Personen wieder, die ihre Zustimmung erklärt haben: * Hamburg: Alfred Levy, 1. Vorsitzender des Vorstandes der Deutsch-Israelitischen Gemeinde; Alfred Lisser; Obcriandcsgerichtsrat May; Julius Schindler. — Breslau: Justizrat Dr. Heilberg. — Königsberg: Justizrat Holz, 1. Vorsitzender des Vorstandes der Synagogengemeinde; Justizrat Lichten stein; Bankdirektor Hermann Marx. — Stettin: Rabbiner Dr. Wiener. — Dresden: Rabbiner Professor Dr. Winter. — Stuttgart: Oberkirchenrat Dr. Krön er. — Elberfeld: Dr. med. Julius Loeb. — Mainz: Rechtsanwalt Dr. Paul Simon; Kommerzienrat Ludwig Kronenberger. — Cassel: Rechtsanwalt Dr. Gold- Schmidt. — Barmen: Sanitätsrat Dr. Ollendorf, 1. Vorsitzender des Vorstandes der Synagogengemcinde. — Heidelberg: Georg Herman n-Borchardt. — Berlin: Eugen Ca spary• Oewcrberat Emil P lotke. — Mannheim: Max Ooldschmidt, Vorsitzender des Synagogenrates und Mitglied des Oberrates der Israeliten in Baden; Landgerichtspräsident Dr. Stein. — Leipzig: Rabb. Dr. Felix Ooldmann.