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Jüdische Rundschau · 1922-01-10 · Heft 3 (10.1.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 3 (10.1.1922)
Date
1922-01-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Zionismus erstrebt tQr das Jüdische Volk die Schaltung elnor Cltontllch-rochtllch goslchorten Holmstfitt• In Palästina. ״Baseler Programm“. Wte.te eines cliler tr<!■■ Vvise arz... Jines, vm״־> unser jÜIlStverlichteinen hlgc- *Hin- ז von Etern וס״ס Paprictic fol״t!dien ei ivnken Fürkfnrt Upen tJBt I'• isr riany! flUMilj «n H»1| Bgent , b»n!l Amerika und das Palästina-Mandat Washington, 4. Januar. (J.C. B.) Wie I.C.B. von /uvcrlässigcr Seite erführt, wurde vor einigen Tagen der Versuch gemacht, die Frage des 1’alästinaniandnts von der allgemeinen Mandatsfragt loszulösen, damit die Ratifizierung des englisclictt Mandats über Palästina durch den Volkerbund ehestens erfolgen könne. Dieser Versuch wurde von mehreren hohen amerikanischen Funktionären gemeinsam mit dem einflußreichen Senator Coninis unternommen, der Herrn Sokolow zugesagt hat, sein Möglichstes für die Erlangung der Unterstützung der Washingtoner Regicrung hn Sinune einer beschleunigten Erledigung des Palästina in andats zu tun. Senator Comnis wird dieser Tage den Präsideuten H a rd i n g um eine günstige Stellungnahme in der Frage des Palästinamandats, welche von dem Problem des Mandats über Mesopotain ien getrennt werden soll, ersuchen. 11 ־h 1Augenblick' b ez weif eit man die Möglichkeit einer offiziellen Stellungnahme Amenkas gegenüber dem Völkerbund in der Frage des Palästinamandats. Es unterliege aber keinem Zweifel, daß die amerikanische Regierung sich bemülien werde, inoffiziell auf die Alliierten in diesem Sinne einzuwirken. Dies geht auch aus der besonders freundlichen Aufnahme hervor, der die Forderungen Sokolows in allen Regierungs־ kreisen begegnet sind. Auch Senator H i t c h - 100־k, der Führer des demokratischen Klubs in der Kommission für Auswärtiges, erklärte, nachdem ihm Sokolow die Lage der Juden in Osteuropa geschildert hatte, daß es unter den gegenwärtigen Umständen, da die Tore Amerikas für die jüdische Einwanderung geschlossen sind, die moralische PflichtAincrikas sei, den Juden zur Schaffung iiires nationalen Heims in Palästina behilflich zu sein. Von gutinfonnierter Seite wird mitgeteilt, daß die italienische Regierung bereit sei, einer gesonderten Behandlung des Palästinamandats zu- /ustiimnen. Die Ratifikation des Palästina-Mandats aufgeschoben Wie das J.C.B. aus London mitteilt, ist die Behandlung des Palästinamandats, wetche Ursprunglieh auf der Tagesordnung der Völkerbundtagung an 10. Januar in Genf gestanden hat, von der Tagesordnung abgesetzt worden. Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß der Frieden von S^vres, welcher ursprünglich vom Obersten Rat hei seiner Sitzung in Cannes behandelt werden sollte, dort nicht zur Besprechung gelangen wird. Br. Weizmann, welcher auf das erwähnte Gerücht hm nach Cannes und Genf zu reisen beabsichtigte, wird jetzt nach London zurückkehren, um bei Besprechimgen anwesend zu sein, welche von großer Bedeutung für die Zukunft des Zionismus sein werden. פ. Definition der BaUonr-Deklaration? Die ״Morning Post" teilt mit, daß die britische Regierung die Absicht hat, die Balfour-Dcklaration so?u definieren, daß die Juden in Palästina keine andere Politische Position haben werden als die übrige Landeshevölkerung. Das J. C. B. hat sich mit der Bitte 11m Aufklärung an daS Kolonialministeritnn gewendet und uort die Mitteilung erhalten, daß die Nachricht auf keinerlei Information seitens des Kolo "'*Iministeriums beruhe. Diese Erklärung des Kolonialministcriiuns hat, wie ' äs J C. B. weiter mitteilt, ein gewisses Befremden her- '^gerufen, weil mir die Autorisation des Berichtes, nicht י ן®« sein Inhalt in Abrede gestellt wurde. Es wird vom ' B״ hinzugefügt, daß nach seinen Informationen tat■ j “™lieh eine Definition der Balfour-Deklaration in Vor- ״ercitung ist. Die Meldung der ״Morning Post“ bej mne aber offenbar lediglich auf deren Anschauungen! w '״ keiner Beziehung zu dem wirklich geplanten j WortIaut. Die Zionistische Organisation veröffentlicht I ״ץ Erklärung, worin mitgeteilt wird, daß die Meldung ן ן r »Moming Post“ offenkundig eine Entstellung 1 es Berichtes über den Meinungsaustausch zwischen den «Mieten und der arabischen Delegation ist, welcher »*־t jungst im Kolonialministerium statHand. Damals sei Professor Weizmanns Rückkehr nach London Ehrenabend ha Hanse des Generaikonsais Lands« Der Präsident der Zionistischen Wcltorganisation, Prof. Weizmann, hat Berlin verlassen, um nach London zurückzukehren. In den letzten Tagen seines hiesigen, Aufenthalts wurden ihm noch mannigfache Ehrungen von zionistischer und nichtzionistischer Seite dargebracht. Bemerkenswert ist vor allem ein Ehrenabend, den Generalkonsul Eugen Landau in seiner Wohnung für Professor Weizmann veranstaltete, und zu dem hervorragende Persönlichkeitcn des deutschen öffentlichen Lebens —י Minister, Staatssekretäre, Abteilungsdirektoren des Reichsministcriums des Auswärtigen, Vertreter der Wirtschaftswelt und Publizisten --!geladen waren. Unter den Gästen befanden sich neben anderen: Reichsjustizministcr Professor Radbruch; Reichsminister a, D. Exzellenz Dcrnhurg; der neue deutsche Gesandte in Wien, Dr. Pfeiffer; Staatssekretär Professor Becker vom Preußi* sehen Ministeriiun für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung; Ministerialdirektor Gneist; Gesandtcr v. Muthius; Ministerialdirektor Koepkc; der Referent für die Türkei und Palästina, Geh, Legationsrat Padel; Wirkl. Legationsrat v. Kuhhnann; Legationsrat Söhring, Referent für die deutschen Schulen im Auslände; Legationsrat Prüfer; ProfessorSobernheim und Konsul Hoffmann. Die Finanz* und Industrieweit war durch üclvcimrat Dr. Caro, Direktor Ellstättcr, Siegmund Hirsch, Kotnmerzicnrat Gcrson Simon, Direktor Kurt Sobcrnheim und Konsul Walter Sobernheim, die deutsche Publizistik durch Dr. Guttmann , den Berliner Berichterstatter der ״Frankfurter Zeitung“, vertreten. Von zionistischer Seite waren außer Prof. Weizmann erschienen, Dr. Feiwel, der Direktor des Keren Hajcssod, Rechtsanwalt Rosenblüth, des Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, sowie die Mitglieder des Berliner Büros der Zionistischen Exekutive, Dr. Jacobson, Dr. Hantke und Julius Berger. Die Reihe der Reden cröffncte Prof. Sobern - heim, indem er in prägnanter Weise die Ent- Wicklung der Palästina-Kolonisation bis zum Ausbruch des Weltkrieges darlcgte. 'Seine Ausführungen, die eine gründliche Kenntnis der gesamten jüdischen Politik und eine objektive Bewertung der einzelnen politischen Richtungen! innerhalb des Judentums verrieten, waren für die Anwesenden eine instruktive Einleitung zu dem darauffolgenden Vortrag von Prof. Weizmann. Von den Ein Wirkungen des Weltkrieges auf die Zionistische Orgnaisation ausgehend, schilderte Weizmann die einzelnen Phaser, der neuen ,Kolonisation, ihre bisherigen Erfolge und ihre Ziele. Der Redner charakterisierte die bestehenden Schwierigkeiten und er• läuterte, wie die tätige Solidarität des Judentums sie überwinden könne. Der starke Eindruck, den Weizmanns Ansprache auf die Anwesenden machte, wird am ehesten illustriert, wenn man den wesentlichen Inhalt der Rede wieder׳ gibt, die Reichsfinanzminister a. D. Dernburg int Verlauf des Abends hielt. Dernburg, der bekanntlich die deutsche Kolonialpolitik in ihrer wichtigsten Periode leitete, legte in großen Zügen seine kolonisatorischen Erfahrungen dar, verglich die früheren Koionisationsmcthoden mit den gegen wärtigen und schloß, indem er mit Nachdruck betonte, daß jeder gebildete Deutsche mit der Tätigkeit und dem Ziel der z i o nisti8chen Bewegung sympathisicre Nachdem Dr. J, Strauß kurz erwidert hatte, vervollständigte Dr. Feiwel in seiner Eigenschaft als Mitglied des Zionistischen Finanz- und Wirtschaftsrats Dr. Weizmanns Mitteilungen, wo bei er vornclvmlich auf die Methoden der Gcldauf bringung für das Koionisationswerk und auf das wachsende Interesse der Juden in allen Teilen der Welt am Aufbau des neuen Palästina einging. Der politische Teil des wohlgelungenen Abends batte damit seinen Abschluß erreicht. keinerlei Entscheidung bezüglich der einzuschlagcnden!»olitik gefällt worden, und cs Ist klar, daß vor der Rückkehr Dr. Weizmanns nach London nichts unternommen werden wird. Nach Weizmanns Besuch Die deutschen Zionisten und das deutsche Judentum überhaupt sind in dar letzten Wochen durch den Besuch Dr. Weizmanns und einer ganzen Reihe von Mitgliedern oberster zionistischer Behörden in einen so nahen Kontakt mit der zionistischen Realität gekommen wie nie zuvor seit Ausbruch des Krieges, Zwar ist die politische Entwicklung des Zionismus auch in Deutschland stets mit großer Aufmerksamkeit verfolgt worden. Alle Hoffnungen, alle wechselnden Stimmungen der letzten 4'/a Jahre•, alle Aufregungen und Enttäuschungen dieser Ent- Wicklung, wurden auch in Deutschland miterlebt. Trotzdem haben weitere Kreise des deutschen Judentums niemals so genau verstehen gelernt, was Zionismus bedeutet, wie beim Zusammentreffen mit Dr. Weizmann, der ja geradezu die Verkörperung des Zionismus in seiner heutigen Phase ist. Zweierlei ist dabei auch Fernerstehenden klargeworden. Erstens die ungeheuere Wucht, die zwingende -Notwendigkeit •der zionistischen Idee, die keine ausgeklügelte Sache ist, sondern eine unmittelbare, aus dem menschlichen Leben geborene Realität, die man nicht unterdrücken und nicht einmal totschweigen kann. Zweitens die ungeheuren Schwierigkeiten, mit denen diese Sache von übergewöhnlicher historischer Größe bei ihren ersten Gehversuchen in der Welt der Wirklichkeit zu kämpfen hat, Beides ist heute zu wissen unerläßlieh. Die Lage des Zionismus ist außerordentlich ernst, denn das Problem,!wie die Idee sich in der Wirklichkeit auswirken soll, ist noch nicht gelöst, lind ist mit gewöhnlichen Mitteln nicht lösbar. Die Realisierung des Zionismus ist ein Werk des materiellen, ökonomischen Aufbaus. Zu dessen Durchführung gehören aber ökonomische Kräfte, die ein so mangelhaft organisiertes Volk wie das jüd ischc nur mit äußerster Anstrengung und größter Willensanspannung aufbringen kann. Der katastrophalc Schlag für den Zionismus ist in diesem Augen, blick die ökonomische Vernichtung des russischen und mitteleuropäischen Judentums. Und trotzdem muß der Weg gebahnt werden, die Idee muß auch dieser Schwierigkeit Herr werden. Nicht der Rausch über momentane Erfolge, nicht die deklamatorische Versicherung begeisterter Zustimmung ist das Merkmal des echten Zionisten, sondern die stille Zuversicht, daß die Idee über alle Schranken hinweg sich den Weg zur Wirklichkeit bahnen muß. Die heutige ernste Lage des Zionismus ist verursacht zum grolk'n Teil durch die Schuld des jüdischen Volkes selbst, das auf die Ereignisse nicht so reagiert hat, wie man erwarten durfte. Das wertvollste Ergebnis der Weizmann-Wochc in Deutschland muß cs seih, daß diese Tatsache auch den deutschen Juden zum Bewußtsein gebracht wurde. Nicht nur den deutschen Zionisten, die auch noch nicht in ihrer Gesamtheit den Emst der Lage begriffen haben, sondern darüber hinaus wurde diesmal ein viel größerer Kreis verantwortlicher jüdischer Persönlichkeiten vielleicht zum ersten Male der Größe der Verantwortung gewahr, die heute auf dem gesamten Judentum liegt. Man kann sich dieser Verantwortung nicht dadurch begeben, daß man den Aufbau Palästinas als eine Partei- Sache binstellt und sich damit davon auszuschließen, die Berechtigung zubilligt Der Erfolg dieser Sache wird nicht der zionistischen Partei, sondern dem ganzen Judentum zur Ehre gereichen, ein Versagen wird nicht die Leistungsfähigkeit der zionistischen Partei, sondern die Leistungsfähigkeit des Judentums zu wirklicher, konkreter, kulturschöpfcrischer Aufbauarbeit in Frage stellen. Das Gelingen dieses We'rkes wird nicht der zionistischen Partei, sonder» dem immer blutleerer werdenden Körper des Judentums neue Kräfte zuführen. Viel Zeit ist nicht mehr zu verlieren. Die große Chance, die das Judentum durch die politische Konstellation und durch die politische Arbeit der Zionistischen Organisation erlangt hat wird nicht ewig dargeboten werden, wenn die Juden nicht davon Gebrauch machen. Die politischen Voraussetzungen sind in einem nie geahnten Maße erfüllt worden. Alle Rückschläge, die e intreten, sind im Grunde darauf zurückzu führen, daß es nicht gelingt, den politischen Rahmen mit konkreter Wirklichkeit zu füllen. Die Mittel sind I nicht dagewesen. Der Zionistischen Organisation ist

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